Stabil und instabil

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AutorIn/RedakteurIn Joachim Reif/Lutz Zierbeck
Letzte Änderung 14.10.2018


Zusammenfassung:
Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Verwendung des Begriffspaars „Stabil und instabil“ als kinaesthetischer Fachbegriff in ausgewählter Fachliteratur. Es wird versucht die Entwicklung des Grundmusters „Stabil und instabil“ in der Kinästhetik anhand literarischer Verweise nachzuvollziehen. Vor einem größeren kulturgeschichtlichen Hintergrund wird dessen grundlegende Bedeutung in Betracht gezogen. Zum Schluss werden begriffliche Aspekte behandelt.

Steinturm mit Vogel.jpg


1 Aktuelle Verwendung des Begriffs

1.1 „Stabil und instabil“ im „Kinaesthetics Konzeptsystem“

Das gesamte zweite Konzept „Funktionale Anatomie“ etabliert „stabil und instabil“ als grundlegendes erfahrbares Muster der Anatomie in allen vier Unterthemen.

1.1.1 „Stabil und instabil“ im Unterthema „Knochen und Muskeln“

Im ersten Unterthema „Knochen und Muskeln“ wird die Erfahrbarkeit der Knochen mit den Begriffen „hart, stabil und robust“[1] charakterisiert. Die zugehörige anatomische Funktion ist die eines stabilen Gerüsts bzw. des Tragens oder Weiterleitens des Körpergewichts. Die Erfahrbarkeit der Muskeln wird mit „weicher, instabiler und durch Anspannung und Entspannung veränderlich“ charakterisiert. Die zugehörige anatomische Funktion ist die Veränderung oder Erhaltung der Beziehung der Knochen. Sie können durch Anspannung Körpergewicht tragen und sich in ihrer erfahrbaren Eigenschaft sowie in der Funktion den Knochen annähern.

1.1.2 „Stabil und instabil“ im Unterthema „Massen und Zwischenräume“

In „2.2. Massen und Zwischenräume“ wird explizit auf das „erfahrbare Muster ‚stabil – instabil‘“[2] verwiesen. Aufbauend auf dem vorausgehenden Unterthema „Knochen und Muskeln“ sind Massen als kompakte und stabile Strukturen erfahrbar, Zwischenräume hingegen als weicher und instabiler. Ihre zugehörige anatomische Funktion besteht im Tragen oder Weiterleiten des Körpergewichts bzw. in der Veränderung der Beziehung der Massen.

1.1.3 „Stabil und instabil“ im Unterthema „Haltungs- und Transportbewegungsebenen“[3]

In „2.3. Haltungsbewegungsebenen und Transportbewegungsebenen“ wird das erfahrbare Muster des regelmäßigen Wechsels der stabileren und instabileren Bewegungsebenen im Zusammenhang mit der Form und Funktionalität der jeweiligen Gelenke thematisiert. In einem kompletten Durchgang durch das menschliche Skelett werden die einzelnen Bewegungsebenen aufgezeigt. Stabilität bzw. Instabilität wird hier durch die Unterscheidung zwischen zwei- bzw. dreidimensionalen (kugelgelenkartigen) Bewegungsmöglichkeiten der einzelnen Ebenen erfahrbar.

1.1.4 „Stabil und instabil“ im Unterthema „Vorder- und Rückseiten“

Auch in „2.4. Orientierung“ wird auf das Gegensatzpaar „stabil – instabil“ zurückgegriffen, um die Erfahrbarkeit der Vorder- und Rückseiten der Massen zu charakterisieren und auf ihre entsprechenden Funktionen zu verweisen.

1.1.5 „Stabil und instabil“ im Unterthema „Haltungs- und Transportbewegung“

Im dritten Konzept „Menschliche Bewegung“ dient das Gegensatzpaar „stabil – instabil“ zur Unterscheidung zwischen Haltungs- und Transportbewegungen[4]. Sie sind als eher stabile oder veränderliche Beziehung der Massen zueinander erfahrbar. Aus dem notwendigen Zusammenspiel beider Bewegungskomponenten entwickelt jeder Mensch individuelle Bewegungsmuster.

1.2 „Stabil und instabil“ in „Kinaesthetics Infant Handling“

Dieses Buch von Lenny Maietta (1950–2018) und Frank Hatch (*1940) stellt das Kind ins Zentrum, hat sich aber als allgemeines Standardwerk der Kinästhetik etabliert. Im Folgenden wird das Auftreten des Musters der Stabilität und Instabilität an einigen einschlägigen Stellen aufgezeigt.

Geleitwort 1

Im Geleitwort wird das Muster implizit anhand der Diskussion über genetische Determination versus Beeinflussbarkeit der „angeblich stabilen Persönlichkeitsmerkmale“[5] angedeutet.

4.4 Konzept: Funktionelle Anatomie

In „4.4.1 Muskeln und Knochen“ werden Knochen als stabil und das Muskelgewebe als instabil beschrieben; die Darstellung ihrer Eigenschaften und Funktionen stimmt weitgehend mit dem „Kinaesthetics Konzeptsystem“ überein. In der vom Buch empfohlenen Aktivität soll das Bewegen der Knochen helfen, „ein Gefühl für die Stabilität“[6] zu entwickeln. Insofern wird hier eine Brücke zu einer erfahrbaren Eigenschaft gebaut.

In „4.4.1.2 Entwicklung des Bewegungsapparates“[7] wird auf die Bedeutung stabiler und instabiler Umgebungseigenschaften für die Entwicklung des Bewegungsapparates hingewiesen und ebenso darauf, dass die Stabilität der Knochen in engem Zusammenhang mit ihrer Beanspruchung steht.

In „4.4.2 Massen und Zwischenräume“ wird im Gegensatz zum „Kinaesthetics Konzeptsystem“ keine explizite Unterscheidung anhand des Musters der Stabilität und Instabilität vorgenommen. Hier wird verstärkt auf die Abgabe des Gewichts und das Drücken auf eine „stabile Unterlage“[8] eingegangen.

In „4.4.3.2 Körperorientierte Bewegung“[9] werden erstmals Rückseiten u. a. als stabil und Vorderseiten u. a. als instabil beschrieben.

4.5 Menschliche Bewegung

Stabilität und Instabilität werden als wahrnehmbare Eigenschaften der „Haltungs- und der Transportbewegung“[10] (Kapitel 4.5.1) erwähnt. Diese werden in Kombination als notwendige Voraussetzung für die menschliche Bewegung genannt.

Die Unterscheidung zwischen stabil und instabil wird an einschlägigen Stellen verwendet, erscheint aber nicht als erfahrbares und die Unterthemen der funktionalen Anatomie verbindendes Grundmuster.

1.3 Kommentare, Auswertungen und offene Fragen

Als kinästhetischer Fachbegriff benennt „stabil und instabil“ ein Muster, das in den beiden Konzepten der „Funktionalen/Funktionellen Anatomie“ und der „Menschlichen Bewegung“ eine wichtige Grundlage bildet. Dieses Grundmuster ist eine Vorbedingung für gelingende Bewegung ebenso wie für gelingende Anpassungen. Ohne das Zusammenwirken von stabilen und instabilen Eigenschaften der Anatomie (vgl. zweites Konzept) wäre unser Körper entweder zu stabil, also zu starr, oder zu instabil, also zu locker, um die für uns nötigen Bewegungsabläufe zu koordinieren. Dieses Muster entwickelt sich entsprechend der Funktion der einzelnen Teile schon in der Embryonalentwicklung und bestimmt danach wiederum ihre weitere Funktion.

Das Muster setzt sich im Konzept „Menschliche Bewegung“ fort. Wir haben die Möglichkeit, Bewegung so zu gestalten, dass eine stabile oder instabile Beziehung der Körperteile entsteht. Mehr oder weniger Stabilität wird dabei von „innen“ erzeugt. Eine andere Form der Stabilität wird erreicht, wenn wir unser Gewicht weitestgehend über unsere Knochen auf die Unterstützungsfläche abgeben, was die muskuläre „Stabilität“ im Körper, die Spannung, reduziert.

Es wird vor allem deutlich, dass die Kompetenz zur differenzierten Bewegungsregulation zwischen beiden Extremen der Stabilität und Instabilität entscheidend für unsere alltäglichen Möglichkeiten der Bewegung ist. Dabei hilft dieses Grundmuster als übergeordneter und verbindender Blickwinkel, der sich in weitere Unterthemen („Knochen und Muskeln“ usw.) ausdifferenzieren lässt.

2 Begriffsgeschichte

2.1 „Stabil, Stabilität, stabilisieren“ im 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990

Die Begriffe „stabil“, „Stabilität“ und „stabilisieren“ sind schon in dieser frühesten zusammenhängenden Beschreibung der späteren Konzepte an mehreren einschlägigen Stellen zu finden, nicht aber „instabil, Instabilität“. Der Aspekt der Stabilität erscheint im Zusammenhang mit den Streckmuskeln bzw. Hinterseiten[11], mit den Massen[12] und mit der spezifischen Reihenfolge der Haltungs- und Transportbewegung(sebenen)[13] . Auffällig ist der unterdessen aufgegebene Fachbegriff der „stabilen Positionen“ in „4.5.3. „Fortbewegung“[14], ebenso die unterdessen aufgegebene Identifikation von Rotation und Beugen als stabilste Bewegungen in einer verstrebenden bzw. hängenden Beziehung. Übereinstimmend mit dem heutigen Verständnis wird auf die Stabilisierung zweier benachbarter Massen durch das Blockieren des verbindenden Zwischenraums hingewiesen[15]. Im Ganzen ist „stabil und instabil“ als Begriffspaar und grundlegendes Muster noch nicht ausdifferenziert.

2.2 Die Etablierung des Begriffspaars „stabil – un-/instabil“

„Stabil – unstabil“[16] wird als Begriffspaar zum ersten Mal im Grundkurs-Arbeitsbuch „Kinästhetik in der Krankenpflege“ von 1991 erwähnt. Im Kapitel „Menschliche Bewegung“ wird es als Unterscheidung zwischen den stabilen Massen und den unstabilen Zwischenräumen eingeführt und bleibt darauf beschränkt.

In „Kinästhetik Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Pflege“ von Frank Hatch, Lenny Maietta und Suzanne Schmidt, dem ersten Fachbuch der Kinästhetik von 1992, wird das Begriffspaar beim Thema „Knochen und Muskeln“[17] nicht verwendet. Hingegen wird es im Kapitel „Menschliche Bewegung“ unter dem Titel „Bewegungsebenen für Haltungs- und Transportbewegungen“ (sic!) als leitende Unterscheidung verwendet[18]. In diesem Zusammenhang taucht hier zum ersten Mal der heute noch übliche komplette Durchgang durch das menschliche Skelett auf. Unter dem anschließenden Titel „Das Muster stabil/instabil in der Bewegung“ wird das Thema mit dem „funktionalen Aufbau des Skeletts“[19] in Zusammenhang gebracht, bezüglich Massen und Zwischenräume illustriert und auf den Pflegekontext übertragen.

Im Jahr 1996 erscheint das Begriffspaar „stabil – instabil“ als wahrnehmbares Muster der menschlichen Bewegung und Unterscheidungsmerkmal von Haltungs- und Transportbewegung in den Grundkurs-Arbeitsbüchern für Infant Handling und Kinästhetik in der Pflege, und zwar mit einem Verweis auf die einfachste Ausprägung des Musters bei Massen und Zwischenräumen. In anderen Zusammenhängen wird es nicht benannt.


2.3 „Stabil und instabil“ in „Kybernetik und Kinästhetik“

„Homöostase“ wurde ursprünglich zu Beschreibung der Fähigkeit lebender Systeme, sich innerhalb gewisser Grenzen in einem stabilen Zustand zu halten, geprägt. Der Begriff ist auch heute in dieser Bedeutung vor allem in der Biologie und Medizin weit verbreitet. Etymologisch betrachtet beschreibt „-stase“ allerdings einen unveränderlichen Stillstand – sozusagen die absolute Stabilität –, der bei lebenden Systemen dem Tod gleichkommt[20].

Als Alternative hat der Verhaltenskybernetiker K. U. Smith (1907–1994) den Begriff „Homöokinese“ vorgeschlagen. Das zweite Glied „-kinese“ (zu griechisch kinesis „Bewegung“) hebt die Prozesse, die zu einem Gleichgewicht oder einer Ausgewogenheit innerhalb gewisser Grenzen führen, deutlicher hervor. Damit könne man lebenden Systemen eher gerecht werden. Auffällig ist, dass die beiden Forscher Maturana (*1928) und Varela (1946–2001), die die Dynamik lebender Systeme in ihrem gemeinsamen Buch stets betonen – sozusagen die immanente Instabilität –, durchwegs auf den etablierten Begriff „homöostatisch“ zurückgreifen[21].

Auch hier zeigt sich das Grundmuster „stabil und instabil“ (vgl. unten).

3 Kultur, Geschichte, Tradition

Weiterreichende Bedeutung erlangen die beiden Begriffe, betrachtet man sie als grundlegendes duales Muster der Stabilität und Instabilität, der Starrheit und der Veränderung, des Wandels und der Konstanz auf unterschiedlichsten Ebenen.

In der Thermodynamik findet sich eine Erweiterung dieses dualen Musters durch den Begriff „metastabil“, der das Potenzial zum Übergang von einem stabilen Zustand über eine Phase der Instabilität in einen noch stabileren Zustand definiert[22].

Eine große Bedeutung hat das Grundmuster in der Antike, insbesondere in der Philosophie. Die Vorsokratiker Heraklit (um 520 bis 460 v. Chr.) und Parmenides (um 520/515 bis 460/455 v. Chr.) stellen in ihren Fragmenten zwei widersprüchliche Bilder dieser Welt vor. Heraklit spricht mit „pantha rhei“ („Alles fließt“) von einer ständig im Wandel befindlichen, instabilen Wirklichkeit, der nur der Mensch eine stabile Interpretation zu verleihen versucht. Parmenides wiederum nimmt die Welt an sich als stabile, unteilbare und unveränderliche Einheit an. „Nur der trügerische Glaube an die Wirklichkeit der Gegensätze – der Glaube, dass nicht nur existiert, was ist, sondern auch das, was nicht ist – führt zu der Illusion einer Welt der Veränderung.“[23]

„Alle drei Milesier (Anaximander, Anaximenes, Thales) betrachteten unsere Welt als unser Heim. Es gab da Bewegung, es gab Veränderung in diesem Heim, es gab Hitze und Kälte, Feuer und Feuchtigkeit. Es gab ein Feuer im Herd mit einem Kessel voller Wasser darauf. Das Haus war den Winden ausgesetzt, ein bisschen zugig, um genau zu sein, aber es war unser Haus und bot in gewisser Weise Sicherheit und Stabilität. Für Heraklit allerdings Stand das Haus in Flammen.“[24]


Auch im Dualismus von Yin und Yang begegnet sich ein ähnliches Gegensatzpaar, das gemeinsam– laut „I Ging – Das Buch der Wandlungen“ – die Wandlungen allen Seins als einzig Beständiges auf vielfältigen Ebenen der Psyche, der Physis, der Gesellschaft und des Kosmos in Gang hält.[25]

4 Weiterführende Literatur und Medien

  • Knobel, Stefan (2012): Stabilität – Instabilität. Spielt die Welt verrückt? In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2012, Nr. 2. S. 4–8.
  • Scheffer, Marten; Westley, Francis R. (2007): The Evolutionary Basis of Rigidity: Locks in Cells, Minds and Society. In: Ecology and Society 12(2): 36. http://www.ecologyandsociety.org/vol12/iss2/art36/ (Zugriff: 22.08.2018).

5 Vergleiche auch

Knochen und Muskeln
Massen und Zwischenräume

6 Zum Begriff

6.1 Bedeutungsüberblick

6.1.1 Die Bedeutungen der Begriffe nach dem „Duden Online-Wörterbuch“

Nach dem „Duden Online-Wörterbuch“ hat stabil folgende Bedeutungen:
Die Erstbedeutung lautet „a. sehr fest gefügt und dadurch Beanspruchungen aushaltend“ und „b. (besonders Physik, Chemie, Technik) in sich konstant bleibend, gleichbleibend, relativ unveränderlich“. Synonyme sind „derb, fest, haltbar, massiv, robust, solide, strapazierfähig, unverwüstlich, verschleißfest, widerstandsfähig; (österreichisch) strapazfähig; (bildungssprachlich) durabel; (umgangssprachlich) dankbar“.

Die auch fachsprachlich verwendete Zweitbedeutung lautet „so beständig, dass nicht leicht eine Störung, Gefährdung möglich ist; Veränderungen, Schwankungen kaum unterworfen“. Synonyme sind „beständig, dauerhaft, fest, gleichbleibend hart, konstant, unveränderlich“.

Die Drittbedeutung lautet „widerstandsfähig; kräftig; nicht anfällig“. Synonyme sind „eisern, gesund, kräftig, stark, unempfindlich, widerstandsfähig, zäh; (Biologie, Medizin) resistent“.

Als Antonym wird „labil“ angegeben.

Nach dem Duden Online-Wörterbuch hat instabil folgende Bedeutungen:
Die Erstbedeutung lautet „(besonders Physik, Technik) nicht im Gleichgewicht bleibend; in sich nicht fest, nicht gleich[mäßig], nicht konstant bleibend“. Synonyme sind „alt, altersschwach, baufällig, brüchig, morsch, rissig, unstabil, verfallen, verkommen, wackelig, zerfallen“.

Die Zweitbedeutung lautet „veränderlich, schwankend; nicht beständig, nicht dauerhaft“. Synonyme sind „schwankend, sprunghaft, unberechenbar, unbeständig, undurchsichtig, unklar, unzuverlässig, veränderlich; (gehoben) unstet, wandelbar“.

Beide Begriffe werden in der Kinästhetik auch in ihren gemeinsprachlichen Bedeutungen verwendet.

6.1.2 Die Verwendung als kinästhetischer Fachbegriff

Seit 1991 wird „stabil/Stabilität“ und „instabil/Instabilität“ im fachlichen Kontext der Kinästhetik verwendet. Früh wird das Gegensatzpaar als Muster erkannt, das in verschiedenen Unterthemen des späteren Konzeptsystems aufscheint. Es betrifft eine allgemeinere Unterscheidung, die zur entsprechenden Charakterisierung der menschlichen Anatomie und ihrer Funktionen (z. B. in „Knochen und Muskeln“), als subjektiv erfahrbares und verbindendes Grundmuster, aber auch in anderen Kontexten benutzt wird. Diese Unterscheidung beruht letztlich auf einer Grundfrage, die das Denken des Menschen und sein Weltverständnis seit frühester Zeit prägt.

6.2 Herkunft

Nach dem „Duden Herkunftswörterbuch“ wurde das Wort stabil mit den Bedeutungen „beständig, dauerhaft, fest, haltbar; widerstandsfähig“ im 18. Jahrhundert aus lateinisch stabilis „fest stehend, standhaft, dauerhaft usw.“ entlehnt. Das lateinische Adjektiv gehört mit vielen anderen verwandten Wörtern zur Sippe des lateinischen Verbs stare „stehen“, das mit deutsch „stehen“ urverwandt ist. Ableitungen sind „Stabilität“ und „stabilisieren“.

Das Wort instabil ist zusammengesetzt aus lateinisch in- „un-, nicht …“ und lateinisch stabilis (vgl. oben). Das erste Glied in- ist mit deutsch „un-“ urverwandt und verneint wie dieses in der Zusammensetzung mit Adjektiven deren Bedeutung. Eine Ableitung ist „Instabilität“.

7 Einzelnachweise

  1. European Kinaesthetics Association (Hg.) (2018): Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Siebnen: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 20
  2. ebd., S. 21
  3. ebd., S. 22–25
  4. ebd., S. 32
  5. Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011): Kinaesthetics Infant Handling. Übersetzt von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Original-Manuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. Bern: Hogrefe, vorm. Hans Huber Verlag. IBSN 978-3-456-84987-4. S. 9
  6. ebd., S. 86
  7. ebd., S. 88
  8. ebd., S. 89
  9. ebd., S. 95 ff.
  10. ebd., S. 100
  11. Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990): Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Nachdruck 2009. S. 16
  12. ebd., S. 20
  13. ebd., S. 21
  14. ebd., S. 25
  15. ebd., S. 22
  16. Maietta, Lenny; Hatch, Frank (1991): Kinästhetik in der Krankenpflege. Arbeitsbuch Grundkurs. Übersetzt von Ina Citron. © 1991 Copyright Maietta-Hatch-Inc. S. II.1 (37)
  17. Hatch, Frank; Maietta, Lenny; Schmidt, Suzanne (1994): Kinästhetik. Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege. 3. Auflage. Eschborn: Deutscher Verband für Pflegeberufe. ISBN 3-927944-02-5. S. 39
  18. ebd., S. 44 ff.
  19. ebd., S. 81
  20. Wikipedia (2018): Homöostase Homöostase (Zugriff 15.08.2018)
  21. European Kinaesthetics Association (Hg.) (2018): Kybernetik und Kinästhetik. Unter Mitarbeit von Stefan Marty-Teuber und Stefan Knobel. Linz, Siebnen: Verlag European Kinaesthetics Association, verlag lebensqualität. ISBN: 978-3-903180-22-2 (Verlag European Kinaesthetics Association) ISBN: 978-3-906888-02-6 (verlag lebensqualität). S. 11
  22. Wikipedia (2018): Metastabilität Metastabilität (Zugriff 15.08.2018)
  23. Popper, Karl R. (2016): Die Welt des Parmenides. Der Ursprung des europäischen Denkens. Herausgegeben von Arne Petersen … [et. al.]. München: Piper. ISBN 978-3-492-24071. S. 44 ff.
  24. ebd., S. 44 ff.
  25. I Ging. Das Buch der Wandlungen. In der Originalübersetzung von Richard Wilhelm. 8., ergänzte Auflage 2017. Wiesbaden: Marix. ISBN 978-3-937715-08-7. S. 14 ff.