Berufsbild der Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1
| Status | mit Fachliteratur angelegter Artikel |
| AutorIn/RedakteurIn | N. N./Ilona Himmelberger |
| Letzte Änderung | 27.05.2026 |
Zusammenfassung:
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er zitiert den Text der Publikation „Berufsbild. Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1“der European Kinaesthetics Association (EKA). In der Schweiz besteht die Möglichkeit, die eidgenössische Berufsprüfung zur SpezialistIn für angewandte Kinästhetik zu absolvieren. Für die Prüfungsvorbereitung können zusätzlich zwei Vertiefungsmodule besucht werden.
Das Berufsbild der Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1 der EKA
Im Folgenden wird die Publikation „Berufsbild. Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1“der European Kinaesthetics Association (EKA) zitiert.
- „Tätigkeiten, Haupt- und Nebenfunktionen
- Die Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1 befasst sich mit der Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und der Entwicklung der Bewegungskompetenz in alltäglichen Aktivitäten. Sie unterstützt in ihrem Praxisfeld die Mitarbeitenden darin, die eigene Bewegung in den alltäglichen beruflichen Aktivitäten bewusst und differenziert wahrzunehmen sowie kompetent und gesundheitsfördernd an die jeweilige Situation anzupassen. Dadurch leistet sie einerseits einen wichtigen präventiven Beitrag zur Verringerung von arbeitsbedingten körperlichen Beschwerden und damit verbundenen Arbeitsausfällen. Sie ist andererseits in Pflege und Betreuung die SpezialistIn für die ressourcenorientierte lern- und gesundheitsfördernde Unterstützung der KlientInnen in alltäglichen Aktivitäten (z. B. beim Sitzen, beim Aufstehen, beim Essen, beim Waschen). Sie entwickelt zusammen mit den Mitarbeitenden und in den Interaktionen mit den KlientInnen individuell an deren Situation angepasste Unterstützungsangebote mit dem Ziel, dass die betroffenen Menschen ihre Bewegungsmöglichkeiten erweitern und ihre alltäglichen Aktivitäten möglichst selbstständig durchführen können.
- Die Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1 ist teil- oder vollzeitlich angestellt und arbeitet hauptsächlich in Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens. Sie ist in ihrer Institution die kompetente AnsprechpartnerIn und LernbegleiterIn für die Umsetzung des Fachgebiets Kinästhetik.
- Sie analysiert und bearbeitet zusammen mit Mitarbeitenden konkrete Praxissituationen und definiert mit allen Beteiligten das Lernpotenzial. Sie unterstützt professionell entsprechende Umsetzungsmaßnahmen. Aufgrund aktueller Themen oder komplexer Situationen führt sie mit den Mitarbeitenden Fallbearbeitungen durch, leitet Workshops, bearbeitet spezifische Fachthemen (wie z. B. Sturz, Schmerz, Aggression) mit kinästhetischen Blickwinkeln und begleitet die zugehörigen Lernprozesse. Sie arbeitet interdisziplinär mit allen Fachpersonen zusammen, z. B. mit TherapeutInnen, Pflegefachleuten, ÄrztInnen, und berät Angehörige. Dabei koordiniert, organisiert und dokumentiert sie selbstständig ihre Arbeit.
- Das eigene Lernen gestalten
- Die Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1 zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihre eigene Bewegung sehr differenziert wahrnimmt und ihre Aufmerksamkeit während alltäglichen Aktivitäten gezielt auf ihre Bewegungswahrnehmung bzw. auf spezifische Blickwinkel richten kann.
- Sie braucht diese Kompetenz,
- ● um ihre persönliche Bewegungskompetenz kontinuierlich weiterzuentwickeln, ihren
- ● persönlichen Handlungsspielraum bzw. die Variabilität ihrer eigenen Bewegung zu erweitern
- ● und ihre Persönlichkeits- und Gesundheitsentwicklung zu fördern.
- ● um Alltagsaktivitäten aus der Bewegungsperspektive zu analysieren und zu verstehen.
- ● um in komplexen Praxissituationen die Konzentration auf die eigene Bewegung
- ● aufrechtzuerhalten und die eigene Bewegung situativ an die Unterstützung anzupassen.
- ● um Lernprozesse mit Mitarbeitenden und KlientInnen zu gestalten.
- Sie dokumentiert und evaluiert ihre eigenen Lernprozesse mit geeigneten Instrumenten
- Bewegungslernprozesse mit KlientInnen gestalten
- Während den Betreuungs- und Pflegeaktivitäten richtet die Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1 ihre Interaktionen mit KlientInnen an deren Lern- und Entwicklungspotenzial aus und unterstützt sie in ihrer Bewegungskompetenz und Selbstwirksamkeit. Sie gestaltet mit geeigneten Instrumenten individuelle Lernumgebungen, passt sie situativ an und dokumentiert und evaluiert periodisch ihre Unterstützungsangebote. Dabei achtet sie besonders darauf, den KlientInnen die Eigenschaften und Funktionen ihrer Anatomie in alltäglichen Aktivitäten erfahrbar zu machen. Sie fördert Bewegungsmuster, die ihnen die Kontrolle ihrer Bewegung in der Schwerkraft und dadurch größere Selbstständigkeit ermöglichen. Sie nutzt und gestaltet dabei gezielt Umgebungsfaktoren (Einrichtung, Hilfsmittel etc.). Sie hat keinen therapeutischen Auftrag im Sinne der Behandlung von Funktionsstörungen oder spezifischen Krankheitsbildern. Ihr Auftrag bezieht sich darauf, das individuelle Lernpotenzial in den pflegerischen und betreuerischen alltäglichen Aktivitäten herauszukristallisieren und die daraus abgeleiteten Unterstützungsangebote an die Mitarbeitenden zu vermitteln.
- Lernprozesse mit Mitarbeitenden gestalten
- Die Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1 gestaltet für eine oder mehrere Mitarbeitende in unterschiedlichen Formen Lernumgebungen, damit diese ihre Bewegungswahrnehmung sensibilisieren und dadurch ihre Bewegungskompetenz erweitern können. Hierfür ermittelt sie zusammen mit Mitarbeitenden und Führungspersonen die relevanten Themen. Sie leitet mithilfe von Bewegungserfahrungen Analyseprozesse an und plant gemeinsam mit den Beteiligten die weiteren Lernschritte. Sie unterstützt die Mitarbeitenden darin, sich für konkrete Maßnahmen zu entscheiden, sie umzusetzen, zu dokumentieren und zu evaluieren. Sie fördert so die Nachhaltigkeit und Verbindlichkeit der Lernprozesse der Mitarbeitenden im beruflichen Alltag. Sie verwendet geeignete Methoden und Instrumente der Kinästhetik und passt die Lernumgebungen an den Verlauf der Lernprozesse situativ an.
- Die Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1 ist insbesondere zuständig für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Praxisanleitungen einer einzelnen Mitarbeitenden und von Fallbearbeitungen, Bearbeitungen von Fachthemen und Workshops mit mehreren Mitarbeitenden. Die Art und Weise ihrer Anleitungen und Aufgabenstellungen ermöglicht den Mitarbeitenden selbstverantwortliches Lernen und die Evaluation ihrer Lernfortschritte.
- Analysieren von Alltagsaktivitäten mit spezifischen, erfahrungsbasierten Blickwinkeln
- Die Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1 analysiert, beschreibt und erklärt alltägliche Aktivitäten mithilfe der Lernspirale der Kinästhetik bzw. von spezifischen, in der Bewegung erfahrbaren Blickwinkeln, die sie aus den sechs Konzepten der Kinästhetik ableitet. Sie beschreibt und erklärt Mitarbeitenden oder KlientInnen die spezifischen Blickwinkel so, dass diese die entsprechenden Unterschiede in ihrer eigenen Bewegung erfahren und nutzen sowie ihre Bewegungswahrnehmung individuell sensibilisieren können.
- Begründen und Beurteilen von Aktivitäten und Maßnahmen mit theoretischen Grundlagen
- Die Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1 beschreibt und begründet den Zusammenhang zwischen der Qualität der Bewegung in alltäglichen Aktivitäten, d. h. der individuellen Bewegungskompetenz, und der persönlichen Gesundheitsentwicklung. Insbesondere begründet und beurteilt sie Unterstützungs- bzw. Lern- und Entwicklungsangebote auf der Grundlage von zirkulären Wirkungszusammenhängen, der Feedback-Kontroll-Theorie, des Social-Trackings, des kinästhetisch-kybernetischen Verständnisses der Wahrnehmung, der von Weber und Fechner entdeckten Gesetzmässigkeiten und kinästhetischer Modelle (z. B. Hierarchie der Kompetenzen). Sie stützt ihre Begründung von Maßnahmen auf das Lern- oder Entwicklungsparadigma der Kinästhetik. Auf diesen Grundlagen berät sie alle Beteiligten bei Maßnahmen zu Themen wie z. B. Sturz, Schmerz, Dekubitus oder Spastik.
- Organisation, Koordination und Definition der eigenen Arbeit
- Die Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1 verschafft sich Kenntnis über die relevanten Rollen in ihrer Institution und reflektiert ihre eigene Rolle und die Erwartungen, die an sie gestellt werden. Sie organisiert ihre Arbeit selbstständig und koordiniert sie in Absprache mit allen Beteiligten inhaltlich, zeitlich und räumlich. Sie tritt inhaltlich und formal professionell auf. Sie informiert regelmäßig alle Beteiligten über ihre Angebote. Sie beschreibt die Erkenntnisse und die Konsequenzen, die sich aus den Lernprozessen aller Beteiligten ergeben, und vertritt ihnen gegenüber und gegenüber Führungspersonen Vorschläge zur Anpassung von Abläufen und Rahmenbedingungen. Sie legt Wert auf ihre berufliche und persönliche Weiterbildung und pflegt den fachspezifischen und interdisziplinären Austausch aktiv.“
Quelle: European Kinaesthetics Association (2026): Berufsbild. Kinaesthetics-TrainerIn Stufe 1. Seeham: Verlag European Kinaesthetics Association. Ohne ISBN.
Erfahrungsberichte
- Marty-Teuber, Brigitte; Schellenberg Erich; Knobel, Stefan (2017): SpezialistIn für angewandte Kinästhetik. Als Beruf anerkannt. In: LQ. kinaesthetics – zirkuläres denken – lebensqualität. Nr. 3. S. 49–54.
Im Interview geben Brigitte Marty-Teuber und Erich Schellenberg Einblick in die Herausforderungen und Erfolge des langjährigen Projekts der Berufsanerkennung der SpezialistIn für angewandte Kinästhetik in der Schweiz.
Zum Artikel: SpezialistIn für angewandte Kinästhetik
Weiterführende Literatur und Medien
Kinaesthetics Schweiz (2022): Berufsprüfung. SpezialistIn für angewandte Kinästhetik. Texte und Lektorat: Brigitte Marty-Teuber, Stefan Mary-Teuber. Ohne ISBN.