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	<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<updated>2026-05-15T23:06:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Die Seite wurde geleert.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<title>Benutzer:Michael Koch</title>
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		<updated>2026-05-15T23:06:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Test&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<updated>2025-11-10T16:45:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: TOC-Nummerierung verstecken&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;/* Das folgende CSS wird für alle Benutzeroberflächen geladen. */&lt;br /&gt;
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		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<updated>2024-11-25T17:30:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Grösse des Logos anpassen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<title>Orientierung</title>
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		<updated>2024-06-08T20:38:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Test rückgängig&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./ Sabine Kaserer, Dagmar Panzer}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten zum Thema Orientierung. [[Orientierung#Orientierung%20im%20.E2.80.9EKinaesthetics%20.E2.80.93%20Konzeptsystem.E2.80.9C|Die ersten Zitate ]] stammen aus aus dem Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ und stellen einen aktuellen Referenztext dar. Es folgen [[Orientierung#Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“|Zitate ]] aus dem Aufbaumodul Demenz 3, wo es um die konkrete Verknüpfung mit dem Thema Demenz geht. In den [[Orientierung#Orientierung%20in%20.E2.80.9EKin.C3.A4sthetik-Bulletin-Nr-16.E2.80.9C|Zitaten]] aus dem 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 werden Entwicklung, Bedeutung und Anwendung des Begriffs Orientierung dargestellt.&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Fachbegriffs ==&lt;br /&gt;
 [[Datei:Konzepticons-mit-kreis 221.png |100px|rahmenlos|rechts]]&lt;br /&gt;
=== Orientierung im „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zitat ist in das zweite Kapitel „Konzept Funktionale Anatomie“ eingebettet. Bei diesem Konzept ist grundsätzlich Folgendes von Bedeutung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Kinaesthetics betrachtet die Anatomie aus einer funktionalen Perspektive, d. h., die erfahrbaren und wahrnehmbaren Aspekte des Körperbaus bilden den Inhalt des Konzeptes Funktionale Anatomie.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Unterkapiteln „[[Knochen und Muskeln]]“, „[[Massen und Zwischenräume]]“ und „Haltungs- und Transportbewegungsebenen“ wird dem Fachbegriff Orientierung das vierte und letzte Kapitel gewidmet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;“2.4. Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Entstehung des Begriffes &#039;&#039;&#039;Orientierung&#039;&#039;&#039; hängt mit der Tatsache zusammen, dass&amp;lt;br&amp;gt;sich der Mensch – insbesondere auf seinen Reisen – seit frühester Zeit an der&amp;lt;br&amp;gt;aufgehenden Sonne (Orient, Osten) bzw. an den Himmelsrichtungen und den&amp;lt;br&amp;gt;Himmelskörpern auszurichten pflegte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung kann also die Fähigkeit bezeichnen, sich im äußeren Raum und in der&amp;lt;br&amp;gt;Zeit zurechtfinden zu können. Die räumlich-zeitliche Orientierungsfähigkeit&amp;lt;br&amp;gt;beantwortet Fragen wie: ‚Wo befinden wir uns? In was für einer Umgebung befinden&amp;lt;br&amp;gt;wir uns? Welchen Weg sollen wir einschlagen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen?‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics versteht unter Orientierung aber auch die Fähigkeit, sich im eigenen&amp;lt;br&amp;gt;Körper, im inneren Raum bzw. an den Sachverhalten der funktionalen Anatomie&amp;lt;br&amp;gt;orientieren zu können. Diese körperliche Orientierungsfähigkeit setzt sich mit Fragen&amp;lt;br&amp;gt;auseinander wie: ‚In welcher Position befindet sich unser Körper? Wie und mit&amp;lt;br&amp;gt;welcher Anstrengung ist dabei die Gewichtsabgabe unserer [[Massen und Zwischenräume|Massen]] organisiert? Wie&amp;lt;br&amp;gt;und in welche Richtung sollen wir unsere Körperteile bewegen, um ein Ziel zu&amp;lt;br&amp;gt;erreichen?‘&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics geht davon aus, dass diese körperlichen Orientierungsfähigkeiten&amp;lt;br&amp;gt;ständige Prozesse sind, die auf Bewegung, auf der Bewegungswahrnehmung (und&amp;lt;br&amp;gt;der gesamten Sinneswahrnehmung) beruhen. Nach dieser Annahme sind wir bewusst&amp;lt;br&amp;gt;oder unbewusst konstant damit beschäftigt, die Orientierung oder die ‚richtige&amp;lt;br&amp;gt;Richtung‘ unserer Bewegungen nicht zu verlieren. Die körperliche Orientierung stellt&amp;lt;br&amp;gt;die Grundlage dafür dar, dass ein Mensch sich im äußeren Raum und generell in der&amp;lt;br&amp;gt;Welt, z. B. in Gesellschaft und Kultur, orientieren kann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft macht sich dieser Prozess erst bei einem Orientierungsverlust deutlich&amp;lt;br&amp;gt;bemerkbar. Eine schwere Verletzung kann unsere körperliche Orientierung, d. h. die&amp;lt;br&amp;gt;Fähigkeit zu einer zielgerichteten Bewegung der unverletzten Glieder, sowie die&amp;lt;br&amp;gt;räumlich-zeitliche Orientierung, und damit unser Wohlbefinden im wahrsten Sinne&amp;lt;br&amp;gt; des Wortes lahmlegen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Oben und unten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die körperliche Orientierung bezüglich ‚oben‘ und ‚unten‘ basiert auf der&amp;lt;br&amp;gt;Erfahrung der spezifischen Anordnung der einzelnen Massen: ‚Oben‘ ist der Kopf,&amp;lt;br&amp;gt;dann folgt der Brustkorb und das Becken, ‚unten‘ sind die Beine bzw. die Füße. Da&amp;lt;br&amp;gt;diese Anordnung unabhängig davon ist, in welcher Position oder räumlichen Lage&amp;lt;br&amp;gt;sich ein Mensch befindet, kann die körperliche Orientierung in einem Widerspruch&amp;lt;br&amp;gt;zur räumlichen Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ stehen, die sich aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Außenperspektive ergibt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die räumliche Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ wird durch die konstante Wirkung&amp;lt;br&amp;gt;der Schwerkraft bestimmt, die unser Leben in einem hohen Ausmaß prägt. ‚Unten‘&amp;lt;br&amp;gt; definiert sich durch die Richtung der Schwerkraft, ‚oben‘ durch die Gegenrichtung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bezüglich der räumlichen und körperlichen Orientierung fällt auf: Die Extremitäten&amp;lt;br&amp;gt;sind symmetrisch angeordnet und unterstützen in einem analogen Muster die&amp;lt;br&amp;gt;Steuerung des Gewichtes der zentralen Massen in der Schwerkraft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Arme sind seitlich mit dem Brustkorb verbunden und unterstützen die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtssteuerung des Brustkorbes. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Beine sind seitlich mit dem Becken verbunden und sind für die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsverlagerung des Beckens hilfreich. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Ohren sind sozusagen die nach innen gestülpten Extremitäten des Kopfes&amp;lt;br&amp;gt;und unterstützen durch den Gleichgewichtssinn im Innenohr die Steuerung des&amp;lt;br&amp;gt;Kopfes bzw. die Orientierung in der Schwerkraft. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Unterscheidung zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘ kann der Mensch immer auf&amp;lt;br&amp;gt;die innere, körperliche oder auf die äußere, räumliche Orientierung zurückgreifen.&amp;lt;br&amp;gt;Diese können in einem Widerspruch zueinander stehen. Aufstehen hat aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Innenperspektive betrachtet kaum etwas mit einem vertikalen Hochheben der&amp;lt;br&amp;gt;Massen gegen die Schwerkraft zu tun, wie man es von außen betrachtet vielleicht&amp;lt;br&amp;gt;beschreiben würde. Die Ausführung von Aktivitäten erfordert stets die Orientierung&amp;lt;br&amp;gt;an den eigenen, körperlichen und an den äußeren, räumlichen Bedingungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Vorne und hinten: Vorderseiten und Rückseiten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics definiert die Vorder- und Rückseiten unserer Massen aufgrund der&amp;lt;br&amp;gt;unterschiedlich erfahrbaren Eigenschaften und Aufgaben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Seiten der Massen, die überwiegend als hart, knochig und stabil erfahrbar sind,&amp;lt;br&amp;gt;werden als Rückseiten bezeichnet. Hier liegen v. a. Streckmuskeln. Die Vorderseiten&amp;lt;br&amp;gt;tragen die Merkmale weich, instabil und anpassungsfähig. Hier sind hauptsächlich&amp;lt;br&amp;gt;Beugemuskeln vorhanden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den zentralen Massen Kopf, Brustkorb und Becken lassen sich die Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten einfach erfahren und entsprechen der gängigen Vorstellung von vorne&amp;lt;br&amp;gt;und hinten. Bei den Extremitäten aber ist ein spiraliger Verlauf der Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten beobachtbar. Deshalb weichen hier die Definitionen z. T. von unseren&amp;lt;br&amp;gt;gängigen Vorstellungen ab.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:22-detail-vorne-hinten.jpg|180px|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den Rückseiten der Massen liegen die Knochen&amp;lt;br&amp;gt;ziemlich direkt und großflächig unter der Haut. Dadurch&amp;lt;br&amp;gt;eignen sich die Rückseiten eher dazu, das Gewicht zu&amp;lt;br&amp;gt;tragen und es auf eine Unterstützungsfläche abzugeben.&amp;lt;br&amp;gt;Auf den Vorderseiten sind mehr Muskeln erfahrbar. Sie&amp;lt;br&amp;gt;haben deshalb die Funktion, das Gewicht auf die&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten zu leiten und Anpassungen der&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsorganisation zu gestalten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Hand- und Fußflächen besitzen sowohl&amp;lt;br&amp;gt;Vorderseiten- als auch Rückseiten-Qualitäten.&amp;lt;br&amp;gt;Nur deshalb ist es möglich, unser&amp;lt;br&amp;gt;Körpergewicht in Balance zu halten, wenn wir auf den&amp;lt;br&amp;gt;Füßen stehen. Die Hand- und Fußflächen gehören zu&amp;lt;br&amp;gt;den empfindlichsten Zonen des kinästhetischen&amp;lt;br&amp;gt;Sinnessystems.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der spiralförmige Verlauf von&amp;lt;br&amp;gt;Vorder- und Rückseiten ist&amp;lt;br&amp;gt;der Hauptgrund dafür, dass Menschen grundsätzlich&amp;lt;br&amp;gt;über eine unendliche Vielfalt von&amp;lt;br&amp;gt;Bewegungsmöglichkeiten oder -varianten verfügen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein angepasstes Zusammenspiel der Funktionen der Vorder- und Rückseiten während&amp;lt;br&amp;gt;einer Aktivität macht es möglich, diese mit wenig Kraftaufwand und größtmöglicher&amp;lt;br&amp;gt;Kontrolle in der Schwerkraft zu gestalten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 26 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“ ===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus den Arbeitsunterlagen „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen“. Das erste Zitat stammt aus dem Kapitel „Einführung in das Aufbaumodul Demenz 3“ der Einleitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„&amp;lt;big&amp;gt;Die eigene Orientierung suchen&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; […] Die eigene Orientierung auf unterschiedlichsten Ebenen zu suchen, ist für die Menschen mit Demenz oft ein Hauptthema des Alltags. Somit muss es ein Anliegen der Pflege und Betreuung sein, sie verständnisvoll darin zu unterstützen, in ihren alltäglichen Aktivitäten die Orientierung erfolgreich zu suchen und dadurch Lebensqualität zu gewinnen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus biologischer Perspektive verfügen alle Lebewesen über ein Orientierungsvermögen. Es ist eine Grundbedingung des Lebens. Für das Lebewesen bedeutet es, die eigene Bewegung (inklusive des eigenen Wachstumes bei Pflanzen) an physikalischen, chemischen oder anderen Gegebenheiten und Prozessen ausrichten zu können. Die Grundlage des Orientierungsvermögens bildet die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) bzw. irgendeine Form der Eigenwahrnehmung (Propriozeption).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Die Bedeutung der inneren körperlichen Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;In der Kinästhetik wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch seine innere körperliche Orientierung lebenslang weiterentwickelt. Bei der Frage, ob die Entwicklung in Richtung eines differenzierteren oder zunehmend undifferenzierteren Orientierungsvermögens geht, spielen die Bewegungswahrnehmung und die Qualität der eigenen Bewegung eine zentrale Rolle. Es geht darum, ein inneres körperliches Verständnis für passende Bewegungsrichtungen im aktuellen Moment zu entwickeln. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Annahme ist, dass die Orientierung an den eigenen Bewegungsmöglichkeiten bzw. an den Eigenschaften und Funktionen der eigenen Anatomie grundlegend für das gesamte Orientierungsvermögen ist. Diese Perspektive hat für professionelle Bezugspersonen von Menschen mit Demenz eine hohe Bedeutung. Sie können lernen, die alltäglichen Unterstützungsangebote orientierungsfördernd zu gestalten bzw. die einzelne Person mit Demenz individuell und konkret in ihrer Suche nach der eigenen Orientierung auf allen Ebenen zu unterstützen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; European Kinaesthetics Association (Hg.) (2022) &#039;&#039;&#039;: Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen. Arbeitsunterlagen. Unter Mitarbeit von Franziska Gysin, Christine Grasberger, Brigitte Marty-Teuber, Stefan Marty-Teuber, Sabine Siemann, Erich Weidmann. Linz (AT), Winterthur (CH): Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903052-48-2. S. 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus den Begleittexten des Kapitels „Teil 1: Was ist Orientierung?&amp;quot;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Orientierung – ein vielschichtiger Prozess &amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Beispiel: &amp;lt;br&amp;gt;Wir wollen erfolgreich und sicher auf einen Berg hinauf- und wieder hinuntersteigen. Dabei müssen wir uns bzw. unsere Bewegung ständig an den unterschiedlichsten Dingen orientieren. Unsere Bewegung orientieren wir z. B. ununterbrochen an der Beschaffenheit und der Richtung des Weges. Wir orientieren uns an Wegweisern und Karten, daran, wie schnell wir im Verhältnis zur Gesamtstrecke vorankommen und wie fit wir noch sind, an BergsteigerInnen, die uns entgegenkommen, an der Entwicklung des Wetters usw. [im Original alles kursiv]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Im Allgemeinen bezeichnet Orientierung die Fähigkeit, sich selbst an unterschiedlichsten Gegebenheiten oder Vorgängen ausrichten zu können, um ein Ziel zu erreichen oder eine Absicht zu verwirklichen. In unserem Alltag sind wir bewusst oder unbewusst ständig damit beschäftigt, uns auf unterschiedlichen Ebenen zu orientieren bzw. die eigene Orientierung zu suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundfragen dabei sind, woher wir kommen, wo wir sind und wohin wir gehen wollen oder wie wir unseren Weg fortsetzen können. Dies gilt im konkreten räumlichen Sinn, aber auch im übertragenen Sinn für alle anderen Orientierungsprozesse. Diese Fragen stellen sich bei der inneren körperlichen Orientierung, wenn wir unsere Bewegung bei jeder alltäglichen Aktivität an den Eigenschaften und Funktionen unserer eigenen Anatomie orientieren. Sie stellen sich ebenso, wenn wir unser Verhalten an äußeren räumlichen Gegebenheiten orientieren, am Fortschreiten der Zeit, an den ‚Spielregeln‘ einer bestimmten Situation (situative Orientierung), an unseren eigenen Lebenserfahrungen oder an der Beziehung, die wir zu anderen Personen haben (Orientierung zur Person). &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch diese Orientierungsprozesse bzw. durch die fortlaufende Auseinandersetzung mit den Grundfragen der Orientierung entsteht gewissermaßen eine kontinuierliche innere Spur. Sie erlaubt uns, unser Leben in unserem Umfeld stimmig und passend zu gestalten. Wenn diese innere Einheitlichkeit und Kontinuität unüberbrückbare Unterbrechungen oder Lücken aufzuweisen beginnt, wird dies schwierig. Dann sind wir damit konfrontiert, unsere Orientierung immer wieder in der aktuellen Situation suchen zu müssen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:AMD3-Orientierung-Wandern.jpeg|300px|rahmenlos|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Abb. 1: Eine Wanderung erfordert fortlaufend innere körperliche Anpassungsfähigkeit im Zusammenspiel mit der ständigen Orientierung in der Umgebung. Die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) läuft sozusagen auf Hochtouren und damit einhergehend die innere körperliche Orientierung. Sie gilt in der Kinästhetik als Grundlage des Orientierungsvermögens.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Unabdingbare Voraussetzung aller Orientierungsprozesse ist, dass wir uns selbst in unserer Umgebung wahrnehmen können […]. Nur dadurch sind wir dazu imstande, unser Verhalten an unseren Bewegungsmöglichkeiten in der jeweiligen Umgebung, an unserer aktuellen Befindlichkeit, aber auch an unserer persönlichen Erfahrungs- und Lerngeschichte zu orientieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierung hängt eng mit der Orientierung an äußeren Umständen und Prozessen wie an der Beschaffenheit des Raumes, der Tageszeit oder am Verhalten anderer Menschen zusammen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Ebenen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Die innere körperliche Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Aus der Perspektive der Kinästhetik besteht die grundlegende Ebene des menschlichen Orientierungsvermögens darin, dass wir unsere eigene Bewegung und unser ganzes Verhalten an bestimmten Gegebenheiten unseres eigenen Körpers orientieren. Diese Gegebenheiten sind die Eigenschaften und Funktionen unserer Anatomie. Es geht um die Frage, wie wir – als verkörperte Wesen in dieser Welt – uns in unserem Körper und in uns selbst zurechtfinden. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierungsfähigkeit ist im allgemeinen Bewusstsein weniger verankert, hat aber für die alltägliche Lebensqualität des einzelnen Menschen eine grundlegende Bedeutung. Bewusst oder unbewusst sind wir bei der Ausführung jeder alltäglichen Aktivität konstant damit beschäftigt, die richtige Richtung zu suchen, in der wir unsere Körperteile bewegen können. Die innere körperliche Orientierung entsteht dadurch, dass wir unsere Bewegung fortlaufend an passenden eigenen Bewegungsmöglichkeiten in der Schwerkraft der Erde ausrichten. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundlage für die Orientierung im eigenen Körper ist die Bewegungswahrnehmung bzw. das zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem. Die körperliche Orientierung beschränkt sich somit nicht auf die motorische ‚Mechanik‘, sondern ist ein ganzheitliches, den ganzen Menschen einbeziehendes Phänomen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sich an den Bewegungsmöglichkeiten des eigenen Körpers zu orientieren, erfordert allerdings im Vergleich mit anderen Ebenen der Orientierung in geringerem Maß kognitive Leistungen bzw. ein bewusstes Erinnerungsvermögen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Orientierung im eigenen Körper wird besonders deutlich, dass jede Art der Orientierung immer vom einzelnen Menschen geleistet werden muss und von seinen individuellen Möglichkeiten im aktuellen Moment abhängig ist. Man kann einen Menschen bei der Orientierungssuche unterstützen, aber man kann niemandem Orientierung geben. Er muss sie in sich selbst finden.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Herkömmliche Unterteilungen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; Es ist gängig, das Orientierungsvermögen des Menschen zu unterteilen, um es differenzierter zu beschreiben oder auch in Pflegedokumentationen festzuhalten. Dabei sind die folgenden Begrifflichkeiten allgemein gebräuchlich:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Räumliche oder örtliche Orientierung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Zeitliche Orientierung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Orientierung zur eigenen Person und zum persönlichen Beziehungsnetz (auch als soziale Orientierung bezeichnet)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Situative Orientierung: Das angemessene Ausrichten des eigenen Verhaltens an einer bestimmten Situation&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Diese Unterteilung macht deutlich, dass Orientierung auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet, aber auch ein sehr komplexes Phänomen ist. Mit ein Grund ist, dass die Aspekte, die durch diese Unterteilung unterschiedenen werden, sich im alltäglichen Leben überschneiden und kombinieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Die herkömmlichen Unterteilungen des Orientierungsvermögens vernachlässigen oft die innere körperliche Orientierung als grundlegenden Aspekt. In der Kinästhetik wird von der Annahme ausgegangen, dass die Qualität der körperlichen Orientierung einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie sich ein Mensch am Raum, an der Zeit usw. orientieren kann.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 12 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Kapitel „Teil 3: Bewegungskompetenz und lebenslange Orientierungssuche&amp;quot;. Die vorhergehenden Absätze beleuchten das Thema [[Parallele und spiralige Bewegungsmuster|Bewegungsmuster]], hier wird die Bedeutung der Bewegungsmuster für Orientierung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;„Bedeutung für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz:&amp;lt;/big&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;[…] Für das fortlaufende Suchen ihrer Orientierung ist es von hoher Bedeutung, in welcher Qualität sie [eine Person mit Demenz, Anm. d. Red.] ihre Bewegung wahrnehmen, gestalten und sich so in sich selbst orientieren kann. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Nach dieser Grundhaltung steht im Zentrum, dass jede Unterstützung einer Person mit Demenz als ein Lernangebot verstanden und gestaltet wird. Wenn Menschen mit Demenz in ihren alltäglichen Aktivitäten eine für sie im Moment passende Unterstützung erhalten, können sie lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten zu nutzen und an ihre aktuelle Situation anzupassen. Hier liegt ein großes Potenzial dafür vor, dass sie bis zuletzt erfolgreich ihre innere körperliche Orientierung suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein individuell angepasstes Unterstützungsangebot in diesem Sinn gestalten zu können, stellt hohe Anforderungen an die Bewegungskompetenz und das Bewegungsverständnis der Bezugspersonen. Sie sind insbesondere gefordert, ihre Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auf ihre eigene Bewegung zu lenken, um diese fortlaufend differenziert an die Orientierungssuche der betreffenden Person anzupassen. &amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 36 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Orientierung in „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 finden sich die ersten Beschreibungen von Prinzipien, die heute Konzepte genannt werden. Der Vergleich dieser Schrift mit dem heutigen Verständnis zeigt sehr deutlich die inhaltliche Entwicklung der Kinästhetik. Prinzipien, Kontexte, Anwendungsbereiche und Übungen werden innerhalb der einzelnen Texte direkt in Verbindung miteinander gebracht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relevante Zitate===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus dem Buch „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“. Das erste Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist Teil des Textes der Einführung des gesamten Beitrags von Suzanne Schmidt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4. Grundprinzipien &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Prinzipien, welche wir in der Kinästhetik benützen, sollen in einem bestimmten Sinn verstanden und angewandt werden, nämlich als eine Art ‚Werkzeug‘, um Menschen zu helfen, Beziehungsmuster zu entdecken und bewusst zu erleben. Das Bewegen, das Lernen und selbst das In-Beziehung-Treten mit andern Menschen wird dadurch leichter, effektiver und klarer. [...]“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Zitat ist ebenso in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet und ist Teil des ersten Unterkapitels „[[Wahrnehmung]]“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.1. Wahrnehmung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir sind mit verschiedenen Sinnen ausgerüstet, die uns alle auf ihre besondere Art Reize über die belebte und die unbelebte Umwelt vermitteln: Augen, Ohren, Nase, Geschmacksknospen und die Haut. Wir nehmen die sensorischen Reize auf, in dem wir sie in Bewegung umsetzen. Unter Bewegung verstehen wir die Ortsveränderung in einer gewissen Zeiteinheit (Veränderung der Rezeptoren in Bezug auf Umgebung und Veränderung der Umgebung in Bezug auf die Rezeptoren). Erst durch Bewegung können wir einen Reiz vom andern unterscheiden, Reize auswählen und Reize erzeugen. Es ist nicht so, dass die Reize in uns hineinfallen und passiv von uns aufgenommen werden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Sinnessystem, durch welches wir uns von innen wahrnehmen können, ist der kinästhetische Sinn. Es nimmt insofern einen besonderen Platz innerhalb aller Sinnessysteme ein, als es das einzige ist, ohne das wir nicht leben könnten. Es gibt uns das Gefühl, für unser eigenes Selbst und integriert alle sensorischen Funktionen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das dritte Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Orientierung im Körper“ einschließlich der beschriebenen Übung „Wasch-Ritual“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.2. Orientierung im Körper&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung hat viel zu tun mit Kontext. Unser Verhalten, und wie wir ein Erlebnis einordnen, ist abhängig von unserem Verständnis von Orientierung bei irgendeiner Aktivität. Unsere Orientierung bildet gewissermassen einen Rahmen (eben den Kontext) für unser Erleben. Sie beeinflusst, worauf wir achten mit unseren Sinnen, welchen Sinn wir dem Erlebten geben und wie wir darauf antworten.&amp;lt;br&amp;gt;Die gängige Orientierung des Menschen in unserer Kultur bezieht sich auf die Umgebung. Zum Beispiel: Erde, Fussboden sind unten - Himmel, Zimmerdecke oben. Das bedeutet, dass wenn wir eine Position verändern, wir uns danach richten. Oft entspricht dies nicht der Struktur unseres Körpers und führt zu grosser Anstrengung. Steht hingegen der eigene Körper bzw. die. menschliche Bewegung im Zentrum der Orientierung anstelle der Umgebung, können wir uns mit mehr Leichtigkeit und Grazie bewegen. Hier ein Beispiel: Wenn wir von einem Stuhl aufstehen, geht unsere Anstrengung zur Zimmerdecke hoch. Wir bewegen uns in einer geraden Linie, was nicht der menschlichen Bewegungsart entspricht. Versuchen wir hingegen, unser Gewicht über die Füsse zu bringen, was unserer Körperstrukturierung entspricht (wir stehen von unten nach oben), wird unsere Anstrengung, ins Stehen zu kommen, wesentlich kleiner.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-stehend.png|250px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oben im Körper bedeutet der oberste Punkt unseres Körpers auf dem Scheitel - unten demnach der am weitesten entfernte Punkt am anderen Ende: Spitze der Grosszehe oder zweiten, evtl. dritten Zehe. Vorne ist immer dort wo die Vorderseite des Körpers ist, hinten dort wo die Hinterseite des Körpers ist, egal in welcher Position wir sind.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-liegend.png|400px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Unterscheidung vorne - hinten ist bestimmt durch die Muskelfunktion. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorne liegende Muskulatur umfasst alle Beugemuskeln. Sie übernehmen die Aufgabe der Anpassung an die Umwelt. Zudem ist die Vorderseite weicher, offener, verletzlicher, differenzierter. Mit ihr treffen wir die Aussenwelt (z.B. mit Handflächen oder Fusssohlen).&amp;lt;br&amp;gt;Zur hinten liegenden Muskulatur gehören alle Streckmuskeln. Sie sind verantwortlich für Stabilität und Gleichgewicht. Die Hinterseite ist runder, abgeschlossener, härter, geschützter und trägt das Gewicht.&amp;lt;br&amp;gt;Im Kopf und Rumpf ist dieses Muster leicht zu erkennen. In den Extremitäten allerdings verläuft diese Trennung zwischen vorne und hinten in einem Spiralmuster. Dies ist prägend für die Art und Weise wie wir unsere Arme und Beine benützen können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Übung: Wasch - Ritual &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Setze dich an einen bequemen Ort. Hit deiner rechten Handfläche fährst du von der Gesichtsmitte über die linke Gesichtshälfte nach hinten oben zum Scheitel und dann nach unten über die linke Hinterhauptshälfte, dem Hals entlang bis auf die Schulter. Du kannst diese Streichung mehrmals wiederholen und dabei abwechslend deine Wahrnehmung auf das Gesicht, den Kopf, den Hals richten oder auf die Handfläche. Dann lege eine kurze Pause ein, um den Unterschied zwischen linker und rechter Kopfseite wahrzunehmen. Du spürst vielleicht Wärme, Lebendigkeit, Entspannung usw. auf der linken Seite.&amp;lt;br&amp;gt;Als nächsten Schritt fahre mit deiner rechten Handfläche von der linken Schulter über die Aussenseite (Hinterseite) des Oberarms, des Unterarms, über den Handrücken und über die linke Handfläche, Innenseite (Vorderseite) des Unterarms, Oberarms bis zu Achselhöhle. Auch diese Streichung kannst du mehrmals wiederholen mit wechselnder Aufmerksamkeit wie oben beschrieben und anschliessender Pause zum vergleichenden Wahrnehmen.&amp;lt;br&amp;gt;In einer nächsten Etappe fahre mit beiden Handflächen unter der linken Achselhöhle nach hinten zum linken Schulterblatt, fahre über deine linke Rückenhälfte nach unten, über deine linke Gesässbacke, die Aussenseite (Hinterseite) des linken Oberschenkels, das Knie, Schienbein, den Fussrücken (alles Hinterseite des Beines) zu den Zehenspitzen. Wiederhole, variiere in deiner Wahrnehmung und mache eine Pause zum Vergleichen.&amp;lt;br&amp;gt;Dann fahre mit deinen Handflächen über die linke Fussohle, Wade, Innenseite (Vorderseite) des Oberschenkels, über die linke Rumpfseite, Hals bis zum Gesicht.&amp;lt;br&amp;gt;Dann lege dich flach auf den Boden und nimm den Unterschied zwischen deiner linken und rechten Körperhälfte wahr.&amp;lt;br&amp;gt;Anschliessend gehe durch das gleiche Ritual auf der rechten Körperseite, mit der linken Hand beginnend. Diese Streichungen entsprechen gleichzeitig dem Verlauf der Muskulatur, wirken organisierend und klärend.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Rechts und links beziehen wir interessanterweise immer auf unseren Körper, sofern wir keinen anderen Bezugspunkt nennen. Wie, d.h. an was wir uns orientieren, ist besonders wichtig, wenn wir uns mit anderen Menschen bewegen wollen und dabei unsere Positionen im Raum verändern.&amp;lt;br&amp;gt;Wir nehmen uns selber wahr durch die Bewegung. Alles was wir erleben, erleben wir durch den Unterschied zwischen unserer eigenen Bewegung und der Bewegung ausserhalb von uns (lebendige wie auch nicht lebendige Umgebung). Wenn wir uns bewegen, indem wir uns im Körper orientieren - wo oben immer oben, vorne immer vorne bleibt usw. - erleben wir die Bewegung als etwas Klares, Einfaches. Wir erfahren unsere Person als klar abgegrenzt von der Umgebung. Dies wirkt sich auch auf unsere Fähigkeit aus, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Zitat ist in das fünfte Kapitel „Anwendungen“ eingebettet. Das vorausgehende Unterkapitel beleuchtet das Thema „Kinästhetik in der Rehabilitation“.Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“ und beleuchtet das Thema Kinästhetik und Lernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„2. Was hat Kinästhetik der Sonderschule zu bieten? &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2.1. Bewegung und Berührung als zentrales Arbeitsmedium.&amp;lt;br&amp;gt;[...]&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kinästhetik benützt Bewegung und Berührung als entscheidende Medien, um Lernen zu unterstützen und zu fördern.&amp;lt;br&amp;gt;So erhalten sie für die Förderung behinderter Schüler einen Stellenwert, wie er bislang in der Schule kaum gesehen wird.&amp;lt;br&amp;gt;Ein Kind hat grosse Schwierigkeiten, lesen zu lernen, wenn ihm nicht alle seine sensorischen Systeme behilflich sind, um die Schriftzeichen auf der Lesebuchseite zu verarbeiten. Je mehr seine sensorischen Systeme zusammenarbeiten, desto mehr kann es quantitativ lernen, und desto leichter fällt es ihm.&amp;lt;br&amp;gt;Das Lernen beginnt mit der Schwerkraft und dem Körper. In aufrechter Stellung zu sitzen oder aber eine Rassel zu schütteln oder Treppen abwärts zu gehen oder einen Bleistift zu halten, fördern die Aufnahmefähigkeit des Gehirns, um komplexere Dinge lernen zu können.&amp;lt;br&amp;gt;Mit der auf dem sensomotorischen Niveau entwickelten Aufnahmefähigkeit des Gehirns ist das Kind dann besser vorbereitet zu lernen, wie man zwei Zahlen addiert oder wie man einen Satz schreibt, aber auch wie man Beziehungen zu Freunden aufnimmt.&amp;lt;br&amp;gt;(Ayres, A.J. 1984, S.66)“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fünfte Zitat ist ebenso eingebettet in das fünfte Kapitel „Anwendungen“. Die vorausgehenden Unterkapitel beleuchten die Themen Kinästhetik in der Rehabilitation“ und „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“. Das Zitat ist der Text des dritten Unterkapitels „Kinästhetik in der Krankenpflege“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„5.3. KINÄSTHETIK IN DER KRANKENPFLEGE &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;[...]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung im eigenen Körper:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn ein Mensch sich bewegt oder bewegt wird, indem die Richtung auf - ab, vorwärts - rückwärts, links - rechts auf seinen eigenen Körper bezogen, eingehalten wird, geschieht die Bewegung mühelos.&amp;lt;br&amp;gt;Besonders wichtig wird dieses Prinzip, wenn wir am Bett stehend gemeinsam mit dem liegenden Patienten etwas unternehmen wollen, denn sein Verhältnis zu &amp;quot;oben&amp;quot; im Raum ist nicht dasselbe wie unseres. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Information statt Anstrengung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kenntnis der Anatomie und der Bewegungsabläufe erleichtert das Umlagern und Bewegen eines Patienten so sehr, dass der/die Pflegende den Patienten mit minimaler Anstrengung umlagern und bewegen kann: Wenn ich weiss, dass und wie mein Patient sich drehen kann, ist es mir möglich, ihn aus der Badewanne zu &amp;quot;führen&amp;quot;, obwohl er sich vielleicht wegen seiner Fettleibigkeit &#039; nicht genügend vornüber beugen kann, um auf die Füsse zu kommen. Ich folge und entspreche seinen Möglichkeiten und führe ihn weiter, weil ich weiss, was möglich ist - so kommen wir gemeinsam zum Ziel. Das Gewicht läuft immer durch die Knochen des Patienten, ich zeige ihm mit meinen Händen die Richtung der Bewegung. Besonders wichtig ist dabei, dass ich den Patienten an seinen Massen führe. Nur so können seine Körperteile einander folgen.&amp;lt;br&amp;gt;Es ist verblüffend zu erfahren, wie leicht sich ein Patient drehen lässt, wenn ich weiss, wo ich ihn anfassen und in welche Richtung ich ziehen muss.&amp;lt;br&amp;gt;Eine wesentliche Hilfe für die Krankenpflege bietet die Einsicht, dass menschliche Fortbewegung, egal auf welcher Ebene, immer durch Gehen in Schritten stattfindet. Das heisst für die pflegende Person, dass jede Lageveränderung in kleinen Schritten geschehen kann, verbunden mit Gewichtsverlagerung. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kommunikation durch Berührung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Sprache der Berührung versteht der Mensch zwanzigmal schneller, als Information, die durch einen anderen Sinn aufgenommen wird. Klare, bewusste Berührung ist eine sehr wirksame Art der Kommunikation und ist auch bei geistig reduzierten und schwerhörigen Patienten anwendbar. Verwirrte Patienten können zu mehr Klarheit finden durch Berührung als einziges Kommunikationsmittel.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Umgebung verändern - Hindernisse wegräumen &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich versuche immer, die Umgebung dem Patienten anzupassen. Beispielsweise räume ich alle möglichen Hindernisse aus dem Weg (Kissen, Möbel usw.) oder ordne sie so an, dass sie uns für unser Vorhaben dienen.&amp;lt;br&amp;gt;Das heisst auch, dass ich Kissen und Tücher benütze, um das Bett den Bedürfnissen des Patienten anzupassen.&amp;lt;br&amp;gt;Mit diesem Konzept ist es auch möglich, Verspannungen des Patienten zu lösen und Schmerzen zu vermeiden.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Ohne ISBN. Nachdruck 2009. S. 12, 15-17, 38-39, 47-48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
Im vierten Zitat wird eine der Bedeutungen des Themas beschrieben. Es besteht eine inhaltliche Verbindung, auch wenn der Begriff Orientierung nicht explizit erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Konzeptsystem]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgewählte weiterführende Literatur==&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Asmussen-Clausen, Maren (2009):&#039;&#039;&#039; Praxisbuch Kinaesthetics. Erfahrungen zur individuellen Bewegungsunterstützung auf Basis der Kinästhetik. 2. Auflage. München, Jena: Elsevier, Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-27570-8. S. 38 ff S. 130, S. 148, S. 175. S.40 und 46&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny (2003):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten. Übersetzung: Ute Villwock, Elisabeth Brock. 2., komplett überarbeitete Auflage. München, Jena: Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-31467-4. S. 46 ff, S. 106, S. 134.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4. S. 93 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kommentare, Auswertung und offene Fragen==&lt;br /&gt;
Aus unserer Sicht scheint die Unterscheidung zwischen der Orientierung nach Innen (im Körper) und Orientierung nach Außen (im Raum) im Zusammenhang mit Bewegung im Kontext des Fachgebiets Kinästhetik von grundlegender Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei geht es um  Fragen wie: Woran orientiere ich mich? Woran richte ich mich aus? Woran kann ich etwas messen? Womit kann ich vergleichen? Womit kann ich abgleichen? Wie kann ich die Gewichtsverlagerung in mir differenziert wahrnehmen? Wie erfahre ich die möglichen Richtungen? Kann ich merken, wann ich die Richtung ändern kann? Wie oft braucht es eine Richtungsänderung? etc.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Orientierung&amp;diff=5168</id>
		<title>Orientierung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Orientierung&amp;diff=5168"/>
		<updated>2024-06-08T20:37:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Test&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./ Sabine Kaserer, Dagmar Panzer}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten zum Thema Orientierung.. [[Orientierung#Orientierung%20im%20.E2.80.9EKinaesthetics%20.E2.80.93%20Konzeptsystem.E2.80.9C|Die ersten Zitate ]] stammen aus aus dem Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ und stellen einen aktuellen Referenztext dar. Es folgen [[Orientierung#Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“|Zitate ]] aus dem Aufbaumodul Demenz 3, wo es um die konkrete Verknüpfung mit dem Thema Demenz geht. In den [[Orientierung#Orientierung%20in%20.E2.80.9EKin.C3.A4sthetik-Bulletin-Nr-16.E2.80.9C|Zitaten]] aus dem 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 werden Entwicklung, Bedeutung und Anwendung des Begriffs Orientierung dargestellt.&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Fachbegriffs ==&lt;br /&gt;
 [[Datei:Konzepticons-mit-kreis 221.png |100px|rahmenlos|rechts]]&lt;br /&gt;
=== Orientierung im „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zitat ist in das zweite Kapitel „Konzept Funktionale Anatomie“ eingebettet. Bei diesem Konzept ist grundsätzlich Folgendes von Bedeutung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Kinaesthetics betrachtet die Anatomie aus einer funktionalen Perspektive, d. h., die erfahrbaren und wahrnehmbaren Aspekte des Körperbaus bilden den Inhalt des Konzeptes Funktionale Anatomie.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Unterkapiteln „[[Knochen und Muskeln]]“, „[[Massen und Zwischenräume]]“ und „Haltungs- und Transportbewegungsebenen“ wird dem Fachbegriff Orientierung das vierte und letzte Kapitel gewidmet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;“2.4. Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Entstehung des Begriffes &#039;&#039;&#039;Orientierung&#039;&#039;&#039; hängt mit der Tatsache zusammen, dass&amp;lt;br&amp;gt;sich der Mensch – insbesondere auf seinen Reisen – seit frühester Zeit an der&amp;lt;br&amp;gt;aufgehenden Sonne (Orient, Osten) bzw. an den Himmelsrichtungen und den&amp;lt;br&amp;gt;Himmelskörpern auszurichten pflegte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung kann also die Fähigkeit bezeichnen, sich im äußeren Raum und in der&amp;lt;br&amp;gt;Zeit zurechtfinden zu können. Die räumlich-zeitliche Orientierungsfähigkeit&amp;lt;br&amp;gt;beantwortet Fragen wie: ‚Wo befinden wir uns? In was für einer Umgebung befinden&amp;lt;br&amp;gt;wir uns? Welchen Weg sollen wir einschlagen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen?‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics versteht unter Orientierung aber auch die Fähigkeit, sich im eigenen&amp;lt;br&amp;gt;Körper, im inneren Raum bzw. an den Sachverhalten der funktionalen Anatomie&amp;lt;br&amp;gt;orientieren zu können. Diese körperliche Orientierungsfähigkeit setzt sich mit Fragen&amp;lt;br&amp;gt;auseinander wie: ‚In welcher Position befindet sich unser Körper? Wie und mit&amp;lt;br&amp;gt;welcher Anstrengung ist dabei die Gewichtsabgabe unserer [[Massen und Zwischenräume|Massen]] organisiert? Wie&amp;lt;br&amp;gt;und in welche Richtung sollen wir unsere Körperteile bewegen, um ein Ziel zu&amp;lt;br&amp;gt;erreichen?‘&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics geht davon aus, dass diese körperlichen Orientierungsfähigkeiten&amp;lt;br&amp;gt;ständige Prozesse sind, die auf Bewegung, auf der Bewegungswahrnehmung (und&amp;lt;br&amp;gt;der gesamten Sinneswahrnehmung) beruhen. Nach dieser Annahme sind wir bewusst&amp;lt;br&amp;gt;oder unbewusst konstant damit beschäftigt, die Orientierung oder die ‚richtige&amp;lt;br&amp;gt;Richtung‘ unserer Bewegungen nicht zu verlieren. Die körperliche Orientierung stellt&amp;lt;br&amp;gt;die Grundlage dafür dar, dass ein Mensch sich im äußeren Raum und generell in der&amp;lt;br&amp;gt;Welt, z. B. in Gesellschaft und Kultur, orientieren kann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft macht sich dieser Prozess erst bei einem Orientierungsverlust deutlich&amp;lt;br&amp;gt;bemerkbar. Eine schwere Verletzung kann unsere körperliche Orientierung, d. h. die&amp;lt;br&amp;gt;Fähigkeit zu einer zielgerichteten Bewegung der unverletzten Glieder, sowie die&amp;lt;br&amp;gt;räumlich-zeitliche Orientierung, und damit unser Wohlbefinden im wahrsten Sinne&amp;lt;br&amp;gt; des Wortes lahmlegen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Oben und unten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die körperliche Orientierung bezüglich ‚oben‘ und ‚unten‘ basiert auf der&amp;lt;br&amp;gt;Erfahrung der spezifischen Anordnung der einzelnen Massen: ‚Oben‘ ist der Kopf,&amp;lt;br&amp;gt;dann folgt der Brustkorb und das Becken, ‚unten‘ sind die Beine bzw. die Füße. Da&amp;lt;br&amp;gt;diese Anordnung unabhängig davon ist, in welcher Position oder räumlichen Lage&amp;lt;br&amp;gt;sich ein Mensch befindet, kann die körperliche Orientierung in einem Widerspruch&amp;lt;br&amp;gt;zur räumlichen Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ stehen, die sich aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Außenperspektive ergibt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die räumliche Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ wird durch die konstante Wirkung&amp;lt;br&amp;gt;der Schwerkraft bestimmt, die unser Leben in einem hohen Ausmaß prägt. ‚Unten‘&amp;lt;br&amp;gt; definiert sich durch die Richtung der Schwerkraft, ‚oben‘ durch die Gegenrichtung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bezüglich der räumlichen und körperlichen Orientierung fällt auf: Die Extremitäten&amp;lt;br&amp;gt;sind symmetrisch angeordnet und unterstützen in einem analogen Muster die&amp;lt;br&amp;gt;Steuerung des Gewichtes der zentralen Massen in der Schwerkraft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Arme sind seitlich mit dem Brustkorb verbunden und unterstützen die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtssteuerung des Brustkorbes. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Beine sind seitlich mit dem Becken verbunden und sind für die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsverlagerung des Beckens hilfreich. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Ohren sind sozusagen die nach innen gestülpten Extremitäten des Kopfes&amp;lt;br&amp;gt;und unterstützen durch den Gleichgewichtssinn im Innenohr die Steuerung des&amp;lt;br&amp;gt;Kopfes bzw. die Orientierung in der Schwerkraft. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Unterscheidung zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘ kann der Mensch immer auf&amp;lt;br&amp;gt;die innere, körperliche oder auf die äußere, räumliche Orientierung zurückgreifen.&amp;lt;br&amp;gt;Diese können in einem Widerspruch zueinander stehen. Aufstehen hat aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Innenperspektive betrachtet kaum etwas mit einem vertikalen Hochheben der&amp;lt;br&amp;gt;Massen gegen die Schwerkraft zu tun, wie man es von außen betrachtet vielleicht&amp;lt;br&amp;gt;beschreiben würde. Die Ausführung von Aktivitäten erfordert stets die Orientierung&amp;lt;br&amp;gt;an den eigenen, körperlichen und an den äußeren, räumlichen Bedingungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Vorne und hinten: Vorderseiten und Rückseiten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics definiert die Vorder- und Rückseiten unserer Massen aufgrund der&amp;lt;br&amp;gt;unterschiedlich erfahrbaren Eigenschaften und Aufgaben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Seiten der Massen, die überwiegend als hart, knochig und stabil erfahrbar sind,&amp;lt;br&amp;gt;werden als Rückseiten bezeichnet. Hier liegen v. a. Streckmuskeln. Die Vorderseiten&amp;lt;br&amp;gt;tragen die Merkmale weich, instabil und anpassungsfähig. Hier sind hauptsächlich&amp;lt;br&amp;gt;Beugemuskeln vorhanden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den zentralen Massen Kopf, Brustkorb und Becken lassen sich die Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten einfach erfahren und entsprechen der gängigen Vorstellung von vorne&amp;lt;br&amp;gt;und hinten. Bei den Extremitäten aber ist ein spiraliger Verlauf der Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten beobachtbar. Deshalb weichen hier die Definitionen z. T. von unseren&amp;lt;br&amp;gt;gängigen Vorstellungen ab.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:22-detail-vorne-hinten.jpg|180px|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den Rückseiten der Massen liegen die Knochen&amp;lt;br&amp;gt;ziemlich direkt und großflächig unter der Haut. Dadurch&amp;lt;br&amp;gt;eignen sich die Rückseiten eher dazu, das Gewicht zu&amp;lt;br&amp;gt;tragen und es auf eine Unterstützungsfläche abzugeben.&amp;lt;br&amp;gt;Auf den Vorderseiten sind mehr Muskeln erfahrbar. Sie&amp;lt;br&amp;gt;haben deshalb die Funktion, das Gewicht auf die&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten zu leiten und Anpassungen der&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsorganisation zu gestalten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Hand- und Fußflächen besitzen sowohl&amp;lt;br&amp;gt;Vorderseiten- als auch Rückseiten-Qualitäten.&amp;lt;br&amp;gt;Nur deshalb ist es möglich, unser&amp;lt;br&amp;gt;Körpergewicht in Balance zu halten, wenn wir auf den&amp;lt;br&amp;gt;Füßen stehen. Die Hand- und Fußflächen gehören zu&amp;lt;br&amp;gt;den empfindlichsten Zonen des kinästhetischen&amp;lt;br&amp;gt;Sinnessystems.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der spiralförmige Verlauf von&amp;lt;br&amp;gt;Vorder- und Rückseiten ist&amp;lt;br&amp;gt;der Hauptgrund dafür, dass Menschen grundsätzlich&amp;lt;br&amp;gt;über eine unendliche Vielfalt von&amp;lt;br&amp;gt;Bewegungsmöglichkeiten oder -varianten verfügen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein angepasstes Zusammenspiel der Funktionen der Vorder- und Rückseiten während&amp;lt;br&amp;gt;einer Aktivität macht es möglich, diese mit wenig Kraftaufwand und größtmöglicher&amp;lt;br&amp;gt;Kontrolle in der Schwerkraft zu gestalten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 26 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“ ===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus den Arbeitsunterlagen „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen“. Das erste Zitat stammt aus dem Kapitel „Einführung in das Aufbaumodul Demenz 3“ der Einleitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„&amp;lt;big&amp;gt;Die eigene Orientierung suchen&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; […] Die eigene Orientierung auf unterschiedlichsten Ebenen zu suchen, ist für die Menschen mit Demenz oft ein Hauptthema des Alltags. Somit muss es ein Anliegen der Pflege und Betreuung sein, sie verständnisvoll darin zu unterstützen, in ihren alltäglichen Aktivitäten die Orientierung erfolgreich zu suchen und dadurch Lebensqualität zu gewinnen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus biologischer Perspektive verfügen alle Lebewesen über ein Orientierungsvermögen. Es ist eine Grundbedingung des Lebens. Für das Lebewesen bedeutet es, die eigene Bewegung (inklusive des eigenen Wachstumes bei Pflanzen) an physikalischen, chemischen oder anderen Gegebenheiten und Prozessen ausrichten zu können. Die Grundlage des Orientierungsvermögens bildet die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) bzw. irgendeine Form der Eigenwahrnehmung (Propriozeption).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Die Bedeutung der inneren körperlichen Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;In der Kinästhetik wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch seine innere körperliche Orientierung lebenslang weiterentwickelt. Bei der Frage, ob die Entwicklung in Richtung eines differenzierteren oder zunehmend undifferenzierteren Orientierungsvermögens geht, spielen die Bewegungswahrnehmung und die Qualität der eigenen Bewegung eine zentrale Rolle. Es geht darum, ein inneres körperliches Verständnis für passende Bewegungsrichtungen im aktuellen Moment zu entwickeln. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Annahme ist, dass die Orientierung an den eigenen Bewegungsmöglichkeiten bzw. an den Eigenschaften und Funktionen der eigenen Anatomie grundlegend für das gesamte Orientierungsvermögen ist. Diese Perspektive hat für professionelle Bezugspersonen von Menschen mit Demenz eine hohe Bedeutung. Sie können lernen, die alltäglichen Unterstützungsangebote orientierungsfördernd zu gestalten bzw. die einzelne Person mit Demenz individuell und konkret in ihrer Suche nach der eigenen Orientierung auf allen Ebenen zu unterstützen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; European Kinaesthetics Association (Hg.) (2022) &#039;&#039;&#039;: Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen. Arbeitsunterlagen. Unter Mitarbeit von Franziska Gysin, Christine Grasberger, Brigitte Marty-Teuber, Stefan Marty-Teuber, Sabine Siemann, Erich Weidmann. Linz (AT), Winterthur (CH): Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903052-48-2. S. 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus den Begleittexten des Kapitels „Teil 1: Was ist Orientierung?&amp;quot;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Orientierung – ein vielschichtiger Prozess &amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Beispiel: &amp;lt;br&amp;gt;Wir wollen erfolgreich und sicher auf einen Berg hinauf- und wieder hinuntersteigen. Dabei müssen wir uns bzw. unsere Bewegung ständig an den unterschiedlichsten Dingen orientieren. Unsere Bewegung orientieren wir z. B. ununterbrochen an der Beschaffenheit und der Richtung des Weges. Wir orientieren uns an Wegweisern und Karten, daran, wie schnell wir im Verhältnis zur Gesamtstrecke vorankommen und wie fit wir noch sind, an BergsteigerInnen, die uns entgegenkommen, an der Entwicklung des Wetters usw. [im Original alles kursiv]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Im Allgemeinen bezeichnet Orientierung die Fähigkeit, sich selbst an unterschiedlichsten Gegebenheiten oder Vorgängen ausrichten zu können, um ein Ziel zu erreichen oder eine Absicht zu verwirklichen. In unserem Alltag sind wir bewusst oder unbewusst ständig damit beschäftigt, uns auf unterschiedlichen Ebenen zu orientieren bzw. die eigene Orientierung zu suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundfragen dabei sind, woher wir kommen, wo wir sind und wohin wir gehen wollen oder wie wir unseren Weg fortsetzen können. Dies gilt im konkreten räumlichen Sinn, aber auch im übertragenen Sinn für alle anderen Orientierungsprozesse. Diese Fragen stellen sich bei der inneren körperlichen Orientierung, wenn wir unsere Bewegung bei jeder alltäglichen Aktivität an den Eigenschaften und Funktionen unserer eigenen Anatomie orientieren. Sie stellen sich ebenso, wenn wir unser Verhalten an äußeren räumlichen Gegebenheiten orientieren, am Fortschreiten der Zeit, an den ‚Spielregeln‘ einer bestimmten Situation (situative Orientierung), an unseren eigenen Lebenserfahrungen oder an der Beziehung, die wir zu anderen Personen haben (Orientierung zur Person). &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch diese Orientierungsprozesse bzw. durch die fortlaufende Auseinandersetzung mit den Grundfragen der Orientierung entsteht gewissermaßen eine kontinuierliche innere Spur. Sie erlaubt uns, unser Leben in unserem Umfeld stimmig und passend zu gestalten. Wenn diese innere Einheitlichkeit und Kontinuität unüberbrückbare Unterbrechungen oder Lücken aufzuweisen beginnt, wird dies schwierig. Dann sind wir damit konfrontiert, unsere Orientierung immer wieder in der aktuellen Situation suchen zu müssen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:AMD3-Orientierung-Wandern.jpeg|300px|rahmenlos|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Abb. 1: Eine Wanderung erfordert fortlaufend innere körperliche Anpassungsfähigkeit im Zusammenspiel mit der ständigen Orientierung in der Umgebung. Die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) läuft sozusagen auf Hochtouren und damit einhergehend die innere körperliche Orientierung. Sie gilt in der Kinästhetik als Grundlage des Orientierungsvermögens.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Unabdingbare Voraussetzung aller Orientierungsprozesse ist, dass wir uns selbst in unserer Umgebung wahrnehmen können […]. Nur dadurch sind wir dazu imstande, unser Verhalten an unseren Bewegungsmöglichkeiten in der jeweiligen Umgebung, an unserer aktuellen Befindlichkeit, aber auch an unserer persönlichen Erfahrungs- und Lerngeschichte zu orientieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierung hängt eng mit der Orientierung an äußeren Umständen und Prozessen wie an der Beschaffenheit des Raumes, der Tageszeit oder am Verhalten anderer Menschen zusammen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Ebenen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Die innere körperliche Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Aus der Perspektive der Kinästhetik besteht die grundlegende Ebene des menschlichen Orientierungsvermögens darin, dass wir unsere eigene Bewegung und unser ganzes Verhalten an bestimmten Gegebenheiten unseres eigenen Körpers orientieren. Diese Gegebenheiten sind die Eigenschaften und Funktionen unserer Anatomie. Es geht um die Frage, wie wir – als verkörperte Wesen in dieser Welt – uns in unserem Körper und in uns selbst zurechtfinden. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierungsfähigkeit ist im allgemeinen Bewusstsein weniger verankert, hat aber für die alltägliche Lebensqualität des einzelnen Menschen eine grundlegende Bedeutung. Bewusst oder unbewusst sind wir bei der Ausführung jeder alltäglichen Aktivität konstant damit beschäftigt, die richtige Richtung zu suchen, in der wir unsere Körperteile bewegen können. Die innere körperliche Orientierung entsteht dadurch, dass wir unsere Bewegung fortlaufend an passenden eigenen Bewegungsmöglichkeiten in der Schwerkraft der Erde ausrichten. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundlage für die Orientierung im eigenen Körper ist die Bewegungswahrnehmung bzw. das zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem. Die körperliche Orientierung beschränkt sich somit nicht auf die motorische ‚Mechanik‘, sondern ist ein ganzheitliches, den ganzen Menschen einbeziehendes Phänomen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sich an den Bewegungsmöglichkeiten des eigenen Körpers zu orientieren, erfordert allerdings im Vergleich mit anderen Ebenen der Orientierung in geringerem Maß kognitive Leistungen bzw. ein bewusstes Erinnerungsvermögen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Orientierung im eigenen Körper wird besonders deutlich, dass jede Art der Orientierung immer vom einzelnen Menschen geleistet werden muss und von seinen individuellen Möglichkeiten im aktuellen Moment abhängig ist. Man kann einen Menschen bei der Orientierungssuche unterstützen, aber man kann niemandem Orientierung geben. Er muss sie in sich selbst finden.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Herkömmliche Unterteilungen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; Es ist gängig, das Orientierungsvermögen des Menschen zu unterteilen, um es differenzierter zu beschreiben oder auch in Pflegedokumentationen festzuhalten. Dabei sind die folgenden Begrifflichkeiten allgemein gebräuchlich:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Räumliche oder örtliche Orientierung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Zeitliche Orientierung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Orientierung zur eigenen Person und zum persönlichen Beziehungsnetz (auch als soziale Orientierung bezeichnet)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Situative Orientierung: Das angemessene Ausrichten des eigenen Verhaltens an einer bestimmten Situation&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Diese Unterteilung macht deutlich, dass Orientierung auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet, aber auch ein sehr komplexes Phänomen ist. Mit ein Grund ist, dass die Aspekte, die durch diese Unterteilung unterschiedenen werden, sich im alltäglichen Leben überschneiden und kombinieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Die herkömmlichen Unterteilungen des Orientierungsvermögens vernachlässigen oft die innere körperliche Orientierung als grundlegenden Aspekt. In der Kinästhetik wird von der Annahme ausgegangen, dass die Qualität der körperlichen Orientierung einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie sich ein Mensch am Raum, an der Zeit usw. orientieren kann.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 12 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Kapitel „Teil 3: Bewegungskompetenz und lebenslange Orientierungssuche&amp;quot;. Die vorhergehenden Absätze beleuchten das Thema [[Parallele und spiralige Bewegungsmuster|Bewegungsmuster]], hier wird die Bedeutung der Bewegungsmuster für Orientierung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;„Bedeutung für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz:&amp;lt;/big&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;[…] Für das fortlaufende Suchen ihrer Orientierung ist es von hoher Bedeutung, in welcher Qualität sie [eine Person mit Demenz, Anm. d. Red.] ihre Bewegung wahrnehmen, gestalten und sich so in sich selbst orientieren kann. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Nach dieser Grundhaltung steht im Zentrum, dass jede Unterstützung einer Person mit Demenz als ein Lernangebot verstanden und gestaltet wird. Wenn Menschen mit Demenz in ihren alltäglichen Aktivitäten eine für sie im Moment passende Unterstützung erhalten, können sie lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten zu nutzen und an ihre aktuelle Situation anzupassen. Hier liegt ein großes Potenzial dafür vor, dass sie bis zuletzt erfolgreich ihre innere körperliche Orientierung suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein individuell angepasstes Unterstützungsangebot in diesem Sinn gestalten zu können, stellt hohe Anforderungen an die Bewegungskompetenz und das Bewegungsverständnis der Bezugspersonen. Sie sind insbesondere gefordert, ihre Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auf ihre eigene Bewegung zu lenken, um diese fortlaufend differenziert an die Orientierungssuche der betreffenden Person anzupassen. &amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 36 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Orientierung in „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 finden sich die ersten Beschreibungen von Prinzipien, die heute Konzepte genannt werden. Der Vergleich dieser Schrift mit dem heutigen Verständnis zeigt sehr deutlich die inhaltliche Entwicklung der Kinästhetik. Prinzipien, Kontexte, Anwendungsbereiche und Übungen werden innerhalb der einzelnen Texte direkt in Verbindung miteinander gebracht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relevante Zitate===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus dem Buch „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“. Das erste Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist Teil des Textes der Einführung des gesamten Beitrags von Suzanne Schmidt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4. Grundprinzipien &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Prinzipien, welche wir in der Kinästhetik benützen, sollen in einem bestimmten Sinn verstanden und angewandt werden, nämlich als eine Art ‚Werkzeug‘, um Menschen zu helfen, Beziehungsmuster zu entdecken und bewusst zu erleben. Das Bewegen, das Lernen und selbst das In-Beziehung-Treten mit andern Menschen wird dadurch leichter, effektiver und klarer. [...]“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Zitat ist ebenso in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet und ist Teil des ersten Unterkapitels „[[Wahrnehmung]]“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.1. Wahrnehmung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir sind mit verschiedenen Sinnen ausgerüstet, die uns alle auf ihre besondere Art Reize über die belebte und die unbelebte Umwelt vermitteln: Augen, Ohren, Nase, Geschmacksknospen und die Haut. Wir nehmen die sensorischen Reize auf, in dem wir sie in Bewegung umsetzen. Unter Bewegung verstehen wir die Ortsveränderung in einer gewissen Zeiteinheit (Veränderung der Rezeptoren in Bezug auf Umgebung und Veränderung der Umgebung in Bezug auf die Rezeptoren). Erst durch Bewegung können wir einen Reiz vom andern unterscheiden, Reize auswählen und Reize erzeugen. Es ist nicht so, dass die Reize in uns hineinfallen und passiv von uns aufgenommen werden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Sinnessystem, durch welches wir uns von innen wahrnehmen können, ist der kinästhetische Sinn. Es nimmt insofern einen besonderen Platz innerhalb aller Sinnessysteme ein, als es das einzige ist, ohne das wir nicht leben könnten. Es gibt uns das Gefühl, für unser eigenes Selbst und integriert alle sensorischen Funktionen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das dritte Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Orientierung im Körper“ einschließlich der beschriebenen Übung „Wasch-Ritual“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.2. Orientierung im Körper&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung hat viel zu tun mit Kontext. Unser Verhalten, und wie wir ein Erlebnis einordnen, ist abhängig von unserem Verständnis von Orientierung bei irgendeiner Aktivität. Unsere Orientierung bildet gewissermassen einen Rahmen (eben den Kontext) für unser Erleben. Sie beeinflusst, worauf wir achten mit unseren Sinnen, welchen Sinn wir dem Erlebten geben und wie wir darauf antworten.&amp;lt;br&amp;gt;Die gängige Orientierung des Menschen in unserer Kultur bezieht sich auf die Umgebung. Zum Beispiel: Erde, Fussboden sind unten - Himmel, Zimmerdecke oben. Das bedeutet, dass wenn wir eine Position verändern, wir uns danach richten. Oft entspricht dies nicht der Struktur unseres Körpers und führt zu grosser Anstrengung. Steht hingegen der eigene Körper bzw. die. menschliche Bewegung im Zentrum der Orientierung anstelle der Umgebung, können wir uns mit mehr Leichtigkeit und Grazie bewegen. Hier ein Beispiel: Wenn wir von einem Stuhl aufstehen, geht unsere Anstrengung zur Zimmerdecke hoch. Wir bewegen uns in einer geraden Linie, was nicht der menschlichen Bewegungsart entspricht. Versuchen wir hingegen, unser Gewicht über die Füsse zu bringen, was unserer Körperstrukturierung entspricht (wir stehen von unten nach oben), wird unsere Anstrengung, ins Stehen zu kommen, wesentlich kleiner.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-stehend.png|250px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oben im Körper bedeutet der oberste Punkt unseres Körpers auf dem Scheitel - unten demnach der am weitesten entfernte Punkt am anderen Ende: Spitze der Grosszehe oder zweiten, evtl. dritten Zehe. Vorne ist immer dort wo die Vorderseite des Körpers ist, hinten dort wo die Hinterseite des Körpers ist, egal in welcher Position wir sind.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-liegend.png|400px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Unterscheidung vorne - hinten ist bestimmt durch die Muskelfunktion. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorne liegende Muskulatur umfasst alle Beugemuskeln. Sie übernehmen die Aufgabe der Anpassung an die Umwelt. Zudem ist die Vorderseite weicher, offener, verletzlicher, differenzierter. Mit ihr treffen wir die Aussenwelt (z.B. mit Handflächen oder Fusssohlen).&amp;lt;br&amp;gt;Zur hinten liegenden Muskulatur gehören alle Streckmuskeln. Sie sind verantwortlich für Stabilität und Gleichgewicht. Die Hinterseite ist runder, abgeschlossener, härter, geschützter und trägt das Gewicht.&amp;lt;br&amp;gt;Im Kopf und Rumpf ist dieses Muster leicht zu erkennen. In den Extremitäten allerdings verläuft diese Trennung zwischen vorne und hinten in einem Spiralmuster. Dies ist prägend für die Art und Weise wie wir unsere Arme und Beine benützen können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Übung: Wasch - Ritual &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Setze dich an einen bequemen Ort. Hit deiner rechten Handfläche fährst du von der Gesichtsmitte über die linke Gesichtshälfte nach hinten oben zum Scheitel und dann nach unten über die linke Hinterhauptshälfte, dem Hals entlang bis auf die Schulter. Du kannst diese Streichung mehrmals wiederholen und dabei abwechslend deine Wahrnehmung auf das Gesicht, den Kopf, den Hals richten oder auf die Handfläche. Dann lege eine kurze Pause ein, um den Unterschied zwischen linker und rechter Kopfseite wahrzunehmen. Du spürst vielleicht Wärme, Lebendigkeit, Entspannung usw. auf der linken Seite.&amp;lt;br&amp;gt;Als nächsten Schritt fahre mit deiner rechten Handfläche von der linken Schulter über die Aussenseite (Hinterseite) des Oberarms, des Unterarms, über den Handrücken und über die linke Handfläche, Innenseite (Vorderseite) des Unterarms, Oberarms bis zu Achselhöhle. Auch diese Streichung kannst du mehrmals wiederholen mit wechselnder Aufmerksamkeit wie oben beschrieben und anschliessender Pause zum vergleichenden Wahrnehmen.&amp;lt;br&amp;gt;In einer nächsten Etappe fahre mit beiden Handflächen unter der linken Achselhöhle nach hinten zum linken Schulterblatt, fahre über deine linke Rückenhälfte nach unten, über deine linke Gesässbacke, die Aussenseite (Hinterseite) des linken Oberschenkels, das Knie, Schienbein, den Fussrücken (alles Hinterseite des Beines) zu den Zehenspitzen. Wiederhole, variiere in deiner Wahrnehmung und mache eine Pause zum Vergleichen.&amp;lt;br&amp;gt;Dann fahre mit deinen Handflächen über die linke Fussohle, Wade, Innenseite (Vorderseite) des Oberschenkels, über die linke Rumpfseite, Hals bis zum Gesicht.&amp;lt;br&amp;gt;Dann lege dich flach auf den Boden und nimm den Unterschied zwischen deiner linken und rechten Körperhälfte wahr.&amp;lt;br&amp;gt;Anschliessend gehe durch das gleiche Ritual auf der rechten Körperseite, mit der linken Hand beginnend. Diese Streichungen entsprechen gleichzeitig dem Verlauf der Muskulatur, wirken organisierend und klärend.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Rechts und links beziehen wir interessanterweise immer auf unseren Körper, sofern wir keinen anderen Bezugspunkt nennen. Wie, d.h. an was wir uns orientieren, ist besonders wichtig, wenn wir uns mit anderen Menschen bewegen wollen und dabei unsere Positionen im Raum verändern.&amp;lt;br&amp;gt;Wir nehmen uns selber wahr durch die Bewegung. Alles was wir erleben, erleben wir durch den Unterschied zwischen unserer eigenen Bewegung und der Bewegung ausserhalb von uns (lebendige wie auch nicht lebendige Umgebung). Wenn wir uns bewegen, indem wir uns im Körper orientieren - wo oben immer oben, vorne immer vorne bleibt usw. - erleben wir die Bewegung als etwas Klares, Einfaches. Wir erfahren unsere Person als klar abgegrenzt von der Umgebung. Dies wirkt sich auch auf unsere Fähigkeit aus, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Zitat ist in das fünfte Kapitel „Anwendungen“ eingebettet. Das vorausgehende Unterkapitel beleuchtet das Thema „Kinästhetik in der Rehabilitation“.Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“ und beleuchtet das Thema Kinästhetik und Lernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„2. Was hat Kinästhetik der Sonderschule zu bieten? &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2.1. Bewegung und Berührung als zentrales Arbeitsmedium.&amp;lt;br&amp;gt;[...]&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kinästhetik benützt Bewegung und Berührung als entscheidende Medien, um Lernen zu unterstützen und zu fördern.&amp;lt;br&amp;gt;So erhalten sie für die Förderung behinderter Schüler einen Stellenwert, wie er bislang in der Schule kaum gesehen wird.&amp;lt;br&amp;gt;Ein Kind hat grosse Schwierigkeiten, lesen zu lernen, wenn ihm nicht alle seine sensorischen Systeme behilflich sind, um die Schriftzeichen auf der Lesebuchseite zu verarbeiten. Je mehr seine sensorischen Systeme zusammenarbeiten, desto mehr kann es quantitativ lernen, und desto leichter fällt es ihm.&amp;lt;br&amp;gt;Das Lernen beginnt mit der Schwerkraft und dem Körper. In aufrechter Stellung zu sitzen oder aber eine Rassel zu schütteln oder Treppen abwärts zu gehen oder einen Bleistift zu halten, fördern die Aufnahmefähigkeit des Gehirns, um komplexere Dinge lernen zu können.&amp;lt;br&amp;gt;Mit der auf dem sensomotorischen Niveau entwickelten Aufnahmefähigkeit des Gehirns ist das Kind dann besser vorbereitet zu lernen, wie man zwei Zahlen addiert oder wie man einen Satz schreibt, aber auch wie man Beziehungen zu Freunden aufnimmt.&amp;lt;br&amp;gt;(Ayres, A.J. 1984, S.66)“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fünfte Zitat ist ebenso eingebettet in das fünfte Kapitel „Anwendungen“. Die vorausgehenden Unterkapitel beleuchten die Themen Kinästhetik in der Rehabilitation“ und „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“. Das Zitat ist der Text des dritten Unterkapitels „Kinästhetik in der Krankenpflege“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„5.3. KINÄSTHETIK IN DER KRANKENPFLEGE &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;[...]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung im eigenen Körper:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn ein Mensch sich bewegt oder bewegt wird, indem die Richtung auf - ab, vorwärts - rückwärts, links - rechts auf seinen eigenen Körper bezogen, eingehalten wird, geschieht die Bewegung mühelos.&amp;lt;br&amp;gt;Besonders wichtig wird dieses Prinzip, wenn wir am Bett stehend gemeinsam mit dem liegenden Patienten etwas unternehmen wollen, denn sein Verhältnis zu &amp;quot;oben&amp;quot; im Raum ist nicht dasselbe wie unseres. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Information statt Anstrengung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kenntnis der Anatomie und der Bewegungsabläufe erleichtert das Umlagern und Bewegen eines Patienten so sehr, dass der/die Pflegende den Patienten mit minimaler Anstrengung umlagern und bewegen kann: Wenn ich weiss, dass und wie mein Patient sich drehen kann, ist es mir möglich, ihn aus der Badewanne zu &amp;quot;führen&amp;quot;, obwohl er sich vielleicht wegen seiner Fettleibigkeit &#039; nicht genügend vornüber beugen kann, um auf die Füsse zu kommen. Ich folge und entspreche seinen Möglichkeiten und führe ihn weiter, weil ich weiss, was möglich ist - so kommen wir gemeinsam zum Ziel. Das Gewicht läuft immer durch die Knochen des Patienten, ich zeige ihm mit meinen Händen die Richtung der Bewegung. Besonders wichtig ist dabei, dass ich den Patienten an seinen Massen führe. Nur so können seine Körperteile einander folgen.&amp;lt;br&amp;gt;Es ist verblüffend zu erfahren, wie leicht sich ein Patient drehen lässt, wenn ich weiss, wo ich ihn anfassen und in welche Richtung ich ziehen muss.&amp;lt;br&amp;gt;Eine wesentliche Hilfe für die Krankenpflege bietet die Einsicht, dass menschliche Fortbewegung, egal auf welcher Ebene, immer durch Gehen in Schritten stattfindet. Das heisst für die pflegende Person, dass jede Lageveränderung in kleinen Schritten geschehen kann, verbunden mit Gewichtsverlagerung. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kommunikation durch Berührung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Sprache der Berührung versteht der Mensch zwanzigmal schneller, als Information, die durch einen anderen Sinn aufgenommen wird. Klare, bewusste Berührung ist eine sehr wirksame Art der Kommunikation und ist auch bei geistig reduzierten und schwerhörigen Patienten anwendbar. Verwirrte Patienten können zu mehr Klarheit finden durch Berührung als einziges Kommunikationsmittel.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Umgebung verändern - Hindernisse wegräumen &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich versuche immer, die Umgebung dem Patienten anzupassen. Beispielsweise räume ich alle möglichen Hindernisse aus dem Weg (Kissen, Möbel usw.) oder ordne sie so an, dass sie uns für unser Vorhaben dienen.&amp;lt;br&amp;gt;Das heisst auch, dass ich Kissen und Tücher benütze, um das Bett den Bedürfnissen des Patienten anzupassen.&amp;lt;br&amp;gt;Mit diesem Konzept ist es auch möglich, Verspannungen des Patienten zu lösen und Schmerzen zu vermeiden.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Ohne ISBN. Nachdruck 2009. S. 12, 15-17, 38-39, 47-48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
Im vierten Zitat wird eine der Bedeutungen des Themas beschrieben. Es besteht eine inhaltliche Verbindung, auch wenn der Begriff Orientierung nicht explizit erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Konzeptsystem]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgewählte weiterführende Literatur==&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Asmussen-Clausen, Maren (2009):&#039;&#039;&#039; Praxisbuch Kinaesthetics. Erfahrungen zur individuellen Bewegungsunterstützung auf Basis der Kinästhetik. 2. Auflage. München, Jena: Elsevier, Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-27570-8. S. 38 ff S. 130, S. 148, S. 175. S.40 und 46&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny (2003):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten. Übersetzung: Ute Villwock, Elisabeth Brock. 2., komplett überarbeitete Auflage. München, Jena: Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-31467-4. S. 46 ff, S. 106, S. 134.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4. S. 93 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kommentare, Auswertung und offene Fragen==&lt;br /&gt;
Aus unserer Sicht scheint die Unterscheidung zwischen der Orientierung nach Innen (im Körper) und Orientierung nach Außen (im Raum) im Zusammenhang mit Bewegung im Kontext des Fachgebiets Kinästhetik von grundlegender Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei geht es um  Fragen wie: Woran orientiere ich mich? Woran richte ich mich aus? Woran kann ich etwas messen? Womit kann ich vergleichen? Womit kann ich abgleichen? Wie kann ich die Gewichtsverlagerung in mir differenziert wahrnehmen? Wie erfahre ich die möglichen Richtungen? Kann ich merken, wann ich die Richtung ändern kann? Wie oft braucht es eine Richtungsänderung? etc.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
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		<title>Benutzer:Michael Koch</title>
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		<updated>2024-06-05T15:40:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Die Seite wurde geleert.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<title>Benutzer:Michael Koch</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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	<entry>
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		<title>Orientierung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Orientierung&amp;diff=5165"/>
		<updated>2024-06-05T15:33:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./ Sabine Kaserer, Dagmar Panzer}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten zum Thema Orientierung. [[Orientierung#Orientierung%20im%20.E2.80.9EKinaesthetics%20.E2.80.93%20Konzeptsystem.E2.80.9C|Die ersten Zitate ]] stammen aus aus dem Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ und stellen einen aktuellen Referenztext dar. Es folgen [[Orientierung#Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“|Zitate ]] aus dem Aufbaumodul Demenz 3, wo es um die konkrete Verknüpfung mit dem Thema Demenz geht. In den [[Orientierung#Orientierung%20in%20.E2.80.9EKin.C3.A4sthetik-Bulletin-Nr-16.E2.80.9C|Zitaten]] aus dem 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 werden Entwicklung, Bedeutung und Anwendung des Begriffs Orientierung dargestellt.&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Fachbegriffs ==&lt;br /&gt;
 [[Datei:Konzepticons-mit-kreis 221.png |100px|rahmenlos|rechts]]&lt;br /&gt;
=== Orientierung im „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zitat ist in das zweite Kapitel „Konzept Funktionale Anatomie“ eingebettet. Bei diesem Konzept ist grundsätzlich Folgendes von Bedeutung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Kinaesthetics betrachtet die Anatomie aus einer funktionalen Perspektive, d. h., die erfahrbaren und wahrnehmbaren Aspekte des Körperbaus bilden den Inhalt des Konzeptes Funktionale Anatomie.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Unterkapiteln „[[Knochen und Muskeln]]“, „[[Massen und Zwischenräume]]“ und „Haltungs- und Transportbewegungsebenen“ wird dem Fachbegriff Orientierung das vierte und letzte Kapitel gewidmet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;“2.4. Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Entstehung des Begriffes &#039;&#039;&#039;Orientierung&#039;&#039;&#039; hängt mit der Tatsache zusammen, dass&amp;lt;br&amp;gt;sich der Mensch – insbesondere auf seinen Reisen – seit frühester Zeit an der&amp;lt;br&amp;gt;aufgehenden Sonne (Orient, Osten) bzw. an den Himmelsrichtungen und den&amp;lt;br&amp;gt;Himmelskörpern auszurichten pflegte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung kann also die Fähigkeit bezeichnen, sich im äußeren Raum und in der&amp;lt;br&amp;gt;Zeit zurechtfinden zu können. Die räumlich-zeitliche Orientierungsfähigkeit&amp;lt;br&amp;gt;beantwortet Fragen wie: ‚Wo befinden wir uns? In was für einer Umgebung befinden&amp;lt;br&amp;gt;wir uns? Welchen Weg sollen wir einschlagen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen?‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics versteht unter Orientierung aber auch die Fähigkeit, sich im eigenen&amp;lt;br&amp;gt;Körper, im inneren Raum bzw. an den Sachverhalten der funktionalen Anatomie&amp;lt;br&amp;gt;orientieren zu können. Diese körperliche Orientierungsfähigkeit setzt sich mit Fragen&amp;lt;br&amp;gt;auseinander wie: ‚In welcher Position befindet sich unser Körper? Wie und mit&amp;lt;br&amp;gt;welcher Anstrengung ist dabei die Gewichtsabgabe unserer [[Massen und Zwischenräume|Massen]] organisiert? Wie&amp;lt;br&amp;gt;und in welche Richtung sollen wir unsere Körperteile bewegen, um ein Ziel zu&amp;lt;br&amp;gt;erreichen?‘&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics geht davon aus, dass diese körperlichen Orientierungsfähigkeiten&amp;lt;br&amp;gt;ständige Prozesse sind, die auf Bewegung, auf der Bewegungswahrnehmung (und&amp;lt;br&amp;gt;der gesamten Sinneswahrnehmung) beruhen. Nach dieser Annahme sind wir bewusst&amp;lt;br&amp;gt;oder unbewusst konstant damit beschäftigt, die Orientierung oder die ‚richtige&amp;lt;br&amp;gt;Richtung‘ unserer Bewegungen nicht zu verlieren. Die körperliche Orientierung stellt&amp;lt;br&amp;gt;die Grundlage dafür dar, dass ein Mensch sich im äußeren Raum und generell in der&amp;lt;br&amp;gt;Welt, z. B. in Gesellschaft und Kultur, orientieren kann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft macht sich dieser Prozess erst bei einem Orientierungsverlust deutlich&amp;lt;br&amp;gt;bemerkbar. Eine schwere Verletzung kann unsere körperliche Orientierung, d. h. die&amp;lt;br&amp;gt;Fähigkeit zu einer zielgerichteten Bewegung der unverletzten Glieder, sowie die&amp;lt;br&amp;gt;räumlich-zeitliche Orientierung, und damit unser Wohlbefinden im wahrsten Sinne&amp;lt;br&amp;gt; des Wortes lahmlegen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Oben und unten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die körperliche Orientierung bezüglich ‚oben‘ und ‚unten‘ basiert auf der&amp;lt;br&amp;gt;Erfahrung der spezifischen Anordnung der einzelnen Massen: ‚Oben‘ ist der Kopf,&amp;lt;br&amp;gt;dann folgt der Brustkorb und das Becken, ‚unten‘ sind die Beine bzw. die Füße. Da&amp;lt;br&amp;gt;diese Anordnung unabhängig davon ist, in welcher Position oder räumlichen Lage&amp;lt;br&amp;gt;sich ein Mensch befindet, kann die körperliche Orientierung in einem Widerspruch&amp;lt;br&amp;gt;zur räumlichen Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ stehen, die sich aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Außenperspektive ergibt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die räumliche Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ wird durch die konstante Wirkung&amp;lt;br&amp;gt;der Schwerkraft bestimmt, die unser Leben in einem hohen Ausmaß prägt. ‚Unten‘&amp;lt;br&amp;gt; definiert sich durch die Richtung der Schwerkraft, ‚oben‘ durch die Gegenrichtung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bezüglich der räumlichen und körperlichen Orientierung fällt auf: Die Extremitäten&amp;lt;br&amp;gt;sind symmetrisch angeordnet und unterstützen in einem analogen Muster die&amp;lt;br&amp;gt;Steuerung des Gewichtes der zentralen Massen in der Schwerkraft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Arme sind seitlich mit dem Brustkorb verbunden und unterstützen die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtssteuerung des Brustkorbes. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Beine sind seitlich mit dem Becken verbunden und sind für die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsverlagerung des Beckens hilfreich. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Ohren sind sozusagen die nach innen gestülpten Extremitäten des Kopfes&amp;lt;br&amp;gt;und unterstützen durch den Gleichgewichtssinn im Innenohr die Steuerung des&amp;lt;br&amp;gt;Kopfes bzw. die Orientierung in der Schwerkraft. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Unterscheidung zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘ kann der Mensch immer auf&amp;lt;br&amp;gt;die innere, körperliche oder auf die äußere, räumliche Orientierung zurückgreifen.&amp;lt;br&amp;gt;Diese können in einem Widerspruch zueinander stehen. Aufstehen hat aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Innenperspektive betrachtet kaum etwas mit einem vertikalen Hochheben der&amp;lt;br&amp;gt;Massen gegen die Schwerkraft zu tun, wie man es von außen betrachtet vielleicht&amp;lt;br&amp;gt;beschreiben würde. Die Ausführung von Aktivitäten erfordert stets die Orientierung&amp;lt;br&amp;gt;an den eigenen, körperlichen und an den äußeren, räumlichen Bedingungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Vorne und hinten: Vorderseiten und Rückseiten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics definiert die Vorder- und Rückseiten unserer Massen aufgrund der&amp;lt;br&amp;gt;unterschiedlich erfahrbaren Eigenschaften und Aufgaben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Seiten der Massen, die überwiegend als hart, knochig und stabil erfahrbar sind,&amp;lt;br&amp;gt;werden als Rückseiten bezeichnet. Hier liegen v. a. Streckmuskeln. Die Vorderseiten&amp;lt;br&amp;gt;tragen die Merkmale weich, instabil und anpassungsfähig. Hier sind hauptsächlich&amp;lt;br&amp;gt;Beugemuskeln vorhanden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den zentralen Massen Kopf, Brustkorb und Becken lassen sich die Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten einfach erfahren und entsprechen der gängigen Vorstellung von vorne&amp;lt;br&amp;gt;und hinten. Bei den Extremitäten aber ist ein spiraliger Verlauf der Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten beobachtbar. Deshalb weichen hier die Definitionen z. T. von unseren&amp;lt;br&amp;gt;gängigen Vorstellungen ab.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:22-detail-vorne-hinten.jpg|180px|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den Rückseiten der Massen liegen die Knochen&amp;lt;br&amp;gt;ziemlich direkt und großflächig unter der Haut. Dadurch&amp;lt;br&amp;gt;eignen sich die Rückseiten eher dazu, das Gewicht zu&amp;lt;br&amp;gt;tragen und es auf eine Unterstützungsfläche abzugeben.&amp;lt;br&amp;gt;Auf den Vorderseiten sind mehr Muskeln erfahrbar. Sie&amp;lt;br&amp;gt;haben deshalb die Funktion, das Gewicht auf die&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten zu leiten und Anpassungen der&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsorganisation zu gestalten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Hand- und Fußflächen besitzen sowohl&amp;lt;br&amp;gt;Vorderseiten- als auch Rückseiten-Qualitäten.&amp;lt;br&amp;gt;Nur deshalb ist es möglich, unser&amp;lt;br&amp;gt;Körpergewicht in Balance zu halten, wenn wir auf den&amp;lt;br&amp;gt;Füßen stehen. Die Hand- und Fußflächen gehören zu&amp;lt;br&amp;gt;den empfindlichsten Zonen des kinästhetischen&amp;lt;br&amp;gt;Sinnessystems.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der spiralförmige Verlauf von&amp;lt;br&amp;gt;Vorder- und Rückseiten ist&amp;lt;br&amp;gt;der Hauptgrund dafür, dass Menschen grundsätzlich&amp;lt;br&amp;gt;über eine unendliche Vielfalt von&amp;lt;br&amp;gt;Bewegungsmöglichkeiten oder -varianten verfügen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein angepasstes Zusammenspiel der Funktionen der Vorder- und Rückseiten während&amp;lt;br&amp;gt;einer Aktivität macht es möglich, diese mit wenig Kraftaufwand und größtmöglicher&amp;lt;br&amp;gt;Kontrolle in der Schwerkraft zu gestalten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 26 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“ ===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus den Arbeitsunterlagen „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen“. Das erste Zitat stammt aus dem Kapitel „Einführung in das Aufbaumodul Demenz 3“ der Einleitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„&amp;lt;big&amp;gt;Die eigene Orientierung suchen&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; […] Die eigene Orientierung auf unterschiedlichsten Ebenen zu suchen, ist für die Menschen mit Demenz oft ein Hauptthema des Alltags. Somit muss es ein Anliegen der Pflege und Betreuung sein, sie verständnisvoll darin zu unterstützen, in ihren alltäglichen Aktivitäten die Orientierung erfolgreich zu suchen und dadurch Lebensqualität zu gewinnen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus biologischer Perspektive verfügen alle Lebewesen über ein Orientierungsvermögen. Es ist eine Grundbedingung des Lebens. Für das Lebewesen bedeutet es, die eigene Bewegung (inklusive des eigenen Wachstumes bei Pflanzen) an physikalischen, chemischen oder anderen Gegebenheiten und Prozessen ausrichten zu können. Die Grundlage des Orientierungsvermögens bildet die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) bzw. irgendeine Form der Eigenwahrnehmung (Propriozeption).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Die Bedeutung der inneren körperlichen Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;In der Kinästhetik wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch seine innere körperliche Orientierung lebenslang weiterentwickelt. Bei der Frage, ob die Entwicklung in Richtung eines differenzierteren oder zunehmend undifferenzierteren Orientierungsvermögens geht, spielen die Bewegungswahrnehmung und die Qualität der eigenen Bewegung eine zentrale Rolle. Es geht darum, ein inneres körperliches Verständnis für passende Bewegungsrichtungen im aktuellen Moment zu entwickeln. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Annahme ist, dass die Orientierung an den eigenen Bewegungsmöglichkeiten bzw. an den Eigenschaften und Funktionen der eigenen Anatomie grundlegend für das gesamte Orientierungsvermögen ist. Diese Perspektive hat für professionelle Bezugspersonen von Menschen mit Demenz eine hohe Bedeutung. Sie können lernen, die alltäglichen Unterstützungsangebote orientierungsfördernd zu gestalten bzw. die einzelne Person mit Demenz individuell und konkret in ihrer Suche nach der eigenen Orientierung auf allen Ebenen zu unterstützen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; European Kinaesthetics Association (Hg.) (2022) &#039;&#039;&#039;: Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen. Arbeitsunterlagen. Unter Mitarbeit von Franziska Gysin, Christine Grasberger, Brigitte Marty-Teuber, Stefan Marty-Teuber, Sabine Siemann, Erich Weidmann. Linz (AT), Winterthur (CH): Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903052-48-2. S. 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus den Begleittexten des Kapitels „Teil 1: Was ist Orientierung?&amp;quot;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Orientierung – ein vielschichtiger Prozess &amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Beispiel: &amp;lt;br&amp;gt;Wir wollen erfolgreich und sicher auf einen Berg hinauf- und wieder hinuntersteigen. Dabei müssen wir uns bzw. unsere Bewegung ständig an den unterschiedlichsten Dingen orientieren. Unsere Bewegung orientieren wir z. B. ununterbrochen an der Beschaffenheit und der Richtung des Weges. Wir orientieren uns an Wegweisern und Karten, daran, wie schnell wir im Verhältnis zur Gesamtstrecke vorankommen und wie fit wir noch sind, an BergsteigerInnen, die uns entgegenkommen, an der Entwicklung des Wetters usw. [im Original alles kursiv]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Im Allgemeinen bezeichnet Orientierung die Fähigkeit, sich selbst an unterschiedlichsten Gegebenheiten oder Vorgängen ausrichten zu können, um ein Ziel zu erreichen oder eine Absicht zu verwirklichen. In unserem Alltag sind wir bewusst oder unbewusst ständig damit beschäftigt, uns auf unterschiedlichen Ebenen zu orientieren bzw. die eigene Orientierung zu suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundfragen dabei sind, woher wir kommen, wo wir sind und wohin wir gehen wollen oder wie wir unseren Weg fortsetzen können. Dies gilt im konkreten räumlichen Sinn, aber auch im übertragenen Sinn für alle anderen Orientierungsprozesse. Diese Fragen stellen sich bei der inneren körperlichen Orientierung, wenn wir unsere Bewegung bei jeder alltäglichen Aktivität an den Eigenschaften und Funktionen unserer eigenen Anatomie orientieren. Sie stellen sich ebenso, wenn wir unser Verhalten an äußeren räumlichen Gegebenheiten orientieren, am Fortschreiten der Zeit, an den ‚Spielregeln‘ einer bestimmten Situation (situative Orientierung), an unseren eigenen Lebenserfahrungen oder an der Beziehung, die wir zu anderen Personen haben (Orientierung zur Person). &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch diese Orientierungsprozesse bzw. durch die fortlaufende Auseinandersetzung mit den Grundfragen der Orientierung entsteht gewissermaßen eine kontinuierliche innere Spur. Sie erlaubt uns, unser Leben in unserem Umfeld stimmig und passend zu gestalten. Wenn diese innere Einheitlichkeit und Kontinuität unüberbrückbare Unterbrechungen oder Lücken aufzuweisen beginnt, wird dies schwierig. Dann sind wir damit konfrontiert, unsere Orientierung immer wieder in der aktuellen Situation suchen zu müssen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:AMD3-Orientierung-Wandern.jpeg|300px|rahmenlos|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Abb. 1: Eine Wanderung erfordert fortlaufend innere körperliche Anpassungsfähigkeit im Zusammenspiel mit der ständigen Orientierung in der Umgebung. Die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) läuft sozusagen auf Hochtouren und damit einhergehend die innere körperliche Orientierung. Sie gilt in der Kinästhetik als Grundlage des Orientierungsvermögens.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Unabdingbare Voraussetzung aller Orientierungsprozesse ist, dass wir uns selbst in unserer Umgebung wahrnehmen können […]. Nur dadurch sind wir dazu imstande, unser Verhalten an unseren Bewegungsmöglichkeiten in der jeweiligen Umgebung, an unserer aktuellen Befindlichkeit, aber auch an unserer persönlichen Erfahrungs- und Lerngeschichte zu orientieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierung hängt eng mit der Orientierung an äußeren Umständen und Prozessen wie an der Beschaffenheit des Raumes, der Tageszeit oder am Verhalten anderer Menschen zusammen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Ebenen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Die innere körperliche Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Aus der Perspektive der Kinästhetik besteht die grundlegende Ebene des menschlichen Orientierungsvermögens darin, dass wir unsere eigene Bewegung und unser ganzes Verhalten an bestimmten Gegebenheiten unseres eigenen Körpers orientieren. Diese Gegebenheiten sind die Eigenschaften und Funktionen unserer Anatomie. Es geht um die Frage, wie wir – als verkörperte Wesen in dieser Welt – uns in unserem Körper und in uns selbst zurechtfinden. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierungsfähigkeit ist im allgemeinen Bewusstsein weniger verankert, hat aber für die alltägliche Lebensqualität des einzelnen Menschen eine grundlegende Bedeutung. Bewusst oder unbewusst sind wir bei der Ausführung jeder alltäglichen Aktivität konstant damit beschäftigt, die richtige Richtung zu suchen, in der wir unsere Körperteile bewegen können. Die innere körperliche Orientierung entsteht dadurch, dass wir unsere Bewegung fortlaufend an passenden eigenen Bewegungsmöglichkeiten in der Schwerkraft der Erde ausrichten. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundlage für die Orientierung im eigenen Körper ist die Bewegungswahrnehmung bzw. das zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem. Die körperliche Orientierung beschränkt sich somit nicht auf die motorische ‚Mechanik‘, sondern ist ein ganzheitliches, den ganzen Menschen einbeziehendes Phänomen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sich an den Bewegungsmöglichkeiten des eigenen Körpers zu orientieren, erfordert allerdings im Vergleich mit anderen Ebenen der Orientierung in geringerem Maß kognitive Leistungen bzw. ein bewusstes Erinnerungsvermögen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Orientierung im eigenen Körper wird besonders deutlich, dass jede Art der Orientierung immer vom einzelnen Menschen geleistet werden muss und von seinen individuellen Möglichkeiten im aktuellen Moment abhängig ist. Man kann einen Menschen bei der Orientierungssuche unterstützen, aber man kann niemandem Orientierung geben. Er muss sie in sich selbst finden.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Herkömmliche Unterteilungen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; Es ist gängig, das Orientierungsvermögen des Menschen zu unterteilen, um es differenzierter zu beschreiben oder auch in Pflegedokumentationen festzuhalten. Dabei sind die folgenden Begrifflichkeiten allgemein gebräuchlich:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Räumliche oder örtliche Orientierung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Zeitliche Orientierung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Orientierung zur eigenen Person und zum persönlichen Beziehungsnetz (auch als soziale Orientierung bezeichnet)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Situative Orientierung: Das angemessene Ausrichten des eigenen Verhaltens an einer bestimmten Situation&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Diese Unterteilung macht deutlich, dass Orientierung auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet, aber auch ein sehr komplexes Phänomen ist. Mit ein Grund ist, dass die Aspekte, die durch diese Unterteilung unterschiedenen werden, sich im alltäglichen Leben überschneiden und kombinieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Die herkömmlichen Unterteilungen des Orientierungsvermögens vernachlässigen oft die innere körperliche Orientierung als grundlegenden Aspekt. In der Kinästhetik wird von der Annahme ausgegangen, dass die Qualität der körperlichen Orientierung einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie sich ein Mensch am Raum, an der Zeit usw. orientieren kann.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 12 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Kapitel „Teil 3: Bewegungskompetenz und lebenslange Orientierungssuche&amp;quot;. Die vorhergehenden Absätze beleuchten das Thema [[Parallele und spiralige Bewegungsmuster|Bewegungsmuster]], hier wird die Bedeutung der Bewegungsmuster für Orientierung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;„Bedeutung für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz:&amp;lt;/big&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;[…] Für das fortlaufende Suchen ihrer Orientierung ist es von hoher Bedeutung, in welcher Qualität sie [eine Person mit Demenz, Anm. d. Red.] ihre Bewegung wahrnehmen, gestalten und sich so in sich selbst orientieren kann. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Nach dieser Grundhaltung steht im Zentrum, dass jede Unterstützung einer Person mit Demenz als ein Lernangebot verstanden und gestaltet wird. Wenn Menschen mit Demenz in ihren alltäglichen Aktivitäten eine für sie im Moment passende Unterstützung erhalten, können sie lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten zu nutzen und an ihre aktuelle Situation anzupassen. Hier liegt ein großes Potenzial dafür vor, dass sie bis zuletzt erfolgreich ihre innere körperliche Orientierung suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein individuell angepasstes Unterstützungsangebot in diesem Sinn gestalten zu können, stellt hohe Anforderungen an die Bewegungskompetenz und das Bewegungsverständnis der Bezugspersonen. Sie sind insbesondere gefordert, ihre Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auf ihre eigene Bewegung zu lenken, um diese fortlaufend differenziert an die Orientierungssuche der betreffenden Person anzupassen. &amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 36 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Orientierung in „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 finden sich die ersten Beschreibungen von Prinzipien, die heute Konzepte genannt werden. Der Vergleich dieser Schrift mit dem heutigen Verständnis zeigt sehr deutlich die inhaltliche Entwicklung der Kinästhetik. Prinzipien, Kontexte, Anwendungsbereiche und Übungen werden innerhalb der einzelnen Texte direkt in Verbindung miteinander gebracht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relevante Zitate===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus dem Buch „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“. Das erste Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist Teil des Textes der Einführung des gesamten Beitrags von Suzanne Schmidt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4. Grundprinzipien &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Prinzipien, welche wir in der Kinästhetik benützen, sollen in einem bestimmten Sinn verstanden und angewandt werden, nämlich als eine Art ‚Werkzeug‘, um Menschen zu helfen, Beziehungsmuster zu entdecken und bewusst zu erleben. Das Bewegen, das Lernen und selbst das In-Beziehung-Treten mit andern Menschen wird dadurch leichter, effektiver und klarer. [...]“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Zitat ist ebenso in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet und ist Teil des ersten Unterkapitels „[[Wahrnehmung]]“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.1. Wahrnehmung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir sind mit verschiedenen Sinnen ausgerüstet, die uns alle auf ihre besondere Art Reize über die belebte und die unbelebte Umwelt vermitteln: Augen, Ohren, Nase, Geschmacksknospen und die Haut. Wir nehmen die sensorischen Reize auf, in dem wir sie in Bewegung umsetzen. Unter Bewegung verstehen wir die Ortsveränderung in einer gewissen Zeiteinheit (Veränderung der Rezeptoren in Bezug auf Umgebung und Veränderung der Umgebung in Bezug auf die Rezeptoren). Erst durch Bewegung können wir einen Reiz vom andern unterscheiden, Reize auswählen und Reize erzeugen. Es ist nicht so, dass die Reize in uns hineinfallen und passiv von uns aufgenommen werden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Sinnessystem, durch welches wir uns von innen wahrnehmen können, ist der kinästhetische Sinn. Es nimmt insofern einen besonderen Platz innerhalb aller Sinnessysteme ein, als es das einzige ist, ohne das wir nicht leben könnten. Es gibt uns das Gefühl, für unser eigenes Selbst und integriert alle sensorischen Funktionen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das dritte Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Orientierung im Körper“ einschließlich der beschriebenen Übung „Wasch-Ritual“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.2. Orientierung im Körper&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung hat viel zu tun mit Kontext. Unser Verhalten, und wie wir ein Erlebnis einordnen, ist abhängig von unserem Verständnis von Orientierung bei irgendeiner Aktivität. Unsere Orientierung bildet gewissermassen einen Rahmen (eben den Kontext) für unser Erleben. Sie beeinflusst, worauf wir achten mit unseren Sinnen, welchen Sinn wir dem Erlebten geben und wie wir darauf antworten.&amp;lt;br&amp;gt;Die gängige Orientierung des Menschen in unserer Kultur bezieht sich auf die Umgebung. Zum Beispiel: Erde, Fussboden sind unten - Himmel, Zimmerdecke oben. Das bedeutet, dass wenn wir eine Position verändern, wir uns danach richten. Oft entspricht dies nicht der Struktur unseres Körpers und führt zu grosser Anstrengung. Steht hingegen der eigene Körper bzw. die. menschliche Bewegung im Zentrum der Orientierung anstelle der Umgebung, können wir uns mit mehr Leichtigkeit und Grazie bewegen. Hier ein Beispiel: Wenn wir von einem Stuhl aufstehen, geht unsere Anstrengung zur Zimmerdecke hoch. Wir bewegen uns in einer geraden Linie, was nicht der menschlichen Bewegungsart entspricht. Versuchen wir hingegen, unser Gewicht über die Füsse zu bringen, was unserer Körperstrukturierung entspricht (wir stehen von unten nach oben), wird unsere Anstrengung, ins Stehen zu kommen, wesentlich kleiner.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-stehend.png|250px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oben im Körper bedeutet der oberste Punkt unseres Körpers auf dem Scheitel - unten demnach der am weitesten entfernte Punkt am anderen Ende: Spitze der Grosszehe oder zweiten, evtl. dritten Zehe. Vorne ist immer dort wo die Vorderseite des Körpers ist, hinten dort wo die Hinterseite des Körpers ist, egal in welcher Position wir sind.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-liegend.png|400px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Unterscheidung vorne - hinten ist bestimmt durch die Muskelfunktion. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorne liegende Muskulatur umfasst alle Beugemuskeln. Sie übernehmen die Aufgabe der Anpassung an die Umwelt. Zudem ist die Vorderseite weicher, offener, verletzlicher, differenzierter. Mit ihr treffen wir die Aussenwelt (z.B. mit Handflächen oder Fusssohlen).&amp;lt;br&amp;gt;Zur hinten liegenden Muskulatur gehören alle Streckmuskeln. Sie sind verantwortlich für Stabilität und Gleichgewicht. Die Hinterseite ist runder, abgeschlossener, härter, geschützter und trägt das Gewicht.&amp;lt;br&amp;gt;Im Kopf und Rumpf ist dieses Muster leicht zu erkennen. In den Extremitäten allerdings verläuft diese Trennung zwischen vorne und hinten in einem Spiralmuster. Dies ist prägend für die Art und Weise wie wir unsere Arme und Beine benützen können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Übung: Wasch - Ritual &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Setze dich an einen bequemen Ort. Hit deiner rechten Handfläche fährst du von der Gesichtsmitte über die linke Gesichtshälfte nach hinten oben zum Scheitel und dann nach unten über die linke Hinterhauptshälfte, dem Hals entlang bis auf die Schulter. Du kannst diese Streichung mehrmals wiederholen und dabei abwechslend deine Wahrnehmung auf das Gesicht, den Kopf, den Hals richten oder auf die Handfläche. Dann lege eine kurze Pause ein, um den Unterschied zwischen linker und rechter Kopfseite wahrzunehmen. Du spürst vielleicht Wärme, Lebendigkeit, Entspannung usw. auf der linken Seite.&amp;lt;br&amp;gt;Als nächsten Schritt fahre mit deiner rechten Handfläche von der linken Schulter über die Aussenseite (Hinterseite) des Oberarms, des Unterarms, über den Handrücken und über die linke Handfläche, Innenseite (Vorderseite) des Unterarms, Oberarms bis zu Achselhöhle. Auch diese Streichung kannst du mehrmals wiederholen mit wechselnder Aufmerksamkeit wie oben beschrieben und anschliessender Pause zum vergleichenden Wahrnehmen.&amp;lt;br&amp;gt;In einer nächsten Etappe fahre mit beiden Handflächen unter der linken Achselhöhle nach hinten zum linken Schulterblatt, fahre über deine linke Rückenhälfte nach unten, über deine linke Gesässbacke, die Aussenseite (Hinterseite) des linken Oberschenkels, das Knie, Schienbein, den Fussrücken (alles Hinterseite des Beines) zu den Zehenspitzen. Wiederhole, variiere in deiner Wahrnehmung und mache eine Pause zum Vergleichen.&amp;lt;br&amp;gt;Dann fahre mit deinen Handflächen über die linke Fussohle, Wade, Innenseite (Vorderseite) des Oberschenkels, über die linke Rumpfseite, Hals bis zum Gesicht.&amp;lt;br&amp;gt;Dann lege dich flach auf den Boden und nimm den Unterschied zwischen deiner linken und rechten Körperhälfte wahr.&amp;lt;br&amp;gt;Anschliessend gehe durch das gleiche Ritual auf der rechten Körperseite, mit der linken Hand beginnend. Diese Streichungen entsprechen gleichzeitig dem Verlauf der Muskulatur, wirken organisierend und klärend.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Rechts und links beziehen wir interessanterweise immer auf unseren Körper, sofern wir keinen anderen Bezugspunkt nennen. Wie, d.h. an was wir uns orientieren, ist besonders wichtig, wenn wir uns mit anderen Menschen bewegen wollen und dabei unsere Positionen im Raum verändern.&amp;lt;br&amp;gt;Wir nehmen uns selber wahr durch die Bewegung. Alles was wir erleben, erleben wir durch den Unterschied zwischen unserer eigenen Bewegung und der Bewegung ausserhalb von uns (lebendige wie auch nicht lebendige Umgebung). Wenn wir uns bewegen, indem wir uns im Körper orientieren - wo oben immer oben, vorne immer vorne bleibt usw. - erleben wir die Bewegung als etwas Klares, Einfaches. Wir erfahren unsere Person als klar abgegrenzt von der Umgebung. Dies wirkt sich auch auf unsere Fähigkeit aus, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Zitat ist in das fünfte Kapitel „Anwendungen“ eingebettet. Das vorausgehende Unterkapitel beleuchtet das Thema „Kinästhetik in der Rehabilitation“.Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“ und beleuchtet das Thema Kinästhetik und Lernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„2. Was hat Kinästhetik der Sonderschule zu bieten? &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2.1. Bewegung und Berührung als zentrales Arbeitsmedium.&amp;lt;br&amp;gt;[...]&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kinästhetik benützt Bewegung und Berührung als entscheidende Medien, um Lernen zu unterstützen und zu fördern.&amp;lt;br&amp;gt;So erhalten sie für die Förderung behinderter Schüler einen Stellenwert, wie er bislang in der Schule kaum gesehen wird.&amp;lt;br&amp;gt;Ein Kind hat grosse Schwierigkeiten, lesen zu lernen, wenn ihm nicht alle seine sensorischen Systeme behilflich sind, um die Schriftzeichen auf der Lesebuchseite zu verarbeiten. Je mehr seine sensorischen Systeme zusammenarbeiten, desto mehr kann es quantitativ lernen, und desto leichter fällt es ihm.&amp;lt;br&amp;gt;Das Lernen beginnt mit der Schwerkraft und dem Körper. In aufrechter Stellung zu sitzen oder aber eine Rassel zu schütteln oder Treppen abwärts zu gehen oder einen Bleistift zu halten, fördern die Aufnahmefähigkeit des Gehirns, um komplexere Dinge lernen zu können.&amp;lt;br&amp;gt;Mit der auf dem sensomotorischen Niveau entwickelten Aufnahmefähigkeit des Gehirns ist das Kind dann besser vorbereitet zu lernen, wie man zwei Zahlen addiert oder wie man einen Satz schreibt, aber auch wie man Beziehungen zu Freunden aufnimmt.&amp;lt;br&amp;gt;(Ayres, A.J. 1984, S.66)“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fünfte Zitat ist ebenso eingebettet in das fünfte Kapitel „Anwendungen“. Die vorausgehenden Unterkapitel beleuchten die Themen Kinästhetik in der Rehabilitation“ und „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“. Das Zitat ist der Text des dritten Unterkapitels „Kinästhetik in der Krankenpflege“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„5.3. KINÄSTHETIK IN DER KRANKENPFLEGE &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;[...]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung im eigenen Körper:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn ein Mensch sich bewegt oder bewegt wird, indem die Richtung auf - ab, vorwärts - rückwärts, links - rechts auf seinen eigenen Körper bezogen, eingehalten wird, geschieht die Bewegung mühelos.&amp;lt;br&amp;gt;Besonders wichtig wird dieses Prinzip, wenn wir am Bett stehend gemeinsam mit dem liegenden Patienten etwas unternehmen wollen, denn sein Verhältnis zu &amp;quot;oben&amp;quot; im Raum ist nicht dasselbe wie unseres. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Information statt Anstrengung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kenntnis der Anatomie und der Bewegungsabläufe erleichtert das Umlagern und Bewegen eines Patienten so sehr, dass der/die Pflegende den Patienten mit minimaler Anstrengung umlagern und bewegen kann: Wenn ich weiss, dass und wie mein Patient sich drehen kann, ist es mir möglich, ihn aus der Badewanne zu &amp;quot;führen&amp;quot;, obwohl er sich vielleicht wegen seiner Fettleibigkeit &#039; nicht genügend vornüber beugen kann, um auf die Füsse zu kommen. Ich folge und entspreche seinen Möglichkeiten und führe ihn weiter, weil ich weiss, was möglich ist - so kommen wir gemeinsam zum Ziel. Das Gewicht läuft immer durch die Knochen des Patienten, ich zeige ihm mit meinen Händen die Richtung der Bewegung. Besonders wichtig ist dabei, dass ich den Patienten an seinen Massen führe. Nur so können seine Körperteile einander folgen.&amp;lt;br&amp;gt;Es ist verblüffend zu erfahren, wie leicht sich ein Patient drehen lässt, wenn ich weiss, wo ich ihn anfassen und in welche Richtung ich ziehen muss.&amp;lt;br&amp;gt;Eine wesentliche Hilfe für die Krankenpflege bietet die Einsicht, dass menschliche Fortbewegung, egal auf welcher Ebene, immer durch Gehen in Schritten stattfindet. Das heisst für die pflegende Person, dass jede Lageveränderung in kleinen Schritten geschehen kann, verbunden mit Gewichtsverlagerung. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kommunikation durch Berührung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Sprache der Berührung versteht der Mensch zwanzigmal schneller, als Information, die durch einen anderen Sinn aufgenommen wird. Klare, bewusste Berührung ist eine sehr wirksame Art der Kommunikation und ist auch bei geistig reduzierten und schwerhörigen Patienten anwendbar. Verwirrte Patienten können zu mehr Klarheit finden durch Berührung als einziges Kommunikationsmittel.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Umgebung verändern - Hindernisse wegräumen &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich versuche immer, die Umgebung dem Patienten anzupassen. Beispielsweise räume ich alle möglichen Hindernisse aus dem Weg (Kissen, Möbel usw.) oder ordne sie so an, dass sie uns für unser Vorhaben dienen.&amp;lt;br&amp;gt;Das heisst auch, dass ich Kissen und Tücher benütze, um das Bett den Bedürfnissen des Patienten anzupassen.&amp;lt;br&amp;gt;Mit diesem Konzept ist es auch möglich, Verspannungen des Patienten zu lösen und Schmerzen zu vermeiden.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Ohne ISBN. Nachdruck 2009. S. 12, 15-17, 38-39, 47-48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
Im vierten Zitat wird eine der Bedeutungen des Themas beschrieben. Es besteht eine inhaltliche Verbindung, auch wenn der Begriff Orientierung nicht explizit erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Konzeptsystem]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgewählte weiterführende Literatur==&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Asmussen-Clausen, Maren (2009):&#039;&#039;&#039; Praxisbuch Kinaesthetics. Erfahrungen zur individuellen Bewegungsunterstützung auf Basis der Kinästhetik. 2. Auflage. München, Jena: Elsevier, Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-27570-8. S. 38 ff S. 130, S. 148, S. 175. S.40 und 46&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny (2003):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten. Übersetzung: Ute Villwock, Elisabeth Brock. 2., komplett überarbeitete Auflage. München, Jena: Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-31467-4. S. 46 ff, S. 106, S. 134.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4. S. 93 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kommentare, Auswertung und offene Fragen==&lt;br /&gt;
Aus unserer Sicht scheint die Unterscheidung zwischen der Orientierung nach Innen (im Körper) und Orientierung nach Außen (im Raum) im Zusammenhang mit Bewegung im Kontext des Fachgebiets Kinästhetik von grundlegender Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei geht es um  Fragen wie: Woran orientiere ich mich? Woran richte ich mich aus? Woran kann ich etwas messen? Womit kann ich vergleichen? Womit kann ich abgleichen? Wie kann ich die Gewichtsverlagerung in mir differenziert wahrnehmen? Wie erfahre ich die möglichen Richtungen? Kann ich merken, wann ich die Richtung ändern kann? Wie oft braucht es eine Richtungsänderung? etc.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Orientierung&amp;diff=5164</id>
		<title>Orientierung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Orientierung&amp;diff=5164"/>
		<updated>2024-06-05T15:33:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./ Sabine Kaserer, Dagmar Panzer}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten  zum Thema Orientierung. [[Orientierung#Orientierung%20im%20.E2.80.9EKinaesthetics%20.E2.80.93%20Konzeptsystem.E2.80.9C|Die ersten Zitate ]] stammen aus aus dem Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ und stellen einen aktuellen Referenztext dar. Es folgen [[Orientierung#Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“|Zitate ]] aus dem Aufbaumodul Demenz 3, wo es um die konkrete Verknüpfung mit dem Thema Demenz geht. In den [[Orientierung#Orientierung%20in%20.E2.80.9EKin.C3.A4sthetik-Bulletin-Nr-16.E2.80.9C|Zitaten]] aus dem 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 werden Entwicklung, Bedeutung und Anwendung des Begriffs Orientierung dargestellt.&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Fachbegriffs ==&lt;br /&gt;
 [[Datei:Konzepticons-mit-kreis 221.png |100px|rahmenlos|rechts]]&lt;br /&gt;
=== Orientierung im „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zitat ist in das zweite Kapitel „Konzept Funktionale Anatomie“ eingebettet. Bei diesem Konzept ist grundsätzlich Folgendes von Bedeutung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Kinaesthetics betrachtet die Anatomie aus einer funktionalen Perspektive, d. h., die erfahrbaren und wahrnehmbaren Aspekte des Körperbaus bilden den Inhalt des Konzeptes Funktionale Anatomie.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Unterkapiteln „[[Knochen und Muskeln]]“, „[[Massen und Zwischenräume]]“ und „Haltungs- und Transportbewegungsebenen“ wird dem Fachbegriff Orientierung das vierte und letzte Kapitel gewidmet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;“2.4. Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Entstehung des Begriffes &#039;&#039;&#039;Orientierung&#039;&#039;&#039; hängt mit der Tatsache zusammen, dass&amp;lt;br&amp;gt;sich der Mensch – insbesondere auf seinen Reisen – seit frühester Zeit an der&amp;lt;br&amp;gt;aufgehenden Sonne (Orient, Osten) bzw. an den Himmelsrichtungen und den&amp;lt;br&amp;gt;Himmelskörpern auszurichten pflegte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung kann also die Fähigkeit bezeichnen, sich im äußeren Raum und in der&amp;lt;br&amp;gt;Zeit zurechtfinden zu können. Die räumlich-zeitliche Orientierungsfähigkeit&amp;lt;br&amp;gt;beantwortet Fragen wie: ‚Wo befinden wir uns? In was für einer Umgebung befinden&amp;lt;br&amp;gt;wir uns? Welchen Weg sollen wir einschlagen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen?‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics versteht unter Orientierung aber auch die Fähigkeit, sich im eigenen&amp;lt;br&amp;gt;Körper, im inneren Raum bzw. an den Sachverhalten der funktionalen Anatomie&amp;lt;br&amp;gt;orientieren zu können. Diese körperliche Orientierungsfähigkeit setzt sich mit Fragen&amp;lt;br&amp;gt;auseinander wie: ‚In welcher Position befindet sich unser Körper? Wie und mit&amp;lt;br&amp;gt;welcher Anstrengung ist dabei die Gewichtsabgabe unserer [[Massen und Zwischenräume|Massen]] organisiert? Wie&amp;lt;br&amp;gt;und in welche Richtung sollen wir unsere Körperteile bewegen, um ein Ziel zu&amp;lt;br&amp;gt;erreichen?‘&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics geht davon aus, dass diese körperlichen Orientierungsfähigkeiten&amp;lt;br&amp;gt;ständige Prozesse sind, die auf Bewegung, auf der Bewegungswahrnehmung (und&amp;lt;br&amp;gt;der gesamten Sinneswahrnehmung) beruhen. Nach dieser Annahme sind wir bewusst&amp;lt;br&amp;gt;oder unbewusst konstant damit beschäftigt, die Orientierung oder die ‚richtige&amp;lt;br&amp;gt;Richtung‘ unserer Bewegungen nicht zu verlieren. Die körperliche Orientierung stellt&amp;lt;br&amp;gt;die Grundlage dafür dar, dass ein Mensch sich im äußeren Raum und generell in der&amp;lt;br&amp;gt;Welt, z. B. in Gesellschaft und Kultur, orientieren kann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft macht sich dieser Prozess erst bei einem Orientierungsverlust deutlich&amp;lt;br&amp;gt;bemerkbar. Eine schwere Verletzung kann unsere körperliche Orientierung, d. h. die&amp;lt;br&amp;gt;Fähigkeit zu einer zielgerichteten Bewegung der unverletzten Glieder, sowie die&amp;lt;br&amp;gt;räumlich-zeitliche Orientierung, und damit unser Wohlbefinden im wahrsten Sinne&amp;lt;br&amp;gt; des Wortes lahmlegen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Oben und unten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die körperliche Orientierung bezüglich ‚oben‘ und ‚unten‘ basiert auf der&amp;lt;br&amp;gt;Erfahrung der spezifischen Anordnung der einzelnen Massen: ‚Oben‘ ist der Kopf,&amp;lt;br&amp;gt;dann folgt der Brustkorb und das Becken, ‚unten‘ sind die Beine bzw. die Füße. Da&amp;lt;br&amp;gt;diese Anordnung unabhängig davon ist, in welcher Position oder räumlichen Lage&amp;lt;br&amp;gt;sich ein Mensch befindet, kann die körperliche Orientierung in einem Widerspruch&amp;lt;br&amp;gt;zur räumlichen Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ stehen, die sich aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Außenperspektive ergibt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die räumliche Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ wird durch die konstante Wirkung&amp;lt;br&amp;gt;der Schwerkraft bestimmt, die unser Leben in einem hohen Ausmaß prägt. ‚Unten‘&amp;lt;br&amp;gt; definiert sich durch die Richtung der Schwerkraft, ‚oben‘ durch die Gegenrichtung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bezüglich der räumlichen und körperlichen Orientierung fällt auf: Die Extremitäten&amp;lt;br&amp;gt;sind symmetrisch angeordnet und unterstützen in einem analogen Muster die&amp;lt;br&amp;gt;Steuerung des Gewichtes der zentralen Massen in der Schwerkraft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Arme sind seitlich mit dem Brustkorb verbunden und unterstützen die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtssteuerung des Brustkorbes. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Beine sind seitlich mit dem Becken verbunden und sind für die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsverlagerung des Beckens hilfreich. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Ohren sind sozusagen die nach innen gestülpten Extremitäten des Kopfes&amp;lt;br&amp;gt;und unterstützen durch den Gleichgewichtssinn im Innenohr die Steuerung des&amp;lt;br&amp;gt;Kopfes bzw. die Orientierung in der Schwerkraft. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Unterscheidung zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘ kann der Mensch immer auf&amp;lt;br&amp;gt;die innere, körperliche oder auf die äußere, räumliche Orientierung zurückgreifen.&amp;lt;br&amp;gt;Diese können in einem Widerspruch zueinander stehen. Aufstehen hat aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Innenperspektive betrachtet kaum etwas mit einem vertikalen Hochheben der&amp;lt;br&amp;gt;Massen gegen die Schwerkraft zu tun, wie man es von außen betrachtet vielleicht&amp;lt;br&amp;gt;beschreiben würde. Die Ausführung von Aktivitäten erfordert stets die Orientierung&amp;lt;br&amp;gt;an den eigenen, körperlichen und an den äußeren, räumlichen Bedingungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Vorne und hinten: Vorderseiten und Rückseiten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics definiert die Vorder- und Rückseiten unserer Massen aufgrund der&amp;lt;br&amp;gt;unterschiedlich erfahrbaren Eigenschaften und Aufgaben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Seiten der Massen, die überwiegend als hart, knochig und stabil erfahrbar sind,&amp;lt;br&amp;gt;werden als Rückseiten bezeichnet. Hier liegen v. a. Streckmuskeln. Die Vorderseiten&amp;lt;br&amp;gt;tragen die Merkmale weich, instabil und anpassungsfähig. Hier sind hauptsächlich&amp;lt;br&amp;gt;Beugemuskeln vorhanden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den zentralen Massen Kopf, Brustkorb und Becken lassen sich die Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten einfach erfahren und entsprechen der gängigen Vorstellung von vorne&amp;lt;br&amp;gt;und hinten. Bei den Extremitäten aber ist ein spiraliger Verlauf der Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten beobachtbar. Deshalb weichen hier die Definitionen z. T. von unseren&amp;lt;br&amp;gt;gängigen Vorstellungen ab.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:22-detail-vorne-hinten.jpg|180px|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den Rückseiten der Massen liegen die Knochen&amp;lt;br&amp;gt;ziemlich direkt und großflächig unter der Haut. Dadurch&amp;lt;br&amp;gt;eignen sich die Rückseiten eher dazu, das Gewicht zu&amp;lt;br&amp;gt;tragen und es auf eine Unterstützungsfläche abzugeben.&amp;lt;br&amp;gt;Auf den Vorderseiten sind mehr Muskeln erfahrbar. Sie&amp;lt;br&amp;gt;haben deshalb die Funktion, das Gewicht auf die&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten zu leiten und Anpassungen der&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsorganisation zu gestalten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Hand- und Fußflächen besitzen sowohl&amp;lt;br&amp;gt;Vorderseiten- als auch Rückseiten-Qualitäten.&amp;lt;br&amp;gt;Nur deshalb ist es möglich, unser&amp;lt;br&amp;gt;Körpergewicht in Balance zu halten, wenn wir auf den&amp;lt;br&amp;gt;Füßen stehen. Die Hand- und Fußflächen gehören zu&amp;lt;br&amp;gt;den empfindlichsten Zonen des kinästhetischen&amp;lt;br&amp;gt;Sinnessystems.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der spiralförmige Verlauf von&amp;lt;br&amp;gt;Vorder- und Rückseiten ist&amp;lt;br&amp;gt;der Hauptgrund dafür, dass Menschen grundsätzlich&amp;lt;br&amp;gt;über eine unendliche Vielfalt von&amp;lt;br&amp;gt;Bewegungsmöglichkeiten oder -varianten verfügen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein angepasstes Zusammenspiel der Funktionen der Vorder- und Rückseiten während&amp;lt;br&amp;gt;einer Aktivität macht es möglich, diese mit wenig Kraftaufwand und größtmöglicher&amp;lt;br&amp;gt;Kontrolle in der Schwerkraft zu gestalten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 26 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“ ===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus den Arbeitsunterlagen „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen“. Das erste Zitat stammt aus dem Kapitel „Einführung in das Aufbaumodul Demenz 3“ der Einleitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„&amp;lt;big&amp;gt;Die eigene Orientierung suchen&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; […] Die eigene Orientierung auf unterschiedlichsten Ebenen zu suchen, ist für die Menschen mit Demenz oft ein Hauptthema des Alltags. Somit muss es ein Anliegen der Pflege und Betreuung sein, sie verständnisvoll darin zu unterstützen, in ihren alltäglichen Aktivitäten die Orientierung erfolgreich zu suchen und dadurch Lebensqualität zu gewinnen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus biologischer Perspektive verfügen alle Lebewesen über ein Orientierungsvermögen. Es ist eine Grundbedingung des Lebens. Für das Lebewesen bedeutet es, die eigene Bewegung (inklusive des eigenen Wachstumes bei Pflanzen) an physikalischen, chemischen oder anderen Gegebenheiten und Prozessen ausrichten zu können. Die Grundlage des Orientierungsvermögens bildet die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) bzw. irgendeine Form der Eigenwahrnehmung (Propriozeption).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Die Bedeutung der inneren körperlichen Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;In der Kinästhetik wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch seine innere körperliche Orientierung lebenslang weiterentwickelt. Bei der Frage, ob die Entwicklung in Richtung eines differenzierteren oder zunehmend undifferenzierteren Orientierungsvermögens geht, spielen die Bewegungswahrnehmung und die Qualität der eigenen Bewegung eine zentrale Rolle. Es geht darum, ein inneres körperliches Verständnis für passende Bewegungsrichtungen im aktuellen Moment zu entwickeln. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Annahme ist, dass die Orientierung an den eigenen Bewegungsmöglichkeiten bzw. an den Eigenschaften und Funktionen der eigenen Anatomie grundlegend für das gesamte Orientierungsvermögen ist. Diese Perspektive hat für professionelle Bezugspersonen von Menschen mit Demenz eine hohe Bedeutung. Sie können lernen, die alltäglichen Unterstützungsangebote orientierungsfördernd zu gestalten bzw. die einzelne Person mit Demenz individuell und konkret in ihrer Suche nach der eigenen Orientierung auf allen Ebenen zu unterstützen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; European Kinaesthetics Association (Hg.) (2022) &#039;&#039;&#039;: Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen. Arbeitsunterlagen. Unter Mitarbeit von Franziska Gysin, Christine Grasberger, Brigitte Marty-Teuber, Stefan Marty-Teuber, Sabine Siemann, Erich Weidmann. Linz (AT), Winterthur (CH): Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903052-48-2. S. 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus den Begleittexten des Kapitels „Teil 1: Was ist Orientierung?&amp;quot;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Orientierung – ein vielschichtiger Prozess &amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Beispiel: &amp;lt;br&amp;gt;Wir wollen erfolgreich und sicher auf einen Berg hinauf- und wieder hinuntersteigen. Dabei müssen wir uns bzw. unsere Bewegung ständig an den unterschiedlichsten Dingen orientieren. Unsere Bewegung orientieren wir z. B. ununterbrochen an der Beschaffenheit und der Richtung des Weges. Wir orientieren uns an Wegweisern und Karten, daran, wie schnell wir im Verhältnis zur Gesamtstrecke vorankommen und wie fit wir noch sind, an BergsteigerInnen, die uns entgegenkommen, an der Entwicklung des Wetters usw. [im Original alles kursiv]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Im Allgemeinen bezeichnet Orientierung die Fähigkeit, sich selbst an unterschiedlichsten Gegebenheiten oder Vorgängen ausrichten zu können, um ein Ziel zu erreichen oder eine Absicht zu verwirklichen. In unserem Alltag sind wir bewusst oder unbewusst ständig damit beschäftigt, uns auf unterschiedlichen Ebenen zu orientieren bzw. die eigene Orientierung zu suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundfragen dabei sind, woher wir kommen, wo wir sind und wohin wir gehen wollen oder wie wir unseren Weg fortsetzen können. Dies gilt im konkreten räumlichen Sinn, aber auch im übertragenen Sinn für alle anderen Orientierungsprozesse. Diese Fragen stellen sich bei der inneren körperlichen Orientierung, wenn wir unsere Bewegung bei jeder alltäglichen Aktivität an den Eigenschaften und Funktionen unserer eigenen Anatomie orientieren. Sie stellen sich ebenso, wenn wir unser Verhalten an äußeren räumlichen Gegebenheiten orientieren, am Fortschreiten der Zeit, an den ‚Spielregeln‘ einer bestimmten Situation (situative Orientierung), an unseren eigenen Lebenserfahrungen oder an der Beziehung, die wir zu anderen Personen haben (Orientierung zur Person). &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch diese Orientierungsprozesse bzw. durch die fortlaufende Auseinandersetzung mit den Grundfragen der Orientierung entsteht gewissermaßen eine kontinuierliche innere Spur. Sie erlaubt uns, unser Leben in unserem Umfeld stimmig und passend zu gestalten. Wenn diese innere Einheitlichkeit und Kontinuität unüberbrückbare Unterbrechungen oder Lücken aufzuweisen beginnt, wird dies schwierig. Dann sind wir damit konfrontiert, unsere Orientierung immer wieder in der aktuellen Situation suchen zu müssen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:AMD3-Orientierung-Wandern.jpeg|300px|rahmenlos|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Abb. 1: Eine Wanderung erfordert fortlaufend innere körperliche Anpassungsfähigkeit im Zusammenspiel mit der ständigen Orientierung in der Umgebung. Die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) läuft sozusagen auf Hochtouren und damit einhergehend die innere körperliche Orientierung. Sie gilt in der Kinästhetik als Grundlage des Orientierungsvermögens.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Unabdingbare Voraussetzung aller Orientierungsprozesse ist, dass wir uns selbst in unserer Umgebung wahrnehmen können […]. Nur dadurch sind wir dazu imstande, unser Verhalten an unseren Bewegungsmöglichkeiten in der jeweiligen Umgebung, an unserer aktuellen Befindlichkeit, aber auch an unserer persönlichen Erfahrungs- und Lerngeschichte zu orientieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierung hängt eng mit der Orientierung an äußeren Umständen und Prozessen wie an der Beschaffenheit des Raumes, der Tageszeit oder am Verhalten anderer Menschen zusammen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Ebenen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Die innere körperliche Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Aus der Perspektive der Kinästhetik besteht die grundlegende Ebene des menschlichen Orientierungsvermögens darin, dass wir unsere eigene Bewegung und unser ganzes Verhalten an bestimmten Gegebenheiten unseres eigenen Körpers orientieren. Diese Gegebenheiten sind die Eigenschaften und Funktionen unserer Anatomie. Es geht um die Frage, wie wir – als verkörperte Wesen in dieser Welt – uns in unserem Körper und in uns selbst zurechtfinden. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierungsfähigkeit ist im allgemeinen Bewusstsein weniger verankert, hat aber für die alltägliche Lebensqualität des einzelnen Menschen eine grundlegende Bedeutung. Bewusst oder unbewusst sind wir bei der Ausführung jeder alltäglichen Aktivität konstant damit beschäftigt, die richtige Richtung zu suchen, in der wir unsere Körperteile bewegen können. Die innere körperliche Orientierung entsteht dadurch, dass wir unsere Bewegung fortlaufend an passenden eigenen Bewegungsmöglichkeiten in der Schwerkraft der Erde ausrichten. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundlage für die Orientierung im eigenen Körper ist die Bewegungswahrnehmung bzw. das zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem. Die körperliche Orientierung beschränkt sich somit nicht auf die motorische ‚Mechanik‘, sondern ist ein ganzheitliches, den ganzen Menschen einbeziehendes Phänomen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sich an den Bewegungsmöglichkeiten des eigenen Körpers zu orientieren, erfordert allerdings im Vergleich mit anderen Ebenen der Orientierung in geringerem Maß kognitive Leistungen bzw. ein bewusstes Erinnerungsvermögen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Orientierung im eigenen Körper wird besonders deutlich, dass jede Art der Orientierung immer vom einzelnen Menschen geleistet werden muss und von seinen individuellen Möglichkeiten im aktuellen Moment abhängig ist. Man kann einen Menschen bei der Orientierungssuche unterstützen, aber man kann niemandem Orientierung geben. Er muss sie in sich selbst finden.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Herkömmliche Unterteilungen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; Es ist gängig, das Orientierungsvermögen des Menschen zu unterteilen, um es differenzierter zu beschreiben oder auch in Pflegedokumentationen festzuhalten. Dabei sind die folgenden Begrifflichkeiten allgemein gebräuchlich:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Räumliche oder örtliche Orientierung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Zeitliche Orientierung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Orientierung zur eigenen Person und zum persönlichen Beziehungsnetz (auch als soziale Orientierung bezeichnet)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Situative Orientierung: Das angemessene Ausrichten des eigenen Verhaltens an einer bestimmten Situation&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Diese Unterteilung macht deutlich, dass Orientierung auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet, aber auch ein sehr komplexes Phänomen ist. Mit ein Grund ist, dass die Aspekte, die durch diese Unterteilung unterschiedenen werden, sich im alltäglichen Leben überschneiden und kombinieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Die herkömmlichen Unterteilungen des Orientierungsvermögens vernachlässigen oft die innere körperliche Orientierung als grundlegenden Aspekt. In der Kinästhetik wird von der Annahme ausgegangen, dass die Qualität der körperlichen Orientierung einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie sich ein Mensch am Raum, an der Zeit usw. orientieren kann.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 12 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Kapitel „Teil 3: Bewegungskompetenz und lebenslange Orientierungssuche&amp;quot;. Die vorhergehenden Absätze beleuchten das Thema [[Parallele und spiralige Bewegungsmuster|Bewegungsmuster]], hier wird die Bedeutung der Bewegungsmuster für Orientierung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;„Bedeutung für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz:&amp;lt;/big&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;[…] Für das fortlaufende Suchen ihrer Orientierung ist es von hoher Bedeutung, in welcher Qualität sie [eine Person mit Demenz, Anm. d. Red.] ihre Bewegung wahrnehmen, gestalten und sich so in sich selbst orientieren kann. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Nach dieser Grundhaltung steht im Zentrum, dass jede Unterstützung einer Person mit Demenz als ein Lernangebot verstanden und gestaltet wird. Wenn Menschen mit Demenz in ihren alltäglichen Aktivitäten eine für sie im Moment passende Unterstützung erhalten, können sie lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten zu nutzen und an ihre aktuelle Situation anzupassen. Hier liegt ein großes Potenzial dafür vor, dass sie bis zuletzt erfolgreich ihre innere körperliche Orientierung suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein individuell angepasstes Unterstützungsangebot in diesem Sinn gestalten zu können, stellt hohe Anforderungen an die Bewegungskompetenz und das Bewegungsverständnis der Bezugspersonen. Sie sind insbesondere gefordert, ihre Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auf ihre eigene Bewegung zu lenken, um diese fortlaufend differenziert an die Orientierungssuche der betreffenden Person anzupassen. &amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 36 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Orientierung in „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 finden sich die ersten Beschreibungen von Prinzipien, die heute Konzepte genannt werden. Der Vergleich dieser Schrift mit dem heutigen Verständnis zeigt sehr deutlich die inhaltliche Entwicklung der Kinästhetik. Prinzipien, Kontexte, Anwendungsbereiche und Übungen werden innerhalb der einzelnen Texte direkt in Verbindung miteinander gebracht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relevante Zitate===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus dem Buch „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“. Das erste Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist Teil des Textes der Einführung des gesamten Beitrags von Suzanne Schmidt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4. Grundprinzipien &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Prinzipien, welche wir in der Kinästhetik benützen, sollen in einem bestimmten Sinn verstanden und angewandt werden, nämlich als eine Art ‚Werkzeug‘, um Menschen zu helfen, Beziehungsmuster zu entdecken und bewusst zu erleben. Das Bewegen, das Lernen und selbst das In-Beziehung-Treten mit andern Menschen wird dadurch leichter, effektiver und klarer. [...]“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Zitat ist ebenso in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet und ist Teil des ersten Unterkapitels „[[Wahrnehmung]]“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.1. Wahrnehmung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir sind mit verschiedenen Sinnen ausgerüstet, die uns alle auf ihre besondere Art Reize über die belebte und die unbelebte Umwelt vermitteln: Augen, Ohren, Nase, Geschmacksknospen und die Haut. Wir nehmen die sensorischen Reize auf, in dem wir sie in Bewegung umsetzen. Unter Bewegung verstehen wir die Ortsveränderung in einer gewissen Zeiteinheit (Veränderung der Rezeptoren in Bezug auf Umgebung und Veränderung der Umgebung in Bezug auf die Rezeptoren). Erst durch Bewegung können wir einen Reiz vom andern unterscheiden, Reize auswählen und Reize erzeugen. Es ist nicht so, dass die Reize in uns hineinfallen und passiv von uns aufgenommen werden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Sinnessystem, durch welches wir uns von innen wahrnehmen können, ist der kinästhetische Sinn. Es nimmt insofern einen besonderen Platz innerhalb aller Sinnessysteme ein, als es das einzige ist, ohne das wir nicht leben könnten. Es gibt uns das Gefühl, für unser eigenes Selbst und integriert alle sensorischen Funktionen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das dritte Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Orientierung im Körper“ einschließlich der beschriebenen Übung „Wasch-Ritual“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.2. Orientierung im Körper&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung hat viel zu tun mit Kontext. Unser Verhalten, und wie wir ein Erlebnis einordnen, ist abhängig von unserem Verständnis von Orientierung bei irgendeiner Aktivität. Unsere Orientierung bildet gewissermassen einen Rahmen (eben den Kontext) für unser Erleben. Sie beeinflusst, worauf wir achten mit unseren Sinnen, welchen Sinn wir dem Erlebten geben und wie wir darauf antworten.&amp;lt;br&amp;gt;Die gängige Orientierung des Menschen in unserer Kultur bezieht sich auf die Umgebung. Zum Beispiel: Erde, Fussboden sind unten - Himmel, Zimmerdecke oben. Das bedeutet, dass wenn wir eine Position verändern, wir uns danach richten. Oft entspricht dies nicht der Struktur unseres Körpers und führt zu grosser Anstrengung. Steht hingegen der eigene Körper bzw. die. menschliche Bewegung im Zentrum der Orientierung anstelle der Umgebung, können wir uns mit mehr Leichtigkeit und Grazie bewegen. Hier ein Beispiel: Wenn wir von einem Stuhl aufstehen, geht unsere Anstrengung zur Zimmerdecke hoch. Wir bewegen uns in einer geraden Linie, was nicht der menschlichen Bewegungsart entspricht. Versuchen wir hingegen, unser Gewicht über die Füsse zu bringen, was unserer Körperstrukturierung entspricht (wir stehen von unten nach oben), wird unsere Anstrengung, ins Stehen zu kommen, wesentlich kleiner.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-stehend.png|250px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oben im Körper bedeutet der oberste Punkt unseres Körpers auf dem Scheitel - unten demnach der am weitesten entfernte Punkt am anderen Ende: Spitze der Grosszehe oder zweiten, evtl. dritten Zehe. Vorne ist immer dort wo die Vorderseite des Körpers ist, hinten dort wo die Hinterseite des Körpers ist, egal in welcher Position wir sind.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-liegend.png|400px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Unterscheidung vorne - hinten ist bestimmt durch die Muskelfunktion. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorne liegende Muskulatur umfasst alle Beugemuskeln. Sie übernehmen die Aufgabe der Anpassung an die Umwelt. Zudem ist die Vorderseite weicher, offener, verletzlicher, differenzierter. Mit ihr treffen wir die Aussenwelt (z.B. mit Handflächen oder Fusssohlen).&amp;lt;br&amp;gt;Zur hinten liegenden Muskulatur gehören alle Streckmuskeln. Sie sind verantwortlich für Stabilität und Gleichgewicht. Die Hinterseite ist runder, abgeschlossener, härter, geschützter und trägt das Gewicht.&amp;lt;br&amp;gt;Im Kopf und Rumpf ist dieses Muster leicht zu erkennen. In den Extremitäten allerdings verläuft diese Trennung zwischen vorne und hinten in einem Spiralmuster. Dies ist prägend für die Art und Weise wie wir unsere Arme und Beine benützen können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Übung: Wasch - Ritual &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Setze dich an einen bequemen Ort. Hit deiner rechten Handfläche fährst du von der Gesichtsmitte über die linke Gesichtshälfte nach hinten oben zum Scheitel und dann nach unten über die linke Hinterhauptshälfte, dem Hals entlang bis auf die Schulter. Du kannst diese Streichung mehrmals wiederholen und dabei abwechslend deine Wahrnehmung auf das Gesicht, den Kopf, den Hals richten oder auf die Handfläche. Dann lege eine kurze Pause ein, um den Unterschied zwischen linker und rechter Kopfseite wahrzunehmen. Du spürst vielleicht Wärme, Lebendigkeit, Entspannung usw. auf der linken Seite.&amp;lt;br&amp;gt;Als nächsten Schritt fahre mit deiner rechten Handfläche von der linken Schulter über die Aussenseite (Hinterseite) des Oberarms, des Unterarms, über den Handrücken und über die linke Handfläche, Innenseite (Vorderseite) des Unterarms, Oberarms bis zu Achselhöhle. Auch diese Streichung kannst du mehrmals wiederholen mit wechselnder Aufmerksamkeit wie oben beschrieben und anschliessender Pause zum vergleichenden Wahrnehmen.&amp;lt;br&amp;gt;In einer nächsten Etappe fahre mit beiden Handflächen unter der linken Achselhöhle nach hinten zum linken Schulterblatt, fahre über deine linke Rückenhälfte nach unten, über deine linke Gesässbacke, die Aussenseite (Hinterseite) des linken Oberschenkels, das Knie, Schienbein, den Fussrücken (alles Hinterseite des Beines) zu den Zehenspitzen. Wiederhole, variiere in deiner Wahrnehmung und mache eine Pause zum Vergleichen.&amp;lt;br&amp;gt;Dann fahre mit deinen Handflächen über die linke Fussohle, Wade, Innenseite (Vorderseite) des Oberschenkels, über die linke Rumpfseite, Hals bis zum Gesicht.&amp;lt;br&amp;gt;Dann lege dich flach auf den Boden und nimm den Unterschied zwischen deiner linken und rechten Körperhälfte wahr.&amp;lt;br&amp;gt;Anschliessend gehe durch das gleiche Ritual auf der rechten Körperseite, mit der linken Hand beginnend. Diese Streichungen entsprechen gleichzeitig dem Verlauf der Muskulatur, wirken organisierend und klärend.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Rechts und links beziehen wir interessanterweise immer auf unseren Körper, sofern wir keinen anderen Bezugspunkt nennen. Wie, d.h. an was wir uns orientieren, ist besonders wichtig, wenn wir uns mit anderen Menschen bewegen wollen und dabei unsere Positionen im Raum verändern.&amp;lt;br&amp;gt;Wir nehmen uns selber wahr durch die Bewegung. Alles was wir erleben, erleben wir durch den Unterschied zwischen unserer eigenen Bewegung und der Bewegung ausserhalb von uns (lebendige wie auch nicht lebendige Umgebung). Wenn wir uns bewegen, indem wir uns im Körper orientieren - wo oben immer oben, vorne immer vorne bleibt usw. - erleben wir die Bewegung als etwas Klares, Einfaches. Wir erfahren unsere Person als klar abgegrenzt von der Umgebung. Dies wirkt sich auch auf unsere Fähigkeit aus, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Zitat ist in das fünfte Kapitel „Anwendungen“ eingebettet. Das vorausgehende Unterkapitel beleuchtet das Thema „Kinästhetik in der Rehabilitation“.Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“ und beleuchtet das Thema Kinästhetik und Lernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„2. Was hat Kinästhetik der Sonderschule zu bieten? &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2.1. Bewegung und Berührung als zentrales Arbeitsmedium.&amp;lt;br&amp;gt;[...]&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kinästhetik benützt Bewegung und Berührung als entscheidende Medien, um Lernen zu unterstützen und zu fördern.&amp;lt;br&amp;gt;So erhalten sie für die Förderung behinderter Schüler einen Stellenwert, wie er bislang in der Schule kaum gesehen wird.&amp;lt;br&amp;gt;Ein Kind hat grosse Schwierigkeiten, lesen zu lernen, wenn ihm nicht alle seine sensorischen Systeme behilflich sind, um die Schriftzeichen auf der Lesebuchseite zu verarbeiten. Je mehr seine sensorischen Systeme zusammenarbeiten, desto mehr kann es quantitativ lernen, und desto leichter fällt es ihm.&amp;lt;br&amp;gt;Das Lernen beginnt mit der Schwerkraft und dem Körper. In aufrechter Stellung zu sitzen oder aber eine Rassel zu schütteln oder Treppen abwärts zu gehen oder einen Bleistift zu halten, fördern die Aufnahmefähigkeit des Gehirns, um komplexere Dinge lernen zu können.&amp;lt;br&amp;gt;Mit der auf dem sensomotorischen Niveau entwickelten Aufnahmefähigkeit des Gehirns ist das Kind dann besser vorbereitet zu lernen, wie man zwei Zahlen addiert oder wie man einen Satz schreibt, aber auch wie man Beziehungen zu Freunden aufnimmt.&amp;lt;br&amp;gt;(Ayres, A.J. 1984, S.66)“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fünfte Zitat ist ebenso eingebettet in das fünfte Kapitel „Anwendungen“. Die vorausgehenden Unterkapitel beleuchten die Themen Kinästhetik in der Rehabilitation“ und „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“. Das Zitat ist der Text des dritten Unterkapitels „Kinästhetik in der Krankenpflege“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„5.3. KINÄSTHETIK IN DER KRANKENPFLEGE &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;[...]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung im eigenen Körper:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn ein Mensch sich bewegt oder bewegt wird, indem die Richtung auf - ab, vorwärts - rückwärts, links - rechts auf seinen eigenen Körper bezogen, eingehalten wird, geschieht die Bewegung mühelos.&amp;lt;br&amp;gt;Besonders wichtig wird dieses Prinzip, wenn wir am Bett stehend gemeinsam mit dem liegenden Patienten etwas unternehmen wollen, denn sein Verhältnis zu &amp;quot;oben&amp;quot; im Raum ist nicht dasselbe wie unseres. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Information statt Anstrengung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kenntnis der Anatomie und der Bewegungsabläufe erleichtert das Umlagern und Bewegen eines Patienten so sehr, dass der/die Pflegende den Patienten mit minimaler Anstrengung umlagern und bewegen kann: Wenn ich weiss, dass und wie mein Patient sich drehen kann, ist es mir möglich, ihn aus der Badewanne zu &amp;quot;führen&amp;quot;, obwohl er sich vielleicht wegen seiner Fettleibigkeit &#039; nicht genügend vornüber beugen kann, um auf die Füsse zu kommen. Ich folge und entspreche seinen Möglichkeiten und führe ihn weiter, weil ich weiss, was möglich ist - so kommen wir gemeinsam zum Ziel. Das Gewicht läuft immer durch die Knochen des Patienten, ich zeige ihm mit meinen Händen die Richtung der Bewegung. Besonders wichtig ist dabei, dass ich den Patienten an seinen Massen führe. Nur so können seine Körperteile einander folgen.&amp;lt;br&amp;gt;Es ist verblüffend zu erfahren, wie leicht sich ein Patient drehen lässt, wenn ich weiss, wo ich ihn anfassen und in welche Richtung ich ziehen muss.&amp;lt;br&amp;gt;Eine wesentliche Hilfe für die Krankenpflege bietet die Einsicht, dass menschliche Fortbewegung, egal auf welcher Ebene, immer durch Gehen in Schritten stattfindet. Das heisst für die pflegende Person, dass jede Lageveränderung in kleinen Schritten geschehen kann, verbunden mit Gewichtsverlagerung. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kommunikation durch Berührung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Sprache der Berührung versteht der Mensch zwanzigmal schneller, als Information, die durch einen anderen Sinn aufgenommen wird. Klare, bewusste Berührung ist eine sehr wirksame Art der Kommunikation und ist auch bei geistig reduzierten und schwerhörigen Patienten anwendbar. Verwirrte Patienten können zu mehr Klarheit finden durch Berührung als einziges Kommunikationsmittel.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Umgebung verändern - Hindernisse wegräumen &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich versuche immer, die Umgebung dem Patienten anzupassen. Beispielsweise räume ich alle möglichen Hindernisse aus dem Weg (Kissen, Möbel usw.) oder ordne sie so an, dass sie uns für unser Vorhaben dienen.&amp;lt;br&amp;gt;Das heisst auch, dass ich Kissen und Tücher benütze, um das Bett den Bedürfnissen des Patienten anzupassen.&amp;lt;br&amp;gt;Mit diesem Konzept ist es auch möglich, Verspannungen des Patienten zu lösen und Schmerzen zu vermeiden.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Ohne ISBN. Nachdruck 2009. S. 12, 15-17, 38-39, 47-48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
Im vierten Zitat wird eine der Bedeutungen des Themas beschrieben. Es besteht eine inhaltliche Verbindung, auch wenn der Begriff Orientierung nicht explizit erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Konzeptsystem]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgewählte weiterführende Literatur==&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Asmussen-Clausen, Maren (2009):&#039;&#039;&#039; Praxisbuch Kinaesthetics. Erfahrungen zur individuellen Bewegungsunterstützung auf Basis der Kinästhetik. 2. Auflage. München, Jena: Elsevier, Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-27570-8. S. 38 ff S. 130, S. 148, S. 175. S.40 und 46&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny (2003):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten. Übersetzung: Ute Villwock, Elisabeth Brock. 2., komplett überarbeitete Auflage. München, Jena: Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-31467-4. S. 46 ff, S. 106, S. 134.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4. S. 93 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kommentare, Auswertung und offene Fragen==&lt;br /&gt;
Aus unserer Sicht scheint die Unterscheidung zwischen der Orientierung nach Innen (im Körper) und Orientierung nach Außen (im Raum) im Zusammenhang mit Bewegung im Kontext des Fachgebiets Kinästhetik von grundlegender Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei geht es um  Fragen wie: Woran orientiere ich mich? Woran richte ich mich aus? Woran kann ich etwas messen? Womit kann ich vergleichen? Womit kann ich abgleichen? Wie kann ich die Gewichtsverlagerung in mir differenziert wahrnehmen? Wie erfahre ich die möglichen Richtungen? Kann ich merken, wann ich die Richtung ändern kann? Wie oft braucht es eine Richtungsänderung? etc.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=5163</id>
		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
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		<updated>2024-06-05T15:32:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem redaktionell betreuten Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“). Ziel dieses langfristigen, im Jahr 2017 gestarteten Projekts ist, in einem Netzwerk von interessierten Personen ein umfassendes Lexikon aufzubauen, in dessen Zentrum das junge Fachgebiet der Kinästhetik steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konkret will das KOFL&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen die aktuelle und historische Faktenlage zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen und dem Kontakt mit ThementrägerInnen das Erfahrungswissen zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* allen interessierten Personen die Möglichkeit bieten, sich über Fachthemen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften zu informieren, sie zu diskutieren und zur Weiterentwicklung des KOFL beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie du dich für das KOFL engagieren kannst, wird auf den Seiten beschrieben, die du unter der Überschrift „Mitmachen“ in der linken Spalte der Benutzeroberfläche findest. Ausführlichere Informationen zum KOFL-Projekt sind auf der Seite „[[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]“ zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist das KOFL zum aktuellen Zeitpunkt weit vom Ziel eines umfassenden Lexikons der Kinästhetik entfernt. Das Projektteam ist zuversichtlich, dass sich das KOFL in den kommenden Jahren durch eine fruchtbare Zusammenarbeit aller interessierten Personen Schritt für Schritt diesem Ziel annähern kann, und dankt allen, die sich in welcher Weise auch immer für das KOFL engagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuletzt erschienene Beiträge:&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Erfahren (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Konzept (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Orientierung]]“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=5162</id>
		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
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		<updated>2024-06-05T15:32:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem redaktionell betreuten Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben,  von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“). Ziel dieses langfristigen, im Jahr 2017 gestarteten Projekts ist, in einem Netzwerk von interessierten Personen ein umfassendes Lexikon aufzubauen, in dessen Zentrum das junge Fachgebiet der Kinästhetik steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konkret will das KOFL&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen die aktuelle und historische Faktenlage zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
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* aus den schriftlichen Quellen und dem Kontakt mit ThementrägerInnen das Erfahrungswissen zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
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* allen interessierten Personen die Möglichkeit bieten, sich über Fachthemen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften zu informieren, sie zu diskutieren und zur Weiterentwicklung des KOFL beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie du dich für das KOFL engagieren kannst, wird auf den Seiten beschrieben, die du unter der Überschrift „Mitmachen“ in der linken Spalte der Benutzeroberfläche findest. Ausführlichere Informationen zum KOFL-Projekt sind auf der Seite „[[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]“ zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist das KOFL zum aktuellen Zeitpunkt weit vom Ziel eines umfassenden Lexikons der Kinästhetik entfernt. Das Projektteam ist zuversichtlich, dass sich das KOFL in den kommenden Jahren durch eine fruchtbare Zusammenarbeit aller interessierten Personen Schritt für Schritt diesem Ziel annähern kann, und dankt allen, die sich in welcher Weise auch immer für das KOFL engagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuletzt erschienene Beiträge:&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Erfahren (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Konzept (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Orientierung]]“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernen_(Begriff)&amp;diff=5161</id>
		<title>Lernen (Begriff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernen_(Begriff)&amp;diff=5161"/>
		<updated>2024-06-05T14:12:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Stefan Marty-Teuber/Dagmar Panzer}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten zur Herkunft und Bedeutung des Begriffs Lernen. Das Zitat ist ein Artikel zum Thema aus der Zeitschrift „lebensqualität “&lt;br /&gt;
==Lernen in der Zeitschrift „lebensqualität“==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus der Zeitschrift „lebensqualität“. Es ist ein Beitrag zu einer Serie mit dem Titel „wörterwurzeln“. Er ist mit „Lernen: Von der Mathematik zur List“ überschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Die Herkunft vieler Wörter bietet oft überraschende Geschichten und Zusammenhänge, die weit in die indo-europäische Sprachgeschichte zurückreichen. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der European Kinaesthetics Association (EKA) und Altphilologe/ Indogermanist erzählt Stefan Marty-Teuber von den Wurzeln von Wörtern, über die er bei seiner Tätigkeit stolpert.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Ohne Zweifel haben Lernen und Lehren in Kinaesthetics eine wichtige Bedeutung. Darum widme ich mich im Folgenden einigen Wörtern und Mustern, die mit diesem Thema zu tun haben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Kindheit und Lernen.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Mein kleines Alt-griechisch-Wörterbuch liefert mir für ‚lernen‘ zwei Wörter. Das zweite ist das Verb ‚paideúomai‘, das auf das Substantiv ‚pais, (Genitiv) paidós‘ (das Kind) zurückgeht. Formal ist dieses Verb passiv und ‚ich lerne‘ heißt ursprünglich sozusagen ‚ich werde gekindet‘. Somit wird in diesem Wort das Lernen nicht nur als abhängig von Ausbildung oder Erziehung durch eine erwachsene Lehrperson gedacht, sondern auch auf die Kindheit eingeschränkt. Dahinter steht die verbreitete Vorstellung, dass Kindheit und Jugend vom Lernen geprägt sind, im Erwachsenenalter aber der Mensch anwendet, was er gelernt hat, und es an die nachkommende Generation weitergibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Zielstrebige Lernfreude.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; An erster Stelle steht im griechischen Wörterbuch ‚mantháno‘ für ‚ich lerne‘. Leider ist die Herkunft des Wortes nicht ganz sicher; eine Grundbedeutung ‚seinen Sinn auf etwas richten, angeregt, lebhaft sein‘, wozu etymologisch das deutsche Adjektiv ‚munter‘ passen würde, wird diskutiert. Es gibt einige sicher verwandte Verben wie das althochdeutsche ‚menden‘ (sich freuen) und andere, deren Bedeutungsspektrum sich von ‚auf etwas zielen‘ bis zu ‚genau mustern‘ erstreckt. Hier scheint also das Lernen ursprünglich als das lebhafte, freudvolle und konzentrierte Erkunden des Menschen verstanden worden zu sein. Dass Lernen viel mit konzentrierter Lebhaftigkeit und Freude zu tun hat, zeigt sich gerne, wenn sich jemand für ein neues Hobby oder Lernfeld begeistert. Dass sich im Laufe der Schulkarriere diesbezüglich viel ändern kann, zeigte sich für mich als Gymnasiallehrer erschlagend deutlich, als zum ersten Mal ein Schulbesuch an der Primarschule meines Sohnes angesagt war. Am Gymnasium musste ich auch an Besuchstagen damit rechnen, dass zuerst einmal tiefes Stillschweigen und große Regungslosigkeit eintreten konnte, wenn ich eine Frage stellte. Hier zeigten die meisten Kinder bereits dann auf und wollten sich enthusiastisch zu Wort melden, wenn die Lehrerin nur schon zu einer Frage ansetzte – der Unterschied des Verhaltens war für mich frappant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;‚Ich werde alt und lerne immer noch viel dazu‘,stellte bereits der griechische Weise Solon fest. Daneben ist auch die gegensätzliche Vorstellung gängig, dass sich Lernen auf Kindheit und Jugend beschränkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Mathematik.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Bemerkenswert ist, dass von ‚mantháno‘ (ich lerne) das Substantiv ‚máthema‘ (das Gelernte, die Kenntnis) abgeleitet wurde, das im Plural die Wissenschaften, dann aber besonders die Lehre von den Zahlen und Zahlenverhältnissen, d. h. die heutige Mathematik, bezeichnete. Für die Griechen trat Lernen demnach besonders deutlich im Erwerb mathematischer Kenntnisse zum Vorschein; ausgerechnet die Mathematik erschien ihnen der Gegenstand des lustvollen Erkundens ‚par excellence‘ zu sein. Bei dieser Bedeutungsentwicklung spielt u. a. der griechische Philosoph Pythagoras (ca. 570–510 v. Chr.) eine wichtige Rolle. Er wurde nicht nur mit seinem geometrischen Satz unsterblich, sondern vertrat auch die Meinung, dass der Ursprung aller Dinge in den Zahlen liegt. Und selbstverständlich gehört Rechnen mit Lesen und Schreiben zu den grund- legenden Lernfächern oder Kulturtechniken, mit denen wir auch heute noch unsere Kinder vertraut zu machen versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Spuren.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Wie steht es mit der Herkunft des deutschen Wortes ‚lernen‘ bzw. des direkt verwandten englischen ‚to learn‘? Es bildet auf der ältesten Sprachstufe in verschiedenen germanischen Sprachen mit ‚lehren‘ und ‚List‘ zusammen eine kleine Sippe, die zum Verb ‚leisten‘ gehört. Dieses bedeutete ‚befolgen, nachkommen, erfüllen, ausführen, tun‘, erst später kamen die aktuellen Bedeutungen ‚können, schaffen‘ hinzu. Alle diese Wörter gehen auf die Wurzel *leis- für ‚Spur, Abdruck, Furche, Bahn‘ zurück. Lernen bedeutete also ursprünglich ‚einer Spur nachgehen/folgen, nachspüren‘, Lehren bedeutete ‚jemanden zum Nachspüren bringen‘ und List ‚das Nachgespürt-Haben, das Wissen‘. Das gemeingermanische Wort ‚List‘ kann weiter eingegrenzt werden. Es bezeichnete das Gelernt-Haben oder Wissen im Kontext der Jagd, des Kampfes sowie handwerklicher und magischer Kunstfertigkeiten. Bestimmt war es für die jagenden und kämpfenden Menschen dieser Zeit sehr vorteilhaft, wenn sie Spuren lesen und ihr eigenes Verhalten daran anpassen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;List und Sprache.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Bezeichnend ist, dass man beim Spurenlesen vom Erkennen eines dauerhaften Abdrucks, einer Form, auf etwas Drittes, das nicht (mehr) da ist, schließen und Mutmaßungen darüber anstellen muss, wohin es geht, woher es gekommen ist und was man daher tun soll. Das gleiche Muster scheint mir in der Sprache vorzuliegen, wo wir mit (nicht sehr dauerhaften) lautlichen oder geschriebenen Formen Dinge bezeichnen können, ob sie nun da sind oder nicht, in der Zukunft oder in der Vergangenheit liegen. Auf jeden Fall dürfte genau in dieser – vielleicht sprachlichen – Listigkeit ein wesentlicher Grund liegen, dass der Mensch auf unserem Planeten eine solche Dominanz entwickeln konnte. Durch ihre Schlauheit war es Jägern zum Beispiel möglich, sehr große und gefährliche Tiere auf eine falsche Spur zu locken, sodass sie in Fallgruben fielen und vorerst einmal für Überleben oder Sicherheit gesorgt war. Kein Wunder also, dass ‚List‘ allmählich den eher negativen Nebensinn ‚Trick, geschickte Täuschung‘ erhielt und heute nur in dieser Bedeutung verwendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Von Mensch zu Mensch.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Zu guter Letzt möchte ich auf ein Muster hinweisen, das in den indo-europäischen Sprachen sehr deutlich vorliegt: Lernen und Lehren sind eng miteinander verbunden. Im Germanischen verbindet die Herkunft die beiden Wörter, wobei ‚lehren‘ von ‚lernen‘ abgeleitet ist und als sogenannte Kausativbildung ursprünglich ‚jemanden zum Lernen bringen‘ heißt. Im Griechischen macht ‚paideúomai‘ (ich lerne) nur in Verbindung mit einer Lehrperson Sinn. Das erstaunlichste Beispiel ist aber Folgendes: Es gilt als ziemlich sicher, dass das griechische Verb ‚didásko‘ und das lateinische ‚disco‘ völlig identisch gebildet sind, d. h. sich von der gleichen Urform herleiten. Das erste heißt ‚ich lehre‘ und ist wieder eine Kausativbildung (zu einem alten griechischen Verb für ‚lernen‘). Von ‚didásko‘ wurde übrigens die Didaktik, die Wissenschaft oder Kunst des Lehrens, abgeleitet. Das zweite wird im Sprichwort ‚Docendo discimus‘ (Durch Lehren lernen wir‘) verwendet und heißt ‚ich lerne‘. Hier verschwand demzufolge der Unterschied zwischen den beiden Aktivitäten gänzlich. Sprachlich gibt sich also Lernen als etwas Zwischenmenschliches zu erkennen, bei dem jemand den Spuren folgt, die ein anderer Mensch legt, oder diese beiden Aspekte – ganz im Sinne des Sprichwortes – gleichzeitig oder wechselnd vorhanden sind. Dem griechischen Weisen Solon (ca. 640–560 v. Chr.) wird der Spruch ‚Ich werde alt und lerne immer noch viel dazu‘ nachgesagt. Vielleicht ist er ja gerade darum so alt geworden, weil er lernte – aber nicht allein in seiner Studierstube, sondern im lustvollen Kontakt mit anderen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Eine Randnotiz:&#039;&#039;&#039; Die Disco hat nichts mit disco ‚ich lerne‘ zu tun. Unverkürzt heißt dieses Wort Diskothek. Der erste Bestandteil geht auf griechisch dískos ‚(Wurf-)Scheibe, Diskus‘ zurück, der zweite auf théke ‚Ablage, Aufbewahrungsort‘ (vgl. im Deutschen die Theke). Eigentlich bezeichnet das Wort also den Ort, wo man Scheiben (Schallplatten) lagert; verwendet wird es aber in ausgeweiteter Bedeutung für Lokale, in denen man die Scheiben auch laufen lässt und dazu tanzen kann (vgl. auch Bibliothek als ‚Bücheraufbewahrungsort‘).“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Marty-Teuber, Stefan (2011):&#039;&#039;&#039;Lernen: Von der Mathematik zur List. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2011, Nr. 4. S. 44–45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernen_(Begriff)&amp;diff=5160</id>
		<title>Lernen (Begriff)</title>
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		<updated>2024-06-05T14:08:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Stefan Marty-Teuber/Dagmar Panzer}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten zur Herkunft und Bedeutung des Begriffs Lernen.. Das Zitat ist ein Artikel zum Thema aus der Zeitschrift „lebensqualität “&lt;br /&gt;
==Lernen in der Zeitschrift „lebensqualität“==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus der Zeitschrift „lebensqualität“. Es ist ein Beitrag zu einer Serie mit dem Titel „wörterwurzeln“. Er ist mit „Lernen: Von der Mathematik zur List“ überschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Die Herkunft vieler Wörter bietet oft überraschende Geschichten und Zusammenhänge, die weit in die indo-europäische Sprachgeschichte zurückreichen. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der European Kinaesthetics Association (EKA) und Altphilologe/ Indogermanist erzählt Stefan Marty-Teuber von den Wurzeln von Wörtern, über die er bei seiner Tätigkeit stolpert.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Ohne Zweifel haben Lernen und Lehren in Kinaesthetics eine wichtige Bedeutung. Darum widme ich mich im Folgenden einigen Wörtern und Mustern, die mit diesem Thema zu tun haben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Kindheit und Lernen.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Mein kleines Alt-griechisch-Wörterbuch liefert mir für ‚lernen‘ zwei Wörter. Das zweite ist das Verb ‚paideúomai‘, das auf das Substantiv ‚pais, (Genitiv) paidós‘ (das Kind) zurückgeht. Formal ist dieses Verb passiv und ‚ich lerne‘ heißt ursprünglich sozusagen ‚ich werde gekindet‘. Somit wird in diesem Wort das Lernen nicht nur als abhängig von Ausbildung oder Erziehung durch eine erwachsene Lehrperson gedacht, sondern auch auf die Kindheit eingeschränkt. Dahinter steht die verbreitete Vorstellung, dass Kindheit und Jugend vom Lernen geprägt sind, im Erwachsenenalter aber der Mensch anwendet, was er gelernt hat, und es an die nachkommende Generation weitergibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Zielstrebige Lernfreude.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; An erster Stelle steht im griechischen Wörterbuch ‚mantháno‘ für ‚ich lerne‘. Leider ist die Herkunft des Wortes nicht ganz sicher; eine Grundbedeutung ‚seinen Sinn auf etwas richten, angeregt, lebhaft sein‘, wozu etymologisch das deutsche Adjektiv ‚munter‘ passen würde, wird diskutiert. Es gibt einige sicher verwandte Verben wie das althochdeutsche ‚menden‘ (sich freuen) und andere, deren Bedeutungsspektrum sich von ‚auf etwas zielen‘ bis zu ‚genau mustern‘ erstreckt. Hier scheint also das Lernen ursprünglich als das lebhafte, freudvolle und konzentrierte Erkunden des Menschen verstanden worden zu sein. Dass Lernen viel mit konzentrierter Lebhaftigkeit und Freude zu tun hat, zeigt sich gerne, wenn sich jemand für ein neues Hobby oder Lernfeld begeistert. Dass sich im Laufe der Schulkarriere diesbezüglich viel ändern kann, zeigte sich für mich als Gymnasiallehrer erschlagend deutlich, als zum ersten Mal ein Schulbesuch an der Primarschule meines Sohnes angesagt war. Am Gymnasium musste ich auch an Besuchstagen damit rechnen, dass zuerst einmal tiefes Stillschweigen und große Regungslosigkeit eintreten konnte, wenn ich eine Frage stellte. Hier zeigten die meisten Kinder bereits dann auf und wollten sich enthusiastisch zu Wort melden, wenn die Lehrerin nur schon zu einer Frage ansetzte – der Unterschied des Verhaltens war für mich frappant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;‚Ich werde alt und lerne immer noch viel dazu‘,stellte bereits der griechische Weise Solon fest. Daneben ist auch die gegensätzliche Vorstellung gängig, dass sich Lernen auf Kindheit und Jugend beschränkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Mathematik.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Bemerkenswert ist, dass von ‚mantháno‘ (ich lerne) das Substantiv ‚máthema‘ (das Gelernte, die Kenntnis) abgeleitet wurde, das im Plural die Wissenschaften, dann aber besonders die Lehre von den Zahlen und Zahlenverhältnissen, d. h. die heutige Mathematik, bezeichnete. Für die Griechen trat Lernen demnach besonders deutlich im Erwerb mathematischer Kenntnisse zum Vorschein; ausgerechnet die Mathematik erschien ihnen der Gegenstand des lustvollen Erkundens ‚par excellence‘ zu sein. Bei dieser Bedeutungsentwicklung spielt u. a. der griechische Philosoph Pythagoras (ca. 570–510 v. Chr.) eine wichtige Rolle. Er wurde nicht nur mit seinem geometrischen Satz unsterblich, sondern vertrat auch die Meinung, dass der Ursprung aller Dinge in den Zahlen liegt. Und selbstverständlich gehört Rechnen mit Lesen und Schreiben zu den grund- legenden Lernfächern oder Kulturtechniken, mit denen wir auch heute noch unsere Kinder vertraut zu machen versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Spuren.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Wie steht es mit der Herkunft des deutschen Wortes ‚lernen‘ bzw. des direkt verwandten englischen ‚to learn‘? Es bildet auf der ältesten Sprachstufe in verschiedenen germanischen Sprachen mit ‚lehren‘ und ‚List‘ zusammen eine kleine Sippe, die zum Verb ‚leisten‘ gehört. Dieses bedeutete ‚befolgen, nachkommen, erfüllen, ausführen, tun‘, erst später kamen die aktuellen Bedeutungen ‚können, schaffen‘ hinzu. Alle diese Wörter gehen auf die Wurzel *leis- für ‚Spur, Abdruck, Furche, Bahn‘ zurück. Lernen bedeutete also ursprünglich ‚einer Spur nachgehen/folgen, nachspüren‘, Lehren bedeutete ‚jemanden zum Nachspüren bringen‘ und List ‚das Nachgespürt-Haben, das Wissen‘. Das gemeingermanische Wort ‚List‘ kann weiter eingegrenzt werden. Es bezeichnete das Gelernt-Haben oder Wissen im Kontext der Jagd, des Kampfes sowie handwerklicher und magischer Kunstfertigkeiten. Bestimmt war es für die jagenden und kämpfenden Menschen dieser Zeit sehr vorteilhaft, wenn sie Spuren lesen und ihr eigenes Verhalten daran anpassen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;List und Sprache.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Bezeichnend ist, dass man beim Spurenlesen vom Erkennen eines dauerhaften Abdrucks, einer Form, auf etwas Drittes, das nicht (mehr) da ist, schließen und Mutmaßungen darüber anstellen muss, wohin es geht, woher es gekommen ist und was man daher tun soll. Das gleiche Muster scheint mir in der Sprache vorzuliegen, wo wir mit (nicht sehr dauerhaften) lautlichen oder geschriebenen Formen Dinge bezeichnen können, ob sie nun da sind oder nicht, in der Zukunft oder in der Vergangenheit liegen. Auf jeden Fall dürfte genau in dieser – vielleicht sprachlichen – Listigkeit ein wesentlicher Grund liegen, dass der Mensch auf unserem Planeten eine solche Dominanz entwickeln konnte. Durch ihre Schlauheit war es Jägern zum Beispiel möglich, sehr große und gefährliche Tiere auf eine falsche Spur zu locken, sodass sie in Fallgruben fielen und vorerst einmal für Überleben oder Sicherheit gesorgt war. Kein Wunder also, dass ‚List‘ allmählich den eher negativen Nebensinn ‚Trick, geschickte Täuschung‘ erhielt und heute nur in dieser Bedeutung verwendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Von Mensch zu Mensch.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Zu guter Letzt möchte ich auf ein Muster hinweisen, das in den indo-europäischen Sprachen sehr deutlich vorliegt: Lernen und Lehren sind eng miteinander verbunden. Im Germanischen verbindet die Herkunft die beiden Wörter, wobei ‚lehren‘ von ‚lernen‘ abgeleitet ist und als sogenannte Kausativbildung ursprünglich ‚jemanden zum Lernen bringen‘ heißt. Im Griechischen macht ‚paideúomai‘ (ich lerne) nur in Verbindung mit einer Lehrperson Sinn. Das erstaunlichste Beispiel ist aber Folgendes: Es gilt als ziemlich sicher, dass das griechische Verb ‚didásko‘ und das lateinische ‚disco‘ völlig identisch gebildet sind, d. h. sich von der gleichen Urform herleiten. Das erste heißt ‚ich lehre‘ und ist wieder eine Kausativbildung (zu einem alten griechischen Verb für ‚lernen‘). Von ‚didásko‘ wurde übrigens die Didaktik, die Wissenschaft oder Kunst des Lehrens, abgeleitet. Das zweite wird im Sprichwort ‚Docendo discimus‘ (Durch Lehren lernen wir‘) verwendet und heißt ‚ich lerne‘. Hier verschwand demzufolge der Unterschied zwischen den beiden Aktivitäten gänzlich. Sprachlich gibt sich also Lernen als etwas Zwischenmenschliches zu erkennen, bei dem jemand den Spuren folgt, die ein anderer Mensch legt, oder diese beiden Aspekte – ganz im Sinne des Sprichwortes – gleichzeitig oder wechselnd vorhanden sind. Dem griechischen Weisen Solon (ca. 640–560 v. Chr.) wird der Spruch ‚Ich werde alt und lerne immer noch viel dazu‘ nachgesagt. Vielleicht ist er ja gerade darum so alt geworden, weil er lernte – aber nicht allein in seiner Studierstube, sondern im lustvollen Kontakt mit anderen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Eine Randnotiz:&#039;&#039;&#039; Die Disco hat nichts mit disco ‚ich lerne‘ zu tun. Unverkürzt heißt dieses Wort Diskothek. Der erste Bestandteil geht auf griechisch dískos ‚(Wurf-)Scheibe, Diskus‘ zurück, der zweite auf théke ‚Ablage, Aufbewahrungsort‘ (vgl. im Deutschen die Theke). Eigentlich bezeichnet das Wort also den Ort, wo man Scheiben (Schallplatten) lagert; verwendet wird es aber in ausgeweiteter Bedeutung für Lokale, in denen man die Scheiben auch laufen lässt und dazu tanzen kann (vgl. auch Bibliothek als ‚Bücheraufbewahrungsort‘).“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Marty-Teuber, Stefan (2011):&#039;&#039;&#039;Lernen: Von der Mathematik zur List. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2011, Nr. 4. S. 44–45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Orientierung&amp;diff=5159</id>
		<title>Orientierung</title>
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		<updated>2024-06-05T14:04:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./ Sabine Kaserer, Dagmar Panzer}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten zum Thema Orientierung. [[Orientierung#Orientierung%20im%20.E2.80.9EKinaesthetics%20.E2.80.93%20Konzeptsystem.E2.80.9C|Die ersten Zitate ]] stammen aus aus dem Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ und stellen einen aktuellen Referenztext dar. Es folgen [[Orientierung#Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“|Zitate ]] aus dem Aufbaumodul Demenz 3, wo es um die konkrete Verknüpfung mit dem Thema Demenz geht. In den [[Orientierung#Orientierung%20in%20.E2.80.9EKin.C3.A4sthetik-Bulletin-Nr-16.E2.80.9C|Zitaten]] aus dem 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 werden Entwicklung, Bedeutung und Anwendung des Begriffs Orientierung dargestellt.&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Fachbegriffs ==&lt;br /&gt;
 [[Datei:Konzepticons-mit-kreis 221.png |100px|rahmenlos|rechts]]&lt;br /&gt;
=== Orientierung im „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zitat ist in das zweite Kapitel „Konzept Funktionale Anatomie“ eingebettet. Bei diesem Konzept ist grundsätzlich Folgendes von Bedeutung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Kinaesthetics betrachtet die Anatomie aus einer funktionalen Perspektive, d. h., die erfahrbaren und wahrnehmbaren Aspekte des Körperbaus bilden den Inhalt des Konzeptes Funktionale Anatomie.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Unterkapiteln „[[Knochen und Muskeln]]“, „[[Massen und Zwischenräume]]“ und „Haltungs- und Transportbewegungsebenen“ wird dem Fachbegriff Orientierung das vierte und letzte Kapitel gewidmet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;“2.4. Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Entstehung des Begriffes &#039;&#039;&#039;Orientierung&#039;&#039;&#039; hängt mit der Tatsache zusammen, dass&amp;lt;br&amp;gt;sich der Mensch – insbesondere auf seinen Reisen – seit frühester Zeit an der&amp;lt;br&amp;gt;aufgehenden Sonne (Orient, Osten) bzw. an den Himmelsrichtungen und den&amp;lt;br&amp;gt;Himmelskörpern auszurichten pflegte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung kann also die Fähigkeit bezeichnen, sich im äußeren Raum und in der&amp;lt;br&amp;gt;Zeit zurechtfinden zu können. Die räumlich-zeitliche Orientierungsfähigkeit&amp;lt;br&amp;gt;beantwortet Fragen wie: ‚Wo befinden wir uns? In was für einer Umgebung befinden&amp;lt;br&amp;gt;wir uns? Welchen Weg sollen wir einschlagen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen?‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics versteht unter Orientierung aber auch die Fähigkeit, sich im eigenen&amp;lt;br&amp;gt;Körper, im inneren Raum bzw. an den Sachverhalten der funktionalen Anatomie&amp;lt;br&amp;gt;orientieren zu können. Diese körperliche Orientierungsfähigkeit setzt sich mit Fragen&amp;lt;br&amp;gt;auseinander wie: ‚In welcher Position befindet sich unser Körper? Wie und mit&amp;lt;br&amp;gt;welcher Anstrengung ist dabei die Gewichtsabgabe unserer [[Massen und Zwischenräume|Massen]] organisiert? Wie&amp;lt;br&amp;gt;und in welche Richtung sollen wir unsere Körperteile bewegen, um ein Ziel zu&amp;lt;br&amp;gt;erreichen?‘&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics geht davon aus, dass diese körperlichen Orientierungsfähigkeiten&amp;lt;br&amp;gt;ständige Prozesse sind, die auf Bewegung, auf der Bewegungswahrnehmung (und&amp;lt;br&amp;gt;der gesamten Sinneswahrnehmung) beruhen. Nach dieser Annahme sind wir bewusst&amp;lt;br&amp;gt;oder unbewusst konstant damit beschäftigt, die Orientierung oder die ‚richtige&amp;lt;br&amp;gt;Richtung‘ unserer Bewegungen nicht zu verlieren. Die körperliche Orientierung stellt&amp;lt;br&amp;gt;die Grundlage dafür dar, dass ein Mensch sich im äußeren Raum und generell in der&amp;lt;br&amp;gt;Welt, z. B. in Gesellschaft und Kultur, orientieren kann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft macht sich dieser Prozess erst bei einem Orientierungsverlust deutlich&amp;lt;br&amp;gt;bemerkbar. Eine schwere Verletzung kann unsere körperliche Orientierung, d. h. die&amp;lt;br&amp;gt;Fähigkeit zu einer zielgerichteten Bewegung der unverletzten Glieder, sowie die&amp;lt;br&amp;gt;räumlich-zeitliche Orientierung, und damit unser Wohlbefinden im wahrsten Sinne&amp;lt;br&amp;gt; des Wortes lahmlegen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Oben und unten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die körperliche Orientierung bezüglich ‚oben‘ und ‚unten‘ basiert auf der&amp;lt;br&amp;gt;Erfahrung der spezifischen Anordnung der einzelnen Massen: ‚Oben‘ ist der Kopf,&amp;lt;br&amp;gt;dann folgt der Brustkorb und das Becken, ‚unten‘ sind die Beine bzw. die Füße. Da&amp;lt;br&amp;gt;diese Anordnung unabhängig davon ist, in welcher Position oder räumlichen Lage&amp;lt;br&amp;gt;sich ein Mensch befindet, kann die körperliche Orientierung in einem Widerspruch&amp;lt;br&amp;gt;zur räumlichen Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ stehen, die sich aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Außenperspektive ergibt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die räumliche Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ wird durch die konstante Wirkung&amp;lt;br&amp;gt;der Schwerkraft bestimmt, die unser Leben in einem hohen Ausmaß prägt. ‚Unten‘&amp;lt;br&amp;gt; definiert sich durch die Richtung der Schwerkraft, ‚oben‘ durch die Gegenrichtung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bezüglich der räumlichen und körperlichen Orientierung fällt auf: Die Extremitäten&amp;lt;br&amp;gt;sind symmetrisch angeordnet und unterstützen in einem analogen Muster die&amp;lt;br&amp;gt;Steuerung des Gewichtes der zentralen Massen in der Schwerkraft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Arme sind seitlich mit dem Brustkorb verbunden und unterstützen die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtssteuerung des Brustkorbes. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Beine sind seitlich mit dem Becken verbunden und sind für die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsverlagerung des Beckens hilfreich. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Ohren sind sozusagen die nach innen gestülpten Extremitäten des Kopfes&amp;lt;br&amp;gt;und unterstützen durch den Gleichgewichtssinn im Innenohr die Steuerung des&amp;lt;br&amp;gt;Kopfes bzw. die Orientierung in der Schwerkraft. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Unterscheidung zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘ kann der Mensch immer auf&amp;lt;br&amp;gt;die innere, körperliche oder auf die äußere, räumliche Orientierung zurückgreifen.&amp;lt;br&amp;gt;Diese können in einem Widerspruch zueinander stehen. Aufstehen hat aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Innenperspektive betrachtet kaum etwas mit einem vertikalen Hochheben der&amp;lt;br&amp;gt;Massen gegen die Schwerkraft zu tun, wie man es von außen betrachtet vielleicht&amp;lt;br&amp;gt;beschreiben würde. Die Ausführung von Aktivitäten erfordert stets die Orientierung&amp;lt;br&amp;gt;an den eigenen, körperlichen und an den äußeren, räumlichen Bedingungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Vorne und hinten: Vorderseiten und Rückseiten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics definiert die Vorder- und Rückseiten unserer Massen aufgrund der&amp;lt;br&amp;gt;unterschiedlich erfahrbaren Eigenschaften und Aufgaben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Seiten der Massen, die überwiegend als hart, knochig und stabil erfahrbar sind,&amp;lt;br&amp;gt;werden als Rückseiten bezeichnet. Hier liegen v. a. Streckmuskeln. Die Vorderseiten&amp;lt;br&amp;gt;tragen die Merkmale weich, instabil und anpassungsfähig. Hier sind hauptsächlich&amp;lt;br&amp;gt;Beugemuskeln vorhanden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den zentralen Massen Kopf, Brustkorb und Becken lassen sich die Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten einfach erfahren und entsprechen der gängigen Vorstellung von vorne&amp;lt;br&amp;gt;und hinten. Bei den Extremitäten aber ist ein spiraliger Verlauf der Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten beobachtbar. Deshalb weichen hier die Definitionen z. T. von unseren&amp;lt;br&amp;gt;gängigen Vorstellungen ab.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:22-detail-vorne-hinten.jpg|180px|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den Rückseiten der Massen liegen die Knochen&amp;lt;br&amp;gt;ziemlich direkt und großflächig unter der Haut. Dadurch&amp;lt;br&amp;gt;eignen sich die Rückseiten eher dazu, das Gewicht zu&amp;lt;br&amp;gt;tragen und es auf eine Unterstützungsfläche abzugeben.&amp;lt;br&amp;gt;Auf den Vorderseiten sind mehr Muskeln erfahrbar. Sie&amp;lt;br&amp;gt;haben deshalb die Funktion, das Gewicht auf die&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten zu leiten und Anpassungen der&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsorganisation zu gestalten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Hand- und Fußflächen besitzen sowohl&amp;lt;br&amp;gt;Vorderseiten- als auch Rückseiten-Qualitäten.&amp;lt;br&amp;gt;Nur deshalb ist es möglich, unser&amp;lt;br&amp;gt;Körpergewicht in Balance zu halten, wenn wir auf den&amp;lt;br&amp;gt;Füßen stehen. Die Hand- und Fußflächen gehören zu&amp;lt;br&amp;gt;den empfindlichsten Zonen des kinästhetischen&amp;lt;br&amp;gt;Sinnessystems.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der spiralförmige Verlauf von&amp;lt;br&amp;gt;Vorder- und Rückseiten ist&amp;lt;br&amp;gt;der Hauptgrund dafür, dass Menschen grundsätzlich&amp;lt;br&amp;gt;über eine unendliche Vielfalt von&amp;lt;br&amp;gt;Bewegungsmöglichkeiten oder -varianten verfügen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein angepasstes Zusammenspiel der Funktionen der Vorder- und Rückseiten während&amp;lt;br&amp;gt;einer Aktivität macht es möglich, diese mit wenig Kraftaufwand und größtmöglicher&amp;lt;br&amp;gt;Kontrolle in der Schwerkraft zu gestalten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 26 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“ ===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus den Arbeitsunterlagen „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen“. Das erste Zitat stammt aus dem Kapitel „Einführung in das Aufbaumodul Demenz 3“ der Einleitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„&amp;lt;big&amp;gt;Die eigene Orientierung suchen&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; […] Die eigene Orientierung auf unterschiedlichsten Ebenen zu suchen, ist für die Menschen mit Demenz oft ein Hauptthema des Alltags. Somit muss es ein Anliegen der Pflege und Betreuung sein, sie verständnisvoll darin zu unterstützen, in ihren alltäglichen Aktivitäten die Orientierung erfolgreich zu suchen und dadurch Lebensqualität zu gewinnen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus biologischer Perspektive verfügen alle Lebewesen über ein Orientierungsvermögen. Es ist eine Grundbedingung des Lebens. Für das Lebewesen bedeutet es, die eigene Bewegung (inklusive des eigenen Wachstumes bei Pflanzen) an physikalischen, chemischen oder anderen Gegebenheiten und Prozessen ausrichten zu können. Die Grundlage des Orientierungsvermögens bildet die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) bzw. irgendeine Form der Eigenwahrnehmung (Propriozeption).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Die Bedeutung der inneren körperlichen Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;In der Kinästhetik wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch seine innere körperliche Orientierung lebenslang weiterentwickelt. Bei der Frage, ob die Entwicklung in Richtung eines differenzierteren oder zunehmend undifferenzierteren Orientierungsvermögens geht, spielen die Bewegungswahrnehmung und die Qualität der eigenen Bewegung eine zentrale Rolle. Es geht darum, ein inneres körperliches Verständnis für passende Bewegungsrichtungen im aktuellen Moment zu entwickeln. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Annahme ist, dass die Orientierung an den eigenen Bewegungsmöglichkeiten bzw. an den Eigenschaften und Funktionen der eigenen Anatomie grundlegend für das gesamte Orientierungsvermögen ist. Diese Perspektive hat für professionelle Bezugspersonen von Menschen mit Demenz eine hohe Bedeutung. Sie können lernen, die alltäglichen Unterstützungsangebote orientierungsfördernd zu gestalten bzw. die einzelne Person mit Demenz individuell und konkret in ihrer Suche nach der eigenen Orientierung auf allen Ebenen zu unterstützen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; European Kinaesthetics Association (Hg.) (2022) &#039;&#039;&#039;: Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen. Arbeitsunterlagen. Unter Mitarbeit von Franziska Gysin, Christine Grasberger, Brigitte Marty-Teuber, Stefan Marty-Teuber, Sabine Siemann, Erich Weidmann. Linz (AT), Winterthur (CH): Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903052-48-2. S. 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus den Begleittexten des Kapitels „Teil 1: Was ist Orientierung?&amp;quot;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Orientierung – ein vielschichtiger Prozess &amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Beispiel: &amp;lt;br&amp;gt;Wir wollen erfolgreich und sicher auf einen Berg hinauf- und wieder hinuntersteigen. Dabei müssen wir uns bzw. unsere Bewegung ständig an den unterschiedlichsten Dingen orientieren. Unsere Bewegung orientieren wir z. B. ununterbrochen an der Beschaffenheit und der Richtung des Weges. Wir orientieren uns an Wegweisern und Karten, daran, wie schnell wir im Verhältnis zur Gesamtstrecke vorankommen und wie fit wir noch sind, an BergsteigerInnen, die uns entgegenkommen, an der Entwicklung des Wetters usw. [im Original alles kursiv]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Im Allgemeinen bezeichnet Orientierung die Fähigkeit, sich selbst an unterschiedlichsten Gegebenheiten oder Vorgängen ausrichten zu können, um ein Ziel zu erreichen oder eine Absicht zu verwirklichen. In unserem Alltag sind wir bewusst oder unbewusst ständig damit beschäftigt, uns auf unterschiedlichen Ebenen zu orientieren bzw. die eigene Orientierung zu suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundfragen dabei sind, woher wir kommen, wo wir sind und wohin wir gehen wollen oder wie wir unseren Weg fortsetzen können. Dies gilt im konkreten räumlichen Sinn, aber auch im übertragenen Sinn für alle anderen Orientierungsprozesse. Diese Fragen stellen sich bei der inneren körperlichen Orientierung, wenn wir unsere Bewegung bei jeder alltäglichen Aktivität an den Eigenschaften und Funktionen unserer eigenen Anatomie orientieren. Sie stellen sich ebenso, wenn wir unser Verhalten an äußeren räumlichen Gegebenheiten orientieren, am Fortschreiten der Zeit, an den ‚Spielregeln‘ einer bestimmten Situation (situative Orientierung), an unseren eigenen Lebenserfahrungen oder an der Beziehung, die wir zu anderen Personen haben (Orientierung zur Person). &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch diese Orientierungsprozesse bzw. durch die fortlaufende Auseinandersetzung mit den Grundfragen der Orientierung entsteht gewissermaßen eine kontinuierliche innere Spur. Sie erlaubt uns, unser Leben in unserem Umfeld stimmig und passend zu gestalten. Wenn diese innere Einheitlichkeit und Kontinuität unüberbrückbare Unterbrechungen oder Lücken aufzuweisen beginnt, wird dies schwierig. Dann sind wir damit konfrontiert, unsere Orientierung immer wieder in der aktuellen Situation suchen zu müssen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:AMD3-Orientierung-Wandern.jpeg|300px|rahmenlos|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Abb. 1: Eine Wanderung erfordert fortlaufend innere körperliche Anpassungsfähigkeit im Zusammenspiel mit der ständigen Orientierung in der Umgebung. Die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) läuft sozusagen auf Hochtouren und damit einhergehend die innere körperliche Orientierung. Sie gilt in der Kinästhetik als Grundlage des Orientierungsvermögens.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Unabdingbare Voraussetzung aller Orientierungsprozesse ist, dass wir uns selbst in unserer Umgebung wahrnehmen können […]. Nur dadurch sind wir dazu imstande, unser Verhalten an unseren Bewegungsmöglichkeiten in der jeweiligen Umgebung, an unserer aktuellen Befindlichkeit, aber auch an unserer persönlichen Erfahrungs- und Lerngeschichte zu orientieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierung hängt eng mit der Orientierung an äußeren Umständen und Prozessen wie an der Beschaffenheit des Raumes, der Tageszeit oder am Verhalten anderer Menschen zusammen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Ebenen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Die innere körperliche Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Aus der Perspektive der Kinästhetik besteht die grundlegende Ebene des menschlichen Orientierungsvermögens darin, dass wir unsere eigene Bewegung und unser ganzes Verhalten an bestimmten Gegebenheiten unseres eigenen Körpers orientieren. Diese Gegebenheiten sind die Eigenschaften und Funktionen unserer Anatomie. Es geht um die Frage, wie wir – als verkörperte Wesen in dieser Welt – uns in unserem Körper und in uns selbst zurechtfinden. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierungsfähigkeit ist im allgemeinen Bewusstsein weniger verankert, hat aber für die alltägliche Lebensqualität des einzelnen Menschen eine grundlegende Bedeutung. Bewusst oder unbewusst sind wir bei der Ausführung jeder alltäglichen Aktivität konstant damit beschäftigt, die richtige Richtung zu suchen, in der wir unsere Körperteile bewegen können. Die innere körperliche Orientierung entsteht dadurch, dass wir unsere Bewegung fortlaufend an passenden eigenen Bewegungsmöglichkeiten in der Schwerkraft der Erde ausrichten. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundlage für die Orientierung im eigenen Körper ist die Bewegungswahrnehmung bzw. das zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem. Die körperliche Orientierung beschränkt sich somit nicht auf die motorische ‚Mechanik‘, sondern ist ein ganzheitliches, den ganzen Menschen einbeziehendes Phänomen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sich an den Bewegungsmöglichkeiten des eigenen Körpers zu orientieren, erfordert allerdings im Vergleich mit anderen Ebenen der Orientierung in geringerem Maß kognitive Leistungen bzw. ein bewusstes Erinnerungsvermögen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Orientierung im eigenen Körper wird besonders deutlich, dass jede Art der Orientierung immer vom einzelnen Menschen geleistet werden muss und von seinen individuellen Möglichkeiten im aktuellen Moment abhängig ist. Man kann einen Menschen bei der Orientierungssuche unterstützen, aber man kann niemandem Orientierung geben. Er muss sie in sich selbst finden.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Herkömmliche Unterteilungen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; Es ist gängig, das Orientierungsvermögen des Menschen zu unterteilen, um es differenzierter zu beschreiben oder auch in Pflegedokumentationen festzuhalten. Dabei sind die folgenden Begrifflichkeiten allgemein gebräuchlich:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Räumliche oder örtliche Orientierung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Zeitliche Orientierung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Orientierung zur eigenen Person und zum persönlichen Beziehungsnetz (auch als soziale Orientierung bezeichnet)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Situative Orientierung: Das angemessene Ausrichten des eigenen Verhaltens an einer bestimmten Situation&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Diese Unterteilung macht deutlich, dass Orientierung auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet, aber auch ein sehr komplexes Phänomen ist. Mit ein Grund ist, dass die Aspekte, die durch diese Unterteilung unterschiedenen werden, sich im alltäglichen Leben überschneiden und kombinieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Die herkömmlichen Unterteilungen des Orientierungsvermögens vernachlässigen oft die innere körperliche Orientierung als grundlegenden Aspekt. In der Kinästhetik wird von der Annahme ausgegangen, dass die Qualität der körperlichen Orientierung einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie sich ein Mensch am Raum, an der Zeit usw. orientieren kann.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 12 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Kapitel „Teil 3: Bewegungskompetenz und lebenslange Orientierungssuche&amp;quot;. Die vorhergehenden Absätze beleuchten das Thema [[Parallele und spiralige Bewegungsmuster|Bewegungsmuster]], hier wird die Bedeutung der Bewegungsmuster für Orientierung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;„Bedeutung für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz:&amp;lt;/big&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;[…] Für das fortlaufende Suchen ihrer Orientierung ist es von hoher Bedeutung, in welcher Qualität sie [eine Person mit Demenz, Anm. d. Red.] ihre Bewegung wahrnehmen, gestalten und sich so in sich selbst orientieren kann. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Nach dieser Grundhaltung steht im Zentrum, dass jede Unterstützung einer Person mit Demenz als ein Lernangebot verstanden und gestaltet wird. Wenn Menschen mit Demenz in ihren alltäglichen Aktivitäten eine für sie im Moment passende Unterstützung erhalten, können sie lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten zu nutzen und an ihre aktuelle Situation anzupassen. Hier liegt ein großes Potenzial dafür vor, dass sie bis zuletzt erfolgreich ihre innere körperliche Orientierung suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein individuell angepasstes Unterstützungsangebot in diesem Sinn gestalten zu können, stellt hohe Anforderungen an die Bewegungskompetenz und das Bewegungsverständnis der Bezugspersonen. Sie sind insbesondere gefordert, ihre Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auf ihre eigene Bewegung zu lenken, um diese fortlaufend differenziert an die Orientierungssuche der betreffenden Person anzupassen. &amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 36 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Orientierung in „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 finden sich die ersten Beschreibungen von Prinzipien, die heute Konzepte genannt werden. Der Vergleich dieser Schrift mit dem heutigen Verständnis zeigt sehr deutlich die inhaltliche Entwicklung der Kinästhetik. Prinzipien, Kontexte, Anwendungsbereiche und Übungen werden innerhalb der einzelnen Texte direkt in Verbindung miteinander gebracht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relevante Zitate===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus dem Buch „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“. Das erste Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist Teil des Textes der Einführung des gesamten Beitrags von Suzanne Schmidt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4. Grundprinzipien &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Prinzipien, welche wir in der Kinästhetik benützen, sollen in einem bestimmten Sinn verstanden und angewandt werden, nämlich als eine Art ‚Werkzeug‘, um Menschen zu helfen, Beziehungsmuster zu entdecken und bewusst zu erleben. Das Bewegen, das Lernen und selbst das In-Beziehung-Treten mit andern Menschen wird dadurch leichter, effektiver und klarer. [...]“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Zitat ist ebenso in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet und ist Teil des ersten Unterkapitels „[[Wahrnehmung]]“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.1. Wahrnehmung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir sind mit verschiedenen Sinnen ausgerüstet, die uns alle auf ihre besondere Art Reize über die belebte und die unbelebte Umwelt vermitteln: Augen, Ohren, Nase, Geschmacksknospen und die Haut. Wir nehmen die sensorischen Reize auf, in dem wir sie in Bewegung umsetzen. Unter Bewegung verstehen wir die Ortsveränderung in einer gewissen Zeiteinheit (Veränderung der Rezeptoren in Bezug auf Umgebung und Veränderung der Umgebung in Bezug auf die Rezeptoren). Erst durch Bewegung können wir einen Reiz vom andern unterscheiden, Reize auswählen und Reize erzeugen. Es ist nicht so, dass die Reize in uns hineinfallen und passiv von uns aufgenommen werden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Sinnessystem, durch welches wir uns von innen wahrnehmen können, ist der kinästhetische Sinn. Es nimmt insofern einen besonderen Platz innerhalb aller Sinnessysteme ein, als es das einzige ist, ohne das wir nicht leben könnten. Es gibt uns das Gefühl, für unser eigenes Selbst und integriert alle sensorischen Funktionen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das dritte Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Orientierung im Körper“ einschließlich der beschriebenen Übung „Wasch-Ritual“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.2. Orientierung im Körper&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung hat viel zu tun mit Kontext. Unser Verhalten, und wie wir ein Erlebnis einordnen, ist abhängig von unserem Verständnis von Orientierung bei irgendeiner Aktivität. Unsere Orientierung bildet gewissermassen einen Rahmen (eben den Kontext) für unser Erleben. Sie beeinflusst, worauf wir achten mit unseren Sinnen, welchen Sinn wir dem Erlebten geben und wie wir darauf antworten.&amp;lt;br&amp;gt;Die gängige Orientierung des Menschen in unserer Kultur bezieht sich auf die Umgebung. Zum Beispiel: Erde, Fussboden sind unten - Himmel, Zimmerdecke oben. Das bedeutet, dass wenn wir eine Position verändern, wir uns danach richten. Oft entspricht dies nicht der Struktur unseres Körpers und führt zu grosser Anstrengung. Steht hingegen der eigene Körper bzw. die. menschliche Bewegung im Zentrum der Orientierung anstelle der Umgebung, können wir uns mit mehr Leichtigkeit und Grazie bewegen. Hier ein Beispiel: Wenn wir von einem Stuhl aufstehen, geht unsere Anstrengung zur Zimmerdecke hoch. Wir bewegen uns in einer geraden Linie, was nicht der menschlichen Bewegungsart entspricht. Versuchen wir hingegen, unser Gewicht über die Füsse zu bringen, was unserer Körperstrukturierung entspricht (wir stehen von unten nach oben), wird unsere Anstrengung, ins Stehen zu kommen, wesentlich kleiner.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-stehend.png|250px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oben im Körper bedeutet der oberste Punkt unseres Körpers auf dem Scheitel - unten demnach der am weitesten entfernte Punkt am anderen Ende: Spitze der Grosszehe oder zweiten, evtl. dritten Zehe. Vorne ist immer dort wo die Vorderseite des Körpers ist, hinten dort wo die Hinterseite des Körpers ist, egal in welcher Position wir sind.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-liegend.png|400px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Unterscheidung vorne - hinten ist bestimmt durch die Muskelfunktion. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorne liegende Muskulatur umfasst alle Beugemuskeln. Sie übernehmen die Aufgabe der Anpassung an die Umwelt. Zudem ist die Vorderseite weicher, offener, verletzlicher, differenzierter. Mit ihr treffen wir die Aussenwelt (z.B. mit Handflächen oder Fusssohlen).&amp;lt;br&amp;gt;Zur hinten liegenden Muskulatur gehören alle Streckmuskeln. Sie sind verantwortlich für Stabilität und Gleichgewicht. Die Hinterseite ist runder, abgeschlossener, härter, geschützter und trägt das Gewicht.&amp;lt;br&amp;gt;Im Kopf und Rumpf ist dieses Muster leicht zu erkennen. In den Extremitäten allerdings verläuft diese Trennung zwischen vorne und hinten in einem Spiralmuster. Dies ist prägend für die Art und Weise wie wir unsere Arme und Beine benützen können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Übung: Wasch - Ritual &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Setze dich an einen bequemen Ort. Hit deiner rechten Handfläche fährst du von der Gesichtsmitte über die linke Gesichtshälfte nach hinten oben zum Scheitel und dann nach unten über die linke Hinterhauptshälfte, dem Hals entlang bis auf die Schulter. Du kannst diese Streichung mehrmals wiederholen und dabei abwechslend deine Wahrnehmung auf das Gesicht, den Kopf, den Hals richten oder auf die Handfläche. Dann lege eine kurze Pause ein, um den Unterschied zwischen linker und rechter Kopfseite wahrzunehmen. Du spürst vielleicht Wärme, Lebendigkeit, Entspannung usw. auf der linken Seite.&amp;lt;br&amp;gt;Als nächsten Schritt fahre mit deiner rechten Handfläche von der linken Schulter über die Aussenseite (Hinterseite) des Oberarms, des Unterarms, über den Handrücken und über die linke Handfläche, Innenseite (Vorderseite) des Unterarms, Oberarms bis zu Achselhöhle. Auch diese Streichung kannst du mehrmals wiederholen mit wechselnder Aufmerksamkeit wie oben beschrieben und anschliessender Pause zum vergleichenden Wahrnehmen.&amp;lt;br&amp;gt;In einer nächsten Etappe fahre mit beiden Handflächen unter der linken Achselhöhle nach hinten zum linken Schulterblatt, fahre über deine linke Rückenhälfte nach unten, über deine linke Gesässbacke, die Aussenseite (Hinterseite) des linken Oberschenkels, das Knie, Schienbein, den Fussrücken (alles Hinterseite des Beines) zu den Zehenspitzen. Wiederhole, variiere in deiner Wahrnehmung und mache eine Pause zum Vergleichen.&amp;lt;br&amp;gt;Dann fahre mit deinen Handflächen über die linke Fussohle, Wade, Innenseite (Vorderseite) des Oberschenkels, über die linke Rumpfseite, Hals bis zum Gesicht.&amp;lt;br&amp;gt;Dann lege dich flach auf den Boden und nimm den Unterschied zwischen deiner linken und rechten Körperhälfte wahr.&amp;lt;br&amp;gt;Anschliessend gehe durch das gleiche Ritual auf der rechten Körperseite, mit der linken Hand beginnend. Diese Streichungen entsprechen gleichzeitig dem Verlauf der Muskulatur, wirken organisierend und klärend.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Rechts und links beziehen wir interessanterweise immer auf unseren Körper, sofern wir keinen anderen Bezugspunkt nennen. Wie, d.h. an was wir uns orientieren, ist besonders wichtig, wenn wir uns mit anderen Menschen bewegen wollen und dabei unsere Positionen im Raum verändern.&amp;lt;br&amp;gt;Wir nehmen uns selber wahr durch die Bewegung. Alles was wir erleben, erleben wir durch den Unterschied zwischen unserer eigenen Bewegung und der Bewegung ausserhalb von uns (lebendige wie auch nicht lebendige Umgebung). Wenn wir uns bewegen, indem wir uns im Körper orientieren - wo oben immer oben, vorne immer vorne bleibt usw. - erleben wir die Bewegung als etwas Klares, Einfaches. Wir erfahren unsere Person als klar abgegrenzt von der Umgebung. Dies wirkt sich auch auf unsere Fähigkeit aus, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Zitat ist in das fünfte Kapitel „Anwendungen“ eingebettet. Das vorausgehende Unterkapitel beleuchtet das Thema „Kinästhetik in der Rehabilitation“.Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“ und beleuchtet das Thema Kinästhetik und Lernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„2. Was hat Kinästhetik der Sonderschule zu bieten? &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2.1. Bewegung und Berührung als zentrales Arbeitsmedium.&amp;lt;br&amp;gt;[...]&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kinästhetik benützt Bewegung und Berührung als entscheidende Medien, um Lernen zu unterstützen und zu fördern.&amp;lt;br&amp;gt;So erhalten sie für die Förderung behinderter Schüler einen Stellenwert, wie er bislang in der Schule kaum gesehen wird.&amp;lt;br&amp;gt;Ein Kind hat grosse Schwierigkeiten, lesen zu lernen, wenn ihm nicht alle seine sensorischen Systeme behilflich sind, um die Schriftzeichen auf der Lesebuchseite zu verarbeiten. Je mehr seine sensorischen Systeme zusammenarbeiten, desto mehr kann es quantitativ lernen, und desto leichter fällt es ihm.&amp;lt;br&amp;gt;Das Lernen beginnt mit der Schwerkraft und dem Körper. In aufrechter Stellung zu sitzen oder aber eine Rassel zu schütteln oder Treppen abwärts zu gehen oder einen Bleistift zu halten, fördern die Aufnahmefähigkeit des Gehirns, um komplexere Dinge lernen zu können.&amp;lt;br&amp;gt;Mit der auf dem sensomotorischen Niveau entwickelten Aufnahmefähigkeit des Gehirns ist das Kind dann besser vorbereitet zu lernen, wie man zwei Zahlen addiert oder wie man einen Satz schreibt, aber auch wie man Beziehungen zu Freunden aufnimmt.&amp;lt;br&amp;gt;(Ayres, A.J. 1984, S.66)“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fünfte Zitat ist ebenso eingebettet in das fünfte Kapitel „Anwendungen“. Die vorausgehenden Unterkapitel beleuchten die Themen Kinästhetik in der Rehabilitation“ und „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“. Das Zitat ist der Text des dritten Unterkapitels „Kinästhetik in der Krankenpflege“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„5.3. KINÄSTHETIK IN DER KRANKENPFLEGE &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;[...]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung im eigenen Körper:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn ein Mensch sich bewegt oder bewegt wird, indem die Richtung auf - ab, vorwärts - rückwärts, links - rechts auf seinen eigenen Körper bezogen, eingehalten wird, geschieht die Bewegung mühelos.&amp;lt;br&amp;gt;Besonders wichtig wird dieses Prinzip, wenn wir am Bett stehend gemeinsam mit dem liegenden Patienten etwas unternehmen wollen, denn sein Verhältnis zu &amp;quot;oben&amp;quot; im Raum ist nicht dasselbe wie unseres. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Information statt Anstrengung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kenntnis der Anatomie und der Bewegungsabläufe erleichtert das Umlagern und Bewegen eines Patienten so sehr, dass der/die Pflegende den Patienten mit minimaler Anstrengung umlagern und bewegen kann: Wenn ich weiss, dass und wie mein Patient sich drehen kann, ist es mir möglich, ihn aus der Badewanne zu &amp;quot;führen&amp;quot;, obwohl er sich vielleicht wegen seiner Fettleibigkeit &#039; nicht genügend vornüber beugen kann, um auf die Füsse zu kommen. Ich folge und entspreche seinen Möglichkeiten und führe ihn weiter, weil ich weiss, was möglich ist - so kommen wir gemeinsam zum Ziel. Das Gewicht läuft immer durch die Knochen des Patienten, ich zeige ihm mit meinen Händen die Richtung der Bewegung. Besonders wichtig ist dabei, dass ich den Patienten an seinen Massen führe. Nur so können seine Körperteile einander folgen.&amp;lt;br&amp;gt;Es ist verblüffend zu erfahren, wie leicht sich ein Patient drehen lässt, wenn ich weiss, wo ich ihn anfassen und in welche Richtung ich ziehen muss.&amp;lt;br&amp;gt;Eine wesentliche Hilfe für die Krankenpflege bietet die Einsicht, dass menschliche Fortbewegung, egal auf welcher Ebene, immer durch Gehen in Schritten stattfindet. Das heisst für die pflegende Person, dass jede Lageveränderung in kleinen Schritten geschehen kann, verbunden mit Gewichtsverlagerung. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kommunikation durch Berührung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Sprache der Berührung versteht der Mensch zwanzigmal schneller, als Information, die durch einen anderen Sinn aufgenommen wird. Klare, bewusste Berührung ist eine sehr wirksame Art der Kommunikation und ist auch bei geistig reduzierten und schwerhörigen Patienten anwendbar. Verwirrte Patienten können zu mehr Klarheit finden durch Berührung als einziges Kommunikationsmittel.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Umgebung verändern - Hindernisse wegräumen &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich versuche immer, die Umgebung dem Patienten anzupassen. Beispielsweise räume ich alle möglichen Hindernisse aus dem Weg (Kissen, Möbel usw.) oder ordne sie so an, dass sie uns für unser Vorhaben dienen.&amp;lt;br&amp;gt;Das heisst auch, dass ich Kissen und Tücher benütze, um das Bett den Bedürfnissen des Patienten anzupassen.&amp;lt;br&amp;gt;Mit diesem Konzept ist es auch möglich, Verspannungen des Patienten zu lösen und Schmerzen zu vermeiden.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Ohne ISBN. Nachdruck 2009. S. 12, 15-17, 38-39, 47-48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
Im vierten Zitat wird eine der Bedeutungen des Themas beschrieben. Es besteht eine inhaltliche Verbindung, auch wenn der Begriff Orientierung nicht explizit erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Konzeptsystem]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgewählte weiterführende Literatur==&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Asmussen-Clausen, Maren (2009):&#039;&#039;&#039; Praxisbuch Kinaesthetics. Erfahrungen zur individuellen Bewegungsunterstützung auf Basis der Kinästhetik. 2. Auflage. München, Jena: Elsevier, Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-27570-8. S. 38 ff S. 130, S. 148, S. 175. S.40 und 46&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny (2003):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten. Übersetzung: Ute Villwock, Elisabeth Brock. 2., komplett überarbeitete Auflage. München, Jena: Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-31467-4. S. 46 ff, S. 106, S. 134.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4. S. 93 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kommentare, Auswertung und offene Fragen==&lt;br /&gt;
Aus unserer Sicht scheint die Unterscheidung zwischen der Orientierung nach Innen (im Körper) und Orientierung nach Außen (im Raum) im Zusammenhang mit Bewegung im Kontext des Fachgebiets Kinästhetik von grundlegender Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei geht es um  Fragen wie: Woran orientiere ich mich? Woran richte ich mich aus? Woran kann ich etwas messen? Womit kann ich vergleichen? Womit kann ich abgleichen? Wie kann ich die Gewichtsverlagerung in mir differenziert wahrnehmen? Wie erfahre ich die möglichen Richtungen? Kann ich merken, wann ich die Richtung ändern kann? Wie oft braucht es eine Richtungsänderung? etc.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Erfahren_(Begriff)&amp;diff=5158</id>
		<title>Erfahren (Begriff)</title>
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		<updated>2024-06-05T14:03:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Stefan Marty-Teuber/Dagmar Panzer}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten zur Herkunft und Bedeutung des Begriffs Erfahren/ Erfahrung. Das Zitat ist ein Artikel zum Thema aus der Zeitschrift „lebensqualität “&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahren/Erfahrung in der Zeitschrift „lebensqualität“ ==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus der Zeitschrift „lebensqualität“. Es ist ein Beitrag zu einer Serie mit dem Titel „wörterwurzeln“. Er ist mit „Erfahren: Von der Piratin zur Expertin“ überschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Die eigene Bewegung bewusst und unmittelbar zu erfahren, ist in Kinaesthetics Grundlage und Ausgangspunkt des Lernens. Stefan Marty- Teuber geht der Herkunft des Wortes „erfahren“ nach und stößt auf einen wissenschaftlich kaum problematischen Blumenstrauß von Furten, Pforten und Poren, experimentellen ExpertInnen und empirischen PiratInnen.&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;‚erfahren/Erfahrung‘ heute.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Es scheint mir wichtig, an erster Stelle die aktuelle Verwendung von ‚erfahren/Erfahrung‘ zu klären. Am häufigsten verwendet die deutsche Sprache nämlich das Verb in der Bedeutung ‚Kenntnis erhalten, mitgeteilt/ zu wissen bekommen‘, und zwar besonders im Zusammenhang mit wichtigen Neuigkeiten (vgl. ‚ich habe es aus der Presse erfahren‘). Am zweithäufigsten und eher in gehobener Sprache tritt ‚erfahren‘ im Sinne von ‚an sich selbst erleben, zu spüren bekommen‘ auf. An diese Zweitbedeutung schließen in Kinaesthetics die Ausdrücke ‚die eigene Bewegung erfahren/[[Bewegungserfahrung]]‘ an. Natürlich ist das eine treffende, aber nicht allgemein gängige Kombination. Im Alltag der deutschen Sprache finden sich häufiger Fügungen wie ‚Glück/Unglück, Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit, Freude/Leid erfahren; gute und schlechte Erfahrungen‘ u. Ä. Und schließlich gibt es eine abgeschwächte Bedeutung ‚eine Veränderung mitmachen‘. So können zum Beispiel PatientInnen eine Behandlung, Bücher eine Überarbeitung und Umsätze eine Steigerung erfahren. Bemerkenswert ist, dass das Substantiv ‚Erfahrung‘, sowohl das unmittelbare Erleben (vgl. ‚das war eine bittere Erfahrung‘) als auch – nur in einem positiven Sinn – die Routine, Kenntnis oder Kompetenz bezeichnet, die man durch das vielfache Er- und Durchleben einer Sache gewonnen hat (vgl. ‚sie verfügt über viel Erfahrung, wir müssen uns ihre Erfahrung zunutze machen‘). Hier verbindet sich das (wiederholte) unmittelbare Erleben und Tun ganz eng mit der Idee des Lernens und Kompetenzgewinns. Ganz entsprechend bezeichnet das Adjektiv ‚erfahren‘ kundige, versierte und in ihrem Gebiet bewanderte Personen. Aber mit diesen Feststellungen sind wir schon mitten in der Herkunft des Wortes angelangt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Sich fortbewegen.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Das in allen germanischen Sprachen existierende Verb ‚fahren‘ (zum Beispiel althochdeutsch faran, englisch to fare, schwedisch fara) bezeichnete ursprünglich jede Art von Fortbewegung wie gehen, reiten oder mit einem Wagen fahren. Wie immer im Herbst sind hier in der Schweiz vor kurzem die SennInnen mit dem Vieh von ihren Alpen gefahren (sogenannte Alpabfahrt, aber nicht etwa mit Fahrzeugen, sondern zu Fuß). Hierin und in anderen Ausdrücken – zum Beispiel im Blitz, der vom Himmel fährt – zeigt sich noch heute die ursprüngliche sehr breite Bedeutung von ‚fahren‘. Das zusammengesetzte Verb ‚er-fahren‘geht auf althochdeutsch irfaran zurück. Dessen Kernbedeutung kann mit ‚sich vom Anfang bis zum Schluss durch ein Gebiet fortbewegen‘ umschrieben werden. Es liegt auf der Hand, dass, wer aufmerksam durch eine Gegend dringt, am Schluss die Wege und Irrwege kennt und im wahrsten Sinn des Wortes bewandert ist (wenn er zu Fuß unterwegs war). Schon früh wurde offenbar diese ursprüngliche geografisch-räumliche Bedeutung des Verbs irfaran auf andere Kontexte übertragen, die der heutigen Verwendung von ‚erfahren‘ entsprechen; so ist ab dem 15. Jahrhundert auch das Adjektiv ‚erfahren‘ im Sinne von ‚bewandert, kundig, kompetent‘ belegt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Back to the root.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Die Wurzel, auf die ‚fahren‘ zurückgeht, wird im Rahmen der Indogermanistik in der Form *per- rekonstruiert. Ihr Bedeutungsspektrum wird meistens mit einer Reihe von Verben angegeben, aber wenn ich mir all ihre Belege in den verschiedenen Sprachen zurechtlege, war die Grundbedeutung dieses Verbs sozusagen ‚hindurchen, hinübern‘. Mit dieser Behelfsübersetzung kann ich die drei Grundfunktionen von *per- verdeutlichen: Erstens, dass man selbst ‚hindurcht‘, d. h. sich durch etwas hindurchbewegt, zweitens, dass man etwas mit etwas ‚hindurcht‘ d. h. etwas durchbohrt oder durchsticht, und drittens, dass man etwas oder jemanden ‚hindurcht‘, nämlich hinüberbringt oder hinüberschickt. Hier schließt sich wunderbar das griechische Verb peíro ‚durchbohren, -stechen, -dringen‘ an. Mit ihm gelangen wir zu verschiedensten, heute noch gebräuchlichen ‚Durchgängen‘: Eine Ableitung, die im Wort ‚die Pore‘ weiterlebt, ist póros ‚Durchgang, Furt, Weg‘. Sie kennen sie vielleicht von der geografischen Bezeichnung ‚Bosporus‘, was nichts anderes als Ochsenfurt oder Oxford heißt. Zur gleichen Sippe wie ‚póros‘, ‚Furt‘ oder auch ‚Fjord‘ gehören die lateinischen Wörter porta ‚Tür‘, das in ‚Pforte‘ weiterlebt, portus ‚Hafen‘ als sicherer Durchgang zwischen Land und Wasser (vgl. englisch airport, italienisch il porto) und zu guter Letzt portare ‚tragen, bringen‘, das Sie aus trans-, exportieren usw. kennen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Experimentelle ExpertInnen.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Das Lateinische besitzt aber auch ein Verb, das sich direkt von der indo-europäischen Wurzel *per- ableitet. Es ist experíri ‚erproben, versuchen, prüfen, an sich erfahren, kennenlernen usw. ‘. Es ist mit ‚ex-“ zusammengesetzt, einer inhaltlichen – nicht etymologischen – Entsprechung des ‚er-‘ im Wort erfahren. Das einfache Verb (*períri) existiert nicht; einzig ein Adjektiv perítus ‚erfahren, bewandert, sachverständig‘ ist gleichermaßen seit Beginn des Lateins belegt. Später etablierte sich im klassischen Latein dessen Partizip expértus im Sinn von ‚erfahen, kundig, erprobt‘, woher sich unser Fremdwort ‚ExpertIn‘ (Sachverständige) herleitet, und die Substantive expérientia ‚Versuch, Erfahrung‘ und experiméntum ‚Versuch, Probe‘: Ersteres lebt in englisch ‚the experience“ und in den meisten romanischen Sprachen weiter (franz. expérience, span. experiencia, ital. esperienza), letzteres in ‚Experiment‘ oder ‚experimentell‘, welche Wörter ab dem 17. Jahrhundert zur Bezeichnung von wissenschaftlichen Versuchen oder gewagten Unternehmungen ins Deutsche eindrangen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Gefahr durch Piraterie!&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Spätestens jetzt muss ich auf eine Linie hinweisen, die quer durch die Sprachen hindurchführt: ‚Hindurchen‘, d. h. intensiv durch eine Erfahrung zu gehen, ist oft auch mit einem Risiko verbunden. Dies wird im Lateinischen durch das von *per- herrührende Substantiv perículum belegt (vgl. englisch the peril, span. el peligro, französisch le péril), das ‚Gefahr‘, und zwar sowohl den gefährdeten Zustand als auch das gefahrvolle Wagnis, den riskanten Versuch bedeutet. Innerhalb des Germanischen geht das ebenso auf *per- zurückzuführende Wort ‚Gefahr‘ auf mittel- hochdeutsch gevare ‚Nachstellung, Hinterhalt; Betrug‘ zurück. Im Mittelniederdeutschen hieß vare ‚Gefahr; Furcht‘, woran sich englisch the fear anschließt. Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen ein zweites, von unserer Wurzel abgeleitetes griechisches Verb nicht länger vorenthalten, das eine auffällige, jetzt aber wohl besser verständliche Blüte getrieben hat. Es ist peiráo, das in der Wortbildung genau, in den Bedeutungen hochgradig dem lateinischen Verb experíri entspricht. Wie expertus bedeutet das zugehörige Adjektiv émpeiros ‚erfahren, sachverständig‘ und begann als ‚empirisch‘ ab dem 18./19. Jahrhundert im Deutschen seine Karriere zur Bezeichnung von Dingen, die auf Erfahrung im Sinn von Beobachtung beruhen. Nun kann grundsätzlich zu jedem Verb (zum Beispiel leuchten) ein Wort, das den Täter bezeichnet (Leuchter), gebildet werden. Nach diesem Muster erblühte ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. bis heute aus peiráo das Wort peirátes, das diejenigen Leute bezeichnete, die nicht nur die gefahrvollen Meere, sondern auch – selbst eine Gefahr – die Grenze des persönlichen Eigentums durchdrangen. Die PiratInnen (schon in der Antike waren Frauen vertreten) galten im griechischen Raum sozusagen als ‚ErfahrerInnen par excellence‘, allerdings mit einem negativen Beigeschmack.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Erfahrung heißt gar nichts?&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Bei meinen Nachforschungen zur Herkunft von ‚erfahren‘ begann mich schon bald eine bohrende Frage im Hinterkopf zu beschäftigen: Wird man durch Erfahrung sozusagen automatisch sachkundig? Aus sprachlicher Sicht müsste ich die Frage bejahen. Wenn ich aber an meine Erfahrungen als Gymnasiallehrer zurückdenke, könnte ich auch fragen: Ist somit jede langjährige LehrerIn eine erfahrene, sprich kompetente LehrerIn? Ist nicht eher entscheidend, wie jede(r) mit seinen Erfahrungen umgeht, ob man sie überprüft und sich verbessern will oder ob man blind in die immer gleichen Erfahrungen hineinrasselt? Der Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890–1935) soll dazu gesagt haben: ‚Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.‘ Eine Kehrseite meiner Fragestellung – mit der ich Sie aus dieser Leseerfahrung entlassen möchte – beleuchtet der französisch-rumänische Dramatiker Eugène Ionesco (1909–1994): ‚Wir glauben, Erfahrungen zu machen. Aber die Erfahrungen machen uns‘.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Marty-Teuber, Stefan (2012):&#039;&#039;&#039; Erfahren: Von der Piratin zur Expertin. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2012, Nr. 4. S. 34–35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
* [[Bewegungserfahrung]]&lt;br /&gt;
* [[1.-Person-Methode]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Erfahren_(Begriff)&amp;diff=5157</id>
		<title>Erfahren (Begriff)</title>
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		<updated>2024-06-05T14:03:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Stefan Marty-Teuber/Dagmar Panzer}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten zur Herkunft und Bedeutung des Begriffs Erfahren/ Erfahrung.. Das Zitat ist ein Artikel zum Thema aus der Zeitschrift „lebensqualität “&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahren/Erfahrung in der Zeitschrift „lebensqualität“ ==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus der Zeitschrift „lebensqualität“. Es ist ein Beitrag zu einer Serie mit dem Titel „wörterwurzeln“. Er ist mit „Erfahren: Von der Piratin zur Expertin“ überschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Die eigene Bewegung bewusst und unmittelbar zu erfahren, ist in Kinaesthetics Grundlage und Ausgangspunkt des Lernens. Stefan Marty- Teuber geht der Herkunft des Wortes „erfahren“ nach und stößt auf einen wissenschaftlich kaum problematischen Blumenstrauß von Furten, Pforten und Poren, experimentellen ExpertInnen und empirischen PiratInnen.&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;‚erfahren/Erfahrung‘ heute.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Es scheint mir wichtig, an erster Stelle die aktuelle Verwendung von ‚erfahren/Erfahrung‘ zu klären. Am häufigsten verwendet die deutsche Sprache nämlich das Verb in der Bedeutung ‚Kenntnis erhalten, mitgeteilt/ zu wissen bekommen‘, und zwar besonders im Zusammenhang mit wichtigen Neuigkeiten (vgl. ‚ich habe es aus der Presse erfahren‘). Am zweithäufigsten und eher in gehobener Sprache tritt ‚erfahren‘ im Sinne von ‚an sich selbst erleben, zu spüren bekommen‘ auf. An diese Zweitbedeutung schließen in Kinaesthetics die Ausdrücke ‚die eigene Bewegung erfahren/[[Bewegungserfahrung]]‘ an. Natürlich ist das eine treffende, aber nicht allgemein gängige Kombination. Im Alltag der deutschen Sprache finden sich häufiger Fügungen wie ‚Glück/Unglück, Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit, Freude/Leid erfahren; gute und schlechte Erfahrungen‘ u. Ä. Und schließlich gibt es eine abgeschwächte Bedeutung ‚eine Veränderung mitmachen‘. So können zum Beispiel PatientInnen eine Behandlung, Bücher eine Überarbeitung und Umsätze eine Steigerung erfahren. Bemerkenswert ist, dass das Substantiv ‚Erfahrung‘, sowohl das unmittelbare Erleben (vgl. ‚das war eine bittere Erfahrung‘) als auch – nur in einem positiven Sinn – die Routine, Kenntnis oder Kompetenz bezeichnet, die man durch das vielfache Er- und Durchleben einer Sache gewonnen hat (vgl. ‚sie verfügt über viel Erfahrung, wir müssen uns ihre Erfahrung zunutze machen‘). Hier verbindet sich das (wiederholte) unmittelbare Erleben und Tun ganz eng mit der Idee des Lernens und Kompetenzgewinns. Ganz entsprechend bezeichnet das Adjektiv ‚erfahren‘ kundige, versierte und in ihrem Gebiet bewanderte Personen. Aber mit diesen Feststellungen sind wir schon mitten in der Herkunft des Wortes angelangt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Sich fortbewegen.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Das in allen germanischen Sprachen existierende Verb ‚fahren‘ (zum Beispiel althochdeutsch faran, englisch to fare, schwedisch fara) bezeichnete ursprünglich jede Art von Fortbewegung wie gehen, reiten oder mit einem Wagen fahren. Wie immer im Herbst sind hier in der Schweiz vor kurzem die SennInnen mit dem Vieh von ihren Alpen gefahren (sogenannte Alpabfahrt, aber nicht etwa mit Fahrzeugen, sondern zu Fuß). Hierin und in anderen Ausdrücken – zum Beispiel im Blitz, der vom Himmel fährt – zeigt sich noch heute die ursprüngliche sehr breite Bedeutung von ‚fahren‘. Das zusammengesetzte Verb ‚er-fahren‘geht auf althochdeutsch irfaran zurück. Dessen Kernbedeutung kann mit ‚sich vom Anfang bis zum Schluss durch ein Gebiet fortbewegen‘ umschrieben werden. Es liegt auf der Hand, dass, wer aufmerksam durch eine Gegend dringt, am Schluss die Wege und Irrwege kennt und im wahrsten Sinn des Wortes bewandert ist (wenn er zu Fuß unterwegs war). Schon früh wurde offenbar diese ursprüngliche geografisch-räumliche Bedeutung des Verbs irfaran auf andere Kontexte übertragen, die der heutigen Verwendung von ‚erfahren‘ entsprechen; so ist ab dem 15. Jahrhundert auch das Adjektiv ‚erfahren‘ im Sinne von ‚bewandert, kundig, kompetent‘ belegt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Back to the root.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Die Wurzel, auf die ‚fahren‘ zurückgeht, wird im Rahmen der Indogermanistik in der Form *per- rekonstruiert. Ihr Bedeutungsspektrum wird meistens mit einer Reihe von Verben angegeben, aber wenn ich mir all ihre Belege in den verschiedenen Sprachen zurechtlege, war die Grundbedeutung dieses Verbs sozusagen ‚hindurchen, hinübern‘. Mit dieser Behelfsübersetzung kann ich die drei Grundfunktionen von *per- verdeutlichen: Erstens, dass man selbst ‚hindurcht‘, d. h. sich durch etwas hindurchbewegt, zweitens, dass man etwas mit etwas ‚hindurcht‘ d. h. etwas durchbohrt oder durchsticht, und drittens, dass man etwas oder jemanden ‚hindurcht‘, nämlich hinüberbringt oder hinüberschickt. Hier schließt sich wunderbar das griechische Verb peíro ‚durchbohren, -stechen, -dringen‘ an. Mit ihm gelangen wir zu verschiedensten, heute noch gebräuchlichen ‚Durchgängen‘: Eine Ableitung, die im Wort ‚die Pore‘ weiterlebt, ist póros ‚Durchgang, Furt, Weg‘. Sie kennen sie vielleicht von der geografischen Bezeichnung ‚Bosporus‘, was nichts anderes als Ochsenfurt oder Oxford heißt. Zur gleichen Sippe wie ‚póros‘, ‚Furt‘ oder auch ‚Fjord‘ gehören die lateinischen Wörter porta ‚Tür‘, das in ‚Pforte‘ weiterlebt, portus ‚Hafen‘ als sicherer Durchgang zwischen Land und Wasser (vgl. englisch airport, italienisch il porto) und zu guter Letzt portare ‚tragen, bringen‘, das Sie aus trans-, exportieren usw. kennen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Experimentelle ExpertInnen.&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Das Lateinische besitzt aber auch ein Verb, das sich direkt von der indo-europäischen Wurzel *per- ableitet. Es ist experíri ‚erproben, versuchen, prüfen, an sich erfahren, kennenlernen usw. ‘. Es ist mit ‚ex-“ zusammengesetzt, einer inhaltlichen – nicht etymologischen – Entsprechung des ‚er-‘ im Wort erfahren. Das einfache Verb (*períri) existiert nicht; einzig ein Adjektiv perítus ‚erfahren, bewandert, sachverständig‘ ist gleichermaßen seit Beginn des Lateins belegt. Später etablierte sich im klassischen Latein dessen Partizip expértus im Sinn von ‚erfahen, kundig, erprobt‘, woher sich unser Fremdwort ‚ExpertIn‘ (Sachverständige) herleitet, und die Substantive expérientia ‚Versuch, Erfahrung‘ und experiméntum ‚Versuch, Probe‘: Ersteres lebt in englisch ‚the experience“ und in den meisten romanischen Sprachen weiter (franz. expérience, span. experiencia, ital. esperienza), letzteres in ‚Experiment‘ oder ‚experimentell‘, welche Wörter ab dem 17. Jahrhundert zur Bezeichnung von wissenschaftlichen Versuchen oder gewagten Unternehmungen ins Deutsche eindrangen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Gefahr durch Piraterie!&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Spätestens jetzt muss ich auf eine Linie hinweisen, die quer durch die Sprachen hindurchführt: ‚Hindurchen‘, d. h. intensiv durch eine Erfahrung zu gehen, ist oft auch mit einem Risiko verbunden. Dies wird im Lateinischen durch das von *per- herrührende Substantiv perículum belegt (vgl. englisch the peril, span. el peligro, französisch le péril), das ‚Gefahr‘, und zwar sowohl den gefährdeten Zustand als auch das gefahrvolle Wagnis, den riskanten Versuch bedeutet. Innerhalb des Germanischen geht das ebenso auf *per- zurückzuführende Wort ‚Gefahr‘ auf mittel- hochdeutsch gevare ‚Nachstellung, Hinterhalt; Betrug‘ zurück. Im Mittelniederdeutschen hieß vare ‚Gefahr; Furcht‘, woran sich englisch the fear anschließt. Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen ein zweites, von unserer Wurzel abgeleitetes griechisches Verb nicht länger vorenthalten, das eine auffällige, jetzt aber wohl besser verständliche Blüte getrieben hat. Es ist peiráo, das in der Wortbildung genau, in den Bedeutungen hochgradig dem lateinischen Verb experíri entspricht. Wie expertus bedeutet das zugehörige Adjektiv émpeiros ‚erfahren, sachverständig‘ und begann als ‚empirisch‘ ab dem 18./19. Jahrhundert im Deutschen seine Karriere zur Bezeichnung von Dingen, die auf Erfahrung im Sinn von Beobachtung beruhen. Nun kann grundsätzlich zu jedem Verb (zum Beispiel leuchten) ein Wort, das den Täter bezeichnet (Leuchter), gebildet werden. Nach diesem Muster erblühte ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. bis heute aus peiráo das Wort peirátes, das diejenigen Leute bezeichnete, die nicht nur die gefahrvollen Meere, sondern auch – selbst eine Gefahr – die Grenze des persönlichen Eigentums durchdrangen. Die PiratInnen (schon in der Antike waren Frauen vertreten) galten im griechischen Raum sozusagen als ‚ErfahrerInnen par excellence‘, allerdings mit einem negativen Beigeschmack.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Erfahrung heißt gar nichts?&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Bei meinen Nachforschungen zur Herkunft von ‚erfahren‘ begann mich schon bald eine bohrende Frage im Hinterkopf zu beschäftigen: Wird man durch Erfahrung sozusagen automatisch sachkundig? Aus sprachlicher Sicht müsste ich die Frage bejahen. Wenn ich aber an meine Erfahrungen als Gymnasiallehrer zurückdenke, könnte ich auch fragen: Ist somit jede langjährige LehrerIn eine erfahrene, sprich kompetente LehrerIn? Ist nicht eher entscheidend, wie jede(r) mit seinen Erfahrungen umgeht, ob man sie überprüft und sich verbessern will oder ob man blind in die immer gleichen Erfahrungen hineinrasselt? Der Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890–1935) soll dazu gesagt haben: ‚Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.‘ Eine Kehrseite meiner Fragestellung – mit der ich Sie aus dieser Leseerfahrung entlassen möchte – beleuchtet der französisch-rumänische Dramatiker Eugène Ionesco (1909–1994): ‚Wir glauben, Erfahrungen zu machen. Aber die Erfahrungen machen uns‘.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Marty-Teuber, Stefan (2012):&#039;&#039;&#039; Erfahren: Von der Piratin zur Expertin. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2012, Nr. 4. S. 34–35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
* [[Bewegungserfahrung]]&lt;br /&gt;
* [[1.-Person-Methode]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Orientierung&amp;diff=5156</id>
		<title>Orientierung</title>
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		<updated>2024-06-05T13:49:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./ Sabine Kaserer, Dagmar Panzer}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten zum Thema Orientierung.. [[Orientierung#Orientierung%20im%20.E2.80.9EKinaesthetics%20.E2.80.93%20Konzeptsystem.E2.80.9C|Die ersten Zitate ]] stammen aus aus dem Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ und stellen einen aktuellen Referenztext dar. Es folgen [[Orientierung#Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“|Zitate ]] aus dem Aufbaumodul Demenz 3, wo es um die konkrete Verknüpfung mit dem Thema Demenz geht. In den [[Orientierung#Orientierung%20in%20.E2.80.9EKin.C3.A4sthetik-Bulletin-Nr-16.E2.80.9C|Zitaten]] aus dem 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 werden Entwicklung, Bedeutung und Anwendung des Begriffs Orientierung dargestellt.&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Fachbegriffs ==&lt;br /&gt;
 [[Datei:Konzepticons-mit-kreis 221.png |100px|rahmenlos|rechts]]&lt;br /&gt;
=== Orientierung im „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zitat ist in das zweite Kapitel „Konzept Funktionale Anatomie“ eingebettet. Bei diesem Konzept ist grundsätzlich Folgendes von Bedeutung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Kinaesthetics betrachtet die Anatomie aus einer funktionalen Perspektive, d. h., die erfahrbaren und wahrnehmbaren Aspekte des Körperbaus bilden den Inhalt des Konzeptes Funktionale Anatomie.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Unterkapiteln „[[Knochen und Muskeln]]“, „[[Massen und Zwischenräume]]“ und „Haltungs- und Transportbewegungsebenen“ wird dem Fachbegriff Orientierung das vierte und letzte Kapitel gewidmet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;“2.4. Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Entstehung des Begriffes &#039;&#039;&#039;Orientierung&#039;&#039;&#039; hängt mit der Tatsache zusammen, dass&amp;lt;br&amp;gt;sich der Mensch – insbesondere auf seinen Reisen – seit frühester Zeit an der&amp;lt;br&amp;gt;aufgehenden Sonne (Orient, Osten) bzw. an den Himmelsrichtungen und den&amp;lt;br&amp;gt;Himmelskörpern auszurichten pflegte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung kann also die Fähigkeit bezeichnen, sich im äußeren Raum und in der&amp;lt;br&amp;gt;Zeit zurechtfinden zu können. Die räumlich-zeitliche Orientierungsfähigkeit&amp;lt;br&amp;gt;beantwortet Fragen wie: ‚Wo befinden wir uns? In was für einer Umgebung befinden&amp;lt;br&amp;gt;wir uns? Welchen Weg sollen wir einschlagen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen?‘&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics versteht unter Orientierung aber auch die Fähigkeit, sich im eigenen&amp;lt;br&amp;gt;Körper, im inneren Raum bzw. an den Sachverhalten der funktionalen Anatomie&amp;lt;br&amp;gt;orientieren zu können. Diese körperliche Orientierungsfähigkeit setzt sich mit Fragen&amp;lt;br&amp;gt;auseinander wie: ‚In welcher Position befindet sich unser Körper? Wie und mit&amp;lt;br&amp;gt;welcher Anstrengung ist dabei die Gewichtsabgabe unserer [[Massen und Zwischenräume|Massen]] organisiert? Wie&amp;lt;br&amp;gt;und in welche Richtung sollen wir unsere Körperteile bewegen, um ein Ziel zu&amp;lt;br&amp;gt;erreichen?‘&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics geht davon aus, dass diese körperlichen Orientierungsfähigkeiten&amp;lt;br&amp;gt;ständige Prozesse sind, die auf Bewegung, auf der Bewegungswahrnehmung (und&amp;lt;br&amp;gt;der gesamten Sinneswahrnehmung) beruhen. Nach dieser Annahme sind wir bewusst&amp;lt;br&amp;gt;oder unbewusst konstant damit beschäftigt, die Orientierung oder die ‚richtige&amp;lt;br&amp;gt;Richtung‘ unserer Bewegungen nicht zu verlieren. Die körperliche Orientierung stellt&amp;lt;br&amp;gt;die Grundlage dafür dar, dass ein Mensch sich im äußeren Raum und generell in der&amp;lt;br&amp;gt;Welt, z. B. in Gesellschaft und Kultur, orientieren kann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft macht sich dieser Prozess erst bei einem Orientierungsverlust deutlich&amp;lt;br&amp;gt;bemerkbar. Eine schwere Verletzung kann unsere körperliche Orientierung, d. h. die&amp;lt;br&amp;gt;Fähigkeit zu einer zielgerichteten Bewegung der unverletzten Glieder, sowie die&amp;lt;br&amp;gt;räumlich-zeitliche Orientierung, und damit unser Wohlbefinden im wahrsten Sinne&amp;lt;br&amp;gt; des Wortes lahmlegen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Oben und unten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die körperliche Orientierung bezüglich ‚oben‘ und ‚unten‘ basiert auf der&amp;lt;br&amp;gt;Erfahrung der spezifischen Anordnung der einzelnen Massen: ‚Oben‘ ist der Kopf,&amp;lt;br&amp;gt;dann folgt der Brustkorb und das Becken, ‚unten‘ sind die Beine bzw. die Füße. Da&amp;lt;br&amp;gt;diese Anordnung unabhängig davon ist, in welcher Position oder räumlichen Lage&amp;lt;br&amp;gt;sich ein Mensch befindet, kann die körperliche Orientierung in einem Widerspruch&amp;lt;br&amp;gt;zur räumlichen Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ stehen, die sich aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Außenperspektive ergibt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die räumliche Definition von ‚oben‘ und ‚unten‘ wird durch die konstante Wirkung&amp;lt;br&amp;gt;der Schwerkraft bestimmt, die unser Leben in einem hohen Ausmaß prägt. ‚Unten‘&amp;lt;br&amp;gt; definiert sich durch die Richtung der Schwerkraft, ‚oben‘ durch die Gegenrichtung.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bezüglich der räumlichen und körperlichen Orientierung fällt auf: Die Extremitäten&amp;lt;br&amp;gt;sind symmetrisch angeordnet und unterstützen in einem analogen Muster die&amp;lt;br&amp;gt;Steuerung des Gewichtes der zentralen Massen in der Schwerkraft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Arme sind seitlich mit dem Brustkorb verbunden und unterstützen die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtssteuerung des Brustkorbes. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Beine sind seitlich mit dem Becken verbunden und sind für die&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsverlagerung des Beckens hilfreich. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;•&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; Die Ohren sind sozusagen die nach innen gestülpten Extremitäten des Kopfes&amp;lt;br&amp;gt;und unterstützen durch den Gleichgewichtssinn im Innenohr die Steuerung des&amp;lt;br&amp;gt;Kopfes bzw. die Orientierung in der Schwerkraft. &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Unterscheidung zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘ kann der Mensch immer auf&amp;lt;br&amp;gt;die innere, körperliche oder auf die äußere, räumliche Orientierung zurückgreifen.&amp;lt;br&amp;gt;Diese können in einem Widerspruch zueinander stehen. Aufstehen hat aus einer&amp;lt;br&amp;gt;Innenperspektive betrachtet kaum etwas mit einem vertikalen Hochheben der&amp;lt;br&amp;gt;Massen gegen die Schwerkraft zu tun, wie man es von außen betrachtet vielleicht&amp;lt;br&amp;gt;beschreiben würde. Die Ausführung von Aktivitäten erfordert stets die Orientierung&amp;lt;br&amp;gt;an den eigenen, körperlichen und an den äußeren, räumlichen Bedingungen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Vorne und hinten: Vorderseiten und Rückseiten&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics definiert die Vorder- und Rückseiten unserer Massen aufgrund der&amp;lt;br&amp;gt;unterschiedlich erfahrbaren Eigenschaften und Aufgaben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Seiten der Massen, die überwiegend als hart, knochig und stabil erfahrbar sind,&amp;lt;br&amp;gt;werden als Rückseiten bezeichnet. Hier liegen v. a. Streckmuskeln. Die Vorderseiten&amp;lt;br&amp;gt;tragen die Merkmale weich, instabil und anpassungsfähig. Hier sind hauptsächlich&amp;lt;br&amp;gt;Beugemuskeln vorhanden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den zentralen Massen Kopf, Brustkorb und Becken lassen sich die Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten einfach erfahren und entsprechen der gängigen Vorstellung von vorne&amp;lt;br&amp;gt;und hinten. Bei den Extremitäten aber ist ein spiraliger Verlauf der Vorder- und&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten beobachtbar. Deshalb weichen hier die Definitionen z. T. von unseren&amp;lt;br&amp;gt;gängigen Vorstellungen ab.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:22-detail-vorne-hinten.jpg|180px|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei den Rückseiten der Massen liegen die Knochen&amp;lt;br&amp;gt;ziemlich direkt und großflächig unter der Haut. Dadurch&amp;lt;br&amp;gt;eignen sich die Rückseiten eher dazu, das Gewicht zu&amp;lt;br&amp;gt;tragen und es auf eine Unterstützungsfläche abzugeben.&amp;lt;br&amp;gt;Auf den Vorderseiten sind mehr Muskeln erfahrbar. Sie&amp;lt;br&amp;gt;haben deshalb die Funktion, das Gewicht auf die&amp;lt;br&amp;gt;Rückseiten zu leiten und Anpassungen der&amp;lt;br&amp;gt;Gewichtsorganisation zu gestalten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Hand- und Fußflächen besitzen sowohl&amp;lt;br&amp;gt;Vorderseiten- als auch Rückseiten-Qualitäten.&amp;lt;br&amp;gt;Nur deshalb ist es möglich, unser&amp;lt;br&amp;gt;Körpergewicht in Balance zu halten, wenn wir auf den&amp;lt;br&amp;gt;Füßen stehen. Die Hand- und Fußflächen gehören zu&amp;lt;br&amp;gt;den empfindlichsten Zonen des kinästhetischen&amp;lt;br&amp;gt;Sinnessystems.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der spiralförmige Verlauf von&amp;lt;br&amp;gt;Vorder- und Rückseiten ist&amp;lt;br&amp;gt;der Hauptgrund dafür, dass Menschen grundsätzlich&amp;lt;br&amp;gt;über eine unendliche Vielfalt von&amp;lt;br&amp;gt;Bewegungsmöglichkeiten oder -varianten verfügen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein angepasstes Zusammenspiel der Funktionen der Vorder- und Rückseiten während&amp;lt;br&amp;gt;einer Aktivität macht es möglich, diese mit wenig Kraftaufwand und größtmöglicher&amp;lt;br&amp;gt;Kontrolle in der Schwerkraft zu gestalten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 26 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Orientierung in „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen – Arbeitsunterlagen“ ===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus den Arbeitsunterlagen „Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen“. Das erste Zitat stammt aus dem Kapitel „Einführung in das Aufbaumodul Demenz 3“ der Einleitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„&amp;lt;big&amp;gt;Die eigene Orientierung suchen&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; […] Die eigene Orientierung auf unterschiedlichsten Ebenen zu suchen, ist für die Menschen mit Demenz oft ein Hauptthema des Alltags. Somit muss es ein Anliegen der Pflege und Betreuung sein, sie verständnisvoll darin zu unterstützen, in ihren alltäglichen Aktivitäten die Orientierung erfolgreich zu suchen und dadurch Lebensqualität zu gewinnen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus biologischer Perspektive verfügen alle Lebewesen über ein Orientierungsvermögen. Es ist eine Grundbedingung des Lebens. Für das Lebewesen bedeutet es, die eigene Bewegung (inklusive des eigenen Wachstumes bei Pflanzen) an physikalischen, chemischen oder anderen Gegebenheiten und Prozessen ausrichten zu können. Die Grundlage des Orientierungsvermögens bildet die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) bzw. irgendeine Form der Eigenwahrnehmung (Propriozeption).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Die Bedeutung der inneren körperlichen Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;In der Kinästhetik wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch seine innere körperliche Orientierung lebenslang weiterentwickelt. Bei der Frage, ob die Entwicklung in Richtung eines differenzierteren oder zunehmend undifferenzierteren Orientierungsvermögens geht, spielen die Bewegungswahrnehmung und die Qualität der eigenen Bewegung eine zentrale Rolle. Es geht darum, ein inneres körperliches Verständnis für passende Bewegungsrichtungen im aktuellen Moment zu entwickeln. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Annahme ist, dass die Orientierung an den eigenen Bewegungsmöglichkeiten bzw. an den Eigenschaften und Funktionen der eigenen Anatomie grundlegend für das gesamte Orientierungsvermögen ist. Diese Perspektive hat für professionelle Bezugspersonen von Menschen mit Demenz eine hohe Bedeutung. Sie können lernen, die alltäglichen Unterstützungsangebote orientierungsfördernd zu gestalten bzw. die einzelne Person mit Demenz individuell und konkret in ihrer Suche nach der eigenen Orientierung auf allen Ebenen zu unterstützen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; European Kinaesthetics Association (Hg.) (2022) &#039;&#039;&#039;: Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen. Arbeitsunterlagen. Unter Mitarbeit von Franziska Gysin, Christine Grasberger, Brigitte Marty-Teuber, Stefan Marty-Teuber, Sabine Siemann, Erich Weidmann. Linz (AT), Winterthur (CH): Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903052-48-2. S. 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus den Begleittexten des Kapitels „Teil 1: Was ist Orientierung?&amp;quot;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Orientierung – ein vielschichtiger Prozess &amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; Beispiel: &amp;lt;br&amp;gt;Wir wollen erfolgreich und sicher auf einen Berg hinauf- und wieder hinuntersteigen. Dabei müssen wir uns bzw. unsere Bewegung ständig an den unterschiedlichsten Dingen orientieren. Unsere Bewegung orientieren wir z. B. ununterbrochen an der Beschaffenheit und der Richtung des Weges. Wir orientieren uns an Wegweisern und Karten, daran, wie schnell wir im Verhältnis zur Gesamtstrecke vorankommen und wie fit wir noch sind, an BergsteigerInnen, die uns entgegenkommen, an der Entwicklung des Wetters usw. [im Original alles kursiv]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Im Allgemeinen bezeichnet Orientierung die Fähigkeit, sich selbst an unterschiedlichsten Gegebenheiten oder Vorgängen ausrichten zu können, um ein Ziel zu erreichen oder eine Absicht zu verwirklichen. In unserem Alltag sind wir bewusst oder unbewusst ständig damit beschäftigt, uns auf unterschiedlichen Ebenen zu orientieren bzw. die eigene Orientierung zu suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundfragen dabei sind, woher wir kommen, wo wir sind und wohin wir gehen wollen oder wie wir unseren Weg fortsetzen können. Dies gilt im konkreten räumlichen Sinn, aber auch im übertragenen Sinn für alle anderen Orientierungsprozesse. Diese Fragen stellen sich bei der inneren körperlichen Orientierung, wenn wir unsere Bewegung bei jeder alltäglichen Aktivität an den Eigenschaften und Funktionen unserer eigenen Anatomie orientieren. Sie stellen sich ebenso, wenn wir unser Verhalten an äußeren räumlichen Gegebenheiten orientieren, am Fortschreiten der Zeit, an den ‚Spielregeln‘ einer bestimmten Situation (situative Orientierung), an unseren eigenen Lebenserfahrungen oder an der Beziehung, die wir zu anderen Personen haben (Orientierung zur Person). &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch diese Orientierungsprozesse bzw. durch die fortlaufende Auseinandersetzung mit den Grundfragen der Orientierung entsteht gewissermaßen eine kontinuierliche innere Spur. Sie erlaubt uns, unser Leben in unserem Umfeld stimmig und passend zu gestalten. Wenn diese innere Einheitlichkeit und Kontinuität unüberbrückbare Unterbrechungen oder Lücken aufzuweisen beginnt, wird dies schwierig. Dann sind wir damit konfrontiert, unsere Orientierung immer wieder in der aktuellen Situation suchen zu müssen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 30%&amp;quot;| [[Datei:AMD3-Orientierung-Wandern.jpeg|300px|rahmenlos|zentriert]]||&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Abb. 1: Eine Wanderung erfordert fortlaufend innere körperliche Anpassungsfähigkeit im Zusammenspiel mit der ständigen Orientierung in der Umgebung. Die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) läuft sozusagen auf Hochtouren und damit einhergehend die innere körperliche Orientierung. Sie gilt in der Kinästhetik als Grundlage des Orientierungsvermögens.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Unabdingbare Voraussetzung aller Orientierungsprozesse ist, dass wir uns selbst in unserer Umgebung wahrnehmen können […]. Nur dadurch sind wir dazu imstande, unser Verhalten an unseren Bewegungsmöglichkeiten in der jeweiligen Umgebung, an unserer aktuellen Befindlichkeit, aber auch an unserer persönlichen Erfahrungs- und Lerngeschichte zu orientieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierung hängt eng mit der Orientierung an äußeren Umständen und Prozessen wie an der Beschaffenheit des Raumes, der Tageszeit oder am Verhalten anderer Menschen zusammen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Ebenen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Die innere körperliche Orientierung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Aus der Perspektive der Kinästhetik besteht die grundlegende Ebene des menschlichen Orientierungsvermögens darin, dass wir unsere eigene Bewegung und unser ganzes Verhalten an bestimmten Gegebenheiten unseres eigenen Körpers orientieren. Diese Gegebenheiten sind die Eigenschaften und Funktionen unserer Anatomie. Es geht um die Frage, wie wir – als verkörperte Wesen in dieser Welt – uns in unserem Körper und in uns selbst zurechtfinden. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese innere körperliche Orientierungsfähigkeit ist im allgemeinen Bewusstsein weniger verankert, hat aber für die alltägliche Lebensqualität des einzelnen Menschen eine grundlegende Bedeutung. Bewusst oder unbewusst sind wir bei der Ausführung jeder alltäglichen Aktivität konstant damit beschäftigt, die richtige Richtung zu suchen, in der wir unsere Körperteile bewegen können. Die innere körperliche Orientierung entsteht dadurch, dass wir unsere Bewegung fortlaufend an passenden eigenen Bewegungsmöglichkeiten in der Schwerkraft der Erde ausrichten. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Grundlage für die Orientierung im eigenen Körper ist die Bewegungswahrnehmung bzw. das zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem. Die körperliche Orientierung beschränkt sich somit nicht auf die motorische ‚Mechanik‘, sondern ist ein ganzheitliches, den ganzen Menschen einbeziehendes Phänomen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sich an den Bewegungsmöglichkeiten des eigenen Körpers zu orientieren, erfordert allerdings im Vergleich mit anderen Ebenen der Orientierung in geringerem Maß kognitive Leistungen bzw. ein bewusstes Erinnerungsvermögen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Orientierung im eigenen Körper wird besonders deutlich, dass jede Art der Orientierung immer vom einzelnen Menschen geleistet werden muss und von seinen individuellen Möglichkeiten im aktuellen Moment abhängig ist. Man kann einen Menschen bei der Orientierungssuche unterstützen, aber man kann niemandem Orientierung geben. Er muss sie in sich selbst finden.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Herkömmliche Unterteilungen des menschlichen Orientierungsvermögens&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; Es ist gängig, das Orientierungsvermögen des Menschen zu unterteilen, um es differenzierter zu beschreiben oder auch in Pflegedokumentationen festzuhalten. Dabei sind die folgenden Begrifflichkeiten allgemein gebräuchlich:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Räumliche oder örtliche Orientierung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Zeitliche Orientierung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Orientierung zur eigenen Person und zum persönlichen Beziehungsnetz (auch als soziale Orientierung bezeichnet)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:*&#039;&#039;Situative Orientierung: Das angemessene Ausrichten des eigenen Verhaltens an einer bestimmten Situation&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Diese Unterteilung macht deutlich, dass Orientierung auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet, aber auch ein sehr komplexes Phänomen ist. Mit ein Grund ist, dass die Aspekte, die durch diese Unterteilung unterschiedenen werden, sich im alltäglichen Leben überschneiden und kombinieren. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Die herkömmlichen Unterteilungen des Orientierungsvermögens vernachlässigen oft die innere körperliche Orientierung als grundlegenden Aspekt. In der Kinästhetik wird von der Annahme ausgegangen, dass die Qualität der körperlichen Orientierung einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie sich ein Mensch am Raum, an der Zeit usw. orientieren kann.“ &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 12 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Kapitel „Teil 3: Bewegungskompetenz und lebenslange Orientierungssuche&amp;quot;. Die vorhergehenden Absätze beleuchten das Thema [[Parallele und spiralige Bewegungsmuster|Bewegungsmuster]], hier wird die Bedeutung der Bewegungsmuster für Orientierung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;„Bedeutung für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz:&amp;lt;/big&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;[…] Für das fortlaufende Suchen ihrer Orientierung ist es von hoher Bedeutung, in welcher Qualität sie [eine Person mit Demenz, Anm. d. Red.] ihre Bewegung wahrnehmen, gestalten und sich so in sich selbst orientieren kann. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Nach dieser Grundhaltung steht im Zentrum, dass jede Unterstützung einer Person mit Demenz als ein Lernangebot verstanden und gestaltet wird. Wenn Menschen mit Demenz in ihren alltäglichen Aktivitäten eine für sie im Moment passende Unterstützung erhalten, können sie lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten zu nutzen und an ihre aktuelle Situation anzupassen. Hier liegt ein großes Potenzial dafür vor, dass sie bis zuletzt erfolgreich ihre innere körperliche Orientierung suchen. &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein individuell angepasstes Unterstützungsangebot in diesem Sinn gestalten zu können, stellt hohe Anforderungen an die Bewegungskompetenz und das Bewegungsverständnis der Bezugspersonen. Sie sind insbesondere gefordert, ihre Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auf ihre eigene Bewegung zu lenken, um diese fortlaufend differenziert an die Orientierungssuche der betreffenden Person anzupassen. &amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: ebd., S. 36 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Orientierung in „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“==&lt;br /&gt;
===Einleitung===&lt;br /&gt;
In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 finden sich die ersten Beschreibungen von Prinzipien, die heute Konzepte genannt werden. Der Vergleich dieser Schrift mit dem heutigen Verständnis zeigt sehr deutlich die inhaltliche Entwicklung der Kinästhetik. Prinzipien, Kontexte, Anwendungsbereiche und Übungen werden innerhalb der einzelnen Texte direkt in Verbindung miteinander gebracht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relevante Zitate===&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate stammen aus dem Buch „Kinästhetik-Bulletin-Nr-16“. Das erste Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist Teil des Textes der Einführung des gesamten Beitrags von Suzanne Schmidt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4. Grundprinzipien &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Prinzipien, welche wir in der Kinästhetik benützen, sollen in einem bestimmten Sinn verstanden und angewandt werden, nämlich als eine Art ‚Werkzeug‘, um Menschen zu helfen, Beziehungsmuster zu entdecken und bewusst zu erleben. Das Bewegen, das Lernen und selbst das In-Beziehung-Treten mit andern Menschen wird dadurch leichter, effektiver und klarer. [...]“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Zitat ist ebenso in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet und ist Teil des ersten Unterkapitels „[[Wahrnehmung]]“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.1. Wahrnehmung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir sind mit verschiedenen Sinnen ausgerüstet, die uns alle auf ihre besondere Art Reize über die belebte und die unbelebte Umwelt vermitteln: Augen, Ohren, Nase, Geschmacksknospen und die Haut. Wir nehmen die sensorischen Reize auf, in dem wir sie in Bewegung umsetzen. Unter Bewegung verstehen wir die Ortsveränderung in einer gewissen Zeiteinheit (Veränderung der Rezeptoren in Bezug auf Umgebung und Veränderung der Umgebung in Bezug auf die Rezeptoren). Erst durch Bewegung können wir einen Reiz vom andern unterscheiden, Reize auswählen und Reize erzeugen. Es ist nicht so, dass die Reize in uns hineinfallen und passiv von uns aufgenommen werden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Sinnessystem, durch welches wir uns von innen wahrnehmen können, ist der kinästhetische Sinn. Es nimmt insofern einen besonderen Platz innerhalb aller Sinnessysteme ein, als es das einzige ist, ohne das wir nicht leben könnten. Es gibt uns das Gefühl, für unser eigenes Selbst und integriert alle sensorischen Funktionen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das dritte Zitat ist in das vierte Kapitel „Grundprinzipien“ eingebettet. Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Orientierung im Körper“ einschließlich der beschriebenen Übung „Wasch-Ritual“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„4.2. Orientierung im Körper&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung hat viel zu tun mit Kontext. Unser Verhalten, und wie wir ein Erlebnis einordnen, ist abhängig von unserem Verständnis von Orientierung bei irgendeiner Aktivität. Unsere Orientierung bildet gewissermassen einen Rahmen (eben den Kontext) für unser Erleben. Sie beeinflusst, worauf wir achten mit unseren Sinnen, welchen Sinn wir dem Erlebten geben und wie wir darauf antworten.&amp;lt;br&amp;gt;Die gängige Orientierung des Menschen in unserer Kultur bezieht sich auf die Umgebung. Zum Beispiel: Erde, Fussboden sind unten - Himmel, Zimmerdecke oben. Das bedeutet, dass wenn wir eine Position verändern, wir uns danach richten. Oft entspricht dies nicht der Struktur unseres Körpers und führt zu grosser Anstrengung. Steht hingegen der eigene Körper bzw. die. menschliche Bewegung im Zentrum der Orientierung anstelle der Umgebung, können wir uns mit mehr Leichtigkeit und Grazie bewegen. Hier ein Beispiel: Wenn wir von einem Stuhl aufstehen, geht unsere Anstrengung zur Zimmerdecke hoch. Wir bewegen uns in einer geraden Linie, was nicht der menschlichen Bewegungsart entspricht. Versuchen wir hingegen, unser Gewicht über die Füsse zu bringen, was unserer Körperstrukturierung entspricht (wir stehen von unten nach oben), wird unsere Anstrengung, ins Stehen zu kommen, wesentlich kleiner.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-stehend.png|250px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oben im Körper bedeutet der oberste Punkt unseres Körpers auf dem Scheitel - unten demnach der am weitesten entfernte Punkt am anderen Ende: Spitze der Grosszehe oder zweiten, evtl. dritten Zehe. Vorne ist immer dort wo die Vorderseite des Körpers ist, hinten dort wo die Hinterseite des Körpers ist, egal in welcher Position wir sind.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bulletin-1990-Orientierung-liegend.png|400px|zentriert]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Unterscheidung vorne - hinten ist bestimmt durch die Muskelfunktion. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorne liegende Muskulatur umfasst alle Beugemuskeln. Sie übernehmen die Aufgabe der Anpassung an die Umwelt. Zudem ist die Vorderseite weicher, offener, verletzlicher, differenzierter. Mit ihr treffen wir die Aussenwelt (z.B. mit Handflächen oder Fusssohlen).&amp;lt;br&amp;gt;Zur hinten liegenden Muskulatur gehören alle Streckmuskeln. Sie sind verantwortlich für Stabilität und Gleichgewicht. Die Hinterseite ist runder, abgeschlossener, härter, geschützter und trägt das Gewicht.&amp;lt;br&amp;gt;Im Kopf und Rumpf ist dieses Muster leicht zu erkennen. In den Extremitäten allerdings verläuft diese Trennung zwischen vorne und hinten in einem Spiralmuster. Dies ist prägend für die Art und Weise wie wir unsere Arme und Beine benützen können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Übung: Wasch - Ritual &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Setze dich an einen bequemen Ort. Hit deiner rechten Handfläche fährst du von der Gesichtsmitte über die linke Gesichtshälfte nach hinten oben zum Scheitel und dann nach unten über die linke Hinterhauptshälfte, dem Hals entlang bis auf die Schulter. Du kannst diese Streichung mehrmals wiederholen und dabei abwechslend deine Wahrnehmung auf das Gesicht, den Kopf, den Hals richten oder auf die Handfläche. Dann lege eine kurze Pause ein, um den Unterschied zwischen linker und rechter Kopfseite wahrzunehmen. Du spürst vielleicht Wärme, Lebendigkeit, Entspannung usw. auf der linken Seite.&amp;lt;br&amp;gt;Als nächsten Schritt fahre mit deiner rechten Handfläche von der linken Schulter über die Aussenseite (Hinterseite) des Oberarms, des Unterarms, über den Handrücken und über die linke Handfläche, Innenseite (Vorderseite) des Unterarms, Oberarms bis zu Achselhöhle. Auch diese Streichung kannst du mehrmals wiederholen mit wechselnder Aufmerksamkeit wie oben beschrieben und anschliessender Pause zum vergleichenden Wahrnehmen.&amp;lt;br&amp;gt;In einer nächsten Etappe fahre mit beiden Handflächen unter der linken Achselhöhle nach hinten zum linken Schulterblatt, fahre über deine linke Rückenhälfte nach unten, über deine linke Gesässbacke, die Aussenseite (Hinterseite) des linken Oberschenkels, das Knie, Schienbein, den Fussrücken (alles Hinterseite des Beines) zu den Zehenspitzen. Wiederhole, variiere in deiner Wahrnehmung und mache eine Pause zum Vergleichen.&amp;lt;br&amp;gt;Dann fahre mit deinen Handflächen über die linke Fussohle, Wade, Innenseite (Vorderseite) des Oberschenkels, über die linke Rumpfseite, Hals bis zum Gesicht.&amp;lt;br&amp;gt;Dann lege dich flach auf den Boden und nimm den Unterschied zwischen deiner linken und rechten Körperhälfte wahr.&amp;lt;br&amp;gt;Anschliessend gehe durch das gleiche Ritual auf der rechten Körperseite, mit der linken Hand beginnend. Diese Streichungen entsprechen gleichzeitig dem Verlauf der Muskulatur, wirken organisierend und klärend.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Rechts und links beziehen wir interessanterweise immer auf unseren Körper, sofern wir keinen anderen Bezugspunkt nennen. Wie, d.h. an was wir uns orientieren, ist besonders wichtig, wenn wir uns mit anderen Menschen bewegen wollen und dabei unsere Positionen im Raum verändern.&amp;lt;br&amp;gt;Wir nehmen uns selber wahr durch die Bewegung. Alles was wir erleben, erleben wir durch den Unterschied zwischen unserer eigenen Bewegung und der Bewegung ausserhalb von uns (lebendige wie auch nicht lebendige Umgebung). Wenn wir uns bewegen, indem wir uns im Körper orientieren - wo oben immer oben, vorne immer vorne bleibt usw. - erleben wir die Bewegung als etwas Klares, Einfaches. Wir erfahren unsere Person als klar abgegrenzt von der Umgebung. Dies wirkt sich auch auf unsere Fähigkeit aus, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Zitat ist in das fünfte Kapitel „Anwendungen“ eingebettet. Das vorausgehende Unterkapitel beleuchtet das Thema „Kinästhetik in der Rehabilitation“.Das Zitat ist der Text des zweiten Unterkapitels „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“ und beleuchtet das Thema Kinästhetik und Lernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„2. Was hat Kinästhetik der Sonderschule zu bieten? &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;2.1. Bewegung und Berührung als zentrales Arbeitsmedium.&amp;lt;br&amp;gt;[...]&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kinästhetik benützt Bewegung und Berührung als entscheidende Medien, um Lernen zu unterstützen und zu fördern.&amp;lt;br&amp;gt;So erhalten sie für die Förderung behinderter Schüler einen Stellenwert, wie er bislang in der Schule kaum gesehen wird.&amp;lt;br&amp;gt;Ein Kind hat grosse Schwierigkeiten, lesen zu lernen, wenn ihm nicht alle seine sensorischen Systeme behilflich sind, um die Schriftzeichen auf der Lesebuchseite zu verarbeiten. Je mehr seine sensorischen Systeme zusammenarbeiten, desto mehr kann es quantitativ lernen, und desto leichter fällt es ihm.&amp;lt;br&amp;gt;Das Lernen beginnt mit der Schwerkraft und dem Körper. In aufrechter Stellung zu sitzen oder aber eine Rassel zu schütteln oder Treppen abwärts zu gehen oder einen Bleistift zu halten, fördern die Aufnahmefähigkeit des Gehirns, um komplexere Dinge lernen zu können.&amp;lt;br&amp;gt;Mit der auf dem sensomotorischen Niveau entwickelten Aufnahmefähigkeit des Gehirns ist das Kind dann besser vorbereitet zu lernen, wie man zwei Zahlen addiert oder wie man einen Satz schreibt, aber auch wie man Beziehungen zu Freunden aufnimmt.&amp;lt;br&amp;gt;(Ayres, A.J. 1984, S.66)“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fünfte Zitat ist ebenso eingebettet in das fünfte Kapitel „Anwendungen“. Die vorausgehenden Unterkapitel beleuchten die Themen Kinästhetik in der Rehabilitation“ und „Kinästhetik in der Sonderpädagogik“. Das Zitat ist der Text des dritten Unterkapitels „Kinästhetik in der Krankenpflege“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„5.3. KINÄSTHETIK IN DER KRANKENPFLEGE &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;[...]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Orientierung im eigenen Körper:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn ein Mensch sich bewegt oder bewegt wird, indem die Richtung auf - ab, vorwärts - rückwärts, links - rechts auf seinen eigenen Körper bezogen, eingehalten wird, geschieht die Bewegung mühelos.&amp;lt;br&amp;gt;Besonders wichtig wird dieses Prinzip, wenn wir am Bett stehend gemeinsam mit dem liegenden Patienten etwas unternehmen wollen, denn sein Verhältnis zu &amp;quot;oben&amp;quot; im Raum ist nicht dasselbe wie unseres. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Information statt Anstrengung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kenntnis der Anatomie und der Bewegungsabläufe erleichtert das Umlagern und Bewegen eines Patienten so sehr, dass der/die Pflegende den Patienten mit minimaler Anstrengung umlagern und bewegen kann: Wenn ich weiss, dass und wie mein Patient sich drehen kann, ist es mir möglich, ihn aus der Badewanne zu &amp;quot;führen&amp;quot;, obwohl er sich vielleicht wegen seiner Fettleibigkeit &#039; nicht genügend vornüber beugen kann, um auf die Füsse zu kommen. Ich folge und entspreche seinen Möglichkeiten und führe ihn weiter, weil ich weiss, was möglich ist - so kommen wir gemeinsam zum Ziel. Das Gewicht läuft immer durch die Knochen des Patienten, ich zeige ihm mit meinen Händen die Richtung der Bewegung. Besonders wichtig ist dabei, dass ich den Patienten an seinen Massen führe. Nur so können seine Körperteile einander folgen.&amp;lt;br&amp;gt;Es ist verblüffend zu erfahren, wie leicht sich ein Patient drehen lässt, wenn ich weiss, wo ich ihn anfassen und in welche Richtung ich ziehen muss.&amp;lt;br&amp;gt;Eine wesentliche Hilfe für die Krankenpflege bietet die Einsicht, dass menschliche Fortbewegung, egal auf welcher Ebene, immer durch Gehen in Schritten stattfindet. Das heisst für die pflegende Person, dass jede Lageveränderung in kleinen Schritten geschehen kann, verbunden mit Gewichtsverlagerung. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kommunikation durch Berührung &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Sprache der Berührung versteht der Mensch zwanzigmal schneller, als Information, die durch einen anderen Sinn aufgenommen wird. Klare, bewusste Berührung ist eine sehr wirksame Art der Kommunikation und ist auch bei geistig reduzierten und schwerhörigen Patienten anwendbar. Verwirrte Patienten können zu mehr Klarheit finden durch Berührung als einziges Kommunikationsmittel.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Umgebung verändern - Hindernisse wegräumen &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich versuche immer, die Umgebung dem Patienten anzupassen. Beispielsweise räume ich alle möglichen Hindernisse aus dem Weg (Kissen, Möbel usw.) oder ordne sie so an, dass sie uns für unser Vorhaben dienen.&amp;lt;br&amp;gt;Das heisst auch, dass ich Kissen und Tücher benütze, um das Bett den Bedürfnissen des Patienten anzupassen.&amp;lt;br&amp;gt;Mit diesem Konzept ist es auch möglich, Verspannungen des Patienten zu lösen und Schmerzen zu vermeiden.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039; Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Ohne ISBN. Nachdruck 2009. S. 12, 15-17, 38-39, 47-48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
Im vierten Zitat wird eine der Bedeutungen des Themas beschrieben. Es besteht eine inhaltliche Verbindung, auch wenn der Begriff Orientierung nicht explizit erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Konzeptsystem]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgewählte weiterführende Literatur==&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Asmussen-Clausen, Maren (2009):&#039;&#039;&#039; Praxisbuch Kinaesthetics. Erfahrungen zur individuellen Bewegungsunterstützung auf Basis der Kinästhetik. 2. Auflage. München, Jena: Elsevier, Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-27570-8. S. 38 ff S. 130, S. 148, S. 175. S.40 und 46&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny (2003):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten. Übersetzung: Ute Villwock, Elisabeth Brock. 2., komplett überarbeitete Auflage. München, Jena: Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-31467-4. S. 46 ff, S. 106, S. 134.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4. S. 93 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kommentare, Auswertung und offene Fragen==&lt;br /&gt;
Aus unserer Sicht scheint die Unterscheidung zwischen der Orientierung nach Innen (im Körper) und Orientierung nach Außen (im Raum) im Zusammenhang mit Bewegung im Kontext des Fachgebiets Kinästhetik von grundlegender Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei geht es um  Fragen wie: Woran orientiere ich mich? Woran richte ich mich aus? Woran kann ich etwas messen? Womit kann ich vergleichen? Womit kann ich abgleichen? Wie kann ich die Gewichtsverlagerung in mir differenziert wahrnehmen? Wie erfahre ich die möglichen Richtungen? Kann ich merken, wann ich die Richtung ändern kann? Wie oft braucht es eine Richtungsänderung? etc.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=5154</id>
		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=5154"/>
		<updated>2024-06-05T13:32:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem redaktionell betreuten Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“). Ziel dieses langfristigen, im Jahr 2017 gestarteten Projekts ist, in einem Netzwerk von interessierten Personen ein umfassendes Lexikon aufzubauen, in dessen Zentrum das junge Fachgebiet der Kinästhetik steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konkret will das KOFL&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen die aktuelle und historische Faktenlage zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen und dem Kontakt mit ThementrägerInnen das Erfahrungswissen zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* allen interessierten Personen die Möglichkeit bieten, sich über Fachthemen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften zu informieren, sie zu diskutieren und zur Weiterentwicklung des KOFL beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie du dich für das KOFL engagieren kannst, wird auf den Seiten beschrieben, die du unter der Überschrift „Mitmachen“ in der linken Spalte der Benutzeroberfläche findest. Ausführlichere Informationen zum KOFL-Projekt sind auf der Seite „[[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]“ zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist das KOFL zum aktuellen Zeitpunkt weit vom Ziel eines umfassenden Lexikons der Kinästhetik entfernt. Das Projektteam ist zuversichtlich, dass sich das KOFL in den kommenden Jahren durch eine fruchtbare Zusammenarbeit aller interessierten Personen Schritt für Schritt diesem Ziel annähern kann, und dankt allen, die sich in welcher Weise auch immer für das KOFL engagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuletzt erschienene Beiträge:&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Erfahren (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Konzept (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Orientierung]]“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=5153</id>
		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
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		<updated>2024-06-05T13:32:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem redaktionell betreuten Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Knaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“). Ziel dieses langfristigen, im Jahr 2017 gestarteten Projekts ist, in einem Netzwerk von interessierten Personen ein umfassendes Lexikon aufzubauen, in dessen Zentrum das junge Fachgebiet der Kinästhetik steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konkret will das KOFL&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen die aktuelle und historische Faktenlage zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen und dem Kontakt mit ThementrägerInnen das Erfahrungswissen zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* allen interessierten Personen die Möglichkeit bieten, sich über Fachthemen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften zu informieren, sie zu diskutieren und zur Weiterentwicklung des KOFL beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie du dich für das KOFL engagieren kannst, wird auf den Seiten beschrieben, die du unter der Überschrift „Mitmachen“ in der linken Spalte der Benutzeroberfläche findest. Ausführlichere Informationen zum KOFL-Projekt sind auf der Seite „[[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]“ zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist das KOFL zum aktuellen Zeitpunkt weit vom Ziel eines umfassenden Lexikons der Kinästhetik entfernt. Das Projektteam ist zuversichtlich, dass sich das KOFL in den kommenden Jahren durch eine fruchtbare Zusammenarbeit aller interessierten Personen Schritt für Schritt diesem Ziel annähern kann, und dankt allen, die sich in welcher Weise auch immer für das KOFL engagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuletzt erschienene Beiträge:&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Erfahren (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Konzept (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Orientierung]]“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Benutzer:Michael_Koch&amp;diff=3922</id>
		<title>Benutzer:Michael Koch</title>
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		<updated>2021-08-03T15:57:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Die Seite wurde geleert.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Benutzer:Michael_Koch&amp;diff=3921</id>
		<title>Benutzer:Michael Koch</title>
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		<updated>2021-08-03T15:56:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;HidePrefix-Test: [[KOFL:Redaktion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Benutzer_Diskussion:Michael_Koch&amp;diff=3920</id>
		<title>Benutzer Diskussion:Michael Koch</title>
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		<updated>2021-08-03T15:55:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Die Seite wurde geleert.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernzyklus&amp;diff=3911</id>
		<title>Lernzyklus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernzyklus&amp;diff=3911"/>
		<updated>2021-07-30T23:36:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Teständerung entfernt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einem einschlägigen Zitat zum Thema Lernzyklus. Der Lernzyklus ist eine methodische Großform, die angelehnt an das Lernmodell in vier Schritten einen Zyklus bildet und insbesondere selbstgesteuertes Lernen unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Lernzyklus in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ ==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Im zweiten Kapitel „Methoden und Instrumente“ beschreibt der Text unter dem zweiten Unterkapitel „[[Lernmodell|Das Lernmodell]]“ dessen erste konkrete Ausprägung unter dem Titel &#039;&#039;&#039;„Der Lernzyklus“&#039;&#039;&#039;. Bei dieser rückt der Praxisbezug, d. h., die Anwendung des Themas in einer konkreten Situation, im dritten Teil in den Mittelpunkt. Nach dem Lernzyklus wird die zweite konkrete Ausprägung, die [[Lernspirale]], beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Eine Methode, die an Kurstagen verwendet wird, ist der &#039;&#039;&#039;Lernzyklus&#039;&#039;&#039;. Ein Lernzyklus betrifft ein bestimmtes Thema, z. B. das Konzept Funktionale Anatomie, das Thema [[Bewegungskompetenz]] oder die [[Feedback-Control-Theorie]]. In einem Zyklus (griechisch, ‚Kreis‘) werden Aspekte des Themas in Einstiegs-, Lern-, Integrations- und Ausstiegsaktivitäten unter definierten Blickwinkeln für Sie erfahrbar und dokumentierbar. Der Lernzyklus erlaubt ein gleichermaßen fokussiertes wie breites Lernen, das durch die differenzierte Beschreibung und Auswertung der eigenen Lernfortschritte mit dem Instrument der [[Bildungsfelder]] unterstützt wird. Für ein gezieltes Lernen in Kinaesthetics ist es wichtig, dass Sie die Anlage eines Lernzyklus verstehen. Die Gestaltung von Lernzyklen hingegen wird erst in der TrainerInnen-Ausbildung zu einem Lernthema. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Lernzyklus-color DE.jpg|500px|thumb|zentriert|&#039;&#039;Der &#039;&#039;&#039;Lernzyklus&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Der Aufbau, die Teile und Schwerpunkte des Lernzyklus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &amp;lt;br clear=all&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Einstiegsaktivitäten&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;Im Einstieg wird Ihnen das Thema vorgestellt und es erfolgt eine Einführung mithilfe der Sprache oder auch mit kurzen [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]]. Dabei ist wichtig zu klären, in welchem Kontext und mit welcher Absicht das Thema untersucht wird, welche Bedeutung es in diesem Kontext haben kann und welche Anknüpfungspunkte es zu anderen Themen bietet. Der Einstieg dient auch der Bestimmung Ihrer persönlichen Ausgangslage bezüglich des Themas. Dies kann durch die Ausführung und Dokumentation einer geeigneten Bewegungserfahrung geschehen oder durch irgendeine andere Erfahrung, die Ihnen z. B. Aufschluss über Ihre aktuellen Annahmen gibt. Diese ‚Vergleichsaktivität (A1)‘ wird am Ende des Lernzyklus als ‚Vergleichsaktivität (A2)‘ wieder aufgenommen, um einen Vergleich vorzunehmen. Das schriftliche Dokumentieren der Vergleichsaktivitäten erlaubt Ihnen dabei einen zuverlässigeren Vergleich Ihrer Erfahrungen oder Annahmen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernaktivitäten&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;Die Lernaktivitäten dienen dazu, die Aufmerksamkeit auf die [[Unterschied|Unterschiede]] und ihre Eigenschaften zu richten, die bei der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten des Themas aus Ihrer Innenperspektive auffallen. Hierfür werden spezifische Blickwinkel oder Fragestellungen definiert. Die Lernaktivitäten bilden einen Rahmen, in dem Sie sich allein oder zusammen mit anderen Menschen der Erforschung und Analyse des Themas widmen können, losgelöst von seiner Anwendung und Bedeutung in der Praxis. Die Herausforderungen einer konkreten Lebenssituation sind in diesem Teil des Lernzyklus also zweitrangig. Je differenzierter und umfassender bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Unterschiede entdeckt und wahrgenommen werden, desto leichter erkennt man auch zugrunde liegende Muster. In einem Lernzyklus zu einem Kinaesthetics-Konzept werden v. a. die [[Bewegungserfahrung|Einzel- und Partnererfahrungen]] als Lernaktivitäten verwendet. Für diese Bewegungserfahrungen wird jeweils ein Fokus des Konzeptsystems festgelegt und erklärt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Das hauptsächliche Lernthema ist die Entwicklung einer differenzierten Bewegungswahrnehmung, -steuerung und -anpassung durch die Erforschung und Analyse Ihrer grundsätzlichen Bewegungsmöglichkeiten. Während der Lernaktivitäten erhalten Sie regelmäßig Zeit für die persönliche Reflexion und Beschreibung Ihrer Erfahrungen sowie für den gemeinsamen Austausch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Integrationsaktivitäten&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;Der Bezug zur Praxis bildet den Ausgangspunkt der Integrationsaktivitäten. Sie setzen sich im Rahmen des Themas mit einer konkreten Situation oder Aktivität Ihres beruflichen oder privaten Alltags auseinander. Sie bauen in dem Sinne auf Ihren Lernaktivitäten auf, dass Sie bei dieser Beschäftigung mit einer konkreten Lebenssituation besonders auf die Unterschiede achten, die Sie aufgrund Ihrer Lernaktivitäten differenzierter und mit erhöhter Sensibilität wahrnehmen können. In den Integrationsaktivitäten untersuchen Sie in diesem Sinne einerseits den Ihnen vertrauten Weg der Ausführung der betreffenden Aktivität. Andererseits ist es wichtig, ihn zu variieren und neue Wege zu erforschen. Dies erleichtert es Ihnen, Ihre ‚normalen‘ Muster zu erkennen und zu verstehen. Zugleich verschaffen Sie sich dadurch eine Vielzahl von Möglichkeiten in der betreffenden Situation und erweitern Ihren Handlungsspielraum. Auch in diesem Teil erhalten Sie die Gelegenheit zur persönlichen oder gemeinsamen Reflexion und Dokumentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ausstiegsaktivitäten&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;Im Ausstiegsteil führen Sie die Vergleichsaktivität des Einstiegs erneut aus und beschreiben, wie Sie diese jetzt wahrnehmen und was Ihr aktueller Standort in Bezug auf das Thema ist. Der Vergleich zwischen der Ausgangslage und dem aktuellen Standort erleichtert es Ihnen, Ihre Lernfortschritte zu erkennen und auszuwerten. Achten Sie bei der Auswertung Ihres Lernprozesses darauf, welche Erfahrungen, Erkenntnisse und Ideen aus dem ganzen Lernzyklus für Sie eine besondere Bedeutung haben, aber auch darauf, wo für Sie noch offene Fragen bestehen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 18–21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stefan Marty-Teuber (2014):&#039;&#039;&#039; Zyklus: Vom Rad zum Hals. Serie „wörterwurzeln“. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2014, Nr. 1.  S. 32–34. Zum Artikel geht es [[Medium:Zyklus-mast-lq.pdf|hier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
* [[Lernmodell]]&lt;br /&gt;
* [[Lernspirale]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernen/Methodische Großformen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernzyklus&amp;diff=3910</id>
		<title>Lernzyklus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernzyklus&amp;diff=3910"/>
		<updated>2021-07-30T23:35:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Teständerung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einem einschlägigen Zitat zum Thema Lernzyklus. Der Lernzyklus ist eine methodische Großform, die angelehnt an das Lernmodell in vier Schritten einen Zyklus bildet und insbesondere selbstgesteuertes Lernen unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Lernzyklus in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ ==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Im zweiten Kapitel „Methoden und Instrumente“ beschreibt der Text unter dem zweiten Unterkapitel „[[Lernmodell|Das Lernmodell]]“ dessen erste konkrete Ausprägung unter dem Titel &#039;&#039;&#039;„Der Lernzyklus“&#039;&#039;&#039;. Bei dieser rückt der Praxisbezug, d. h., die Anwendung des Themas in einer konkreten Situation, im dritten Teil in den Mittelpunkt. Nach dem Lernzyklus wird die zweite konkrete Ausprägung, die [[Lernspirale]], beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Eine Methode, die an Kurstagen verwendet wird, ist der &#039;&#039;&#039;Lernzyklus&#039;&#039;&#039;. Ein Lernzyklus betrifft ein bestimmtes Thema, z. B. das Konzept Funktionale Anatomie, das Thema [[Bewegungskompetenz]] oder die [[Feedback-Control-Theorie]]. In einem Zyklus (griechisch, ‚Kreis‘) werden Aspekte des Themas in Einstiegs-, Lern-, Integrations- und Ausstiegsaktivitäten unter definierten Blickwinkeln für Sie erfahrbar und dokumentierbar. Der Lernzyklus erlaubt ein gleichermaßen fokussiertes wie breites Lernen, das durch die differenzierte Beschreibung und Auswertung der eigenen Lernfortschritte mit dem Instrument der [[Bildungsfelder]] unterstützt wird. Für ein gezieltes Lernen in Kinaesthetics ist es wichtig, dass Sie die Anlage eines Lernzyklus verstehen. Die Gestaltung von Lernzyklen hingegen wird erst in der TrainerInnen-Ausbildung zu einem Lernthema. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Lernzyklus-color DE.jpg|500px|thumb|zentriert|&#039;&#039;Der &#039;&#039;&#039;Lernzyklus&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Der Aufbau, die Teile und Schwerpunkte des Lernzyklus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &amp;lt;br clear=all&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Einstiegsaktivitäten&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;Im Einstieg wird Ihnen das Thema vorgestellt und es erfolgt eine Einführung mithilfe der Sprache oder auch mit kurzen [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]]. Dabei ist wichtig zu klären, in welchem Kontext und mit welcher Absicht das Thema untersucht wird, welche Bedeutung es in diesem Kontext haben kann und welche Anknüpfungspunkte es zu anderen Themen bietet. Der Einstieg dient auch der Bestimmung Ihrer persönlichen Ausgangslage bezüglich des Themas. Dies kann durch die Ausführung und Dokumentation einer geeigneten Bewegungserfahrung geschehen oder durch irgendeine andere Erfahrung, die Ihnen z. B. Aufschluss über Ihre aktuellen Annahmen gibt. Diese ‚Vergleichsaktivität (A1)‘ wird am Ende des Lernzyklus als ‚Vergleichsaktivität (A2)‘ wieder aufgenommen, um einen Vergleich vorzunehmen. Das schriftliche Dokumentieren der Vergleichsaktivitäten erlaubt Ihnen dabei einen zuverlässigeren Vergleich Ihrer Erfahrungen oder Annahmen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernaktivitäten&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;Die Lernaktivitäten dienen dazu, die Aufmerksamkeit auf die [[Unterschied|Unterschiede]] und ihre Eigenschaften zu richten, die bei der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten des Themas aus Ihrer Innenperspektive auffallen. Hierfür werden spezifische Blickwinkel oder Fragestellungen definiert. Die Lernaktivitäten bilden einen Rahmen, in dem Sie sich allein oder zusammen mit anderen Menschen der Erforschung und Analyse des Themas widmen können, losgelöst von seiner Anwendung und Bedeutung in der Praxis. Die Herausforderungen einer konkreten Lebenssituation sind in diesem Teil des Lernzyklus also zweitrangig. Je differenzierter und umfassender bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Unterschiede entdeckt und wahrgenommen werden, desto leichter erkennt man auch zugrunde liegende Muster. In einem Lernzyklus zu einem Kinaesthetics-Konzept werden v. a. die [[Bewegungserfahrung|Einzel- und Partnererfahrungen]] als Lernaktivitäten verwendet. Für diese Bewegungserfahrungen wird jeweils ein Fokus des Konzeptsystems festgelegt und erklärt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Das hauptsächliche Lernthema ist die Entwicklung einer differenzierten Bewegungswahrnehmung, -steuerung und -anpassung durch die Erforschung und Analyse Ihrer grundsätzlichen Bewegungsmöglichkeiten. Während der Lernaktivitäten erhalten Sie regelmäßig Zeit für die persönliche Reflexion und Beschreibung Ihrer Erfahrungen sowie für den gemeinsamen Austausch.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Integrationsaktivitäten&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;Der Bezug zur Praxis bildet den Ausgangspunkt der Integrationsaktivitäten. Sie setzen sich im Rahmen des Themas mit einer konkreten Situation oder Aktivität Ihres beruflichen oder privaten Alltags auseinander. Sie bauen in dem Sinne auf Ihren Lernaktivitäten auf, dass Sie bei dieser Beschäftigung mit einer konkreten Lebenssituation besonders auf die Unterschiede achten, die Sie aufgrund Ihrer Lernaktivitäten differenzierter und mit erhöhter Sensibilität wahrnehmen können. In den Integrationsaktivitäten untersuchen Sie in diesem Sinne einerseits den Ihnen vertrauten Weg der Ausführung der betreffenden Aktivität. Andererseits ist es wichtig, ihn zu variieren und neue Wege zu erforschen. Dies erleichtert es Ihnen, Ihre ‚normalen‘ Muster zu erkennen und zu verstehen. Zugleich verschaffen Sie sich dadurch eine Vielzahl von Möglichkeiten in der betreffenden Situation und erweitern Ihren Handlungsspielraum. Auch in diesem Teil erhalten Sie die Gelegenheit zur persönlichen oder gemeinsamen Reflexion und Dokumentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ausstiegsaktivitäten&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;Im Ausstiegsteil führen Sie die Vergleichsaktivität des Einstiegs erneut aus und beschreiben, wie Sie diese jetzt wahrnehmen und was Ihr aktueller Standort in Bezug auf das Thema ist. Der Vergleich zwischen der Ausgangslage und dem aktuellen Standort erleichtert es Ihnen, Ihre Lernfortschritte zu erkennen und auszuwerten. Achten Sie bei der Auswertung Ihres Lernprozesses darauf, welche Erfahrungen, Erkenntnisse und Ideen aus dem ganzen Lernzyklus für Sie eine besondere Bedeutung haben, aber auch darauf, wo für Sie noch offene Fragen bestehen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 18–21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien (Test) ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stefan Marty-Teuber (2014):&#039;&#039;&#039; Zyklus: Vom Rad zum Hals. Serie „wörterwurzeln“. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2014, Nr. 1.  S. 32–34. Zum Artikel geht es [[Medium:Zyklus-mast-lq.pdf|hier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
* [[Lernmodell]]&lt;br /&gt;
* [[Lernspirale]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernen/Methodische Großformen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=MediaWiki:Sidebar&amp;diff=3223</id>
		<title>MediaWiki:Sidebar</title>
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		<updated>2021-02-16T16:04:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Link zu Hauptseite von Projekt IT geändert&lt;/p&gt;
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		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=MediaWiki:Sidebar&amp;diff=2849</id>
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		<updated>2020-12-04T04:08:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
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		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<title>MediaWiki:Sidebar</title>
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		<updated>2020-12-04T04:00:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
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		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Projekt-IT:Progetto_Il_Sistema_Concettuale_00:_Pagina_progetto&amp;diff=2665</id>
		<title>Projekt-IT:Progetto Il Sistema Concettuale 00: Pagina progetto</title>
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		<updated>2020-10-21T03:14:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Testseite des Projekt-IT Namensraums&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
asdf 1234&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Projekt-IT_Diskussion:Progetto_Il_Sistema_Concettuale_00:_Pagina_progetto&amp;diff=2664</id>
		<title>Projekt-IT Diskussion:Progetto Il Sistema Concettuale 00: Pagina progetto</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Projekt-IT_Diskussion:Progetto_Il_Sistema_Concettuale_00:_Pagina_progetto&amp;diff=2664"/>
		<updated>2020-10-21T03:13:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Die Seite wurde neu angelegt: „Diskussion von Test IT: blablabla“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diskussion von Test IT: blablabla&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
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		<title>MediaWiki:Sidebar</title>
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		<updated>2020-10-21T03:11:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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		<title>MediaWiki:Sidebar</title>
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		<updated>2020-10-21T03:06:28Z</updated>

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		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<title>MediaWiki:Sidebar</title>
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		<updated>2020-10-21T03:04:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
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		<title>Projekt-IT:Progetto Il Sistema Concettuale 00: Pagina progetto</title>
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		<updated>2020-10-21T03:03:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Die Seite wurde neu angelegt: „## Testseite des Projekt-IT Namensraums  asdf 1234“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;## Testseite des Projekt-IT Namensraums&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
asdf 1234&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Benutzer_Diskussion:Michael_Koch&amp;diff=1502</id>
		<title>Benutzer Diskussion:Michael Koch</title>
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		<updated>2019-04-09T11:46:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Michael Koch verschob die Seite Benutzer Diskussion:Michael.koch nach Benutzer Diskussion:Michael Koch, ohne dabei eine Weiterleitung anzulegen: Seite während der Benutzerkontoumbenennung von „Michael.koch“ in „[[Us…&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;test tst&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<title>Benutzer:Michael Koch</title>
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		<updated>2019-04-09T11:46:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Michael Koch verschob die Seite Benutzer:Michael.koch nach Benutzer:Michael Koch, ohne dabei eine Weiterleitung anzulegen: Seite während der Benutzerkontoumbenennung von „Michael.koch“ in „[[User:Michael Koch|Michae…&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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		<title>Benutzer Diskussion:Michael Koch</title>
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		<updated>2019-04-09T11:44:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Michael.koch verschob die Seite Benutzer Diskussion:Michael Koch nach Benutzer Diskussion:Michael.koch, ohne dabei eine Weiterleitung anzulegen: Seite während der Benutzerkontoumbenennung von „Michael Koch“ in „[[Us…&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;test tst&lt;/div&gt;</summary>
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		<updated>2019-04-09T11:44:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Michael.koch verschob die Seite Benutzer:Michael Koch nach Benutzer:Michael.koch und überschrieb dabei eine Weiterleitung, ohne selbst eine Weiterleitung anzulegen: Seite während der Benutzerkontoumbenennung von „[[User:Michael Koch|Michael…&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=1490</id>
		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
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		<updated>2019-04-05T17:50:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem redaktionell betreuten Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“). Ziel dieses langfristigen, im Jahr 2017 gestarteten Projekts ist, in einem Netzwerk von interessierten Personen ein umfassendes Lexikon aufzubauen, in dessen Zentrum das junge Fachgebiet der Kinästhetik steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konkret will das KOFL&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen die aktuelle und historische Faktenlage zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen und dem Kontakt mit ThementrägerInnen das Erfahrungswissen zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* allen interessierten Personen die Möglichkeit bieten, sich über Fachthemen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften zu informieren, sie zu diskutieren und zur Weiterentwicklung des KOFL beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie du dich für das KOFL engagieren kannst, wird auf den Seiten beschrieben, die du unter der Überschrift „Mitmachen“ in der linken Spalte der Benutzeroberfläche findest. Ausführlichere Informationen zum KOFL-Projekt sind auf der Seite „[[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]“ zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist das KOFL zum aktuellen Zeitpunkt weit vom Ziel eines umfassenden Lexikons der Kinästhetik entfernt. Das Projektteam ist zuversichtlich, dass sich das KOFL in den kommenden Jahren durch eine fruchtbare Zusammenarbeit aller interessierten Personen Schritt für Schritt diesem Ziel annähern kann, und dankt allen, die sich in welcher Weise auch immer für das KOFL engagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kürzlich erschienene Beiträge:&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Knochen und Muskeln]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Stabil und instabil]]“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=1489</id>
		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
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		<updated>2019-04-05T17:49:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
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&lt;br /&gt;
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Kürzlich erschienene Beiträge:&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Knochen und Muskeln]]“&lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Stabil und instabil]]“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=1488</id>
		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
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		<updated>2019-04-05T17:49:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
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Natürlich ist das KOFL zum aktuellen Zeitpunkt weit vom Ziel eines umfassenden Lexikons der Kinästhetik entfernt. Das Projektteam ist zuversichtlich, dass sich das KOFL in den kommenden Jahren durch eine fruchtbare Zusammenarbeit aller interessierten Personen Schritt für Schritt diesem Ziel annähern kann, und dankt allen, die sich in welcher Weise auch immer für das KOFL engagieren.&lt;br /&gt;
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Kürzlich erschienene Beiträge:&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Knochen und Muskeln]]“&lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Stabil und instabil]]“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<updated>2019-04-05T17:49:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“). Ziel dieses langfristigen, im Jahr 2017 gestarteten Projekts ist, in einem Netzwerk von interessierten Personen ein umfassendes Lexikon aufzubauen, in dessen Zentrum das junge Fachgebiet der Kinästhetik steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konkret will das KOFL&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen die aktuelle und historische Faktenlage zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen und dem Kontakt mit ThementrägerInnen das Erfahrungswissen zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Natürlich ist das KOFL zum aktuellen Zeitpunkt weit vom Ziel eines umfassenden Lexikons der Kinästhetik entfernt. Das Projektteam ist zuversichtlich, dass sich das KOFL in den kommenden Jahren durch eine fruchtbare Zusammenarbeit aller interessierten Personen Schritt für Schritt diesem Ziel annähern kann, und dankt allen, die sich in welcher Weise auch immer für das KOFL engagieren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kürzlich erschienene Beiträge:&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Knochen und Muskeln]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Stabil und instabil]]“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<title>Knochen und Muskeln</title>
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		<updated>2019-04-05T17:40:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|vorläufig abgeschlossen|Lutz Zierbeck/Joachim Reif}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel behandelt die aktuelle Verwendung des kinästhetischen Fachbegriffes „Knochen und Muskeln“ in ausgewählter Fachliteratur. Ebenso wird die Geschichte des Fachbegriffes mit Literaturzitaten dargestellt. Auf Erfahrungsberichte, die die Verwendung des Begriffes in der Praxis illustrieren, wird verwiesen. Abschließend werden die begrifflichen Aspekte des Themas dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Begriffs == &lt;br /&gt;
[[Datei:Knochen-und-Muskeln.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
=== „Knochen und Muskeln“ in „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
==== Die Einbettung von „Knochen und Muskeln“ im Konzept „Funktionale Anatomie“ ====&lt;br /&gt;
Im Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ bezeichnet die Unterscheidung von Knochen und Muskeln das erste Unterthema des zweiten Konzepts „Funktionale Anatomie“. Damit wird ein in der [[1.-Person-Methode]] subjektiv erfahrbares Grundmuster im menschlichen Körper benannt, das in einem funktionalen Zusammenspiel von stabilen und instabilen Eigenschaften des Körpers besteht. Dabei wird darauf hingewiesen, dass die Form die Funktion und umgekehrt die Funktion die Form beeinflusst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2018):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Siebnen: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Struktur der Knochen und Muskeln beeinflusst somit die menschlichen Bewegungsmöglichkeiten in alltäglichen Aktivitäten und umgekehrt beeinflussen die lebenslangen Bewegungsgewohnheiten, die Art und Weise, wie wir die Knochen und Muskeln im Alltag nutzen, ihre Struktur. Die Unterscheidung zwischen Knochen und Muskeln dient in Bewegungserfahrungen zur Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Knochen und ihre Eigenschaften und Funktionen ====&lt;br /&gt;
Die in der Bewegung leicht erfahrbaren und wahrnehmbaren Eigenschaften der Knochen werden mit den Worten „hart, stabil und robust“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 20&amp;lt;/ref&amp;gt; charakterisiert. In funktionaler Hinsicht bilden die Knochen ein formgebendes Gerüst des Körpers und ermöglichen Stabilität und Halt. Sie tragen das Körpergewicht oder leiten es zu einer Unterstützungsfläche weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Muskeln und ihre Eigenschaften und Funktionen ====&lt;br /&gt;
Muskeln werden als weich und instabil erfahrbar im entspannten Zustand und als veränderbar durch Anspannung und Entspannung beschrieben. Ihre Funktionen sind die Erhaltung oder Veränderung der Stellung der Knochen zueinander, damit es möglich wird, das Körpergewicht über Knochen abzuleiten. Die Eigenschaft der Veränderbarkeit und Beweglichkeit nimmt ab, wenn Muskeln Gewicht tragen, weil sie dann angespannt, hart und stabil werden&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 20&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es liegt nahe, dass dieser Umstand eine bedeutende Auswirkung auf die Qualität der Bewegung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Das funktional angepasste Zusammenspiel von Knochen und Muskeln ====&lt;br /&gt;
Aus dem Blickwinkel von „Knochen und Muskeln“ zeigt sich die Qualität der Bewegung darin, dass die Muskeln hauptsächlich das Abgeben und Weiterleiten des Körpergewichts über die Knochen unterstützen und sonst möglichst entspannt und beweglich bleiben&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 20&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorder- und Rückseiten ====&lt;br /&gt;
Im zweiten Konzept „Funktionale Anatomie“ wird im abschließenden Unterthema „Orientierung“ die erfahrbare Unterscheidung der Vorder- und Rückseiten thematisiert. Die funktionalen Rückseiten werden u. a. als „knochig“ charakterisiert und als Seiten, bei denen „Knochen ziemlich direkt und großflächig unter der Haut“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 28&amp;lt;/ref&amp;gt; liegen. Andererseits wird zwischen Beuge- und Streckmuskeln bezüglich ihrer Anordnung und ihrer Eigenschaften unterschieden. Die Streckmuskeln sind hauptsächlich auf den funktionalen Rückseiten zu finden. In funktionaler Hinsicht sind sie besser dazu geeignet, Gewicht zu tragen oder abzugeben. Die Beugemuskeln liegen hauptsächlich auf den funktionalen Vorderseiten. Sie sind in funktionaler Hinsicht eher dazu geeignet, Gewicht auf Rückseiten zu leiten und die Anpassung der Gewichtsorganisation zu gestalten&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 28&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Bedeutung der Knochen oder Muskeln bei weiteren Konzeptthemen ====&lt;br /&gt;
Knochen oder Muskeln werden in anderen Konzepten unterschiedlich thematisiert. Es fällt auf, dass sich die Unterscheidung „Massen und Zwischenräumen“ textlich deutlich als Unterbau von folgenden Konzeptthemen fortsetzt, weniger aber „Knochen und Muskeln“. Hingegen tauchen die beiden Begriffe in der gemeinsprachlichen bzw. physiologischen Bedeutung in unterschiedlichen Zusammenhängen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Konzept „Interaktion“ werden im zweiten Unterthema „Bewegungselemente“ u. a. Knochen und Muskeln unter dem Stichwort des inneren Raums als formgebend für den Bewegungsraum im Körper genannt, die Menge der eingesetzten Muskelkraft als Kriterium der inneren Anstrengung&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 14&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Konzept „Funktionale Anatomie“, wird im Unterthema „Massen und Zwischenräume“ auf die Knochenstrukturen der zentralen Massen verwiesen, die Hohlräume für die inneren Organe bilden, und desgleichen darauf, dass Muskeln ein Kennzeichen für Zwischenräume sind&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 21&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gleichen Konzept sind im Unterthema „Haltungs- und Transportbewegungsebenen“ zur Erläuterung Grafiken aller menschlichen Knochen eingefügt, die bei der Identifizierung dieser Bewegungsebenen helfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch auf die Muskeln wird verschiedentlich Bezug genommen: In der Einleitung zum dritten Konzept „Menschliche Bewegung“ wird die Bedeutung des Begriffs Bewegung in der Kinästhetik erläutert und dabei „die andauernde aktive Muskelarbeit zur Gewichtsorganisation der Körperteile“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 31&amp;lt;/ref&amp;gt; genannt, dies neben den unwillkürlichen und willkürlichen Bewegungen. Das Zusammenspiel von „Knochen und Muskeln“ spielt bei der Gewichtsorganisation eine zentrale Rolle (vgl. oben).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „Knochen und Muskeln“ in „Kinaesthetics Infant Handling“ ===&lt;br /&gt;
In diesem Standardwerk von Lenny Maietta (1950–2018) und Frank Hatch (*1940), in dem das Kind und seine Entwicklung ins Zentrum gestellt wird, werden Knochen und Muskeln mehrfach thematisiert. So im Kapitel 3.5 „Theorien zur Gesundheitsentwicklung“, wo im Unterkapitel 3.5.1.1 „Metabolische Felder“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2004):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. Bern [u. a.]: H. Huber. ISBN 3-456-83310-5. S. 44 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;   diesbezügliche Theorien von Erich Blechschmidt (1904–1992) zur embryonalen Entwicklung dargestellt werden. &lt;br /&gt;
Nicht nur die Eigenschaften und Aufgaben von Knochen und Muskeln werden im Kapitel 4.4 „Funktionelle Anatomie“, Unterkapitel 4.4.1 „Muskeln und Knochen“ in weitgehender Übereinstimmung mit den oben dargestellten Inhalten aufgeführt. Der Fokus des Zusammenspiels der beiden Strukturen wird durch den Hinweis auf das „Skelett-Muskel-System“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 86&amp;lt;/ref&amp;gt;  deutlich und durch die Aussage illustriert: „Muskeln und Knochen gewährleisten im Zusammenspiel unsere Bewegungsmöglichkeiten.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 87&amp;lt;/ref&amp;gt;  Im Zusammenhang mit erwachsenen Menschen wird auch vom „Knochen-Muskel-Apparat&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 87&amp;lt;/ref&amp;gt;  gesprochen, ein weiterer Beleg für die Verwendung und Bedeutung des entsprechenden kinästhetischen Fachbegriffs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ===&lt;br /&gt;
Der Umgang mit der eigenen Anatomie ist höchst individuell und steht in einer Wechselwirkung mit der Kompetenz, sein Körpergewicht in der Schwerkraft organisieren zu können. Um diese Kompetenz genauer zu verstehen, wird die Achtung auf das Zusammenspiel von verschiedenen Körperteilen oder -strukturen gelenkt. Ein einfach erfahrbares Beispiel dafür ist das Zusammenspiel zwischen den stabilen Knochen und den instabilen Muskeln. Vereinfacht ausgedrückt sind Knochen aufgrund ihrer Stabilität (Eigenschaft) gut geeignet, Gewicht auf eine Unterstützungsfläche abzugeben (Funktion). Muskeln sind aufgrund ihrer Instabilität im Sinne der Veränderlichkeit (Eigenschaft) gut geeignet, den Körper oder Teile davon in Bewegung zu versetzen (Funktion). Sie können auch Gewicht tragen oder festhalten, indem sie ihre Spannung erhöhen. Je mehr Gewicht durch die Muskulatur getragen und nicht über Knochen auf die Unterstützungsfläche abgegeben wird, desto höher ist die Spannung der Muskulatur. Dies wirkt sich gemäß den Forschungen von Weber und Fechner einschränkend auf eine differenzierte Wahrnehmung der eigenen Muskelspannung aus und somit auf die Beweglichkeit aus. Diese Zusammenhänge intuitiv und auch kognitiv zu verstehen und gezielt wahrnehmen und anpassen zu können, ist ein wichtiger Schritt, um die eigene Bewegungskompetenz bewusst weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
Im Kontext der Unterstützung eines Menschen mit Bewegungseinschränkungen spielt die Beobachtung und Wahrnehmung der Gewichtsorganisation eine wichtige Rolle. Traditionell wird Hilfe bei Aktivitäten wie z. B. beim Aufstehen vom Stuhl oder Bett so gestaltet, dass die helfende Person Gewicht der sitzenden Person übernimmt und mit ihrem eigenen Körper „trägt“. Die Folgen für die unterstützende Person können dabei in Richtung Überlastung gehen. Die Folgen für die unterstützte Person können in Richtung Kompetenzeinschränkung gehen, weil durch diese Art der Unterstützung die Möglichkeiten zum Üben und dadurch Aufrechterhalten oder Entwickeln ihrer Kompetenzen wegfallen. &lt;br /&gt;
Die Selbst- und Außenwahrnehmung des Zusammenspiels von Knochen und Muskeln bei beiden Beteiligten in dieser Hilfestellung kann Möglichkeiten finden helfen, wie das Gewicht mehr über Knochen geleitet werden kann. So besteht für die unterstützte Person die Chance, dass sie auch bei einer Schwäche der Muskulatur lernt, ihr eigenes Körpergewicht selber zu organisieren. &lt;br /&gt;
Im Kontext der Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz im Alltag nimmt das Zusammenspiel von „Knochen und Muskeln“ ebenso eine wichtige Rolle ein. Konkret verhilft die Achtung auf die eigene Gewichtsorganisation z. B. bei längeren sitzenden Tätigkeiten zu einer bewussten und funktional angepassten Gestaltung dieser Aktivität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knochen und Muskeln im 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 ===&lt;br /&gt;
==== Einleitung ====&lt;br /&gt;
In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 werden im Kapitel 4 „Grundprinzipien“ die Themen aufgeführt, die in der Kinästhetik benützt werden „um Menschen zu helfen, Beziehungsmuster zu entdecken und bewusst zu erleben“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Nachdruck 2009. S. 12&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es handelt sich um die erste Beschreibung von Prinzipien, die heute Konzepte genannt werden. Der Vergleich dieser Schrift mit dem heutigen Verständnis zeigt sehr deutlich die inhaltliche Entwicklung der Kinästhetik. So werden zu diesem Zeitpunkt nur schon die einzelnen Prinzipien – die heutigen Konzepte, soweit sie vorhanden sind – in einer anderen Reihenfolge vorgestellt und tragen teilweise andere Namen als heute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beuge- und Streckmuskeln ====&lt;br /&gt;
Ein erster Bezug zum heutigen Konzeptsystem (vgl. oben „Vorder- und Rückseiten“) findet sich im Unterkapitel 4.2 „Orientierung im Körper“. Hier werden die Unterschiede zwischen vorne und hinten am Körper durch die Muskelfunktionen erläutert: Vorne liegen die Beugemuskeln, die die Aufgabe der Anpassung an die Umwelt wahrnehmen, hinten die Streckmuskeln, die verantwortlich für Stabilität und Gleichgewicht sind&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 15–16&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Beziehung zwischen Muskeln und Skelett ====&lt;br /&gt;
Das vierte Grundprinzip wird mit „Anatomische Grundlagen“ überschrieben und stellt einige Themen des heutigen zweiten Konzepts „Funktionale Anatomie“ dar. Im ersten Unterkapitel „Bewegungsapparat“ wird ausgeführt, in welcher Beziehung Muskeln und Skelett stehen: „Das Muskelsystem und das Skelett sind die beiden Systeme, welche in erster Linie an den Bewegungen des Menschen beteiligt sind. Das Skelett, das heisst die Knochen, sind die harten ‚starken‘ Teile in unserem Körper. Ihre hauptsächliche Aufgabe ist es, unser Gewicht zu tragen.&lt;br /&gt;
Die Muskeln sind der weiche, ,fleischige‘ Teil des Bewegungsapparates. Im Gegensatz zur gängigen Vorstellung sind sie nicht gebaut, um ‚stark‘ und hart zu sein. Ihre Qualität ist die Flexibilität. Sie haben die Aufgabe, die Knochen so zu bewegen und in Position zueinander zu bringen, dass wir bestimmte Tätigkeiten ausführen können. Voraussetzung dazu ist, dass die Muskelspannung zwischen rückwärtiger und vorderseitiger Muskulatur ausgeglichen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; Ganz ähnlich wie heute werden Eigenschaften und Funktionen unterschieden; die Leitbegriffe sind allerdings unterschiedlich: Das übergeordnete Thema ist der Bewegungsapparat bzw. die Beziehung zwischen Muskeln und Skelett. Das Skelett wird textlich aber bereits mit Knochen gleichgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Bewegungsebenen ====&lt;br /&gt;
Im 16. Kinästhetik-Bulletin ist das Thema „Haltungs- und Transportbewegung“, das erste Unterthema des heutigen dritten Konzeptes „Menschliche Bewegung“, der abschließende Teil des vierten Grundprinzips „Anatomische Grundlagen“. Daher wird im Kapitel 4.4.3 die Anatomie der Knochen bzw. Gelenke mit den Begriffen „Bewegung in einer Richtung“ und „Bewegung in viele Richtungen“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 21 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; unterschieden. Sie werden einzeln aufgelistet und als Haltungs- oder Transportbewegungsebenen bezeichnet. Im Gegensatz zu heute werden sie direkt mit den Haltungs- und Transportbewegungen verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Funktionen ====&lt;br /&gt;
Im fünften Grundprinzip „Funktionen“ wird im Kapitel 4.5.2 “7 Grundpositionen“ die Aufgabe von Knochen und Muskeln kurz zusammengefasst: „Die Knochen tragen das Gewicht, die Muskeln bewegen die Knochen.“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 23&amp;lt;/ref&amp;gt; Weiter heißt es: „Die 7 Grundpositionen können ohne grosse Muskelanstrengung gehalten werden. D. h. die Knochen tragen das Gewicht, welches wiederum durch die grossen Massen (Punkt 4.4.2.) in Richtung Boden fällt. Dadurch haben die Muskeln freien Spielraum, um mit der Umgebung in Beziehung zu treten.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 23&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Folgenden wird mehrfach im Zusammenhang mit den verschiedenen Grundpositionen auf die Aufgabe der Knochen verwiesen, Gewicht zu tragen. Dies geschieht ebenfalls im Kapitel 4.5.3. „Fortbewegung“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 25&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entwicklungsbewegung ====&lt;br /&gt;
Im Kapitel 4.5.4 „Entwicklungsbewegung“ wird die Forschungsarbeit des Humanembryologen Erich Blechschmidt erwähnt und auf seine Theorien zur embryonalen Entwicklung von Knochen und Muskeln hingewiesen&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 26&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Anwendungen ====&lt;br /&gt;
Im Kapitel 5 „Anwendungen“, Unterkapitel 5.1 „Kinästhetik in der Rehabilitation (Physiotherapie, Ergotherapie)“ wird das differenzierte Kennenlernen der Knochen und Gelenke im eigenen Körper in einer funktionellen Art und Weise als Lernsituation im Unterschied zu einer Behandlungssituation beschrieben. &lt;br /&gt;
Anhand eines konkreten Patientenbeispiels wird aufgezeigt, wie die Perspektive „Knochen tragen das Gewicht“ als Blickwinkel genutzt werden kann, um die Anstrengung bei der Bewegung zu reduzieren&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitel 5.3 „Kinästhetik in der Krankenpflege“ wird unter der Überschrift „Information statt Anstrengung“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 47&amp;lt;/ref&amp;gt;das Bewegen und Umlagern von PatientInnen durch Krankenschwestern und PflegerInnen thematisiert. Dabei spielt neben dem gemeinsamen Tun von Pflegenden und PatientInnen die Perspektive „Gewicht über Knochen leiten“ eine wichtige Rolle, um mit minimaler Anstrengung zum Ziel zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das erste Auftreten des Begriffspaars „Knochen und Muskeln“ ===&lt;br /&gt;
„Kinästhetik. Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“ war 1992 die erste Veröffentlichung in Buchform über Kinästhetik. Hier wird zum ersten Mal „Knochen und Muskeln“ im Sinne eines kinästhetischen Fachbegriffes verwendet&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny; Schmidt, Suzanne (1992)&#039;&#039;&#039;: Kinästhetik. Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege. 1. Auflage. Eschborn: Deutscher Verband für Pflegeberufe. ISBN 3-927944-02-5. S. 39.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Neben der Beschreibung der unterschiedlichen Eigenschaften und Aufgaben für die Bewegung wird das Zusammenspiel beider Strukturen thematisiert: „Durch die Funktion der Muskeln wird das Skelett derart organisiert, dass es das Gewicht tragen kann. Muskeln selbst können nur wenig Gewicht tragen.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 39&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seitdem lässt sich das Thema des Zusammenspiels von Knochen und Muskeln in vielen Veröffentlichungen wiederfinden und ist hilfreich zum Formulieren von Blickwinkeln zur differenzierten Beobachtung und Variation von Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahrungsberichte ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fürniß, Silke (2017):&#039;&#039;&#039; Die Reise in meinen Körper. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2017, Nr. 3. S. 28–33.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Autorin beschreibt ihren Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen Anatomie während der Ausbildung zur Kinaesthetics-Trainerin Stufe 1. Dabei entstand ein Kunstwerk auf Papier, das die Erfahrungen mit der genauen Beobachtung des Körpers und einiger seiner Funktionen festhält. Es trägt den Titel „22 Stunden Ich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Höppner, Gundula; Lilienkamp, Michael (2007):&#039;&#039;&#039; Vom Für zum Mit. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2007, Nr. 4. S. 10–15.&lt;br /&gt;
In einem Erfahrungsbericht über die Implementierung von Kinästhetik in einer großen Einrichtung für Menschen mit Mehrfachbehinderungen wird das Zusammenspiel von Knochen und Muskeln in einer konkreten Situation geschildert. Eine Mitarbeiterin entdeckt während eines Aufbaukurses das Thema für sich und nutzt es, um mit einer Bewohnerin einen Lernprozess zur Kompetenzentwicklung im Bereich Gewichtsorganisation zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
[[Massen und Zwischenräume]]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Stabil und instabil]]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zum Begriff ==&lt;br /&gt;
=== Bedeutungsüberblick ===&lt;br /&gt;
==== Die Bedeutungen der Begriffe nach dem „Duden Online-Wörterbuch“ ====&lt;br /&gt;
Nach dem Duden Online-Wörterbuch hat &#039;&#039;&#039;Knochen&#039;&#039;&#039; folgende Bedeutungen: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Erstbedeutung lautet „a. harter, hauptsächlich aus Kalk bestehender Teil des Skeletts b. Knochen von Schlachttieren c. Knochensubstanz“. Synonyme sind „Gerippe, Skelett; (gehoben) Gebeine; (süddeutsch, österreichisch, schweizerisch) Beine; (salopp) Gräten; (Anatomie) Os“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angeführt werden zusätzlich drei weitere umgangssprachliche Bedeutungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Duden Online-Wörterbuch hat &#039;&#039;&#039;Muskel&#039;&#039;&#039; folgende Bedeutungen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Bedeutungsübersicht wird „[an den Knochen angewachsener] Teil des menschlichen und tierischen Körpers, der aus von Bindegewebe umhüllten Fasern besteht und der Bewegung von Gliedmaßen und Körperteilen dient“ angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Begriffe werden in der Kinästhetik auch in ihrer gemeinsprachlichen Erstbedeutung verwendet.&lt;br /&gt;
==== Die Verwendung als kinästhetischer Fachbegriff ==== &lt;br /&gt;
„Knochen und Muskeln“ ist seit 1992 ein kinästhetischer Fachbegriff. Im Konzeptsystem bezeichnet er das erste Unterthema des Konzeptes der funktionalen Anatomie. Das Begriffspaar betrifft eine spezifische subjektiv erfahrbare Unterscheidung, die zur Sensibilisierung und Fokussierung der Bewegungswahrnehmung sowie zur Analyse von alltäglichen Aktivitäten benutzt wird. Diese Unterscheidung beruht auf den gegensätzlichen Eigenschaften von Knochen (stabil) und Muskeln (veränderlich) und ihren entsprechenden Grundfunktionen des Tragens bzw. Weiterleiten des Gewichts der Körperteile (Knochen) und der Veränderung der Beziehung der Knochen untereinander (Muskeln). Dieses Zusammenspiel ist von grundlegender Bedeutung für die Organisation des Körpergewichts in der Schwerkraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als kinästhetischer Fachbegriff wird „Knochen und Muskeln“ ausgehend von den gemeinsprachlichen bzw. anatomischen Bedeutungen spezifisch definiert verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herkunft ===&lt;br /&gt;
Nach dem Duden Herkunftswörterbuch ist das Wort &#039;&#039;&#039;Knochen&#039;&#039;&#039; seit dem 14. Jahrhundert bezeugt und hat das geläufige „Bein“ im Sinne von „Knochen“ verdrängt. Mittelhochdeutsch &#039;&#039;knoche&#039;&#039; „drücken, pressen“ u. a. wurden aus einem ursprünglich lautmalenden Verb &#039;&#039;knochen&#039;&#039;, das mit „knacken“ verwandt ist (vgl. englisch &#039;&#039;to knock&#039;&#039;), gebildet. Knochen sind also ursprünglich das, womit man anstößt oder gegen etwas schlägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ableitungen sind „Knöchel“, „knöchern“, „verknöchern“, „verknöchert“ und „knochig“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Duden Herkunftswörterbuch ist das Wort &#039;&#039;&#039;Muskel&#039;&#039;&#039; seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts bezeugt und bezeichnet die fleischigen Teile des tierischen oder menschlichen Körpers, die durch An- und Entspannung Bewegung ermöglichen. Das Wort ist aus lateinisch &#039;&#039;musculus&#039;&#039; „Muskel“ entlehnt, ursprünglich eine Verkleinerungsbildung „Mäuschen“ zu lateinisch &#039;&#039;mus&#039;&#039; „Maus“. Die Bedeutungsübertragung beruht vielleicht auf dem Vergleich eines unter der Haut zuckenden Muskels mit den Bewegungen eines Mäuschens und findet sich z. B. auch in griechisch &#039;&#039;mys&#039;&#039; „Maus, Muskel“ oder in umgangssprachlicher Verwendung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ableitungen sind „muskulös“, „Muskulatur“ und der medizinische Fachbegriff „muskulär“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Konzeptsystem]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Knochen_und_Muskeln&amp;diff=1484</id>
		<title>Knochen und Muskeln</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Knochen_und_Muskeln&amp;diff=1484"/>
		<updated>2019-04-05T17:40:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|vorläufig abgeschlossen|Lutz Zierbeck/Joachim Reif}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel behandelt die aktuelle Verwendung des kinästhetischen Fachbegriffes „Knochen und Muskeln“ in ausgewählter Fachliteratur. Ebenso wird die Geschichte des Fachbegriffes mit Literaturzitaten dargestellt. Auf Erfahrungsberichte, die die Verwendung des Begriffes in der Praxis illustrieren, wird verwiesen. Abschließend werden die begrifflichen Aspekte des Themas dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Begriffs == &lt;br /&gt;
[[Datei:Knochen-und-Muskeln.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
=== „Knochen und Muskeln“ in „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
==== Die Einbettung von „Knochen und Muskeln“ im Konzept „Funktionale Anatomie“ ====&lt;br /&gt;
Im Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ bezeichnet die Unterscheidung von Knochen und Muskeln das erste Unterthema des zweiten Konzepts „Funktionale Anatomie“. Damit wird ein in der [[1.-Person-Methode]] subjektiv erfahrbares Grundmuster im menschlichen Körper benannt, das in einem funktionalen Zusammenspiel von stabilen und instabilen Eigenschaften des Körpers besteht. Dabei wird darauf hingewiesen, dass die Form die Funktion und umgekehrt die Funktion die Form beeinflusst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2018):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Siebnen: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Struktur der Knochen und Muskeln beeinflusst somit die menschlichen Bewegungsmöglichkeiten in alltäglichen Aktivitäten und umgekehrt beeinflussen die lebenslangen Bewegungsgewohnheiten, die Art und Weise, wie wir die Knochen und Muskeln im Alltag nutzen, ihre Struktur. Die Unterscheidung zwischen Knochen und Muskeln dient in Bewegungserfahrungen zur Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Knochen und ihre Eigenschaften und Funktionen ====&lt;br /&gt;
Die in der Bewegung leicht erfahrbaren und wahrnehmbaren Eigenschaften der Knochen werden mit den Worten „hart, stabil und robust“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 20&amp;lt;/ref&amp;gt; charakterisiert. In funktionaler Hinsicht bilden die Knochen ein formgebendes Gerüst des Körpers und ermöglichen Stabilität und Halt. Sie tragen das Körpergewicht oder leiten es zu einer Unterstützungsfläche weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Muskeln und ihre Eigenschaften und Funktionen ====&lt;br /&gt;
Muskeln werden als weich und instabil erfahrbar im entspannten Zustand und als veränderbar durch Anspannung und Entspannung beschrieben. Ihre Funktionen sind die Erhaltung oder Veränderung der Stellung der Knochen zueinander, damit es möglich wird, das Körpergewicht über Knochen abzuleiten. Die Eigenschaft der Veränderbarkeit und Beweglichkeit nimmt ab, wenn Muskeln Gewicht tragen, weil sie dann angespannt, hart und stabil werden&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 20&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es liegt nahe, dass dieser Umstand eine bedeutende Auswirkung auf die Qualität der Bewegung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Das funktional angepasste Zusammenspiel von Knochen und Muskeln ====&lt;br /&gt;
Aus dem Blickwinkel von „Knochen und Muskeln“ zeigt sich die Qualität der Bewegung darin, dass die Muskeln hauptsächlich das Abgeben und Weiterleiten des Körpergewichts über die Knochen unterstützen und sonst möglichst entspannt und beweglich bleiben&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 20&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorder- und Rückseiten ====&lt;br /&gt;
Im zweiten Konzept „Funktionale Anatomie“ wird im abschließenden Unterthema „Orientierung“ die erfahrbare Unterscheidung der Vorder- und Rückseiten thematisiert. Die funktionalen Rückseiten werden u. a. als „knochig“ charakterisiert und als Seiten, bei denen „Knochen ziemlich direkt und großflächig unter der Haut“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 28&amp;lt;/ref&amp;gt; liegen. Andererseits wird zwischen Beuge- und Streckmuskeln bezüglich ihrer Anordnung und ihrer Eigenschaften unterschieden. Die Streckmuskeln sind hauptsächlich auf den funktionalen Rückseiten zu finden. In funktionaler Hinsicht sind sie besser dazu geeignet, Gewicht zu tragen oder abzugeben. Die Beugemuskeln liegen hauptsächlich auf den funktionalen Vorderseiten. Sie sind in funktionaler Hinsicht eher dazu geeignet, Gewicht auf Rückseiten zu leiten und die Anpassung der Gewichtsorganisation zu gestalten&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 28&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Bedeutung der Knochen oder Muskeln bei weiteren Konzeptthemen ====&lt;br /&gt;
Knochen oder Muskeln werden in anderen Konzepten unterschiedlich thematisiert. Es fällt auf, dass sich die Unterscheidung „Massen und Zwischenräumen“ textlich deutlich als Unterbau von folgenden Konzeptthemen fortsetzt, weniger aber „Knochen und Muskeln“. Hingegen tauchen die beiden Begriffe in der gemeinsprachlichen bzw. physiologischen Bedeutung in unterschiedlichen Zusammenhängen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Konzept „Interaktion“ werden im zweiten Unterthema „Bewegungselemente“ u. a. Knochen und Muskeln unter dem Stichwort des inneren Raums als formgebend für den Bewegungsraum im Körper genannt, die Menge der eingesetzten Muskelkraft als Kriterium der inneren Anstrengung&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 14&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Konzept „Funktionale Anatomie“, wird im Unterthema „Massen und Zwischenräume“ auf die Knochenstrukturen der zentralen Massen verwiesen, die Hohlräume für die inneren Organe bilden, und desgleichen darauf, dass Muskeln ein Kennzeichen für Zwischenräume sind&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 21&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gleichen Konzept sind im Unterthema „Haltungs- und Transportbewegungsebenen“ zur Erläuterung Grafiken aller menschlichen Knochen eingefügt, die bei der Identifizierung dieser Bewegungsebenen helfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch auf die Muskeln wird verschiedentlich Bezug genommen: In der Einleitung zum dritten Konzept „Menschliche Bewegung“ wird die Bedeutung des Begriffs Bewegung in der Kinästhetik erläutert und dabei „die andauernde aktive Muskelarbeit zur Gewichtsorganisation der Körperteile“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 31&amp;lt;/ref&amp;gt; genannt, dies neben den unwillkürlichen und willkürlichen Bewegungen. Das Zusammenspiel von „Knochen und Muskeln“ spielt bei der Gewichtsorganisation eine zentrale Rolle (vgl. oben).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „Knochen und Muskeln“ in „Kinaesthetics Infant Handling“ ===&lt;br /&gt;
In diesem Standardwerk von Lenny Maietta (1950–2018) und Frank Hatch (*1940), in dem das Kind und seine Entwicklung ins Zentrum gestellt wird, werden Knochen und Muskeln mehrfach thematisiert. So im Kapitel 3.5 „Theorien zur Gesundheitsentwicklung“, wo im Unterkapitel 3.5.1.1 „Metabolische Felder“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2004):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. Bern [u. a.]: H. Huber. ISBN 3-456-83310-5. S. 44 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;   diesbezügliche Theorien von Erich Blechschmidt (1904–1992) zur embryonalen Entwicklung dargestellt werden. &lt;br /&gt;
Nicht nur die Eigenschaften und Aufgaben von Knochen und Muskeln werden im Kapitel 4.4 „Funktionelle Anatomie“, Unterkapitel 4.4.1 „Muskeln und Knochen“ in weitgehender Übereinstimmung mit den oben dargestellten Inhalten aufgeführt. Der Fokus des Zusammenspiels der beiden Strukturen wird durch den Hinweis auf das „Skelett-Muskel-System“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 86&amp;lt;/ref&amp;gt;  deutlich und durch die Aussage illustriert: „Muskeln und Knochen gewährleisten im Zusammenspiel unsere Bewegungsmöglichkeiten.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 87&amp;lt;/ref&amp;gt;  Im Zusammenhang mit erwachsenen Menschen wird auch vom „Knochen-Muskel-Apparat&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 87&amp;lt;/ref&amp;gt;  gesprochen, ein weiterer Beleg für die Verwendung und Bedeutung des entsprechenden kinästhetischen Fachbegriffs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ===&lt;br /&gt;
Der Umgang mit der eigenen Anatomie ist höchst individuell und steht in einer Wechselwirkung mit der Kompetenz, sein Körpergewicht in der Schwerkraft organisieren zu können. Um diese Kompetenz genauer zu verstehen, wird die Achtung auf das Zusammenspiel von verschiedenen Körperteilen oder -strukturen gelenkt. Ein einfach erfahrbares Beispiel dafür ist das Zusammenspiel zwischen den stabilen Knochen und den instabilen Muskeln. Vereinfacht ausgedrückt sind Knochen aufgrund ihrer Stabilität (Eigenschaft) gut geeignet, Gewicht auf eine Unterstützungsfläche abzugeben (Funktion). Muskeln sind aufgrund ihrer Instabilität im Sinne der Veränderlichkeit (Eigenschaft) gut geeignet, den Körper oder Teile davon in Bewegung zu versetzen (Funktion). Sie können auch Gewicht tragen oder festhalten, indem sie ihre Spannung erhöhen. Je mehr Gewicht durch die Muskulatur getragen und nicht über Knochen auf die Unterstützungsfläche abgegeben wird, desto höher ist die Spannung der Muskulatur. Dies wirkt sich gemäß den Forschungen von Weber und Fechner einschränkend auf eine differenzierte Wahrnehmung der eigenen Muskelspannung aus und somit auf die Beweglichkeit aus. Diese Zusammenhänge intuitiv und auch kognitiv zu verstehen und gezielt wahrnehmen und anpassen zu können, ist ein wichtiger Schritt, um die eigene Bewegungskompetenz bewusst weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
Im Kontext der Unterstützung eines Menschen mit Bewegungseinschränkungen spielt die Beobachtung und Wahrnehmung der Gewichtsorganisation eine wichtige Rolle. Traditionell wird Hilfe bei Aktivitäten wie z. B. beim Aufstehen vom Stuhl oder Bett so gestaltet, dass die helfende Person Gewicht der sitzenden Person übernimmt und mit ihrem eigenen Körper „trägt“. Die Folgen für die unterstützende Person können dabei in Richtung Überlastung gehen. Die Folgen für die unterstützte Person können in Richtung Kompetenzeinschränkung gehen, weil durch diese Art der Unterstützung die Möglichkeiten zum Üben und dadurch Aufrechterhalten oder Entwickeln ihrer Kompetenzen wegfallen. &lt;br /&gt;
Die Selbst- und Außenwahrnehmung des Zusammenspiels von Knochen und Muskeln bei beiden Beteiligten in dieser Hilfestellung kann Möglichkeiten finden helfen, wie das Gewicht mehr über Knochen geleitet werden kann. So besteht für die unterstützte Person die Chance, dass sie auch bei einer Schwäche der Muskulatur lernt, ihr eigenes Körpergewicht selber zu organisieren. &lt;br /&gt;
Im Kontext der Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz im Alltag nimmt das Zusammenspiel von „Knochen und Muskeln“ ebenso eine wichtige Rolle ein. Konkret verhilft die Achtung auf die eigene Gewichtsorganisation z. B. bei längeren sitzenden Tätigkeiten zu einer bewussten und funktional angepassten Gestaltung dieser Aktivität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knochen und Muskeln im 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 ===&lt;br /&gt;
==== Einleitung ====&lt;br /&gt;
In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 werden im Kapitel 4 „Grundprinzipien“ die Themen aufgeführt, die in der Kinästhetik benützt werden „um Menschen zu helfen, Beziehungsmuster zu entdecken und bewusst zu erleben“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Nachdruck 2009. S. 12&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es handelt sich um die erste Beschreibung von Prinzipien, die heute Konzepte genannt werden. Der Vergleich dieser Schrift mit dem heutigen Verständnis zeigt sehr deutlich die inhaltliche Entwicklung der Kinästhetik. So werden zu diesem Zeitpunkt nur schon die einzelnen Prinzipien – die heutigen Konzepte, soweit sie vorhanden sind – in einer anderen Reihenfolge vorgestellt und tragen teilweise andere Namen als heute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beuge- und Streckmuskeln ====&lt;br /&gt;
Ein erster Bezug zum heutigen Konzeptsystem (vgl. oben „Vorder- und Rückseiten“) findet sich im Unterkapitel 4.2 „Orientierung im Körper“. Hier werden die Unterschiede zwischen vorne und hinten am Körper durch die Muskelfunktionen erläutert: Vorne liegen die Beugemuskeln, die die Aufgabe der Anpassung an die Umwelt wahrnehmen, hinten die Streckmuskeln, die verantwortlich für Stabilität und Gleichgewicht sind&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 15–16&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Beziehung zwischen Muskeln und Skelett ====&lt;br /&gt;
Das vierte Grundprinzip wird mit „Anatomische Grundlagen“ überschrieben und stellt einige Themen des heutigen zweiten Konzepts „Funktionale Anatomie“ dar. Im ersten Unterkapitel „Bewegungsapparat“ wird ausgeführt, in welcher Beziehung Muskeln und Skelett stehen: „Das Muskelsystem und das Skelett sind die beiden Systeme, welche in erster Linie an den Bewegungen des Menschen beteiligt sind. Das Skelett, das heisst die Knochen, sind die harten ‚starken‘ Teile in unserem Körper. Ihre hauptsächliche Aufgabe ist es, unser Gewicht zu tragen.&lt;br /&gt;
Die Muskeln sind der weiche, ,fleischige‘ Teil des Bewegungsapparates. Im Gegensatz zur gängigen Vorstellung sind sie nicht gebaut, um ‚stark‘ und hart zu sein. Ihre Qualität ist die Flexibilität. Sie haben die Aufgabe, die Knochen so zu bewegen und in Position zueinander zu bringen, dass wir bestimmte Tätigkeiten ausführen können. Voraussetzung dazu ist, dass die Muskelspannung zwischen rückwärtiger und vorderseitiger Muskulatur ausgeglichen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; Ganz ähnlich wie heute werden Eigenschaften und Funktionen unterschieden; die Leitbegriffe sind allerdings unterschiedlich: Das übergeordnete Thema ist der Bewegungsapparat bzw. die Beziehung zwischen Muskeln und Skelett. Das Skelett wird textlich aber bereits mit Knochen gleichgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Bewegungsebenen ====&lt;br /&gt;
Im 16. Kinästhetik-Bulletin ist das Thema „Haltungs- und Transportbewegung“, das erste Unterthema des heutigen dritten Konzeptes „Menschliche Bewegung“, der abschließende Teil des vierten Grundprinzips „Anatomische Grundlagen“. Daher wird im Kapitel 4.4.3 die Anatomie der Knochen bzw. Gelenke mit den Begriffen „Bewegung in einer Richtung“ und „Bewegung in viele Richtungen“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 21 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; unterschieden. Sie werden einzeln aufgelistet und als Haltungs- oder Transportbewegungsebenen bezeichnet. Im Gegensatz zu heute werden sie direkt mit den Haltungs- und Transportbewegungen verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Funktionen ====&lt;br /&gt;
Im fünften Grundprinzip „Funktionen“ wird im Kapitel 4.5.2 “7 Grundpositionen“ die Aufgabe von Knochen und Muskeln kurz zusammengefasst: „Die Knochen tragen das Gewicht, die Muskeln bewegen die Knochen.“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 23&amp;lt;/ref&amp;gt; Weiter heißt es: „Die 7 Grundpositionen können ohne grosse Muskelanstrengung gehalten werden. D. h. die Knochen tragen das Gewicht, welches wiederum durch die grossen Massen (Punkt 4.4.2.) in Richtung Boden fällt. Dadurch haben die Muskeln freien Spielraum, um mit der Umgebung in Beziehung zu treten.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 23&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Folgenden wird mehrfach im Zusammenhang mit den verschiedenen Grundpositionen auf die Aufgabe der Knochen verwiesen, Gewicht zu tragen. Dies geschieht ebenfalls im Kapitel 4.5.3. „Fortbewegung“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 25&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entwicklungsbewegung ====&lt;br /&gt;
Im Kapitel 4.5.4 „Entwicklungsbewegung“ wird die Forschungsarbeit des Humanembryologen Erich Blechschmidt erwähnt und auf seine Theorien zur embryonalen Entwicklung von Knochen und Muskeln hingewiesen&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 26&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Anwendungen ====&lt;br /&gt;
Im Kapitel 5 „Anwendungen“, Unterkapitel 5.1 „Kinästhetik in der Rehabilitation (Physiotherapie, Ergotherapie)“ wird das differenzierte Kennenlernen der Knochen und Gelenke im eigenen Körper in einer funktionellen Art und Weise als Lernsituation im Unterschied zu einer Behandlungssituation beschrieben. &lt;br /&gt;
Anhand eines konkreten Patientenbeispiels wird aufgezeigt, wie die Perspektive „Knochen tragen das Gewicht“ als Blickwinkel genutzt werden kann, um die Anstrengung bei der Bewegung zu reduzieren&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitel 5.3 „Kinästhetik in der Krankenpflege“ wird unter der Überschrift „Information statt Anstrengung“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 47&amp;lt;/ref&amp;gt;das Bewegen und Umlagern von PatientInnen durch Krankenschwestern und PflegerInnen thematisiert. Dabei spielt neben dem gemeinsamen Tun von Pflegenden und PatientInnen die Perspektive „Gewicht über Knochen leiten“ eine wichtige Rolle, um mit minimaler Anstrengung zum Ziel zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das erste Auftreten des Begriffspaars „Knochen und Muskeln“ ===&lt;br /&gt;
„Kinästhetik. Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“ war 1992 die erste Veröffentlichung in Buchform über Kinästhetik. Hier wird zum ersten Mal „Knochen und Muskeln“ im Sinne eines kinästhetischen Fachbegriffes verwendet&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny; Schmidt, Suzanne (1992)&#039;&#039;&#039;: Kinästhetik. Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege. 1. Auflage. Eschborn: Deutscher Verband für Pflegeberufe. ISBN 3-927944-02-5. S. 39.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Neben der Beschreibung der unterschiedlichen Eigenschaften und Aufgaben für die Bewegung wird das Zusammenspiel beider Strukturen thematisiert: „Durch die Funktion der Muskeln wird das Skelett derart organisiert, dass es das Gewicht tragen kann. Muskeln selbst können nur wenig Gewicht tragen.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 39&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seitdem lässt sich das Thema des Zusammenspiels von Knochen und Muskeln in vielen Veröffentlichungen wiederfinden und ist hilfreich zum Formulieren von Blickwinkeln zur differenzierten Beobachtung und Variation von Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahrungsberichte ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fürniß, Silke (2017):&#039;&#039;&#039; Die Reise in meinen Körper. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2017, Nr. 3. S. 28–33.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Autorin beschreibt ihren Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen Anatomie während der Ausbildung zur Kinaesthetics-Trainerin Stufe 1. Dabei entstand ein Kunstwerk auf Papier, das die Erfahrungen mit der genauen Beobachtung des Körpers und einiger seiner Funktionen festhält. Es trägt den Titel „22 Stunden Ich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Höppner, Gundula; Lilienkamp, Michael (2007):&#039;&#039;&#039; Vom Für zum Mit. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2007, Nr. 4. S. 10–15.&lt;br /&gt;
In einem Erfahrungsbericht über die Implementierung von Kinästhetik in einer großen Einrichtung für Menschen mit Mehrfachbehinderungen wird das Zusammenspiel von Knochen und Muskeln in einer konkreten Situation geschildert. Eine Mitarbeiterin entdeckt während eines Aufbaukurses das Thema für sich und nutzt es, um mit einer Bewohnerin einen Lernprozess zur Kompetenzentwicklung im Bereich Gewichtsorganisation zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
[[Massen und Zwischenräume]]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Stabil und instabil]]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zum Begriff ==&lt;br /&gt;
=== Bedeutungsüberblick ===&lt;br /&gt;
==== Die Bedeutungen der Begriffe nach dem „Duden Online-Wörterbuch“ ====&lt;br /&gt;
Nach dem Duden Online-Wörterbuch hat &#039;&#039;&#039;Knochen&#039;&#039;&#039; folgende Bedeutungen: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Erstbedeutung lautet „a. harter, hauptsächlich aus Kalk bestehender Teil des Skeletts b. Knochen von Schlachttieren c. Knochensubstanz“. Synonyme sind „Gerippe, Skelett; (gehoben) Gebeine; (süddeutsch, österreichisch, schweizerisch) Beine; (salopp) Gräten; (Anatomie) Os“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angeführt werden zusätzlich drei weitere umgangssprachliche Bedeutungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Duden Online-Wörterbuch hat &#039;&#039;&#039;Muskel&#039;&#039;&#039; folgende Bedeutungen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Bedeutungsübersicht wird „[an den Knochen angewachsener] Teil des menschlichen und tierischen Körpers, der aus von Bindegewebe umhüllten Fasern besteht und der Bewegung von Gliedmaßen und Körperteilen dient“ angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Begriffe werden in der Kinästhetik auch in ihrer gemeinsprachlichen Erstbedeutung verwendet.&lt;br /&gt;
==== Die Verwendung als kinästhetischer Fachbegriff ==== &lt;br /&gt;
„Knochen und Muskeln“ ist seit 1992 ein kinästhetischer Fachbegriff. Im Konzeptsystem bezeichnet er das erste Unterthema des Konzeptes der funktionalen Anatomie. Das Begriffspaar betrifft eine spezifische subjektiv erfahrbare Unterscheidung, die zur Sensibilisierung und Fokussierung der Bewegungswahrnehmung sowie zur Analyse von alltäglichen Aktivitäten benutzt wird. Diese Unterscheidung beruht auf den gegensätzlichen Eigenschaften von Knochen (stabil) und Muskeln (veränderlich) und ihren entsprechenden Grundfunktionen des Tragens bzw. Weiterleiten des Gewichts der Körperteile (Knochen) und der Veränderung der Beziehung der Knochen untereinander (Muskeln). Dieses Zusammenspiel ist von grundlegender Bedeutung für die Organisation des Körpergewichts in der Schwerkraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als kinästhetischer Fachbegriff wird „Knochen und Muskeln“ ausgehend von den gemeinsprachlichen bzw. anatomischen Bedeutungen spezifisch definiert verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herkunft ===&lt;br /&gt;
Nach dem Duden Herkunftswörterbuch ist das Wort &#039;&#039;&#039;Knochen&#039;&#039;&#039; seit dem 14. Jahrhundert bezeugt und hat das geläufige „Bein“ im Sinne von „Knochen“ verdrängt. Mittelhochdeutsch &#039;&#039;knoche&#039;&#039; „drücken, pressen“ u. a. wurden aus einem ursprünglich lautmalenden Verb &#039;&#039;knochen&#039;&#039;, das mit „knacken“ verwandt ist (vgl. englisch &#039;&#039;to knock&#039;&#039;), gebildet. Knochen sind also ursprünglich das, womit man anstößt oder gegen etwas schlägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ableitungen sind „Knöchel“, „knöchern“, „verknöchern“, „verknöchert“ und „knochig“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Duden Herkunftswörterbuch ist das Wort &#039;&#039;&#039;Muskel&#039;&#039;&#039; seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts bezeugt und bezeichnet die fleischigen Teile des tierischen oder menschlichen Körpers, die durch An- und Entspannung Bewegung ermöglichen. Das Wort ist aus lateinisch &#039;&#039;musculus&#039;&#039; „Muskel“ entlehnt, ursprünglich eine Verkleinerungsbildung „Mäuschen“ zu lateinisch &#039;&#039;mus&#039;&#039; „Maus“. Die Bedeutungsübertragung beruht vielleicht auf dem Vergleich eines unter der Haut zuckenden Muskels mit den Bewegungen eines Mäuschens und findet sich z. B. auch in griechisch &#039;&#039;mys&#039;&#039; „Maus, Muskel“ oder in umgangssprachlicher Verwendung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ableitungen sind „muskulös“, „Muskulatur“ und der medizinische Fachbegriff „muskulär“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Konzeptsystem]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=MediaWiki:Anoneditwarning&amp;diff=1419</id>
		<title>MediaWiki:Anoneditwarning</title>
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		<updated>2019-03-29T22:50:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Die Seite wurde neu angelegt: „&amp;lt;strong&amp;gt;Warnung:&amp;lt;/strong&amp;gt; Du bist nicht angemeldet. Deine IP-Adresse wird öffentlich sichtbar, falls du Bearbeitungen durchführst. Sofern du dich &amp;lt;strong&amp;gt;[$1…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;strong&amp;gt;Warnung:&amp;lt;/strong&amp;gt; Du bist nicht angemeldet. Deine IP-Adresse wird öffentlich sichtbar, falls du Bearbeitungen durchführst. Sofern du dich &amp;lt;strong&amp;gt;[$1 anmeldest]&amp;lt;/strong&amp;gt; oder &amp;lt;strong&amp;gt;[$2 ein Benutzerkonto erstellst]&amp;lt;/strong&amp;gt;, werden deine Bearbeitungen zusammen mit anderen Beiträgen deinem Benutzernamen zugeordnet&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Die Seite wurde geleert.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
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		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Impressum-Link korrigiert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem redaktionell betreuten Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL) wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem Redaktionsteam betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“). Ziel dieses langfristigen, im Jahr 2017 gestarteten Projekts ist, in einem Netzwerk von interessierten Personen ein umfassendes Lexikon aufzubauen, in dessen Zentrum das junge Fachgebiet der Kinästhetik steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konkret will das KOFL&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen die aktuelle und historische Faktenlage zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* aus den schriftlichen Quellen und dem Kontakt mit ThementrägerInnen das Erfahrungswissen zu den spezifischen Themen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften lexikalisch aufbereiten und darstellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* allen interessierten Personen die Möglichkeit bieten, sich über Fachthemen der Kinästhetik und ihrer Bezugswissenschaften zu informieren, sie zu diskutieren und zur Weiterentwicklung des KOFL beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie du dich für das KOFL engagieren kannst, wird auf den Seiten beschrieben, die du unter der Überschrift „Mitmachen“ in der linken Spalte der Benutzeroberfläche findest. Ausführlichere Informationen zum KOFL-Projekt sind auf der Seite „[[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]“ zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist das KOFL zum aktuellen Zeitpunkt weit vom Ziel eines umfassenden Lexikons der Kinästhetik entfernt. Das Projektteam ist zuversichtlich, dass sich das KOFL in den kommenden Jahren durch eine fruchtbare Zusammenarbeit aller interessierten Personen Schritt für Schritt diesem Ziel annähern kann, und dankt allen, die sich in welcher Weise auch immer für das KOFL engagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kürzlich erschienene Beiträge:&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Knochen und Muskeln]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Stabil und instabil]]“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Benutzer:Mk&amp;diff=1416</id>
		<title>Benutzer:Mk</title>
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		<updated>2019-03-29T21:42:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Michael Koch verschob die Seite Benutzer:Mk nach Benutzer:Michael Koch und überschrieb dabei eine Weiterleitung: Seite während der Benutzerkontoumbenennung von „Mk“ in „Michael Koch“ automatisch versc…&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Benutzer:Michael Koch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Benutzer:Michael Koch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Benutzer:Michael_Koch&amp;diff=1414</id>
		<title>Benutzer:Michael Koch</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Benutzer:Michael_Koch&amp;diff=1414"/>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Michael Koch: Mk verschob die Seite Benutzer:Michael Koch nach Benutzer:Mk: Seite während der Benutzerkontoumbenennung von „Michael Koch“ in „Mk“ automatisch verschoben&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Benutzer:Mk]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Michael Koch</name></author>
	</entry>
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