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Kinaesthetics-Online-Fachlexikon

Aus Kinaesthetics-Online-Fachlexikon

Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!
Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „KOFL:Impressum und Haftungsausschluss“).

Schon gewusst?
Kinästhetik und Gesundheitsentwicklung: ein aktiver Prozess
In der Kinästhetik wird Gesundheit nicht als statischer Zustand, sondern als ein lebenslanger, dynamischer Prozess der Gesundheitsentwicklung verstanden. Der zentrale Schlüssel hierzu ist die individuelle Bewegungskompetenz. Das Fachgebiet geht davon aus, dass der Mensch seine Gesundheit durch die Qualität seiner alltäglichen Bewegungen – wie Sitzen, Aufstehen oder Gehen – aktiv und eigenverantwortlich beeinflussen kann.
Eine hohe Qualität der willkürlich steuerbaren Bewegung wirkt sich direkt und positiv auf die Vitalfunktionen wie Atmung, Kreislauf und Verdauung aus, da zwischen diesen Prozessen eine enge Wechselwirkung besteht. Durch die Sensibilisierung des kinästhetischen Sinnessystems lernt der Mensch, seine eigenen Bewegungsmuster differenzierter wahrzunehmen und sie konstruktiv an veränderte Bedingungen, wie etwa Alter oder Krankheit, anzupassen.
Anstatt sich nur auf äußere Maßnahmen zu verlassen, rückt die Kinästhetik das selbstgesteuerte Lernen selbstgesteuerte Lernen in den Mittelpunkt. Wer lernt, sein Gewicht in der Schwerkraft effizienter zu organisieren und seine Bewegungsspielräume zu erweitern, fördert aktiv seine eigene Gesundheit und Lebensqualität. Somit ist die Kinästhetik eine praktische „Steuermannskunst“ für die eigene Entwicklung.


⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Schon gewusst“ findest du hier.


Bedeutende Personen
John Graham 
John Graham (geboren 1930, gestorben 2012) war seit den 1960er-Jahren ein Avantgarde-Tänzer in den USA, Tanz- und Theaterlehrer, Bewegungsforscher und Feldenkraislehrer. Er war Mitbegründer der Kinästhetik.

„Geschichte schrieb John Graham als Mitglied des San Francisco Dancers’ Workshops, den er zusammen mit Anna Halprin und A. A. Leath maßgeblich mitgeprägt hat. […] Zwischen 1976 und 1985 arbeitete John Graham intensiv mit Frank Hatch und Lenny Maietta zusammen. Er gehörte im Jahr 1980 zu den MitbegründerInnen des Vereins für Kinästhetik [Anm.: in Zürich, Schweiz], den er als Vorstandsmitglied mitaufbaute. Er war im Leitungsteam der ersten Langzeitausbildungen ‚Kinästhetik-Gentle-Dance‘. 1988 wurde er Ehrenmitglied des Vereins und stellte zugleich die Zusammenarbeit mit diesem ein. […] Seine eigenen Artikel aus den 1980er-Jahren zeigen eindrücklich, wie er bemüht war, die künstliche Trennung zwischen Körper und Geist aufzuheben. Dazu formulierte er prägnant: ‚Es ist höchste Zeit, mit dem Körper zu denken.‘“[1]
„Gentle Dance: Tanz ist ein Wort! Ich verwende dieses Wort, um eine Erfahrung zu beschreiben, die du in der Bewegung haben kannst. Es umschreibt keinen Stil, keine Methode. Bewegung wird zu Tanz, wenn du dir der Möglichkeit bewusst wirst, die deinem Körper in jeder Situation deines täglichen Lebens gegeben ist. Jeder kann in sich ein ungeahntes Potential für Bewegung und kreativen Ausdruck entdecken.“[2]

John Grahams Aussage „Nur wenn ich weiss, was ich tue, kann ich auch tun, was ich will.“ [3] von 1984 spiegelt sich in der heutigen Kinästhetik wider: im stetigen Training, das eigene Tun differenziert wahrzunehmen, um es bewusst und differenziert anzupassen und so im jeweiligen Moment hilfreiche Möglichkeiten zur Gestaltung von Aktivitäten zu finden.

Meistgelesene Artikel
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  2. Heinz von Foerster‏‎
  3. Literatur und Medien
  4. Bewegungserfahrung‏‎
  5. Orientierung‏‎
  6. Spastik‏‎
  7. ‏Knochen und Muskeln
  8. Wahrnehmung‏‎
  9. Stabil und instabil‏‎‎‏‎
  10. Feedback-Control-Theorie‏‎

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Bemerkenswerte Ereignisse

Macy-Konferenzen und die Entstehung der Kybernetik

Josiah Macy, Jr. Foundation Meeting on Cybernetics. Warren S. McCulloch Papers, Series VIII: Photographs, Mss.B.M139. American Philosophical Society.

Die Macy-Konferenzen (1946–1953) brachten führende WissenschaftlerInnen vieler Disziplinen zusammen. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs sollte so ein besseres Verständnis menschlicher und sozialer Prozesse entstehen. Die Josiah Macy Jr. Foundation förderte die Treffen, um den fachübergreifenden Austausch zu stärken und neue Perspektiven für den Umgang mit komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu entwickeln.
In einer offenen, interdisziplinären Atmosphäre wurde über Themen wie Feedback, Kommunikation, Selbstorganisation und komplexe Systeme diskutiert. Daraus entstand die Kybernetik als neuer Ansatz zum Verständnis von Kommunikation, Steuerung und Wechselwirkungen in biologischen und sozialen Systemen. Die Konferenzen waren bewusst als Experiment angelegt: Verschiedene Disziplinen betrachteten dieselben Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Nach zehn Treffen endeten die Konferenzen 1953. Die TeilnehmerInnen trugen die Erkenntnisse in ihre Fachbereiche und entwickelten sie dort weiter.
Die Macy-Konferenzen sind bedeutsam, weil sie mit der Kybernetik ein Verständnis für vernetzte und rückgekoppelte Prozesse prägten, auf dem die Kinästhetik aufbaut. Unter anderem beeinflussten Gregory Bateson und Heinz von Foerster mit ihrem systemischen und kybernetischen Denken das Verständnis von Bewegung, Wahrnehmung und Interaktion. Auf Vorschlag von Heinz von Foerster wurde der ursprüngliche Konferenztitel „Circular Causal and Feedback Mechanisms in Biological and Social Systems“ in Anlehnung an Norbert Wieners Begriff „Cybernetics“ geändert.

⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Bemerkenswerte Ereignisse“ findest du hier.

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  1. ↑ Prensky, Petra (2016): Medienbesprechung: Sanfte Bewegtheit. In: Lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2016, Nr. 4. S. 59.
  2. ↑ KINÄSTHETIK. Bulletin Nr. 2, 1982. Ohne ISBN. S. 4.
  3. ↑ Knobel, Stefan; Prensky, Petra (2017): Sanfte Bewegtheit. Ein Dank an John Graham. Verlag lebensqualität, Siebnen. ISBN 978-3-906888-00-2. S. 100.