Zum Inhalt springen

Kinaesthetics-Online-Fachlexikon: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Kinaesthetics-Online-Fachlexikon
Susanne Hoser (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
 
(130 dazwischenliegende Versionen von 10 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
'''Fetter Text'''== == '''Perturbation ==
{| class="wikitable" style="width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;"
''' ==
| style="width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 10px #FF4500;background-color:wheat;" colspan="2" |
===
'''Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!'''<br>Das [[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon|Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL)]] wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“).
=== '''Inhaltsverzeichnis:
|-
''' ===
| style="width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;"|
===
'''Schon gewusst?'''<br><big> Kinästhetik und Gesundheitsentwicklung: ein aktiver Prozess</big><br>
 1 Herkunft und Bedeutung des Begriffs
In der Kinästhetik wird Gesundheit nicht als statischer Zustand, sondern als ein lebenslanger, dynamischer Prozess der [[Gesundheitsentwicklung|Gesundheitsentwicklung]] verstanden. Der zentrale Schlüssel hierzu ist die individuelle [[Bewegungskompetenz| Bewegungskompetenz]]. Das Fachgebiet geht davon aus, dass der Mensch seine Gesundheit durch die Qualität seiner alltäglichen Bewegungen – wie Sitzen, Aufstehen oder Gehen – aktiv und eigenverantwortlich beeinflussen kann. <br>Eine hohe Qualität der willkürlich steuerbaren Bewegung wirkt sich direkt und positiv auf die Vitalfunktionen wie Atmung, Kreislauf und Verdauung aus, da zwischen diesen Prozessen eine enge Wechselwirkung besteht. Durch die Sensibilisierung des [[#Sinnesrezeptoren|kinästhetischen Sinnessystems]] lernt der Mensch, seine eigenen [[Parallele und spiralige Bewegungsmuster|Bewegungsmuster]] differenzierter wahrzunehmen und sie konstruktiv an veränderte Bedingungen, wie etwa Alter oder Krankheit, anzupassen. <br>Anstatt sich nur auf äußere Maßnahmen zu verlassen, rückt die Kinästhetik das [[Lernen (Begriff)| selbstgesteuerte Lernen]] selbstgesteuerte Lernen in den Mittelpunkt. Wer lernt, sein Gewicht in der Schwerkraft effizienter zu organisieren und seine Bewegungsspielräume zu erweitern, fördert aktiv seine eigene Gesundheit und Lebensqualität. Somit ist die Kinästhetik eine praktische „Steuermannskunst“ für die eigene Entwicklung.
 2 Definition und Geschichte
 3 Bedeutung des Begriffs in der angewandten Kinaesthetics
 4 Einzelnachweise


=== Herkunft und Bedeutung des Begriffs ===
Perturbation geht zurück auf das lateinische Substantiv „perturbatio“ (Verwirrung, Unordnung, Störung). Der spanische Begriff perturbación (Störung) wurde von den Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela in ihrem Buch „Der Baum der Erkenntnis“ eingeführt und von dem Übersetzer Kurt Ludewig als Fachbegriff „Perturbation“, in der Verbform „perturbieren“ für den organischen und physikalischen Bereich ins Deutsche übernommen.


=== Definition und Geschichte
''⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Schon gewusst“ findest du [[„Schon gewusst?“|hier]].''
===
| style="width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;"rowspan="2"|
„Der von den Autoren [Maturana+Varela] verwendete Begriff perturbación bezeichnet …Zustandsveränderungen in der Struktur eines Systems, die von Zuständen in dessen Umfeld ausgelöst (d.h. nicht verursacht …) werden. Insofern ist die Übersetzung dieses Begriffes etwa mit Störeinwirkung oder Störung problematisch, zumal diese Begriffe im Deutschen eher kausal oder gar negativ benutzt werden.“ (Maturana, Varela, 1987, Anmerkung des Übersetzers, S.27)
<br>
„Bei den Interaktionen zwischen den Lebewesen und der Umgebung … determinieren die Perturbationen der Umgebung nicht, was dem Lebewesen geschieht; es ist vielmehr die Struktur des Lebewesens, die determiniert, zu welchem Wandel es infolge der Perturbation kommt. Eine solche Interaktion schreibt deshalb ihre Effekte nicht vor.“ (Maturana, Varela, S.106)
'''Bedeutende Personen'''<br><big>[[Suzanne Schmidt (*1943)|Suzanne Schmidt]] </big><br>Als Suzanne Schmidt (-Bernhard, geboren 23.11.1943) bei Lenny Maietta, John Graham und Frank Hatch Anfang der 1980er-Jahre Kurse zum Thema Bewegung mit weniger Anstrengung, „Touch well“ und „Gentle Dance“ besuchte, arbeitete sie in Zürich auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie fand heraus, dass sie ihr vertieftes Verständnis von Bewegung in der Unterstützung von schwerstpflegeabhängigen Menschen nutzen konnte. Suzanne Schmidt war mitbeteiligt an der Entwicklung des Programms Kinästhetik in der Pflege und brachte die Sicht der Pflegefachfrau ein. Sie organisierte die ersten TrainerInnen-Ausbildungen, wirkte als Ausbilderin und half, die grundsätzlichen Erkenntnisse der Kinästhetik mit dem Pflegeberuf zu verknüpfen. Ihre Pflegeausbildung hatte sie u. a. bei Sr. Liliane Juchli gemacht und die Verbindung zu ihr gehalten. Dadurch kam Sr. Liliane mit der Kinästhetik in Berührung und nahm schon 1991 dieses Thema in eine Neuauflage ihres allerersten Lehrbuchs der professionellen Pflege auf.
Maturana und Varela unterscheiden den „Bereich von Perturbationen- das sind alle Interaktionen, die Zustandsveränderungen auslösen“
und den „Bereich von destruktiven Interaktionen- das sind alle Pertubationen, die zu eine destruktiven Veränderung führen.“ (ebd. S 108)


=== Bedeutung des Begriffs in der angewandten Kinaesthetics
Bei der Gründung der „Arbeitsgemeinschaft für Kinästhetik in der Pflege“ war Suzanne Schmid aktiv beteiligt. Dort fand eine Gruppe von Interessierten zusammen, um gemeinsam zu forschen und zu entwickeln und die Verbreitung der neuartigen Ideen zur bewussten Bewegung zu organisieren. So entwickelten sie z. B. neue Ideen zur Gewichtsverlagerung anstelle von üblichem Heben und Tragen. Dadurch wurde die körperlich schwere Arbeit der Pflegenden deutlich einfacher und die Belastung für KlientInnen geringer, was zur schnellen Verbreitung von Kinästhetik in der Pflege führte. Suzanne Schmidt schrieb zusammen mit Frank Hatch und Lenny Maietta das erste Fachbuch „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“ (erschienen 1992). Sie hat in unzähligen Kursen und Vorträgen und in der geschickten Nutzung ihres großen Netzwerkes sehr viel für die Verbreitung und Entwicklung der Kinästhetik getan.  
===
|-
In der angewandten Kinaesthetics beschreibt Perturbation Interaktionen, die zu Veränderungen von Verhalten, besonders Alltagsbewegungen, führen. Häufig sind diese Veränderungen durch Krankheit, Verletzung etc. ausgelöst und werden negativ als Störungen bewertet. Da aber die Perturbation nicht bestimmt, welche Reaktion ausgelöst wird, ist die Perturbation an sich neutral. Durch Perturbationen ausgelöste Veränderungen des Verhaltens können dazu führen, dass die Anzahl der Möglichkeiten größer, das Verhalten viabler wird.
|style="border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:orange; colspan="2"|
Der Begriff Perturbation dient der wertneutralen Beschreibung von Interaktionen, die Verhaltensänderungen auslösen.
'''Meistgelesene Artikel'''<br>Hier findest du eine Rangliste der Artikel, die am meisten aufgerufen worden sind (Stand Februar 2026)<br>
# [[Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]‏‎
# [[Heinz von Foerster]]‏‎
# [[Literatur und Medien]]
# [[Bewegungserfahrung]]‏‎
# [[Orientierung]]‏‎
# [[Spastik‏‎]]
# [[‏Knochen und Muskeln]]
# [[Wahrnehmung]]‏‎
# [[Stabil und instabil]]‏‎‎‏‎
# [[1.-Person-Methode]]‏‎
[[Spezial:Beliebteste_Seiten|Mehr erfahren]]
|-
|style="width: 90%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF; "colspan="2"|'''Bemerkenswerte Ereignisse'''


=== Einzelnachweise
<big>Macy-Konferenzen und die Entstehung der Kybernetik</big><br>
===
Die [[Macy-Konferenzen]] (1946–1953) brachten führende WissenschaftlerInnen vieler Disziplinen zusammen. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs sollte so ein besseres Verständnis menschlicher und sozialer Prozesse entstehen. Die Josiah Macy Jr. Foundation förderte die Treffen, um den fachübergreifenden Austausch zu stärken und neue Perspektiven für den Umgang mit komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu entwickeln.<br>
Maturana, Humberto, Varela, Francisco: Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Goldmann, Bern und München 1987, ISBN 3-442-11460-8 (mir liegt hier eine Ausgabe vor, 1.Aufl., die ich bisher bei niemandem sonst gesehen habe. Vielleicht beziehen wir die Seitenangaben eher auf eine gebräuchlichere Ausgabe?)
In einer offenen, interdisziplinären Atmosphäre wurde über Themen wie Feedback, Kommunikation, Selbstorganisation und komplexe Systeme diskutiert. Daraus entstand die [[Kybernetik (Begriff)|Kybernetik]] als neuer Ansatz zum Verständnis von Kommunikation, Steuerung und Wechselwirkungen in biologischen und sozialen Systemen. Die Konferenzen waren bewusst als Experiment angelegt: Verschiedene Disziplinen betrachteten dieselben Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Nach zehn Treffen endeten die Konferenzen 1953. Die TeilnehmerInnen trugen die Erkenntnisse in ihre Fachbereiche und entwickelten sie dort weiter.<br>
Die Macy-Konferenzen sind bedeutsam, weil sie mit der Kybernetik ein Verständnis für vernetzte und rückgekoppelte Prozesse prägten, auf dem die Kinästhetik aufbaut. Unter anderem beeinflussten Gregory Bateson und [[Heinz von Foerster]] mit ihrem systemischen und kybernetischen Denken das Verständnis von Bewegung, Wahrnehmung und Interaktion. Auf Vorschlag von Heinz von Foerster wurde der ursprüngliche Konferenztitel „Circular Causal and Feedback Mechanisms in Biological and Social Systems“ in Anlehnung an Norbert Wieners Begriff „Cybernetics“ geändert.


Stowasser, Josef M.: Der kleine Stowasser: Lat.-dt. Schulwörterbuch, München: Freytag, 1980
''⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Bemerkenswerte Ereignisse“ findest du [[„Bemerkenswerte Ereignisse“|hier]].''
|-
| style="width: 50%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;background-color:#FFFFFF;"rowspan="2"|
'''Zuletzt erschienene Artikel'''<br>
* Artikel „[[Berufsbild der Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1]]“
 
* Artikel „[[Haltungs- und Transportbewegung]]“
 
* Artikel „[[Vorne und hinten: Vorderseiten und Rückseiten]]“
 
* Artikel „[[Bewegungselemente]]“
 
* Artikel „[[Curriculum und Kompetenzorientierung]]“
 
* Artikel „[[Fehler]]“
 
* Artikel „[[Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik]]“
 
* Artikel „[[Suzanne Schmidt (*1943)]]“ (Kurzbiographie)
 
* Artikel „[[Evaluationsprozesse in Kinaesthetics-Bildungsangeboten]]“
 
* Artikel „[[Humberto R. Maturana (1928–2021)]]“ (Kurzbiografie)
 
* Artikel „[[Humanistische Psychologie]]“
 
* Artikel „[[Norbert Wiener (1894–1964)]]“
 
|-
|style="border-left:solid 5px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:#FFD700; colspan="2"|
'''Mach mit!'''<br>Du hast viele Möglichkeiten, die Entwicklung des KOFL zu unterstützen.
* Nur schon, wenn du das KOFL nutzt und Artikel liest, hilfst du dem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] zu erkennen, welche Themen auf besonderes Interesse stoßen bzw. in welchem Themenkreis weitere Artikel publizienswert sind.
* Diskutiere mit! Jeder Artikel im KOFL hat eine Diskussionsseite. Wenn du einen interessanten Hinweis hast, Aussagen schlecht verstehst oder mit ihnen nicht einverstanden bist, hinterlasse eine Notiz auf der Diskussionsseite – dein Beitrag muss nicht geschliffen daherkommen, sondern nur verständlich sein.
* Du kannst das KOFL bzw. die Publikation von Artikeln ideell oder materiell unterstützen: [[KOFL:Eine Diskussion eröffnen|Eine Diskussion eröffnen]], [[KOFL:Artikel(teile) veröffentlichen|Artikel(teile) veröffentlichen]], [[KOFL:Sponsoring|Sponsoring]].
|-
|}

Aktuelle Version vom 2. Juli 2026, 10:54 Uhr

Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!
Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „KOFL:Impressum und Haftungsausschluss“).

Schon gewusst?
Kinästhetik und Gesundheitsentwicklung: ein aktiver Prozess
In der Kinästhetik wird Gesundheit nicht als statischer Zustand, sondern als ein lebenslanger, dynamischer Prozess der Gesundheitsentwicklung verstanden. Der zentrale Schlüssel hierzu ist die individuelle Bewegungskompetenz. Das Fachgebiet geht davon aus, dass der Mensch seine Gesundheit durch die Qualität seiner alltäglichen Bewegungen – wie Sitzen, Aufstehen oder Gehen – aktiv und eigenverantwortlich beeinflussen kann.
Eine hohe Qualität der willkürlich steuerbaren Bewegung wirkt sich direkt und positiv auf die Vitalfunktionen wie Atmung, Kreislauf und Verdauung aus, da zwischen diesen Prozessen eine enge Wechselwirkung besteht. Durch die Sensibilisierung des kinästhetischen Sinnessystems lernt der Mensch, seine eigenen Bewegungsmuster differenzierter wahrzunehmen und sie konstruktiv an veränderte Bedingungen, wie etwa Alter oder Krankheit, anzupassen.
Anstatt sich nur auf äußere Maßnahmen zu verlassen, rückt die Kinästhetik das selbstgesteuerte Lernen selbstgesteuerte Lernen in den Mittelpunkt. Wer lernt, sein Gewicht in der Schwerkraft effizienter zu organisieren und seine Bewegungsspielräume zu erweitern, fördert aktiv seine eigene Gesundheit und Lebensqualität. Somit ist die Kinästhetik eine praktische „Steuermannskunst“ für die eigene Entwicklung.


⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Schon gewusst“ findest du hier.


Bedeutende Personen
Suzanne Schmidt
Als Suzanne Schmidt (-Bernhard, geboren 23.11.1943) bei Lenny Maietta, John Graham und Frank Hatch Anfang der 1980er-Jahre Kurse zum Thema Bewegung mit weniger Anstrengung, „Touch well“ und „Gentle Dance“ besuchte, arbeitete sie in Zürich auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie fand heraus, dass sie ihr vertieftes Verständnis von Bewegung in der Unterstützung von schwerstpflegeabhängigen Menschen nutzen konnte. Suzanne Schmidt war mitbeteiligt an der Entwicklung des Programms Kinästhetik in der Pflege und brachte die Sicht der Pflegefachfrau ein. Sie organisierte die ersten TrainerInnen-Ausbildungen, wirkte als Ausbilderin und half, die grundsätzlichen Erkenntnisse der Kinästhetik mit dem Pflegeberuf zu verknüpfen. Ihre Pflegeausbildung hatte sie u. a. bei Sr. Liliane Juchli gemacht und die Verbindung zu ihr gehalten. Dadurch kam Sr. Liliane mit der Kinästhetik in Berührung und nahm schon 1991 dieses Thema in eine Neuauflage ihres allerersten Lehrbuchs der professionellen Pflege auf.

Bei der Gründung der „Arbeitsgemeinschaft für Kinästhetik in der Pflege“ war Suzanne Schmid aktiv beteiligt. Dort fand eine Gruppe von Interessierten zusammen, um gemeinsam zu forschen und zu entwickeln und die Verbreitung der neuartigen Ideen zur bewussten Bewegung zu organisieren. So entwickelten sie z. B. neue Ideen zur Gewichtsverlagerung anstelle von üblichem Heben und Tragen. Dadurch wurde die körperlich schwere Arbeit der Pflegenden deutlich einfacher und die Belastung für KlientInnen geringer, was zur schnellen Verbreitung von Kinästhetik in der Pflege führte. Suzanne Schmidt schrieb zusammen mit Frank Hatch und Lenny Maietta das erste Fachbuch „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“ (erschienen 1992). Sie hat in unzähligen Kursen und Vorträgen und in der geschickten Nutzung ihres großen Netzwerkes sehr viel für die Verbreitung und Entwicklung der Kinästhetik getan.

Meistgelesene Artikel
Hier findest du eine Rangliste der Artikel, die am meisten aufgerufen worden sind (Stand Februar 2026)

  1. Kinaesthetics-Online-Fachlexikon‏‎
  2. Heinz von Foerster‏‎
  3. Literatur und Medien
  4. Bewegungserfahrung‏‎
  5. Orientierung‏‎
  6. Spastik‏‎
  7. ‏Knochen und Muskeln
  8. Wahrnehmung‏‎
  9. Stabil und instabil‏‎‎‏‎
  10. 1.-Person-Methode‏‎

Mehr erfahren

Bemerkenswerte Ereignisse

Macy-Konferenzen und die Entstehung der Kybernetik
Die Macy-Konferenzen (1946–1953) brachten führende WissenschaftlerInnen vieler Disziplinen zusammen. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs sollte so ein besseres Verständnis menschlicher und sozialer Prozesse entstehen. Die Josiah Macy Jr. Foundation förderte die Treffen, um den fachübergreifenden Austausch zu stärken und neue Perspektiven für den Umgang mit komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu entwickeln.
In einer offenen, interdisziplinären Atmosphäre wurde über Themen wie Feedback, Kommunikation, Selbstorganisation und komplexe Systeme diskutiert. Daraus entstand die Kybernetik als neuer Ansatz zum Verständnis von Kommunikation, Steuerung und Wechselwirkungen in biologischen und sozialen Systemen. Die Konferenzen waren bewusst als Experiment angelegt: Verschiedene Disziplinen betrachteten dieselben Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Nach zehn Treffen endeten die Konferenzen 1953. Die TeilnehmerInnen trugen die Erkenntnisse in ihre Fachbereiche und entwickelten sie dort weiter.
Die Macy-Konferenzen sind bedeutsam, weil sie mit der Kybernetik ein Verständnis für vernetzte und rückgekoppelte Prozesse prägten, auf dem die Kinästhetik aufbaut. Unter anderem beeinflussten Gregory Bateson und Heinz von Foerster mit ihrem systemischen und kybernetischen Denken das Verständnis von Bewegung, Wahrnehmung und Interaktion. Auf Vorschlag von Heinz von Foerster wurde der ursprüngliche Konferenztitel „Circular Causal and Feedback Mechanisms in Biological and Social Systems“ in Anlehnung an Norbert Wieners Begriff „Cybernetics“ geändert.

⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Bemerkenswerte Ereignisse“ findest du hier.

Zuletzt erschienene Artikel

Mach mit!
Du hast viele Möglichkeiten, die Entwicklung des KOFL zu unterstützen.

  • Nur schon, wenn du das KOFL nutzt und Artikel liest, hilfst du dem Redaktionsteam zu erkennen, welche Themen auf besonderes Interesse stoßen bzw. in welchem Themenkreis weitere Artikel publizienswert sind.
  • Diskutiere mit! Jeder Artikel im KOFL hat eine Diskussionsseite. Wenn du einen interessanten Hinweis hast, Aussagen schlecht verstehst oder mit ihnen nicht einverstanden bist, hinterlasse eine Notiz auf der Diskussionsseite – dein Beitrag muss nicht geschliffen daherkommen, sondern nur verständlich sein.
  • Du kannst das KOFL bzw. die Publikation von Artikeln ideell oder materiell unterstützen: Eine Diskussion eröffnen, Artikel(teile) veröffentlichen, Sponsoring.