Lernspirale: Unterschied zwischen den Versionen

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Die „Lernspirale“ ist eine Methode, die Sie anzuwenden
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lernen, um konkrete Problemstellungen aus Ihrem
 
beruflichen oder privaten Alltag mit Kinaesthetics zu
 
bearbeiten. Sie geht von der Erfahrung der Situation im Tun
 
aus und kann in der Form einer Spirale über die Schritte des
 
Reflektierens, Variierens, Entscheidens und erneuten Tuns
 
beliebig fortgesetzt werden.
 
  
Die Lernspirale durchbricht das gängige Muster, dass beim
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== Die Lernspirale in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ ==
Auftreten eines Problems geradlinig nach seiner Lösung und
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Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Im zweiten Kapitel „Methoden und Instrumente“ beschreibt der Text unter dem zweiten Unterkapitel „Das [[Lernmodell]]“ dessen zweite konkrete Ausprägung unter dem Titel „Die Lernspirale“. Bei dieser bildet eine reale Problemstellung den Ausgangspunkt des Vorgehens. Vorausgehend wird der [[Lernzyklus]] als erste konkrete Ausprägung des Lernmodells beschrieben.
Behebung gesucht wird. Ihr Motto heißt: Es geht nicht
 
darum, das Problem zu lösen, sondern sich vom Problem zu
 
lösen.
 
  
Die Analyse und Reflexion der Situation aus der
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Innenperspektive Ihrer Bewegungserfahrungen, die
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: ''„Die ‚Lernspirale‘ ist eine Methode, die Sie anzuwenden lernen, um konkrete Problemstellungen aus Ihrem beruflichen oder privaten Alltag mit Kinaesthetics zu bearbeiten. Sie geht von der Erfahrung der Situation im Tun aus und kann in der Form einer Spirale über die Schritte des Reflektierens, Variierens, Entscheidens und erneuten Tuns beliebig fortgesetzt werden.''
Beschäftigung mit vielen möglichen Varianten und die
 
Auswertung Ihrer Erfahrungen lenken Ihre Aufmerksamkeit
 
weg von der Suche nach Lösungen. Mit diesem Vorgehen
 
achten Sie vielmehr auf das Lern- und Entwicklungspotenzial
 
der Situation und loten es differenziert und in aller Breite
 
aus. Der spiralförmige Aufbau der Methode führt dazu, dass
 
Sie die „Lösungen“ des Problems stets wieder mit
 
demselben Vorgehen der Entwicklung der Situation
 
anpassen können. Dadurch wird eine nachhaltige
 
Bearbeitung von Problemstellungen möglich.
 
Die Lernspirale ist besonders geeignet für das gemeinsame
 
Lernen in kleinen Gruppen oder im Team.
 
  
Tun
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: ''Die Lernspirale durchbricht das gängige Muster, dass beim Auftreten eines Problems geradlinig nach seiner Lösung und Behebung gesucht wird. Ihr Motto heißt: Es geht nicht darum, das Problem zu lösen, sondern sich vom Problem zu lösen.''
Die Ausgangslage bildet ein zu bestimmender Ausschnitt
 
einer konkreten Praxissituation, die für Sie in einem
 
bestimmten Kontext von Bedeutung ist. In einem
 
Kinaesthetics-Kurs spielen Sie die Situation entweder im
 
Kursraum durch oder gehen in konkrete Praxissituationen
 
und führen die betreffenden Aktivitäten real aus.
 
Lenken Sie dabei Ihre Aufmerksamkeit auf die
 
Informationen, die Sie über Ihre Bewegungswahrnehmung
 
erhalten. Diese Erfahrung bildet Ihren persönlichen
 
Bezugspunkt für die nächsten drei Schritte der Methode.
 
  
Reflektieren
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: ''Die Analyse und Reflexion der Situation aus der Innenperspektive Ihrer Bewegungserfahrungen, die Beschäftigung mit vielen möglichen Varianten und die Auswertung Ihrer Erfahrungen lenken Ihre Aufmerksamkeit weg von der Suche nach Lösungen. Mit diesem Vorgehen achten Sie vielmehr auf das Lern- und Entwicklungspotenzial der Situation und loten es differenziert und in aller Breite aus. Der spiralförmige Aufbau der Methode führt dazu, dass Sie die „Lösungen“ des Problems stets wieder mit demselben Vorgehen der Entwicklung der Situation anpassen können. Dadurch wird eine nachhaltige Bearbeitung von Problemstellungen möglich.''
Sie reflektieren die Erfahrung der Ausgangslage, indem Sie
 
mit eigenen Bewegungserfahrungen die Aktivitäten der
 
Situation nachvollziehen. Wenn mehrere Personen in die
 
Situation einbezogen sind, begeben Sie sich in alle Rollen.
 
Es ist sinnvoll die Zahl der Aktivitäten, die Sie analysieren
 
wollen, zu beschränken. Zudem lohnt es sich, auf die
 
Schlüsselstellen der Situation zu achten, wo es „klemmt“
 
oder spannend wird, und besonders die damit verbundenen
 
Aktivitäten zu untersuchen. Verwenden Sie für Ihre Einzelund
 
Partnererfahrungen die verschiedenen Blickwinkel des
 
Kinaesthetics-Konzeptsystems. Dokumentieren Sie Ihre
 
Erfahrungen z. B. mit dem Konzept-Raster (vgl. Kapitel 2.3.2.)
 
und achten Sie dabei darauf, Ihre Beobachtungen und nicht
 
die Bewertung derselben zu beschreiben. Überlegen Sie
 
sich, welche Blickwinkel des Konzeptssystems Ihnen für die
 
Situation besonders bedeutsam erscheinen.
 
Dieser Teil der Lernspirale ermöglicht es Ihnen, aus der
 
Bewegungs- und Innenperspektive die ausgewählten
 
Aktivitäten der Praxissituation differenziert zu analysieren
 
und Konzeptblickwinkel zu finden, die für die
 
Schlüsselstellen bedeutsam sind.
 
  
Variieren
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: ''Die Lernspirale ist besonders geeignet für das gemeinsame Lernen in kleinen Gruppen oder im Team. Im Folgenden werden die Teile der Lernspirale genauer beschrieben.''
Im nächsten Schritt gilt es – ohne sich an der Lösung des
 
Problems zu orientieren – die Aktivitäten der
 
Schlüsselstellen, die Sie beim Reflektieren untersucht haben,
 
in Bewegungserfahrungen möglichst breit zu variieren.
 
Sie benutzen dazu die auf der Grundlage der Reflexion
 
ausgewählte Blickwinkel des Konzeptsystems, um die
 
Unterschiede in der Gestaltung der Aktivität präzise
 
wahrnehmen, beschreiben und vergleichen zu können.
 
Gehen Sie feinen, kleinen Unterschieden nach, suchen Sie
 
aber auch nach ungewöhnlichen oder „verrückten“
 
Varianten. Nicht selten zeigt sich in ihnen die zugrunde
 
liegende Problematik in aller Schärfe oder es tut sich
 
überraschenderweise ein gangbarer Weg auf. Gleichzeitig
 
besteht für Sie die Möglichkeit, die eigene Kreativität in der
 
Bewegung auf diese Weise spielerisch zu entwickeln.
 
Achten Sie besonders darauf, auf welchen Kompetenzen die
 
betreffenden Aktivitäten grundsätzlich aufbauen und mit
 
welchen Variationen sich diese Kompetenzen auf
 
unterschiedlich anspruchsvollen Ebenen entwickeln und
 
erweitern lassen.
 
In diesem Teil erarbeiten Sie sich ein breites und tiefes
 
Verständnis, auf welchen Kompetenzen die Praxissituation
 
beruht, und eine Vielzahl von kleinen und großen
 
Handlungsalternativen, um Lern- und Entwicklungsprozesse
 
in der betreffenden Situation zu unterstützen.
 
  
Entscheiden
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: '''''Tun'''''<br>''Die Ausgangslage bildet ein zu bestimmender Ausschnitt einer konkreten Praxissituation, die für Sie in einem bestimmten Kontext von Bedeutung ist. In einem Kinaesthetics-Kurs spielen Sie die Situation entweder im Kursraum durch oder gehen in konkrete Praxissituationen und führen die betreffenden Aktivitäten real aus.''
Sie werten die Erfahrungen und Erkenntnisse der
 
vorausgegangenen zwei Schritte aus. Sie überlegen sich,
 
welche Blickwinkel in der betreffenden Situation ein
 
Lernpotenzial bieten, das an Sie und die beteiligten
 
Personen angepasst ist. Sie entscheiden sich, was Sie
 
aufgrund Ihrer Auswertung das nächste Mal in die
 
betreffende Situation integrieren und worauf Sie besonders
 
achten wollen.
 
  
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: ''Lenken Sie dabei Ihre Aufmerksamkeit auf die Informationen, die Sie über Ihre Bewegungswahrnehmung erhalten. Diese Erfahrung bildet Ihren persönlichen Bezugspunkt für die nächsten drei Schritte der Methode.
  
Tun
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: '''''Reflektieren'''''<br>''Sie reflektieren die Erfahrung der Ausgangslage, indem Sie mit eigenen [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]] die Aktivitäten der Situation nachvollziehen. Wenn mehrere Personen in die Situation einbezogen sind, begeben Sie sich in alle Rollen. Es ist sinnvoll die Zahl der Aktivitäten, die Sie analysieren wollen, zu beschränken. Zudem lohnt es sich, auf die Schlüsselstellen der Situation zu achten, wo es ‚klemmt‘ oder spannend wird, und besonders die damit verbundenen Aktivitäten zu untersuchen. Verwenden Sie für Ihre Einzel- und Partnererfahrungen die verschiedenen Blickwinkel des Kinaesthetics-Konzeptsystems. Dokumentieren Sie Ihre Erfahrungen z. B. mit dem [[Konzept-Raster]] und achten Sie dabei darauf, Ihre Beobachtungen und nicht die Bewertung derselben zu beschreiben. Überlegen Sie sich, welche Blickwinkel des Konzeptssystems Ihnen für die Situation besonders bedeutsam erscheinen.''
Auf der Grundlage des letzten Schrittes gestalten Sie die
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reale Praxissituation erneut oder spielen sie mit anderen
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: ''Dieser Teil der Lernspirale ermöglicht es Ihnen, aus der Bewegungs- und Innenperspektive die ausgewählten Aktivitäten der Praxissituation differenziert zu analysieren und Konzeptblickwinkel zu finden, die für die Schlüsselstellen bedeutsam sind.
TeilnehmerInnen durch. Dadurch gewinnen Sie einerseits
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einen neuen Bezugspunkt für die Fortsetzung der
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: '''''Variieren'''''<br>''Im nächsten Schritt gilt es – ohne sich an der Lösung des Problems zu orientieren – die Aktivitäten der Schlüsselstellen, die Sie beim Reflektieren untersucht haben, in Bewegungserfahrungen möglichst breit zu variieren. Sie benutzen dazu die auf der Grundlage der Reflexion ausgewählte Blickwinkel des Konzeptsystems, um die [[Unterschied|Unterschiede]] in der Gestaltung der Aktivität präzise wahrnehmen, beschreiben und vergleichen zu können. Gehen Sie feinen, kleinen Unterschieden nach, suchen Sie aber auch nach ungewöhnlichen oder „verrückten“ Varianten. Nicht selten zeigt sich in ihnen die zugrunde liegende Problematik in aller Schärfe oder es tut sich überraschenderweise ein gangbarer Weg auf. Gleichzeitig besteht für Sie die Möglichkeit, die eigene Kreativität in der Bewegung auf diese Weise spielerisch zu entwickeln.
Lernspirale. Andererseits kann ähnlich wie im Lernzyklus der
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Kompetenzgewinn als eine Erfahrung des Unterschiedes
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: ''Achten Sie besonders darauf, auf welchen Kompetenzen die betreffenden Aktivitäten grundsätzlich aufbauen und mit welchen Variationen sich diese Kompetenzen auf unterschiedlich anspruchsvollen Ebenen entwickeln und erweitern lassen.''
zwischen dem ersten und dem zweiten Tun fassbar gemacht
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werden. Dieser Lernzuwachs kann mit den Bildungsfeldern
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: ''In diesem Teil erarbeiten Sie sich ein breites und tiefes Verständnis, auf welchen Kompetenzen die Praxissituation beruht, und eine Vielzahl von kleinen und großen Handlungsalternativen, um Lern- und Entwicklungsprozesse in der betreffenden Situation zu unterstützen.
(vgl. Kapitel 2.3.1.) ausgewertet und systematisch
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dokumentiert werden.
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: '''''Entscheiden'''''<br>''Sie werten die Erfahrungen und Erkenntnisse der vorausgegangenen zwei Schritte aus. Sie überlegen sich, welche Blickwinkel in der betreffenden Situation ein Lernpotenzial bieten, das an Sie und die beteiligten Personen angepasst ist. Sie entscheiden sich, was Sie aufgrund Ihrer Auswertung das nächste Mal in die betreffende Situation integrieren und worauf Sie besonders achten wollen.
2.
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: '''''Tun'''''<br>''Auf der Grundlage des letzten Schrittes gestalten Sie die reale Praxissituation erneut oder spielen sie mit anderen TeilnehmerInnen durch. Dadurch gewinnen Sie einerseits einen neuen Bezugspunkt für die Fortsetzung der Lernspirale. Andererseits kann ähnlich wie im Lernzyklus der Kompetenzgewinn als eine Erfahrung des [[Unterschied|Unterschiedes]] zwischen dem ersten und dem zweiten Tun fassbar gemacht werden. Dieser Lernzuwachs kann mit den [[Bildungsfelder|Bildungsfeldern]] ausgewertet und systematisch dokumentiert werden.“
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Quelle: '''European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):''' Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 22–25.
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== Weiterführende Literatur und Medien ==
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* '''Wikipedia:''' Lernspirale. https://de.wikipedia.org/wiki/Lernspirale (Zugriff: 29.11.2019).
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== Vergleiche auch ==
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[[Lernmodell]]
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[[Lernumgebung]]
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[[Kategorie:Lernen/Methodische Großformen]]

Aktuelle Version vom 29. November 2019, 14:45 Uhr

Status mit Fachliteratur angelegt
AutorIn/RedakteurIn N. N./N. N.
Letzte Änderung 29.11.2019


1 Die Lernspirale in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“

Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Im zweiten Kapitel „Methoden und Instrumente“ beschreibt der Text unter dem zweiten Unterkapitel „Das Lernmodell“ dessen zweite konkrete Ausprägung unter dem Titel „Die Lernspirale“. Bei dieser bildet eine reale Problemstellung den Ausgangspunkt des Vorgehens. Vorausgehend wird der Lernzyklus als erste konkrete Ausprägung des Lernmodells beschrieben.

Lernspirale-color DE.jpg
„Die ‚Lernspirale‘ ist eine Methode, die Sie anzuwenden lernen, um konkrete Problemstellungen aus Ihrem beruflichen oder privaten Alltag mit Kinaesthetics zu bearbeiten. Sie geht von der Erfahrung der Situation im Tun aus und kann in der Form einer Spirale über die Schritte des Reflektierens, Variierens, Entscheidens und erneuten Tuns beliebig fortgesetzt werden.
Die Lernspirale durchbricht das gängige Muster, dass beim Auftreten eines Problems geradlinig nach seiner Lösung und Behebung gesucht wird. Ihr Motto heißt: Es geht nicht darum, das Problem zu lösen, sondern sich vom Problem zu lösen.
Die Analyse und Reflexion der Situation aus der Innenperspektive Ihrer Bewegungserfahrungen, die Beschäftigung mit vielen möglichen Varianten und die Auswertung Ihrer Erfahrungen lenken Ihre Aufmerksamkeit weg von der Suche nach Lösungen. Mit diesem Vorgehen achten Sie vielmehr auf das Lern- und Entwicklungspotenzial der Situation und loten es differenziert und in aller Breite aus. Der spiralförmige Aufbau der Methode führt dazu, dass Sie die „Lösungen“ des Problems stets wieder mit demselben Vorgehen der Entwicklung der Situation anpassen können. Dadurch wird eine nachhaltige Bearbeitung von Problemstellungen möglich.
Die Lernspirale ist besonders geeignet für das gemeinsame Lernen in kleinen Gruppen oder im Team. Im Folgenden werden die Teile der Lernspirale genauer beschrieben.
Tun
Die Ausgangslage bildet ein zu bestimmender Ausschnitt einer konkreten Praxissituation, die für Sie in einem bestimmten Kontext von Bedeutung ist. In einem Kinaesthetics-Kurs spielen Sie die Situation entweder im Kursraum durch oder gehen in konkrete Praxissituationen und führen die betreffenden Aktivitäten real aus.
Lenken Sie dabei Ihre Aufmerksamkeit auf die Informationen, die Sie über Ihre Bewegungswahrnehmung erhalten. Diese Erfahrung bildet Ihren persönlichen Bezugspunkt für die nächsten drei Schritte der Methode.
Reflektieren
Sie reflektieren die Erfahrung der Ausgangslage, indem Sie mit eigenen Bewegungserfahrungen die Aktivitäten der Situation nachvollziehen. Wenn mehrere Personen in die Situation einbezogen sind, begeben Sie sich in alle Rollen. Es ist sinnvoll die Zahl der Aktivitäten, die Sie analysieren wollen, zu beschränken. Zudem lohnt es sich, auf die Schlüsselstellen der Situation zu achten, wo es ‚klemmt‘ oder spannend wird, und besonders die damit verbundenen Aktivitäten zu untersuchen. Verwenden Sie für Ihre Einzel- und Partnererfahrungen die verschiedenen Blickwinkel des Kinaesthetics-Konzeptsystems. Dokumentieren Sie Ihre Erfahrungen z. B. mit dem Konzept-Raster und achten Sie dabei darauf, Ihre Beobachtungen und nicht die Bewertung derselben zu beschreiben. Überlegen Sie sich, welche Blickwinkel des Konzeptssystems Ihnen für die Situation besonders bedeutsam erscheinen.
Dieser Teil der Lernspirale ermöglicht es Ihnen, aus der Bewegungs- und Innenperspektive die ausgewählten Aktivitäten der Praxissituation differenziert zu analysieren und Konzeptblickwinkel zu finden, die für die Schlüsselstellen bedeutsam sind.
Variieren
Im nächsten Schritt gilt es – ohne sich an der Lösung des Problems zu orientieren – die Aktivitäten der Schlüsselstellen, die Sie beim Reflektieren untersucht haben, in Bewegungserfahrungen möglichst breit zu variieren. Sie benutzen dazu die auf der Grundlage der Reflexion ausgewählte Blickwinkel des Konzeptsystems, um die Unterschiede in der Gestaltung der Aktivität präzise wahrnehmen, beschreiben und vergleichen zu können. Gehen Sie feinen, kleinen Unterschieden nach, suchen Sie aber auch nach ungewöhnlichen oder „verrückten“ Varianten. Nicht selten zeigt sich in ihnen die zugrunde liegende Problematik in aller Schärfe oder es tut sich überraschenderweise ein gangbarer Weg auf. Gleichzeitig besteht für Sie die Möglichkeit, die eigene Kreativität in der Bewegung auf diese Weise spielerisch zu entwickeln.
Achten Sie besonders darauf, auf welchen Kompetenzen die betreffenden Aktivitäten grundsätzlich aufbauen und mit welchen Variationen sich diese Kompetenzen auf unterschiedlich anspruchsvollen Ebenen entwickeln und erweitern lassen.
In diesem Teil erarbeiten Sie sich ein breites und tiefes Verständnis, auf welchen Kompetenzen die Praxissituation beruht, und eine Vielzahl von kleinen und großen Handlungsalternativen, um Lern- und Entwicklungsprozesse in der betreffenden Situation zu unterstützen.
Entscheiden
Sie werten die Erfahrungen und Erkenntnisse der vorausgegangenen zwei Schritte aus. Sie überlegen sich, welche Blickwinkel in der betreffenden Situation ein Lernpotenzial bieten, das an Sie und die beteiligten Personen angepasst ist. Sie entscheiden sich, was Sie aufgrund Ihrer Auswertung das nächste Mal in die betreffende Situation integrieren und worauf Sie besonders achten wollen.
Tun
Auf der Grundlage des letzten Schrittes gestalten Sie die reale Praxissituation erneut oder spielen sie mit anderen TeilnehmerInnen durch. Dadurch gewinnen Sie einerseits einen neuen Bezugspunkt für die Fortsetzung der Lernspirale. Andererseits kann ähnlich wie im Lernzyklus der Kompetenzgewinn als eine Erfahrung des Unterschiedes zwischen dem ersten und dem zweiten Tun fassbar gemacht werden. Dieser Lernzuwachs kann mit den Bildungsfeldern ausgewertet und systematisch dokumentiert werden.“

Quelle: European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020): Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 22–25.

2 Weiterführende Literatur und Medien

3 Vergleiche auch

Lernmodell

Lernumgebung