KOFL:Projekt Konzeptsystembuch 04: 1.1. Sinne: Unterschied zwischen den Versionen

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|[[Datei:11-detail-kin-sinnessystem.jpg|150px|zentriert]] || ||''<big>Das kinästhetische Sinnessystem</big><br>Erst in der Neuzeit entdeckte man Sinneszellen <br>(Rezeptoren), die auf spezifische Reize aus dem <br>(Körperinnern spezialisiert sind. Sie dienen u. a. der <br>Wahrnehmung von Schmerz, Muskelspannung, Vibration, <br>der Stellung der Körperteile zueinander und des Kopfes <br>bezüglich der Schwerkraft. Dadurch wird klar, dass der <br>Mensch mit der Sinneswahrnehmung nicht nur Reize von <br>außen, sondern auch von innen verarbeitet. Solche <br>Rezeptoren, die im ganzen Körper verteilt sind, bilden als <br>zusammenhängendes Netz das kinästhetische Sinnessystem. <br><br>Das kinästhetische Sinnessystem spielt bei der Steuerung <br>aller Lebensaktivitäten eine zentrale Rolle. Es ermöglicht <br>uns, verschiedene Aspekte der Bewegung wahrzunehmen: <br>Unterschiede der Muskelspannung, Druck- und <br>Zugverhältnisse und Raumlagebeziehungen. Bewegung <br>und Bewegungswahrnehmung bedingen sich gegenseitig <br>und sind durch kontinuierliche Feedbackschleifen <br>gekoppelt: Man muss sich bewegen, um Bewegung <br>wahrnehmen zu können, und man muss Bewegung <br>wahrnehmen können, um sich gezielt zu bewegen. ''
 
 
: Das kinästhetische Sinnessystem spielt bei der Steuerung <br>aller Lebensaktivitäten eine zentrale Rolle. Es ermöglicht <br>uns, verschiedene Aspekte der Bewegung wahrzunehmen: <br>Unterschiede der Muskelspannung, Druck- und <br>Zugverhältnisse und Raumlagebeziehungen. Bewegung <br>und Bewegungswahrnehmung bedingen sich gegenseitig <br>und sind durch kontinuierliche Feedbackschleifen <br>gekoppelt: Man muss sich bewegen, um Bewegung <br>wahrnehmen zu können, und man muss Bewegung <br>wahrnehmen können, um sich gezielt zu bewegen.
 
 
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Version vom 17. Juli 2020, 12:33 Uhr

Status mit Fachliteratur angelegt
AutorIn/RedakteurIn N. N./Dagmar Panzer
Letzte Änderung 17.07.2020


Hinweis:
Dieser Artikel wird im Rahmen des Projektes „Konzeptsystembuch-Umfrage“ des Ressourcenpools Curriculum und Forschung der European Kinaesthetics Association (EKA) veröffentlicht. Die Absicht ist, dass zum untenstehenden Zitat auf der zugehörigen Diskussionsseite Projekt Konzeptsystembuch 04: 1.1. Sinne offene Fragen, unterschiedliche Verständnisse, Weiterentwicklungsbedarf usw. breit und umfassend gesammelt werden. Die Umfrage dauert ein Jahr. Deshalb ist dieser Artikel in dieser Form nur bis August 2021 im KOFL sichtbar.

Konzepticons-mit-kreis 111.png

1 "1.1. Sinne

Die Sinne des Menschen bzw. seine Fähigkeit zur Wahrnehmung ist die Basis seiner
Interaktionsfähigkeit.

Seit der Antike unterscheidet man die unten aufgeführten fünf Sinne und ihre
zugehörigen Sinnesorgane. Diesen werden aus heutiger Sicht bestimmte Reize
zugeordnet, die in der rechten Spalte aufgelistet sind:


Sinne Organe Reize
Gesichtssinn/Sehen
11-detail-auge.jpg
Licht (hell – dunkel, verschiedene Farben usw.)
Gehörsinn
11-detail-ohr.jpg
Schall (laut – leise, hoch – tief usw.)
Geruchssinn
11-detail-nase.jpg
Duftstoffe
Geschmackssinn
11-detail-zunge.jpg
Geschmacksstoffe (süß, sauer usw.)
Tastsinn
11-detail-finger.jpg
Temperatur (warm – kalt)/
Tastdruck (Kontakt – kein Kontakt)


Da diese Sinne sozusagen nach außen gerichtet sind, ging man früher in der Regel
davon aus, dass sie uns ein genaues und wahres Abbild der Außenwelt abgeben. Die
moderne neurobiologische Forschung zeigt aber auf, dass Informationen nicht direkt
von außen nach innen dringen, sondern in uns produziert werden: Menschen sind
wie alle Lebewesen bezüglich Information geschlossene Systeme. Die Nervenzellen
unserer Sinne teilen uns nur mit, dass ein Reiz oder eine Störung vorliegt; die Ursache
wird nicht qualitativ und spezifisch kodiert. Die ganze Wahrnehmung besteht aus
individuell konstruierten Beziehungen, die in unserem Innern entstehen.
Die Sinne liefern im Wahrnehmungsprozess ausschließlich quantitative Unterschiede.
Diese werden nur dann zu einer Information, wenn für das wahrnehmende
Lebewesen ein Unterschied besteht: „Informationen bestehen aus Unterschieden,
die einen Unterschied machen.“ (G. Bateson)"


11-detail-kin-sinnessystem.jpg
Das kinästhetische Sinnessystem
Erst in der Neuzeit entdeckte man Sinneszellen
(Rezeptoren), die auf spezifische Reize aus dem
(Körperinnern spezialisiert sind. Sie dienen u. a. der
Wahrnehmung von Schmerz, Muskelspannung, Vibration,
der Stellung der Körperteile zueinander und des Kopfes
bezüglich der Schwerkraft. Dadurch wird klar, dass der
Mensch mit der Sinneswahrnehmung nicht nur Reize von
außen, sondern auch von innen verarbeitet. Solche
Rezeptoren, die im ganzen Körper verteilt sind, bilden als
zusammenhängendes Netz das kinästhetische Sinnessystem.

Das kinästhetische Sinnessystem spielt bei der Steuerung
aller Lebensaktivitäten eine zentrale Rolle. Es ermöglicht
uns, verschiedene Aspekte der Bewegung wahrzunehmen:
Unterschiede der Muskelspannung, Druck- und
Zugverhältnisse und Raumlagebeziehungen. Bewegung
und Bewegungswahrnehmung bedingen sich gegenseitig
und sind durch kontinuierliche Feedbackschleifen
gekoppelt: Man muss sich bewegen, um Bewegung
wahrnehmen zu können, und man muss Bewegung
wahrnehmen können, um sich gezielt zu bewegen.


Das kinästhetische Sinnessystem ist ein grundlegender Bestandteil der gesamten
Wahrnehmung. Kinaesthetics legt besonderen Wert auf die Sensibilisierung dieses
Sinnessystems, da jede Wahrnehmung an Bewegung gebunden ist sowie an die
Fähigkeit, mit der Bewegung einem Reiz folgen zu können. Die Qualität jeder
Interaktion wird von der kinästhetischen Sensibilität der HandlungspartnerInnen
direkt beeinflusst.
„Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun.“ (H. Maturana; F. J. Varela)“

Quelle: European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020): Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 12 f.

2 Ausgewählte weiterführende Literatur

  • Asmussen-Clausen, Maren (2009): Praxisbuch Kinaesthetics. Erfahrungen zur individuellen Bewegungsunterstützung auf Basis der Kinästhetik. 2. Auflage. München, Jena: Elsevier, Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-27570-8. S. 22 ff., 85, 175, 177.
  • Hatch, Frank; Maietta, Lenny (2003): Kinästhetik. Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten. Übersetzung: Ute Villwock, Elisabeth Brock. 2., komplett überarbeitete Auflage. München, Jena: Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-31467-4. S. 37 ff., 68 f., 89, 126.
  • Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011): Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4. S. 64 ff.

3 Vergleiche auch

Projekt Konzeptsystembuch 05: 1.2. Bewegungselemente Projekt Konzeptsystembuch 06: 1.3. Interaktionsformen