Aus Kinaesthetics-Online-Fachlexikon
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Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften! Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „KOFL:Impressum und Haftungsausschluss“).
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Schon gewusst? Kinästhetik und Gesundheitsentwicklung: ein aktiver Prozess
In der Kinästhetik wird Gesundheit nicht als statischer Zustand, sondern als ein lebenslanger, dynamischer Prozess der Gesundheitsentwicklung verstanden. Der zentrale Schlüssel hierzu ist die individuelle Bewegungskompetenz. Das Fachgebiet geht davon aus, dass der Mensch seine Gesundheit durch die Qualität seiner alltäglichen Bewegungen – wie Sitzen, Aufstehen oder Gehen – aktiv und eigenverantwortlich beeinflussen kann. Eine hohe Qualität der willkürlich steuerbaren Bewegung wirkt sich direkt und positiv auf die Vitalfunktionen wie Atmung, Kreislauf und Verdauung aus, da zwischen diesen Prozessen eine enge Wechselwirkung besteht. Durch die Sensibilisierung des kinästhetischen Sinnessystems lernt der Mensch, seine eigenen Bewegungsmuster differenzierter wahrzunehmen und sie konstruktiv an veränderte Bedingungen, wie etwa Alter oder Krankheit, anzupassen. Anstatt sich nur auf äußere Maßnahmen zu verlassen, rückt die Kinästhetik das selbstgesteuerte Lernen selbstgesteuerte Lernen in den Mittelpunkt. Wer lernt, sein Gewicht in der Schwerkraft effizienter zu organisieren und seine Bewegungsspielräume zu erweitern, fördert aktiv seine eigene Gesundheit und Lebensqualität. Somit ist die Kinästhetik eine praktische „Steuermannskunst“ für die eigene Entwicklung.
⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Schon gewusst“ findest du hier.
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Bedeutende Personen Suzanne Schmidt Als Suzanne Schmidt (-Bernhard, geboren 23.11.1943) bei Lenny Maietta, John Graham und Frank Hatch Anfang der 1980er-Jahre Kurse zum Thema Bewegung mit weniger Anstrengung, „Touch well“ und „Gentle Dance“ besuchte, arbeitete sie in Zürich auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie fand heraus, dass sie ihr vertieftes Verständnis von Bewegung in der Unterstützung von schwerstpflegeabhängigen Menschen nutzen konnte. Suzanne Schmidt war mitbeteiligt an der Entwicklung des Programms Kinästhetik in der Pflege und brachte die Sicht der Pflegefachfrau ein. Sie organisierte die ersten TrainerInnen-Ausbildungen, wirkte als Ausbilderin und half, die grundsätzlichen Erkenntnisse der Kinästhetik mit dem Pflegeberuf zu verknüpfen. Ihre Pflegeausbildung hatte sie u. a. bei Sr. Liliane Juchli gemacht und die Verbindung zu ihr gehalten. Dadurch kam Sr. Liliane mit der Kinästhetik in Berührung und nahm schon 1991 dieses Thema in eine Neuauflage ihres allerersten Lehrbuchs der professionellen Pflege auf.
Bei der Gründung der „Arbeitsgemeinschaft für Kinästhetik in der Pflege“ war Suzanne Schmid aktiv beteiligt. Dort fand eine Gruppe von Interessierten zusammen, um gemeinsam zu forschen und zu entwickeln und die Verbreitung der neuartigen Ideen zur bewussten Bewegung zu organisieren. So entwickelten sie z. B. neue Ideen zur Gewichtsverlagerung anstelle von üblichem Heben und Tragen. Dadurch wurde die körperlich schwere Arbeit der Pflegenden deutlich einfacher und die Belastung für KlientInnen geringer, was zur schnellen Verbreitung von Kinästhetik in der Pflege führte. Suzanne Schmidt schrieb zusammen mit Frank Hatch und Lenny Maietta das erste Fachbuch „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“ (erschienen 1992). Sie hat in unzähligen Kursen und Vorträgen und in der geschickten Nutzung ihres großen Netzwerkes sehr viel für die Verbreitung und Entwicklung der Kinästhetik getan.
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| Bemerkenswerte Ereignisse
Macy-Konferenzen und die Entstehung der Kybernetik
Die Macy-Konferenzen (1946–1953) brachten führende WissenschaftlerInnen vieler Disziplinen zusammen. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs sollte so ein besseres Verständnis menschlicher und sozialer Prozesse entstehen. Die Josiah Macy Jr. Foundation förderte die Treffen, um den fachübergreifenden Austausch zu stärken und neue Perspektiven für den Umgang mit komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu entwickeln.
In einer offenen, interdisziplinären Atmosphäre wurde über Themen wie Feedback, Kommunikation, Selbstorganisation und komplexe Systeme diskutiert. Daraus entstand die Kybernetik als neuer Ansatz zum Verständnis von Kommunikation, Steuerung und Wechselwirkungen in biologischen und sozialen Systemen. Die Konferenzen waren bewusst als Experiment angelegt: Verschiedene Disziplinen betrachteten dieselben Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Nach zehn Treffen endeten die Konferenzen 1953. Die TeilnehmerInnen trugen die Erkenntnisse in ihre Fachbereiche und entwickelten sie dort weiter.
Die Macy-Konferenzen sind bedeutsam, weil sie mit der Kybernetik ein Verständnis für vernetzte und rückgekoppelte Prozesse prägten, auf dem die Kinästhetik aufbaut. Unter anderem beeinflussten Gregory Bateson und Heinz von Foerster mit ihrem systemischen und kybernetischen Denken das Verständnis von Bewegung, Wahrnehmung und Interaktion. Auf Vorschlag von Heinz von Foerster wurde der ursprüngliche Konferenztitel „Circular Causal and Feedback Mechanisms in Biological and Social Systems“ in Anlehnung an Norbert Wieners Begriff „Cybernetics“ geändert.
⇒ Alle bisherigen Beiträge zur Rubrik „Bemerkenswerte Ereignisse“ findest du hier.
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