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'''Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!'''<br>Das [[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon|Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL)]] wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“).
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| style="width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;"|'''Schon gewusst?'''<br><big>[[Norbert Wiener (1894–1964)|Norbert Wiener]] telefoniert ein Buch (erzählt von [[Heinz von Foerster|HvF]])</big><br>Eines Tages ruft das Office of Naval Research am M.I.T. an und verlangt nach Norbert Wiener. Ob er sich mit mathematischer Extrapolation und stochastischen Prozessen auskenne. ''„‚Ja‘, sagt der Wiener, ‚auf dem Gebiet hab ich schon gearbeitet. Die Prozesse, mit denen man da zu tun hat, lassen sich in die folgenden Kategorien einteilen …‘“'' Er beginnt zu reden, und nach fünf Minuten fragt der Mann vom Office, ob sie einen Taperecorder organisieren dürfen. Wiener ist einverstanden. Fünf Minuten später läutet das Telefon erneut. ''„‚Lieber Professor Wiener, der Taperecorder geht jetzt – klick – okay!‘ ‚Ich werde also jetzt etwas über Interpolation, Extrapolation und stationäre Zeitfolgen sagen. Ich beginne mit einem Kapitel Nr. 1 und erkläre Begriffe, um die notwendige Grundlage zu schaffen.‘ Er beginnt zu reden. Er redet und redet und redet.‘'' Sechs Stunden und zehn Tapes später haben die Leute vom Office gebeten, dies als Buch veröffentlichen zu dürfen. ''„‚Selbstverständlich, da habe ich nichts dagegen. Danke vielmals, auf Wiedersehen.‘ Klick. Das Buch ist erschienen, ein Jahr später: ‚Interpolation, extrapolation of stationary time series‘. […] Es sind 200 Seiten, mit allen mathematischen Formeln, mit der ganzen modernen Theorie der stochastischen Prozesse, wie man Voraussagen interpolieren und extrapolieren kann und wie man mit stationären Zeitsequenzen operiert. Das war Norbert Wiener.“''<br>(Foerster, H. v.; Glasersfeld, E. v. (2010): Wie wir uns erfinden. Carl-Auer-Systeme Verlag. S. 231 f.)
| style="width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;"|
| style="width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;"rowspan="2"|[[Datei:Norbert-Wiener.jpg|200px|rechts]]'''Bedeutende Personen'''<br><big>[[Norbert Wiener (1894–1964)|Norbert Wiener]]</big><br>(*26.11.1894 in Columbia, Missouri, † 18.3.1964 in Stockholm) war ein amerikanischer Mathematiker, Philosoph und eine zentrale Figur unter den Begründern der [[Kybernetik (Begriff)|Kybernetik]]. Schon als Kind zeichnete er sich durch Hochbegabung aus und schloss sein Studium im Alter von 14 Jahren ab. Mit 24 Jahren wurde er Dozent am Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.). Er beschäftigte sich insbesondere mit den mathematischen Grundlagen der Regelungstechnik bzw. von Systemen, die sich über Rückkoppelung (Feedback) steuern. Sein Interesse beschränkte sich nicht auf den technischen Bereich, sondern galt in gleicher Weise der Regelung und Informationsverarbeitung in lebenden Systemen sowie den philosophischen und ethischen Aspekten der neuen Weltsicht.
'''Schon gewusst?'''<br><big> Kinästhetik und Gesundheitsentwicklung: ein aktiver Prozess</big><br>
Die Kybernetik ist eine zentrale theoretische und praktische Grundlage der [[Kinästhetik (Begriff)|Kinästhetik]]. Nur schon dadurch hat Norbert Wiener als einer der Begründer dieser umfassenden und interdisziplinären Forschungsrichtung eine Bedeutung für die Kinästhetik. Sein breites Interesse zeigt sich im ersten Buch zur Kybernetik von 1948. Dort verwendet er zur Illustration der Regelung durch Rückkoppelung das Beispiel der menschlichen Bewegung, die in der Kinästhetik von zentralem Interesse ist. Konkret geht es um das [[Feedback-Control-Theorie#Norbert_Wieners_Bleistift-Aufheben_als_fr%C3%BChestes_praktisches_Beispiel_f%C3%BCr_die_Feedback-Control-Theorie|Aufheben eines Bleistifts]].
In der Kinästhetik wird Gesundheit nicht als statischer Zustand, sondern als ein lebenslanger, dynamischer Prozess der [[Gesundheitsentwicklung|Gesundheitsentwicklung]] verstanden. Der zentrale Schlüssel hierzu ist die individuelle [[Bewegungskompetenz| Bewegungskompetenz]]. Das Fachgebiet geht davon aus, dass der Mensch seine Gesundheit durch die Qualität seiner alltäglichen Bewegungen&nbsp;– wie Sitzen, Aufstehen oder Gehen&nbsp;– aktiv und eigenverantwortlich beeinflussen kann. <br>Eine hohe Qualität der willkürlich steuerbaren Bewegung wirkt sich direkt und positiv auf die Vitalfunktionen wie Atmung, Kreislauf und Verdauung aus, da zwischen diesen Prozessen eine enge Wechselwirkung besteht. Durch die Sensibilisierung des [[#Sinnesrezeptoren|kinästhetischen Sinnessystems]] lernt der Mensch, seine eigenen [[Parallele und spiralige Bewegungsmuster|Bewegungsmuster]] differenzierter wahrzunehmen und sie konstruktiv an veränderte Bedingungen, wie etwa Alter oder Krankheit, anzupassen. <br>Anstatt sich nur auf äußere Maßnahmen zu verlassen, rückt die Kinästhetik das [[Lernen (Begriff)| selbstgesteuerte Lernen]] selbstgesteuerte Lernen in den Mittelpunkt. Wer lernt, sein Gewicht in der Schwerkraft effizienter zu organisieren und seine Bewegungsspielräume zu erweitern, fördert aktiv seine eigene Gesundheit und Lebensqualität. Somit ist die Kinästhetik eine praktische „Steuermannskunst“ für die eigene Entwicklung.


''⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Schon gewusst“ findest du [[„Schon gewusst?“|hier]].''
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'''Bedeutende Personen'''<br><big>[[John Graham (1930 - 2012)|John Graham]] </big><br>John Graham (geboren 1930, gestorben 2012) war seit den 1960er-Jahren ein Avantgarde-Tänzer in den USA, Tanz- und Theaterlehrer, Bewegungsforscher und Feldenkraislehrer. Er war Mitbegründer der [[Kinästhetik (Begriff)|Kinästhetik]].
: ''„Geschichte schrieb John Graham als Mitglied des San Francisco Dancers’ Workshops, den er zusammen mit Anna Halprin und A. A. Leath maßgeblich mitgeprägt hat. […] Zwischen 1976 und 1985 arbeitete John Graham intensiv mit Frank Hatch und Lenny Maietta zusammen. Er gehörte im Jahr 1980 zu den MitbegründerInnen des Vereins für Kinästhetik [Anm.: in Zürich, Schweiz], den er als Vorstandsmitglied mitaufbaute. Er war im Leitungsteam der ersten Langzeitausbildungen ‚Kinästhetik-Gentle-Dance‘. 1988 wurde er Ehrenmitglied des Vereins und stellte zugleich die Zusammenarbeit mit diesem ein. […] Seine eigenen Artikel aus den 1980er-Jahren zeigen eindrücklich, wie er bemüht war, die künstliche Trennung zwischen Körper und Geist aufzuheben. Dazu formulierte er prägnant: ‚Es ist höchste Zeit, mit dem Körper zu denken.‘“''<ref> ''' Prensky, Petra (2016)''': Medienbesprechung: Sanfte Bewegtheit. In: Lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2016, Nr. 4. S. 59.</ref>
: ''„Gentle Dance: Tanz ist ein Wort! Ich verwende dieses Wort, um eine Erfahrung zu beschreiben, die du in der Bewegung haben kannst. Es umschreibt keinen Stil, keine Methode. Bewegung wird zu Tanz, wenn du dir der Möglichkeit bewusst wirst, die deinem Körper in jeder Situation deines täglichen Lebens gegeben ist. Jeder kann in sich ein ungeahntes Potential für Bewegung und kreativen Ausdruck entdecken.“''<ref> ''' KINÄSTHETIK. Bulletin Nr. 2, 1982. ''' Ohne ISBN. S. 4.</ref>
John Grahams Aussage ''„Nur wenn ich weiss, was ich tue, kann ich auch tun, was ich will.“'' <ref>'''Knobel, Stefan; Prensky, Petra (2017)''': Sanfte Bewegtheit. Ein Dank an John Graham. Verlag lebensqualität, Siebnen. ISBN 978-3-906888-00-2. S. 100.</ref> von 1984 spiegelt sich in der heutigen Kinästhetik wider: im stetigen Training, das eigene Tun differenziert wahrzunehmen, um es bewusst und differenziert anzupassen und so im jeweiligen Moment hilfreiche Möglichkeiten zur Gestaltung von Aktivitäten zu finden.
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|style="border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:orange; colspan="2"|'''Meistgelesene Artikel'''<br>Hier findest du eine Rangliste der Artikel, die am meisten aufgerufen worden sind (Stand Oktober 2024)<br>
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'''Meistgelesene Artikel'''<br>Hier findest du eine Rangliste der Artikel, die am meisten aufgerufen worden sind (Stand September 2026)<br>
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|style="width: 90%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF; "colspan="2"|[[Datei:1992-Hatch-Maietta-Schmidt-Titelseite.jpg|200px|rechts]]'''Bemerkenswerte Ereignisse'''<br><big>1992 – die öffentliche Geburtsstunde der Kinästhetik in der Pflege</big><br>Das 16. Kinästhetik-Bulletin von Januar 1990 ist eine Sonderausgabe der damaligen Fachzeitschrift. Sie stellt die erste umfassende Beschreibung des Fachgebiets Kinästhetik dar. In dieser wird nach einem theoretischen Teil ein breites Spektrum von Anwendungsbereichen erläutert. Im Jahr 1992 erschien das erste öffentliche Fachbuch „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“ im Verlag Krankenpflege, Eschborn. In diesem ca. 190-seitigen Werk mit einem Vorwort von SR. Liliane Juchli beschränken sich die AutorInnen Frank Hatch, Lenny Maietta und Suzanne Schmidt auf den Anwendungsbereich der Pflege. Es stellt die Geburtsstunde der heutigen Etablierung und breiten Verankerung der Kinästhetik in der Pflege dar. Der Ansatz des Buches ist präventions- und ressourcenorientiert und auf Anwendung und Transfers ausgerichtet. In der vierten Auflage von 1996 erscheinen die „Prinzipien“, d. h., die heutigen Konzepte, bereits in der aktuellen Reihenfolge – ohne Zweifel ist das Buch ein Meilenstein der Geschichte der Kinästhetik
|style="width: 90%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF; "colspan="2"|'''Bemerkenswerte Ereignisse'''
 
<big>Macy-Konferenzen und die Entstehung der Kybernetik</big><br>
[[Datei:Gruppenfoto Macy-Konferenz.png|mini|Josiah Macy, Jr. Foundation Meeting on Cybernetics. Warren S. McCulloch Papers, Series VIII: Photographs, Mss.B.M139. American Philosophical Society.]]
Die [[Macy-Konferenzen]] (1946–1953) brachten führende WissenschaftlerInnen vieler Disziplinen zusammen. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs sollte so ein besseres Verständnis menschlicher und sozialer Prozesse entstehen. Die Josiah Macy Jr. Foundation förderte die Treffen, um den fachübergreifenden Austausch zu stärken und neue Perspektiven für den Umgang mit komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu entwickeln.<br>
In einer offenen, interdisziplinären Atmosphäre wurde über Themen wie Feedback, Kommunikation, Selbstorganisation und komplexe Systeme diskutiert. Daraus entstand die [[Kybernetik (Begriff)|Kybernetik]] als neuer Ansatz zum Verständnis von Kommunikation, Steuerung und Wechselwirkungen in biologischen und sozialen Systemen. Die Konferenzen waren bewusst als Experiment angelegt: Verschiedene Disziplinen betrachteten dieselben Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Nach zehn Treffen endeten die Konferenzen 1953. Die TeilnehmerInnen trugen die Erkenntnisse in ihre Fachbereiche und entwickelten sie dort weiter.<br>
Die Macy-Konferenzen sind bedeutsam, weil sie mit der Kybernetik ein Verständnis für vernetzte und rückgekoppelte Prozesse prägten, auf dem die Kinästhetik aufbaut. Unter anderem beeinflussten Gregory Bateson und [[Heinz von Foerster]] mit ihrem systemischen und kybernetischen Denken das Verständnis von Bewegung, Wahrnehmung und Interaktion. Auf Vorschlag von Heinz von Foerster wurde der ursprüngliche Konferenztitel „Circular Causal and Feedback Mechanisms in Biological and Social Systems“ in Anlehnung an Norbert Wieners Begriff „Cybernetics“ geändert.
 
''⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Bemerkenswerte Ereignisse“ findest du [[„Bemerkenswerte Ereignisse“|hier]].''
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* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“
'''Zuletzt erschienene Artikel'''<br>
* Artikel „[[John Graham (1930 - 2012)]]“ Kurzbiographie
 
* Artikel „[[Kinästhetikkompetenz]]“
 
* Artikel „[[Berufsbild der Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1]]“
 
* Artikel „[[Haltungs- und Transportbewegung]]“
 
* Artikel „[[Vorne und hinten: Vorderseiten und Rückseiten]]“
 
* Artikel „[[Bewegungselemente]]“
 
* Artikel „[[Curriculum und Kompetenzorientierung]]“
 
* Artikel „[[Fehler]]“


* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100'000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]
* Artikel „[[Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik]]“


* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]
* Artikel „[[Suzanne Schmidt (*1943)]]“ (Kurzbiographie)


* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“
* Artikel „[[Evaluationsprozesse in Kinaesthetics-Bildungsangeboten]]“


* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“  
* Artikel „[[Humberto R. Maturana (1928–2021)]]“ (Kurzbiografie)


* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“


* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“


* Artikel „[[Erfahren (Begriff)]]“
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'''Mach mit!'''<br>Du hast viele Möglichkeiten, die Entwicklung des KOFL zu unterstützen.
* Nur schon, wenn du das KOFL nutzt und Artikel liest, hilfst du dem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] zu erkennen, welche Themen auf besonderes Interesse stoßen bzw. in welchem Themenkreis weitere Artikel publizienswert sind.
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Aktuelle Version vom 17. Oktober 2026, 07:21 Uhr

Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!
Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „KOFL:Impressum und Haftungsausschluss“).

Schon gewusst?
Kinästhetik und Gesundheitsentwicklung: ein aktiver Prozess
In der Kinästhetik wird Gesundheit nicht als statischer Zustand, sondern als ein lebenslanger, dynamischer Prozess der Gesundheitsentwicklung verstanden. Der zentrale Schlüssel hierzu ist die individuelle Bewegungskompetenz. Das Fachgebiet geht davon aus, dass der Mensch seine Gesundheit durch die Qualität seiner alltäglichen Bewegungen – wie Sitzen, Aufstehen oder Gehen – aktiv und eigenverantwortlich beeinflussen kann.
Eine hohe Qualität der willkürlich steuerbaren Bewegung wirkt sich direkt und positiv auf die Vitalfunktionen wie Atmung, Kreislauf und Verdauung aus, da zwischen diesen Prozessen eine enge Wechselwirkung besteht. Durch die Sensibilisierung des kinästhetischen Sinnessystems lernt der Mensch, seine eigenen Bewegungsmuster differenzierter wahrzunehmen und sie konstruktiv an veränderte Bedingungen, wie etwa Alter oder Krankheit, anzupassen.
Anstatt sich nur auf äußere Maßnahmen zu verlassen, rückt die Kinästhetik das selbstgesteuerte Lernen selbstgesteuerte Lernen in den Mittelpunkt. Wer lernt, sein Gewicht in der Schwerkraft effizienter zu organisieren und seine Bewegungsspielräume zu erweitern, fördert aktiv seine eigene Gesundheit und Lebensqualität. Somit ist die Kinästhetik eine praktische „Steuermannskunst“ für die eigene Entwicklung.


⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Schon gewusst“ findest du hier.


Bedeutende Personen
John Graham 
John Graham (geboren 1930, gestorben 2012) war seit den 1960er-Jahren ein Avantgarde-Tänzer in den USA, Tanz- und Theaterlehrer, Bewegungsforscher und Feldenkraislehrer. Er war Mitbegründer der Kinästhetik.

„Geschichte schrieb John Graham als Mitglied des San Francisco Dancers’ Workshops, den er zusammen mit Anna Halprin und A. A. Leath maßgeblich mitgeprägt hat. […] Zwischen 1976 und 1985 arbeitete John Graham intensiv mit Frank Hatch und Lenny Maietta zusammen. Er gehörte im Jahr 1980 zu den MitbegründerInnen des Vereins für Kinästhetik [Anm.: in Zürich, Schweiz], den er als Vorstandsmitglied mitaufbaute. Er war im Leitungsteam der ersten Langzeitausbildungen ‚Kinästhetik-Gentle-Dance‘. 1988 wurde er Ehrenmitglied des Vereins und stellte zugleich die Zusammenarbeit mit diesem ein. […] Seine eigenen Artikel aus den 1980er-Jahren zeigen eindrücklich, wie er bemüht war, die künstliche Trennung zwischen Körper und Geist aufzuheben. Dazu formulierte er prägnant: ‚Es ist höchste Zeit, mit dem Körper zu denken.‘“[1]
„Gentle Dance: Tanz ist ein Wort! Ich verwende dieses Wort, um eine Erfahrung zu beschreiben, die du in der Bewegung haben kannst. Es umschreibt keinen Stil, keine Methode. Bewegung wird zu Tanz, wenn du dir der Möglichkeit bewusst wirst, die deinem Körper in jeder Situation deines täglichen Lebens gegeben ist. Jeder kann in sich ein ungeahntes Potential für Bewegung und kreativen Ausdruck entdecken.“[2]

John Grahams Aussage „Nur wenn ich weiss, was ich tue, kann ich auch tun, was ich will.“ [3] von 1984 spiegelt sich in der heutigen Kinästhetik wider: im stetigen Training, das eigene Tun differenziert wahrzunehmen, um es bewusst und differenziert anzupassen und so im jeweiligen Moment hilfreiche Möglichkeiten zur Gestaltung von Aktivitäten zu finden.

Meistgelesene Artikel
Hier findest du eine Rangliste der Artikel, die am meisten aufgerufen worden sind (Stand September 2026)

  1. Kinaesthetics-Online-Fachlexikon‏‎
  2. Heinz von Foerster‏‎
  3. Literatur und Medien
  4. Bewegungserfahrung‏‎
  5. Orientierung‏‎
  6. Spastik‏‎
  7. ‏Knochen und Muskeln
  8. Wahrnehmung‏‎
  9. Stabil und instabil‏‎‎‏‎
  10. Feedback-Control-Theorie‏‎

Mehr erfahren

Bemerkenswerte Ereignisse

Macy-Konferenzen und die Entstehung der Kybernetik

Josiah Macy, Jr. Foundation Meeting on Cybernetics. Warren S. McCulloch Papers, Series VIII: Photographs, Mss.B.M139. American Philosophical Society.

Die Macy-Konferenzen (1946–1953) brachten führende WissenschaftlerInnen vieler Disziplinen zusammen. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs sollte so ein besseres Verständnis menschlicher und sozialer Prozesse entstehen. Die Josiah Macy Jr. Foundation förderte die Treffen, um den fachübergreifenden Austausch zu stärken und neue Perspektiven für den Umgang mit komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu entwickeln.
In einer offenen, interdisziplinären Atmosphäre wurde über Themen wie Feedback, Kommunikation, Selbstorganisation und komplexe Systeme diskutiert. Daraus entstand die Kybernetik als neuer Ansatz zum Verständnis von Kommunikation, Steuerung und Wechselwirkungen in biologischen und sozialen Systemen. Die Konferenzen waren bewusst als Experiment angelegt: Verschiedene Disziplinen betrachteten dieselben Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Nach zehn Treffen endeten die Konferenzen 1953. Die TeilnehmerInnen trugen die Erkenntnisse in ihre Fachbereiche und entwickelten sie dort weiter.
Die Macy-Konferenzen sind bedeutsam, weil sie mit der Kybernetik ein Verständnis für vernetzte und rückgekoppelte Prozesse prägten, auf dem die Kinästhetik aufbaut. Unter anderem beeinflussten Gregory Bateson und Heinz von Foerster mit ihrem systemischen und kybernetischen Denken das Verständnis von Bewegung, Wahrnehmung und Interaktion. Auf Vorschlag von Heinz von Foerster wurde der ursprüngliche Konferenztitel „Circular Causal and Feedback Mechanisms in Biological and Social Systems“ in Anlehnung an Norbert Wieners Begriff „Cybernetics“ geändert.

⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Bemerkenswerte Ereignisse“ findest du hier.

Zuletzt erschienene Artikel


Mach mit!
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  1. ↑ Prensky, Petra (2016): Medienbesprechung: Sanfte Bewegtheit. In: Lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2016, Nr. 4. S. 59.
  2. ↑ KINÄSTHETIK. Bulletin Nr. 2, 1982. Ohne ISBN. S. 4.
  3. ↑ Knobel, Stefan; Prensky, Petra (2017): Sanfte Bewegtheit. Ein Dank an John Graham. Verlag lebensqualität, Siebnen. ISBN 978-3-906888-00-2. S. 100.