Bewegungsentwicklung

Version vom 23. Juli 2020, 18:27 Uhr von Joachim Reif (Diskussion | Beiträge) (Kommentare, Auswertungen und offene Fragen)
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Status Diskussion eröffnet
AutorIn/RedakteurIn N. N./Joachim Reif
Letzte Änderung 23.07.2020


Anregung durch TrainerInnen
Diese Diskussion entsteht auf Anfrage einer Gruppe von Schweizer Kinaesthetics-TrainerInnen. Die sich auf der Suche nach Quellen an das Redaktionsteam gewandt haben und auf das Fehlen entsprechender Einträge hingewiesen haben. Wir bedanken uns für das Interesse und hoffen auf einen regen Austausch. Vorab hat das Redaktionsteam sich auf die Suche nach aktuellen bestehenden Quellen und diese hier zugänglich gemacht. Für weitere Quellen, Hinweise und Gedanken sind wir dankbar.

1 Bewegungsentwicklung in „Kinaesthetics Konzeptsystem“[Bearbeiten]

--Joachim Reif (Diskussion) 13:08, 6. Mai 2020 (CEST)

Das einzige Zitat im Buch „Kinaesthetics-Konzeptsystem“ findet sich in „5.2. Komplexe Funktion: Bewegung am Ort und Fortbewegung“. Im Unterkapitel Fortbewegung wird auf die natürliche Bewegunsentwicklung eines Kindes Bezug genommen.

„Fortbewegung bedeutet, das Gewicht aller Massen an einen neuen Ort zu bringen. Die Voraussetzung dafür, dass man sich fortbewegen kann, ist die Fähigkeit, das Gewicht in den jeweiligen Positionen organisieren zu können. In seiner Bewegungsentwicklung bewegt sich das Kind in verschiedenster Art und Weise aus jeder Position fort. Sein Leben lang entwickelt der Mensch diese Fähigkeit zu immer differenzierteren Fortbewegungsaktivitäten weiter.“

Quelle: European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020): Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 48

2 Bewegungsentwicklung in „Kinaesthetics - Lernen und Bewegungskompetenz“[Bearbeiten]

Die folgenden Zitate stammen aus dem Buch „Lernen und Bewegungskompetenz“. Das erste Zitat ist in das dritte Kapitel „Was ist Bewegungskompetenz?“ eingebettet. Ihm voraus geht das erste Unterkapitel „Annäherung an eine Definition“. Das Zitat ist eingebettet in den Text des zweiten Unterkapitels „Bewegungskomptenz als Lernprozess“.

„Die Entwicklung der Bewegungskompetenz ist ein lebenslanger, ununterbrochener Lernprozess, der uns in der Regel nicht bewusst ist. Wie bewusst und wie weit ein einzelner Mensch seine Bewegungskompetenz entwickelt und zu welchen Fertigkeiten er sie nutzt, hängt also mit seiner individuellen Lerngeschichte und der Geschichte seiner Bewegungsentwicklung zusammen. Bewusst“ meint dabei die gezielte Beschäftigung mit der eigenen Bewegung oder eine gelenkte Achtsamkeit, ob sie nun sprachlich reflektiert wird oder nicht (vgl. auch Kapitel 3.4.).“

Quelle: European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020): Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 32.

Eine zweite Erwähnung findet man in „3.2. Die Bedeutung der Bewegungskompetenz in den Lebensphasen“

„Die Entwicklung der Bewegungskompetenz ist ein grundlegendes Lernthema in jedem Menschenleben. Es wird durch natürliche Faktoren wie die individuellen Voraussetzungen, das Wachstum oder Altern beeinflusst sowie durch die Faktoren der Interaktionsgestaltung mit den Bezugspersonen und der Gestaltung der alltäglichen Aktivitäten.
Der Fötus wird in der Zeit der Schwangerschaft einerseits durch das körperliche Wachstum und die Ausdifferenzierung seines Körpers geprägt, andererseits durch seine sehr spezifischen Umgebungsbedingungen. Er entwickelt sich in der Fruchtblase seiner Mutter und ist deswegen z. B. ihren ununterbrochenen willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen ausgesetzt. In diesen Bedingungen entwickeln sich durch das Wachstum die Bewegungsmöglichkeiten des Fötus. Und dadurch, dass er diese Möglichkeiten aktiv erkundet und sich bewegt, beeinflusst er seine eigene Entwicklung und treibt sie voran. So entdeckt und entwickelt er fortlaufend die grundlegenden Bewegungsmöglichkeiten seines Körpers bzw. das Zusammenspiel seines Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystems (vgl. Kapitel 4.3.). Dies führt bis zu gezielten Bewegungen einzelner Körperteile (z. B. den Daumen in den Mund führen).
Mit der Geburt verändern sich die inneren und äußeren Bedingungen und Voraussetzungen erheblich. Die inneren Veränderungen betreffen insbesondere den ganzen „Energiehaushalt“: Das Baby muss lernen, diesen autonom zu regulieren. Bei den zahlreichen äußeren Veränderungen spielt die Schwerkraft, mit der das Baby auf neue Weise konfrontiert ist, für die Bewegungsentwicklung eine zentrale Rolle. Das Baby lernt, das bereits entdeckte Zusammenspiel von Bewegung, Wahrnehmung und Nervensystem an diese veränderten Bedingungen und an sein weiteres Wachstum anzupassen. Wieder beeinflusst es dabei mit seiner eigenen Bewegung die Entwicklung seines Körperbaus.
Neu vollzieht das Baby diese Lernprozesse einerseits für sich allein und andererseits in den lebenswichtigen Interaktionen durch Berührung und gemeinsame Bewegung mit seinen Bezugspersonen. Gerade weil es für eine geraume Zeit alleine nicht überlebensfähig ist, hat die Art und Weise, wie es aufgenommen, getragen, im Arm gehalten und ernährt wird, d. h. die Qualität dieser gemeinsamen Bewegungen, einen zentralen Einfluss auf seine Bewegungsentwicklung. Wenn das Baby lernt, sich in immer größerem Ausmaß fortzubewegen und schließlich seinen Aufenthaltsort und seine InteraktionspartnerInnen selbst zu bestimmen, entwickelt sich seine Bewegungskompetenz immer noch v. a. durch seine Interaktionen, d. h. dadurch, dass es mit seiner eigenen Bewegung der Bewegung anderer Menschen folgt (vgl. Kapitel 4.6.). Das Phänomen des „sozialen Folgens“ ist eine Grundlage des Spracherwerbs und der Entwicklung der verbalen Kommunikation aus den vorausgehenden Interaktions- und Kommunikationsformen. Auf der Grundlage des „sozialen Folgens“ entwickelt das Kleinkind durch tägliches „Training“ ungefähr bis zu seiner Einschulung seine individuellen Bewegungsmuster so weit, dass es selbstständig alle großen und kleinen Herausforderungen des Alltags bewältigen und die eigene Bewegung mehr oder weniger differenziert und vielfältig an sie anpassen kann.
In der Schule steht das Kind insbesondere vor der Herausforderung, aufbauend auf seiner Bewegungskompetenz Kulturtechniken wie Schreiben oder Lesen zu erlernen, die eine gezielte Kontrolle und Steuerung der eigenen Bewegung erfordern. Am Ende der Kindheit bewegt sich das Kind wie ein kleiner Erwachsener selbstständig und in seiner Art erfolgreich in seiner Welt. Es ist dabei möglich, dass durch intensives Training bestimmter Fertigkeiten motorische oder andere Leistungen eines Kindes denjenigen eines Erwachsenen ebenbürtig oder gar – wie z. B. im Kunstturnen – überlegen sind.“

Quelle: European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020): Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 34 ff.

3 Kommentare, Auswertungen und offene Fragen[Bearbeiten]

--Joachim Reif (Diskussion) 19:27, 23. Jul. 2020 (CEST)

Der Begriff „Bewegungsentwicklung“ wird in der Geschichte der Kinästhetik, genau wie in der aktuellen Kinaesthetics-Literatur in zwei Zusammenhängen gebraucht.

Zum einen wird damit die allgemeine und laufend stattfindende Bewegungsentwicklung jedes Menschen von der Zeugung bis zum Sterben beschrieben. In dieser Bedeutung ist Bewegungsentwicklung nicht zielgerichtet und geschieht ohne bewusste Aufmerksamkeit oder Ausrichtung. Sie bildet entweder eine sehr basale, gleichwohl unvermeidliche Vorstufe der Bewegungskompetenz. Oder sie bezeichnet die Gesamtheit aller Prozesse, die im Zusammenhang mit Bewegung im individuellen Menschenleben stattfinden.

Zum anderen werden die Quellen spezifischer, wenn es um Parallelen zwischen der frühkindlichen Entwicklung und den Konzeptinhalten der „Menschlichen Funktion“ geht. Hier wird in älteren und neueren Quellen ein Bezug zu den Grundpositionen, sowie die Parallelen zur Fortbewegung durch die Grundpositionen festgestellt.
Die besondere Bedeutung für die Kinästhetik ergibt sich hier durch die Annahme einer Wechselwirkung von Bewegungsentwicklung und Entwicklungsbewegung.

Beachtet man noch die Bedeutung der Bewegungsentwicklung für die Gesellschaft, die sich in Sport- und Bewegungstrends, in verschiedenen Therapieformen, der Ergonomie oder auch der Pädagogik wiederspiegelt, kann man sich fragen, ob dieser Begriff überhaupt in einer konkreten Definition zu fassen ist. Ein Nachschlag im Online-Duden ergibt bis Dato kein Ergebnis.
Die Kinästhetik stellt mit der Entwicklung der Bewegungskompetenz vielleicht eine Möglichkeit dar sich der unbewusst immer ablaufenden Bewegungsentwicklung sehr fokussiert und zielgerichtet zu widmen.