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	<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6149</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
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		<updated>2025-11-08T15:43:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien in Wikisyntax&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty-Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;2 Lernverständnis und Grundprinzipien&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.1 Einleitung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.1 Bezüge zum Menschenbild&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die nachfolgend dargestellten Grundprinzipien haben enge Bezüge zum zugrunde liegenden Menschenbild. So hat z. B. das erste Grundprinzip „Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen“ einen besonders engen Zusammenhang mit den Inhalten des einleitenden Kapitels „1.2.2. Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie“. Lernen als aktiver und konstruktiver Prozess schließt sich eng an die Bedeutung des Aphorismus „Jedes Erkennen ist Tun, und jedes Tun ist Erkennen“ an, Lernen als selbstgesteuerter Prozess an die kybernetische Grundidee der Selbstregulation und Autonomie usw. Explizite Hinweise auf diese Bezüge würden den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.2 Darstellung der Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Folgenden werden die einzelnen Grundprinzipien an erster Stelle mit lerntheoretischen Überlegungen und Annahmen dargestellt. Sie erläutern und begründen das zugehörige Lernverständnis. Dieses wird hier nicht mit Fachliteratur belegt. Eine mit Quellenangaben belegte Darstellung der Lerntheorie der Kinästhetik findet sich im Artikel „Lernen (Kinästhetik)“ des Kinaesthetics-Online-Fachlexikons (KOFL).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;An zweiter Stelle wird jedes Grundprinzip mit Umsetzungsmöglichkeiten konkretisiert.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.3 Ziel und Zweck der Darstellung&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Darstellung verfolgt das Ziel, pädagogisch-didaktische Aspekte der Gestaltung der Lernumgebung hochgradig zu differenzieren. Dies soll TrainerInnen helfen, ihre konkreten Gestaltungen der Lernumgebung möglichst differenziert zu reflektieren, zu begründen und anzupassen. In der Realität greifen die Grundprinzipien ineinander und sind oft eng miteinander verbunden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.4 Bezüge zu methodischen Großformen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Grundsätzlich kann jedes Grundprinzip mit unterschiedlichen Methoden in der konkreten Gestaltung der Lernumgebung umgesetzt werden. Deshalb werden hier insbesondere methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Lernpuzzle höchstens angedeutet. Sie stützen sich in ihrer Anlage auf viele Grundprinzipien der Kinästhetik und werden in anderen Publikationen dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.5 Kürze und Einheitlichkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Formulierungen zielen bewusst auf Kürze und Einheitlichkeit. Für die Lehrperson wird durchgängig der Begriff „TrainerIn“ verwendet, für die Teilnehmenden eines Bildungsanlasses „Lernende“, für Unterricht „Gestaltung der Lernumgebung“ usw.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.2 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.1 Eigenaktivität und eigene Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein aktiver innerer Prozess. Lernen bedeutet eigenes Tun, bedeutet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten durch eigenes Handeln, Erleben und Erfahren. Diesbezüglich spielen in der Kinästhetik Bewegungserfahrungen grundsätzlich und insbesondere zur gezielten Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich mit den Lerninhalten durch eigenes Tun, aktives Handeln und Erfahren, das über bloßes Zuhören oder Zuschauen hinausgeht, auseinanderzusetzen. Sie ermöglicht ihnen ebenso, das eigene Tun und Erfahren selbst zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie leitet Einzel- und Partnererfahrungen mit spezifischen Blickwinkeln und passenden Unterschieden an. Diese Bewegungserfahrungen ermöglichen es den Lernenden, mit ihrer Bewegungswahrnehmung Unterschiede gezielt in sich selbst zu erfahren und ihre kinästhetische Wahrnehmung in unterschiedlichen alltäglichen Aktivitäten eigenaktiv zu sensibilisieren.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.2 Individuelles Konstruieren ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein konstruktiver innerer Prozess. Das meint, dass Lerninhalte mit den individuellen Strukturen des Wissens und der Erfahrungen verknüpft werden. Sie werden in die eigenen Fragestellungen und Annahmen eingebettet. In Lernprozessen erweitern Lernende ihre eigenen Wissens- und Erfahrungsstrukturen oder bauen sie neu auf.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre eigenen Fragen an die Lerninhalte zu stellen und ausgehend von den Lerninhalten und ihren Wissens- und Erfahrungsstrukturen ihre eigenen Lernthemen zu definieren. Sie ermöglicht ihnen, ihre persönlichen Antworten zu „konstruieren“ und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn gestaltet ihre Fragestellungen, Aufgaben und Anleitungen offen und nicht so, dass sie auf ihren „Input“ einen bestimmten, einzig richtigen „Output“ der Lernenden erwartet. Sie trivialisiert weder die Lerninhalte noch die Lernenden (vgl. Heinz von Foerster, https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/Maschinen_(triviale_und_nichttriviale)).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fakten und eindeutig beantwortbare Problemstellungen werden grundsätzlich nicht erfragt, sondern als solche dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.3 Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein selbstgesteuerter und autonomer („eigengesetzlicher“) innerer Prozess. Was und wie die einzelnen Lernenden lernen, bestimmen letztlich nur sie selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ihr Lernen ist abhängig von den individuellen Regeln (oder „Gesetzen“), nach denen sie ihr ganzes Verhalten regulieren. Lernprozesse werden von der TrainerIn und ihrer Gestaltung der Lernumgebung beeinflusst und bestenfalls unterstützt, können aber von ihr nicht direkt gesteuert oder bestimmt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn erwartet nicht, dass alle Lernenden durch ihre Gestaltung der Lernumgebung im gleichen Moment dasselbe wahrnehmen, verstehen und daran anknüpfen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie geht nicht davon aus, dass alle Lernenden zum gleichen Zeitpunkt die gleichen Lernprozesse durchlaufen müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die einzelnen Lernschritte so, dass ein individueller Spielraum entstehen kann und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht und unterstützt wird.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.4 Die zirkuläre Verbindung von Erfahrung und Theorie ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist in Bezug auf Lernen das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ gängig. Es ist eine bewusste Umkehrung des traditionellen Unterrichtens nach dem Motto „Erst die Theorie, dann die Praxis“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Begriff Theorie meint dabei die (rein) begriffliche und abstrakte Betrachtungsweise von Phänomenen oder Tatsachen bzw. ihrer Gesetzlichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Gestaltung der Lernumgebung ist das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ eine wertvolle Leitlinie, um Lernende z. B. das theoretische Konzeptverständnis aus Bewegungserfahrungen handelnd und selbstgesteuert erarbeiten zu lassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ihr praktisches Tun und Erfahren gezielt zu Lernen und Erkenntnissen führt, brauchen Lernende allerdings immer bestimmte Blickwinkel oder Kriterien bzw. ein Mindestmaß an vorgängiger „Theorie“. Nur so können sie zielgerichtet auf ihre konkreten Erfahrungen achten und sie hinsichtlich theoretischer Erkenntnisse und Regeln reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Motto „Von der Erfahrung zur Theorie“ kann somit dahingehend präzisiert werden, dass es darum geht, Erfahrung und Theorie in einem zeitnahen zirkulären Wechselspiel zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei verbinden die einzelnen Lernenden ihre konkreten Erfahrungen, ihr Tun und Handeln in fortgesetzter Zirkularität mit ihrer Konstruktion und Reflexion von Wissen und Annahmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch können sie ebenso lernen, die kinästhetische Fachsprache passend zu verwenden. Bei diesen Lernprozessen können der Austausch und Abgleich mit anderen Personen eine wichtige Rolle spielen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All dies unterstützt wesentlich den Aufbau oder die Erweiterung ihrer Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn schafft die Voraussetzungen, dass die Lernenden ihre Kompetenzen in einem engen und zeitnahen zirkulären Wechselspiel von eigener Erfahrung und theoretischer Wissenskonstruktion entwickeln können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei berücksichtigt sie das Vorwissen der Lernenden. Sie geht nicht davon aus, dass Lernende zuerst ausführliche theoretische Kenntnisse erwerben müssen, um sie dann praktisch umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie vermeidet lange theoretische Erklärungen, die erst nachträglich mit eigenaktiver Tätigkeit verbunden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In einem zirkulären Wechselspiel verbindet die TrainerIn Schritt für Schritt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Anleitungen zu Erfahrungen und praktischen Auseinandersetzungen, durch welche die Lerninhalte veranschaulicht werden,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Aufträge, durch welche die Lernenden diese Inhalte auf der theoretischen Ebene herleiten, reflektieren und beschreiben können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht es, dass sich die Lernenden über ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und fachsprachlichen Beschreibungen austauschen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.5 Das Verständnis der Bedeutung der Innenperspektive fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In diesem Kapitel werden die vorausgehenden Grundprinzipien aus der Perspektive der 1.-Person-Methodik nach F. J. Varela (vgl. https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/1.-Person-Methode) zusammenfassend beleuchtet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorausgehenden Grundprinzipien erhalten in der Kinästhetik dadurch eine besondere Bedeutung, dass die fortgesetzte und vertiefte Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation ein zentraler Lerninhalt ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie jede Sinneswahrnehmung kann die Bewegungswahrnehmung nur dadurch sensibilisiert werden, dass die einzelnen Lernenden mit ihren individuellen Voraussetzungen selbst aktiv werden und die spezifische Achtsamkeit auf ihr kinästhetisches Sinnessystem immer wieder trainieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche Lernprozesse beruhen auf der Innenperspektive der einzelnen Lernenden. Es geht darum, unter spezifischen Blickwinkeln durch eigenes Tun in sich selbst danach zu suchen, wie fein welche Unterschiede durch die eigene Bewegungswahrnehmung erfahrbar werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der 1.-Person-Methodik steht das subjektive Erleben des „Ichs“ und seine selbstverantwortliche, individuelle Entwicklung im Zentrum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für viele Lernende ist dieses Lernen ungewohnt. Im traditionellen Unterricht geht es um allgemeingültiges, objektiv beschreibbares Wissen und Können. Es befindet sich gewissermaßen außerhalb von einem selbst und muss „verinnerlicht“ werden – wer das tut, bzw. das subjektive Erleben des „Ichs“ spielen dabei keine Rolle: Hauptsache, man lernt, wie man es richtig macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weil die Lernenden in ihrer bisherigen Lerngeschichte hauptsächlich dieses Lernverständnis erlebt haben, kann es für sie eine Herausforderung bedeuten, sich auf die eigene Innenperspektive und Wahrnehmung einzulassen und ihr zu vertrauen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für einen bewussten und nachhaltigen Lernprozess ist es von Bedeutung, diese inneren Erfahrungen in einem zirkulären Wechselspiel mit der Außenperspektive (z. B. durch schriftliche Texte, andere Personen usw.) zu entwickeln und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, dass der Lernprozess bei der Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung darauf abzielt, in der eigenen Bewegung individuell erfahrbare Unterschiede immer feiner wahrzunehmen und zu regulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es geht darum, die eigene Bewegung bzw. sich selbst zu begreifen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, warum und wozu es wichtig ist, dass sich die Lernenden immer wieder ausführlich und intensiv mit sich selbst bzw. der Sensibilisierung ihrer Bewegungswahrnehmung beschäftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu macht sie verständlich und erfahrbar, welche Bedeutung die damit angestrebten Kompetenzen für die Praxis haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie erklärt den Unterschied zwischen diesem Lernverständnis und der traditionellen Sicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, dass es z. B. nicht darum geht, die „objektive“ Beschreibung erfahrbarer Unterschiede des Konzeptsystems möglichst genau zu verstehen und dann richtig umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie fördert die bewusste Entwicklung der kinästhetischen Sensibilität der Lernenden durch das zirkuläre Wechselspiel von inneren Erfahrungen und äußeren Aspekten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Rolle spielen dabei die sprachliche Reflexion der eigenen Erfahrungen, die Bewegungserfahrung mit einer PartnerIn und der Abgleich mit deren Beschreibung oder mit schriftlichen Texten.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.3 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.1 Anschluss an individuelles Vorwissen und bisherige Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernprozesse schließen immer an das individuelle Vorwissen und die persönlichen bisherigen Erfahrungen der einzelnen Lernenden an. Sie können nur dort einsetzen, wo sich die einzelne Lernende diesbezüglich befindet. Damit Lernende einen persönlichen Anschluss an Lerninhalte finden können, ist es unabdingbar, dass sie sich bewusst machen können, auf welchem Vorwissen und auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie müssen feststellen können, welches in Bezug darauf ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn versteht, wo die Lernenden stehen und was sie beschäftigt, erhält sie eine Grundlage für einen passenden gemeinsamen Lernprozess. Sie kann vermeiden, dass sie die Lernenden unter- oder überfordert. Es ist sinnvoll, den Lernenden immer wieder Standortbestimmungen zu ermöglichen. Durch diese können sie in „neuen“ Ausgangslagen feststellen, wo sie stehen und wohin sie in Bezug auf die erforderlichen Kompetenzen gelangen wollen und sollen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden immer wieder auf und/oder lässt sie erfahren, auf welchem Vorwissen oder auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie ermöglicht ihnen festzustellen, wo sie in Bezug auf dieses Vorwissen oder diese Kompetenzen stehen und welche ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet z. B. ein Fallbeispiel aus der Lebenswelt der Lernenden und fragt sie nach persönlich erlebten Situationen mit gleichen oder ähnlichen Herausforderungen. Sie lässt die Lernenden anhand dieser Beispiele die eigenen beruflichen Fragen und erforderlichen Kompetenzen erarbeiten. Sie gleicht, wo nötig, die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen der Lerninhalte damit ab.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn versucht darauf aufbauend, durch ihre Frage-, Aufgabenstellungen und Anleitungen die Lernenden weder zu unterfordern noch zu überfordern. Sie schätzt fortlaufend ein, ob die einzelnen Lernenden und die Gruppe einen angemessenen herausfordernden Anschluss an die aktuellen Lernprozesse finden. Gegebenenfalls passt sie ihre Gestaltung der Lernumgebung individuell oder für die Gruppe entsprechend an.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.2 Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst werden lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik können Lerninhalte auf Erklärungsmodellen und Annahmen beruhen, die nicht gängig sind (z. B. „Der Mensch ist lebenslang lernfähig“). Es ist leicht möglich, dass sie damit in Widerspruch stehen, wie die Lernenden bisher zugehörige Phänomene erklärt haben (z. B. „Mit zunehmenden Alter verliert der Mensch die Lernfähigkeit“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen kann eine Widersprüchlichkeit zwischen den Annahmen der Lernenden, worum es im Bildungsangebot geht, und den tatsächlichen angestrebten Lernzielen und Kompetenzen bestehen. Lernende können z. B. davon ausgehen, dass es in der Kinästhetik um die richtigen Transfertechniken und Handgriffe geht. Demgegenüber zielt das Bildungsangebot vielmehr auf ein individuell anzupassendes gemeinsames Lernen mit unterstützungsbedürftigen Personen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn dies nicht immer wieder bewusst gemacht wird, kann eine solche Unvereinbarkeit das Lernen und den Kompetenzaufbau behindern. Denn insbesondere in Praxissituationen können die bisherigen eigenen Annahmen und Erklärungen das Handeln bestimmen. Das im Lernprozess thematisierte alternative Verhalten, das auf einer neuen Sichtweise beruht, kommt nicht zum Zug.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die jeweiligen Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst gemacht werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Lernende sowohl ihre Verhaltensmuster als auch ihre Erklärungsmodelle und Annahmen erweitern oder ändern. Zugleich wird es ihnen möglich, ihr Verhalten mit passenden Erklärungsmodellen zu begründen oder mit anderen abzugleichen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welche Annahmen und Erklärungsmodelle den Lerninhalten und -prozessen zugrunde liegen (z. B. „Der Mensch kann seine Bewegungskompetenz lebenslang erweitern“). Sie ermöglicht ihnen festzustellen, welche Annahmen und Erklärungsmodelle sie selbst bisher diesen Lerninhalten bzw. den zugehörigen Phänomenen zugrunde gelegt haben (z. B. „Im Alter werden Menschen natürlicherweise steif und unbeweglich und können nicht mehr lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten besser zu nutzen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden wiederholt, im zirkulären Wechselspiel mit Erfahrungen in Praxissituationen ihre eigenen Annahmen und Erklärungsmodelle zu reflektieren und mit anderen zu vergleichen, um Abweichungen und Übereinstimmungen zu erkennen. Dadurch verschafft die TrainerIn ihnen die Möglichkeit, ihr Verhalten und dessen Erklärungen bewusst zu erweitern oder zu verändern und es passend begründen zu lernen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.3 Die persönliche Bedeutung der Lerninhalte und eigenes Interesse entdecken lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, intensiv und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie die persönliche Bedeutung und Sinnhaftigkeit der Lerninhalte und -prozesse für sich selbst bzw. für ihre Lebenswelt und deren Situationen erkennen. Dazu wird den Lernenden immer wieder ermöglicht, den Nutzen zu erfahren und zu erkennen, den die Lerninhalte für sie selbst, für ihre Lebenssituationen oder daran beteiligte Personen haben. Die Lernenden können dadurch ein eigenes Interesse für die Zielsetzungen des Lernens entwickeln und sich mit diesen identifizieren. Wenn dies nicht der Fall ist, führen die Lernprozesse eher zu trägem Wissen, das keine Auswirkungen auf die Praxis hat, und kaum zur Erweiterung oder zum Aufbau von Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welches Ziel das Bildungsangebot im Ganzen verfolgt und zu welchen Kompetenzen bzw. Fähigkeiten, Kenntnissen und Haltungen in Lebenssituationen die Lerninhalte und -prozesse führen können. Sie ermöglicht den Lernenden, die Bedeutung und den Nutzen dieser Lerninhalte und -prozesse für sie selbst und ihre eigenen Lebenssituationen zu entdecken und ein persönliches Interesse an den Zielsetzungen zu entwickeln. Dazu gehört, dass sie den Lernenden ermöglicht, ihre eigenen Anregungen einzubringen und ihre persönliche Motivation und Zielsetzung zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage unter den vorausgehenden Aspekten hat eine besondere Bedeutung für die zyklische Gestaltung der Lernumgebung bzw. für die Reflexion und Einschätzung der eigenen Lernfortschritte (vgl. 2.4 und insbesondere 2.4.5).&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.4 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.1 Die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein grundsätzlicher Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, gezielt und nachhaltig lernen und die Schritte ihres Lernprozesses gezielter reflektieren und beurteilen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz und Nachvollziehbarkeit gestaltet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch kann den Lernenden bewusst werden, weshalb und wozu die Schritte der Gestaltung der Lernumgebung in der konkreten inhaltlichen Ausprägung aufeinander folgen oder angepasst werden und wie diese Strukturierung zu den angestrebten Kompetenzen führen soll. Desgleichen kann ihnen klar werden, welcher persönliche Spielraum des konkreten Vorgehens für sie demzufolge besteht.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich die Logik des inhaltlichen und methodischen Ablaufs im Ganzen bewusst zu machen. Idealerweise ist ihnen das jederzeit möglich, indem z. B. der Ablauf auf einer Flipchart festgehalten und im Kursraum aufgehängt wird. Die TrainerIn erklärt, wie die Strukturierung der Lernschritte zu den angestrebten Lernzielen oder Kompetenzen führen soll.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den einzelnen Schritten ihrer Gestaltung der Lernumgebung zeigt sie den Lernenden ebenso auf und/oder lässt sie erfahren, wie sie mit dem vorausgehenden Schritt zusammenhängen und welches der rote Faden ist, der die Schritte verbindet. Sie gewährt den Lernenden den möglichen individuellen Spielraum, wie sie einen Schritt gemäß seinem Sinn und der Logik des Ablaufs vollziehen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.2 Die Gestaltung der Lernumgebung strukturieren&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert werden, dass es sich im Großen in strukturierten Zyklen vollzieht. Damit gemeint sind wiederholte Folgen zusammengehöriger, aufeinander aufbauender Lernschritte, die inhaltlich kreisförmig abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wichtige Elemente solcher Zyklen sind die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage (vgl. Kapitel 2.3.) und die Reflexion des Lernprozesses, die einen Zyklus abschließt (vgl. 2.4.5). Lernmodelle und methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Gruppenpuzzle orientieren sich oft an dieser grundlegenden Struktur.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Strukturierung der Gestaltung der Lernumgebung im Großen kann Lernen ebenso dadurch gefördert werden, dass längere und kürzere Lernschritte sowie Erholungsphasen in einem organischen Wechsel aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Großen und im Kleinen gliedern sich erfolgreiche Lernprozesse zudem in grundlegende Entwicklungsschritte. Sie erscheinen oft selbstverständlich wie z. B. der Entwicklungsschritt eines Lernprozesses vom Einfachen zum Schwierigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche grundlegenden Entwicklungsschritte werden im Folgenden stichwortartig aufgelistet, und zwar nur in einer Entwicklungsrichtung. Je nach Situation und Kontext kann die bewusste Verwendung der gegenteiligen Richtung sinnvoll sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von großen, leicht erfahr- oder wahrnehmbaren Unterschieden zu feinen Unterschieden und Differenzierungen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der Einzelerfahrung zur Partnererfahrung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der „Laborsituation“ zur Integration und Anwendung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von geführten, eng angeleiteten oder begleiteten Lernprozessen zum selbstverantwortlichen Lernen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Konkreten zum Abstrakten&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Einfachen zum Schwierigen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus lerntheoretischer Perspektive ist es sinnvoll, Bildungsangebote im Großen und in den einzelnen Schritten entsprechend zu strukturieren. Es gilt darauf zu achten, dass durch diese Strukturierungen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn strukturiert ihr Bildungsangebot im Großen und dessen Teile gemäß der inneren zyklischen Logik des Lernmodells bzw. von methodischen Großformen wie des Lernzyklus oder der Lernspirale. Sie passt diese Strukturierung der Teile folgerichtig an die angestrebten Kompetenzen und Lernziele an. Sie strukturiert ihre Gestaltung der Lernumgebung im Kleinen und im Großen bewusst nach grundlegenden Entwicklungsschritten von Lernprozessen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die Lernumgebung in einem organischen Wechsel von längeren und kürzeren Lernschritten und längeren und kürzeren Erholungsphasen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie beobachtet, ob ihre Strukturierungen die gewünschte Wirkung zeigen und die Lernprozesse unterstützen, und passt sie gegebenenfalls an. Je nach Lernziel, Situation oder Verlauf der Lernprozesse ist es angebracht, mit den erwähnten Strukturierungen bewusst zu spielen und z. B. einen Schritt von der Komplexität zur Einfachheit und wieder zurück zur Komplexität zu bauen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.3 Unterschiedliche Sozialformen und Methoden aufeinander folgen lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Abfolge von unterschiedlichen passenden Sozialformen und Methoden werden die Lernenden darin unterstützt, sich vielfältig und differenziert mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Ebenso kann dadurch lernfördernde Abwechslung erreicht und hinderliche Eintönigkeit vermieden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft ergibt sich die Abfolge von Sozialformen und methodischen Schritten aus der methodischen Großform (Lernzyklus, Lernspirale usw.), die der Gestaltung der Lernumgebung zugrunde gelegt wird (vgl. vorausgehendes Kapitel). In Bezug auf die Sozialform sind trainerzentrierte Phasen so kurz wie möglich zu halten (vgl. auch 2.5.2).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dennoch können viele Lernziele in unterschiedlichen Sozialformen und durch unterschiedliche Methoden erreicht werden. Eine Reflexion des Lernprozesses kann z. B. in selbstständiger schriftlicher Einzelarbeit, im mündlichen Austausch mit anderen Lernenden oder angeleitet in der gesamten Gruppe erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ist nicht gemeint, dass zur Erreichung eines Lernziels immer wieder eine andere Methode eingesetzt werden sollte. Die Verwendung der gleichen Methode bzw. des gleichen Dokumentationsinstrumentes hat z. B. bei der Lernprozessreflexion bestimmte Vorteile: Wenn Lernende ihren Lernprozess mehrfach auf die gleiche Weise schriftlich und selbstständig reflektieren, reduziert sich der Anleitungsaufwand für die TrainerIn. Die Lernenden können Fortschritte im differenzierten Umgang mit der verwendeten Methode bzw. dem eingesetzten Dokumentationsinstrument machen. Zudem können die Lernenden die Resultate ihrer einzelnen Reflexionen besser vergleichen und auswerten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Andererseits kann eine alternative Methode wie der mündliche Austausch neue Perspektiven eröffnen und weitere positive Effekte haben, die sich bei der schriftlichen Einzelarbeit nicht ergeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es gilt darauf zu achten, dass durch die Strukturierung mit unterschiedlichen methodischen Formen und Sozialformen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet in ihrer Gestaltung der Lernumgebung unterschiedliche passende Sozialformen und Methoden. Sie geht dabei von den jeweiligen angestrebten Kompetenzen und Lernzielen des Bildungsangebots und der einzelnen Schritte aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie wechselt in Bezug auf die Sozialformen sinnvoll zwischen eher kurzem geführtem und eher langem selbstverantwortlichem Lernen allein, zu zweit oder in Kleingruppen. Sie nutzt Phasen von selbstverantwortlichem Lernen dazu, die einzelnen Lernenden oder Kleingruppen in ihrem Lernprozess zu unterstützen, aber auch dazu, in den Hintergrund zu treten und die Lernenden allein arbeiten zu lassen. Solche Phasen kann die TrainerIn dazu nutzen, ihre bisherige Gestaltung der Lernumgebung zu reflektieren und gegebenenfalls die geplante Fortsetzung anzupassen und vorzubereiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn berücksichtigt das Alter der Lernenden und ihren Bildungsstand in Kinästhetik. Erfahrungsgemäß brauchen Jugendliche mehr und schnellere Wechsel der Sozialformen und Methoden, um nicht gelangweilt zu werden. Lernende, die schon einige Kinästhetik-Bildungsangebote besucht haben, sind z. B. eher fähig, länger in eine Bewegungserfahrung einzutauchen oder sich selbstständig mit einer längeren Aufgabe auf der Grundlage der Lernspirale zu beschäftigen. Zudem können genau solche Themen Lernziele oder angestrebte Kompetenzen für fortgeschrittene Lernende sein.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.4 Die Gestaltung der Lernumgebung an den Verlauf der Lernprozesse anpassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus einigen vorausgehenden Grundprinzipien ergibt sich die Notwendigkeit der Prozessorientierung der Gestaltung der Lernumgebung. Anpassungen an den Verlauf der Lernprozesse können selten jeder einzelnen Lernenden gerecht werden. Für die eine Person könnte auf einen nächsten methodischen Schritt verzichtet werden, für die andere nicht, die eine Person würde lieber allein weiterarbeiten, die andere in der Gruppe, der einen Person geht es zu schnell, der anderen zu langsam, die eine bräuchte mehr Pausen, die andere weniger usw. Dennoch kann Lernen dadurch unterstützt werden, dass prozessorientierte Anpassungen mit einem intuitiven Blick auf den Lernprozess der gesamten Gruppe der Lernenden in Bezug auf ihre Erreichung der Lernziele und Kompetenzen erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Prozessorientierte Anpassungen können im Großen auf der Ebene der Strukturierung bzw. der Wahl von Methoden und Sozialformen erfolgen. Desgleichen gilt es, in den einzelnen Schritten auf den Rhythmus der Gestaltung der Lernumgebung zu achten. Die Rhythmisierung, d. h. die Gestaltung eines Schrittes in Bezug auf Dauer, Tempo und Gewichtung der Lerninhalte, kann bewusst an die Qualität der Lernprozesse angepasst werden. In der Kinästhetik ist dies eine besondere Herausforderung bei der Anleitung von Bewegungserfahrungen. Es geht dabei um die nur intuitiv beantwortbaren Fragen, wie lange die Lernenden die Konzentration auf die eigene Bewegungswahrnehmung halten können und wann sie eine nächste Anleitung brauchen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für alle Beteiligten ist es befriedigender, wenn Lernziele mit mehr zeitlichem Aufwand als geplant erreicht werden, als wenn ein Lernprozess aus zeitlichen Gründen stark verkürzt oder weit vor seinem befriedigenden Abschluss abgebrochen wird. Oft bleibt bei den Lernenden im zweiten Fall nur Verwirrung und Frustration zurück, worum es dabei gegangen ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn langsamer als geplant vorankommt, muss sie sich überlegen, welche weiteren Lernschritte hinsichtlich der angestrebten Lernziele und Kompetenzen unverzichtbar sind und wie sie ihre Planung entsprechend anpassen kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch wenn solche Anpassungen im Kleinen und im Großen die Qualität der Lernprozesse fördern, ist es wichtig, dass die angesetzten Zeiten für Beginn, Pausen und Ende sowie andere Fixpunkte wie Praxissequenzen oder Morgen- und Abendrunden den Lernenden eine verlässliche und verbindliche Orientierung geben. Ebenso gilt es, den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten in geeigneter Weise in Erinnerung zu rufen, wie viel Zeit für den aktuellen Lernschritt noch zur Verfügung steht oder um wie viel Zeit er verlängert wird.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn beobachtet den Verlauf der Lernprozesse und schätzt ihre Qualität in Bezug auf die Zielerreichung ein. Sie nutzt dazu auch kleine Zwischengespräche oder kurze Bewegungserfahrungen mit den Lernenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Je nach ihrer Einschätzung nimmt sie Anpassungen oder Umstellungen auf der Ebene der Strukturierung, der Wahl von Methoden oder Sozialformen oder auch der Rhythmisierung usw. vor. Sie verkürzt oder verlängert Schritte bzw. verlangsamt oder beschleunigt den Rhythmus ihrer Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie der Rhythmus ihrer Anleitungen den Lernenden hilft, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels zu erfahren, und passt ihre Rhythmisierung gegebenenfalls an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die zur Verfügung stehende Zeit knapp wird, überlegt sie sich in Bezug auf die angestrebten Lernziele und Kompetenzen, welche geplanten Schritte unverzichtbar sind und bei welchen Schritten es vertretbar ist, sie in einer immer noch stimmigen Minimalvariante zu gestalten oder auf sie zu verzichten. Wenn es den Lernenden hilft, sich im Ablauf zu orientieren und ihn zu verstehen, erklärt und begründet sie ihre Anpassungen. Sie erinnert die Lernenden in passenden Momenten an die vorgesehene oder angepasste Zeitplanung.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.5 Fachsprachliche Dokumentation, Reflexion und zyklische Selbstevaluation der Lernprozesse ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass die Lernenden bewusst und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie ihre Lernprozesse unter Verwendung der Fachsprache dokumentieren. In der Kinästhetik haben insbesondere die Lernprozesse in Bewegungserfahrungen einen flüchtigen Charakter. Deshalb unterstützt es das Lernen, wenn sie zeitnah in geeigneter Form dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Den förderlichen zyklischen Charakter des Lernens macht wesentlich aus, dass die Lernenden regelmäßig ihre Lernprozesse bis zum aktuellen Zeitpunkt reflektieren, evaluieren und so die Abfolge von zusammengehörigen Lernschritten im Kreis schließen. In der Kinästhetik sind Reflexion und Selbstevaluation stehende Elemente der Gestaltung der Lernumgebung. Oft wird dazu der Vergleich mit der persönlichen Ausgangslage herangezogen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Lernenden halten dabei fest, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben. Sie ermitteln ihre Lernfortschritte im Vergleich mit ihrer Ausgangslage, aber auch Vertiefungsmöglichkeiten, den weiteren Lernbedarf und offene Fragen. Sie verknüpfen diese Reflexionen und Selbstevaluationen mit ihren Praxisthemen bzw. der Bedeutung für ihren beruflichen oder privaten Alltag. Dies trägt dazu bei, dass sie bis zur nächsten Reflexion und Selbstevaluation motiviert, gezielt und nachhaltig weiterlernen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen Dokumentationen, Reflexionen und Selbstevaluationen leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Lernenden die Fachsprache der Kinästhetik bewusst und differenziert verwenden lernen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre Lernprozesse regelmäßig zu dokumentieren. Sie ermöglicht ihnen, durch regelmäßige individuelle Reflexionen und Selbstevaluationen ihren aktuellen Stand mit ihrer Ausgangslage zu vergleichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie lässt die Lernenden einschätzen, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben und wo weiterer Lern- und Vertiefungsbedarf oder offene Fragen bestehen. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, z. B. mit dem Instrument der Bildungsfelder festzustellen, wo sie innerhalb oder außerhalb der angestrebten Ziele wichtige Lernprozesse gemacht haben. Sie lässt die Lernenden festhalten, welche Bedeutung ihre Lernprozesse für die Situationen ihrer Lebenswelt haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie unterstützt die Lernenden, bei der Dokumentation, Reflexion und Selbstevaluation die kinästhetische Fachsprache treffend zu verwenden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.6 Fremdeinschätzung durch Bewegungsinteraktion, Austausch und Reflexion ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen zyklischen Reflexionen und Selbstevaluationen können durch Fremdeinschätzungen wesentlich unterstützt werden. Sie ergänzen die Beurteilung des eigenen Lernprozesses durch die Außenperspektive anderer Personen. Oft fällt es diesen insbesondere leichter, die Lernfortschritte klar herauszustellen und zu würdigen. Ihre Perspektive kann aber auch dabei helfen, die Einschätzung des weiteren Lernbedarfs zu ergänzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist dabei die Bewegungsinteraktion von besonderer Bedeutung. Für die TrainerIn ist sie der geeignetste Weg, um die Bewegungskompetenz von Lernenden und ihren Entwicklungsbedarf einschätzen zu können. Auch durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Lernenden und die anschließenden gemeinsamen Reflexionen erhalten Lernende auf der Grundlage der konkreten Erfahrung Hinweise darauf, wie differenziert und angepasst sie ihre Bewegungskompetenz in Interaktionen über Berührung und Bewegung einsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Bewegungsinteraktion, den Austausch und die gemeinsame Reflexion mit anderen Teilnehmenden oder der TrainerIn wird die Selbstevaluation unterstützt. Die daraus entstehenden Unterschiede der Wahrnehmungen, Erfahrungen und ihrer Beschreibung können helfen, die eigenen Lernprozesse aus anderen Perspektiven zu reflektieren, zu evaluieren und präziser zu beschreiben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein sind der Austausch und die gemeinsame Reflexion von Lernschritten mit anderen Lernenden oder mit der TrainerIn eine Möglichkeit, dass Lernende eine Fremdeinschätzung bekommen, die für das eigene Lernen förderlich sein kann.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, durch die gemeinsame Reflexion von Lernschritten und insbesondere durch den Austausch und die gemeinsame Reflexion nach Bewegungsinteraktionen Unterschiede der Erfahrungen und ihrer Beschreibung festzustellen sowie eine Fremdeinschätzung zu erhalten. Sie selbst nutzt dazu die Interaktion über Berührung und Bewegung mit möglichst allen Lernenden, Rückmeldungen in konkreten Praxissituationen oder auch Einzel- und Gruppengespräche.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie macht den Lernenden durch ihre Fremdeinschätzung sachbezogen und wertschätzend deutlich, wie weit sie die angestrebten Ziele erreicht haben und auf welche Kriterien sie achten können, um weitere Lernfortschritte zu machen. Sie setzt sich dafür ein, dass sich auch die Lernenden gegenseitig sachbezogene und wertschätzende Rückmeldungen geben.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.5 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.1 Einen wechselseitigen respektvollen Umgang fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, ungestört und gerne lernen, kann dadurch geleistet werden, dass das gemeinsame Lernen durch einen wechselseitigen respektvollen Umgang geprägt wird. Dies gilt sowohl für den Umgang der TrainerIn mit den Lernenden als auch für den Umgang der Lernenden untereinander. Ist dies nicht der Fall, kann die Qualität der Lernprozesse stark beeinträchtigt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn respektiert die Persönlichkeit der einzelnen Lernenden und lebt einen respektvollen Umgang vor. Sie gibt in der gegebenen Situation zu erkennen, dass sie umgekehrt einen angemessenen Respekt erwartet. Sie thematisiert, wenn eine Situation dazu Anlass gibt, den Wert des wechselseitigen respektvollen Umgangs und trifft gegebenenfalls gemeinsam mit den Lernenden diesbezügliche Absprachen. Sie geht auf Störungen ein, ohne sie zuungunsten der Lernprozesse anderer Lernender überzubetonen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.2 Die Lernprozesse der Lernenden in den Mittelpunkt stellen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende intensiv lernen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung so gestaltet wird, dass die Lernprozesse der Lernenden und die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Lerninhalten im Mittelpunkt stehen. Die TrainerIn unterstützt und begleitet dies in der Kinästhetik insbesondere mit ihrer Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zentrierung auf die Lernprozesse der Lernenden und das gemeinsame Lernen kann formal dadurch erreicht werden, dass trainerzentrierte Phasen der Gestaltung der Lernumgebung so kurz wie möglich gehalten werden. Inhaltlich kann es dadurch erreicht werden, dass die Gestaltung der Lernumgebung sach- und situationsbezogen ist und nicht die eigene Person, die eigene Kompetenz und das eigene Wissen in den Vordergrund stellt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt in ihrer Gestaltung der Lernumgebung hauptsächlich den Lernenden Raum für ihre eigenen Lernprozesse und das gemeinsame Lernen zur Verfügung. Sie beschränkt Phasen, in denen sie im Mittelpunkt steht, auf das Nötige. Sie lässt die Lernenden erfahren, dass ihre Rolle hauptsächlich diejenige der kompetenten LernbegleiterIn ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu setzt sie ihr Fachwissen und in Bewegungsinteraktionen insbesondere ihre Bewegungskompetenz ein. Sie vermeidet es, gegenüber anderen Meinungen oder Verhaltensweisen das eigene (Besser-)Wissen in den Vordergrund zu stellen, sondern argumentiert möglichst sachbezogen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.3 Lernen in Partner- und Gruppenarbeit fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert und erweitert werden, dass es sich in Partner- oder Gruppenarbeit vollzieht. Dadurch entstehen Unterschiede zu den eigenen Annahmen, Erklärungen, (Bewegungs-)Erfahrungen, Wahrnehmungen und ihrer sprachlichen und fachsprachlichen Dokumentation. Diese Unterschiede können helfen, das eigene Lernen und die eigenen Erkenntnisse zu reflektieren sowie gegenüber anderen Personen genauer und verständlicher zu beschreiben. Die eigenen Lernprozesse werden durch den Austausch und Abgleich erweitert und bereichert.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht immer wieder Lernen zu zweit oder in Gruppen. Dieses betrifft insbesondere die Bewegungsinteraktion mit anschließender gemeinsamer Reflexion und fachsprachlicher Dokumentation. Die TrainerIn gibt den Lernenden ebenso die Möglichkeit zum Austausch über Annahmen, Erfahrungen und Erkenntnisse und deren Beschreibung. Sie unterstützt gegebenenfalls die Bildung von Lerngruppen, die gemeinsames Lernen in Bezug auf Praxis und Theorie pflegen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.4 Lernen durch Lehren fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende ihre Lernprozesse vertiefen, festigen und für andere strukturiert und verständlich aufbereiten, kann durch die Methode des Lernens durch Lehren geleistet werden. Seit der Antike wird der Ansatz „Durch Lehren lernen wir“ (Docendo discimus) vertreten. Die Methode trägt dazu bei, dass sich Lernende mit den Lerninhalten und -zielen persönlich identifizieren und sie selbst und nicht die TrainerIn im Mittelpunkt stehen (vgl. oben).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gruppenpuzzle ist eine hervorragende Methode dazu, dass Lernen durch Lehren allein und gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und reflektiert wird. Lernen durch Lehren kann in der Kinästhetik insbesondere für unterschiedliche Anleitungssituationen in Übereinstimmung mit den entsprechenden angestrebten Kompetenzen und Lernzielen verwendet werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, Themen vorzubereiten, die in Bezug auf die angestrebten Kompetenzen und Lernziele geeignet sind, und zu diesen Themen Lernumgebung für andere Lernende oder die ganze Gruppe zu gestalten. Sie sorgt dafür, dass den Lernenden die Lerninhalte und Materialien zur Verfügung stehen, und unterstützt gegebenenfalls die Lernenden in der Vorbereitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie ermöglicht den Lernenden, ihre Gestaltung der Lernumgebung für sich oder gemeinsam zu reflektieren, und achtet darauf, dass sie sachliche und wertschätzende Rückmeldungen erhalten. Sie verwendet das Gruppenpuzzle oder Lernen durch Lehren für unterschiedliche Anleitungssituationen, die für die Lebenswelt und für die Praxissituationen der Lernenden relevant sind.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.6 Verständliche Aufgabenstellungen sowie Einrichtung, Materialien und Medien zweckdienlich zur Verfügung stellen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.1 Anleitungen und Aufgabenstellungen klar und eindeutig gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie gezielt, konzentriert und der Absicht entsprechend sich Lernende mit den Lerninhalten auseinandersetzen können, ist davon abhängig, wie gut sie die Anleitungen und Aufgabenstellungen verstehen. Dies wird wesentlich davon beeinflusst, wie verständlich und eindeutig diese formuliert, erklärt und gestaltet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Deshalb ist es wichtig, Aufgabenstellungen wohlüberlegt und sorgfältig zu formulieren und darzustellen. Ebenso wichtig ist sicherzustellen, dass die Lernenden die Aufgabenstellung und ihre Absicht genau verstehen und wissen, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn Lernende mithilfe einer Aufgabenstellung selbstständig arbeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den Anleitungen von Einzel- oder Partnererfahrungen sind in den einzelnen Anleitungsaussagen die Klarheit und Verständlichkeit von besonderer Bedeutung. Je präziser die Lernenden verstehen, was sie tun und auf welchen Blickwinkel sie dabei achten sollen, desto konzentrierter und differenzierter können sie die entsprechenden Unterschiede in sich wahrnehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Präzision der Anleitungsaussagen erlaubt es, dass sich die Lernenden im Lauf der Anleitung auf längere Phasen der Eigenerfahrung einlassen können. Wenn immer wieder nachgefragt werden muss, wie die Anleitung gemeint ist und worauf geachtet werden soll, fällt die fragende Person und die ganze Gruppe aus ihren Erfahrungen und ihrer Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn formuliert, erklärt und gestaltet ihre Anleitungen und Aufgabenstellungen wohlüberlegt und möglichst klar und eindeutig. Sie erklärt möglichst genau, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn möglich, verdeutlicht sie die Aufgabenstellung und ihre Absicht mit unterschiedlichen Darstellungsformen (mit kleinen beispielhaften Bewegungsanleitungen, schriftlich, mündlich, symbolisch, bildlich, mit Beispielen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dies leistet einen wertvollen Beitrag dazu, das Verständnis der Aufgabenstellung bei den Lernenden sicherzustellen. Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten, sich jederzeit die Aufgabenstellung bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie ihre Anleitungsaussagen und deren Rhythmus den Lernenden helfen, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels wahrzunehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gegebenenfalls passt sie ihre Formulierungen und Aussagen an. Sie achtet insbesondere bei der Anleitung von längeren Phasen der Eigenerfahrung darauf, dass die Lernenden möglichst genau wissen, wie sie auf welche Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung achten sollen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.2 Zweckdienlich Materialien bereitstellen und den Schulungsraum einrichten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag zu einer lernfördernden Atmosphäre und zu einer leichten und flüssigen Organisation der Gestaltung der Lernumgebung kann dadurch geleistet werden, dass die Einrichtung des Schulungsraumes sowie die Lern-, Unterrichts- und Moderationsmaterialien oder Medien zweckdienlich vorbereitet sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie sollen für die Benutzung leicht zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Flipcharts o. Ä. mit wenigen Stichworten oder bildlichen Darstellungen können spontan gestaltet werden. Wenn sie einen umfänglicheren Inhalt haben (Zeitplanung, Strukturen/Abläufe, Aufgaben usw.), ist es empfehlenswert, sie vorzubereiten oder vorgedruckte Materialien zu verwenden, damit nicht Zeit unnötig verloren geht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit bestimmte Informationen oder Dokumentationen von Lernprozessen den Lernenden jederzeit zur Verfügung stehen, können sie im Schulungsraum gut sichtbar aufgehängt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu beachten ist ein gewisses Maß an Materialien und Medien: Die Gestaltung der Lernumgebung wird nicht desto besser, je mehr Materialien und Medien zum Einsatz kommen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt vor dem Bildungsangebot die benötigten Materialien und Medien zusammen. Sie richtet den Schulungsraum so ein, dass sich die Lernenden willkommen und in lernfördernder Atmosphäre fühlen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle benötigten Materialien und Medien sollen zweckdienlich bereitgestellt und für alle Beteiligten leicht zugänglich sein. Die TrainerIn kann z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Stühle, Matten, Unterrichtsmaterial pro Teilnehmende bereitstellen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• einen Tisch mit Büchern/Infomaterial vorbereiten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Pinwände aufstellen und vorgedruckte Lehrmaterialien aufhängen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Geräte zum Abspielen von Videos oder Tonaufnahmen einrichten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Moderationsmaterialien und anderes Material wie Dokumentationswerkzeuge, Schreibzeug, Blocs, Betten usw. bereitstellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie achtet dabei auf ein angemessenes Maß an Materialien und Medien.&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;3 Glossar der pädagogischen Fachbegriffe&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Pädagogik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Pädagogik ist ein Wissenschaftszweig, der die Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung zum Thema hat. Der Begriff Erziehungswissenschaft wird gleichbedeutend oder als pädagogischer Teilbereich, der sich auf die Erziehung fokussiert, verwendet. Aus herkömmlicher Perspektive betrifft die Pädagogik Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, im heutigen Verständnis schließt sie Erziehungs- und Bildungsfragen in Bezug auf Menschen jeden Alters ein. In expliziter Abgrenzung wird in diesem Zusammenhang u. a. der Begriff Erwachsenenbildung verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Didaktik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Didaktik ist die wissenschaftliche Lehre vom Lehren und Lernen. Sie gilt als ein zentraler Teilbereich der Pädagogik. Im herkömmlichen Sinn bezeichnet sie die Lehre des Unterrichtens, im heutigen Sinn umfasst sie die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens, weil diese beiden Themen als untrennbar verbunden betrachtet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es kann zwischen allgemeiner Didaktik und Fachdidaktik(en) unterschieden werden. Die allgemeine Didaktik befasst sich mit Lehren und Lernen unabhängig von Lerninhalten oder -themen bzw. von Fächern oder Fachgebieten. Aufgrund des Fehlens einer allgemein anerkannten umfassenden Lerntheorie bzw. der Abhängigkeit der allgemeinen Didaktik vom zugrunde liegenden Lernverständnis gibt es unterschiedliche allgemeindidaktische Modelle oder Konzepte. Beispiele sind die konstruktivistische, evolutionäre oder lerntheoretische Didaktik. Fachdidaktiken befassen sich mit Lehren und Lernen in Bezug auf spezifische Fächer, Fachgebiete oder Lerninhalte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Methodik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Methodik ist die wissenschaftliche Lehre von geregelten, planmäßigen Verfahrens- oder Vorgehensweisen des Lehrens bzw. Lernens auf ein bestimmtes Ziel hin. Methodik ist ein pädagogischer Teilbereich, der je nach Auffassung von der Didaktik abgegrenzt oder ihr bei- oder untergeordnet wird. Die enge Verbindung der beiden Teilbereiche zeigt sich in den häufigen Fügungen „Methodik und Didaktik“ oder „methodisch-didaktisch“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Methodik befasst sich mit der praktischen Vorgehensweise beim Lehren bzw. Lernen und der geregelten Abfolge der einzelnen Schritte zur Zielerreichung. Ihre Themen sind weitreichend und umfassen z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Unterrichtsmethoden wie Frontal-, Werkstatt- oder Projektunterricht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Sozial- und Arbeitsformen wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit sowie konkretere methodische Großformen wie Gruppenpuzzle, Rollenspiel oder in der Kinästhetik Lernzyklus oder Lernspirale,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• den Einsatz von Arbeitsunterlagen, Unterrichtsmaterialien und Medien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es existieren unterschiedliche Systematisierungen der Methodik, da sie vom jeweiligen pädagogischen Betrachtungswinkel abhängig sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernumgebung, Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Traditionell werden unter Lernumgebung oder Unterrichtskontext vorgegebene Faktoren verstanden, die die Rahmenbedingungen der Lehr- und Lernprozesse bilden. In der Kinästhetik und vermehrt in der modernen Pädagogik (z. B. bei Diethelm Wahl) werden die Begriffe Lernumgebung und Gestaltung der Lernumgebung in dem Sinn verwendet, dass Lernen immer ein selbstgesteuerter innerer Prozess ist, auf den von außen nicht direkt ursächlich oder kausal eingewirkt werden kann. Deshalb werden in der Kinästhetik diese Begriffe zur Bezeichnung des Unterrichts bzw. des Unterrichtens oder der Lehrtätigkeit verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Kompetenz&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Kompetenz wird in der Pädagogik unterschiedlich definiert. Im Sinn von tauglichen Kurzdefinitionen kann sie als die erlernte Fähigkeit zu einem erfolgreichen Verhalten in der Praxis, zur Problemlösung oder auch als die Disposition zur Praxisbewältigung umrissen werden. Sie setzt sich in diesem Sinn aus Wissen, Können/Handeln und Wollen zusammen. Entsprechend werden Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen als Kompetenzressourcen bezeichnet. In ihrem Zusammenspiel – und nicht in ihrer Summe – bilden sie die Grundlagen von Kompetenzen. Bestimmte Definitionen des Kompetenzbegriffs weisen zusätzlich auf motivationale und soziale Aspekte des Kompetenzbegriffs hin.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine gewisse Übereinstimmung aktueller Kompetenzdefinitionen besteht darin, dass sich Kompetenz in unterschiedlichen Situationen aus einem Bereich der Lebenswelt zeigt. Das kompetente Verhalten in einer bestimmten konkreten Situation wird dabei von einigen AutorInnen als Performanz bezeichnet und vom Kompetenzbegriff abgegrenzt. Aktuelle Curricula bauen sehr oft auf dem Verständnis des Kompetenzbegriffs auf und beschreiben im Kern die angestrebten Kompetenzen und Kompetenzressourcen in bestimmten Handlungsfeldern und ihren Situationen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine aktuelle Kompetenzdefinition, an der sich die Weiterentwicklung der Curricula der Bildungsangebote der European Kinaesthetics Association orientiert, ist diejenige von Gianni Ghisla:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Als Kompetenz wird zuerst einmal die Fähigkeit von individuellen oder kollektiven Subjekten verstanden, eine Klasse von Situationen, allenfalls eine einzelne Situation, erfolgreich zu meistern und somit eine Tätigkeit zu vollziehen. Um in Situationen kompetent zu sein, bedarf es der Aktivierung von individuellen oder gruppengebundenen Ressourcen, nämlich von Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen.“ (Ghisla 2008, S. 21)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Kompetenz liegt also nicht einfach in den Ressourcen (Kenntnis, Fähigkeiten und Haltungen), aus denen sie in der jeweiligen Situation entsteht und auch nicht in der Summe, sondern im Akt der kreativen und funktionalen Kombination und Mobilisierung dieser Ressourcen in Situationen.“ (Ghisla 2008, S. 24 f.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernziel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernziele sind die angestrebten Ziele des Lernens. Da Lernen ein zielorientierter innerer Prozess ist, sind die individuellen Lernziele der einzelnen Lernenden ausschlaggebend. Im Idealfall können sich Lernende mit von außen vorgegebenen oder vorgeschlagenen Lernzielen identifizieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aufgrund ihres Abstraktionsgrades kann zwischen Leit- oder Richtzielen, Grob- und Feinzielen unterschieden werden. Ausgehend vom Kompetenzbegriff können Lernziele bestimmte Kompetenzen oder zugrunde liegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen betreffen. Gängig ist die entsprechende Unterscheidung zwischen kognitiven, psychomotorischen und affektiven Lernzielen. Im Bereich des Wissens hat sich die Taxonomie der kognitiven Lernziele nach Bloom als hilfreich und sinnvoll erwiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Klar definierte und den Lernenden bekannte Lernziele mit ihren Beurteilungskriterien sind für die faire Überprüfung ihrer Erreichung elementar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lerninhalt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lerninhalt bezeichnet den Gegenstand des Lernens oder das Thema, mit dem sich Lernende auseinandersetzen. Dabei kann es um theoretische oder praktische Inhalte gehen. Bis weit ins 20. Jahrhundert orientierten sich Lehrpläne an den Inhalten und Stoffen. Sie schrieben vor, welche Inhalte wann zu behandeln waren. Viele Inhalte wurden als Wert an sich betrachtet (z. B. Goethe, Faust). Welche Lernziele oder Kompetenzen die Auseinandersetzung mit ihnen verfolgte, war im Gegensatz zu heute nicht oder kaum Thema.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernprozess&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernprozess bezeichnet den Vorgang oder Verlauf des Lernens.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Sozialform&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Sozialform ist ein didaktischer Fachbegriff. Er beschreibt die Möglichkeiten der Beziehung oder Interaktionen, in der Lernende untereinander bzw. zu den Lehrenden in den einzelnen Phasen eines Lernprozesses stehen. Es kann zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit (immer mit oder ohne Betreuung durch Lehrende auf Anfrage) und Klassenunterricht unterschieden werden. Auch im Klassenunterricht kann die Sozialform unterschiedlich ausgestaltet werden (Lehrvortrag, Präsentation von Lernergebnissen durch Lernende, offene Diskussion usw.).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Konstruktion, Wissenskonstruktion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Im Rahmen der Erkenntnistheorie bezeichnet Konstruktion eine grundlegende kybernetische Annahme, wie der Mensch Informationen verarbeitet. Sie geht davon aus, dass Reize jeglicher Art (physikalische, chemische usw., innere, äußere) vom Menschen bzw. von seinen körperlichen Rezeptoren nicht in einem objektiven Sinn wie von einem technischen Aufnahmegerät registriert oder abgebildet werden. Vielmehr werden sie von jedem einzelnen Individuum subjektiv und gemäß seinem eigenen Funktionieren errechnet oder konstruiert – oder auch nicht oder höchstens unterbewusst wahrgenommen. Das bedeutet, dass sie in die individuellen Strukturen der eigenen Erfahrung und des eigenen Wissens eingebettet werden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff Wissenskonstruktion verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Rhythmus, Rhythmisierung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;In der Pädagogik werden die Begriffe Rhythmus und Rhythmisierung insbesondere im Kontext von Ganztagesschulen verwendet. Dabei geht es darum, Tagesabläufe z. B. mit stehenden Elementen des Ein- und Ausstiegs oder dem Wechsel von Arbeits- und Erholungsphasen oder der Sozialformen an die Zielgruppe angepasst zu gestalten. Der Begriff Rhythmisierung kann auch für die Gestaltung einer Lernsequenz in Bezug auf die Dauer, das Tempo und die Gewichtung der einzelnen Lernschritte der gesamten Lernsequenz verwendet werden. In der Kinästhetik spielt die Rhythmisierung in diesem Sinn insbesondere in Anleitungen zu Bewegungserfahrungen eine wichtige Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;4 Anhang: Kurzfassung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kurzfassung der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik ist ein auf das Wesentliche beschränkter Kriterienkatalog zur Beurteilung und Evaluation der eigenen oder fremder Gestaltung der Lernumgebung in Kinaesthetics-Bildungsangeboten. Sie steht auch als gesonderte Publikation zur Verfügung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten Prozess ermöglichen 2.1.png|900px|rahmenlos|zentriert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:2 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;br /&gt;
[[Datei:3 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;br /&gt;
[[Datei:4 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Text oben.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6148</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6148"/>
		<updated>2025-11-08T15:42:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien in Wikisyntax&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;2 Lernverständnis und Grundprinzipien&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.1 Einleitung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.1 Bezüge zum Menschenbild&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die nachfolgend dargestellten Grundprinzipien haben enge Bezüge zum zugrunde liegenden Menschenbild. So hat z. B. das erste Grundprinzip „Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen“ einen besonders engen Zusammenhang mit den Inhalten des einleitenden Kapitels „1.2.2. Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie“. Lernen als aktiver und konstruktiver Prozess schließt sich eng an die Bedeutung des Aphorismus „Jedes Erkennen ist Tun, und jedes Tun ist Erkennen“ an, Lernen als selbstgesteuerter Prozess an die kybernetische Grundidee der Selbstregulation und Autonomie usw. Explizite Hinweise auf diese Bezüge würden den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.2 Darstellung der Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Folgenden werden die einzelnen Grundprinzipien an erster Stelle mit lerntheoretischen Überlegungen und Annahmen dargestellt. Sie erläutern und begründen das zugehörige Lernverständnis. Dieses wird hier nicht mit Fachliteratur belegt. Eine mit Quellenangaben belegte Darstellung der Lerntheorie der Kinästhetik findet sich im Artikel „Lernen (Kinästhetik)“ des Kinaesthetics-Online-Fachlexikons (KOFL).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;An zweiter Stelle wird jedes Grundprinzip mit Umsetzungsmöglichkeiten konkretisiert.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.3 Ziel und Zweck der Darstellung&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Darstellung verfolgt das Ziel, pädagogisch-didaktische Aspekte der Gestaltung der Lernumgebung hochgradig zu differenzieren. Dies soll TrainerInnen helfen, ihre konkreten Gestaltungen der Lernumgebung möglichst differenziert zu reflektieren, zu begründen und anzupassen. In der Realität greifen die Grundprinzipien ineinander und sind oft eng miteinander verbunden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.4 Bezüge zu methodischen Großformen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Grundsätzlich kann jedes Grundprinzip mit unterschiedlichen Methoden in der konkreten Gestaltung der Lernumgebung umgesetzt werden. Deshalb werden hier insbesondere methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Lernpuzzle höchstens angedeutet. Sie stützen sich in ihrer Anlage auf viele Grundprinzipien der Kinästhetik und werden in anderen Publikationen dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.5 Kürze und Einheitlichkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Formulierungen zielen bewusst auf Kürze und Einheitlichkeit. Für die Lehrperson wird durchgängig der Begriff „TrainerIn“ verwendet, für die Teilnehmenden eines Bildungsanlasses „Lernende“, für Unterricht „Gestaltung der Lernumgebung“ usw.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.2 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.1 Eigenaktivität und eigene Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein aktiver innerer Prozess. Lernen bedeutet eigenes Tun, bedeutet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten durch eigenes Handeln, Erleben und Erfahren. Diesbezüglich spielen in der Kinästhetik Bewegungserfahrungen grundsätzlich und insbesondere zur gezielten Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich mit den Lerninhalten durch eigenes Tun, aktives Handeln und Erfahren, das über bloßes Zuhören oder Zuschauen hinausgeht, auseinanderzusetzen. Sie ermöglicht ihnen ebenso, das eigene Tun und Erfahren selbst zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie leitet Einzel- und Partnererfahrungen mit spezifischen Blickwinkeln und passenden Unterschieden an. Diese Bewegungserfahrungen ermöglichen es den Lernenden, mit ihrer Bewegungswahrnehmung Unterschiede gezielt in sich selbst zu erfahren und ihre kinästhetische Wahrnehmung in unterschiedlichen alltäglichen Aktivitäten eigenaktiv zu sensibilisieren.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.2 Individuelles Konstruieren ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein konstruktiver innerer Prozess. Das meint, dass Lerninhalte mit den individuellen Strukturen des Wissens und der Erfahrungen verknüpft werden. Sie werden in die eigenen Fragestellungen und Annahmen eingebettet. In Lernprozessen erweitern Lernende ihre eigenen Wissens- und Erfahrungsstrukturen oder bauen sie neu auf.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre eigenen Fragen an die Lerninhalte zu stellen und ausgehend von den Lerninhalten und ihren Wissens- und Erfahrungsstrukturen ihre eigenen Lernthemen zu definieren. Sie ermöglicht ihnen, ihre persönlichen Antworten zu „konstruieren“ und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn gestaltet ihre Fragestellungen, Aufgaben und Anleitungen offen und nicht so, dass sie auf ihren „Input“ einen bestimmten, einzig richtigen „Output“ der Lernenden erwartet. Sie trivialisiert weder die Lerninhalte noch die Lernenden (vgl. Heinz von Foerster, https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/Maschinen_(triviale_und_nichttriviale)).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fakten und eindeutig beantwortbare Problemstellungen werden grundsätzlich nicht erfragt, sondern als solche dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.3 Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein selbstgesteuerter und autonomer („eigengesetzlicher“) innerer Prozess. Was und wie die einzelnen Lernenden lernen, bestimmen letztlich nur sie selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ihr Lernen ist abhängig von den individuellen Regeln (oder „Gesetzen“), nach denen sie ihr ganzes Verhalten regulieren. Lernprozesse werden von der TrainerIn und ihrer Gestaltung der Lernumgebung beeinflusst und bestenfalls unterstützt, können aber von ihr nicht direkt gesteuert oder bestimmt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn erwartet nicht, dass alle Lernenden durch ihre Gestaltung der Lernumgebung im gleichen Moment dasselbe wahrnehmen, verstehen und daran anknüpfen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie geht nicht davon aus, dass alle Lernenden zum gleichen Zeitpunkt die gleichen Lernprozesse durchlaufen müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die einzelnen Lernschritte so, dass ein individueller Spielraum entstehen kann und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht und unterstützt wird.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.4 Die zirkuläre Verbindung von Erfahrung und Theorie ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist in Bezug auf Lernen das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ gängig. Es ist eine bewusste Umkehrung des traditionellen Unterrichtens nach dem Motto „Erst die Theorie, dann die Praxis“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Begriff Theorie meint dabei die (rein) begriffliche und abstrakte Betrachtungsweise von Phänomenen oder Tatsachen bzw. ihrer Gesetzlichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Gestaltung der Lernumgebung ist das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ eine wertvolle Leitlinie, um Lernende z. B. das theoretische Konzeptverständnis aus Bewegungserfahrungen handelnd und selbstgesteuert erarbeiten zu lassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ihr praktisches Tun und Erfahren gezielt zu Lernen und Erkenntnissen führt, brauchen Lernende allerdings immer bestimmte Blickwinkel oder Kriterien bzw. ein Mindestmaß an vorgängiger „Theorie“. Nur so können sie zielgerichtet auf ihre konkreten Erfahrungen achten und sie hinsichtlich theoretischer Erkenntnisse und Regeln reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Motto „Von der Erfahrung zur Theorie“ kann somit dahingehend präzisiert werden, dass es darum geht, Erfahrung und Theorie in einem zeitnahen zirkulären Wechselspiel zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei verbinden die einzelnen Lernenden ihre konkreten Erfahrungen, ihr Tun und Handeln in fortgesetzter Zirkularität mit ihrer Konstruktion und Reflexion von Wissen und Annahmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch können sie ebenso lernen, die kinästhetische Fachsprache passend zu verwenden. Bei diesen Lernprozessen können der Austausch und Abgleich mit anderen Personen eine wichtige Rolle spielen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All dies unterstützt wesentlich den Aufbau oder die Erweiterung ihrer Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn schafft die Voraussetzungen, dass die Lernenden ihre Kompetenzen in einem engen und zeitnahen zirkulären Wechselspiel von eigener Erfahrung und theoretischer Wissenskonstruktion entwickeln können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei berücksichtigt sie das Vorwissen der Lernenden. Sie geht nicht davon aus, dass Lernende zuerst ausführliche theoretische Kenntnisse erwerben müssen, um sie dann praktisch umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie vermeidet lange theoretische Erklärungen, die erst nachträglich mit eigenaktiver Tätigkeit verbunden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In einem zirkulären Wechselspiel verbindet die TrainerIn Schritt für Schritt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Anleitungen zu Erfahrungen und praktischen Auseinandersetzungen, durch welche die Lerninhalte veranschaulicht werden,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Aufträge, durch welche die Lernenden diese Inhalte auf der theoretischen Ebene herleiten, reflektieren und beschreiben können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht es, dass sich die Lernenden über ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und fachsprachlichen Beschreibungen austauschen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.5 Das Verständnis der Bedeutung der Innenperspektive fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In diesem Kapitel werden die vorausgehenden Grundprinzipien aus der Perspektive der 1.-Person-Methodik nach F. J. Varela (vgl. https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/1.-Person-Methode) zusammenfassend beleuchtet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorausgehenden Grundprinzipien erhalten in der Kinästhetik dadurch eine besondere Bedeutung, dass die fortgesetzte und vertiefte Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation ein zentraler Lerninhalt ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie jede Sinneswahrnehmung kann die Bewegungswahrnehmung nur dadurch sensibilisiert werden, dass die einzelnen Lernenden mit ihren individuellen Voraussetzungen selbst aktiv werden und die spezifische Achtsamkeit auf ihr kinästhetisches Sinnessystem immer wieder trainieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche Lernprozesse beruhen auf der Innenperspektive der einzelnen Lernenden. Es geht darum, unter spezifischen Blickwinkeln durch eigenes Tun in sich selbst danach zu suchen, wie fein welche Unterschiede durch die eigene Bewegungswahrnehmung erfahrbar werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der 1.-Person-Methodik steht das subjektive Erleben des „Ichs“ und seine selbstverantwortliche, individuelle Entwicklung im Zentrum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für viele Lernende ist dieses Lernen ungewohnt. Im traditionellen Unterricht geht es um allgemeingültiges, objektiv beschreibbares Wissen und Können. Es befindet sich gewissermaßen außerhalb von einem selbst und muss „verinnerlicht“ werden – wer das tut, bzw. das subjektive Erleben des „Ichs“ spielen dabei keine Rolle: Hauptsache, man lernt, wie man es richtig macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weil die Lernenden in ihrer bisherigen Lerngeschichte hauptsächlich dieses Lernverständnis erlebt haben, kann es für sie eine Herausforderung bedeuten, sich auf die eigene Innenperspektive und Wahrnehmung einzulassen und ihr zu vertrauen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für einen bewussten und nachhaltigen Lernprozess ist es von Bedeutung, diese inneren Erfahrungen in einem zirkulären Wechselspiel mit der Außenperspektive (z. B. durch schriftliche Texte, andere Personen usw.) zu entwickeln und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, dass der Lernprozess bei der Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung darauf abzielt, in der eigenen Bewegung individuell erfahrbare Unterschiede immer feiner wahrzunehmen und zu regulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es geht darum, die eigene Bewegung bzw. sich selbst zu begreifen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, warum und wozu es wichtig ist, dass sich die Lernenden immer wieder ausführlich und intensiv mit sich selbst bzw. der Sensibilisierung ihrer Bewegungswahrnehmung beschäftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu macht sie verständlich und erfahrbar, welche Bedeutung die damit angestrebten Kompetenzen für die Praxis haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie erklärt den Unterschied zwischen diesem Lernverständnis und der traditionellen Sicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, dass es z. B. nicht darum geht, die „objektive“ Beschreibung erfahrbarer Unterschiede des Konzeptsystems möglichst genau zu verstehen und dann richtig umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie fördert die bewusste Entwicklung der kinästhetischen Sensibilität der Lernenden durch das zirkuläre Wechselspiel von inneren Erfahrungen und äußeren Aspekten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Rolle spielen dabei die sprachliche Reflexion der eigenen Erfahrungen, die Bewegungserfahrung mit einer PartnerIn und der Abgleich mit deren Beschreibung oder mit schriftlichen Texten.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.3 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.1 Anschluss an individuelles Vorwissen und bisherige Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernprozesse schließen immer an das individuelle Vorwissen und die persönlichen bisherigen Erfahrungen der einzelnen Lernenden an. Sie können nur dort einsetzen, wo sich die einzelne Lernende diesbezüglich befindet. Damit Lernende einen persönlichen Anschluss an Lerninhalte finden können, ist es unabdingbar, dass sie sich bewusst machen können, auf welchem Vorwissen und auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie müssen feststellen können, welches in Bezug darauf ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn versteht, wo die Lernenden stehen und was sie beschäftigt, erhält sie eine Grundlage für einen passenden gemeinsamen Lernprozess. Sie kann vermeiden, dass sie die Lernenden unter- oder überfordert. Es ist sinnvoll, den Lernenden immer wieder Standortbestimmungen zu ermöglichen. Durch diese können sie in „neuen“ Ausgangslagen feststellen, wo sie stehen und wohin sie in Bezug auf die erforderlichen Kompetenzen gelangen wollen und sollen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden immer wieder auf und/oder lässt sie erfahren, auf welchem Vorwissen oder auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie ermöglicht ihnen festzustellen, wo sie in Bezug auf dieses Vorwissen oder diese Kompetenzen stehen und welche ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet z. B. ein Fallbeispiel aus der Lebenswelt der Lernenden und fragt sie nach persönlich erlebten Situationen mit gleichen oder ähnlichen Herausforderungen. Sie lässt die Lernenden anhand dieser Beispiele die eigenen beruflichen Fragen und erforderlichen Kompetenzen erarbeiten. Sie gleicht, wo nötig, die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen der Lerninhalte damit ab.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn versucht darauf aufbauend, durch ihre Frage-, Aufgabenstellungen und Anleitungen die Lernenden weder zu unterfordern noch zu überfordern. Sie schätzt fortlaufend ein, ob die einzelnen Lernenden und die Gruppe einen angemessenen herausfordernden Anschluss an die aktuellen Lernprozesse finden. Gegebenenfalls passt sie ihre Gestaltung der Lernumgebung individuell oder für die Gruppe entsprechend an.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.2 Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst werden lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik können Lerninhalte auf Erklärungsmodellen und Annahmen beruhen, die nicht gängig sind (z. B. „Der Mensch ist lebenslang lernfähig“). Es ist leicht möglich, dass sie damit in Widerspruch stehen, wie die Lernenden bisher zugehörige Phänomene erklärt haben (z. B. „Mit zunehmenden Alter verliert der Mensch die Lernfähigkeit“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen kann eine Widersprüchlichkeit zwischen den Annahmen der Lernenden, worum es im Bildungsangebot geht, und den tatsächlichen angestrebten Lernzielen und Kompetenzen bestehen. Lernende können z. B. davon ausgehen, dass es in der Kinästhetik um die richtigen Transfertechniken und Handgriffe geht. Demgegenüber zielt das Bildungsangebot vielmehr auf ein individuell anzupassendes gemeinsames Lernen mit unterstützungsbedürftigen Personen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn dies nicht immer wieder bewusst gemacht wird, kann eine solche Unvereinbarkeit das Lernen und den Kompetenzaufbau behindern. Denn insbesondere in Praxissituationen können die bisherigen eigenen Annahmen und Erklärungen das Handeln bestimmen. Das im Lernprozess thematisierte alternative Verhalten, das auf einer neuen Sichtweise beruht, kommt nicht zum Zug.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die jeweiligen Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst gemacht werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Lernende sowohl ihre Verhaltensmuster als auch ihre Erklärungsmodelle und Annahmen erweitern oder ändern. Zugleich wird es ihnen möglich, ihr Verhalten mit passenden Erklärungsmodellen zu begründen oder mit anderen abzugleichen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welche Annahmen und Erklärungsmodelle den Lerninhalten und -prozessen zugrunde liegen (z. B. „Der Mensch kann seine Bewegungskompetenz lebenslang erweitern“). Sie ermöglicht ihnen festzustellen, welche Annahmen und Erklärungsmodelle sie selbst bisher diesen Lerninhalten bzw. den zugehörigen Phänomenen zugrunde gelegt haben (z. B. „Im Alter werden Menschen natürlicherweise steif und unbeweglich und können nicht mehr lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten besser zu nutzen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden wiederholt, im zirkulären Wechselspiel mit Erfahrungen in Praxissituationen ihre eigenen Annahmen und Erklärungsmodelle zu reflektieren und mit anderen zu vergleichen, um Abweichungen und Übereinstimmungen zu erkennen. Dadurch verschafft die TrainerIn ihnen die Möglichkeit, ihr Verhalten und dessen Erklärungen bewusst zu erweitern oder zu verändern und es passend begründen zu lernen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.3 Die persönliche Bedeutung der Lerninhalte und eigenes Interesse entdecken lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, intensiv und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie die persönliche Bedeutung und Sinnhaftigkeit der Lerninhalte und -prozesse für sich selbst bzw. für ihre Lebenswelt und deren Situationen erkennen. Dazu wird den Lernenden immer wieder ermöglicht, den Nutzen zu erfahren und zu erkennen, den die Lerninhalte für sie selbst, für ihre Lebenssituationen oder daran beteiligte Personen haben. Die Lernenden können dadurch ein eigenes Interesse für die Zielsetzungen des Lernens entwickeln und sich mit diesen identifizieren. Wenn dies nicht der Fall ist, führen die Lernprozesse eher zu trägem Wissen, das keine Auswirkungen auf die Praxis hat, und kaum zur Erweiterung oder zum Aufbau von Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welches Ziel das Bildungsangebot im Ganzen verfolgt und zu welchen Kompetenzen bzw. Fähigkeiten, Kenntnissen und Haltungen in Lebenssituationen die Lerninhalte und -prozesse führen können. Sie ermöglicht den Lernenden, die Bedeutung und den Nutzen dieser Lerninhalte und -prozesse für sie selbst und ihre eigenen Lebenssituationen zu entdecken und ein persönliches Interesse an den Zielsetzungen zu entwickeln. Dazu gehört, dass sie den Lernenden ermöglicht, ihre eigenen Anregungen einzubringen und ihre persönliche Motivation und Zielsetzung zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage unter den vorausgehenden Aspekten hat eine besondere Bedeutung für die zyklische Gestaltung der Lernumgebung bzw. für die Reflexion und Einschätzung der eigenen Lernfortschritte (vgl. 2.4 und insbesondere 2.4.5).&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.4 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.1 Die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein grundsätzlicher Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, gezielt und nachhaltig lernen und die Schritte ihres Lernprozesses gezielter reflektieren und beurteilen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz und Nachvollziehbarkeit gestaltet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch kann den Lernenden bewusst werden, weshalb und wozu die Schritte der Gestaltung der Lernumgebung in der konkreten inhaltlichen Ausprägung aufeinander folgen oder angepasst werden und wie diese Strukturierung zu den angestrebten Kompetenzen führen soll. Desgleichen kann ihnen klar werden, welcher persönliche Spielraum des konkreten Vorgehens für sie demzufolge besteht.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich die Logik des inhaltlichen und methodischen Ablaufs im Ganzen bewusst zu machen. Idealerweise ist ihnen das jederzeit möglich, indem z. B. der Ablauf auf einer Flipchart festgehalten und im Kursraum aufgehängt wird. Die TrainerIn erklärt, wie die Strukturierung der Lernschritte zu den angestrebten Lernzielen oder Kompetenzen führen soll.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den einzelnen Schritten ihrer Gestaltung der Lernumgebung zeigt sie den Lernenden ebenso auf und/oder lässt sie erfahren, wie sie mit dem vorausgehenden Schritt zusammenhängen und welches der rote Faden ist, der die Schritte verbindet. Sie gewährt den Lernenden den möglichen individuellen Spielraum, wie sie einen Schritt gemäß seinem Sinn und der Logik des Ablaufs vollziehen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.2 Die Gestaltung der Lernumgebung strukturieren&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert werden, dass es sich im Großen in strukturierten Zyklen vollzieht. Damit gemeint sind wiederholte Folgen zusammengehöriger, aufeinander aufbauender Lernschritte, die inhaltlich kreisförmig abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wichtige Elemente solcher Zyklen sind die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage (vgl. Kapitel 2.3.) und die Reflexion des Lernprozesses, die einen Zyklus abschließt (vgl. 2.4.5). Lernmodelle und methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Gruppenpuzzle orientieren sich oft an dieser grundlegenden Struktur.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Strukturierung der Gestaltung der Lernumgebung im Großen kann Lernen ebenso dadurch gefördert werden, dass längere und kürzere Lernschritte sowie Erholungsphasen in einem organischen Wechsel aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Großen und im Kleinen gliedern sich erfolgreiche Lernprozesse zudem in grundlegende Entwicklungsschritte. Sie erscheinen oft selbstverständlich wie z. B. der Entwicklungsschritt eines Lernprozesses vom Einfachen zum Schwierigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche grundlegenden Entwicklungsschritte werden im Folgenden stichwortartig aufgelistet, und zwar nur in einer Entwicklungsrichtung. Je nach Situation und Kontext kann die bewusste Verwendung der gegenteiligen Richtung sinnvoll sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von großen, leicht erfahr- oder wahrnehmbaren Unterschieden zu feinen Unterschieden und Differenzierungen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der Einzelerfahrung zur Partnererfahrung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der „Laborsituation“ zur Integration und Anwendung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von geführten, eng angeleiteten oder begleiteten Lernprozessen zum selbstverantwortlichen Lernen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Konkreten zum Abstrakten&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Einfachen zum Schwierigen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus lerntheoretischer Perspektive ist es sinnvoll, Bildungsangebote im Großen und in den einzelnen Schritten entsprechend zu strukturieren. Es gilt darauf zu achten, dass durch diese Strukturierungen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn strukturiert ihr Bildungsangebot im Großen und dessen Teile gemäß der inneren zyklischen Logik des Lernmodells bzw. von methodischen Großformen wie des Lernzyklus oder der Lernspirale. Sie passt diese Strukturierung der Teile folgerichtig an die angestrebten Kompetenzen und Lernziele an. Sie strukturiert ihre Gestaltung der Lernumgebung im Kleinen und im Großen bewusst nach grundlegenden Entwicklungsschritten von Lernprozessen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die Lernumgebung in einem organischen Wechsel von längeren und kürzeren Lernschritten und längeren und kürzeren Erholungsphasen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie beobachtet, ob ihre Strukturierungen die gewünschte Wirkung zeigen und die Lernprozesse unterstützen, und passt sie gegebenenfalls an. Je nach Lernziel, Situation oder Verlauf der Lernprozesse ist es angebracht, mit den erwähnten Strukturierungen bewusst zu spielen und z. B. einen Schritt von der Komplexität zur Einfachheit und wieder zurück zur Komplexität zu bauen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.3 Unterschiedliche Sozialformen und Methoden aufeinander folgen lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Abfolge von unterschiedlichen passenden Sozialformen und Methoden werden die Lernenden darin unterstützt, sich vielfältig und differenziert mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Ebenso kann dadurch lernfördernde Abwechslung erreicht und hinderliche Eintönigkeit vermieden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft ergibt sich die Abfolge von Sozialformen und methodischen Schritten aus der methodischen Großform (Lernzyklus, Lernspirale usw.), die der Gestaltung der Lernumgebung zugrunde gelegt wird (vgl. vorausgehendes Kapitel). In Bezug auf die Sozialform sind trainerzentrierte Phasen so kurz wie möglich zu halten (vgl. auch 2.5.2).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dennoch können viele Lernziele in unterschiedlichen Sozialformen und durch unterschiedliche Methoden erreicht werden. Eine Reflexion des Lernprozesses kann z. B. in selbstständiger schriftlicher Einzelarbeit, im mündlichen Austausch mit anderen Lernenden oder angeleitet in der gesamten Gruppe erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ist nicht gemeint, dass zur Erreichung eines Lernziels immer wieder eine andere Methode eingesetzt werden sollte. Die Verwendung der gleichen Methode bzw. des gleichen Dokumentationsinstrumentes hat z. B. bei der Lernprozessreflexion bestimmte Vorteile: Wenn Lernende ihren Lernprozess mehrfach auf die gleiche Weise schriftlich und selbstständig reflektieren, reduziert sich der Anleitungsaufwand für die TrainerIn. Die Lernenden können Fortschritte im differenzierten Umgang mit der verwendeten Methode bzw. dem eingesetzten Dokumentationsinstrument machen. Zudem können die Lernenden die Resultate ihrer einzelnen Reflexionen besser vergleichen und auswerten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Andererseits kann eine alternative Methode wie der mündliche Austausch neue Perspektiven eröffnen und weitere positive Effekte haben, die sich bei der schriftlichen Einzelarbeit nicht ergeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es gilt darauf zu achten, dass durch die Strukturierung mit unterschiedlichen methodischen Formen und Sozialformen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet in ihrer Gestaltung der Lernumgebung unterschiedliche passende Sozialformen und Methoden. Sie geht dabei von den jeweiligen angestrebten Kompetenzen und Lernzielen des Bildungsangebots und der einzelnen Schritte aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie wechselt in Bezug auf die Sozialformen sinnvoll zwischen eher kurzem geführtem und eher langem selbstverantwortlichem Lernen allein, zu zweit oder in Kleingruppen. Sie nutzt Phasen von selbstverantwortlichem Lernen dazu, die einzelnen Lernenden oder Kleingruppen in ihrem Lernprozess zu unterstützen, aber auch dazu, in den Hintergrund zu treten und die Lernenden allein arbeiten zu lassen. Solche Phasen kann die TrainerIn dazu nutzen, ihre bisherige Gestaltung der Lernumgebung zu reflektieren und gegebenenfalls die geplante Fortsetzung anzupassen und vorzubereiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn berücksichtigt das Alter der Lernenden und ihren Bildungsstand in Kinästhetik. Erfahrungsgemäß brauchen Jugendliche mehr und schnellere Wechsel der Sozialformen und Methoden, um nicht gelangweilt zu werden. Lernende, die schon einige Kinästhetik-Bildungsangebote besucht haben, sind z. B. eher fähig, länger in eine Bewegungserfahrung einzutauchen oder sich selbstständig mit einer längeren Aufgabe auf der Grundlage der Lernspirale zu beschäftigen. Zudem können genau solche Themen Lernziele oder angestrebte Kompetenzen für fortgeschrittene Lernende sein.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.4 Die Gestaltung der Lernumgebung an den Verlauf der Lernprozesse anpassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus einigen vorausgehenden Grundprinzipien ergibt sich die Notwendigkeit der Prozessorientierung der Gestaltung der Lernumgebung. Anpassungen an den Verlauf der Lernprozesse können selten jeder einzelnen Lernenden gerecht werden. Für die eine Person könnte auf einen nächsten methodischen Schritt verzichtet werden, für die andere nicht, die eine Person würde lieber allein weiterarbeiten, die andere in der Gruppe, der einen Person geht es zu schnell, der anderen zu langsam, die eine bräuchte mehr Pausen, die andere weniger usw. Dennoch kann Lernen dadurch unterstützt werden, dass prozessorientierte Anpassungen mit einem intuitiven Blick auf den Lernprozess der gesamten Gruppe der Lernenden in Bezug auf ihre Erreichung der Lernziele und Kompetenzen erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Prozessorientierte Anpassungen können im Großen auf der Ebene der Strukturierung bzw. der Wahl von Methoden und Sozialformen erfolgen. Desgleichen gilt es, in den einzelnen Schritten auf den Rhythmus der Gestaltung der Lernumgebung zu achten. Die Rhythmisierung, d. h. die Gestaltung eines Schrittes in Bezug auf Dauer, Tempo und Gewichtung der Lerninhalte, kann bewusst an die Qualität der Lernprozesse angepasst werden. In der Kinästhetik ist dies eine besondere Herausforderung bei der Anleitung von Bewegungserfahrungen. Es geht dabei um die nur intuitiv beantwortbaren Fragen, wie lange die Lernenden die Konzentration auf die eigene Bewegungswahrnehmung halten können und wann sie eine nächste Anleitung brauchen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für alle Beteiligten ist es befriedigender, wenn Lernziele mit mehr zeitlichem Aufwand als geplant erreicht werden, als wenn ein Lernprozess aus zeitlichen Gründen stark verkürzt oder weit vor seinem befriedigenden Abschluss abgebrochen wird. Oft bleibt bei den Lernenden im zweiten Fall nur Verwirrung und Frustration zurück, worum es dabei gegangen ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn langsamer als geplant vorankommt, muss sie sich überlegen, welche weiteren Lernschritte hinsichtlich der angestrebten Lernziele und Kompetenzen unverzichtbar sind und wie sie ihre Planung entsprechend anpassen kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch wenn solche Anpassungen im Kleinen und im Großen die Qualität der Lernprozesse fördern, ist es wichtig, dass die angesetzten Zeiten für Beginn, Pausen und Ende sowie andere Fixpunkte wie Praxissequenzen oder Morgen- und Abendrunden den Lernenden eine verlässliche und verbindliche Orientierung geben. Ebenso gilt es, den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten in geeigneter Weise in Erinnerung zu rufen, wie viel Zeit für den aktuellen Lernschritt noch zur Verfügung steht oder um wie viel Zeit er verlängert wird.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn beobachtet den Verlauf der Lernprozesse und schätzt ihre Qualität in Bezug auf die Zielerreichung ein. Sie nutzt dazu auch kleine Zwischengespräche oder kurze Bewegungserfahrungen mit den Lernenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Je nach ihrer Einschätzung nimmt sie Anpassungen oder Umstellungen auf der Ebene der Strukturierung, der Wahl von Methoden oder Sozialformen oder auch der Rhythmisierung usw. vor. Sie verkürzt oder verlängert Schritte bzw. verlangsamt oder beschleunigt den Rhythmus ihrer Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie der Rhythmus ihrer Anleitungen den Lernenden hilft, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels zu erfahren, und passt ihre Rhythmisierung gegebenenfalls an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die zur Verfügung stehende Zeit knapp wird, überlegt sie sich in Bezug auf die angestrebten Lernziele und Kompetenzen, welche geplanten Schritte unverzichtbar sind und bei welchen Schritten es vertretbar ist, sie in einer immer noch stimmigen Minimalvariante zu gestalten oder auf sie zu verzichten. Wenn es den Lernenden hilft, sich im Ablauf zu orientieren und ihn zu verstehen, erklärt und begründet sie ihre Anpassungen. Sie erinnert die Lernenden in passenden Momenten an die vorgesehene oder angepasste Zeitplanung.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.5 Fachsprachliche Dokumentation, Reflexion und zyklische Selbstevaluation der Lernprozesse ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass die Lernenden bewusst und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie ihre Lernprozesse unter Verwendung der Fachsprache dokumentieren. In der Kinästhetik haben insbesondere die Lernprozesse in Bewegungserfahrungen einen flüchtigen Charakter. Deshalb unterstützt es das Lernen, wenn sie zeitnah in geeigneter Form dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Den förderlichen zyklischen Charakter des Lernens macht wesentlich aus, dass die Lernenden regelmäßig ihre Lernprozesse bis zum aktuellen Zeitpunkt reflektieren, evaluieren und so die Abfolge von zusammengehörigen Lernschritten im Kreis schließen. In der Kinästhetik sind Reflexion und Selbstevaluation stehende Elemente der Gestaltung der Lernumgebung. Oft wird dazu der Vergleich mit der persönlichen Ausgangslage herangezogen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Lernenden halten dabei fest, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben. Sie ermitteln ihre Lernfortschritte im Vergleich mit ihrer Ausgangslage, aber auch Vertiefungsmöglichkeiten, den weiteren Lernbedarf und offene Fragen. Sie verknüpfen diese Reflexionen und Selbstevaluationen mit ihren Praxisthemen bzw. der Bedeutung für ihren beruflichen oder privaten Alltag. Dies trägt dazu bei, dass sie bis zur nächsten Reflexion und Selbstevaluation motiviert, gezielt und nachhaltig weiterlernen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen Dokumentationen, Reflexionen und Selbstevaluationen leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Lernenden die Fachsprache der Kinästhetik bewusst und differenziert verwenden lernen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre Lernprozesse regelmäßig zu dokumentieren. Sie ermöglicht ihnen, durch regelmäßige individuelle Reflexionen und Selbstevaluationen ihren aktuellen Stand mit ihrer Ausgangslage zu vergleichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie lässt die Lernenden einschätzen, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben und wo weiterer Lern- und Vertiefungsbedarf oder offene Fragen bestehen. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, z. B. mit dem Instrument der Bildungsfelder festzustellen, wo sie innerhalb oder außerhalb der angestrebten Ziele wichtige Lernprozesse gemacht haben. Sie lässt die Lernenden festhalten, welche Bedeutung ihre Lernprozesse für die Situationen ihrer Lebenswelt haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie unterstützt die Lernenden, bei der Dokumentation, Reflexion und Selbstevaluation die kinästhetische Fachsprache treffend zu verwenden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.6 Fremdeinschätzung durch Bewegungsinteraktion, Austausch und Reflexion ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen zyklischen Reflexionen und Selbstevaluationen können durch Fremdeinschätzungen wesentlich unterstützt werden. Sie ergänzen die Beurteilung des eigenen Lernprozesses durch die Außenperspektive anderer Personen. Oft fällt es diesen insbesondere leichter, die Lernfortschritte klar herauszustellen und zu würdigen. Ihre Perspektive kann aber auch dabei helfen, die Einschätzung des weiteren Lernbedarfs zu ergänzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist dabei die Bewegungsinteraktion von besonderer Bedeutung. Für die TrainerIn ist sie der geeignetste Weg, um die Bewegungskompetenz von Lernenden und ihren Entwicklungsbedarf einschätzen zu können. Auch durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Lernenden und die anschließenden gemeinsamen Reflexionen erhalten Lernende auf der Grundlage der konkreten Erfahrung Hinweise darauf, wie differenziert und angepasst sie ihre Bewegungskompetenz in Interaktionen über Berührung und Bewegung einsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Bewegungsinteraktion, den Austausch und die gemeinsame Reflexion mit anderen Teilnehmenden oder der TrainerIn wird die Selbstevaluation unterstützt. Die daraus entstehenden Unterschiede der Wahrnehmungen, Erfahrungen und ihrer Beschreibung können helfen, die eigenen Lernprozesse aus anderen Perspektiven zu reflektieren, zu evaluieren und präziser zu beschreiben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein sind der Austausch und die gemeinsame Reflexion von Lernschritten mit anderen Lernenden oder mit der TrainerIn eine Möglichkeit, dass Lernende eine Fremdeinschätzung bekommen, die für das eigene Lernen förderlich sein kann.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, durch die gemeinsame Reflexion von Lernschritten und insbesondere durch den Austausch und die gemeinsame Reflexion nach Bewegungsinteraktionen Unterschiede der Erfahrungen und ihrer Beschreibung festzustellen sowie eine Fremdeinschätzung zu erhalten. Sie selbst nutzt dazu die Interaktion über Berührung und Bewegung mit möglichst allen Lernenden, Rückmeldungen in konkreten Praxissituationen oder auch Einzel- und Gruppengespräche.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie macht den Lernenden durch ihre Fremdeinschätzung sachbezogen und wertschätzend deutlich, wie weit sie die angestrebten Ziele erreicht haben und auf welche Kriterien sie achten können, um weitere Lernfortschritte zu machen. Sie setzt sich dafür ein, dass sich auch die Lernenden gegenseitig sachbezogene und wertschätzende Rückmeldungen geben.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.5 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.1 Einen wechselseitigen respektvollen Umgang fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, ungestört und gerne lernen, kann dadurch geleistet werden, dass das gemeinsame Lernen durch einen wechselseitigen respektvollen Umgang geprägt wird. Dies gilt sowohl für den Umgang der TrainerIn mit den Lernenden als auch für den Umgang der Lernenden untereinander. Ist dies nicht der Fall, kann die Qualität der Lernprozesse stark beeinträchtigt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn respektiert die Persönlichkeit der einzelnen Lernenden und lebt einen respektvollen Umgang vor. Sie gibt in der gegebenen Situation zu erkennen, dass sie umgekehrt einen angemessenen Respekt erwartet. Sie thematisiert, wenn eine Situation dazu Anlass gibt, den Wert des wechselseitigen respektvollen Umgangs und trifft gegebenenfalls gemeinsam mit den Lernenden diesbezügliche Absprachen. Sie geht auf Störungen ein, ohne sie zuungunsten der Lernprozesse anderer Lernender überzubetonen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.2 Die Lernprozesse der Lernenden in den Mittelpunkt stellen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende intensiv lernen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung so gestaltet wird, dass die Lernprozesse der Lernenden und die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Lerninhalten im Mittelpunkt stehen. Die TrainerIn unterstützt und begleitet dies in der Kinästhetik insbesondere mit ihrer Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zentrierung auf die Lernprozesse der Lernenden und das gemeinsame Lernen kann formal dadurch erreicht werden, dass trainerzentrierte Phasen der Gestaltung der Lernumgebung so kurz wie möglich gehalten werden. Inhaltlich kann es dadurch erreicht werden, dass die Gestaltung der Lernumgebung sach- und situationsbezogen ist und nicht die eigene Person, die eigene Kompetenz und das eigene Wissen in den Vordergrund stellt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt in ihrer Gestaltung der Lernumgebung hauptsächlich den Lernenden Raum für ihre eigenen Lernprozesse und das gemeinsame Lernen zur Verfügung. Sie beschränkt Phasen, in denen sie im Mittelpunkt steht, auf das Nötige. Sie lässt die Lernenden erfahren, dass ihre Rolle hauptsächlich diejenige der kompetenten LernbegleiterIn ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu setzt sie ihr Fachwissen und in Bewegungsinteraktionen insbesondere ihre Bewegungskompetenz ein. Sie vermeidet es, gegenüber anderen Meinungen oder Verhaltensweisen das eigene (Besser-)Wissen in den Vordergrund zu stellen, sondern argumentiert möglichst sachbezogen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.3 Lernen in Partner- und Gruppenarbeit fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert und erweitert werden, dass es sich in Partner- oder Gruppenarbeit vollzieht. Dadurch entstehen Unterschiede zu den eigenen Annahmen, Erklärungen, (Bewegungs-)Erfahrungen, Wahrnehmungen und ihrer sprachlichen und fachsprachlichen Dokumentation. Diese Unterschiede können helfen, das eigene Lernen und die eigenen Erkenntnisse zu reflektieren sowie gegenüber anderen Personen genauer und verständlicher zu beschreiben. Die eigenen Lernprozesse werden durch den Austausch und Abgleich erweitert und bereichert.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht immer wieder Lernen zu zweit oder in Gruppen. Dieses betrifft insbesondere die Bewegungsinteraktion mit anschließender gemeinsamer Reflexion und fachsprachlicher Dokumentation. Die TrainerIn gibt den Lernenden ebenso die Möglichkeit zum Austausch über Annahmen, Erfahrungen und Erkenntnisse und deren Beschreibung. Sie unterstützt gegebenenfalls die Bildung von Lerngruppen, die gemeinsames Lernen in Bezug auf Praxis und Theorie pflegen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.4 Lernen durch Lehren fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende ihre Lernprozesse vertiefen, festigen und für andere strukturiert und verständlich aufbereiten, kann durch die Methode des Lernens durch Lehren geleistet werden. Seit der Antike wird der Ansatz „Durch Lehren lernen wir“ (Docendo discimus) vertreten. Die Methode trägt dazu bei, dass sich Lernende mit den Lerninhalten und -zielen persönlich identifizieren und sie selbst und nicht die TrainerIn im Mittelpunkt stehen (vgl. oben).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gruppenpuzzle ist eine hervorragende Methode dazu, dass Lernen durch Lehren allein und gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und reflektiert wird. Lernen durch Lehren kann in der Kinästhetik insbesondere für unterschiedliche Anleitungssituationen in Übereinstimmung mit den entsprechenden angestrebten Kompetenzen und Lernzielen verwendet werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, Themen vorzubereiten, die in Bezug auf die angestrebten Kompetenzen und Lernziele geeignet sind, und zu diesen Themen Lernumgebung für andere Lernende oder die ganze Gruppe zu gestalten. Sie sorgt dafür, dass den Lernenden die Lerninhalte und Materialien zur Verfügung stehen, und unterstützt gegebenenfalls die Lernenden in der Vorbereitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie ermöglicht den Lernenden, ihre Gestaltung der Lernumgebung für sich oder gemeinsam zu reflektieren, und achtet darauf, dass sie sachliche und wertschätzende Rückmeldungen erhalten. Sie verwendet das Gruppenpuzzle oder Lernen durch Lehren für unterschiedliche Anleitungssituationen, die für die Lebenswelt und für die Praxissituationen der Lernenden relevant sind.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.6 Verständliche Aufgabenstellungen sowie Einrichtung, Materialien und Medien zweckdienlich zur Verfügung stellen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.1 Anleitungen und Aufgabenstellungen klar und eindeutig gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie gezielt, konzentriert und der Absicht entsprechend sich Lernende mit den Lerninhalten auseinandersetzen können, ist davon abhängig, wie gut sie die Anleitungen und Aufgabenstellungen verstehen. Dies wird wesentlich davon beeinflusst, wie verständlich und eindeutig diese formuliert, erklärt und gestaltet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Deshalb ist es wichtig, Aufgabenstellungen wohlüberlegt und sorgfältig zu formulieren und darzustellen. Ebenso wichtig ist sicherzustellen, dass die Lernenden die Aufgabenstellung und ihre Absicht genau verstehen und wissen, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn Lernende mithilfe einer Aufgabenstellung selbstständig arbeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den Anleitungen von Einzel- oder Partnererfahrungen sind in den einzelnen Anleitungsaussagen die Klarheit und Verständlichkeit von besonderer Bedeutung. Je präziser die Lernenden verstehen, was sie tun und auf welchen Blickwinkel sie dabei achten sollen, desto konzentrierter und differenzierter können sie die entsprechenden Unterschiede in sich wahrnehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Präzision der Anleitungsaussagen erlaubt es, dass sich die Lernenden im Lauf der Anleitung auf längere Phasen der Eigenerfahrung einlassen können. Wenn immer wieder nachgefragt werden muss, wie die Anleitung gemeint ist und worauf geachtet werden soll, fällt die fragende Person und die ganze Gruppe aus ihren Erfahrungen und ihrer Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn formuliert, erklärt und gestaltet ihre Anleitungen und Aufgabenstellungen wohlüberlegt und möglichst klar und eindeutig. Sie erklärt möglichst genau, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn möglich, verdeutlicht sie die Aufgabenstellung und ihre Absicht mit unterschiedlichen Darstellungsformen (mit kleinen beispielhaften Bewegungsanleitungen, schriftlich, mündlich, symbolisch, bildlich, mit Beispielen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dies leistet einen wertvollen Beitrag dazu, das Verständnis der Aufgabenstellung bei den Lernenden sicherzustellen. Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten, sich jederzeit die Aufgabenstellung bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie ihre Anleitungsaussagen und deren Rhythmus den Lernenden helfen, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels wahrzunehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gegebenenfalls passt sie ihre Formulierungen und Aussagen an. Sie achtet insbesondere bei der Anleitung von längeren Phasen der Eigenerfahrung darauf, dass die Lernenden möglichst genau wissen, wie sie auf welche Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung achten sollen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.2 Zweckdienlich Materialien bereitstellen und den Schulungsraum einrichten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag zu einer lernfördernden Atmosphäre und zu einer leichten und flüssigen Organisation der Gestaltung der Lernumgebung kann dadurch geleistet werden, dass die Einrichtung des Schulungsraumes sowie die Lern-, Unterrichts- und Moderationsmaterialien oder Medien zweckdienlich vorbereitet sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie sollen für die Benutzung leicht zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Flipcharts o. Ä. mit wenigen Stichworten oder bildlichen Darstellungen können spontan gestaltet werden. Wenn sie einen umfänglicheren Inhalt haben (Zeitplanung, Strukturen/Abläufe, Aufgaben usw.), ist es empfehlenswert, sie vorzubereiten oder vorgedruckte Materialien zu verwenden, damit nicht Zeit unnötig verloren geht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit bestimmte Informationen oder Dokumentationen von Lernprozessen den Lernenden jederzeit zur Verfügung stehen, können sie im Schulungsraum gut sichtbar aufgehängt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu beachten ist ein gewisses Maß an Materialien und Medien: Die Gestaltung der Lernumgebung wird nicht desto besser, je mehr Materialien und Medien zum Einsatz kommen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt vor dem Bildungsangebot die benötigten Materialien und Medien zusammen. Sie richtet den Schulungsraum so ein, dass sich die Lernenden willkommen und in lernfördernder Atmosphäre fühlen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle benötigten Materialien und Medien sollen zweckdienlich bereitgestellt und für alle Beteiligten leicht zugänglich sein. Die TrainerIn kann z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Stühle, Matten, Unterrichtsmaterial pro Teilnehmende bereitstellen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• einen Tisch mit Büchern/Infomaterial vorbereiten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Pinwände aufstellen und vorgedruckte Lehrmaterialien aufhängen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Geräte zum Abspielen von Videos oder Tonaufnahmen einrichten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Moderationsmaterialien und anderes Material wie Dokumentationswerkzeuge, Schreibzeug, Blocs, Betten usw. bereitstellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie achtet dabei auf ein angemessenes Maß an Materialien und Medien.&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;3 Glossar der pädagogischen Fachbegriffe&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Pädagogik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Pädagogik ist ein Wissenschaftszweig, der die Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung zum Thema hat. Der Begriff Erziehungswissenschaft wird gleichbedeutend oder als pädagogischer Teilbereich, der sich auf die Erziehung fokussiert, verwendet. Aus herkömmlicher Perspektive betrifft die Pädagogik Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, im heutigen Verständnis schließt sie Erziehungs- und Bildungsfragen in Bezug auf Menschen jeden Alters ein. In expliziter Abgrenzung wird in diesem Zusammenhang u. a. der Begriff Erwachsenenbildung verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Didaktik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Didaktik ist die wissenschaftliche Lehre vom Lehren und Lernen. Sie gilt als ein zentraler Teilbereich der Pädagogik. Im herkömmlichen Sinn bezeichnet sie die Lehre des Unterrichtens, im heutigen Sinn umfasst sie die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens, weil diese beiden Themen als untrennbar verbunden betrachtet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es kann zwischen allgemeiner Didaktik und Fachdidaktik(en) unterschieden werden. Die allgemeine Didaktik befasst sich mit Lehren und Lernen unabhängig von Lerninhalten oder -themen bzw. von Fächern oder Fachgebieten. Aufgrund des Fehlens einer allgemein anerkannten umfassenden Lerntheorie bzw. der Abhängigkeit der allgemeinen Didaktik vom zugrunde liegenden Lernverständnis gibt es unterschiedliche allgemeindidaktische Modelle oder Konzepte. Beispiele sind die konstruktivistische, evolutionäre oder lerntheoretische Didaktik. Fachdidaktiken befassen sich mit Lehren und Lernen in Bezug auf spezifische Fächer, Fachgebiete oder Lerninhalte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Methodik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Methodik ist die wissenschaftliche Lehre von geregelten, planmäßigen Verfahrens- oder Vorgehensweisen des Lehrens bzw. Lernens auf ein bestimmtes Ziel hin. Methodik ist ein pädagogischer Teilbereich, der je nach Auffassung von der Didaktik abgegrenzt oder ihr bei- oder untergeordnet wird. Die enge Verbindung der beiden Teilbereiche zeigt sich in den häufigen Fügungen „Methodik und Didaktik“ oder „methodisch-didaktisch“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Methodik befasst sich mit der praktischen Vorgehensweise beim Lehren bzw. Lernen und der geregelten Abfolge der einzelnen Schritte zur Zielerreichung. Ihre Themen sind weitreichend und umfassen z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Unterrichtsmethoden wie Frontal-, Werkstatt- oder Projektunterricht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Sozial- und Arbeitsformen wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit sowie konkretere methodische Großformen wie Gruppenpuzzle, Rollenspiel oder in der Kinästhetik Lernzyklus oder Lernspirale,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• den Einsatz von Arbeitsunterlagen, Unterrichtsmaterialien und Medien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es existieren unterschiedliche Systematisierungen der Methodik, da sie vom jeweiligen pädagogischen Betrachtungswinkel abhängig sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernumgebung, Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Traditionell werden unter Lernumgebung oder Unterrichtskontext vorgegebene Faktoren verstanden, die die Rahmenbedingungen der Lehr- und Lernprozesse bilden. In der Kinästhetik und vermehrt in der modernen Pädagogik (z. B. bei Diethelm Wahl) werden die Begriffe Lernumgebung und Gestaltung der Lernumgebung in dem Sinn verwendet, dass Lernen immer ein selbstgesteuerter innerer Prozess ist, auf den von außen nicht direkt ursächlich oder kausal eingewirkt werden kann. Deshalb werden in der Kinästhetik diese Begriffe zur Bezeichnung des Unterrichts bzw. des Unterrichtens oder der Lehrtätigkeit verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Kompetenz&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Kompetenz wird in der Pädagogik unterschiedlich definiert. Im Sinn von tauglichen Kurzdefinitionen kann sie als die erlernte Fähigkeit zu einem erfolgreichen Verhalten in der Praxis, zur Problemlösung oder auch als die Disposition zur Praxisbewältigung umrissen werden. Sie setzt sich in diesem Sinn aus Wissen, Können/Handeln und Wollen zusammen. Entsprechend werden Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen als Kompetenzressourcen bezeichnet. In ihrem Zusammenspiel – und nicht in ihrer Summe – bilden sie die Grundlagen von Kompetenzen. Bestimmte Definitionen des Kompetenzbegriffs weisen zusätzlich auf motivationale und soziale Aspekte des Kompetenzbegriffs hin.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine gewisse Übereinstimmung aktueller Kompetenzdefinitionen besteht darin, dass sich Kompetenz in unterschiedlichen Situationen aus einem Bereich der Lebenswelt zeigt. Das kompetente Verhalten in einer bestimmten konkreten Situation wird dabei von einigen AutorInnen als Performanz bezeichnet und vom Kompetenzbegriff abgegrenzt. Aktuelle Curricula bauen sehr oft auf dem Verständnis des Kompetenzbegriffs auf und beschreiben im Kern die angestrebten Kompetenzen und Kompetenzressourcen in bestimmten Handlungsfeldern und ihren Situationen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine aktuelle Kompetenzdefinition, an der sich die Weiterentwicklung der Curricula der Bildungsangebote der European Kinaesthetics Association orientiert, ist diejenige von Gianni Ghisla:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Als Kompetenz wird zuerst einmal die Fähigkeit von individuellen oder kollektiven Subjekten verstanden, eine Klasse von Situationen, allenfalls eine einzelne Situation, erfolgreich zu meistern und somit eine Tätigkeit zu vollziehen. Um in Situationen kompetent zu sein, bedarf es der Aktivierung von individuellen oder gruppengebundenen Ressourcen, nämlich von Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen.“ (Ghisla 2008, S. 21)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Kompetenz liegt also nicht einfach in den Ressourcen (Kenntnis, Fähigkeiten und Haltungen), aus denen sie in der jeweiligen Situation entsteht und auch nicht in der Summe, sondern im Akt der kreativen und funktionalen Kombination und Mobilisierung dieser Ressourcen in Situationen.“ (Ghisla 2008, S. 24 f.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernziel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernziele sind die angestrebten Ziele des Lernens. Da Lernen ein zielorientierter innerer Prozess ist, sind die individuellen Lernziele der einzelnen Lernenden ausschlaggebend. Im Idealfall können sich Lernende mit von außen vorgegebenen oder vorgeschlagenen Lernzielen identifizieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aufgrund ihres Abstraktionsgrades kann zwischen Leit- oder Richtzielen, Grob- und Feinzielen unterschieden werden. Ausgehend vom Kompetenzbegriff können Lernziele bestimmte Kompetenzen oder zugrunde liegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen betreffen. Gängig ist die entsprechende Unterscheidung zwischen kognitiven, psychomotorischen und affektiven Lernzielen. Im Bereich des Wissens hat sich die Taxonomie der kognitiven Lernziele nach Bloom als hilfreich und sinnvoll erwiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Klar definierte und den Lernenden bekannte Lernziele mit ihren Beurteilungskriterien sind für die faire Überprüfung ihrer Erreichung elementar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lerninhalt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lerninhalt bezeichnet den Gegenstand des Lernens oder das Thema, mit dem sich Lernende auseinandersetzen. Dabei kann es um theoretische oder praktische Inhalte gehen. Bis weit ins 20. Jahrhundert orientierten sich Lehrpläne an den Inhalten und Stoffen. Sie schrieben vor, welche Inhalte wann zu behandeln waren. Viele Inhalte wurden als Wert an sich betrachtet (z. B. Goethe, Faust). Welche Lernziele oder Kompetenzen die Auseinandersetzung mit ihnen verfolgte, war im Gegensatz zu heute nicht oder kaum Thema.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernprozess&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernprozess bezeichnet den Vorgang oder Verlauf des Lernens.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Sozialform&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Sozialform ist ein didaktischer Fachbegriff. Er beschreibt die Möglichkeiten der Beziehung oder Interaktionen, in der Lernende untereinander bzw. zu den Lehrenden in den einzelnen Phasen eines Lernprozesses stehen. Es kann zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit (immer mit oder ohne Betreuung durch Lehrende auf Anfrage) und Klassenunterricht unterschieden werden. Auch im Klassenunterricht kann die Sozialform unterschiedlich ausgestaltet werden (Lehrvortrag, Präsentation von Lernergebnissen durch Lernende, offene Diskussion usw.).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Konstruktion, Wissenskonstruktion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Im Rahmen der Erkenntnistheorie bezeichnet Konstruktion eine grundlegende kybernetische Annahme, wie der Mensch Informationen verarbeitet. Sie geht davon aus, dass Reize jeglicher Art (physikalische, chemische usw., innere, äußere) vom Menschen bzw. von seinen körperlichen Rezeptoren nicht in einem objektiven Sinn wie von einem technischen Aufnahmegerät registriert oder abgebildet werden. Vielmehr werden sie von jedem einzelnen Individuum subjektiv und gemäß seinem eigenen Funktionieren errechnet oder konstruiert – oder auch nicht oder höchstens unterbewusst wahrgenommen. Das bedeutet, dass sie in die individuellen Strukturen der eigenen Erfahrung und des eigenen Wissens eingebettet werden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff Wissenskonstruktion verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Rhythmus, Rhythmisierung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;In der Pädagogik werden die Begriffe Rhythmus und Rhythmisierung insbesondere im Kontext von Ganztagesschulen verwendet. Dabei geht es darum, Tagesabläufe z. B. mit stehenden Elementen des Ein- und Ausstiegs oder dem Wechsel von Arbeits- und Erholungsphasen oder der Sozialformen an die Zielgruppe angepasst zu gestalten. Der Begriff Rhythmisierung kann auch für die Gestaltung einer Lernsequenz in Bezug auf die Dauer, das Tempo und die Gewichtung der einzelnen Lernschritte der gesamten Lernsequenz verwendet werden. In der Kinästhetik spielt die Rhythmisierung in diesem Sinn insbesondere in Anleitungen zu Bewegungserfahrungen eine wichtige Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;4 Anhang: Kurzfassung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kurzfassung der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik ist ein auf das Wesentliche beschränkter Kriterienkatalog zur Beurteilung und Evaluation der eigenen oder fremder Gestaltung der Lernumgebung in Kinaesthetics-Bildungsangeboten. Sie steht auch als gesonderte Publikation zur Verfügung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten Prozess ermöglichen 2.1.png|900px|rahmenlos|zentriert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:2 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;br /&gt;
[[Datei:3 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;br /&gt;
[[Datei:4 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Text oben.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Datei:1_Lernen_als_aktiven,_konstruktiven_und_selbstgesteuerten_Prozess_erm%C3%B6glichen_2.1.png&amp;diff=6147</id>
		<title>Datei:1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten Prozess ermöglichen 2.1.png</title>
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		<updated>2025-11-08T15:29:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;1 Lernen 2.1&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Datei:1_Lernen_3.0.pdf&amp;diff=6146</id>
		<title>Datei:1 Lernen 3.0.pdf</title>
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		<updated>2025-11-08T15:26:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;1 Lernen 3.0&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
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		<title>Datei:1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten Prozess ermöglichen 2.0.png</title>
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		<updated>2025-11-08T15:19:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;1 Lernen 2.0&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
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		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
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		<updated>2025-11-08T15:15:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien in Wikisyntax&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;2 Lernverständnis und Grundprinzipien&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.1 Einleitung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.1 Bezüge zum Menschenbild&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die nachfolgend dargestellten Grundprinzipien haben enge Bezüge zum zugrunde liegenden Menschenbild. So hat z. B. das erste Grundprinzip „Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen“ einen besonders engen Zusammenhang mit den Inhalten des einleitenden Kapitels „1.2.2. Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie“. Lernen als aktiver und konstruktiver Prozess schließt sich eng an die Bedeutung des Aphorismus „Jedes Erkennen ist Tun, und jedes Tun ist Erkennen“ an, Lernen als selbstgesteuerter Prozess an die kybernetische Grundidee der Selbstregulation und Autonomie usw. Explizite Hinweise auf diese Bezüge würden den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.2 Darstellung der Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Folgenden werden die einzelnen Grundprinzipien an erster Stelle mit lerntheoretischen Überlegungen und Annahmen dargestellt. Sie erläutern und begründen das zugehörige Lernverständnis. Dieses wird hier nicht mit Fachliteratur belegt. Eine mit Quellenangaben belegte Darstellung der Lerntheorie der Kinästhetik findet sich im Artikel „Lernen (Kinästhetik)“ des Kinaesthetics-Online-Fachlexikons (KOFL).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;An zweiter Stelle wird jedes Grundprinzip mit Umsetzungsmöglichkeiten konkretisiert.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.3 Ziel und Zweck der Darstellung&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Darstellung verfolgt das Ziel, pädagogisch-didaktische Aspekte der Gestaltung der Lernumgebung hochgradig zu differenzieren. Dies soll TrainerInnen helfen, ihre konkreten Gestaltungen der Lernumgebung möglichst differenziert zu reflektieren, zu begründen und anzupassen. In der Realität greifen die Grundprinzipien ineinander und sind oft eng miteinander verbunden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.4 Bezüge zu methodischen Großformen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Grundsätzlich kann jedes Grundprinzip mit unterschiedlichen Methoden in der konkreten Gestaltung der Lernumgebung umgesetzt werden. Deshalb werden hier insbesondere methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Lernpuzzle höchstens angedeutet. Sie stützen sich in ihrer Anlage auf viele Grundprinzipien der Kinästhetik und werden in anderen Publikationen dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.5 Kürze und Einheitlichkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Formulierungen zielen bewusst auf Kürze und Einheitlichkeit. Für die Lehrperson wird durchgängig der Begriff „TrainerIn“ verwendet, für die Teilnehmenden eines Bildungsanlasses „Lernende“, für Unterricht „Gestaltung der Lernumgebung“ usw.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.2 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.1 Eigenaktivität und eigene Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein aktiver innerer Prozess. Lernen bedeutet eigenes Tun, bedeutet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten durch eigenes Handeln, Erleben und Erfahren. Diesbezüglich spielen in der Kinästhetik Bewegungserfahrungen grundsätzlich und insbesondere zur gezielten Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich mit den Lerninhalten durch eigenes Tun, aktives Handeln und Erfahren, das über bloßes Zuhören oder Zuschauen hinausgeht, auseinanderzusetzen. Sie ermöglicht ihnen ebenso, das eigene Tun und Erfahren selbst zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie leitet Einzel- und Partnererfahrungen mit spezifischen Blickwinkeln und passenden Unterschieden an. Diese Bewegungserfahrungen ermöglichen es den Lernenden, mit ihrer Bewegungswahrnehmung Unterschiede gezielt in sich selbst zu erfahren und ihre kinästhetische Wahrnehmung in unterschiedlichen alltäglichen Aktivitäten eigenaktiv zu sensibilisieren.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.2 Individuelles Konstruieren ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein konstruktiver innerer Prozess. Das meint, dass Lerninhalte mit den individuellen Strukturen des Wissens und der Erfahrungen verknüpft werden. Sie werden in die eigenen Fragestellungen und Annahmen eingebettet. In Lernprozessen erweitern Lernende ihre eigenen Wissens- und Erfahrungsstrukturen oder bauen sie neu auf.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre eigenen Fragen an die Lerninhalte zu stellen und ausgehend von den Lerninhalten und ihren Wissens- und Erfahrungsstrukturen ihre eigenen Lernthemen zu definieren. Sie ermöglicht ihnen, ihre persönlichen Antworten zu „konstruieren“ und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn gestaltet ihre Fragestellungen, Aufgaben und Anleitungen offen und nicht so, dass sie auf ihren „Input“ einen bestimmten, einzig richtigen „Output“ der Lernenden erwartet. Sie trivialisiert weder die Lerninhalte noch die Lernenden (vgl. Heinz von Foerster, https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/Maschinen_(triviale_und_nichttriviale)).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fakten und eindeutig beantwortbare Problemstellungen werden grundsätzlich nicht erfragt, sondern als solche dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.3 Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein selbstgesteuerter und autonomer („eigengesetzlicher“) innerer Prozess. Was und wie die einzelnen Lernenden lernen, bestimmen letztlich nur sie selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ihr Lernen ist abhängig von den individuellen Regeln (oder „Gesetzen“), nach denen sie ihr ganzes Verhalten regulieren. Lernprozesse werden von der TrainerIn und ihrer Gestaltung der Lernumgebung beeinflusst und bestenfalls unterstützt, können aber von ihr nicht direkt gesteuert oder bestimmt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn erwartet nicht, dass alle Lernenden durch ihre Gestaltung der Lernumgebung im gleichen Moment dasselbe wahrnehmen, verstehen und daran anknüpfen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie geht nicht davon aus, dass alle Lernenden zum gleichen Zeitpunkt die gleichen Lernprozesse durchlaufen müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die einzelnen Lernschritte so, dass ein individueller Spielraum entstehen kann und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht und unterstützt wird.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.4 Die zirkuläre Verbindung von Erfahrung und Theorie ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist in Bezug auf Lernen das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ gängig. Es ist eine bewusste Umkehrung des traditionellen Unterrichtens nach dem Motto „Erst die Theorie, dann die Praxis“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Begriff Theorie meint dabei die (rein) begriffliche und abstrakte Betrachtungsweise von Phänomenen oder Tatsachen bzw. ihrer Gesetzlichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Gestaltung der Lernumgebung ist das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ eine wertvolle Leitlinie, um Lernende z. B. das theoretische Konzeptverständnis aus Bewegungserfahrungen handelnd und selbstgesteuert erarbeiten zu lassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ihr praktisches Tun und Erfahren gezielt zu Lernen und Erkenntnissen führt, brauchen Lernende allerdings immer bestimmte Blickwinkel oder Kriterien bzw. ein Mindestmaß an vorgängiger „Theorie“. Nur so können sie zielgerichtet auf ihre konkreten Erfahrungen achten und sie hinsichtlich theoretischer Erkenntnisse und Regeln reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Motto „Von der Erfahrung zur Theorie“ kann somit dahingehend präzisiert werden, dass es darum geht, Erfahrung und Theorie in einem zeitnahen zirkulären Wechselspiel zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei verbinden die einzelnen Lernenden ihre konkreten Erfahrungen, ihr Tun und Handeln in fortgesetzter Zirkularität mit ihrer Konstruktion und Reflexion von Wissen und Annahmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch können sie ebenso lernen, die kinästhetische Fachsprache passend zu verwenden. Bei diesen Lernprozessen können der Austausch und Abgleich mit anderen Personen eine wichtige Rolle spielen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All dies unterstützt wesentlich den Aufbau oder die Erweiterung ihrer Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn schafft die Voraussetzungen, dass die Lernenden ihre Kompetenzen in einem engen und zeitnahen zirkulären Wechselspiel von eigener Erfahrung und theoretischer Wissenskonstruktion entwickeln können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei berücksichtigt sie das Vorwissen der Lernenden. Sie geht nicht davon aus, dass Lernende zuerst ausführliche theoretische Kenntnisse erwerben müssen, um sie dann praktisch umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie vermeidet lange theoretische Erklärungen, die erst nachträglich mit eigenaktiver Tätigkeit verbunden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In einem zirkulären Wechselspiel verbindet die TrainerIn Schritt für Schritt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Anleitungen zu Erfahrungen und praktischen Auseinandersetzungen, durch welche die Lerninhalte veranschaulicht werden,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Aufträge, durch welche die Lernenden diese Inhalte auf der theoretischen Ebene herleiten, reflektieren und beschreiben können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht es, dass sich die Lernenden über ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und fachsprachlichen Beschreibungen austauschen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.5 Das Verständnis der Bedeutung der Innenperspektive fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In diesem Kapitel werden die vorausgehenden Grundprinzipien aus der Perspektive der 1.-Person-Methodik nach F. J. Varela (vgl. https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/1.-Person-Methode) zusammenfassend beleuchtet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorausgehenden Grundprinzipien erhalten in der Kinästhetik dadurch eine besondere Bedeutung, dass die fortgesetzte und vertiefte Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation ein zentraler Lerninhalt ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie jede Sinneswahrnehmung kann die Bewegungswahrnehmung nur dadurch sensibilisiert werden, dass die einzelnen Lernenden mit ihren individuellen Voraussetzungen selbst aktiv werden und die spezifische Achtsamkeit auf ihr kinästhetisches Sinnessystem immer wieder trainieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche Lernprozesse beruhen auf der Innenperspektive der einzelnen Lernenden. Es geht darum, unter spezifischen Blickwinkeln durch eigenes Tun in sich selbst danach zu suchen, wie fein welche Unterschiede durch die eigene Bewegungswahrnehmung erfahrbar werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der 1.-Person-Methodik steht das subjektive Erleben des „Ichs“ und seine selbstverantwortliche, individuelle Entwicklung im Zentrum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für viele Lernende ist dieses Lernen ungewohnt. Im traditionellen Unterricht geht es um allgemeingültiges, objektiv beschreibbares Wissen und Können. Es befindet sich gewissermaßen außerhalb von einem selbst und muss „verinnerlicht“ werden – wer das tut, bzw. das subjektive Erleben des „Ichs“ spielen dabei keine Rolle: Hauptsache, man lernt, wie man es richtig macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weil die Lernenden in ihrer bisherigen Lerngeschichte hauptsächlich dieses Lernverständnis erlebt haben, kann es für sie eine Herausforderung bedeuten, sich auf die eigene Innenperspektive und Wahrnehmung einzulassen und ihr zu vertrauen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für einen bewussten und nachhaltigen Lernprozess ist es von Bedeutung, diese inneren Erfahrungen in einem zirkulären Wechselspiel mit der Außenperspektive (z. B. durch schriftliche Texte, andere Personen usw.) zu entwickeln und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, dass der Lernprozess bei der Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung darauf abzielt, in der eigenen Bewegung individuell erfahrbare Unterschiede immer feiner wahrzunehmen und zu regulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es geht darum, die eigene Bewegung bzw. sich selbst zu begreifen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, warum und wozu es wichtig ist, dass sich die Lernenden immer wieder ausführlich und intensiv mit sich selbst bzw. der Sensibilisierung ihrer Bewegungswahrnehmung beschäftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu macht sie verständlich und erfahrbar, welche Bedeutung die damit angestrebten Kompetenzen für die Praxis haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie erklärt den Unterschied zwischen diesem Lernverständnis und der traditionellen Sicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, dass es z. B. nicht darum geht, die „objektive“ Beschreibung erfahrbarer Unterschiede des Konzeptsystems möglichst genau zu verstehen und dann richtig umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie fördert die bewusste Entwicklung der kinästhetischen Sensibilität der Lernenden durch das zirkuläre Wechselspiel von inneren Erfahrungen und äußeren Aspekten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Rolle spielen dabei die sprachliche Reflexion der eigenen Erfahrungen, die Bewegungserfahrung mit einer PartnerIn und der Abgleich mit deren Beschreibung oder mit schriftlichen Texten.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.3 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.1 Anschluss an individuelles Vorwissen und bisherige Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernprozesse schließen immer an das individuelle Vorwissen und die persönlichen bisherigen Erfahrungen der einzelnen Lernenden an. Sie können nur dort einsetzen, wo sich die einzelne Lernende diesbezüglich befindet. Damit Lernende einen persönlichen Anschluss an Lerninhalte finden können, ist es unabdingbar, dass sie sich bewusst machen können, auf welchem Vorwissen und auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie müssen feststellen können, welches in Bezug darauf ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn versteht, wo die Lernenden stehen und was sie beschäftigt, erhält sie eine Grundlage für einen passenden gemeinsamen Lernprozess. Sie kann vermeiden, dass sie die Lernenden unter- oder überfordert. Es ist sinnvoll, den Lernenden immer wieder Standortbestimmungen zu ermöglichen. Durch diese können sie in „neuen“ Ausgangslagen feststellen, wo sie stehen und wohin sie in Bezug auf die erforderlichen Kompetenzen gelangen wollen und sollen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden immer wieder auf und/oder lässt sie erfahren, auf welchem Vorwissen oder auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie ermöglicht ihnen festzustellen, wo sie in Bezug auf dieses Vorwissen oder diese Kompetenzen stehen und welche ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet z. B. ein Fallbeispiel aus der Lebenswelt der Lernenden und fragt sie nach persönlich erlebten Situationen mit gleichen oder ähnlichen Herausforderungen. Sie lässt die Lernenden anhand dieser Beispiele die eigenen beruflichen Fragen und erforderlichen Kompetenzen erarbeiten. Sie gleicht, wo nötig, die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen der Lerninhalte damit ab.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn versucht darauf aufbauend, durch ihre Frage-, Aufgabenstellungen und Anleitungen die Lernenden weder zu unterfordern noch zu überfordern. Sie schätzt fortlaufend ein, ob die einzelnen Lernenden und die Gruppe einen angemessenen herausfordernden Anschluss an die aktuellen Lernprozesse finden. Gegebenenfalls passt sie ihre Gestaltung der Lernumgebung individuell oder für die Gruppe entsprechend an.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.2 Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst werden lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik können Lerninhalte auf Erklärungsmodellen und Annahmen beruhen, die nicht gängig sind (z. B. „Der Mensch ist lebenslang lernfähig“). Es ist leicht möglich, dass sie damit in Widerspruch stehen, wie die Lernenden bisher zugehörige Phänomene erklärt haben (z. B. „Mit zunehmenden Alter verliert der Mensch die Lernfähigkeit“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen kann eine Widersprüchlichkeit zwischen den Annahmen der Lernenden, worum es im Bildungsangebot geht, und den tatsächlichen angestrebten Lernzielen und Kompetenzen bestehen. Lernende können z. B. davon ausgehen, dass es in der Kinästhetik um die richtigen Transfertechniken und Handgriffe geht. Demgegenüber zielt das Bildungsangebot vielmehr auf ein individuell anzupassendes gemeinsames Lernen mit unterstützungsbedürftigen Personen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn dies nicht immer wieder bewusst gemacht wird, kann eine solche Unvereinbarkeit das Lernen und den Kompetenzaufbau behindern. Denn insbesondere in Praxissituationen können die bisherigen eigenen Annahmen und Erklärungen das Handeln bestimmen. Das im Lernprozess thematisierte alternative Verhalten, das auf einer neuen Sichtweise beruht, kommt nicht zum Zug.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die jeweiligen Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst gemacht werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Lernende sowohl ihre Verhaltensmuster als auch ihre Erklärungsmodelle und Annahmen erweitern oder ändern. Zugleich wird es ihnen möglich, ihr Verhalten mit passenden Erklärungsmodellen zu begründen oder mit anderen abzugleichen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welche Annahmen und Erklärungsmodelle den Lerninhalten und -prozessen zugrunde liegen (z. B. „Der Mensch kann seine Bewegungskompetenz lebenslang erweitern“). Sie ermöglicht ihnen festzustellen, welche Annahmen und Erklärungsmodelle sie selbst bisher diesen Lerninhalten bzw. den zugehörigen Phänomenen zugrunde gelegt haben (z. B. „Im Alter werden Menschen natürlicherweise steif und unbeweglich und können nicht mehr lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten besser zu nutzen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden wiederholt, im zirkulären Wechselspiel mit Erfahrungen in Praxissituationen ihre eigenen Annahmen und Erklärungsmodelle zu reflektieren und mit anderen zu vergleichen, um Abweichungen und Übereinstimmungen zu erkennen. Dadurch verschafft die TrainerIn ihnen die Möglichkeit, ihr Verhalten und dessen Erklärungen bewusst zu erweitern oder zu verändern und es passend begründen zu lernen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.3 Die persönliche Bedeutung der Lerninhalte und eigenes Interesse entdecken lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, intensiv und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie die persönliche Bedeutung und Sinnhaftigkeit der Lerninhalte und -prozesse für sich selbst bzw. für ihre Lebenswelt und deren Situationen erkennen. Dazu wird den Lernenden immer wieder ermöglicht, den Nutzen zu erfahren und zu erkennen, den die Lerninhalte für sie selbst, für ihre Lebenssituationen oder daran beteiligte Personen haben. Die Lernenden können dadurch ein eigenes Interesse für die Zielsetzungen des Lernens entwickeln und sich mit diesen identifizieren. Wenn dies nicht der Fall ist, führen die Lernprozesse eher zu trägem Wissen, das keine Auswirkungen auf die Praxis hat, und kaum zur Erweiterung oder zum Aufbau von Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welches Ziel das Bildungsangebot im Ganzen verfolgt und zu welchen Kompetenzen bzw. Fähigkeiten, Kenntnissen und Haltungen in Lebenssituationen die Lerninhalte und -prozesse führen können. Sie ermöglicht den Lernenden, die Bedeutung und den Nutzen dieser Lerninhalte und -prozesse für sie selbst und ihre eigenen Lebenssituationen zu entdecken und ein persönliches Interesse an den Zielsetzungen zu entwickeln. Dazu gehört, dass sie den Lernenden ermöglicht, ihre eigenen Anregungen einzubringen und ihre persönliche Motivation und Zielsetzung zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage unter den vorausgehenden Aspekten hat eine besondere Bedeutung für die zyklische Gestaltung der Lernumgebung bzw. für die Reflexion und Einschätzung der eigenen Lernfortschritte (vgl. 2.4 und insbesondere 2.4.5).&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.4 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.1 Die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein grundsätzlicher Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, gezielt und nachhaltig lernen und die Schritte ihres Lernprozesses gezielter reflektieren und beurteilen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz und Nachvollziehbarkeit gestaltet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch kann den Lernenden bewusst werden, weshalb und wozu die Schritte der Gestaltung der Lernumgebung in der konkreten inhaltlichen Ausprägung aufeinander folgen oder angepasst werden und wie diese Strukturierung zu den angestrebten Kompetenzen führen soll. Desgleichen kann ihnen klar werden, welcher persönliche Spielraum des konkreten Vorgehens für sie demzufolge besteht.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich die Logik des inhaltlichen und methodischen Ablaufs im Ganzen bewusst zu machen. Idealerweise ist ihnen das jederzeit möglich, indem z. B. der Ablauf auf einer Flipchart festgehalten und im Kursraum aufgehängt wird. Die TrainerIn erklärt, wie die Strukturierung der Lernschritte zu den angestrebten Lernzielen oder Kompetenzen führen soll.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den einzelnen Schritten ihrer Gestaltung der Lernumgebung zeigt sie den Lernenden ebenso auf und/oder lässt sie erfahren, wie sie mit dem vorausgehenden Schritt zusammenhängen und welches der rote Faden ist, der die Schritte verbindet. Sie gewährt den Lernenden den möglichen individuellen Spielraum, wie sie einen Schritt gemäß seinem Sinn und der Logik des Ablaufs vollziehen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.2 Die Gestaltung der Lernumgebung strukturieren&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert werden, dass es sich im Großen in strukturierten Zyklen vollzieht. Damit gemeint sind wiederholte Folgen zusammengehöriger, aufeinander aufbauender Lernschritte, die inhaltlich kreisförmig abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wichtige Elemente solcher Zyklen sind die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage (vgl. Kapitel 2.3.) und die Reflexion des Lernprozesses, die einen Zyklus abschließt (vgl. 2.4.5). Lernmodelle und methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Gruppenpuzzle orientieren sich oft an dieser grundlegenden Struktur.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Strukturierung der Gestaltung der Lernumgebung im Großen kann Lernen ebenso dadurch gefördert werden, dass längere und kürzere Lernschritte sowie Erholungsphasen in einem organischen Wechsel aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Großen und im Kleinen gliedern sich erfolgreiche Lernprozesse zudem in grundlegende Entwicklungsschritte. Sie erscheinen oft selbstverständlich wie z. B. der Entwicklungsschritt eines Lernprozesses vom Einfachen zum Schwierigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche grundlegenden Entwicklungsschritte werden im Folgenden stichwortartig aufgelistet, und zwar nur in einer Entwicklungsrichtung. Je nach Situation und Kontext kann die bewusste Verwendung der gegenteiligen Richtung sinnvoll sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von großen, leicht erfahr- oder wahrnehmbaren Unterschieden zu feinen Unterschieden und Differenzierungen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der Einzelerfahrung zur Partnererfahrung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der „Laborsituation“ zur Integration und Anwendung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von geführten, eng angeleiteten oder begleiteten Lernprozessen zum selbstverantwortlichen Lernen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Konkreten zum Abstrakten&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Einfachen zum Schwierigen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus lerntheoretischer Perspektive ist es sinnvoll, Bildungsangebote im Großen und in den einzelnen Schritten entsprechend zu strukturieren. Es gilt darauf zu achten, dass durch diese Strukturierungen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn strukturiert ihr Bildungsangebot im Großen und dessen Teile gemäß der inneren zyklischen Logik des Lernmodells bzw. von methodischen Großformen wie des Lernzyklus oder der Lernspirale. Sie passt diese Strukturierung der Teile folgerichtig an die angestrebten Kompetenzen und Lernziele an. Sie strukturiert ihre Gestaltung der Lernumgebung im Kleinen und im Großen bewusst nach grundlegenden Entwicklungsschritten von Lernprozessen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die Lernumgebung in einem organischen Wechsel von längeren und kürzeren Lernschritten und längeren und kürzeren Erholungsphasen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie beobachtet, ob ihre Strukturierungen die gewünschte Wirkung zeigen und die Lernprozesse unterstützen, und passt sie gegebenenfalls an. Je nach Lernziel, Situation oder Verlauf der Lernprozesse ist es angebracht, mit den erwähnten Strukturierungen bewusst zu spielen und z. B. einen Schritt von der Komplexität zur Einfachheit und wieder zurück zur Komplexität zu bauen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.3 Unterschiedliche Sozialformen und Methoden aufeinander folgen lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Abfolge von unterschiedlichen passenden Sozialformen und Methoden werden die Lernenden darin unterstützt, sich vielfältig und differenziert mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Ebenso kann dadurch lernfördernde Abwechslung erreicht und hinderliche Eintönigkeit vermieden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft ergibt sich die Abfolge von Sozialformen und methodischen Schritten aus der methodischen Großform (Lernzyklus, Lernspirale usw.), die der Gestaltung der Lernumgebung zugrunde gelegt wird (vgl. vorausgehendes Kapitel). In Bezug auf die Sozialform sind trainerzentrierte Phasen so kurz wie möglich zu halten (vgl. auch 2.5.2).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dennoch können viele Lernziele in unterschiedlichen Sozialformen und durch unterschiedliche Methoden erreicht werden. Eine Reflexion des Lernprozesses kann z. B. in selbstständiger schriftlicher Einzelarbeit, im mündlichen Austausch mit anderen Lernenden oder angeleitet in der gesamten Gruppe erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ist nicht gemeint, dass zur Erreichung eines Lernziels immer wieder eine andere Methode eingesetzt werden sollte. Die Verwendung der gleichen Methode bzw. des gleichen Dokumentationsinstrumentes hat z. B. bei der Lernprozessreflexion bestimmte Vorteile: Wenn Lernende ihren Lernprozess mehrfach auf die gleiche Weise schriftlich und selbstständig reflektieren, reduziert sich der Anleitungsaufwand für die TrainerIn. Die Lernenden können Fortschritte im differenzierten Umgang mit der verwendeten Methode bzw. dem eingesetzten Dokumentationsinstrument machen. Zudem können die Lernenden die Resultate ihrer einzelnen Reflexionen besser vergleichen und auswerten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Andererseits kann eine alternative Methode wie der mündliche Austausch neue Perspektiven eröffnen und weitere positive Effekte haben, die sich bei der schriftlichen Einzelarbeit nicht ergeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es gilt darauf zu achten, dass durch die Strukturierung mit unterschiedlichen methodischen Formen und Sozialformen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet in ihrer Gestaltung der Lernumgebung unterschiedliche passende Sozialformen und Methoden. Sie geht dabei von den jeweiligen angestrebten Kompetenzen und Lernzielen des Bildungsangebots und der einzelnen Schritte aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie wechselt in Bezug auf die Sozialformen sinnvoll zwischen eher kurzem geführtem und eher langem selbstverantwortlichem Lernen allein, zu zweit oder in Kleingruppen. Sie nutzt Phasen von selbstverantwortlichem Lernen dazu, die einzelnen Lernenden oder Kleingruppen in ihrem Lernprozess zu unterstützen, aber auch dazu, in den Hintergrund zu treten und die Lernenden allein arbeiten zu lassen. Solche Phasen kann die TrainerIn dazu nutzen, ihre bisherige Gestaltung der Lernumgebung zu reflektieren und gegebenenfalls die geplante Fortsetzung anzupassen und vorzubereiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn berücksichtigt das Alter der Lernenden und ihren Bildungsstand in Kinästhetik. Erfahrungsgemäß brauchen Jugendliche mehr und schnellere Wechsel der Sozialformen und Methoden, um nicht gelangweilt zu werden. Lernende, die schon einige Kinästhetik-Bildungsangebote besucht haben, sind z. B. eher fähig, länger in eine Bewegungserfahrung einzutauchen oder sich selbstständig mit einer längeren Aufgabe auf der Grundlage der Lernspirale zu beschäftigen. Zudem können genau solche Themen Lernziele oder angestrebte Kompetenzen für fortgeschrittene Lernende sein.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.4 Die Gestaltung der Lernumgebung an den Verlauf der Lernprozesse anpassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus einigen vorausgehenden Grundprinzipien ergibt sich die Notwendigkeit der Prozessorientierung der Gestaltung der Lernumgebung. Anpassungen an den Verlauf der Lernprozesse können selten jeder einzelnen Lernenden gerecht werden. Für die eine Person könnte auf einen nächsten methodischen Schritt verzichtet werden, für die andere nicht, die eine Person würde lieber allein weiterarbeiten, die andere in der Gruppe, der einen Person geht es zu schnell, der anderen zu langsam, die eine bräuchte mehr Pausen, die andere weniger usw. Dennoch kann Lernen dadurch unterstützt werden, dass prozessorientierte Anpassungen mit einem intuitiven Blick auf den Lernprozess der gesamten Gruppe der Lernenden in Bezug auf ihre Erreichung der Lernziele und Kompetenzen erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Prozessorientierte Anpassungen können im Großen auf der Ebene der Strukturierung bzw. der Wahl von Methoden und Sozialformen erfolgen. Desgleichen gilt es, in den einzelnen Schritten auf den Rhythmus der Gestaltung der Lernumgebung zu achten. Die Rhythmisierung, d. h. die Gestaltung eines Schrittes in Bezug auf Dauer, Tempo und Gewichtung der Lerninhalte, kann bewusst an die Qualität der Lernprozesse angepasst werden. In der Kinästhetik ist dies eine besondere Herausforderung bei der Anleitung von Bewegungserfahrungen. Es geht dabei um die nur intuitiv beantwortbaren Fragen, wie lange die Lernenden die Konzentration auf die eigene Bewegungswahrnehmung halten können und wann sie eine nächste Anleitung brauchen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für alle Beteiligten ist es befriedigender, wenn Lernziele mit mehr zeitlichem Aufwand als geplant erreicht werden, als wenn ein Lernprozess aus zeitlichen Gründen stark verkürzt oder weit vor seinem befriedigenden Abschluss abgebrochen wird. Oft bleibt bei den Lernenden im zweiten Fall nur Verwirrung und Frustration zurück, worum es dabei gegangen ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn langsamer als geplant vorankommt, muss sie sich überlegen, welche weiteren Lernschritte hinsichtlich der angestrebten Lernziele und Kompetenzen unverzichtbar sind und wie sie ihre Planung entsprechend anpassen kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch wenn solche Anpassungen im Kleinen und im Großen die Qualität der Lernprozesse fördern, ist es wichtig, dass die angesetzten Zeiten für Beginn, Pausen und Ende sowie andere Fixpunkte wie Praxissequenzen oder Morgen- und Abendrunden den Lernenden eine verlässliche und verbindliche Orientierung geben. Ebenso gilt es, den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten in geeigneter Weise in Erinnerung zu rufen, wie viel Zeit für den aktuellen Lernschritt noch zur Verfügung steht oder um wie viel Zeit er verlängert wird.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn beobachtet den Verlauf der Lernprozesse und schätzt ihre Qualität in Bezug auf die Zielerreichung ein. Sie nutzt dazu auch kleine Zwischengespräche oder kurze Bewegungserfahrungen mit den Lernenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Je nach ihrer Einschätzung nimmt sie Anpassungen oder Umstellungen auf der Ebene der Strukturierung, der Wahl von Methoden oder Sozialformen oder auch der Rhythmisierung usw. vor. Sie verkürzt oder verlängert Schritte bzw. verlangsamt oder beschleunigt den Rhythmus ihrer Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie der Rhythmus ihrer Anleitungen den Lernenden hilft, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels zu erfahren, und passt ihre Rhythmisierung gegebenenfalls an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die zur Verfügung stehende Zeit knapp wird, überlegt sie sich in Bezug auf die angestrebten Lernziele und Kompetenzen, welche geplanten Schritte unverzichtbar sind und bei welchen Schritten es vertretbar ist, sie in einer immer noch stimmigen Minimalvariante zu gestalten oder auf sie zu verzichten. Wenn es den Lernenden hilft, sich im Ablauf zu orientieren und ihn zu verstehen, erklärt und begründet sie ihre Anpassungen. Sie erinnert die Lernenden in passenden Momenten an die vorgesehene oder angepasste Zeitplanung.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.5 Fachsprachliche Dokumentation, Reflexion und zyklische Selbstevaluation der Lernprozesse ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass die Lernenden bewusst und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie ihre Lernprozesse unter Verwendung der Fachsprache dokumentieren. In der Kinästhetik haben insbesondere die Lernprozesse in Bewegungserfahrungen einen flüchtigen Charakter. Deshalb unterstützt es das Lernen, wenn sie zeitnah in geeigneter Form dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Den förderlichen zyklischen Charakter des Lernens macht wesentlich aus, dass die Lernenden regelmäßig ihre Lernprozesse bis zum aktuellen Zeitpunkt reflektieren, evaluieren und so die Abfolge von zusammengehörigen Lernschritten im Kreis schließen. In der Kinästhetik sind Reflexion und Selbstevaluation stehende Elemente der Gestaltung der Lernumgebung. Oft wird dazu der Vergleich mit der persönlichen Ausgangslage herangezogen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Lernenden halten dabei fest, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben. Sie ermitteln ihre Lernfortschritte im Vergleich mit ihrer Ausgangslage, aber auch Vertiefungsmöglichkeiten, den weiteren Lernbedarf und offene Fragen. Sie verknüpfen diese Reflexionen und Selbstevaluationen mit ihren Praxisthemen bzw. der Bedeutung für ihren beruflichen oder privaten Alltag. Dies trägt dazu bei, dass sie bis zur nächsten Reflexion und Selbstevaluation motiviert, gezielt und nachhaltig weiterlernen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen Dokumentationen, Reflexionen und Selbstevaluationen leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Lernenden die Fachsprache der Kinästhetik bewusst und differenziert verwenden lernen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre Lernprozesse regelmäßig zu dokumentieren. Sie ermöglicht ihnen, durch regelmäßige individuelle Reflexionen und Selbstevaluationen ihren aktuellen Stand mit ihrer Ausgangslage zu vergleichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie lässt die Lernenden einschätzen, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben und wo weiterer Lern- und Vertiefungsbedarf oder offene Fragen bestehen. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, z. B. mit dem Instrument der Bildungsfelder festzustellen, wo sie innerhalb oder außerhalb der angestrebten Ziele wichtige Lernprozesse gemacht haben. Sie lässt die Lernenden festhalten, welche Bedeutung ihre Lernprozesse für die Situationen ihrer Lebenswelt haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie unterstützt die Lernenden, bei der Dokumentation, Reflexion und Selbstevaluation die kinästhetische Fachsprache treffend zu verwenden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.6 Fremdeinschätzung durch Bewegungsinteraktion, Austausch und Reflexion ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen zyklischen Reflexionen und Selbstevaluationen können durch Fremdeinschätzungen wesentlich unterstützt werden. Sie ergänzen die Beurteilung des eigenen Lernprozesses durch die Außenperspektive anderer Personen. Oft fällt es diesen insbesondere leichter, die Lernfortschritte klar herauszustellen und zu würdigen. Ihre Perspektive kann aber auch dabei helfen, die Einschätzung des weiteren Lernbedarfs zu ergänzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist dabei die Bewegungsinteraktion von besonderer Bedeutung. Für die TrainerIn ist sie der geeignetste Weg, um die Bewegungskompetenz von Lernenden und ihren Entwicklungsbedarf einschätzen zu können. Auch durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Lernenden und die anschließenden gemeinsamen Reflexionen erhalten Lernende auf der Grundlage der konkreten Erfahrung Hinweise darauf, wie differenziert und angepasst sie ihre Bewegungskompetenz in Interaktionen über Berührung und Bewegung einsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Bewegungsinteraktion, den Austausch und die gemeinsame Reflexion mit anderen Teilnehmenden oder der TrainerIn wird die Selbstevaluation unterstützt. Die daraus entstehenden Unterschiede der Wahrnehmungen, Erfahrungen und ihrer Beschreibung können helfen, die eigenen Lernprozesse aus anderen Perspektiven zu reflektieren, zu evaluieren und präziser zu beschreiben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein sind der Austausch und die gemeinsame Reflexion von Lernschritten mit anderen Lernenden oder mit der TrainerIn eine Möglichkeit, dass Lernende eine Fremdeinschätzung bekommen, die für das eigene Lernen förderlich sein kann.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, durch die gemeinsame Reflexion von Lernschritten und insbesondere durch den Austausch und die gemeinsame Reflexion nach Bewegungsinteraktionen Unterschiede der Erfahrungen und ihrer Beschreibung festzustellen sowie eine Fremdeinschätzung zu erhalten. Sie selbst nutzt dazu die Interaktion über Berührung und Bewegung mit möglichst allen Lernenden, Rückmeldungen in konkreten Praxissituationen oder auch Einzel- und Gruppengespräche.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie macht den Lernenden durch ihre Fremdeinschätzung sachbezogen und wertschätzend deutlich, wie weit sie die angestrebten Ziele erreicht haben und auf welche Kriterien sie achten können, um weitere Lernfortschritte zu machen. Sie setzt sich dafür ein, dass sich auch die Lernenden gegenseitig sachbezogene und wertschätzende Rückmeldungen geben.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.5 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.1 Einen wechselseitigen respektvollen Umgang fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, ungestört und gerne lernen, kann dadurch geleistet werden, dass das gemeinsame Lernen durch einen wechselseitigen respektvollen Umgang geprägt wird. Dies gilt sowohl für den Umgang der TrainerIn mit den Lernenden als auch für den Umgang der Lernenden untereinander. Ist dies nicht der Fall, kann die Qualität der Lernprozesse stark beeinträchtigt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn respektiert die Persönlichkeit der einzelnen Lernenden und lebt einen respektvollen Umgang vor. Sie gibt in der gegebenen Situation zu erkennen, dass sie umgekehrt einen angemessenen Respekt erwartet. Sie thematisiert, wenn eine Situation dazu Anlass gibt, den Wert des wechselseitigen respektvollen Umgangs und trifft gegebenenfalls gemeinsam mit den Lernenden diesbezügliche Absprachen. Sie geht auf Störungen ein, ohne sie zuungunsten der Lernprozesse anderer Lernender überzubetonen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.2 Die Lernprozesse der Lernenden in den Mittelpunkt stellen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende intensiv lernen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung so gestaltet wird, dass die Lernprozesse der Lernenden und die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Lerninhalten im Mittelpunkt stehen. Die TrainerIn unterstützt und begleitet dies in der Kinästhetik insbesondere mit ihrer Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zentrierung auf die Lernprozesse der Lernenden und das gemeinsame Lernen kann formal dadurch erreicht werden, dass trainerzentrierte Phasen der Gestaltung der Lernumgebung so kurz wie möglich gehalten werden. Inhaltlich kann es dadurch erreicht werden, dass die Gestaltung der Lernumgebung sach- und situationsbezogen ist und nicht die eigene Person, die eigene Kompetenz und das eigene Wissen in den Vordergrund stellt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt in ihrer Gestaltung der Lernumgebung hauptsächlich den Lernenden Raum für ihre eigenen Lernprozesse und das gemeinsame Lernen zur Verfügung. Sie beschränkt Phasen, in denen sie im Mittelpunkt steht, auf das Nötige. Sie lässt die Lernenden erfahren, dass ihre Rolle hauptsächlich diejenige der kompetenten LernbegleiterIn ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu setzt sie ihr Fachwissen und in Bewegungsinteraktionen insbesondere ihre Bewegungskompetenz ein. Sie vermeidet es, gegenüber anderen Meinungen oder Verhaltensweisen das eigene (Besser-)Wissen in den Vordergrund zu stellen, sondern argumentiert möglichst sachbezogen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.3 Lernen in Partner- und Gruppenarbeit fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert und erweitert werden, dass es sich in Partner- oder Gruppenarbeit vollzieht. Dadurch entstehen Unterschiede zu den eigenen Annahmen, Erklärungen, (Bewegungs-)Erfahrungen, Wahrnehmungen und ihrer sprachlichen und fachsprachlichen Dokumentation. Diese Unterschiede können helfen, das eigene Lernen und die eigenen Erkenntnisse zu reflektieren sowie gegenüber anderen Personen genauer und verständlicher zu beschreiben. Die eigenen Lernprozesse werden durch den Austausch und Abgleich erweitert und bereichert.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht immer wieder Lernen zu zweit oder in Gruppen. Dieses betrifft insbesondere die Bewegungsinteraktion mit anschließender gemeinsamer Reflexion und fachsprachlicher Dokumentation. Die TrainerIn gibt den Lernenden ebenso die Möglichkeit zum Austausch über Annahmen, Erfahrungen und Erkenntnisse und deren Beschreibung. Sie unterstützt gegebenenfalls die Bildung von Lerngruppen, die gemeinsames Lernen in Bezug auf Praxis und Theorie pflegen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.4 Lernen durch Lehren fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende ihre Lernprozesse vertiefen, festigen und für andere strukturiert und verständlich aufbereiten, kann durch die Methode des Lernens durch Lehren geleistet werden. Seit der Antike wird der Ansatz „Durch Lehren lernen wir“ (Docendo discimus) vertreten. Die Methode trägt dazu bei, dass sich Lernende mit den Lerninhalten und -zielen persönlich identifizieren und sie selbst und nicht die TrainerIn im Mittelpunkt stehen (vgl. oben).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gruppenpuzzle ist eine hervorragende Methode dazu, dass Lernen durch Lehren allein und gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und reflektiert wird. Lernen durch Lehren kann in der Kinästhetik insbesondere für unterschiedliche Anleitungssituationen in Übereinstimmung mit den entsprechenden angestrebten Kompetenzen und Lernzielen verwendet werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, Themen vorzubereiten, die in Bezug auf die angestrebten Kompetenzen und Lernziele geeignet sind, und zu diesen Themen Lernumgebung für andere Lernende oder die ganze Gruppe zu gestalten. Sie sorgt dafür, dass den Lernenden die Lerninhalte und Materialien zur Verfügung stehen, und unterstützt gegebenenfalls die Lernenden in der Vorbereitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie ermöglicht den Lernenden, ihre Gestaltung der Lernumgebung für sich oder gemeinsam zu reflektieren, und achtet darauf, dass sie sachliche und wertschätzende Rückmeldungen erhalten. Sie verwendet das Gruppenpuzzle oder Lernen durch Lehren für unterschiedliche Anleitungssituationen, die für die Lebenswelt und für die Praxissituationen der Lernenden relevant sind.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.6 Verständliche Aufgabenstellungen sowie Einrichtung, Materialien und Medien zweckdienlich zur Verfügung stellen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.1 Anleitungen und Aufgabenstellungen klar und eindeutig gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie gezielt, konzentriert und der Absicht entsprechend sich Lernende mit den Lerninhalten auseinandersetzen können, ist davon abhängig, wie gut sie die Anleitungen und Aufgabenstellungen verstehen. Dies wird wesentlich davon beeinflusst, wie verständlich und eindeutig diese formuliert, erklärt und gestaltet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Deshalb ist es wichtig, Aufgabenstellungen wohlüberlegt und sorgfältig zu formulieren und darzustellen. Ebenso wichtig ist sicherzustellen, dass die Lernenden die Aufgabenstellung und ihre Absicht genau verstehen und wissen, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn Lernende mithilfe einer Aufgabenstellung selbstständig arbeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den Anleitungen von Einzel- oder Partnererfahrungen sind in den einzelnen Anleitungsaussagen die Klarheit und Verständlichkeit von besonderer Bedeutung. Je präziser die Lernenden verstehen, was sie tun und auf welchen Blickwinkel sie dabei achten sollen, desto konzentrierter und differenzierter können sie die entsprechenden Unterschiede in sich wahrnehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Präzision der Anleitungsaussagen erlaubt es, dass sich die Lernenden im Lauf der Anleitung auf längere Phasen der Eigenerfahrung einlassen können. Wenn immer wieder nachgefragt werden muss, wie die Anleitung gemeint ist und worauf geachtet werden soll, fällt die fragende Person und die ganze Gruppe aus ihren Erfahrungen und ihrer Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn formuliert, erklärt und gestaltet ihre Anleitungen und Aufgabenstellungen wohlüberlegt und möglichst klar und eindeutig. Sie erklärt möglichst genau, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn möglich, verdeutlicht sie die Aufgabenstellung und ihre Absicht mit unterschiedlichen Darstellungsformen (mit kleinen beispielhaften Bewegungsanleitungen, schriftlich, mündlich, symbolisch, bildlich, mit Beispielen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dies leistet einen wertvollen Beitrag dazu, das Verständnis der Aufgabenstellung bei den Lernenden sicherzustellen. Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten, sich jederzeit die Aufgabenstellung bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie ihre Anleitungsaussagen und deren Rhythmus den Lernenden helfen, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels wahrzunehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gegebenenfalls passt sie ihre Formulierungen und Aussagen an. Sie achtet insbesondere bei der Anleitung von längeren Phasen der Eigenerfahrung darauf, dass die Lernenden möglichst genau wissen, wie sie auf welche Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung achten sollen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.2 Zweckdienlich Materialien bereitstellen und den Schulungsraum einrichten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag zu einer lernfördernden Atmosphäre und zu einer leichten und flüssigen Organisation der Gestaltung der Lernumgebung kann dadurch geleistet werden, dass die Einrichtung des Schulungsraumes sowie die Lern-, Unterrichts- und Moderationsmaterialien oder Medien zweckdienlich vorbereitet sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie sollen für die Benutzung leicht zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Flipcharts o. Ä. mit wenigen Stichworten oder bildlichen Darstellungen können spontan gestaltet werden. Wenn sie einen umfänglicheren Inhalt haben (Zeitplanung, Strukturen/Abläufe, Aufgaben usw.), ist es empfehlenswert, sie vorzubereiten oder vorgedruckte Materialien zu verwenden, damit nicht Zeit unnötig verloren geht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit bestimmte Informationen oder Dokumentationen von Lernprozessen den Lernenden jederzeit zur Verfügung stehen, können sie im Schulungsraum gut sichtbar aufgehängt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu beachten ist ein gewisses Maß an Materialien und Medien: Die Gestaltung der Lernumgebung wird nicht desto besser, je mehr Materialien und Medien zum Einsatz kommen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt vor dem Bildungsangebot die benötigten Materialien und Medien zusammen. Sie richtet den Schulungsraum so ein, dass sich die Lernenden willkommen und in lernfördernder Atmosphäre fühlen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle benötigten Materialien und Medien sollen zweckdienlich bereitgestellt und für alle Beteiligten leicht zugänglich sein. Die TrainerIn kann z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Stühle, Matten, Unterrichtsmaterial pro Teilnehmende bereitstellen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• einen Tisch mit Büchern/Infomaterial vorbereiten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Pinwände aufstellen und vorgedruckte Lehrmaterialien aufhängen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Geräte zum Abspielen von Videos oder Tonaufnahmen einrichten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Moderationsmaterialien und anderes Material wie Dokumentationswerkzeuge, Schreibzeug, Blocs, Betten usw. bereitstellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie achtet dabei auf ein angemessenes Maß an Materialien und Medien.&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;3 Glossar der pädagogischen Fachbegriffe&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Pädagogik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Pädagogik ist ein Wissenschaftszweig, der die Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung zum Thema hat. Der Begriff Erziehungswissenschaft wird gleichbedeutend oder als pädagogischer Teilbereich, der sich auf die Erziehung fokussiert, verwendet. Aus herkömmlicher Perspektive betrifft die Pädagogik Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, im heutigen Verständnis schließt sie Erziehungs- und Bildungsfragen in Bezug auf Menschen jeden Alters ein. In expliziter Abgrenzung wird in diesem Zusammenhang u. a. der Begriff Erwachsenenbildung verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Didaktik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Didaktik ist die wissenschaftliche Lehre vom Lehren und Lernen. Sie gilt als ein zentraler Teilbereich der Pädagogik. Im herkömmlichen Sinn bezeichnet sie die Lehre des Unterrichtens, im heutigen Sinn umfasst sie die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens, weil diese beiden Themen als untrennbar verbunden betrachtet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es kann zwischen allgemeiner Didaktik und Fachdidaktik(en) unterschieden werden. Die allgemeine Didaktik befasst sich mit Lehren und Lernen unabhängig von Lerninhalten oder -themen bzw. von Fächern oder Fachgebieten. Aufgrund des Fehlens einer allgemein anerkannten umfassenden Lerntheorie bzw. der Abhängigkeit der allgemeinen Didaktik vom zugrunde liegenden Lernverständnis gibt es unterschiedliche allgemeindidaktische Modelle oder Konzepte. Beispiele sind die konstruktivistische, evolutionäre oder lerntheoretische Didaktik. Fachdidaktiken befassen sich mit Lehren und Lernen in Bezug auf spezifische Fächer, Fachgebiete oder Lerninhalte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Methodik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Methodik ist die wissenschaftliche Lehre von geregelten, planmäßigen Verfahrens- oder Vorgehensweisen des Lehrens bzw. Lernens auf ein bestimmtes Ziel hin. Methodik ist ein pädagogischer Teilbereich, der je nach Auffassung von der Didaktik abgegrenzt oder ihr bei- oder untergeordnet wird. Die enge Verbindung der beiden Teilbereiche zeigt sich in den häufigen Fügungen „Methodik und Didaktik“ oder „methodisch-didaktisch“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Methodik befasst sich mit der praktischen Vorgehensweise beim Lehren bzw. Lernen und der geregelten Abfolge der einzelnen Schritte zur Zielerreichung. Ihre Themen sind weitreichend und umfassen z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Unterrichtsmethoden wie Frontal-, Werkstatt- oder Projektunterricht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Sozial- und Arbeitsformen wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit sowie konkretere methodische Großformen wie Gruppenpuzzle, Rollenspiel oder in der Kinästhetik Lernzyklus oder Lernspirale,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• den Einsatz von Arbeitsunterlagen, Unterrichtsmaterialien und Medien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es existieren unterschiedliche Systematisierungen der Methodik, da sie vom jeweiligen pädagogischen Betrachtungswinkel abhängig sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernumgebung, Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Traditionell werden unter Lernumgebung oder Unterrichtskontext vorgegebene Faktoren verstanden, die die Rahmenbedingungen der Lehr- und Lernprozesse bilden. In der Kinästhetik und vermehrt in der modernen Pädagogik (z. B. bei Diethelm Wahl) werden die Begriffe Lernumgebung und Gestaltung der Lernumgebung in dem Sinn verwendet, dass Lernen immer ein selbstgesteuerter innerer Prozess ist, auf den von außen nicht direkt ursächlich oder kausal eingewirkt werden kann. Deshalb werden in der Kinästhetik diese Begriffe zur Bezeichnung des Unterrichts bzw. des Unterrichtens oder der Lehrtätigkeit verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Kompetenz&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Kompetenz wird in der Pädagogik unterschiedlich definiert. Im Sinn von tauglichen Kurzdefinitionen kann sie als die erlernte Fähigkeit zu einem erfolgreichen Verhalten in der Praxis, zur Problemlösung oder auch als die Disposition zur Praxisbewältigung umrissen werden. Sie setzt sich in diesem Sinn aus Wissen, Können/Handeln und Wollen zusammen. Entsprechend werden Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen als Kompetenzressourcen bezeichnet. In ihrem Zusammenspiel – und nicht in ihrer Summe – bilden sie die Grundlagen von Kompetenzen. Bestimmte Definitionen des Kompetenzbegriffs weisen zusätzlich auf motivationale und soziale Aspekte des Kompetenzbegriffs hin.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine gewisse Übereinstimmung aktueller Kompetenzdefinitionen besteht darin, dass sich Kompetenz in unterschiedlichen Situationen aus einem Bereich der Lebenswelt zeigt. Das kompetente Verhalten in einer bestimmten konkreten Situation wird dabei von einigen AutorInnen als Performanz bezeichnet und vom Kompetenzbegriff abgegrenzt. Aktuelle Curricula bauen sehr oft auf dem Verständnis des Kompetenzbegriffs auf und beschreiben im Kern die angestrebten Kompetenzen und Kompetenzressourcen in bestimmten Handlungsfeldern und ihren Situationen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine aktuelle Kompetenzdefinition, an der sich die Weiterentwicklung der Curricula der Bildungsangebote der European Kinaesthetics Association orientiert, ist diejenige von Gianni Ghisla:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Als Kompetenz wird zuerst einmal die Fähigkeit von individuellen oder kollektiven Subjekten verstanden, eine Klasse von Situationen, allenfalls eine einzelne Situation, erfolgreich zu meistern und somit eine Tätigkeit zu vollziehen. Um in Situationen kompetent zu sein, bedarf es der Aktivierung von individuellen oder gruppengebundenen Ressourcen, nämlich von Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen.“ (Ghisla 2008, S. 21)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Kompetenz liegt also nicht einfach in den Ressourcen (Kenntnis, Fähigkeiten und Haltungen), aus denen sie in der jeweiligen Situation entsteht und auch nicht in der Summe, sondern im Akt der kreativen und funktionalen Kombination und Mobilisierung dieser Ressourcen in Situationen.“ (Ghisla 2008, S. 24 f.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernziel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernziele sind die angestrebten Ziele des Lernens. Da Lernen ein zielorientierter innerer Prozess ist, sind die individuellen Lernziele der einzelnen Lernenden ausschlaggebend. Im Idealfall können sich Lernende mit von außen vorgegebenen oder vorgeschlagenen Lernzielen identifizieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aufgrund ihres Abstraktionsgrades kann zwischen Leit- oder Richtzielen, Grob- und Feinzielen unterschieden werden. Ausgehend vom Kompetenzbegriff können Lernziele bestimmte Kompetenzen oder zugrunde liegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen betreffen. Gängig ist die entsprechende Unterscheidung zwischen kognitiven, psychomotorischen und affektiven Lernzielen. Im Bereich des Wissens hat sich die Taxonomie der kognitiven Lernziele nach Bloom als hilfreich und sinnvoll erwiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Klar definierte und den Lernenden bekannte Lernziele mit ihren Beurteilungskriterien sind für die faire Überprüfung ihrer Erreichung elementar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lerninhalt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lerninhalt bezeichnet den Gegenstand des Lernens oder das Thema, mit dem sich Lernende auseinandersetzen. Dabei kann es um theoretische oder praktische Inhalte gehen. Bis weit ins 20. Jahrhundert orientierten sich Lehrpläne an den Inhalten und Stoffen. Sie schrieben vor, welche Inhalte wann zu behandeln waren. Viele Inhalte wurden als Wert an sich betrachtet (z. B. Goethe, Faust). Welche Lernziele oder Kompetenzen die Auseinandersetzung mit ihnen verfolgte, war im Gegensatz zu heute nicht oder kaum Thema.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernprozess&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernprozess bezeichnet den Vorgang oder Verlauf des Lernens.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Sozialform&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Sozialform ist ein didaktischer Fachbegriff. Er beschreibt die Möglichkeiten der Beziehung oder Interaktionen, in der Lernende untereinander bzw. zu den Lehrenden in den einzelnen Phasen eines Lernprozesses stehen. Es kann zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit (immer mit oder ohne Betreuung durch Lehrende auf Anfrage) und Klassenunterricht unterschieden werden. Auch im Klassenunterricht kann die Sozialform unterschiedlich ausgestaltet werden (Lehrvortrag, Präsentation von Lernergebnissen durch Lernende, offene Diskussion usw.).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Konstruktion, Wissenskonstruktion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Im Rahmen der Erkenntnistheorie bezeichnet Konstruktion eine grundlegende kybernetische Annahme, wie der Mensch Informationen verarbeitet. Sie geht davon aus, dass Reize jeglicher Art (physikalische, chemische usw., innere, äußere) vom Menschen bzw. von seinen körperlichen Rezeptoren nicht in einem objektiven Sinn wie von einem technischen Aufnahmegerät registriert oder abgebildet werden. Vielmehr werden sie von jedem einzelnen Individuum subjektiv und gemäß seinem eigenen Funktionieren errechnet oder konstruiert – oder auch nicht oder höchstens unterbewusst wahrgenommen. Das bedeutet, dass sie in die individuellen Strukturen der eigenen Erfahrung und des eigenen Wissens eingebettet werden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff Wissenskonstruktion verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Rhythmus, Rhythmisierung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;In der Pädagogik werden die Begriffe Rhythmus und Rhythmisierung insbesondere im Kontext von Ganztagesschulen verwendet. Dabei geht es darum, Tagesabläufe z. B. mit stehenden Elementen des Ein- und Ausstiegs oder dem Wechsel von Arbeits- und Erholungsphasen oder der Sozialformen an die Zielgruppe angepasst zu gestalten. Der Begriff Rhythmisierung kann auch für die Gestaltung einer Lernsequenz in Bezug auf die Dauer, das Tempo und die Gewichtung der einzelnen Lernschritte der gesamten Lernsequenz verwendet werden. In der Kinästhetik spielt die Rhythmisierung in diesem Sinn insbesondere in Anleitungen zu Bewegungserfahrungen eine wichtige Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;4 Anhang: Kurzfassung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kurzfassung der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik ist ein auf das Wesentliche beschränkter Kriterienkatalog zur Beurteilung und Evaluation der eigenen oder fremder Gestaltung der Lernumgebung in Kinaesthetics-Bildungsangeboten. Sie steht auch als gesonderte Publikation zur Verfügung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten Prozess ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;br /&gt;
[[Datei:2 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;br /&gt;
[[Datei:3 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;br /&gt;
[[Datei:4 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Text oben.png|rahmenlos|zentriert|900px]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6140</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6140"/>
		<updated>2025-11-08T15:10:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien in Wikisyntax&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;2 Lernverständnis und Grundprinzipien&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.1 Einleitung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.1 Bezüge zum Menschenbild&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die nachfolgend dargestellten Grundprinzipien haben enge Bezüge zum zugrunde liegenden Menschenbild. So hat z. B. das erste Grundprinzip „Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen“ einen besonders engen Zusammenhang mit den Inhalten des einleitenden Kapitels „1.2.2. Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie“. Lernen als aktiver und konstruktiver Prozess schließt sich eng an die Bedeutung des Aphorismus „Jedes Erkennen ist Tun, und jedes Tun ist Erkennen“ an, Lernen als selbstgesteuerter Prozess an die kybernetische Grundidee der Selbstregulation und Autonomie usw. Explizite Hinweise auf diese Bezüge würden den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.2 Darstellung der Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Folgenden werden die einzelnen Grundprinzipien an erster Stelle mit lerntheoretischen Überlegungen und Annahmen dargestellt. Sie erläutern und begründen das zugehörige Lernverständnis. Dieses wird hier nicht mit Fachliteratur belegt. Eine mit Quellenangaben belegte Darstellung der Lerntheorie der Kinästhetik findet sich im Artikel „Lernen (Kinästhetik)“ des Kinaesthetics-Online-Fachlexikons (KOFL).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;An zweiter Stelle wird jedes Grundprinzip mit Umsetzungsmöglichkeiten konkretisiert.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.3 Ziel und Zweck der Darstellung&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Darstellung verfolgt das Ziel, pädagogisch-didaktische Aspekte der Gestaltung der Lernumgebung hochgradig zu differenzieren. Dies soll TrainerInnen helfen, ihre konkreten Gestaltungen der Lernumgebung möglichst differenziert zu reflektieren, zu begründen und anzupassen. In der Realität greifen die Grundprinzipien ineinander und sind oft eng miteinander verbunden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.4 Bezüge zu methodischen Großformen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Grundsätzlich kann jedes Grundprinzip mit unterschiedlichen Methoden in der konkreten Gestaltung der Lernumgebung umgesetzt werden. Deshalb werden hier insbesondere methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Lernpuzzle höchstens angedeutet. Sie stützen sich in ihrer Anlage auf viele Grundprinzipien der Kinästhetik und werden in anderen Publikationen dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.5 Kürze und Einheitlichkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Formulierungen zielen bewusst auf Kürze und Einheitlichkeit. Für die Lehrperson wird durchgängig der Begriff „TrainerIn“ verwendet, für die Teilnehmenden eines Bildungsanlasses „Lernende“, für Unterricht „Gestaltung der Lernumgebung“ usw.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.2 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.1 Eigenaktivität und eigene Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein aktiver innerer Prozess. Lernen bedeutet eigenes Tun, bedeutet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten durch eigenes Handeln, Erleben und Erfahren. Diesbezüglich spielen in der Kinästhetik Bewegungserfahrungen grundsätzlich und insbesondere zur gezielten Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich mit den Lerninhalten durch eigenes Tun, aktives Handeln und Erfahren, das über bloßes Zuhören oder Zuschauen hinausgeht, auseinanderzusetzen. Sie ermöglicht ihnen ebenso, das eigene Tun und Erfahren selbst zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie leitet Einzel- und Partnererfahrungen mit spezifischen Blickwinkeln und passenden Unterschieden an. Diese Bewegungserfahrungen ermöglichen es den Lernenden, mit ihrer Bewegungswahrnehmung Unterschiede gezielt in sich selbst zu erfahren und ihre kinästhetische Wahrnehmung in unterschiedlichen alltäglichen Aktivitäten eigenaktiv zu sensibilisieren.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.2 Individuelles Konstruieren ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein konstruktiver innerer Prozess. Das meint, dass Lerninhalte mit den individuellen Strukturen des Wissens und der Erfahrungen verknüpft werden. Sie werden in die eigenen Fragestellungen und Annahmen eingebettet. In Lernprozessen erweitern Lernende ihre eigenen Wissens- und Erfahrungsstrukturen oder bauen sie neu auf.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre eigenen Fragen an die Lerninhalte zu stellen und ausgehend von den Lerninhalten und ihren Wissens- und Erfahrungsstrukturen ihre eigenen Lernthemen zu definieren. Sie ermöglicht ihnen, ihre persönlichen Antworten zu „konstruieren“ und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn gestaltet ihre Fragestellungen, Aufgaben und Anleitungen offen und nicht so, dass sie auf ihren „Input“ einen bestimmten, einzig richtigen „Output“ der Lernenden erwartet. Sie trivialisiert weder die Lerninhalte noch die Lernenden (vgl. Heinz von Foerster, https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/Maschinen_(triviale_und_nichttriviale)).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fakten und eindeutig beantwortbare Problemstellungen werden grundsätzlich nicht erfragt, sondern als solche dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.3 Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein selbstgesteuerter und autonomer („eigengesetzlicher“) innerer Prozess. Was und wie die einzelnen Lernenden lernen, bestimmen letztlich nur sie selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ihr Lernen ist abhängig von den individuellen Regeln (oder „Gesetzen“), nach denen sie ihr ganzes Verhalten regulieren. Lernprozesse werden von der TrainerIn und ihrer Gestaltung der Lernumgebung beeinflusst und bestenfalls unterstützt, können aber von ihr nicht direkt gesteuert oder bestimmt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn erwartet nicht, dass alle Lernenden durch ihre Gestaltung der Lernumgebung im gleichen Moment dasselbe wahrnehmen, verstehen und daran anknüpfen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie geht nicht davon aus, dass alle Lernenden zum gleichen Zeitpunkt die gleichen Lernprozesse durchlaufen müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die einzelnen Lernschritte so, dass ein individueller Spielraum entstehen kann und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht und unterstützt wird.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.4 Die zirkuläre Verbindung von Erfahrung und Theorie ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist in Bezug auf Lernen das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ gängig. Es ist eine bewusste Umkehrung des traditionellen Unterrichtens nach dem Motto „Erst die Theorie, dann die Praxis“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Begriff Theorie meint dabei die (rein) begriffliche und abstrakte Betrachtungsweise von Phänomenen oder Tatsachen bzw. ihrer Gesetzlichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Gestaltung der Lernumgebung ist das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ eine wertvolle Leitlinie, um Lernende z. B. das theoretische Konzeptverständnis aus Bewegungserfahrungen handelnd und selbstgesteuert erarbeiten zu lassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ihr praktisches Tun und Erfahren gezielt zu Lernen und Erkenntnissen führt, brauchen Lernende allerdings immer bestimmte Blickwinkel oder Kriterien bzw. ein Mindestmaß an vorgängiger „Theorie“. Nur so können sie zielgerichtet auf ihre konkreten Erfahrungen achten und sie hinsichtlich theoretischer Erkenntnisse und Regeln reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Motto „Von der Erfahrung zur Theorie“ kann somit dahingehend präzisiert werden, dass es darum geht, Erfahrung und Theorie in einem zeitnahen zirkulären Wechselspiel zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei verbinden die einzelnen Lernenden ihre konkreten Erfahrungen, ihr Tun und Handeln in fortgesetzter Zirkularität mit ihrer Konstruktion und Reflexion von Wissen und Annahmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch können sie ebenso lernen, die kinästhetische Fachsprache passend zu verwenden. Bei diesen Lernprozessen können der Austausch und Abgleich mit anderen Personen eine wichtige Rolle spielen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All dies unterstützt wesentlich den Aufbau oder die Erweiterung ihrer Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn schafft die Voraussetzungen, dass die Lernenden ihre Kompetenzen in einem engen und zeitnahen zirkulären Wechselspiel von eigener Erfahrung und theoretischer Wissenskonstruktion entwickeln können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei berücksichtigt sie das Vorwissen der Lernenden. Sie geht nicht davon aus, dass Lernende zuerst ausführliche theoretische Kenntnisse erwerben müssen, um sie dann praktisch umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie vermeidet lange theoretische Erklärungen, die erst nachträglich mit eigenaktiver Tätigkeit verbunden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In einem zirkulären Wechselspiel verbindet die TrainerIn Schritt für Schritt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Anleitungen zu Erfahrungen und praktischen Auseinandersetzungen, durch welche die Lerninhalte veranschaulicht werden,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Aufträge, durch welche die Lernenden diese Inhalte auf der theoretischen Ebene herleiten, reflektieren und beschreiben können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht es, dass sich die Lernenden über ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und fachsprachlichen Beschreibungen austauschen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.5 Das Verständnis der Bedeutung der Innenperspektive fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In diesem Kapitel werden die vorausgehenden Grundprinzipien aus der Perspektive der 1.-Person-Methodik nach F. J. Varela (vgl. https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/1.-Person-Methode) zusammenfassend beleuchtet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorausgehenden Grundprinzipien erhalten in der Kinästhetik dadurch eine besondere Bedeutung, dass die fortgesetzte und vertiefte Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation ein zentraler Lerninhalt ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie jede Sinneswahrnehmung kann die Bewegungswahrnehmung nur dadurch sensibilisiert werden, dass die einzelnen Lernenden mit ihren individuellen Voraussetzungen selbst aktiv werden und die spezifische Achtsamkeit auf ihr kinästhetisches Sinnessystem immer wieder trainieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche Lernprozesse beruhen auf der Innenperspektive der einzelnen Lernenden. Es geht darum, unter spezifischen Blickwinkeln durch eigenes Tun in sich selbst danach zu suchen, wie fein welche Unterschiede durch die eigene Bewegungswahrnehmung erfahrbar werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der 1.-Person-Methodik steht das subjektive Erleben des „Ichs“ und seine selbstverantwortliche, individuelle Entwicklung im Zentrum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für viele Lernende ist dieses Lernen ungewohnt. Im traditionellen Unterricht geht es um allgemeingültiges, objektiv beschreibbares Wissen und Können. Es befindet sich gewissermaßen außerhalb von einem selbst und muss „verinnerlicht“ werden – wer das tut, bzw. das subjektive Erleben des „Ichs“ spielen dabei keine Rolle: Hauptsache, man lernt, wie man es richtig macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weil die Lernenden in ihrer bisherigen Lerngeschichte hauptsächlich dieses Lernverständnis erlebt haben, kann es für sie eine Herausforderung bedeuten, sich auf die eigene Innenperspektive und Wahrnehmung einzulassen und ihr zu vertrauen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für einen bewussten und nachhaltigen Lernprozess ist es von Bedeutung, diese inneren Erfahrungen in einem zirkulären Wechselspiel mit der Außenperspektive (z. B. durch schriftliche Texte, andere Personen usw.) zu entwickeln und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, dass der Lernprozess bei der Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung darauf abzielt, in der eigenen Bewegung individuell erfahrbare Unterschiede immer feiner wahrzunehmen und zu regulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es geht darum, die eigene Bewegung bzw. sich selbst zu begreifen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, warum und wozu es wichtig ist, dass sich die Lernenden immer wieder ausführlich und intensiv mit sich selbst bzw. der Sensibilisierung ihrer Bewegungswahrnehmung beschäftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu macht sie verständlich und erfahrbar, welche Bedeutung die damit angestrebten Kompetenzen für die Praxis haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie erklärt den Unterschied zwischen diesem Lernverständnis und der traditionellen Sicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, dass es z. B. nicht darum geht, die „objektive“ Beschreibung erfahrbarer Unterschiede des Konzeptsystems möglichst genau zu verstehen und dann richtig umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie fördert die bewusste Entwicklung der kinästhetischen Sensibilität der Lernenden durch das zirkuläre Wechselspiel von inneren Erfahrungen und äußeren Aspekten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Rolle spielen dabei die sprachliche Reflexion der eigenen Erfahrungen, die Bewegungserfahrung mit einer PartnerIn und der Abgleich mit deren Beschreibung oder mit schriftlichen Texten.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.3 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.1 Anschluss an individuelles Vorwissen und bisherige Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernprozesse schließen immer an das individuelle Vorwissen und die persönlichen bisherigen Erfahrungen der einzelnen Lernenden an. Sie können nur dort einsetzen, wo sich die einzelne Lernende diesbezüglich befindet. Damit Lernende einen persönlichen Anschluss an Lerninhalte finden können, ist es unabdingbar, dass sie sich bewusst machen können, auf welchem Vorwissen und auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie müssen feststellen können, welches in Bezug darauf ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn versteht, wo die Lernenden stehen und was sie beschäftigt, erhält sie eine Grundlage für einen passenden gemeinsamen Lernprozess. Sie kann vermeiden, dass sie die Lernenden unter- oder überfordert. Es ist sinnvoll, den Lernenden immer wieder Standortbestimmungen zu ermöglichen. Durch diese können sie in „neuen“ Ausgangslagen feststellen, wo sie stehen und wohin sie in Bezug auf die erforderlichen Kompetenzen gelangen wollen und sollen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden immer wieder auf und/oder lässt sie erfahren, auf welchem Vorwissen oder auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie ermöglicht ihnen festzustellen, wo sie in Bezug auf dieses Vorwissen oder diese Kompetenzen stehen und welche ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet z. B. ein Fallbeispiel aus der Lebenswelt der Lernenden und fragt sie nach persönlich erlebten Situationen mit gleichen oder ähnlichen Herausforderungen. Sie lässt die Lernenden anhand dieser Beispiele die eigenen beruflichen Fragen und erforderlichen Kompetenzen erarbeiten. Sie gleicht, wo nötig, die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen der Lerninhalte damit ab.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn versucht darauf aufbauend, durch ihre Frage-, Aufgabenstellungen und Anleitungen die Lernenden weder zu unterfordern noch zu überfordern. Sie schätzt fortlaufend ein, ob die einzelnen Lernenden und die Gruppe einen angemessenen herausfordernden Anschluss an die aktuellen Lernprozesse finden. Gegebenenfalls passt sie ihre Gestaltung der Lernumgebung individuell oder für die Gruppe entsprechend an.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.2 Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst werden lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik können Lerninhalte auf Erklärungsmodellen und Annahmen beruhen, die nicht gängig sind (z. B. „Der Mensch ist lebenslang lernfähig“). Es ist leicht möglich, dass sie damit in Widerspruch stehen, wie die Lernenden bisher zugehörige Phänomene erklärt haben (z. B. „Mit zunehmenden Alter verliert der Mensch die Lernfähigkeit“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen kann eine Widersprüchlichkeit zwischen den Annahmen der Lernenden, worum es im Bildungsangebot geht, und den tatsächlichen angestrebten Lernzielen und Kompetenzen bestehen. Lernende können z. B. davon ausgehen, dass es in der Kinästhetik um die richtigen Transfertechniken und Handgriffe geht. Demgegenüber zielt das Bildungsangebot vielmehr auf ein individuell anzupassendes gemeinsames Lernen mit unterstützungsbedürftigen Personen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn dies nicht immer wieder bewusst gemacht wird, kann eine solche Unvereinbarkeit das Lernen und den Kompetenzaufbau behindern. Denn insbesondere in Praxissituationen können die bisherigen eigenen Annahmen und Erklärungen das Handeln bestimmen. Das im Lernprozess thematisierte alternative Verhalten, das auf einer neuen Sichtweise beruht, kommt nicht zum Zug.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die jeweiligen Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst gemacht werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Lernende sowohl ihre Verhaltensmuster als auch ihre Erklärungsmodelle und Annahmen erweitern oder ändern. Zugleich wird es ihnen möglich, ihr Verhalten mit passenden Erklärungsmodellen zu begründen oder mit anderen abzugleichen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welche Annahmen und Erklärungsmodelle den Lerninhalten und -prozessen zugrunde liegen (z. B. „Der Mensch kann seine Bewegungskompetenz lebenslang erweitern“). Sie ermöglicht ihnen festzustellen, welche Annahmen und Erklärungsmodelle sie selbst bisher diesen Lerninhalten bzw. den zugehörigen Phänomenen zugrunde gelegt haben (z. B. „Im Alter werden Menschen natürlicherweise steif und unbeweglich und können nicht mehr lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten besser zu nutzen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden wiederholt, im zirkulären Wechselspiel mit Erfahrungen in Praxissituationen ihre eigenen Annahmen und Erklärungsmodelle zu reflektieren und mit anderen zu vergleichen, um Abweichungen und Übereinstimmungen zu erkennen. Dadurch verschafft die TrainerIn ihnen die Möglichkeit, ihr Verhalten und dessen Erklärungen bewusst zu erweitern oder zu verändern und es passend begründen zu lernen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.3 Die persönliche Bedeutung der Lerninhalte und eigenes Interesse entdecken lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, intensiv und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie die persönliche Bedeutung und Sinnhaftigkeit der Lerninhalte und -prozesse für sich selbst bzw. für ihre Lebenswelt und deren Situationen erkennen. Dazu wird den Lernenden immer wieder ermöglicht, den Nutzen zu erfahren und zu erkennen, den die Lerninhalte für sie selbst, für ihre Lebenssituationen oder daran beteiligte Personen haben. Die Lernenden können dadurch ein eigenes Interesse für die Zielsetzungen des Lernens entwickeln und sich mit diesen identifizieren. Wenn dies nicht der Fall ist, führen die Lernprozesse eher zu trägem Wissen, das keine Auswirkungen auf die Praxis hat, und kaum zur Erweiterung oder zum Aufbau von Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welches Ziel das Bildungsangebot im Ganzen verfolgt und zu welchen Kompetenzen bzw. Fähigkeiten, Kenntnissen und Haltungen in Lebenssituationen die Lerninhalte und -prozesse führen können. Sie ermöglicht den Lernenden, die Bedeutung und den Nutzen dieser Lerninhalte und -prozesse für sie selbst und ihre eigenen Lebenssituationen zu entdecken und ein persönliches Interesse an den Zielsetzungen zu entwickeln. Dazu gehört, dass sie den Lernenden ermöglicht, ihre eigenen Anregungen einzubringen und ihre persönliche Motivation und Zielsetzung zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage unter den vorausgehenden Aspekten hat eine besondere Bedeutung für die zyklische Gestaltung der Lernumgebung bzw. für die Reflexion und Einschätzung der eigenen Lernfortschritte (vgl. 2.4 und insbesondere 2.4.5).&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.4 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.1 Die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein grundsätzlicher Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, gezielt und nachhaltig lernen und die Schritte ihres Lernprozesses gezielter reflektieren und beurteilen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz und Nachvollziehbarkeit gestaltet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch kann den Lernenden bewusst werden, weshalb und wozu die Schritte der Gestaltung der Lernumgebung in der konkreten inhaltlichen Ausprägung aufeinander folgen oder angepasst werden und wie diese Strukturierung zu den angestrebten Kompetenzen führen soll. Desgleichen kann ihnen klar werden, welcher persönliche Spielraum des konkreten Vorgehens für sie demzufolge besteht.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich die Logik des inhaltlichen und methodischen Ablaufs im Ganzen bewusst zu machen. Idealerweise ist ihnen das jederzeit möglich, indem z. B. der Ablauf auf einer Flipchart festgehalten und im Kursraum aufgehängt wird. Die TrainerIn erklärt, wie die Strukturierung der Lernschritte zu den angestrebten Lernzielen oder Kompetenzen führen soll.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den einzelnen Schritten ihrer Gestaltung der Lernumgebung zeigt sie den Lernenden ebenso auf und/oder lässt sie erfahren, wie sie mit dem vorausgehenden Schritt zusammenhängen und welches der rote Faden ist, der die Schritte verbindet. Sie gewährt den Lernenden den möglichen individuellen Spielraum, wie sie einen Schritt gemäß seinem Sinn und der Logik des Ablaufs vollziehen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.2 Die Gestaltung der Lernumgebung strukturieren&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert werden, dass es sich im Großen in strukturierten Zyklen vollzieht. Damit gemeint sind wiederholte Folgen zusammengehöriger, aufeinander aufbauender Lernschritte, die inhaltlich kreisförmig abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wichtige Elemente solcher Zyklen sind die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage (vgl. Kapitel 2.3.) und die Reflexion des Lernprozesses, die einen Zyklus abschließt (vgl. 2.4.5). Lernmodelle und methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Gruppenpuzzle orientieren sich oft an dieser grundlegenden Struktur.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Strukturierung der Gestaltung der Lernumgebung im Großen kann Lernen ebenso dadurch gefördert werden, dass längere und kürzere Lernschritte sowie Erholungsphasen in einem organischen Wechsel aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Großen und im Kleinen gliedern sich erfolgreiche Lernprozesse zudem in grundlegende Entwicklungsschritte. Sie erscheinen oft selbstverständlich wie z. B. der Entwicklungsschritt eines Lernprozesses vom Einfachen zum Schwierigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche grundlegenden Entwicklungsschritte werden im Folgenden stichwortartig aufgelistet, und zwar nur in einer Entwicklungsrichtung. Je nach Situation und Kontext kann die bewusste Verwendung der gegenteiligen Richtung sinnvoll sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von großen, leicht erfahr- oder wahrnehmbaren Unterschieden zu feinen Unterschieden und Differenzierungen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der Einzelerfahrung zur Partnererfahrung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der „Laborsituation“ zur Integration und Anwendung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von geführten, eng angeleiteten oder begleiteten Lernprozessen zum selbstverantwortlichen Lernen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Konkreten zum Abstrakten&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Einfachen zum Schwierigen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus lerntheoretischer Perspektive ist es sinnvoll, Bildungsangebote im Großen und in den einzelnen Schritten entsprechend zu strukturieren. Es gilt darauf zu achten, dass durch diese Strukturierungen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn strukturiert ihr Bildungsangebot im Großen und dessen Teile gemäß der inneren zyklischen Logik des Lernmodells bzw. von methodischen Großformen wie des Lernzyklus oder der Lernspirale. Sie passt diese Strukturierung der Teile folgerichtig an die angestrebten Kompetenzen und Lernziele an. Sie strukturiert ihre Gestaltung der Lernumgebung im Kleinen und im Großen bewusst nach grundlegenden Entwicklungsschritten von Lernprozessen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die Lernumgebung in einem organischen Wechsel von längeren und kürzeren Lernschritten und längeren und kürzeren Erholungsphasen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie beobachtet, ob ihre Strukturierungen die gewünschte Wirkung zeigen und die Lernprozesse unterstützen, und passt sie gegebenenfalls an. Je nach Lernziel, Situation oder Verlauf der Lernprozesse ist es angebracht, mit den erwähnten Strukturierungen bewusst zu spielen und z. B. einen Schritt von der Komplexität zur Einfachheit und wieder zurück zur Komplexität zu bauen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.3 Unterschiedliche Sozialformen und Methoden aufeinander folgen lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Abfolge von unterschiedlichen passenden Sozialformen und Methoden werden die Lernenden darin unterstützt, sich vielfältig und differenziert mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Ebenso kann dadurch lernfördernde Abwechslung erreicht und hinderliche Eintönigkeit vermieden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft ergibt sich die Abfolge von Sozialformen und methodischen Schritten aus der methodischen Großform (Lernzyklus, Lernspirale usw.), die der Gestaltung der Lernumgebung zugrunde gelegt wird (vgl. vorausgehendes Kapitel). In Bezug auf die Sozialform sind trainerzentrierte Phasen so kurz wie möglich zu halten (vgl. auch 2.5.2).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dennoch können viele Lernziele in unterschiedlichen Sozialformen und durch unterschiedliche Methoden erreicht werden. Eine Reflexion des Lernprozesses kann z. B. in selbstständiger schriftlicher Einzelarbeit, im mündlichen Austausch mit anderen Lernenden oder angeleitet in der gesamten Gruppe erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ist nicht gemeint, dass zur Erreichung eines Lernziels immer wieder eine andere Methode eingesetzt werden sollte. Die Verwendung der gleichen Methode bzw. des gleichen Dokumentationsinstrumentes hat z. B. bei der Lernprozessreflexion bestimmte Vorteile: Wenn Lernende ihren Lernprozess mehrfach auf die gleiche Weise schriftlich und selbstständig reflektieren, reduziert sich der Anleitungsaufwand für die TrainerIn. Die Lernenden können Fortschritte im differenzierten Umgang mit der verwendeten Methode bzw. dem eingesetzten Dokumentationsinstrument machen. Zudem können die Lernenden die Resultate ihrer einzelnen Reflexionen besser vergleichen und auswerten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Andererseits kann eine alternative Methode wie der mündliche Austausch neue Perspektiven eröffnen und weitere positive Effekte haben, die sich bei der schriftlichen Einzelarbeit nicht ergeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es gilt darauf zu achten, dass durch die Strukturierung mit unterschiedlichen methodischen Formen und Sozialformen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet in ihrer Gestaltung der Lernumgebung unterschiedliche passende Sozialformen und Methoden. Sie geht dabei von den jeweiligen angestrebten Kompetenzen und Lernzielen des Bildungsangebots und der einzelnen Schritte aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie wechselt in Bezug auf die Sozialformen sinnvoll zwischen eher kurzem geführtem und eher langem selbstverantwortlichem Lernen allein, zu zweit oder in Kleingruppen. Sie nutzt Phasen von selbstverantwortlichem Lernen dazu, die einzelnen Lernenden oder Kleingruppen in ihrem Lernprozess zu unterstützen, aber auch dazu, in den Hintergrund zu treten und die Lernenden allein arbeiten zu lassen. Solche Phasen kann die TrainerIn dazu nutzen, ihre bisherige Gestaltung der Lernumgebung zu reflektieren und gegebenenfalls die geplante Fortsetzung anzupassen und vorzubereiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn berücksichtigt das Alter der Lernenden und ihren Bildungsstand in Kinästhetik. Erfahrungsgemäß brauchen Jugendliche mehr und schnellere Wechsel der Sozialformen und Methoden, um nicht gelangweilt zu werden. Lernende, die schon einige Kinästhetik-Bildungsangebote besucht haben, sind z. B. eher fähig, länger in eine Bewegungserfahrung einzutauchen oder sich selbstständig mit einer längeren Aufgabe auf der Grundlage der Lernspirale zu beschäftigen. Zudem können genau solche Themen Lernziele oder angestrebte Kompetenzen für fortgeschrittene Lernende sein.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.4 Die Gestaltung der Lernumgebung an den Verlauf der Lernprozesse anpassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus einigen vorausgehenden Grundprinzipien ergibt sich die Notwendigkeit der Prozessorientierung der Gestaltung der Lernumgebung. Anpassungen an den Verlauf der Lernprozesse können selten jeder einzelnen Lernenden gerecht werden. Für die eine Person könnte auf einen nächsten methodischen Schritt verzichtet werden, für die andere nicht, die eine Person würde lieber allein weiterarbeiten, die andere in der Gruppe, der einen Person geht es zu schnell, der anderen zu langsam, die eine bräuchte mehr Pausen, die andere weniger usw. Dennoch kann Lernen dadurch unterstützt werden, dass prozessorientierte Anpassungen mit einem intuitiven Blick auf den Lernprozess der gesamten Gruppe der Lernenden in Bezug auf ihre Erreichung der Lernziele und Kompetenzen erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Prozessorientierte Anpassungen können im Großen auf der Ebene der Strukturierung bzw. der Wahl von Methoden und Sozialformen erfolgen. Desgleichen gilt es, in den einzelnen Schritten auf den Rhythmus der Gestaltung der Lernumgebung zu achten. Die Rhythmisierung, d. h. die Gestaltung eines Schrittes in Bezug auf Dauer, Tempo und Gewichtung der Lerninhalte, kann bewusst an die Qualität der Lernprozesse angepasst werden. In der Kinästhetik ist dies eine besondere Herausforderung bei der Anleitung von Bewegungserfahrungen. Es geht dabei um die nur intuitiv beantwortbaren Fragen, wie lange die Lernenden die Konzentration auf die eigene Bewegungswahrnehmung halten können und wann sie eine nächste Anleitung brauchen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für alle Beteiligten ist es befriedigender, wenn Lernziele mit mehr zeitlichem Aufwand als geplant erreicht werden, als wenn ein Lernprozess aus zeitlichen Gründen stark verkürzt oder weit vor seinem befriedigenden Abschluss abgebrochen wird. Oft bleibt bei den Lernenden im zweiten Fall nur Verwirrung und Frustration zurück, worum es dabei gegangen ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn langsamer als geplant vorankommt, muss sie sich überlegen, welche weiteren Lernschritte hinsichtlich der angestrebten Lernziele und Kompetenzen unverzichtbar sind und wie sie ihre Planung entsprechend anpassen kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch wenn solche Anpassungen im Kleinen und im Großen die Qualität der Lernprozesse fördern, ist es wichtig, dass die angesetzten Zeiten für Beginn, Pausen und Ende sowie andere Fixpunkte wie Praxissequenzen oder Morgen- und Abendrunden den Lernenden eine verlässliche und verbindliche Orientierung geben. Ebenso gilt es, den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten in geeigneter Weise in Erinnerung zu rufen, wie viel Zeit für den aktuellen Lernschritt noch zur Verfügung steht oder um wie viel Zeit er verlängert wird.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn beobachtet den Verlauf der Lernprozesse und schätzt ihre Qualität in Bezug auf die Zielerreichung ein. Sie nutzt dazu auch kleine Zwischengespräche oder kurze Bewegungserfahrungen mit den Lernenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Je nach ihrer Einschätzung nimmt sie Anpassungen oder Umstellungen auf der Ebene der Strukturierung, der Wahl von Methoden oder Sozialformen oder auch der Rhythmisierung usw. vor. Sie verkürzt oder verlängert Schritte bzw. verlangsamt oder beschleunigt den Rhythmus ihrer Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie der Rhythmus ihrer Anleitungen den Lernenden hilft, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels zu erfahren, und passt ihre Rhythmisierung gegebenenfalls an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die zur Verfügung stehende Zeit knapp wird, überlegt sie sich in Bezug auf die angestrebten Lernziele und Kompetenzen, welche geplanten Schritte unverzichtbar sind und bei welchen Schritten es vertretbar ist, sie in einer immer noch stimmigen Minimalvariante zu gestalten oder auf sie zu verzichten. Wenn es den Lernenden hilft, sich im Ablauf zu orientieren und ihn zu verstehen, erklärt und begründet sie ihre Anpassungen. Sie erinnert die Lernenden in passenden Momenten an die vorgesehene oder angepasste Zeitplanung.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.5 Fachsprachliche Dokumentation, Reflexion und zyklische Selbstevaluation der Lernprozesse ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass die Lernenden bewusst und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie ihre Lernprozesse unter Verwendung der Fachsprache dokumentieren. In der Kinästhetik haben insbesondere die Lernprozesse in Bewegungserfahrungen einen flüchtigen Charakter. Deshalb unterstützt es das Lernen, wenn sie zeitnah in geeigneter Form dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Den förderlichen zyklischen Charakter des Lernens macht wesentlich aus, dass die Lernenden regelmäßig ihre Lernprozesse bis zum aktuellen Zeitpunkt reflektieren, evaluieren und so die Abfolge von zusammengehörigen Lernschritten im Kreis schließen. In der Kinästhetik sind Reflexion und Selbstevaluation stehende Elemente der Gestaltung der Lernumgebung. Oft wird dazu der Vergleich mit der persönlichen Ausgangslage herangezogen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Lernenden halten dabei fest, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben. Sie ermitteln ihre Lernfortschritte im Vergleich mit ihrer Ausgangslage, aber auch Vertiefungsmöglichkeiten, den weiteren Lernbedarf und offene Fragen. Sie verknüpfen diese Reflexionen und Selbstevaluationen mit ihren Praxisthemen bzw. der Bedeutung für ihren beruflichen oder privaten Alltag. Dies trägt dazu bei, dass sie bis zur nächsten Reflexion und Selbstevaluation motiviert, gezielt und nachhaltig weiterlernen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen Dokumentationen, Reflexionen und Selbstevaluationen leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Lernenden die Fachsprache der Kinästhetik bewusst und differenziert verwenden lernen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre Lernprozesse regelmäßig zu dokumentieren. Sie ermöglicht ihnen, durch regelmäßige individuelle Reflexionen und Selbstevaluationen ihren aktuellen Stand mit ihrer Ausgangslage zu vergleichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie lässt die Lernenden einschätzen, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben und wo weiterer Lern- und Vertiefungsbedarf oder offene Fragen bestehen. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, z. B. mit dem Instrument der Bildungsfelder festzustellen, wo sie innerhalb oder außerhalb der angestrebten Ziele wichtige Lernprozesse gemacht haben. Sie lässt die Lernenden festhalten, welche Bedeutung ihre Lernprozesse für die Situationen ihrer Lebenswelt haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie unterstützt die Lernenden, bei der Dokumentation, Reflexion und Selbstevaluation die kinästhetische Fachsprache treffend zu verwenden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.6 Fremdeinschätzung durch Bewegungsinteraktion, Austausch und Reflexion ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen zyklischen Reflexionen und Selbstevaluationen können durch Fremdeinschätzungen wesentlich unterstützt werden. Sie ergänzen die Beurteilung des eigenen Lernprozesses durch die Außenperspektive anderer Personen. Oft fällt es diesen insbesondere leichter, die Lernfortschritte klar herauszustellen und zu würdigen. Ihre Perspektive kann aber auch dabei helfen, die Einschätzung des weiteren Lernbedarfs zu ergänzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist dabei die Bewegungsinteraktion von besonderer Bedeutung. Für die TrainerIn ist sie der geeignetste Weg, um die Bewegungskompetenz von Lernenden und ihren Entwicklungsbedarf einschätzen zu können. Auch durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Lernenden und die anschließenden gemeinsamen Reflexionen erhalten Lernende auf der Grundlage der konkreten Erfahrung Hinweise darauf, wie differenziert und angepasst sie ihre Bewegungskompetenz in Interaktionen über Berührung und Bewegung einsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Bewegungsinteraktion, den Austausch und die gemeinsame Reflexion mit anderen Teilnehmenden oder der TrainerIn wird die Selbstevaluation unterstützt. Die daraus entstehenden Unterschiede der Wahrnehmungen, Erfahrungen und ihrer Beschreibung können helfen, die eigenen Lernprozesse aus anderen Perspektiven zu reflektieren, zu evaluieren und präziser zu beschreiben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein sind der Austausch und die gemeinsame Reflexion von Lernschritten mit anderen Lernenden oder mit der TrainerIn eine Möglichkeit, dass Lernende eine Fremdeinschätzung bekommen, die für das eigene Lernen förderlich sein kann.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, durch die gemeinsame Reflexion von Lernschritten und insbesondere durch den Austausch und die gemeinsame Reflexion nach Bewegungsinteraktionen Unterschiede der Erfahrungen und ihrer Beschreibung festzustellen sowie eine Fremdeinschätzung zu erhalten. Sie selbst nutzt dazu die Interaktion über Berührung und Bewegung mit möglichst allen Lernenden, Rückmeldungen in konkreten Praxissituationen oder auch Einzel- und Gruppengespräche.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie macht den Lernenden durch ihre Fremdeinschätzung sachbezogen und wertschätzend deutlich, wie weit sie die angestrebten Ziele erreicht haben und auf welche Kriterien sie achten können, um weitere Lernfortschritte zu machen. Sie setzt sich dafür ein, dass sich auch die Lernenden gegenseitig sachbezogene und wertschätzende Rückmeldungen geben.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.5 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.1 Einen wechselseitigen respektvollen Umgang fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, ungestört und gerne lernen, kann dadurch geleistet werden, dass das gemeinsame Lernen durch einen wechselseitigen respektvollen Umgang geprägt wird. Dies gilt sowohl für den Umgang der TrainerIn mit den Lernenden als auch für den Umgang der Lernenden untereinander. Ist dies nicht der Fall, kann die Qualität der Lernprozesse stark beeinträchtigt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn respektiert die Persönlichkeit der einzelnen Lernenden und lebt einen respektvollen Umgang vor. Sie gibt in der gegebenen Situation zu erkennen, dass sie umgekehrt einen angemessenen Respekt erwartet. Sie thematisiert, wenn eine Situation dazu Anlass gibt, den Wert des wechselseitigen respektvollen Umgangs und trifft gegebenenfalls gemeinsam mit den Lernenden diesbezügliche Absprachen. Sie geht auf Störungen ein, ohne sie zuungunsten der Lernprozesse anderer Lernender überzubetonen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.2 Die Lernprozesse der Lernenden in den Mittelpunkt stellen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende intensiv lernen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung so gestaltet wird, dass die Lernprozesse der Lernenden und die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Lerninhalten im Mittelpunkt stehen. Die TrainerIn unterstützt und begleitet dies in der Kinästhetik insbesondere mit ihrer Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zentrierung auf die Lernprozesse der Lernenden und das gemeinsame Lernen kann formal dadurch erreicht werden, dass trainerzentrierte Phasen der Gestaltung der Lernumgebung so kurz wie möglich gehalten werden. Inhaltlich kann es dadurch erreicht werden, dass die Gestaltung der Lernumgebung sach- und situationsbezogen ist und nicht die eigene Person, die eigene Kompetenz und das eigene Wissen in den Vordergrund stellt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt in ihrer Gestaltung der Lernumgebung hauptsächlich den Lernenden Raum für ihre eigenen Lernprozesse und das gemeinsame Lernen zur Verfügung. Sie beschränkt Phasen, in denen sie im Mittelpunkt steht, auf das Nötige. Sie lässt die Lernenden erfahren, dass ihre Rolle hauptsächlich diejenige der kompetenten LernbegleiterIn ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu setzt sie ihr Fachwissen und in Bewegungsinteraktionen insbesondere ihre Bewegungskompetenz ein. Sie vermeidet es, gegenüber anderen Meinungen oder Verhaltensweisen das eigene (Besser-)Wissen in den Vordergrund zu stellen, sondern argumentiert möglichst sachbezogen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.3 Lernen in Partner- und Gruppenarbeit fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert und erweitert werden, dass es sich in Partner- oder Gruppenarbeit vollzieht. Dadurch entstehen Unterschiede zu den eigenen Annahmen, Erklärungen, (Bewegungs-)Erfahrungen, Wahrnehmungen und ihrer sprachlichen und fachsprachlichen Dokumentation. Diese Unterschiede können helfen, das eigene Lernen und die eigenen Erkenntnisse zu reflektieren sowie gegenüber anderen Personen genauer und verständlicher zu beschreiben. Die eigenen Lernprozesse werden durch den Austausch und Abgleich erweitert und bereichert.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht immer wieder Lernen zu zweit oder in Gruppen. Dieses betrifft insbesondere die Bewegungsinteraktion mit anschließender gemeinsamer Reflexion und fachsprachlicher Dokumentation. Die TrainerIn gibt den Lernenden ebenso die Möglichkeit zum Austausch über Annahmen, Erfahrungen und Erkenntnisse und deren Beschreibung. Sie unterstützt gegebenenfalls die Bildung von Lerngruppen, die gemeinsames Lernen in Bezug auf Praxis und Theorie pflegen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.4 Lernen durch Lehren fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende ihre Lernprozesse vertiefen, festigen und für andere strukturiert und verständlich aufbereiten, kann durch die Methode des Lernens durch Lehren geleistet werden. Seit der Antike wird der Ansatz „Durch Lehren lernen wir“ (Docendo discimus) vertreten. Die Methode trägt dazu bei, dass sich Lernende mit den Lerninhalten und -zielen persönlich identifizieren und sie selbst und nicht die TrainerIn im Mittelpunkt stehen (vgl. oben).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gruppenpuzzle ist eine hervorragende Methode dazu, dass Lernen durch Lehren allein und gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und reflektiert wird. Lernen durch Lehren kann in der Kinästhetik insbesondere für unterschiedliche Anleitungssituationen in Übereinstimmung mit den entsprechenden angestrebten Kompetenzen und Lernzielen verwendet werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, Themen vorzubereiten, die in Bezug auf die angestrebten Kompetenzen und Lernziele geeignet sind, und zu diesen Themen Lernumgebung für andere Lernende oder die ganze Gruppe zu gestalten. Sie sorgt dafür, dass den Lernenden die Lerninhalte und Materialien zur Verfügung stehen, und unterstützt gegebenenfalls die Lernenden in der Vorbereitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie ermöglicht den Lernenden, ihre Gestaltung der Lernumgebung für sich oder gemeinsam zu reflektieren, und achtet darauf, dass sie sachliche und wertschätzende Rückmeldungen erhalten. Sie verwendet das Gruppenpuzzle oder Lernen durch Lehren für unterschiedliche Anleitungssituationen, die für die Lebenswelt und für die Praxissituationen der Lernenden relevant sind.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.6 Verständliche Aufgabenstellungen sowie Einrichtung, Materialien und Medien zweckdienlich zur Verfügung stellen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.1 Anleitungen und Aufgabenstellungen klar und eindeutig gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie gezielt, konzentriert und der Absicht entsprechend sich Lernende mit den Lerninhalten auseinandersetzen können, ist davon abhängig, wie gut sie die Anleitungen und Aufgabenstellungen verstehen. Dies wird wesentlich davon beeinflusst, wie verständlich und eindeutig diese formuliert, erklärt und gestaltet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Deshalb ist es wichtig, Aufgabenstellungen wohlüberlegt und sorgfältig zu formulieren und darzustellen. Ebenso wichtig ist sicherzustellen, dass die Lernenden die Aufgabenstellung und ihre Absicht genau verstehen und wissen, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn Lernende mithilfe einer Aufgabenstellung selbstständig arbeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den Anleitungen von Einzel- oder Partnererfahrungen sind in den einzelnen Anleitungsaussagen die Klarheit und Verständlichkeit von besonderer Bedeutung. Je präziser die Lernenden verstehen, was sie tun und auf welchen Blickwinkel sie dabei achten sollen, desto konzentrierter und differenzierter können sie die entsprechenden Unterschiede in sich wahrnehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Präzision der Anleitungsaussagen erlaubt es, dass sich die Lernenden im Lauf der Anleitung auf längere Phasen der Eigenerfahrung einlassen können. Wenn immer wieder nachgefragt werden muss, wie die Anleitung gemeint ist und worauf geachtet werden soll, fällt die fragende Person und die ganze Gruppe aus ihren Erfahrungen und ihrer Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn formuliert, erklärt und gestaltet ihre Anleitungen und Aufgabenstellungen wohlüberlegt und möglichst klar und eindeutig. Sie erklärt möglichst genau, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn möglich, verdeutlicht sie die Aufgabenstellung und ihre Absicht mit unterschiedlichen Darstellungsformen (mit kleinen beispielhaften Bewegungsanleitungen, schriftlich, mündlich, symbolisch, bildlich, mit Beispielen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dies leistet einen wertvollen Beitrag dazu, das Verständnis der Aufgabenstellung bei den Lernenden sicherzustellen. Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten, sich jederzeit die Aufgabenstellung bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie ihre Anleitungsaussagen und deren Rhythmus den Lernenden helfen, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels wahrzunehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gegebenenfalls passt sie ihre Formulierungen und Aussagen an. Sie achtet insbesondere bei der Anleitung von längeren Phasen der Eigenerfahrung darauf, dass die Lernenden möglichst genau wissen, wie sie auf welche Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung achten sollen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.2 Zweckdienlich Materialien bereitstellen und den Schulungsraum einrichten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag zu einer lernfördernden Atmosphäre und zu einer leichten und flüssigen Organisation der Gestaltung der Lernumgebung kann dadurch geleistet werden, dass die Einrichtung des Schulungsraumes sowie die Lern-, Unterrichts- und Moderationsmaterialien oder Medien zweckdienlich vorbereitet sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie sollen für die Benutzung leicht zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Flipcharts o. Ä. mit wenigen Stichworten oder bildlichen Darstellungen können spontan gestaltet werden. Wenn sie einen umfänglicheren Inhalt haben (Zeitplanung, Strukturen/Abläufe, Aufgaben usw.), ist es empfehlenswert, sie vorzubereiten oder vorgedruckte Materialien zu verwenden, damit nicht Zeit unnötig verloren geht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit bestimmte Informationen oder Dokumentationen von Lernprozessen den Lernenden jederzeit zur Verfügung stehen, können sie im Schulungsraum gut sichtbar aufgehängt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu beachten ist ein gewisses Maß an Materialien und Medien: Die Gestaltung der Lernumgebung wird nicht desto besser, je mehr Materialien und Medien zum Einsatz kommen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt vor dem Bildungsangebot die benötigten Materialien und Medien zusammen. Sie richtet den Schulungsraum so ein, dass sich die Lernenden willkommen und in lernfördernder Atmosphäre fühlen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle benötigten Materialien und Medien sollen zweckdienlich bereitgestellt und für alle Beteiligten leicht zugänglich sein. Die TrainerIn kann z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Stühle, Matten, Unterrichtsmaterial pro Teilnehmende bereitstellen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• einen Tisch mit Büchern/Infomaterial vorbereiten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Pinwände aufstellen und vorgedruckte Lehrmaterialien aufhängen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Geräte zum Abspielen von Videos oder Tonaufnahmen einrichten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Moderationsmaterialien und anderes Material wie Dokumentationswerkzeuge, Schreibzeug, Blocs, Betten usw. bereitstellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie achtet dabei auf ein angemessenes Maß an Materialien und Medien.&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;3 Glossar der pädagogischen Fachbegriffe&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Pädagogik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Pädagogik ist ein Wissenschaftszweig, der die Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung zum Thema hat. Der Begriff Erziehungswissenschaft wird gleichbedeutend oder als pädagogischer Teilbereich, der sich auf die Erziehung fokussiert, verwendet. Aus herkömmlicher Perspektive betrifft die Pädagogik Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, im heutigen Verständnis schließt sie Erziehungs- und Bildungsfragen in Bezug auf Menschen jeden Alters ein. In expliziter Abgrenzung wird in diesem Zusammenhang u. a. der Begriff Erwachsenenbildung verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Didaktik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Didaktik ist die wissenschaftliche Lehre vom Lehren und Lernen. Sie gilt als ein zentraler Teilbereich der Pädagogik. Im herkömmlichen Sinn bezeichnet sie die Lehre des Unterrichtens, im heutigen Sinn umfasst sie die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens, weil diese beiden Themen als untrennbar verbunden betrachtet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es kann zwischen allgemeiner Didaktik und Fachdidaktik(en) unterschieden werden. Die allgemeine Didaktik befasst sich mit Lehren und Lernen unabhängig von Lerninhalten oder -themen bzw. von Fächern oder Fachgebieten. Aufgrund des Fehlens einer allgemein anerkannten umfassenden Lerntheorie bzw. der Abhängigkeit der allgemeinen Didaktik vom zugrunde liegenden Lernverständnis gibt es unterschiedliche allgemeindidaktische Modelle oder Konzepte. Beispiele sind die konstruktivistische, evolutionäre oder lerntheoretische Didaktik. Fachdidaktiken befassen sich mit Lehren und Lernen in Bezug auf spezifische Fächer, Fachgebiete oder Lerninhalte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Methodik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Methodik ist die wissenschaftliche Lehre von geregelten, planmäßigen Verfahrens- oder Vorgehensweisen des Lehrens bzw. Lernens auf ein bestimmtes Ziel hin. Methodik ist ein pädagogischer Teilbereich, der je nach Auffassung von der Didaktik abgegrenzt oder ihr bei- oder untergeordnet wird. Die enge Verbindung der beiden Teilbereiche zeigt sich in den häufigen Fügungen „Methodik und Didaktik“ oder „methodisch-didaktisch“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Methodik befasst sich mit der praktischen Vorgehensweise beim Lehren bzw. Lernen und der geregelten Abfolge der einzelnen Schritte zur Zielerreichung. Ihre Themen sind weitreichend und umfassen z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Unterrichtsmethoden wie Frontal-, Werkstatt- oder Projektunterricht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Sozial- und Arbeitsformen wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit sowie konkretere methodische Großformen wie Gruppenpuzzle, Rollenspiel oder in der Kinästhetik Lernzyklus oder Lernspirale,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• den Einsatz von Arbeitsunterlagen, Unterrichtsmaterialien und Medien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es existieren unterschiedliche Systematisierungen der Methodik, da sie vom jeweiligen pädagogischen Betrachtungswinkel abhängig sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernumgebung, Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Traditionell werden unter Lernumgebung oder Unterrichtskontext vorgegebene Faktoren verstanden, die die Rahmenbedingungen der Lehr- und Lernprozesse bilden. In der Kinästhetik und vermehrt in der modernen Pädagogik (z. B. bei Diethelm Wahl) werden die Begriffe Lernumgebung und Gestaltung der Lernumgebung in dem Sinn verwendet, dass Lernen immer ein selbstgesteuerter innerer Prozess ist, auf den von außen nicht direkt ursächlich oder kausal eingewirkt werden kann. Deshalb werden in der Kinästhetik diese Begriffe zur Bezeichnung des Unterrichts bzw. des Unterrichtens oder der Lehrtätigkeit verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Kompetenz&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Kompetenz wird in der Pädagogik unterschiedlich definiert. Im Sinn von tauglichen Kurzdefinitionen kann sie als die erlernte Fähigkeit zu einem erfolgreichen Verhalten in der Praxis, zur Problemlösung oder auch als die Disposition zur Praxisbewältigung umrissen werden. Sie setzt sich in diesem Sinn aus Wissen, Können/Handeln und Wollen zusammen. Entsprechend werden Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen als Kompetenzressourcen bezeichnet. In ihrem Zusammenspiel – und nicht in ihrer Summe – bilden sie die Grundlagen von Kompetenzen. Bestimmte Definitionen des Kompetenzbegriffs weisen zusätzlich auf motivationale und soziale Aspekte des Kompetenzbegriffs hin.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine gewisse Übereinstimmung aktueller Kompetenzdefinitionen besteht darin, dass sich Kompetenz in unterschiedlichen Situationen aus einem Bereich der Lebenswelt zeigt. Das kompetente Verhalten in einer bestimmten konkreten Situation wird dabei von einigen AutorInnen als Performanz bezeichnet und vom Kompetenzbegriff abgegrenzt. Aktuelle Curricula bauen sehr oft auf dem Verständnis des Kompetenzbegriffs auf und beschreiben im Kern die angestrebten Kompetenzen und Kompetenzressourcen in bestimmten Handlungsfeldern und ihren Situationen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine aktuelle Kompetenzdefinition, an der sich die Weiterentwicklung der Curricula der Bildungsangebote der European Kinaesthetics Association orientiert, ist diejenige von Gianni Ghisla:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Als Kompetenz wird zuerst einmal die Fähigkeit von individuellen oder kollektiven Subjekten verstanden, eine Klasse von Situationen, allenfalls eine einzelne Situation, erfolgreich zu meistern und somit eine Tätigkeit zu vollziehen. Um in Situationen kompetent zu sein, bedarf es der Aktivierung von individuellen oder gruppengebundenen Ressourcen, nämlich von Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen.“ (Ghisla 2008, S. 21)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Kompetenz liegt also nicht einfach in den Ressourcen (Kenntnis, Fähigkeiten und Haltungen), aus denen sie in der jeweiligen Situation entsteht und auch nicht in der Summe, sondern im Akt der kreativen und funktionalen Kombination und Mobilisierung dieser Ressourcen in Situationen.“ (Ghisla 2008, S. 24 f.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernziel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernziele sind die angestrebten Ziele des Lernens. Da Lernen ein zielorientierter innerer Prozess ist, sind die individuellen Lernziele der einzelnen Lernenden ausschlaggebend. Im Idealfall können sich Lernende mit von außen vorgegebenen oder vorgeschlagenen Lernzielen identifizieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aufgrund ihres Abstraktionsgrades kann zwischen Leit- oder Richtzielen, Grob- und Feinzielen unterschieden werden. Ausgehend vom Kompetenzbegriff können Lernziele bestimmte Kompetenzen oder zugrunde liegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen betreffen. Gängig ist die entsprechende Unterscheidung zwischen kognitiven, psychomotorischen und affektiven Lernzielen. Im Bereich des Wissens hat sich die Taxonomie der kognitiven Lernziele nach Bloom als hilfreich und sinnvoll erwiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Klar definierte und den Lernenden bekannte Lernziele mit ihren Beurteilungskriterien sind für die faire Überprüfung ihrer Erreichung elementar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lerninhalt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lerninhalt bezeichnet den Gegenstand des Lernens oder das Thema, mit dem sich Lernende auseinandersetzen. Dabei kann es um theoretische oder praktische Inhalte gehen. Bis weit ins 20. Jahrhundert orientierten sich Lehrpläne an den Inhalten und Stoffen. Sie schrieben vor, welche Inhalte wann zu behandeln waren. Viele Inhalte wurden als Wert an sich betrachtet (z. B. Goethe, Faust). Welche Lernziele oder Kompetenzen die Auseinandersetzung mit ihnen verfolgte, war im Gegensatz zu heute nicht oder kaum Thema.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernprozess&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernprozess bezeichnet den Vorgang oder Verlauf des Lernens.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Sozialform&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Sozialform ist ein didaktischer Fachbegriff. Er beschreibt die Möglichkeiten der Beziehung oder Interaktionen, in der Lernende untereinander bzw. zu den Lehrenden in den einzelnen Phasen eines Lernprozesses stehen. Es kann zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit (immer mit oder ohne Betreuung durch Lehrende auf Anfrage) und Klassenunterricht unterschieden werden. Auch im Klassenunterricht kann die Sozialform unterschiedlich ausgestaltet werden (Lehrvortrag, Präsentation von Lernergebnissen durch Lernende, offene Diskussion usw.).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Konstruktion, Wissenskonstruktion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Im Rahmen der Erkenntnistheorie bezeichnet Konstruktion eine grundlegende kybernetische Annahme, wie der Mensch Informationen verarbeitet. Sie geht davon aus, dass Reize jeglicher Art (physikalische, chemische usw., innere, äußere) vom Menschen bzw. von seinen körperlichen Rezeptoren nicht in einem objektiven Sinn wie von einem technischen Aufnahmegerät registriert oder abgebildet werden. Vielmehr werden sie von jedem einzelnen Individuum subjektiv und gemäß seinem eigenen Funktionieren errechnet oder konstruiert – oder auch nicht oder höchstens unterbewusst wahrgenommen. Das bedeutet, dass sie in die individuellen Strukturen der eigenen Erfahrung und des eigenen Wissens eingebettet werden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff Wissenskonstruktion verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Rhythmus, Rhythmisierung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;In der Pädagogik werden die Begriffe Rhythmus und Rhythmisierung insbesondere im Kontext von Ganztagesschulen verwendet. Dabei geht es darum, Tagesabläufe z. B. mit stehenden Elementen des Ein- und Ausstiegs oder dem Wechsel von Arbeits- und Erholungsphasen oder der Sozialformen an die Zielgruppe angepasst zu gestalten. Der Begriff Rhythmisierung kann auch für die Gestaltung einer Lernsequenz in Bezug auf die Dauer, das Tempo und die Gewichtung der einzelnen Lernschritte der gesamten Lernsequenz verwendet werden. In der Kinästhetik spielt die Rhythmisierung in diesem Sinn insbesondere in Anleitungen zu Bewegungserfahrungen eine wichtige Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;4 Anhang: Kurzfassung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kurzfassung der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik ist ein auf das Wesentliche beschränkter Kriterienkatalog zur Beurteilung und Evaluation der eigenen oder fremder Gestaltung der Lernumgebung in Kinaesthetics-Bildungsangeboten. Sie steht auch als gesonderte Publikation zur Verfügung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten Prozess ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:2 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:3 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:4 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Text oben.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6139</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6139"/>
		<updated>2025-11-08T15:07:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien in Wikisyntax&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;2 Lernverständnis und Grundprinzipien&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.1 Einleitung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.1 Bezüge zum Menschenbild&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die nachfolgend dargestellten Grundprinzipien haben enge Bezüge zum zugrunde liegenden Menschenbild. So hat z. B. das erste Grundprinzip „Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen“ einen besonders engen Zusammenhang mit den Inhalten des einleitenden Kapitels „1.2.2. Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie“. Lernen als aktiver und konstruktiver Prozess schließt sich eng an die Bedeutung des Aphorismus „Jedes Erkennen ist Tun, und jedes Tun ist Erkennen“ an, Lernen als selbstgesteuerter Prozess an die kybernetische Grundidee der Selbstregulation und Autonomie usw. Explizite Hinweise auf diese Bezüge würden den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.2 Darstellung der Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Folgenden werden die einzelnen Grundprinzipien an erster Stelle mit lerntheoretischen Überlegungen und Annahmen dargestellt. Sie erläutern und begründen das zugehörige Lernverständnis. Dieses wird hier nicht mit Fachliteratur belegt. Eine mit Quellenangaben belegte Darstellung der Lerntheorie der Kinästhetik findet sich im Artikel „Lernen (Kinästhetik)“ des Kinaesthetics-Online-Fachlexikons (KOFL).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;An zweiter Stelle wird jedes Grundprinzip mit Umsetzungsmöglichkeiten konkretisiert.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.3 Ziel und Zweck der Darstellung&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Darstellung verfolgt das Ziel, pädagogisch-didaktische Aspekte der Gestaltung der Lernumgebung hochgradig zu differenzieren. Dies soll TrainerInnen helfen, ihre konkreten Gestaltungen der Lernumgebung möglichst differenziert zu reflektieren, zu begründen und anzupassen. In der Realität greifen die Grundprinzipien ineinander und sind oft eng miteinander verbunden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.4 Bezüge zu methodischen Großformen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Grundsätzlich kann jedes Grundprinzip mit unterschiedlichen Methoden in der konkreten Gestaltung der Lernumgebung umgesetzt werden. Deshalb werden hier insbesondere methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Lernpuzzle höchstens angedeutet. Sie stützen sich in ihrer Anlage auf viele Grundprinzipien der Kinästhetik und werden in anderen Publikationen dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.5 Kürze und Einheitlichkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Formulierungen zielen bewusst auf Kürze und Einheitlichkeit. Für die Lehrperson wird durchgängig der Begriff „TrainerIn“ verwendet, für die Teilnehmenden eines Bildungsanlasses „Lernende“, für Unterricht „Gestaltung der Lernumgebung“ usw.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.2 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.1 Eigenaktivität und eigene Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein aktiver innerer Prozess. Lernen bedeutet eigenes Tun, bedeutet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten durch eigenes Handeln, Erleben und Erfahren. Diesbezüglich spielen in der Kinästhetik Bewegungserfahrungen grundsätzlich und insbesondere zur gezielten Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich mit den Lerninhalten durch eigenes Tun, aktives Handeln und Erfahren, das über bloßes Zuhören oder Zuschauen hinausgeht, auseinanderzusetzen. Sie ermöglicht ihnen ebenso, das eigene Tun und Erfahren selbst zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie leitet Einzel- und Partnererfahrungen mit spezifischen Blickwinkeln und passenden Unterschieden an. Diese Bewegungserfahrungen ermöglichen es den Lernenden, mit ihrer Bewegungswahrnehmung Unterschiede gezielt in sich selbst zu erfahren und ihre kinästhetische Wahrnehmung in unterschiedlichen alltäglichen Aktivitäten eigenaktiv zu sensibilisieren.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.2 Individuelles Konstruieren ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein konstruktiver innerer Prozess. Das meint, dass Lerninhalte mit den individuellen Strukturen des Wissens und der Erfahrungen verknüpft werden. Sie werden in die eigenen Fragestellungen und Annahmen eingebettet. In Lernprozessen erweitern Lernende ihre eigenen Wissens- und Erfahrungsstrukturen oder bauen sie neu auf.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre eigenen Fragen an die Lerninhalte zu stellen und ausgehend von den Lerninhalten und ihren Wissens- und Erfahrungsstrukturen ihre eigenen Lernthemen zu definieren. Sie ermöglicht ihnen, ihre persönlichen Antworten zu „konstruieren“ und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn gestaltet ihre Fragestellungen, Aufgaben und Anleitungen offen und nicht so, dass sie auf ihren „Input“ einen bestimmten, einzig richtigen „Output“ der Lernenden erwartet. Sie trivialisiert weder die Lerninhalte noch die Lernenden (vgl. Heinz von Foerster, https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/Maschinen_(triviale_und_nichttriviale)).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fakten und eindeutig beantwortbare Problemstellungen werden grundsätzlich nicht erfragt, sondern als solche dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.3 Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein selbstgesteuerter und autonomer („eigengesetzlicher“) innerer Prozess. Was und wie die einzelnen Lernenden lernen, bestimmen letztlich nur sie selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ihr Lernen ist abhängig von den individuellen Regeln (oder „Gesetzen“), nach denen sie ihr ganzes Verhalten regulieren. Lernprozesse werden von der TrainerIn und ihrer Gestaltung der Lernumgebung beeinflusst und bestenfalls unterstützt, können aber von ihr nicht direkt gesteuert oder bestimmt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn erwartet nicht, dass alle Lernenden durch ihre Gestaltung der Lernumgebung im gleichen Moment dasselbe wahrnehmen, verstehen und daran anknüpfen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie geht nicht davon aus, dass alle Lernenden zum gleichen Zeitpunkt die gleichen Lernprozesse durchlaufen müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die einzelnen Lernschritte so, dass ein individueller Spielraum entstehen kann und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht und unterstützt wird.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.4 Die zirkuläre Verbindung von Erfahrung und Theorie ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist in Bezug auf Lernen das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ gängig. Es ist eine bewusste Umkehrung des traditionellen Unterrichtens nach dem Motto „Erst die Theorie, dann die Praxis“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Begriff Theorie meint dabei die (rein) begriffliche und abstrakte Betrachtungsweise von Phänomenen oder Tatsachen bzw. ihrer Gesetzlichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Gestaltung der Lernumgebung ist das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ eine wertvolle Leitlinie, um Lernende z. B. das theoretische Konzeptverständnis aus Bewegungserfahrungen handelnd und selbstgesteuert erarbeiten zu lassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ihr praktisches Tun und Erfahren gezielt zu Lernen und Erkenntnissen führt, brauchen Lernende allerdings immer bestimmte Blickwinkel oder Kriterien bzw. ein Mindestmaß an vorgängiger „Theorie“. Nur so können sie zielgerichtet auf ihre konkreten Erfahrungen achten und sie hinsichtlich theoretischer Erkenntnisse und Regeln reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Motto „Von der Erfahrung zur Theorie“ kann somit dahingehend präzisiert werden, dass es darum geht, Erfahrung und Theorie in einem zeitnahen zirkulären Wechselspiel zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei verbinden die einzelnen Lernenden ihre konkreten Erfahrungen, ihr Tun und Handeln in fortgesetzter Zirkularität mit ihrer Konstruktion und Reflexion von Wissen und Annahmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch können sie ebenso lernen, die kinästhetische Fachsprache passend zu verwenden. Bei diesen Lernprozessen können der Austausch und Abgleich mit anderen Personen eine wichtige Rolle spielen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All dies unterstützt wesentlich den Aufbau oder die Erweiterung ihrer Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn schafft die Voraussetzungen, dass die Lernenden ihre Kompetenzen in einem engen und zeitnahen zirkulären Wechselspiel von eigener Erfahrung und theoretischer Wissenskonstruktion entwickeln können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei berücksichtigt sie das Vorwissen der Lernenden. Sie geht nicht davon aus, dass Lernende zuerst ausführliche theoretische Kenntnisse erwerben müssen, um sie dann praktisch umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie vermeidet lange theoretische Erklärungen, die erst nachträglich mit eigenaktiver Tätigkeit verbunden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In einem zirkulären Wechselspiel verbindet die TrainerIn Schritt für Schritt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Anleitungen zu Erfahrungen und praktischen Auseinandersetzungen, durch welche die Lerninhalte veranschaulicht werden,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Aufträge, durch welche die Lernenden diese Inhalte auf der theoretischen Ebene herleiten, reflektieren und beschreiben können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht es, dass sich die Lernenden über ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und fachsprachlichen Beschreibungen austauschen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.5 Das Verständnis der Bedeutung der Innenperspektive fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In diesem Kapitel werden die vorausgehenden Grundprinzipien aus der Perspektive der 1.-Person-Methodik nach F. J. Varela (vgl. https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/1.-Person-Methode) zusammenfassend beleuchtet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorausgehenden Grundprinzipien erhalten in der Kinästhetik dadurch eine besondere Bedeutung, dass die fortgesetzte und vertiefte Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation ein zentraler Lerninhalt ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie jede Sinneswahrnehmung kann die Bewegungswahrnehmung nur dadurch sensibilisiert werden, dass die einzelnen Lernenden mit ihren individuellen Voraussetzungen selbst aktiv werden und die spezifische Achtsamkeit auf ihr kinästhetisches Sinnessystem immer wieder trainieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche Lernprozesse beruhen auf der Innenperspektive der einzelnen Lernenden. Es geht darum, unter spezifischen Blickwinkeln durch eigenes Tun in sich selbst danach zu suchen, wie fein welche Unterschiede durch die eigene Bewegungswahrnehmung erfahrbar werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der 1.-Person-Methodik steht das subjektive Erleben des „Ichs“ und seine selbstverantwortliche, individuelle Entwicklung im Zentrum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für viele Lernende ist dieses Lernen ungewohnt. Im traditionellen Unterricht geht es um allgemeingültiges, objektiv beschreibbares Wissen und Können. Es befindet sich gewissermaßen außerhalb von einem selbst und muss „verinnerlicht“ werden – wer das tut, bzw. das subjektive Erleben des „Ichs“ spielen dabei keine Rolle: Hauptsache, man lernt, wie man es richtig macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weil die Lernenden in ihrer bisherigen Lerngeschichte hauptsächlich dieses Lernverständnis erlebt haben, kann es für sie eine Herausforderung bedeuten, sich auf die eigene Innenperspektive und Wahrnehmung einzulassen und ihr zu vertrauen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für einen bewussten und nachhaltigen Lernprozess ist es von Bedeutung, diese inneren Erfahrungen in einem zirkulären Wechselspiel mit der Außenperspektive (z. B. durch schriftliche Texte, andere Personen usw.) zu entwickeln und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, dass der Lernprozess bei der Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung darauf abzielt, in der eigenen Bewegung individuell erfahrbare Unterschiede immer feiner wahrzunehmen und zu regulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es geht darum, die eigene Bewegung bzw. sich selbst zu begreifen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, warum und wozu es wichtig ist, dass sich die Lernenden immer wieder ausführlich und intensiv mit sich selbst bzw. der Sensibilisierung ihrer Bewegungswahrnehmung beschäftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu macht sie verständlich und erfahrbar, welche Bedeutung die damit angestrebten Kompetenzen für die Praxis haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie erklärt den Unterschied zwischen diesem Lernverständnis und der traditionellen Sicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, dass es z. B. nicht darum geht, die „objektive“ Beschreibung erfahrbarer Unterschiede des Konzeptsystems möglichst genau zu verstehen und dann richtig umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie fördert die bewusste Entwicklung der kinästhetischen Sensibilität der Lernenden durch das zirkuläre Wechselspiel von inneren Erfahrungen und äußeren Aspekten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Rolle spielen dabei die sprachliche Reflexion der eigenen Erfahrungen, die Bewegungserfahrung mit einer PartnerIn und der Abgleich mit deren Beschreibung oder mit schriftlichen Texten.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.3 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.1 Anschluss an individuelles Vorwissen und bisherige Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernprozesse schließen immer an das individuelle Vorwissen und die persönlichen bisherigen Erfahrungen der einzelnen Lernenden an. Sie können nur dort einsetzen, wo sich die einzelne Lernende diesbezüglich befindet. Damit Lernende einen persönlichen Anschluss an Lerninhalte finden können, ist es unabdingbar, dass sie sich bewusst machen können, auf welchem Vorwissen und auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie müssen feststellen können, welches in Bezug darauf ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn versteht, wo die Lernenden stehen und was sie beschäftigt, erhält sie eine Grundlage für einen passenden gemeinsamen Lernprozess. Sie kann vermeiden, dass sie die Lernenden unter- oder überfordert. Es ist sinnvoll, den Lernenden immer wieder Standortbestimmungen zu ermöglichen. Durch diese können sie in „neuen“ Ausgangslagen feststellen, wo sie stehen und wohin sie in Bezug auf die erforderlichen Kompetenzen gelangen wollen und sollen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden immer wieder auf und/oder lässt sie erfahren, auf welchem Vorwissen oder auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie ermöglicht ihnen festzustellen, wo sie in Bezug auf dieses Vorwissen oder diese Kompetenzen stehen und welche ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet z. B. ein Fallbeispiel aus der Lebenswelt der Lernenden und fragt sie nach persönlich erlebten Situationen mit gleichen oder ähnlichen Herausforderungen. Sie lässt die Lernenden anhand dieser Beispiele die eigenen beruflichen Fragen und erforderlichen Kompetenzen erarbeiten. Sie gleicht, wo nötig, die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen der Lerninhalte damit ab.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn versucht darauf aufbauend, durch ihre Frage-, Aufgabenstellungen und Anleitungen die Lernenden weder zu unterfordern noch zu überfordern. Sie schätzt fortlaufend ein, ob die einzelnen Lernenden und die Gruppe einen angemessenen herausfordernden Anschluss an die aktuellen Lernprozesse finden. Gegebenenfalls passt sie ihre Gestaltung der Lernumgebung individuell oder für die Gruppe entsprechend an.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.2 Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst werden lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik können Lerninhalte auf Erklärungsmodellen und Annahmen beruhen, die nicht gängig sind (z. B. „Der Mensch ist lebenslang lernfähig“). Es ist leicht möglich, dass sie damit in Widerspruch stehen, wie die Lernenden bisher zugehörige Phänomene erklärt haben (z. B. „Mit zunehmenden Alter verliert der Mensch die Lernfähigkeit“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen kann eine Widersprüchlichkeit zwischen den Annahmen der Lernenden, worum es im Bildungsangebot geht, und den tatsächlichen angestrebten Lernzielen und Kompetenzen bestehen. Lernende können z. B. davon ausgehen, dass es in der Kinästhetik um die richtigen Transfertechniken und Handgriffe geht. Demgegenüber zielt das Bildungsangebot vielmehr auf ein individuell anzupassendes gemeinsames Lernen mit unterstützungsbedürftigen Personen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn dies nicht immer wieder bewusst gemacht wird, kann eine solche Unvereinbarkeit das Lernen und den Kompetenzaufbau behindern. Denn insbesondere in Praxissituationen können die bisherigen eigenen Annahmen und Erklärungen das Handeln bestimmen. Das im Lernprozess thematisierte alternative Verhalten, das auf einer neuen Sichtweise beruht, kommt nicht zum Zug.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die jeweiligen Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst gemacht werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Lernende sowohl ihre Verhaltensmuster als auch ihre Erklärungsmodelle und Annahmen erweitern oder ändern. Zugleich wird es ihnen möglich, ihr Verhalten mit passenden Erklärungsmodellen zu begründen oder mit anderen abzugleichen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welche Annahmen und Erklärungsmodelle den Lerninhalten und -prozessen zugrunde liegen (z. B. „Der Mensch kann seine Bewegungskompetenz lebenslang erweitern“). Sie ermöglicht ihnen festzustellen, welche Annahmen und Erklärungsmodelle sie selbst bisher diesen Lerninhalten bzw. den zugehörigen Phänomenen zugrunde gelegt haben (z. B. „Im Alter werden Menschen natürlicherweise steif und unbeweglich und können nicht mehr lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten besser zu nutzen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden wiederholt, im zirkulären Wechselspiel mit Erfahrungen in Praxissituationen ihre eigenen Annahmen und Erklärungsmodelle zu reflektieren und mit anderen zu vergleichen, um Abweichungen und Übereinstimmungen zu erkennen. Dadurch verschafft die TrainerIn ihnen die Möglichkeit, ihr Verhalten und dessen Erklärungen bewusst zu erweitern oder zu verändern und es passend begründen zu lernen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.3 Die persönliche Bedeutung der Lerninhalte und eigenes Interesse entdecken lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, intensiv und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie die persönliche Bedeutung und Sinnhaftigkeit der Lerninhalte und -prozesse für sich selbst bzw. für ihre Lebenswelt und deren Situationen erkennen. Dazu wird den Lernenden immer wieder ermöglicht, den Nutzen zu erfahren und zu erkennen, den die Lerninhalte für sie selbst, für ihre Lebenssituationen oder daran beteiligte Personen haben. Die Lernenden können dadurch ein eigenes Interesse für die Zielsetzungen des Lernens entwickeln und sich mit diesen identifizieren. Wenn dies nicht der Fall ist, führen die Lernprozesse eher zu trägem Wissen, das keine Auswirkungen auf die Praxis hat, und kaum zur Erweiterung oder zum Aufbau von Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welches Ziel das Bildungsangebot im Ganzen verfolgt und zu welchen Kompetenzen bzw. Fähigkeiten, Kenntnissen und Haltungen in Lebenssituationen die Lerninhalte und -prozesse führen können. Sie ermöglicht den Lernenden, die Bedeutung und den Nutzen dieser Lerninhalte und -prozesse für sie selbst und ihre eigenen Lebenssituationen zu entdecken und ein persönliches Interesse an den Zielsetzungen zu entwickeln. Dazu gehört, dass sie den Lernenden ermöglicht, ihre eigenen Anregungen einzubringen und ihre persönliche Motivation und Zielsetzung zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage unter den vorausgehenden Aspekten hat eine besondere Bedeutung für die zyklische Gestaltung der Lernumgebung bzw. für die Reflexion und Einschätzung der eigenen Lernfortschritte (vgl. 2.4 und insbesondere 2.4.5).&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.4 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.1 Die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein grundsätzlicher Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, gezielt und nachhaltig lernen und die Schritte ihres Lernprozesses gezielter reflektieren und beurteilen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz und Nachvollziehbarkeit gestaltet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch kann den Lernenden bewusst werden, weshalb und wozu die Schritte der Gestaltung der Lernumgebung in der konkreten inhaltlichen Ausprägung aufeinander folgen oder angepasst werden und wie diese Strukturierung zu den angestrebten Kompetenzen führen soll. Desgleichen kann ihnen klar werden, welcher persönliche Spielraum des konkreten Vorgehens für sie demzufolge besteht.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich die Logik des inhaltlichen und methodischen Ablaufs im Ganzen bewusst zu machen. Idealerweise ist ihnen das jederzeit möglich, indem z. B. der Ablauf auf einer Flipchart festgehalten und im Kursraum aufgehängt wird. Die TrainerIn erklärt, wie die Strukturierung der Lernschritte zu den angestrebten Lernzielen oder Kompetenzen führen soll.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den einzelnen Schritten ihrer Gestaltung der Lernumgebung zeigt sie den Lernenden ebenso auf und/oder lässt sie erfahren, wie sie mit dem vorausgehenden Schritt zusammenhängen und welches der rote Faden ist, der die Schritte verbindet. Sie gewährt den Lernenden den möglichen individuellen Spielraum, wie sie einen Schritt gemäß seinem Sinn und der Logik des Ablaufs vollziehen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.2 Die Gestaltung der Lernumgebung strukturieren&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert werden, dass es sich im Großen in strukturierten Zyklen vollzieht. Damit gemeint sind wiederholte Folgen zusammengehöriger, aufeinander aufbauender Lernschritte, die inhaltlich kreisförmig abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wichtige Elemente solcher Zyklen sind die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage (vgl. Kapitel 2.3.) und die Reflexion des Lernprozesses, die einen Zyklus abschließt (vgl. 2.4.5). Lernmodelle und methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Gruppenpuzzle orientieren sich oft an dieser grundlegenden Struktur.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Strukturierung der Gestaltung der Lernumgebung im Großen kann Lernen ebenso dadurch gefördert werden, dass längere und kürzere Lernschritte sowie Erholungsphasen in einem organischen Wechsel aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Großen und im Kleinen gliedern sich erfolgreiche Lernprozesse zudem in grundlegende Entwicklungsschritte. Sie erscheinen oft selbstverständlich wie z. B. der Entwicklungsschritt eines Lernprozesses vom Einfachen zum Schwierigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche grundlegenden Entwicklungsschritte werden im Folgenden stichwortartig aufgelistet, und zwar nur in einer Entwicklungsrichtung. Je nach Situation und Kontext kann die bewusste Verwendung der gegenteiligen Richtung sinnvoll sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von großen, leicht erfahr- oder wahrnehmbaren Unterschieden zu feinen Unterschieden und Differenzierungen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der Einzelerfahrung zur Partnererfahrung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der „Laborsituation“ zur Integration und Anwendung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von geführten, eng angeleiteten oder begleiteten Lernprozessen zum selbstverantwortlichen Lernen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Konkreten zum Abstrakten&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Einfachen zum Schwierigen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus lerntheoretischer Perspektive ist es sinnvoll, Bildungsangebote im Großen und in den einzelnen Schritten entsprechend zu strukturieren. Es gilt darauf zu achten, dass durch diese Strukturierungen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn strukturiert ihr Bildungsangebot im Großen und dessen Teile gemäß der inneren zyklischen Logik des Lernmodells bzw. von methodischen Großformen wie des Lernzyklus oder der Lernspirale. Sie passt diese Strukturierung der Teile folgerichtig an die angestrebten Kompetenzen und Lernziele an. Sie strukturiert ihre Gestaltung der Lernumgebung im Kleinen und im Großen bewusst nach grundlegenden Entwicklungsschritten von Lernprozessen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die Lernumgebung in einem organischen Wechsel von längeren und kürzeren Lernschritten und längeren und kürzeren Erholungsphasen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie beobachtet, ob ihre Strukturierungen die gewünschte Wirkung zeigen und die Lernprozesse unterstützen, und passt sie gegebenenfalls an. Je nach Lernziel, Situation oder Verlauf der Lernprozesse ist es angebracht, mit den erwähnten Strukturierungen bewusst zu spielen und z. B. einen Schritt von der Komplexität zur Einfachheit und wieder zurück zur Komplexität zu bauen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.3 Unterschiedliche Sozialformen und Methoden aufeinander folgen lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Abfolge von unterschiedlichen passenden Sozialformen und Methoden werden die Lernenden darin unterstützt, sich vielfältig und differenziert mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Ebenso kann dadurch lernfördernde Abwechslung erreicht und hinderliche Eintönigkeit vermieden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft ergibt sich die Abfolge von Sozialformen und methodischen Schritten aus der methodischen Großform (Lernzyklus, Lernspirale usw.), die der Gestaltung der Lernumgebung zugrunde gelegt wird (vgl. vorausgehendes Kapitel). In Bezug auf die Sozialform sind trainerzentrierte Phasen so kurz wie möglich zu halten (vgl. auch 2.5.2).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dennoch können viele Lernziele in unterschiedlichen Sozialformen und durch unterschiedliche Methoden erreicht werden. Eine Reflexion des Lernprozesses kann z. B. in selbstständiger schriftlicher Einzelarbeit, im mündlichen Austausch mit anderen Lernenden oder angeleitet in der gesamten Gruppe erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ist nicht gemeint, dass zur Erreichung eines Lernziels immer wieder eine andere Methode eingesetzt werden sollte. Die Verwendung der gleichen Methode bzw. des gleichen Dokumentationsinstrumentes hat z. B. bei der Lernprozessreflexion bestimmte Vorteile: Wenn Lernende ihren Lernprozess mehrfach auf die gleiche Weise schriftlich und selbstständig reflektieren, reduziert sich der Anleitungsaufwand für die TrainerIn. Die Lernenden können Fortschritte im differenzierten Umgang mit der verwendeten Methode bzw. dem eingesetzten Dokumentationsinstrument machen. Zudem können die Lernenden die Resultate ihrer einzelnen Reflexionen besser vergleichen und auswerten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Andererseits kann eine alternative Methode wie der mündliche Austausch neue Perspektiven eröffnen und weitere positive Effekte haben, die sich bei der schriftlichen Einzelarbeit nicht ergeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es gilt darauf zu achten, dass durch die Strukturierung mit unterschiedlichen methodischen Formen und Sozialformen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet in ihrer Gestaltung der Lernumgebung unterschiedliche passende Sozialformen und Methoden. Sie geht dabei von den jeweiligen angestrebten Kompetenzen und Lernzielen des Bildungsangebots und der einzelnen Schritte aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie wechselt in Bezug auf die Sozialformen sinnvoll zwischen eher kurzem geführtem und eher langem selbstverantwortlichem Lernen allein, zu zweit oder in Kleingruppen. Sie nutzt Phasen von selbstverantwortlichem Lernen dazu, die einzelnen Lernenden oder Kleingruppen in ihrem Lernprozess zu unterstützen, aber auch dazu, in den Hintergrund zu treten und die Lernenden allein arbeiten zu lassen. Solche Phasen kann die TrainerIn dazu nutzen, ihre bisherige Gestaltung der Lernumgebung zu reflektieren und gegebenenfalls die geplante Fortsetzung anzupassen und vorzubereiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn berücksichtigt das Alter der Lernenden und ihren Bildungsstand in Kinästhetik. Erfahrungsgemäß brauchen Jugendliche mehr und schnellere Wechsel der Sozialformen und Methoden, um nicht gelangweilt zu werden. Lernende, die schon einige Kinästhetik-Bildungsangebote besucht haben, sind z. B. eher fähig, länger in eine Bewegungserfahrung einzutauchen oder sich selbstständig mit einer längeren Aufgabe auf der Grundlage der Lernspirale zu beschäftigen. Zudem können genau solche Themen Lernziele oder angestrebte Kompetenzen für fortgeschrittene Lernende sein.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.4 Die Gestaltung der Lernumgebung an den Verlauf der Lernprozesse anpassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus einigen vorausgehenden Grundprinzipien ergibt sich die Notwendigkeit der Prozessorientierung der Gestaltung der Lernumgebung. Anpassungen an den Verlauf der Lernprozesse können selten jeder einzelnen Lernenden gerecht werden. Für die eine Person könnte auf einen nächsten methodischen Schritt verzichtet werden, für die andere nicht, die eine Person würde lieber allein weiterarbeiten, die andere in der Gruppe, der einen Person geht es zu schnell, der anderen zu langsam, die eine bräuchte mehr Pausen, die andere weniger usw. Dennoch kann Lernen dadurch unterstützt werden, dass prozessorientierte Anpassungen mit einem intuitiven Blick auf den Lernprozess der gesamten Gruppe der Lernenden in Bezug auf ihre Erreichung der Lernziele und Kompetenzen erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Prozessorientierte Anpassungen können im Großen auf der Ebene der Strukturierung bzw. der Wahl von Methoden und Sozialformen erfolgen. Desgleichen gilt es, in den einzelnen Schritten auf den Rhythmus der Gestaltung der Lernumgebung zu achten. Die Rhythmisierung, d. h. die Gestaltung eines Schrittes in Bezug auf Dauer, Tempo und Gewichtung der Lerninhalte, kann bewusst an die Qualität der Lernprozesse angepasst werden. In der Kinästhetik ist dies eine besondere Herausforderung bei der Anleitung von Bewegungserfahrungen. Es geht dabei um die nur intuitiv beantwortbaren Fragen, wie lange die Lernenden die Konzentration auf die eigene Bewegungswahrnehmung halten können und wann sie eine nächste Anleitung brauchen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für alle Beteiligten ist es befriedigender, wenn Lernziele mit mehr zeitlichem Aufwand als geplant erreicht werden, als wenn ein Lernprozess aus zeitlichen Gründen stark verkürzt oder weit vor seinem befriedigenden Abschluss abgebrochen wird. Oft bleibt bei den Lernenden im zweiten Fall nur Verwirrung und Frustration zurück, worum es dabei gegangen ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn langsamer als geplant vorankommt, muss sie sich überlegen, welche weiteren Lernschritte hinsichtlich der angestrebten Lernziele und Kompetenzen unverzichtbar sind und wie sie ihre Planung entsprechend anpassen kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch wenn solche Anpassungen im Kleinen und im Großen die Qualität der Lernprozesse fördern, ist es wichtig, dass die angesetzten Zeiten für Beginn, Pausen und Ende sowie andere Fixpunkte wie Praxissequenzen oder Morgen- und Abendrunden den Lernenden eine verlässliche und verbindliche Orientierung geben. Ebenso gilt es, den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten in geeigneter Weise in Erinnerung zu rufen, wie viel Zeit für den aktuellen Lernschritt noch zur Verfügung steht oder um wie viel Zeit er verlängert wird.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn beobachtet den Verlauf der Lernprozesse und schätzt ihre Qualität in Bezug auf die Zielerreichung ein. Sie nutzt dazu auch kleine Zwischengespräche oder kurze Bewegungserfahrungen mit den Lernenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Je nach ihrer Einschätzung nimmt sie Anpassungen oder Umstellungen auf der Ebene der Strukturierung, der Wahl von Methoden oder Sozialformen oder auch der Rhythmisierung usw. vor. Sie verkürzt oder verlängert Schritte bzw. verlangsamt oder beschleunigt den Rhythmus ihrer Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie der Rhythmus ihrer Anleitungen den Lernenden hilft, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels zu erfahren, und passt ihre Rhythmisierung gegebenenfalls an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die zur Verfügung stehende Zeit knapp wird, überlegt sie sich in Bezug auf die angestrebten Lernziele und Kompetenzen, welche geplanten Schritte unverzichtbar sind und bei welchen Schritten es vertretbar ist, sie in einer immer noch stimmigen Minimalvariante zu gestalten oder auf sie zu verzichten. Wenn es den Lernenden hilft, sich im Ablauf zu orientieren und ihn zu verstehen, erklärt und begründet sie ihre Anpassungen. Sie erinnert die Lernenden in passenden Momenten an die vorgesehene oder angepasste Zeitplanung.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.5 Fachsprachliche Dokumentation, Reflexion und zyklische Selbstevaluation der Lernprozesse ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass die Lernenden bewusst und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie ihre Lernprozesse unter Verwendung der Fachsprache dokumentieren. In der Kinästhetik haben insbesondere die Lernprozesse in Bewegungserfahrungen einen flüchtigen Charakter. Deshalb unterstützt es das Lernen, wenn sie zeitnah in geeigneter Form dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Den förderlichen zyklischen Charakter des Lernens macht wesentlich aus, dass die Lernenden regelmäßig ihre Lernprozesse bis zum aktuellen Zeitpunkt reflektieren, evaluieren und so die Abfolge von zusammengehörigen Lernschritten im Kreis schließen. In der Kinästhetik sind Reflexion und Selbstevaluation stehende Elemente der Gestaltung der Lernumgebung. Oft wird dazu der Vergleich mit der persönlichen Ausgangslage herangezogen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Lernenden halten dabei fest, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben. Sie ermitteln ihre Lernfortschritte im Vergleich mit ihrer Ausgangslage, aber auch Vertiefungsmöglichkeiten, den weiteren Lernbedarf und offene Fragen. Sie verknüpfen diese Reflexionen und Selbstevaluationen mit ihren Praxisthemen bzw. der Bedeutung für ihren beruflichen oder privaten Alltag. Dies trägt dazu bei, dass sie bis zur nächsten Reflexion und Selbstevaluation motiviert, gezielt und nachhaltig weiterlernen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen Dokumentationen, Reflexionen und Selbstevaluationen leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Lernenden die Fachsprache der Kinästhetik bewusst und differenziert verwenden lernen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre Lernprozesse regelmäßig zu dokumentieren. Sie ermöglicht ihnen, durch regelmäßige individuelle Reflexionen und Selbstevaluationen ihren aktuellen Stand mit ihrer Ausgangslage zu vergleichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie lässt die Lernenden einschätzen, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben und wo weiterer Lern- und Vertiefungsbedarf oder offene Fragen bestehen. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, z. B. mit dem Instrument der Bildungsfelder festzustellen, wo sie innerhalb oder außerhalb der angestrebten Ziele wichtige Lernprozesse gemacht haben. Sie lässt die Lernenden festhalten, welche Bedeutung ihre Lernprozesse für die Situationen ihrer Lebenswelt haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie unterstützt die Lernenden, bei der Dokumentation, Reflexion und Selbstevaluation die kinästhetische Fachsprache treffend zu verwenden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.6 Fremdeinschätzung durch Bewegungsinteraktion, Austausch und Reflexion ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen zyklischen Reflexionen und Selbstevaluationen können durch Fremdeinschätzungen wesentlich unterstützt werden. Sie ergänzen die Beurteilung des eigenen Lernprozesses durch die Außenperspektive anderer Personen. Oft fällt es diesen insbesondere leichter, die Lernfortschritte klar herauszustellen und zu würdigen. Ihre Perspektive kann aber auch dabei helfen, die Einschätzung des weiteren Lernbedarfs zu ergänzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist dabei die Bewegungsinteraktion von besonderer Bedeutung. Für die TrainerIn ist sie der geeignetste Weg, um die Bewegungskompetenz von Lernenden und ihren Entwicklungsbedarf einschätzen zu können. Auch durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Lernenden und die anschließenden gemeinsamen Reflexionen erhalten Lernende auf der Grundlage der konkreten Erfahrung Hinweise darauf, wie differenziert und angepasst sie ihre Bewegungskompetenz in Interaktionen über Berührung und Bewegung einsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Bewegungsinteraktion, den Austausch und die gemeinsame Reflexion mit anderen Teilnehmenden oder der TrainerIn wird die Selbstevaluation unterstützt. Die daraus entstehenden Unterschiede der Wahrnehmungen, Erfahrungen und ihrer Beschreibung können helfen, die eigenen Lernprozesse aus anderen Perspektiven zu reflektieren, zu evaluieren und präziser zu beschreiben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein sind der Austausch und die gemeinsame Reflexion von Lernschritten mit anderen Lernenden oder mit der TrainerIn eine Möglichkeit, dass Lernende eine Fremdeinschätzung bekommen, die für das eigene Lernen förderlich sein kann.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, durch die gemeinsame Reflexion von Lernschritten und insbesondere durch den Austausch und die gemeinsame Reflexion nach Bewegungsinteraktionen Unterschiede der Erfahrungen und ihrer Beschreibung festzustellen sowie eine Fremdeinschätzung zu erhalten. Sie selbst nutzt dazu die Interaktion über Berührung und Bewegung mit möglichst allen Lernenden, Rückmeldungen in konkreten Praxissituationen oder auch Einzel- und Gruppengespräche.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie macht den Lernenden durch ihre Fremdeinschätzung sachbezogen und wertschätzend deutlich, wie weit sie die angestrebten Ziele erreicht haben und auf welche Kriterien sie achten können, um weitere Lernfortschritte zu machen. Sie setzt sich dafür ein, dass sich auch die Lernenden gegenseitig sachbezogene und wertschätzende Rückmeldungen geben.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.5 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.1 Einen wechselseitigen respektvollen Umgang fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, ungestört und gerne lernen, kann dadurch geleistet werden, dass das gemeinsame Lernen durch einen wechselseitigen respektvollen Umgang geprägt wird. Dies gilt sowohl für den Umgang der TrainerIn mit den Lernenden als auch für den Umgang der Lernenden untereinander. Ist dies nicht der Fall, kann die Qualität der Lernprozesse stark beeinträchtigt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn respektiert die Persönlichkeit der einzelnen Lernenden und lebt einen respektvollen Umgang vor. Sie gibt in der gegebenen Situation zu erkennen, dass sie umgekehrt einen angemessenen Respekt erwartet. Sie thematisiert, wenn eine Situation dazu Anlass gibt, den Wert des wechselseitigen respektvollen Umgangs und trifft gegebenenfalls gemeinsam mit den Lernenden diesbezügliche Absprachen. Sie geht auf Störungen ein, ohne sie zuungunsten der Lernprozesse anderer Lernender überzubetonen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.2 Die Lernprozesse der Lernenden in den Mittelpunkt stellen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende intensiv lernen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung so gestaltet wird, dass die Lernprozesse der Lernenden und die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Lerninhalten im Mittelpunkt stehen. Die TrainerIn unterstützt und begleitet dies in der Kinästhetik insbesondere mit ihrer Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zentrierung auf die Lernprozesse der Lernenden und das gemeinsame Lernen kann formal dadurch erreicht werden, dass trainerzentrierte Phasen der Gestaltung der Lernumgebung so kurz wie möglich gehalten werden. Inhaltlich kann es dadurch erreicht werden, dass die Gestaltung der Lernumgebung sach- und situationsbezogen ist und nicht die eigene Person, die eigene Kompetenz und das eigene Wissen in den Vordergrund stellt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt in ihrer Gestaltung der Lernumgebung hauptsächlich den Lernenden Raum für ihre eigenen Lernprozesse und das gemeinsame Lernen zur Verfügung. Sie beschränkt Phasen, in denen sie im Mittelpunkt steht, auf das Nötige. Sie lässt die Lernenden erfahren, dass ihre Rolle hauptsächlich diejenige der kompetenten LernbegleiterIn ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu setzt sie ihr Fachwissen und in Bewegungsinteraktionen insbesondere ihre Bewegungskompetenz ein. Sie vermeidet es, gegenüber anderen Meinungen oder Verhaltensweisen das eigene (Besser-)Wissen in den Vordergrund zu stellen, sondern argumentiert möglichst sachbezogen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.3 Lernen in Partner- und Gruppenarbeit fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert und erweitert werden, dass es sich in Partner- oder Gruppenarbeit vollzieht. Dadurch entstehen Unterschiede zu den eigenen Annahmen, Erklärungen, (Bewegungs-)Erfahrungen, Wahrnehmungen und ihrer sprachlichen und fachsprachlichen Dokumentation. Diese Unterschiede können helfen, das eigene Lernen und die eigenen Erkenntnisse zu reflektieren sowie gegenüber anderen Personen genauer und verständlicher zu beschreiben. Die eigenen Lernprozesse werden durch den Austausch und Abgleich erweitert und bereichert.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht immer wieder Lernen zu zweit oder in Gruppen. Dieses betrifft insbesondere die Bewegungsinteraktion mit anschließender gemeinsamer Reflexion und fachsprachlicher Dokumentation. Die TrainerIn gibt den Lernenden ebenso die Möglichkeit zum Austausch über Annahmen, Erfahrungen und Erkenntnisse und deren Beschreibung. Sie unterstützt gegebenenfalls die Bildung von Lerngruppen, die gemeinsames Lernen in Bezug auf Praxis und Theorie pflegen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.4 Lernen durch Lehren fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende ihre Lernprozesse vertiefen, festigen und für andere strukturiert und verständlich aufbereiten, kann durch die Methode des Lernens durch Lehren geleistet werden. Seit der Antike wird der Ansatz „Durch Lehren lernen wir“ (Docendo discimus) vertreten. Die Methode trägt dazu bei, dass sich Lernende mit den Lerninhalten und -zielen persönlich identifizieren und sie selbst und nicht die TrainerIn im Mittelpunkt stehen (vgl. oben).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gruppenpuzzle ist eine hervorragende Methode dazu, dass Lernen durch Lehren allein und gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und reflektiert wird. Lernen durch Lehren kann in der Kinästhetik insbesondere für unterschiedliche Anleitungssituationen in Übereinstimmung mit den entsprechenden angestrebten Kompetenzen und Lernzielen verwendet werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, Themen vorzubereiten, die in Bezug auf die angestrebten Kompetenzen und Lernziele geeignet sind, und zu diesen Themen Lernumgebung für andere Lernende oder die ganze Gruppe zu gestalten. Sie sorgt dafür, dass den Lernenden die Lerninhalte und Materialien zur Verfügung stehen, und unterstützt gegebenenfalls die Lernenden in der Vorbereitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie ermöglicht den Lernenden, ihre Gestaltung der Lernumgebung für sich oder gemeinsam zu reflektieren, und achtet darauf, dass sie sachliche und wertschätzende Rückmeldungen erhalten. Sie verwendet das Gruppenpuzzle oder Lernen durch Lehren für unterschiedliche Anleitungssituationen, die für die Lebenswelt und für die Praxissituationen der Lernenden relevant sind.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.6 Verständliche Aufgabenstellungen sowie Einrichtung, Materialien und Medien zweckdienlich zur Verfügung stellen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.1 Anleitungen und Aufgabenstellungen klar und eindeutig gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie gezielt, konzentriert und der Absicht entsprechend sich Lernende mit den Lerninhalten auseinandersetzen können, ist davon abhängig, wie gut sie die Anleitungen und Aufgabenstellungen verstehen. Dies wird wesentlich davon beeinflusst, wie verständlich und eindeutig diese formuliert, erklärt und gestaltet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Deshalb ist es wichtig, Aufgabenstellungen wohlüberlegt und sorgfältig zu formulieren und darzustellen. Ebenso wichtig ist sicherzustellen, dass die Lernenden die Aufgabenstellung und ihre Absicht genau verstehen und wissen, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn Lernende mithilfe einer Aufgabenstellung selbstständig arbeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den Anleitungen von Einzel- oder Partnererfahrungen sind in den einzelnen Anleitungsaussagen die Klarheit und Verständlichkeit von besonderer Bedeutung. Je präziser die Lernenden verstehen, was sie tun und auf welchen Blickwinkel sie dabei achten sollen, desto konzentrierter und differenzierter können sie die entsprechenden Unterschiede in sich wahrnehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Präzision der Anleitungsaussagen erlaubt es, dass sich die Lernenden im Lauf der Anleitung auf längere Phasen der Eigenerfahrung einlassen können. Wenn immer wieder nachgefragt werden muss, wie die Anleitung gemeint ist und worauf geachtet werden soll, fällt die fragende Person und die ganze Gruppe aus ihren Erfahrungen und ihrer Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn formuliert, erklärt und gestaltet ihre Anleitungen und Aufgabenstellungen wohlüberlegt und möglichst klar und eindeutig. Sie erklärt möglichst genau, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn möglich, verdeutlicht sie die Aufgabenstellung und ihre Absicht mit unterschiedlichen Darstellungsformen (mit kleinen beispielhaften Bewegungsanleitungen, schriftlich, mündlich, symbolisch, bildlich, mit Beispielen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dies leistet einen wertvollen Beitrag dazu, das Verständnis der Aufgabenstellung bei den Lernenden sicherzustellen. Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten, sich jederzeit die Aufgabenstellung bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie ihre Anleitungsaussagen und deren Rhythmus den Lernenden helfen, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels wahrzunehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gegebenenfalls passt sie ihre Formulierungen und Aussagen an. Sie achtet insbesondere bei der Anleitung von längeren Phasen der Eigenerfahrung darauf, dass die Lernenden möglichst genau wissen, wie sie auf welche Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung achten sollen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.2 Zweckdienlich Materialien bereitstellen und den Schulungsraum einrichten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag zu einer lernfördernden Atmosphäre und zu einer leichten und flüssigen Organisation der Gestaltung der Lernumgebung kann dadurch geleistet werden, dass die Einrichtung des Schulungsraumes sowie die Lern-, Unterrichts- und Moderationsmaterialien oder Medien zweckdienlich vorbereitet sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie sollen für die Benutzung leicht zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Flipcharts o. Ä. mit wenigen Stichworten oder bildlichen Darstellungen können spontan gestaltet werden. Wenn sie einen umfänglicheren Inhalt haben (Zeitplanung, Strukturen/Abläufe, Aufgaben usw.), ist es empfehlenswert, sie vorzubereiten oder vorgedruckte Materialien zu verwenden, damit nicht Zeit unnötig verloren geht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit bestimmte Informationen oder Dokumentationen von Lernprozessen den Lernenden jederzeit zur Verfügung stehen, können sie im Schulungsraum gut sichtbar aufgehängt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu beachten ist ein gewisses Maß an Materialien und Medien: Die Gestaltung der Lernumgebung wird nicht desto besser, je mehr Materialien und Medien zum Einsatz kommen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt vor dem Bildungsangebot die benötigten Materialien und Medien zusammen. Sie richtet den Schulungsraum so ein, dass sich die Lernenden willkommen und in lernfördernder Atmosphäre fühlen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle benötigten Materialien und Medien sollen zweckdienlich bereitgestellt und für alle Beteiligten leicht zugänglich sein. Die TrainerIn kann z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Stühle, Matten, Unterrichtsmaterial pro Teilnehmende bereitstellen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• einen Tisch mit Büchern/Infomaterial vorbereiten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Pinwände aufstellen und vorgedruckte Lehrmaterialien aufhängen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Geräte zum Abspielen von Videos oder Tonaufnahmen einrichten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Moderationsmaterialien und anderes Material wie Dokumentationswerkzeuge, Schreibzeug, Blocs, Betten usw. bereitstellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie achtet dabei auf ein angemessenes Maß an Materialien und Medien.&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;3 Glossar der pädagogischen Fachbegriffe&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Pädagogik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Pädagogik ist ein Wissenschaftszweig, der die Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung zum Thema hat. Der Begriff Erziehungswissenschaft wird gleichbedeutend oder als pädagogischer Teilbereich, der sich auf die Erziehung fokussiert, verwendet. Aus herkömmlicher Perspektive betrifft die Pädagogik Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, im heutigen Verständnis schließt sie Erziehungs- und Bildungsfragen in Bezug auf Menschen jeden Alters ein. In expliziter Abgrenzung wird in diesem Zusammenhang u. a. der Begriff Erwachsenenbildung verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Didaktik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Didaktik ist die wissenschaftliche Lehre vom Lehren und Lernen. Sie gilt als ein zentraler Teilbereich der Pädagogik. Im herkömmlichen Sinn bezeichnet sie die Lehre des Unterrichtens, im heutigen Sinn umfasst sie die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens, weil diese beiden Themen als untrennbar verbunden betrachtet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es kann zwischen allgemeiner Didaktik und Fachdidaktik(en) unterschieden werden. Die allgemeine Didaktik befasst sich mit Lehren und Lernen unabhängig von Lerninhalten oder -themen bzw. von Fächern oder Fachgebieten. Aufgrund des Fehlens einer allgemein anerkannten umfassenden Lerntheorie bzw. der Abhängigkeit der allgemeinen Didaktik vom zugrunde liegenden Lernverständnis gibt es unterschiedliche allgemeindidaktische Modelle oder Konzepte. Beispiele sind die konstruktivistische, evolutionäre oder lerntheoretische Didaktik. Fachdidaktiken befassen sich mit Lehren und Lernen in Bezug auf spezifische Fächer, Fachgebiete oder Lerninhalte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Methodik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Methodik ist die wissenschaftliche Lehre von geregelten, planmäßigen Verfahrens- oder Vorgehensweisen des Lehrens bzw. Lernens auf ein bestimmtes Ziel hin. Methodik ist ein pädagogischer Teilbereich, der je nach Auffassung von der Didaktik abgegrenzt oder ihr bei- oder untergeordnet wird. Die enge Verbindung der beiden Teilbereiche zeigt sich in den häufigen Fügungen „Methodik und Didaktik“ oder „methodisch-didaktisch“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Methodik befasst sich mit der praktischen Vorgehensweise beim Lehren bzw. Lernen und der geregelten Abfolge der einzelnen Schritte zur Zielerreichung. Ihre Themen sind weitreichend und umfassen z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Unterrichtsmethoden wie Frontal-, Werkstatt- oder Projektunterricht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Sozial- und Arbeitsformen wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit sowie konkretere methodische Großformen wie Gruppenpuzzle, Rollenspiel oder in der Kinästhetik Lernzyklus oder Lernspirale,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• den Einsatz von Arbeitsunterlagen, Unterrichtsmaterialien und Medien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es existieren unterschiedliche Systematisierungen der Methodik, da sie vom jeweiligen pädagogischen Betrachtungswinkel abhängig sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernumgebung, Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Traditionell werden unter Lernumgebung oder Unterrichtskontext vorgegebene Faktoren verstanden, die die Rahmenbedingungen der Lehr- und Lernprozesse bilden. In der Kinästhetik und vermehrt in der modernen Pädagogik (z. B. bei Diethelm Wahl) werden die Begriffe Lernumgebung und Gestaltung der Lernumgebung in dem Sinn verwendet, dass Lernen immer ein selbstgesteuerter innerer Prozess ist, auf den von außen nicht direkt ursächlich oder kausal eingewirkt werden kann. Deshalb werden in der Kinästhetik diese Begriffe zur Bezeichnung des Unterrichts bzw. des Unterrichtens oder der Lehrtätigkeit verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Kompetenz&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Kompetenz wird in der Pädagogik unterschiedlich definiert. Im Sinn von tauglichen Kurzdefinitionen kann sie als die erlernte Fähigkeit zu einem erfolgreichen Verhalten in der Praxis, zur Problemlösung oder auch als die Disposition zur Praxisbewältigung umrissen werden. Sie setzt sich in diesem Sinn aus Wissen, Können/Handeln und Wollen zusammen. Entsprechend werden Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen als Kompetenzressourcen bezeichnet. In ihrem Zusammenspiel – und nicht in ihrer Summe – bilden sie die Grundlagen von Kompetenzen. Bestimmte Definitionen des Kompetenzbegriffs weisen zusätzlich auf motivationale und soziale Aspekte des Kompetenzbegriffs hin.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine gewisse Übereinstimmung aktueller Kompetenzdefinitionen besteht darin, dass sich Kompetenz in unterschiedlichen Situationen aus einem Bereich der Lebenswelt zeigt. Das kompetente Verhalten in einer bestimmten konkreten Situation wird dabei von einigen AutorInnen als Performanz bezeichnet und vom Kompetenzbegriff abgegrenzt. Aktuelle Curricula bauen sehr oft auf dem Verständnis des Kompetenzbegriffs auf und beschreiben im Kern die angestrebten Kompetenzen und Kompetenzressourcen in bestimmten Handlungsfeldern und ihren Situationen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine aktuelle Kompetenzdefinition, an der sich die Weiterentwicklung der Curricula der Bildungsangebote der European Kinaesthetics Association orientiert, ist diejenige von Gianni Ghisla:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Als Kompetenz wird zuerst einmal die Fähigkeit von individuellen oder kollektiven Subjekten verstanden, eine Klasse von Situationen, allenfalls eine einzelne Situation, erfolgreich zu meistern und somit eine Tätigkeit zu vollziehen. Um in Situationen kompetent zu sein, bedarf es der Aktivierung von individuellen oder gruppengebundenen Ressourcen, nämlich von Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen.“ (Ghisla 2008, S. 21)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Kompetenz liegt also nicht einfach in den Ressourcen (Kenntnis, Fähigkeiten und Haltungen), aus denen sie in der jeweiligen Situation entsteht und auch nicht in der Summe, sondern im Akt der kreativen und funktionalen Kombination und Mobilisierung dieser Ressourcen in Situationen.“ (Ghisla 2008, S. 24 f.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernziel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernziele sind die angestrebten Ziele des Lernens. Da Lernen ein zielorientierter innerer Prozess ist, sind die individuellen Lernziele der einzelnen Lernenden ausschlaggebend. Im Idealfall können sich Lernende mit von außen vorgegebenen oder vorgeschlagenen Lernzielen identifizieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aufgrund ihres Abstraktionsgrades kann zwischen Leit- oder Richtzielen, Grob- und Feinzielen unterschieden werden. Ausgehend vom Kompetenzbegriff können Lernziele bestimmte Kompetenzen oder zugrunde liegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen betreffen. Gängig ist die entsprechende Unterscheidung zwischen kognitiven, psychomotorischen und affektiven Lernzielen. Im Bereich des Wissens hat sich die Taxonomie der kognitiven Lernziele nach Bloom als hilfreich und sinnvoll erwiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Klar definierte und den Lernenden bekannte Lernziele mit ihren Beurteilungskriterien sind für die faire Überprüfung ihrer Erreichung elementar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lerninhalt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lerninhalt bezeichnet den Gegenstand des Lernens oder das Thema, mit dem sich Lernende auseinandersetzen. Dabei kann es um theoretische oder praktische Inhalte gehen. Bis weit ins 20. Jahrhundert orientierten sich Lehrpläne an den Inhalten und Stoffen. Sie schrieben vor, welche Inhalte wann zu behandeln waren. Viele Inhalte wurden als Wert an sich betrachtet (z. B. Goethe, Faust). Welche Lernziele oder Kompetenzen die Auseinandersetzung mit ihnen verfolgte, war im Gegensatz zu heute nicht oder kaum Thema.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernprozess&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernprozess bezeichnet den Vorgang oder Verlauf des Lernens.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Sozialform&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Sozialform ist ein didaktischer Fachbegriff. Er beschreibt die Möglichkeiten der Beziehung oder Interaktionen, in der Lernende untereinander bzw. zu den Lehrenden in den einzelnen Phasen eines Lernprozesses stehen. Es kann zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit (immer mit oder ohne Betreuung durch Lehrende auf Anfrage) und Klassenunterricht unterschieden werden. Auch im Klassenunterricht kann die Sozialform unterschiedlich ausgestaltet werden (Lehrvortrag, Präsentation von Lernergebnissen durch Lernende, offene Diskussion usw.).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Konstruktion, Wissenskonstruktion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Im Rahmen der Erkenntnistheorie bezeichnet Konstruktion eine grundlegende kybernetische Annahme, wie der Mensch Informationen verarbeitet. Sie geht davon aus, dass Reize jeglicher Art (physikalische, chemische usw., innere, äußere) vom Menschen bzw. von seinen körperlichen Rezeptoren nicht in einem objektiven Sinn wie von einem technischen Aufnahmegerät registriert oder abgebildet werden. Vielmehr werden sie von jedem einzelnen Individuum subjektiv und gemäß seinem eigenen Funktionieren errechnet oder konstruiert – oder auch nicht oder höchstens unterbewusst wahrgenommen. Das bedeutet, dass sie in die individuellen Strukturen der eigenen Erfahrung und des eigenen Wissens eingebettet werden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff Wissenskonstruktion verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Rhythmus, Rhythmisierung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;In der Pädagogik werden die Begriffe Rhythmus und Rhythmisierung insbesondere im Kontext von Ganztagesschulen verwendet. Dabei geht es darum, Tagesabläufe z. B. mit stehenden Elementen des Ein- und Ausstiegs oder dem Wechsel von Arbeits- und Erholungsphasen oder der Sozialformen an die Zielgruppe angepasst zu gestalten. Der Begriff Rhythmisierung kann auch für die Gestaltung einer Lernsequenz in Bezug auf die Dauer, das Tempo und die Gewichtung der einzelnen Lernschritte der gesamten Lernsequenz verwendet werden. In der Kinästhetik spielt die Rhythmisierung in diesem Sinn insbesondere in Anleitungen zu Bewegungserfahrungen eine wichtige Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;4 Anhang: Kurzfassung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kurzfassung der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik ist ein auf das Wesentliche beschränkter Kriterienkatalog zur Beurteilung und Evaluation der eigenen oder fremder Gestaltung der Lernumgebung in Kinaesthetics-Bildungsangeboten. Sie steht auch als gesonderte Publikation zur Verfügung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten Prozess ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:2 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:3 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:4 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Datei:4_Lernen_als_sozialen_Prozess_erm%C3%B6glichen.png&amp;diff=6138</id>
		<title>Datei:4 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen.png</title>
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		<updated>2025-11-08T15:07:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;4 Lernen&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Datei:3_Lernen_als_strukturierte,_prozessorientierte_und_reflektierte_Entwicklung_erm%C3%B6glichen.png&amp;diff=6137</id>
		<title>Datei:3 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen.png</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Datei:3_Lernen_als_strukturierte,_prozessorientierte_und_reflektierte_Entwicklung_erm%C3%B6glichen.png&amp;diff=6137"/>
		<updated>2025-11-08T15:06:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;3 Lernen&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6136</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6136"/>
		<updated>2025-11-08T15:06:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien in Wikisyntax&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;2 Lernverständnis und Grundprinzipien&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.1 Einleitung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.1 Bezüge zum Menschenbild&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die nachfolgend dargestellten Grundprinzipien haben enge Bezüge zum zugrunde liegenden Menschenbild. So hat z. B. das erste Grundprinzip „Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen“ einen besonders engen Zusammenhang mit den Inhalten des einleitenden Kapitels „1.2.2. Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie“. Lernen als aktiver und konstruktiver Prozess schließt sich eng an die Bedeutung des Aphorismus „Jedes Erkennen ist Tun, und jedes Tun ist Erkennen“ an, Lernen als selbstgesteuerter Prozess an die kybernetische Grundidee der Selbstregulation und Autonomie usw. Explizite Hinweise auf diese Bezüge würden den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.2 Darstellung der Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Folgenden werden die einzelnen Grundprinzipien an erster Stelle mit lerntheoretischen Überlegungen und Annahmen dargestellt. Sie erläutern und begründen das zugehörige Lernverständnis. Dieses wird hier nicht mit Fachliteratur belegt. Eine mit Quellenangaben belegte Darstellung der Lerntheorie der Kinästhetik findet sich im Artikel „Lernen (Kinästhetik)“ des Kinaesthetics-Online-Fachlexikons (KOFL).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;An zweiter Stelle wird jedes Grundprinzip mit Umsetzungsmöglichkeiten konkretisiert.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.3 Ziel und Zweck der Darstellung&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Darstellung verfolgt das Ziel, pädagogisch-didaktische Aspekte der Gestaltung der Lernumgebung hochgradig zu differenzieren. Dies soll TrainerInnen helfen, ihre konkreten Gestaltungen der Lernumgebung möglichst differenziert zu reflektieren, zu begründen und anzupassen. In der Realität greifen die Grundprinzipien ineinander und sind oft eng miteinander verbunden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.4 Bezüge zu methodischen Großformen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Grundsätzlich kann jedes Grundprinzip mit unterschiedlichen Methoden in der konkreten Gestaltung der Lernumgebung umgesetzt werden. Deshalb werden hier insbesondere methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Lernpuzzle höchstens angedeutet. Sie stützen sich in ihrer Anlage auf viele Grundprinzipien der Kinästhetik und werden in anderen Publikationen dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.5 Kürze und Einheitlichkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Formulierungen zielen bewusst auf Kürze und Einheitlichkeit. Für die Lehrperson wird durchgängig der Begriff „TrainerIn“ verwendet, für die Teilnehmenden eines Bildungsanlasses „Lernende“, für Unterricht „Gestaltung der Lernumgebung“ usw.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.2 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.1 Eigenaktivität und eigene Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein aktiver innerer Prozess. Lernen bedeutet eigenes Tun, bedeutet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten durch eigenes Handeln, Erleben und Erfahren. Diesbezüglich spielen in der Kinästhetik Bewegungserfahrungen grundsätzlich und insbesondere zur gezielten Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich mit den Lerninhalten durch eigenes Tun, aktives Handeln und Erfahren, das über bloßes Zuhören oder Zuschauen hinausgeht, auseinanderzusetzen. Sie ermöglicht ihnen ebenso, das eigene Tun und Erfahren selbst zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie leitet Einzel- und Partnererfahrungen mit spezifischen Blickwinkeln und passenden Unterschieden an. Diese Bewegungserfahrungen ermöglichen es den Lernenden, mit ihrer Bewegungswahrnehmung Unterschiede gezielt in sich selbst zu erfahren und ihre kinästhetische Wahrnehmung in unterschiedlichen alltäglichen Aktivitäten eigenaktiv zu sensibilisieren.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.2 Individuelles Konstruieren ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein konstruktiver innerer Prozess. Das meint, dass Lerninhalte mit den individuellen Strukturen des Wissens und der Erfahrungen verknüpft werden. Sie werden in die eigenen Fragestellungen und Annahmen eingebettet. In Lernprozessen erweitern Lernende ihre eigenen Wissens- und Erfahrungsstrukturen oder bauen sie neu auf.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre eigenen Fragen an die Lerninhalte zu stellen und ausgehend von den Lerninhalten und ihren Wissens- und Erfahrungsstrukturen ihre eigenen Lernthemen zu definieren. Sie ermöglicht ihnen, ihre persönlichen Antworten zu „konstruieren“ und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn gestaltet ihre Fragestellungen, Aufgaben und Anleitungen offen und nicht so, dass sie auf ihren „Input“ einen bestimmten, einzig richtigen „Output“ der Lernenden erwartet. Sie trivialisiert weder die Lerninhalte noch die Lernenden (vgl. Heinz von Foerster, https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/Maschinen_(triviale_und_nichttriviale)).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fakten und eindeutig beantwortbare Problemstellungen werden grundsätzlich nicht erfragt, sondern als solche dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.3 Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein selbstgesteuerter und autonomer („eigengesetzlicher“) innerer Prozess. Was und wie die einzelnen Lernenden lernen, bestimmen letztlich nur sie selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ihr Lernen ist abhängig von den individuellen Regeln (oder „Gesetzen“), nach denen sie ihr ganzes Verhalten regulieren. Lernprozesse werden von der TrainerIn und ihrer Gestaltung der Lernumgebung beeinflusst und bestenfalls unterstützt, können aber von ihr nicht direkt gesteuert oder bestimmt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn erwartet nicht, dass alle Lernenden durch ihre Gestaltung der Lernumgebung im gleichen Moment dasselbe wahrnehmen, verstehen und daran anknüpfen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie geht nicht davon aus, dass alle Lernenden zum gleichen Zeitpunkt die gleichen Lernprozesse durchlaufen müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die einzelnen Lernschritte so, dass ein individueller Spielraum entstehen kann und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht und unterstützt wird.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.4 Die zirkuläre Verbindung von Erfahrung und Theorie ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist in Bezug auf Lernen das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ gängig. Es ist eine bewusste Umkehrung des traditionellen Unterrichtens nach dem Motto „Erst die Theorie, dann die Praxis“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Begriff Theorie meint dabei die (rein) begriffliche und abstrakte Betrachtungsweise von Phänomenen oder Tatsachen bzw. ihrer Gesetzlichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Gestaltung der Lernumgebung ist das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ eine wertvolle Leitlinie, um Lernende z. B. das theoretische Konzeptverständnis aus Bewegungserfahrungen handelnd und selbstgesteuert erarbeiten zu lassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ihr praktisches Tun und Erfahren gezielt zu Lernen und Erkenntnissen führt, brauchen Lernende allerdings immer bestimmte Blickwinkel oder Kriterien bzw. ein Mindestmaß an vorgängiger „Theorie“. Nur so können sie zielgerichtet auf ihre konkreten Erfahrungen achten und sie hinsichtlich theoretischer Erkenntnisse und Regeln reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Motto „Von der Erfahrung zur Theorie“ kann somit dahingehend präzisiert werden, dass es darum geht, Erfahrung und Theorie in einem zeitnahen zirkulären Wechselspiel zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei verbinden die einzelnen Lernenden ihre konkreten Erfahrungen, ihr Tun und Handeln in fortgesetzter Zirkularität mit ihrer Konstruktion und Reflexion von Wissen und Annahmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch können sie ebenso lernen, die kinästhetische Fachsprache passend zu verwenden. Bei diesen Lernprozessen können der Austausch und Abgleich mit anderen Personen eine wichtige Rolle spielen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All dies unterstützt wesentlich den Aufbau oder die Erweiterung ihrer Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn schafft die Voraussetzungen, dass die Lernenden ihre Kompetenzen in einem engen und zeitnahen zirkulären Wechselspiel von eigener Erfahrung und theoretischer Wissenskonstruktion entwickeln können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei berücksichtigt sie das Vorwissen der Lernenden. Sie geht nicht davon aus, dass Lernende zuerst ausführliche theoretische Kenntnisse erwerben müssen, um sie dann praktisch umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie vermeidet lange theoretische Erklärungen, die erst nachträglich mit eigenaktiver Tätigkeit verbunden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In einem zirkulären Wechselspiel verbindet die TrainerIn Schritt für Schritt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Anleitungen zu Erfahrungen und praktischen Auseinandersetzungen, durch welche die Lerninhalte veranschaulicht werden,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Aufträge, durch welche die Lernenden diese Inhalte auf der theoretischen Ebene herleiten, reflektieren und beschreiben können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht es, dass sich die Lernenden über ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und fachsprachlichen Beschreibungen austauschen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.5 Das Verständnis der Bedeutung der Innenperspektive fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In diesem Kapitel werden die vorausgehenden Grundprinzipien aus der Perspektive der 1.-Person-Methodik nach F. J. Varela (vgl. https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/1.-Person-Methode) zusammenfassend beleuchtet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorausgehenden Grundprinzipien erhalten in der Kinästhetik dadurch eine besondere Bedeutung, dass die fortgesetzte und vertiefte Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation ein zentraler Lerninhalt ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie jede Sinneswahrnehmung kann die Bewegungswahrnehmung nur dadurch sensibilisiert werden, dass die einzelnen Lernenden mit ihren individuellen Voraussetzungen selbst aktiv werden und die spezifische Achtsamkeit auf ihr kinästhetisches Sinnessystem immer wieder trainieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche Lernprozesse beruhen auf der Innenperspektive der einzelnen Lernenden. Es geht darum, unter spezifischen Blickwinkeln durch eigenes Tun in sich selbst danach zu suchen, wie fein welche Unterschiede durch die eigene Bewegungswahrnehmung erfahrbar werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der 1.-Person-Methodik steht das subjektive Erleben des „Ichs“ und seine selbstverantwortliche, individuelle Entwicklung im Zentrum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für viele Lernende ist dieses Lernen ungewohnt. Im traditionellen Unterricht geht es um allgemeingültiges, objektiv beschreibbares Wissen und Können. Es befindet sich gewissermaßen außerhalb von einem selbst und muss „verinnerlicht“ werden – wer das tut, bzw. das subjektive Erleben des „Ichs“ spielen dabei keine Rolle: Hauptsache, man lernt, wie man es richtig macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weil die Lernenden in ihrer bisherigen Lerngeschichte hauptsächlich dieses Lernverständnis erlebt haben, kann es für sie eine Herausforderung bedeuten, sich auf die eigene Innenperspektive und Wahrnehmung einzulassen und ihr zu vertrauen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für einen bewussten und nachhaltigen Lernprozess ist es von Bedeutung, diese inneren Erfahrungen in einem zirkulären Wechselspiel mit der Außenperspektive (z. B. durch schriftliche Texte, andere Personen usw.) zu entwickeln und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, dass der Lernprozess bei der Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung darauf abzielt, in der eigenen Bewegung individuell erfahrbare Unterschiede immer feiner wahrzunehmen und zu regulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es geht darum, die eigene Bewegung bzw. sich selbst zu begreifen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, warum und wozu es wichtig ist, dass sich die Lernenden immer wieder ausführlich und intensiv mit sich selbst bzw. der Sensibilisierung ihrer Bewegungswahrnehmung beschäftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu macht sie verständlich und erfahrbar, welche Bedeutung die damit angestrebten Kompetenzen für die Praxis haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie erklärt den Unterschied zwischen diesem Lernverständnis und der traditionellen Sicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, dass es z. B. nicht darum geht, die „objektive“ Beschreibung erfahrbarer Unterschiede des Konzeptsystems möglichst genau zu verstehen und dann richtig umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie fördert die bewusste Entwicklung der kinästhetischen Sensibilität der Lernenden durch das zirkuläre Wechselspiel von inneren Erfahrungen und äußeren Aspekten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Rolle spielen dabei die sprachliche Reflexion der eigenen Erfahrungen, die Bewegungserfahrung mit einer PartnerIn und der Abgleich mit deren Beschreibung oder mit schriftlichen Texten.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.3 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.1 Anschluss an individuelles Vorwissen und bisherige Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernprozesse schließen immer an das individuelle Vorwissen und die persönlichen bisherigen Erfahrungen der einzelnen Lernenden an. Sie können nur dort einsetzen, wo sich die einzelne Lernende diesbezüglich befindet. Damit Lernende einen persönlichen Anschluss an Lerninhalte finden können, ist es unabdingbar, dass sie sich bewusst machen können, auf welchem Vorwissen und auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie müssen feststellen können, welches in Bezug darauf ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn versteht, wo die Lernenden stehen und was sie beschäftigt, erhält sie eine Grundlage für einen passenden gemeinsamen Lernprozess. Sie kann vermeiden, dass sie die Lernenden unter- oder überfordert. Es ist sinnvoll, den Lernenden immer wieder Standortbestimmungen zu ermöglichen. Durch diese können sie in „neuen“ Ausgangslagen feststellen, wo sie stehen und wohin sie in Bezug auf die erforderlichen Kompetenzen gelangen wollen und sollen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden immer wieder auf und/oder lässt sie erfahren, auf welchem Vorwissen oder auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie ermöglicht ihnen festzustellen, wo sie in Bezug auf dieses Vorwissen oder diese Kompetenzen stehen und welche ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet z. B. ein Fallbeispiel aus der Lebenswelt der Lernenden und fragt sie nach persönlich erlebten Situationen mit gleichen oder ähnlichen Herausforderungen. Sie lässt die Lernenden anhand dieser Beispiele die eigenen beruflichen Fragen und erforderlichen Kompetenzen erarbeiten. Sie gleicht, wo nötig, die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen der Lerninhalte damit ab.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn versucht darauf aufbauend, durch ihre Frage-, Aufgabenstellungen und Anleitungen die Lernenden weder zu unterfordern noch zu überfordern. Sie schätzt fortlaufend ein, ob die einzelnen Lernenden und die Gruppe einen angemessenen herausfordernden Anschluss an die aktuellen Lernprozesse finden. Gegebenenfalls passt sie ihre Gestaltung der Lernumgebung individuell oder für die Gruppe entsprechend an.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.2 Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst werden lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik können Lerninhalte auf Erklärungsmodellen und Annahmen beruhen, die nicht gängig sind (z. B. „Der Mensch ist lebenslang lernfähig“). Es ist leicht möglich, dass sie damit in Widerspruch stehen, wie die Lernenden bisher zugehörige Phänomene erklärt haben (z. B. „Mit zunehmenden Alter verliert der Mensch die Lernfähigkeit“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen kann eine Widersprüchlichkeit zwischen den Annahmen der Lernenden, worum es im Bildungsangebot geht, und den tatsächlichen angestrebten Lernzielen und Kompetenzen bestehen. Lernende können z. B. davon ausgehen, dass es in der Kinästhetik um die richtigen Transfertechniken und Handgriffe geht. Demgegenüber zielt das Bildungsangebot vielmehr auf ein individuell anzupassendes gemeinsames Lernen mit unterstützungsbedürftigen Personen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn dies nicht immer wieder bewusst gemacht wird, kann eine solche Unvereinbarkeit das Lernen und den Kompetenzaufbau behindern. Denn insbesondere in Praxissituationen können die bisherigen eigenen Annahmen und Erklärungen das Handeln bestimmen. Das im Lernprozess thematisierte alternative Verhalten, das auf einer neuen Sichtweise beruht, kommt nicht zum Zug.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die jeweiligen Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst gemacht werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Lernende sowohl ihre Verhaltensmuster als auch ihre Erklärungsmodelle und Annahmen erweitern oder ändern. Zugleich wird es ihnen möglich, ihr Verhalten mit passenden Erklärungsmodellen zu begründen oder mit anderen abzugleichen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welche Annahmen und Erklärungsmodelle den Lerninhalten und -prozessen zugrunde liegen (z. B. „Der Mensch kann seine Bewegungskompetenz lebenslang erweitern“). Sie ermöglicht ihnen festzustellen, welche Annahmen und Erklärungsmodelle sie selbst bisher diesen Lerninhalten bzw. den zugehörigen Phänomenen zugrunde gelegt haben (z. B. „Im Alter werden Menschen natürlicherweise steif und unbeweglich und können nicht mehr lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten besser zu nutzen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden wiederholt, im zirkulären Wechselspiel mit Erfahrungen in Praxissituationen ihre eigenen Annahmen und Erklärungsmodelle zu reflektieren und mit anderen zu vergleichen, um Abweichungen und Übereinstimmungen zu erkennen. Dadurch verschafft die TrainerIn ihnen die Möglichkeit, ihr Verhalten und dessen Erklärungen bewusst zu erweitern oder zu verändern und es passend begründen zu lernen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.3 Die persönliche Bedeutung der Lerninhalte und eigenes Interesse entdecken lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, intensiv und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie die persönliche Bedeutung und Sinnhaftigkeit der Lerninhalte und -prozesse für sich selbst bzw. für ihre Lebenswelt und deren Situationen erkennen. Dazu wird den Lernenden immer wieder ermöglicht, den Nutzen zu erfahren und zu erkennen, den die Lerninhalte für sie selbst, für ihre Lebenssituationen oder daran beteiligte Personen haben. Die Lernenden können dadurch ein eigenes Interesse für die Zielsetzungen des Lernens entwickeln und sich mit diesen identifizieren. Wenn dies nicht der Fall ist, führen die Lernprozesse eher zu trägem Wissen, das keine Auswirkungen auf die Praxis hat, und kaum zur Erweiterung oder zum Aufbau von Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welches Ziel das Bildungsangebot im Ganzen verfolgt und zu welchen Kompetenzen bzw. Fähigkeiten, Kenntnissen und Haltungen in Lebenssituationen die Lerninhalte und -prozesse führen können. Sie ermöglicht den Lernenden, die Bedeutung und den Nutzen dieser Lerninhalte und -prozesse für sie selbst und ihre eigenen Lebenssituationen zu entdecken und ein persönliches Interesse an den Zielsetzungen zu entwickeln. Dazu gehört, dass sie den Lernenden ermöglicht, ihre eigenen Anregungen einzubringen und ihre persönliche Motivation und Zielsetzung zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage unter den vorausgehenden Aspekten hat eine besondere Bedeutung für die zyklische Gestaltung der Lernumgebung bzw. für die Reflexion und Einschätzung der eigenen Lernfortschritte (vgl. 2.4 und insbesondere 2.4.5).&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.4 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.1 Die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein grundsätzlicher Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, gezielt und nachhaltig lernen und die Schritte ihres Lernprozesses gezielter reflektieren und beurteilen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz und Nachvollziehbarkeit gestaltet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch kann den Lernenden bewusst werden, weshalb und wozu die Schritte der Gestaltung der Lernumgebung in der konkreten inhaltlichen Ausprägung aufeinander folgen oder angepasst werden und wie diese Strukturierung zu den angestrebten Kompetenzen führen soll. Desgleichen kann ihnen klar werden, welcher persönliche Spielraum des konkreten Vorgehens für sie demzufolge besteht.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich die Logik des inhaltlichen und methodischen Ablaufs im Ganzen bewusst zu machen. Idealerweise ist ihnen das jederzeit möglich, indem z. B. der Ablauf auf einer Flipchart festgehalten und im Kursraum aufgehängt wird. Die TrainerIn erklärt, wie die Strukturierung der Lernschritte zu den angestrebten Lernzielen oder Kompetenzen führen soll.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den einzelnen Schritten ihrer Gestaltung der Lernumgebung zeigt sie den Lernenden ebenso auf und/oder lässt sie erfahren, wie sie mit dem vorausgehenden Schritt zusammenhängen und welches der rote Faden ist, der die Schritte verbindet. Sie gewährt den Lernenden den möglichen individuellen Spielraum, wie sie einen Schritt gemäß seinem Sinn und der Logik des Ablaufs vollziehen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.2 Die Gestaltung der Lernumgebung strukturieren&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert werden, dass es sich im Großen in strukturierten Zyklen vollzieht. Damit gemeint sind wiederholte Folgen zusammengehöriger, aufeinander aufbauender Lernschritte, die inhaltlich kreisförmig abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wichtige Elemente solcher Zyklen sind die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage (vgl. Kapitel 2.3.) und die Reflexion des Lernprozesses, die einen Zyklus abschließt (vgl. 2.4.5). Lernmodelle und methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Gruppenpuzzle orientieren sich oft an dieser grundlegenden Struktur.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Strukturierung der Gestaltung der Lernumgebung im Großen kann Lernen ebenso dadurch gefördert werden, dass längere und kürzere Lernschritte sowie Erholungsphasen in einem organischen Wechsel aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Großen und im Kleinen gliedern sich erfolgreiche Lernprozesse zudem in grundlegende Entwicklungsschritte. Sie erscheinen oft selbstverständlich wie z. B. der Entwicklungsschritt eines Lernprozesses vom Einfachen zum Schwierigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche grundlegenden Entwicklungsschritte werden im Folgenden stichwortartig aufgelistet, und zwar nur in einer Entwicklungsrichtung. Je nach Situation und Kontext kann die bewusste Verwendung der gegenteiligen Richtung sinnvoll sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von großen, leicht erfahr- oder wahrnehmbaren Unterschieden zu feinen Unterschieden und Differenzierungen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der Einzelerfahrung zur Partnererfahrung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der „Laborsituation“ zur Integration und Anwendung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von geführten, eng angeleiteten oder begleiteten Lernprozessen zum selbstverantwortlichen Lernen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Konkreten zum Abstrakten&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Einfachen zum Schwierigen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus lerntheoretischer Perspektive ist es sinnvoll, Bildungsangebote im Großen und in den einzelnen Schritten entsprechend zu strukturieren. Es gilt darauf zu achten, dass durch diese Strukturierungen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn strukturiert ihr Bildungsangebot im Großen und dessen Teile gemäß der inneren zyklischen Logik des Lernmodells bzw. von methodischen Großformen wie des Lernzyklus oder der Lernspirale. Sie passt diese Strukturierung der Teile folgerichtig an die angestrebten Kompetenzen und Lernziele an. Sie strukturiert ihre Gestaltung der Lernumgebung im Kleinen und im Großen bewusst nach grundlegenden Entwicklungsschritten von Lernprozessen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die Lernumgebung in einem organischen Wechsel von längeren und kürzeren Lernschritten und längeren und kürzeren Erholungsphasen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie beobachtet, ob ihre Strukturierungen die gewünschte Wirkung zeigen und die Lernprozesse unterstützen, und passt sie gegebenenfalls an. Je nach Lernziel, Situation oder Verlauf der Lernprozesse ist es angebracht, mit den erwähnten Strukturierungen bewusst zu spielen und z. B. einen Schritt von der Komplexität zur Einfachheit und wieder zurück zur Komplexität zu bauen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.3 Unterschiedliche Sozialformen und Methoden aufeinander folgen lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Abfolge von unterschiedlichen passenden Sozialformen und Methoden werden die Lernenden darin unterstützt, sich vielfältig und differenziert mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Ebenso kann dadurch lernfördernde Abwechslung erreicht und hinderliche Eintönigkeit vermieden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft ergibt sich die Abfolge von Sozialformen und methodischen Schritten aus der methodischen Großform (Lernzyklus, Lernspirale usw.), die der Gestaltung der Lernumgebung zugrunde gelegt wird (vgl. vorausgehendes Kapitel). In Bezug auf die Sozialform sind trainerzentrierte Phasen so kurz wie möglich zu halten (vgl. auch 2.5.2).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dennoch können viele Lernziele in unterschiedlichen Sozialformen und durch unterschiedliche Methoden erreicht werden. Eine Reflexion des Lernprozesses kann z. B. in selbstständiger schriftlicher Einzelarbeit, im mündlichen Austausch mit anderen Lernenden oder angeleitet in der gesamten Gruppe erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ist nicht gemeint, dass zur Erreichung eines Lernziels immer wieder eine andere Methode eingesetzt werden sollte. Die Verwendung der gleichen Methode bzw. des gleichen Dokumentationsinstrumentes hat z. B. bei der Lernprozessreflexion bestimmte Vorteile: Wenn Lernende ihren Lernprozess mehrfach auf die gleiche Weise schriftlich und selbstständig reflektieren, reduziert sich der Anleitungsaufwand für die TrainerIn. Die Lernenden können Fortschritte im differenzierten Umgang mit der verwendeten Methode bzw. dem eingesetzten Dokumentationsinstrument machen. Zudem können die Lernenden die Resultate ihrer einzelnen Reflexionen besser vergleichen und auswerten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Andererseits kann eine alternative Methode wie der mündliche Austausch neue Perspektiven eröffnen und weitere positive Effekte haben, die sich bei der schriftlichen Einzelarbeit nicht ergeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es gilt darauf zu achten, dass durch die Strukturierung mit unterschiedlichen methodischen Formen und Sozialformen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet in ihrer Gestaltung der Lernumgebung unterschiedliche passende Sozialformen und Methoden. Sie geht dabei von den jeweiligen angestrebten Kompetenzen und Lernzielen des Bildungsangebots und der einzelnen Schritte aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie wechselt in Bezug auf die Sozialformen sinnvoll zwischen eher kurzem geführtem und eher langem selbstverantwortlichem Lernen allein, zu zweit oder in Kleingruppen. Sie nutzt Phasen von selbstverantwortlichem Lernen dazu, die einzelnen Lernenden oder Kleingruppen in ihrem Lernprozess zu unterstützen, aber auch dazu, in den Hintergrund zu treten und die Lernenden allein arbeiten zu lassen. Solche Phasen kann die TrainerIn dazu nutzen, ihre bisherige Gestaltung der Lernumgebung zu reflektieren und gegebenenfalls die geplante Fortsetzung anzupassen und vorzubereiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn berücksichtigt das Alter der Lernenden und ihren Bildungsstand in Kinästhetik. Erfahrungsgemäß brauchen Jugendliche mehr und schnellere Wechsel der Sozialformen und Methoden, um nicht gelangweilt zu werden. Lernende, die schon einige Kinästhetik-Bildungsangebote besucht haben, sind z. B. eher fähig, länger in eine Bewegungserfahrung einzutauchen oder sich selbstständig mit einer längeren Aufgabe auf der Grundlage der Lernspirale zu beschäftigen. Zudem können genau solche Themen Lernziele oder angestrebte Kompetenzen für fortgeschrittene Lernende sein.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.4 Die Gestaltung der Lernumgebung an den Verlauf der Lernprozesse anpassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus einigen vorausgehenden Grundprinzipien ergibt sich die Notwendigkeit der Prozessorientierung der Gestaltung der Lernumgebung. Anpassungen an den Verlauf der Lernprozesse können selten jeder einzelnen Lernenden gerecht werden. Für die eine Person könnte auf einen nächsten methodischen Schritt verzichtet werden, für die andere nicht, die eine Person würde lieber allein weiterarbeiten, die andere in der Gruppe, der einen Person geht es zu schnell, der anderen zu langsam, die eine bräuchte mehr Pausen, die andere weniger usw. Dennoch kann Lernen dadurch unterstützt werden, dass prozessorientierte Anpassungen mit einem intuitiven Blick auf den Lernprozess der gesamten Gruppe der Lernenden in Bezug auf ihre Erreichung der Lernziele und Kompetenzen erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Prozessorientierte Anpassungen können im Großen auf der Ebene der Strukturierung bzw. der Wahl von Methoden und Sozialformen erfolgen. Desgleichen gilt es, in den einzelnen Schritten auf den Rhythmus der Gestaltung der Lernumgebung zu achten. Die Rhythmisierung, d. h. die Gestaltung eines Schrittes in Bezug auf Dauer, Tempo und Gewichtung der Lerninhalte, kann bewusst an die Qualität der Lernprozesse angepasst werden. In der Kinästhetik ist dies eine besondere Herausforderung bei der Anleitung von Bewegungserfahrungen. Es geht dabei um die nur intuitiv beantwortbaren Fragen, wie lange die Lernenden die Konzentration auf die eigene Bewegungswahrnehmung halten können und wann sie eine nächste Anleitung brauchen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für alle Beteiligten ist es befriedigender, wenn Lernziele mit mehr zeitlichem Aufwand als geplant erreicht werden, als wenn ein Lernprozess aus zeitlichen Gründen stark verkürzt oder weit vor seinem befriedigenden Abschluss abgebrochen wird. Oft bleibt bei den Lernenden im zweiten Fall nur Verwirrung und Frustration zurück, worum es dabei gegangen ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn langsamer als geplant vorankommt, muss sie sich überlegen, welche weiteren Lernschritte hinsichtlich der angestrebten Lernziele und Kompetenzen unverzichtbar sind und wie sie ihre Planung entsprechend anpassen kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch wenn solche Anpassungen im Kleinen und im Großen die Qualität der Lernprozesse fördern, ist es wichtig, dass die angesetzten Zeiten für Beginn, Pausen und Ende sowie andere Fixpunkte wie Praxissequenzen oder Morgen- und Abendrunden den Lernenden eine verlässliche und verbindliche Orientierung geben. Ebenso gilt es, den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten in geeigneter Weise in Erinnerung zu rufen, wie viel Zeit für den aktuellen Lernschritt noch zur Verfügung steht oder um wie viel Zeit er verlängert wird.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn beobachtet den Verlauf der Lernprozesse und schätzt ihre Qualität in Bezug auf die Zielerreichung ein. Sie nutzt dazu auch kleine Zwischengespräche oder kurze Bewegungserfahrungen mit den Lernenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Je nach ihrer Einschätzung nimmt sie Anpassungen oder Umstellungen auf der Ebene der Strukturierung, der Wahl von Methoden oder Sozialformen oder auch der Rhythmisierung usw. vor. Sie verkürzt oder verlängert Schritte bzw. verlangsamt oder beschleunigt den Rhythmus ihrer Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie der Rhythmus ihrer Anleitungen den Lernenden hilft, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels zu erfahren, und passt ihre Rhythmisierung gegebenenfalls an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die zur Verfügung stehende Zeit knapp wird, überlegt sie sich in Bezug auf die angestrebten Lernziele und Kompetenzen, welche geplanten Schritte unverzichtbar sind und bei welchen Schritten es vertretbar ist, sie in einer immer noch stimmigen Minimalvariante zu gestalten oder auf sie zu verzichten. Wenn es den Lernenden hilft, sich im Ablauf zu orientieren und ihn zu verstehen, erklärt und begründet sie ihre Anpassungen. Sie erinnert die Lernenden in passenden Momenten an die vorgesehene oder angepasste Zeitplanung.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.5 Fachsprachliche Dokumentation, Reflexion und zyklische Selbstevaluation der Lernprozesse ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass die Lernenden bewusst und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie ihre Lernprozesse unter Verwendung der Fachsprache dokumentieren. In der Kinästhetik haben insbesondere die Lernprozesse in Bewegungserfahrungen einen flüchtigen Charakter. Deshalb unterstützt es das Lernen, wenn sie zeitnah in geeigneter Form dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Den förderlichen zyklischen Charakter des Lernens macht wesentlich aus, dass die Lernenden regelmäßig ihre Lernprozesse bis zum aktuellen Zeitpunkt reflektieren, evaluieren und so die Abfolge von zusammengehörigen Lernschritten im Kreis schließen. In der Kinästhetik sind Reflexion und Selbstevaluation stehende Elemente der Gestaltung der Lernumgebung. Oft wird dazu der Vergleich mit der persönlichen Ausgangslage herangezogen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Lernenden halten dabei fest, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben. Sie ermitteln ihre Lernfortschritte im Vergleich mit ihrer Ausgangslage, aber auch Vertiefungsmöglichkeiten, den weiteren Lernbedarf und offene Fragen. Sie verknüpfen diese Reflexionen und Selbstevaluationen mit ihren Praxisthemen bzw. der Bedeutung für ihren beruflichen oder privaten Alltag. Dies trägt dazu bei, dass sie bis zur nächsten Reflexion und Selbstevaluation motiviert, gezielt und nachhaltig weiterlernen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen Dokumentationen, Reflexionen und Selbstevaluationen leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Lernenden die Fachsprache der Kinästhetik bewusst und differenziert verwenden lernen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre Lernprozesse regelmäßig zu dokumentieren. Sie ermöglicht ihnen, durch regelmäßige individuelle Reflexionen und Selbstevaluationen ihren aktuellen Stand mit ihrer Ausgangslage zu vergleichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie lässt die Lernenden einschätzen, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben und wo weiterer Lern- und Vertiefungsbedarf oder offene Fragen bestehen. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, z. B. mit dem Instrument der Bildungsfelder festzustellen, wo sie innerhalb oder außerhalb der angestrebten Ziele wichtige Lernprozesse gemacht haben. Sie lässt die Lernenden festhalten, welche Bedeutung ihre Lernprozesse für die Situationen ihrer Lebenswelt haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie unterstützt die Lernenden, bei der Dokumentation, Reflexion und Selbstevaluation die kinästhetische Fachsprache treffend zu verwenden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.6 Fremdeinschätzung durch Bewegungsinteraktion, Austausch und Reflexion ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen zyklischen Reflexionen und Selbstevaluationen können durch Fremdeinschätzungen wesentlich unterstützt werden. Sie ergänzen die Beurteilung des eigenen Lernprozesses durch die Außenperspektive anderer Personen. Oft fällt es diesen insbesondere leichter, die Lernfortschritte klar herauszustellen und zu würdigen. Ihre Perspektive kann aber auch dabei helfen, die Einschätzung des weiteren Lernbedarfs zu ergänzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist dabei die Bewegungsinteraktion von besonderer Bedeutung. Für die TrainerIn ist sie der geeignetste Weg, um die Bewegungskompetenz von Lernenden und ihren Entwicklungsbedarf einschätzen zu können. Auch durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Lernenden und die anschließenden gemeinsamen Reflexionen erhalten Lernende auf der Grundlage der konkreten Erfahrung Hinweise darauf, wie differenziert und angepasst sie ihre Bewegungskompetenz in Interaktionen über Berührung und Bewegung einsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Bewegungsinteraktion, den Austausch und die gemeinsame Reflexion mit anderen Teilnehmenden oder der TrainerIn wird die Selbstevaluation unterstützt. Die daraus entstehenden Unterschiede der Wahrnehmungen, Erfahrungen und ihrer Beschreibung können helfen, die eigenen Lernprozesse aus anderen Perspektiven zu reflektieren, zu evaluieren und präziser zu beschreiben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein sind der Austausch und die gemeinsame Reflexion von Lernschritten mit anderen Lernenden oder mit der TrainerIn eine Möglichkeit, dass Lernende eine Fremdeinschätzung bekommen, die für das eigene Lernen förderlich sein kann.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, durch die gemeinsame Reflexion von Lernschritten und insbesondere durch den Austausch und die gemeinsame Reflexion nach Bewegungsinteraktionen Unterschiede der Erfahrungen und ihrer Beschreibung festzustellen sowie eine Fremdeinschätzung zu erhalten. Sie selbst nutzt dazu die Interaktion über Berührung und Bewegung mit möglichst allen Lernenden, Rückmeldungen in konkreten Praxissituationen oder auch Einzel- und Gruppengespräche.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie macht den Lernenden durch ihre Fremdeinschätzung sachbezogen und wertschätzend deutlich, wie weit sie die angestrebten Ziele erreicht haben und auf welche Kriterien sie achten können, um weitere Lernfortschritte zu machen. Sie setzt sich dafür ein, dass sich auch die Lernenden gegenseitig sachbezogene und wertschätzende Rückmeldungen geben.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.5 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.1 Einen wechselseitigen respektvollen Umgang fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, ungestört und gerne lernen, kann dadurch geleistet werden, dass das gemeinsame Lernen durch einen wechselseitigen respektvollen Umgang geprägt wird. Dies gilt sowohl für den Umgang der TrainerIn mit den Lernenden als auch für den Umgang der Lernenden untereinander. Ist dies nicht der Fall, kann die Qualität der Lernprozesse stark beeinträchtigt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn respektiert die Persönlichkeit der einzelnen Lernenden und lebt einen respektvollen Umgang vor. Sie gibt in der gegebenen Situation zu erkennen, dass sie umgekehrt einen angemessenen Respekt erwartet. Sie thematisiert, wenn eine Situation dazu Anlass gibt, den Wert des wechselseitigen respektvollen Umgangs und trifft gegebenenfalls gemeinsam mit den Lernenden diesbezügliche Absprachen. Sie geht auf Störungen ein, ohne sie zuungunsten der Lernprozesse anderer Lernender überzubetonen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.2 Die Lernprozesse der Lernenden in den Mittelpunkt stellen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende intensiv lernen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung so gestaltet wird, dass die Lernprozesse der Lernenden und die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Lerninhalten im Mittelpunkt stehen. Die TrainerIn unterstützt und begleitet dies in der Kinästhetik insbesondere mit ihrer Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zentrierung auf die Lernprozesse der Lernenden und das gemeinsame Lernen kann formal dadurch erreicht werden, dass trainerzentrierte Phasen der Gestaltung der Lernumgebung so kurz wie möglich gehalten werden. Inhaltlich kann es dadurch erreicht werden, dass die Gestaltung der Lernumgebung sach- und situationsbezogen ist und nicht die eigene Person, die eigene Kompetenz und das eigene Wissen in den Vordergrund stellt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt in ihrer Gestaltung der Lernumgebung hauptsächlich den Lernenden Raum für ihre eigenen Lernprozesse und das gemeinsame Lernen zur Verfügung. Sie beschränkt Phasen, in denen sie im Mittelpunkt steht, auf das Nötige. Sie lässt die Lernenden erfahren, dass ihre Rolle hauptsächlich diejenige der kompetenten LernbegleiterIn ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu setzt sie ihr Fachwissen und in Bewegungsinteraktionen insbesondere ihre Bewegungskompetenz ein. Sie vermeidet es, gegenüber anderen Meinungen oder Verhaltensweisen das eigene (Besser-)Wissen in den Vordergrund zu stellen, sondern argumentiert möglichst sachbezogen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.3 Lernen in Partner- und Gruppenarbeit fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert und erweitert werden, dass es sich in Partner- oder Gruppenarbeit vollzieht. Dadurch entstehen Unterschiede zu den eigenen Annahmen, Erklärungen, (Bewegungs-)Erfahrungen, Wahrnehmungen und ihrer sprachlichen und fachsprachlichen Dokumentation. Diese Unterschiede können helfen, das eigene Lernen und die eigenen Erkenntnisse zu reflektieren sowie gegenüber anderen Personen genauer und verständlicher zu beschreiben. Die eigenen Lernprozesse werden durch den Austausch und Abgleich erweitert und bereichert.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht immer wieder Lernen zu zweit oder in Gruppen. Dieses betrifft insbesondere die Bewegungsinteraktion mit anschließender gemeinsamer Reflexion und fachsprachlicher Dokumentation. Die TrainerIn gibt den Lernenden ebenso die Möglichkeit zum Austausch über Annahmen, Erfahrungen und Erkenntnisse und deren Beschreibung. Sie unterstützt gegebenenfalls die Bildung von Lerngruppen, die gemeinsames Lernen in Bezug auf Praxis und Theorie pflegen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.4 Lernen durch Lehren fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende ihre Lernprozesse vertiefen, festigen und für andere strukturiert und verständlich aufbereiten, kann durch die Methode des Lernens durch Lehren geleistet werden. Seit der Antike wird der Ansatz „Durch Lehren lernen wir“ (Docendo discimus) vertreten. Die Methode trägt dazu bei, dass sich Lernende mit den Lerninhalten und -zielen persönlich identifizieren und sie selbst und nicht die TrainerIn im Mittelpunkt stehen (vgl. oben).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gruppenpuzzle ist eine hervorragende Methode dazu, dass Lernen durch Lehren allein und gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und reflektiert wird. Lernen durch Lehren kann in der Kinästhetik insbesondere für unterschiedliche Anleitungssituationen in Übereinstimmung mit den entsprechenden angestrebten Kompetenzen und Lernzielen verwendet werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, Themen vorzubereiten, die in Bezug auf die angestrebten Kompetenzen und Lernziele geeignet sind, und zu diesen Themen Lernumgebung für andere Lernende oder die ganze Gruppe zu gestalten. Sie sorgt dafür, dass den Lernenden die Lerninhalte und Materialien zur Verfügung stehen, und unterstützt gegebenenfalls die Lernenden in der Vorbereitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie ermöglicht den Lernenden, ihre Gestaltung der Lernumgebung für sich oder gemeinsam zu reflektieren, und achtet darauf, dass sie sachliche und wertschätzende Rückmeldungen erhalten. Sie verwendet das Gruppenpuzzle oder Lernen durch Lehren für unterschiedliche Anleitungssituationen, die für die Lebenswelt und für die Praxissituationen der Lernenden relevant sind.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.6 Verständliche Aufgabenstellungen sowie Einrichtung, Materialien und Medien zweckdienlich zur Verfügung stellen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.1 Anleitungen und Aufgabenstellungen klar und eindeutig gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie gezielt, konzentriert und der Absicht entsprechend sich Lernende mit den Lerninhalten auseinandersetzen können, ist davon abhängig, wie gut sie die Anleitungen und Aufgabenstellungen verstehen. Dies wird wesentlich davon beeinflusst, wie verständlich und eindeutig diese formuliert, erklärt und gestaltet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Deshalb ist es wichtig, Aufgabenstellungen wohlüberlegt und sorgfältig zu formulieren und darzustellen. Ebenso wichtig ist sicherzustellen, dass die Lernenden die Aufgabenstellung und ihre Absicht genau verstehen und wissen, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn Lernende mithilfe einer Aufgabenstellung selbstständig arbeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den Anleitungen von Einzel- oder Partnererfahrungen sind in den einzelnen Anleitungsaussagen die Klarheit und Verständlichkeit von besonderer Bedeutung. Je präziser die Lernenden verstehen, was sie tun und auf welchen Blickwinkel sie dabei achten sollen, desto konzentrierter und differenzierter können sie die entsprechenden Unterschiede in sich wahrnehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Präzision der Anleitungsaussagen erlaubt es, dass sich die Lernenden im Lauf der Anleitung auf längere Phasen der Eigenerfahrung einlassen können. Wenn immer wieder nachgefragt werden muss, wie die Anleitung gemeint ist und worauf geachtet werden soll, fällt die fragende Person und die ganze Gruppe aus ihren Erfahrungen und ihrer Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn formuliert, erklärt und gestaltet ihre Anleitungen und Aufgabenstellungen wohlüberlegt und möglichst klar und eindeutig. Sie erklärt möglichst genau, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn möglich, verdeutlicht sie die Aufgabenstellung und ihre Absicht mit unterschiedlichen Darstellungsformen (mit kleinen beispielhaften Bewegungsanleitungen, schriftlich, mündlich, symbolisch, bildlich, mit Beispielen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dies leistet einen wertvollen Beitrag dazu, das Verständnis der Aufgabenstellung bei den Lernenden sicherzustellen. Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten, sich jederzeit die Aufgabenstellung bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie ihre Anleitungsaussagen und deren Rhythmus den Lernenden helfen, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels wahrzunehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gegebenenfalls passt sie ihre Formulierungen und Aussagen an. Sie achtet insbesondere bei der Anleitung von längeren Phasen der Eigenerfahrung darauf, dass die Lernenden möglichst genau wissen, wie sie auf welche Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung achten sollen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.2 Zweckdienlich Materialien bereitstellen und den Schulungsraum einrichten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag zu einer lernfördernden Atmosphäre und zu einer leichten und flüssigen Organisation der Gestaltung der Lernumgebung kann dadurch geleistet werden, dass die Einrichtung des Schulungsraumes sowie die Lern-, Unterrichts- und Moderationsmaterialien oder Medien zweckdienlich vorbereitet sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie sollen für die Benutzung leicht zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Flipcharts o. Ä. mit wenigen Stichworten oder bildlichen Darstellungen können spontan gestaltet werden. Wenn sie einen umfänglicheren Inhalt haben (Zeitplanung, Strukturen/Abläufe, Aufgaben usw.), ist es empfehlenswert, sie vorzubereiten oder vorgedruckte Materialien zu verwenden, damit nicht Zeit unnötig verloren geht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit bestimmte Informationen oder Dokumentationen von Lernprozessen den Lernenden jederzeit zur Verfügung stehen, können sie im Schulungsraum gut sichtbar aufgehängt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu beachten ist ein gewisses Maß an Materialien und Medien: Die Gestaltung der Lernumgebung wird nicht desto besser, je mehr Materialien und Medien zum Einsatz kommen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt vor dem Bildungsangebot die benötigten Materialien und Medien zusammen. Sie richtet den Schulungsraum so ein, dass sich die Lernenden willkommen und in lernfördernder Atmosphäre fühlen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle benötigten Materialien und Medien sollen zweckdienlich bereitgestellt und für alle Beteiligten leicht zugänglich sein. Die TrainerIn kann z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Stühle, Matten, Unterrichtsmaterial pro Teilnehmende bereitstellen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• einen Tisch mit Büchern/Infomaterial vorbereiten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Pinwände aufstellen und vorgedruckte Lehrmaterialien aufhängen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Geräte zum Abspielen von Videos oder Tonaufnahmen einrichten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Moderationsmaterialien und anderes Material wie Dokumentationswerkzeuge, Schreibzeug, Blocs, Betten usw. bereitstellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie achtet dabei auf ein angemessenes Maß an Materialien und Medien.&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;3 Glossar der pädagogischen Fachbegriffe&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Pädagogik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Pädagogik ist ein Wissenschaftszweig, der die Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung zum Thema hat. Der Begriff Erziehungswissenschaft wird gleichbedeutend oder als pädagogischer Teilbereich, der sich auf die Erziehung fokussiert, verwendet. Aus herkömmlicher Perspektive betrifft die Pädagogik Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, im heutigen Verständnis schließt sie Erziehungs- und Bildungsfragen in Bezug auf Menschen jeden Alters ein. In expliziter Abgrenzung wird in diesem Zusammenhang u. a. der Begriff Erwachsenenbildung verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Didaktik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Didaktik ist die wissenschaftliche Lehre vom Lehren und Lernen. Sie gilt als ein zentraler Teilbereich der Pädagogik. Im herkömmlichen Sinn bezeichnet sie die Lehre des Unterrichtens, im heutigen Sinn umfasst sie die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens, weil diese beiden Themen als untrennbar verbunden betrachtet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es kann zwischen allgemeiner Didaktik und Fachdidaktik(en) unterschieden werden. Die allgemeine Didaktik befasst sich mit Lehren und Lernen unabhängig von Lerninhalten oder -themen bzw. von Fächern oder Fachgebieten. Aufgrund des Fehlens einer allgemein anerkannten umfassenden Lerntheorie bzw. der Abhängigkeit der allgemeinen Didaktik vom zugrunde liegenden Lernverständnis gibt es unterschiedliche allgemeindidaktische Modelle oder Konzepte. Beispiele sind die konstruktivistische, evolutionäre oder lerntheoretische Didaktik. Fachdidaktiken befassen sich mit Lehren und Lernen in Bezug auf spezifische Fächer, Fachgebiete oder Lerninhalte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Methodik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Methodik ist die wissenschaftliche Lehre von geregelten, planmäßigen Verfahrens- oder Vorgehensweisen des Lehrens bzw. Lernens auf ein bestimmtes Ziel hin. Methodik ist ein pädagogischer Teilbereich, der je nach Auffassung von der Didaktik abgegrenzt oder ihr bei- oder untergeordnet wird. Die enge Verbindung der beiden Teilbereiche zeigt sich in den häufigen Fügungen „Methodik und Didaktik“ oder „methodisch-didaktisch“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Methodik befasst sich mit der praktischen Vorgehensweise beim Lehren bzw. Lernen und der geregelten Abfolge der einzelnen Schritte zur Zielerreichung. Ihre Themen sind weitreichend und umfassen z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Unterrichtsmethoden wie Frontal-, Werkstatt- oder Projektunterricht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Sozial- und Arbeitsformen wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit sowie konkretere methodische Großformen wie Gruppenpuzzle, Rollenspiel oder in der Kinästhetik Lernzyklus oder Lernspirale,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• den Einsatz von Arbeitsunterlagen, Unterrichtsmaterialien und Medien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es existieren unterschiedliche Systematisierungen der Methodik, da sie vom jeweiligen pädagogischen Betrachtungswinkel abhängig sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernumgebung, Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Traditionell werden unter Lernumgebung oder Unterrichtskontext vorgegebene Faktoren verstanden, die die Rahmenbedingungen der Lehr- und Lernprozesse bilden. In der Kinästhetik und vermehrt in der modernen Pädagogik (z. B. bei Diethelm Wahl) werden die Begriffe Lernumgebung und Gestaltung der Lernumgebung in dem Sinn verwendet, dass Lernen immer ein selbstgesteuerter innerer Prozess ist, auf den von außen nicht direkt ursächlich oder kausal eingewirkt werden kann. Deshalb werden in der Kinästhetik diese Begriffe zur Bezeichnung des Unterrichts bzw. des Unterrichtens oder der Lehrtätigkeit verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Kompetenz&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Kompetenz wird in der Pädagogik unterschiedlich definiert. Im Sinn von tauglichen Kurzdefinitionen kann sie als die erlernte Fähigkeit zu einem erfolgreichen Verhalten in der Praxis, zur Problemlösung oder auch als die Disposition zur Praxisbewältigung umrissen werden. Sie setzt sich in diesem Sinn aus Wissen, Können/Handeln und Wollen zusammen. Entsprechend werden Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen als Kompetenzressourcen bezeichnet. In ihrem Zusammenspiel – und nicht in ihrer Summe – bilden sie die Grundlagen von Kompetenzen. Bestimmte Definitionen des Kompetenzbegriffs weisen zusätzlich auf motivationale und soziale Aspekte des Kompetenzbegriffs hin.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine gewisse Übereinstimmung aktueller Kompetenzdefinitionen besteht darin, dass sich Kompetenz in unterschiedlichen Situationen aus einem Bereich der Lebenswelt zeigt. Das kompetente Verhalten in einer bestimmten konkreten Situation wird dabei von einigen AutorInnen als Performanz bezeichnet und vom Kompetenzbegriff abgegrenzt. Aktuelle Curricula bauen sehr oft auf dem Verständnis des Kompetenzbegriffs auf und beschreiben im Kern die angestrebten Kompetenzen und Kompetenzressourcen in bestimmten Handlungsfeldern und ihren Situationen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine aktuelle Kompetenzdefinition, an der sich die Weiterentwicklung der Curricula der Bildungsangebote der European Kinaesthetics Association orientiert, ist diejenige von Gianni Ghisla:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Als Kompetenz wird zuerst einmal die Fähigkeit von individuellen oder kollektiven Subjekten verstanden, eine Klasse von Situationen, allenfalls eine einzelne Situation, erfolgreich zu meistern und somit eine Tätigkeit zu vollziehen. Um in Situationen kompetent zu sein, bedarf es der Aktivierung von individuellen oder gruppengebundenen Ressourcen, nämlich von Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen.“ (Ghisla 2008, S. 21)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Kompetenz liegt also nicht einfach in den Ressourcen (Kenntnis, Fähigkeiten und Haltungen), aus denen sie in der jeweiligen Situation entsteht und auch nicht in der Summe, sondern im Akt der kreativen und funktionalen Kombination und Mobilisierung dieser Ressourcen in Situationen.“ (Ghisla 2008, S. 24 f.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernziel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernziele sind die angestrebten Ziele des Lernens. Da Lernen ein zielorientierter innerer Prozess ist, sind die individuellen Lernziele der einzelnen Lernenden ausschlaggebend. Im Idealfall können sich Lernende mit von außen vorgegebenen oder vorgeschlagenen Lernzielen identifizieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aufgrund ihres Abstraktionsgrades kann zwischen Leit- oder Richtzielen, Grob- und Feinzielen unterschieden werden. Ausgehend vom Kompetenzbegriff können Lernziele bestimmte Kompetenzen oder zugrunde liegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen betreffen. Gängig ist die entsprechende Unterscheidung zwischen kognitiven, psychomotorischen und affektiven Lernzielen. Im Bereich des Wissens hat sich die Taxonomie der kognitiven Lernziele nach Bloom als hilfreich und sinnvoll erwiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Klar definierte und den Lernenden bekannte Lernziele mit ihren Beurteilungskriterien sind für die faire Überprüfung ihrer Erreichung elementar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lerninhalt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lerninhalt bezeichnet den Gegenstand des Lernens oder das Thema, mit dem sich Lernende auseinandersetzen. Dabei kann es um theoretische oder praktische Inhalte gehen. Bis weit ins 20. Jahrhundert orientierten sich Lehrpläne an den Inhalten und Stoffen. Sie schrieben vor, welche Inhalte wann zu behandeln waren. Viele Inhalte wurden als Wert an sich betrachtet (z. B. Goethe, Faust). Welche Lernziele oder Kompetenzen die Auseinandersetzung mit ihnen verfolgte, war im Gegensatz zu heute nicht oder kaum Thema.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernprozess&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernprozess bezeichnet den Vorgang oder Verlauf des Lernens.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Sozialform&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Sozialform ist ein didaktischer Fachbegriff. Er beschreibt die Möglichkeiten der Beziehung oder Interaktionen, in der Lernende untereinander bzw. zu den Lehrenden in den einzelnen Phasen eines Lernprozesses stehen. Es kann zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit (immer mit oder ohne Betreuung durch Lehrende auf Anfrage) und Klassenunterricht unterschieden werden. Auch im Klassenunterricht kann die Sozialform unterschiedlich ausgestaltet werden (Lehrvortrag, Präsentation von Lernergebnissen durch Lernende, offene Diskussion usw.).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Konstruktion, Wissenskonstruktion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Im Rahmen der Erkenntnistheorie bezeichnet Konstruktion eine grundlegende kybernetische Annahme, wie der Mensch Informationen verarbeitet. Sie geht davon aus, dass Reize jeglicher Art (physikalische, chemische usw., innere, äußere) vom Menschen bzw. von seinen körperlichen Rezeptoren nicht in einem objektiven Sinn wie von einem technischen Aufnahmegerät registriert oder abgebildet werden. Vielmehr werden sie von jedem einzelnen Individuum subjektiv und gemäß seinem eigenen Funktionieren errechnet oder konstruiert – oder auch nicht oder höchstens unterbewusst wahrgenommen. Das bedeutet, dass sie in die individuellen Strukturen der eigenen Erfahrung und des eigenen Wissens eingebettet werden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff Wissenskonstruktion verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Rhythmus, Rhythmisierung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;In der Pädagogik werden die Begriffe Rhythmus und Rhythmisierung insbesondere im Kontext von Ganztagesschulen verwendet. Dabei geht es darum, Tagesabläufe z. B. mit stehenden Elementen des Ein- und Ausstiegs oder dem Wechsel von Arbeits- und Erholungsphasen oder der Sozialformen an die Zielgruppe angepasst zu gestalten. Der Begriff Rhythmisierung kann auch für die Gestaltung einer Lernsequenz in Bezug auf die Dauer, das Tempo und die Gewichtung der einzelnen Lernschritte der gesamten Lernsequenz verwendet werden. In der Kinästhetik spielt die Rhythmisierung in diesem Sinn insbesondere in Anleitungen zu Bewegungserfahrungen eine wichtige Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;4 Anhang: Kurzfassung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kurzfassung der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik ist ein auf das Wesentliche beschränkter Kriterienkatalog zur Beurteilung und Evaluation der eigenen oder fremder Gestaltung der Lernumgebung in Kinaesthetics-Bildungsangeboten. Sie steht auch als gesonderte Publikation zur Verfügung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Datei:1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten Prozess ermöglichen.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:2 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut.png|rahmenlos|zentriert]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Datei:2_Lernen_als_sinnhaften_und_zielorientierten_Prozess_erm%C3%B6glichen,_der_auf_den_pers%C3%B6nlichen_Voraussetzungen_aufbaut.png&amp;diff=6134</id>
		<title>Datei:2 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut.png</title>
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		<updated>2025-11-08T14:58:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;2 Lernen&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Datei:1_Lernen_als_aktiven,_konstruktiven_und_selbstgesteuerten_Prozess_erm%C3%B6glichen.png&amp;diff=6133</id>
		<title>Datei:1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten Prozess ermöglichen.png</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Datei:1_Lernen_als_aktiven,_konstruktiven_und_selbstgesteuerten_Prozess_erm%C3%B6glichen.png&amp;diff=6133"/>
		<updated>2025-11-08T14:57:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;1 Lernen&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
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	<entry>
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		<title>Datei:Text oben.png</title>
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		<updated>2025-11-08T14:51:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Text unten&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6125</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6125"/>
		<updated>2025-11-08T14:02:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien in Wikisyntax&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;2 Lernverständnis und Grundprinzipien&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.1 Einleitung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.1 Bezüge zum Menschenbild&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die nachfolgend dargestellten Grundprinzipien haben enge Bezüge zum zugrunde liegenden Menschenbild. So hat z. B. das erste Grundprinzip „Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen“ einen besonders engen Zusammenhang mit den Inhalten des einleitenden Kapitels „1.2.2. Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie“. Lernen als aktiver und konstruktiver Prozess schließt sich eng an die Bedeutung des Aphorismus „Jedes Erkennen ist Tun, und jedes Tun ist Erkennen“ an, Lernen als selbstgesteuerter Prozess an die kybernetische Grundidee der Selbstregulation und Autonomie usw. Explizite Hinweise auf diese Bezüge würden den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.2 Darstellung der Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Folgenden werden die einzelnen Grundprinzipien an erster Stelle mit lerntheoretischen Überlegungen und Annahmen dargestellt. Sie erläutern und begründen das zugehörige Lernverständnis. Dieses wird hier nicht mit Fachliteratur belegt. Eine mit Quellenangaben belegte Darstellung der Lerntheorie der Kinästhetik findet sich im Artikel „Lernen (Kinästhetik)“ des Kinaesthetics-Online-Fachlexikons (KOFL).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;An zweiter Stelle wird jedes Grundprinzip mit Umsetzungsmöglichkeiten konkretisiert.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.3 Ziel und Zweck der Darstellung&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Darstellung verfolgt das Ziel, pädagogisch-didaktische Aspekte der Gestaltung der Lernumgebung hochgradig zu differenzieren. Dies soll TrainerInnen helfen, ihre konkreten Gestaltungen der Lernumgebung möglichst differenziert zu reflektieren, zu begründen und anzupassen. In der Realität greifen die Grundprinzipien ineinander und sind oft eng miteinander verbunden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.4 Bezüge zu methodischen Großformen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Grundsätzlich kann jedes Grundprinzip mit unterschiedlichen Methoden in der konkreten Gestaltung der Lernumgebung umgesetzt werden. Deshalb werden hier insbesondere methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Lernpuzzle höchstens angedeutet. Sie stützen sich in ihrer Anlage auf viele Grundprinzipien der Kinästhetik und werden in anderen Publikationen dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.5 Kürze und Einheitlichkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Formulierungen zielen bewusst auf Kürze und Einheitlichkeit. Für die Lehrperson wird durchgängig der Begriff „TrainerIn“ verwendet, für die Teilnehmenden eines Bildungsanlasses „Lernende“, für Unterricht „Gestaltung der Lernumgebung“ usw.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.2 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.1 Eigenaktivität und eigene Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein aktiver innerer Prozess. Lernen bedeutet eigenes Tun, bedeutet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten durch eigenes Handeln, Erleben und Erfahren. Diesbezüglich spielen in der Kinästhetik Bewegungserfahrungen grundsätzlich und insbesondere zur gezielten Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich mit den Lerninhalten durch eigenes Tun, aktives Handeln und Erfahren, das über bloßes Zuhören oder Zuschauen hinausgeht, auseinanderzusetzen. Sie ermöglicht ihnen ebenso, das eigene Tun und Erfahren selbst zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie leitet Einzel- und Partnererfahrungen mit spezifischen Blickwinkeln und passenden Unterschieden an. Diese Bewegungserfahrungen ermöglichen es den Lernenden, mit ihrer Bewegungswahrnehmung Unterschiede gezielt in sich selbst zu erfahren und ihre kinästhetische Wahrnehmung in unterschiedlichen alltäglichen Aktivitäten eigenaktiv zu sensibilisieren.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.2 Individuelles Konstruieren ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein konstruktiver innerer Prozess. Das meint, dass Lerninhalte mit den individuellen Strukturen des Wissens und der Erfahrungen verknüpft werden. Sie werden in die eigenen Fragestellungen und Annahmen eingebettet. In Lernprozessen erweitern Lernende ihre eigenen Wissens- und Erfahrungsstrukturen oder bauen sie neu auf.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre eigenen Fragen an die Lerninhalte zu stellen und ausgehend von den Lerninhalten und ihren Wissens- und Erfahrungsstrukturen ihre eigenen Lernthemen zu definieren. Sie ermöglicht ihnen, ihre persönlichen Antworten zu „konstruieren“ und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn gestaltet ihre Fragestellungen, Aufgaben und Anleitungen offen und nicht so, dass sie auf ihren „Input“ einen bestimmten, einzig richtigen „Output“ der Lernenden erwartet. Sie trivialisiert weder die Lerninhalte noch die Lernenden (vgl. Heinz von Foerster, https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/Maschinen_(triviale_und_nichttriviale)).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fakten und eindeutig beantwortbare Problemstellungen werden grundsätzlich nicht erfragt, sondern als solche dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.3 Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein selbstgesteuerter und autonomer („eigengesetzlicher“) innerer Prozess. Was und wie die einzelnen Lernenden lernen, bestimmen letztlich nur sie selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ihr Lernen ist abhängig von den individuellen Regeln (oder „Gesetzen“), nach denen sie ihr ganzes Verhalten regulieren. Lernprozesse werden von der TrainerIn und ihrer Gestaltung der Lernumgebung beeinflusst und bestenfalls unterstützt, können aber von ihr nicht direkt gesteuert oder bestimmt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn erwartet nicht, dass alle Lernenden durch ihre Gestaltung der Lernumgebung im gleichen Moment dasselbe wahrnehmen, verstehen und daran anknüpfen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie geht nicht davon aus, dass alle Lernenden zum gleichen Zeitpunkt die gleichen Lernprozesse durchlaufen müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die einzelnen Lernschritte so, dass ein individueller Spielraum entstehen kann und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht und unterstützt wird.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.4 Die zirkuläre Verbindung von Erfahrung und Theorie ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist in Bezug auf Lernen das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ gängig. Es ist eine bewusste Umkehrung des traditionellen Unterrichtens nach dem Motto „Erst die Theorie, dann die Praxis“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Begriff Theorie meint dabei die (rein) begriffliche und abstrakte Betrachtungsweise von Phänomenen oder Tatsachen bzw. ihrer Gesetzlichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Gestaltung der Lernumgebung ist das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ eine wertvolle Leitlinie, um Lernende z. B. das theoretische Konzeptverständnis aus Bewegungserfahrungen handelnd und selbstgesteuert erarbeiten zu lassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ihr praktisches Tun und Erfahren gezielt zu Lernen und Erkenntnissen führt, brauchen Lernende allerdings immer bestimmte Blickwinkel oder Kriterien bzw. ein Mindestmaß an vorgängiger „Theorie“. Nur so können sie zielgerichtet auf ihre konkreten Erfahrungen achten und sie hinsichtlich theoretischer Erkenntnisse und Regeln reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Motto „Von der Erfahrung zur Theorie“ kann somit dahingehend präzisiert werden, dass es darum geht, Erfahrung und Theorie in einem zeitnahen zirkulären Wechselspiel zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei verbinden die einzelnen Lernenden ihre konkreten Erfahrungen, ihr Tun und Handeln in fortgesetzter Zirkularität mit ihrer Konstruktion und Reflexion von Wissen und Annahmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch können sie ebenso lernen, die kinästhetische Fachsprache passend zu verwenden. Bei diesen Lernprozessen können der Austausch und Abgleich mit anderen Personen eine wichtige Rolle spielen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All dies unterstützt wesentlich den Aufbau oder die Erweiterung ihrer Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn schafft die Voraussetzungen, dass die Lernenden ihre Kompetenzen in einem engen und zeitnahen zirkulären Wechselspiel von eigener Erfahrung und theoretischer Wissenskonstruktion entwickeln können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei berücksichtigt sie das Vorwissen der Lernenden. Sie geht nicht davon aus, dass Lernende zuerst ausführliche theoretische Kenntnisse erwerben müssen, um sie dann praktisch umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie vermeidet lange theoretische Erklärungen, die erst nachträglich mit eigenaktiver Tätigkeit verbunden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In einem zirkulären Wechselspiel verbindet die TrainerIn Schritt für Schritt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Anleitungen zu Erfahrungen und praktischen Auseinandersetzungen, durch welche die Lerninhalte veranschaulicht werden,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Aufträge, durch welche die Lernenden diese Inhalte auf der theoretischen Ebene herleiten, reflektieren und beschreiben können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht es, dass sich die Lernenden über ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und fachsprachlichen Beschreibungen austauschen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.5 Das Verständnis der Bedeutung der Innenperspektive fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In diesem Kapitel werden die vorausgehenden Grundprinzipien aus der Perspektive der 1.-Person-Methodik nach F. J. Varela (vgl. https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/1.-Person-Methode) zusammenfassend beleuchtet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorausgehenden Grundprinzipien erhalten in der Kinästhetik dadurch eine besondere Bedeutung, dass die fortgesetzte und vertiefte Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation ein zentraler Lerninhalt ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie jede Sinneswahrnehmung kann die Bewegungswahrnehmung nur dadurch sensibilisiert werden, dass die einzelnen Lernenden mit ihren individuellen Voraussetzungen selbst aktiv werden und die spezifische Achtsamkeit auf ihr kinästhetisches Sinnessystem immer wieder trainieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche Lernprozesse beruhen auf der Innenperspektive der einzelnen Lernenden. Es geht darum, unter spezifischen Blickwinkeln durch eigenes Tun in sich selbst danach zu suchen, wie fein welche Unterschiede durch die eigene Bewegungswahrnehmung erfahrbar werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der 1.-Person-Methodik steht das subjektive Erleben des „Ichs“ und seine selbstverantwortliche, individuelle Entwicklung im Zentrum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für viele Lernende ist dieses Lernen ungewohnt. Im traditionellen Unterricht geht es um allgemeingültiges, objektiv beschreibbares Wissen und Können. Es befindet sich gewissermaßen außerhalb von einem selbst und muss „verinnerlicht“ werden – wer das tut, bzw. das subjektive Erleben des „Ichs“ spielen dabei keine Rolle: Hauptsache, man lernt, wie man es richtig macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weil die Lernenden in ihrer bisherigen Lerngeschichte hauptsächlich dieses Lernverständnis erlebt haben, kann es für sie eine Herausforderung bedeuten, sich auf die eigene Innenperspektive und Wahrnehmung einzulassen und ihr zu vertrauen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für einen bewussten und nachhaltigen Lernprozess ist es von Bedeutung, diese inneren Erfahrungen in einem zirkulären Wechselspiel mit der Außenperspektive (z. B. durch schriftliche Texte, andere Personen usw.) zu entwickeln und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, dass der Lernprozess bei der Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung darauf abzielt, in der eigenen Bewegung individuell erfahrbare Unterschiede immer feiner wahrzunehmen und zu regulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es geht darum, die eigene Bewegung bzw. sich selbst zu begreifen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, warum und wozu es wichtig ist, dass sich die Lernenden immer wieder ausführlich und intensiv mit sich selbst bzw. der Sensibilisierung ihrer Bewegungswahrnehmung beschäftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu macht sie verständlich und erfahrbar, welche Bedeutung die damit angestrebten Kompetenzen für die Praxis haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie erklärt den Unterschied zwischen diesem Lernverständnis und der traditionellen Sicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, dass es z. B. nicht darum geht, die „objektive“ Beschreibung erfahrbarer Unterschiede des Konzeptsystems möglichst genau zu verstehen und dann richtig umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie fördert die bewusste Entwicklung der kinästhetischen Sensibilität der Lernenden durch das zirkuläre Wechselspiel von inneren Erfahrungen und äußeren Aspekten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Rolle spielen dabei die sprachliche Reflexion der eigenen Erfahrungen, die Bewegungserfahrung mit einer PartnerIn und der Abgleich mit deren Beschreibung oder mit schriftlichen Texten.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.3 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.1 Anschluss an individuelles Vorwissen und bisherige Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernprozesse schließen immer an das individuelle Vorwissen und die persönlichen bisherigen Erfahrungen der einzelnen Lernenden an. Sie können nur dort einsetzen, wo sich die einzelne Lernende diesbezüglich befindet. Damit Lernende einen persönlichen Anschluss an Lerninhalte finden können, ist es unabdingbar, dass sie sich bewusst machen können, auf welchem Vorwissen und auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie müssen feststellen können, welches in Bezug darauf ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn versteht, wo die Lernenden stehen und was sie beschäftigt, erhält sie eine Grundlage für einen passenden gemeinsamen Lernprozess. Sie kann vermeiden, dass sie die Lernenden unter- oder überfordert. Es ist sinnvoll, den Lernenden immer wieder Standortbestimmungen zu ermöglichen. Durch diese können sie in „neuen“ Ausgangslagen feststellen, wo sie stehen und wohin sie in Bezug auf die erforderlichen Kompetenzen gelangen wollen und sollen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden immer wieder auf und/oder lässt sie erfahren, auf welchem Vorwissen oder auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie ermöglicht ihnen festzustellen, wo sie in Bezug auf dieses Vorwissen oder diese Kompetenzen stehen und welche ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet z. B. ein Fallbeispiel aus der Lebenswelt der Lernenden und fragt sie nach persönlich erlebten Situationen mit gleichen oder ähnlichen Herausforderungen. Sie lässt die Lernenden anhand dieser Beispiele die eigenen beruflichen Fragen und erforderlichen Kompetenzen erarbeiten. Sie gleicht, wo nötig, die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen der Lerninhalte damit ab.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn versucht darauf aufbauend, durch ihre Frage-, Aufgabenstellungen und Anleitungen die Lernenden weder zu unterfordern noch zu überfordern. Sie schätzt fortlaufend ein, ob die einzelnen Lernenden und die Gruppe einen angemessenen herausfordernden Anschluss an die aktuellen Lernprozesse finden. Gegebenenfalls passt sie ihre Gestaltung der Lernumgebung individuell oder für die Gruppe entsprechend an.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.2 Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst werden lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik können Lerninhalte auf Erklärungsmodellen und Annahmen beruhen, die nicht gängig sind (z. B. „Der Mensch ist lebenslang lernfähig“). Es ist leicht möglich, dass sie damit in Widerspruch stehen, wie die Lernenden bisher zugehörige Phänomene erklärt haben (z. B. „Mit zunehmenden Alter verliert der Mensch die Lernfähigkeit“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen kann eine Widersprüchlichkeit zwischen den Annahmen der Lernenden, worum es im Bildungsangebot geht, und den tatsächlichen angestrebten Lernzielen und Kompetenzen bestehen. Lernende können z. B. davon ausgehen, dass es in der Kinästhetik um die richtigen Transfertechniken und Handgriffe geht. Demgegenüber zielt das Bildungsangebot vielmehr auf ein individuell anzupassendes gemeinsames Lernen mit unterstützungsbedürftigen Personen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn dies nicht immer wieder bewusst gemacht wird, kann eine solche Unvereinbarkeit das Lernen und den Kompetenzaufbau behindern. Denn insbesondere in Praxissituationen können die bisherigen eigenen Annahmen und Erklärungen das Handeln bestimmen. Das im Lernprozess thematisierte alternative Verhalten, das auf einer neuen Sichtweise beruht, kommt nicht zum Zug.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die jeweiligen Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst gemacht werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Lernende sowohl ihre Verhaltensmuster als auch ihre Erklärungsmodelle und Annahmen erweitern oder ändern. Zugleich wird es ihnen möglich, ihr Verhalten mit passenden Erklärungsmodellen zu begründen oder mit anderen abzugleichen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welche Annahmen und Erklärungsmodelle den Lerninhalten und -prozessen zugrunde liegen (z. B. „Der Mensch kann seine Bewegungskompetenz lebenslang erweitern“). Sie ermöglicht ihnen festzustellen, welche Annahmen und Erklärungsmodelle sie selbst bisher diesen Lerninhalten bzw. den zugehörigen Phänomenen zugrunde gelegt haben (z. B. „Im Alter werden Menschen natürlicherweise steif und unbeweglich und können nicht mehr lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten besser zu nutzen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden wiederholt, im zirkulären Wechselspiel mit Erfahrungen in Praxissituationen ihre eigenen Annahmen und Erklärungsmodelle zu reflektieren und mit anderen zu vergleichen, um Abweichungen und Übereinstimmungen zu erkennen. Dadurch verschafft die TrainerIn ihnen die Möglichkeit, ihr Verhalten und dessen Erklärungen bewusst zu erweitern oder zu verändern und es passend begründen zu lernen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.3 Die persönliche Bedeutung der Lerninhalte und eigenes Interesse entdecken lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, intensiv und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie die persönliche Bedeutung und Sinnhaftigkeit der Lerninhalte und -prozesse für sich selbst bzw. für ihre Lebenswelt und deren Situationen erkennen. Dazu wird den Lernenden immer wieder ermöglicht, den Nutzen zu erfahren und zu erkennen, den die Lerninhalte für sie selbst, für ihre Lebenssituationen oder daran beteiligte Personen haben. Die Lernenden können dadurch ein eigenes Interesse für die Zielsetzungen des Lernens entwickeln und sich mit diesen identifizieren. Wenn dies nicht der Fall ist, führen die Lernprozesse eher zu trägem Wissen, das keine Auswirkungen auf die Praxis hat, und kaum zur Erweiterung oder zum Aufbau von Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welches Ziel das Bildungsangebot im Ganzen verfolgt und zu welchen Kompetenzen bzw. Fähigkeiten, Kenntnissen und Haltungen in Lebenssituationen die Lerninhalte und -prozesse führen können. Sie ermöglicht den Lernenden, die Bedeutung und den Nutzen dieser Lerninhalte und -prozesse für sie selbst und ihre eigenen Lebenssituationen zu entdecken und ein persönliches Interesse an den Zielsetzungen zu entwickeln. Dazu gehört, dass sie den Lernenden ermöglicht, ihre eigenen Anregungen einzubringen und ihre persönliche Motivation und Zielsetzung zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage unter den vorausgehenden Aspekten hat eine besondere Bedeutung für die zyklische Gestaltung der Lernumgebung bzw. für die Reflexion und Einschätzung der eigenen Lernfortschritte (vgl. 2.4 und insbesondere 2.4.5).&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.4 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.1 Die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein grundsätzlicher Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, gezielt und nachhaltig lernen und die Schritte ihres Lernprozesses gezielter reflektieren und beurteilen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz und Nachvollziehbarkeit gestaltet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch kann den Lernenden bewusst werden, weshalb und wozu die Schritte der Gestaltung der Lernumgebung in der konkreten inhaltlichen Ausprägung aufeinander folgen oder angepasst werden und wie diese Strukturierung zu den angestrebten Kompetenzen führen soll. Desgleichen kann ihnen klar werden, welcher persönliche Spielraum des konkreten Vorgehens für sie demzufolge besteht.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich die Logik des inhaltlichen und methodischen Ablaufs im Ganzen bewusst zu machen. Idealerweise ist ihnen das jederzeit möglich, indem z. B. der Ablauf auf einer Flipchart festgehalten und im Kursraum aufgehängt wird. Die TrainerIn erklärt, wie die Strukturierung der Lernschritte zu den angestrebten Lernzielen oder Kompetenzen führen soll.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den einzelnen Schritten ihrer Gestaltung der Lernumgebung zeigt sie den Lernenden ebenso auf und/oder lässt sie erfahren, wie sie mit dem vorausgehenden Schritt zusammenhängen und welches der rote Faden ist, der die Schritte verbindet. Sie gewährt den Lernenden den möglichen individuellen Spielraum, wie sie einen Schritt gemäß seinem Sinn und der Logik des Ablaufs vollziehen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.2 Die Gestaltung der Lernumgebung strukturieren&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert werden, dass es sich im Großen in strukturierten Zyklen vollzieht. Damit gemeint sind wiederholte Folgen zusammengehöriger, aufeinander aufbauender Lernschritte, die inhaltlich kreisförmig abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wichtige Elemente solcher Zyklen sind die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage (vgl. Kapitel 2.3.) und die Reflexion des Lernprozesses, die einen Zyklus abschließt (vgl. 2.4.5). Lernmodelle und methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Gruppenpuzzle orientieren sich oft an dieser grundlegenden Struktur.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Strukturierung der Gestaltung der Lernumgebung im Großen kann Lernen ebenso dadurch gefördert werden, dass längere und kürzere Lernschritte sowie Erholungsphasen in einem organischen Wechsel aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Großen und im Kleinen gliedern sich erfolgreiche Lernprozesse zudem in grundlegende Entwicklungsschritte. Sie erscheinen oft selbstverständlich wie z. B. der Entwicklungsschritt eines Lernprozesses vom Einfachen zum Schwierigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche grundlegenden Entwicklungsschritte werden im Folgenden stichwortartig aufgelistet, und zwar nur in einer Entwicklungsrichtung. Je nach Situation und Kontext kann die bewusste Verwendung der gegenteiligen Richtung sinnvoll sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von großen, leicht erfahr- oder wahrnehmbaren Unterschieden zu feinen Unterschieden und Differenzierungen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der Einzelerfahrung zur Partnererfahrung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der „Laborsituation“ zur Integration und Anwendung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von geführten, eng angeleiteten oder begleiteten Lernprozessen zum selbstverantwortlichen Lernen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Konkreten zum Abstrakten&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Einfachen zum Schwierigen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus lerntheoretischer Perspektive ist es sinnvoll, Bildungsangebote im Großen und in den einzelnen Schritten entsprechend zu strukturieren. Es gilt darauf zu achten, dass durch diese Strukturierungen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn strukturiert ihr Bildungsangebot im Großen und dessen Teile gemäß der inneren zyklischen Logik des Lernmodells bzw. von methodischen Großformen wie des Lernzyklus oder der Lernspirale. Sie passt diese Strukturierung der Teile folgerichtig an die angestrebten Kompetenzen und Lernziele an. Sie strukturiert ihre Gestaltung der Lernumgebung im Kleinen und im Großen bewusst nach grundlegenden Entwicklungsschritten von Lernprozessen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die Lernumgebung in einem organischen Wechsel von längeren und kürzeren Lernschritten und längeren und kürzeren Erholungsphasen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie beobachtet, ob ihre Strukturierungen die gewünschte Wirkung zeigen und die Lernprozesse unterstützen, und passt sie gegebenenfalls an. Je nach Lernziel, Situation oder Verlauf der Lernprozesse ist es angebracht, mit den erwähnten Strukturierungen bewusst zu spielen und z. B. einen Schritt von der Komplexität zur Einfachheit und wieder zurück zur Komplexität zu bauen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.3 Unterschiedliche Sozialformen und Methoden aufeinander folgen lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Abfolge von unterschiedlichen passenden Sozialformen und Methoden werden die Lernenden darin unterstützt, sich vielfältig und differenziert mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Ebenso kann dadurch lernfördernde Abwechslung erreicht und hinderliche Eintönigkeit vermieden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft ergibt sich die Abfolge von Sozialformen und methodischen Schritten aus der methodischen Großform (Lernzyklus, Lernspirale usw.), die der Gestaltung der Lernumgebung zugrunde gelegt wird (vgl. vorausgehendes Kapitel). In Bezug auf die Sozialform sind trainerzentrierte Phasen so kurz wie möglich zu halten (vgl. auch 2.5.2).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dennoch können viele Lernziele in unterschiedlichen Sozialformen und durch unterschiedliche Methoden erreicht werden. Eine Reflexion des Lernprozesses kann z. B. in selbstständiger schriftlicher Einzelarbeit, im mündlichen Austausch mit anderen Lernenden oder angeleitet in der gesamten Gruppe erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ist nicht gemeint, dass zur Erreichung eines Lernziels immer wieder eine andere Methode eingesetzt werden sollte. Die Verwendung der gleichen Methode bzw. des gleichen Dokumentationsinstrumentes hat z. B. bei der Lernprozessreflexion bestimmte Vorteile: Wenn Lernende ihren Lernprozess mehrfach auf die gleiche Weise schriftlich und selbstständig reflektieren, reduziert sich der Anleitungsaufwand für die TrainerIn. Die Lernenden können Fortschritte im differenzierten Umgang mit der verwendeten Methode bzw. dem eingesetzten Dokumentationsinstrument machen. Zudem können die Lernenden die Resultate ihrer einzelnen Reflexionen besser vergleichen und auswerten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Andererseits kann eine alternative Methode wie der mündliche Austausch neue Perspektiven eröffnen und weitere positive Effekte haben, die sich bei der schriftlichen Einzelarbeit nicht ergeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es gilt darauf zu achten, dass durch die Strukturierung mit unterschiedlichen methodischen Formen und Sozialformen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet in ihrer Gestaltung der Lernumgebung unterschiedliche passende Sozialformen und Methoden. Sie geht dabei von den jeweiligen angestrebten Kompetenzen und Lernzielen des Bildungsangebots und der einzelnen Schritte aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie wechselt in Bezug auf die Sozialformen sinnvoll zwischen eher kurzem geführtem und eher langem selbstverantwortlichem Lernen allein, zu zweit oder in Kleingruppen. Sie nutzt Phasen von selbstverantwortlichem Lernen dazu, die einzelnen Lernenden oder Kleingruppen in ihrem Lernprozess zu unterstützen, aber auch dazu, in den Hintergrund zu treten und die Lernenden allein arbeiten zu lassen. Solche Phasen kann die TrainerIn dazu nutzen, ihre bisherige Gestaltung der Lernumgebung zu reflektieren und gegebenenfalls die geplante Fortsetzung anzupassen und vorzubereiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn berücksichtigt das Alter der Lernenden und ihren Bildungsstand in Kinästhetik. Erfahrungsgemäß brauchen Jugendliche mehr und schnellere Wechsel der Sozialformen und Methoden, um nicht gelangweilt zu werden. Lernende, die schon einige Kinästhetik-Bildungsangebote besucht haben, sind z. B. eher fähig, länger in eine Bewegungserfahrung einzutauchen oder sich selbstständig mit einer längeren Aufgabe auf der Grundlage der Lernspirale zu beschäftigen. Zudem können genau solche Themen Lernziele oder angestrebte Kompetenzen für fortgeschrittene Lernende sein.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.4 Die Gestaltung der Lernumgebung an den Verlauf der Lernprozesse anpassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus einigen vorausgehenden Grundprinzipien ergibt sich die Notwendigkeit der Prozessorientierung der Gestaltung der Lernumgebung. Anpassungen an den Verlauf der Lernprozesse können selten jeder einzelnen Lernenden gerecht werden. Für die eine Person könnte auf einen nächsten methodischen Schritt verzichtet werden, für die andere nicht, die eine Person würde lieber allein weiterarbeiten, die andere in der Gruppe, der einen Person geht es zu schnell, der anderen zu langsam, die eine bräuchte mehr Pausen, die andere weniger usw. Dennoch kann Lernen dadurch unterstützt werden, dass prozessorientierte Anpassungen mit einem intuitiven Blick auf den Lernprozess der gesamten Gruppe der Lernenden in Bezug auf ihre Erreichung der Lernziele und Kompetenzen erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Prozessorientierte Anpassungen können im Großen auf der Ebene der Strukturierung bzw. der Wahl von Methoden und Sozialformen erfolgen. Desgleichen gilt es, in den einzelnen Schritten auf den Rhythmus der Gestaltung der Lernumgebung zu achten. Die Rhythmisierung, d. h. die Gestaltung eines Schrittes in Bezug auf Dauer, Tempo und Gewichtung der Lerninhalte, kann bewusst an die Qualität der Lernprozesse angepasst werden. In der Kinästhetik ist dies eine besondere Herausforderung bei der Anleitung von Bewegungserfahrungen. Es geht dabei um die nur intuitiv beantwortbaren Fragen, wie lange die Lernenden die Konzentration auf die eigene Bewegungswahrnehmung halten können und wann sie eine nächste Anleitung brauchen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für alle Beteiligten ist es befriedigender, wenn Lernziele mit mehr zeitlichem Aufwand als geplant erreicht werden, als wenn ein Lernprozess aus zeitlichen Gründen stark verkürzt oder weit vor seinem befriedigenden Abschluss abgebrochen wird. Oft bleibt bei den Lernenden im zweiten Fall nur Verwirrung und Frustration zurück, worum es dabei gegangen ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn langsamer als geplant vorankommt, muss sie sich überlegen, welche weiteren Lernschritte hinsichtlich der angestrebten Lernziele und Kompetenzen unverzichtbar sind und wie sie ihre Planung entsprechend anpassen kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch wenn solche Anpassungen im Kleinen und im Großen die Qualität der Lernprozesse fördern, ist es wichtig, dass die angesetzten Zeiten für Beginn, Pausen und Ende sowie andere Fixpunkte wie Praxissequenzen oder Morgen- und Abendrunden den Lernenden eine verlässliche und verbindliche Orientierung geben. Ebenso gilt es, den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten in geeigneter Weise in Erinnerung zu rufen, wie viel Zeit für den aktuellen Lernschritt noch zur Verfügung steht oder um wie viel Zeit er verlängert wird.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn beobachtet den Verlauf der Lernprozesse und schätzt ihre Qualität in Bezug auf die Zielerreichung ein. Sie nutzt dazu auch kleine Zwischengespräche oder kurze Bewegungserfahrungen mit den Lernenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Je nach ihrer Einschätzung nimmt sie Anpassungen oder Umstellungen auf der Ebene der Strukturierung, der Wahl von Methoden oder Sozialformen oder auch der Rhythmisierung usw. vor. Sie verkürzt oder verlängert Schritte bzw. verlangsamt oder beschleunigt den Rhythmus ihrer Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie der Rhythmus ihrer Anleitungen den Lernenden hilft, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels zu erfahren, und passt ihre Rhythmisierung gegebenenfalls an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die zur Verfügung stehende Zeit knapp wird, überlegt sie sich in Bezug auf die angestrebten Lernziele und Kompetenzen, welche geplanten Schritte unverzichtbar sind und bei welchen Schritten es vertretbar ist, sie in einer immer noch stimmigen Minimalvariante zu gestalten oder auf sie zu verzichten. Wenn es den Lernenden hilft, sich im Ablauf zu orientieren und ihn zu verstehen, erklärt und begründet sie ihre Anpassungen. Sie erinnert die Lernenden in passenden Momenten an die vorgesehene oder angepasste Zeitplanung.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.5 Fachsprachliche Dokumentation, Reflexion und zyklische Selbstevaluation der Lernprozesse ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass die Lernenden bewusst und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie ihre Lernprozesse unter Verwendung der Fachsprache dokumentieren. In der Kinästhetik haben insbesondere die Lernprozesse in Bewegungserfahrungen einen flüchtigen Charakter. Deshalb unterstützt es das Lernen, wenn sie zeitnah in geeigneter Form dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Den förderlichen zyklischen Charakter des Lernens macht wesentlich aus, dass die Lernenden regelmäßig ihre Lernprozesse bis zum aktuellen Zeitpunkt reflektieren, evaluieren und so die Abfolge von zusammengehörigen Lernschritten im Kreis schließen. In der Kinästhetik sind Reflexion und Selbstevaluation stehende Elemente der Gestaltung der Lernumgebung. Oft wird dazu der Vergleich mit der persönlichen Ausgangslage herangezogen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Lernenden halten dabei fest, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben. Sie ermitteln ihre Lernfortschritte im Vergleich mit ihrer Ausgangslage, aber auch Vertiefungsmöglichkeiten, den weiteren Lernbedarf und offene Fragen. Sie verknüpfen diese Reflexionen und Selbstevaluationen mit ihren Praxisthemen bzw. der Bedeutung für ihren beruflichen oder privaten Alltag. Dies trägt dazu bei, dass sie bis zur nächsten Reflexion und Selbstevaluation motiviert, gezielt und nachhaltig weiterlernen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen Dokumentationen, Reflexionen und Selbstevaluationen leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Lernenden die Fachsprache der Kinästhetik bewusst und differenziert verwenden lernen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre Lernprozesse regelmäßig zu dokumentieren. Sie ermöglicht ihnen, durch regelmäßige individuelle Reflexionen und Selbstevaluationen ihren aktuellen Stand mit ihrer Ausgangslage zu vergleichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie lässt die Lernenden einschätzen, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben und wo weiterer Lern- und Vertiefungsbedarf oder offene Fragen bestehen. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, z. B. mit dem Instrument der Bildungsfelder festzustellen, wo sie innerhalb oder außerhalb der angestrebten Ziele wichtige Lernprozesse gemacht haben. Sie lässt die Lernenden festhalten, welche Bedeutung ihre Lernprozesse für die Situationen ihrer Lebenswelt haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie unterstützt die Lernenden, bei der Dokumentation, Reflexion und Selbstevaluation die kinästhetische Fachsprache treffend zu verwenden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.6 Fremdeinschätzung durch Bewegungsinteraktion, Austausch und Reflexion ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen zyklischen Reflexionen und Selbstevaluationen können durch Fremdeinschätzungen wesentlich unterstützt werden. Sie ergänzen die Beurteilung des eigenen Lernprozesses durch die Außenperspektive anderer Personen. Oft fällt es diesen insbesondere leichter, die Lernfortschritte klar herauszustellen und zu würdigen. Ihre Perspektive kann aber auch dabei helfen, die Einschätzung des weiteren Lernbedarfs zu ergänzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist dabei die Bewegungsinteraktion von besonderer Bedeutung. Für die TrainerIn ist sie der geeignetste Weg, um die Bewegungskompetenz von Lernenden und ihren Entwicklungsbedarf einschätzen zu können. Auch durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Lernenden und die anschließenden gemeinsamen Reflexionen erhalten Lernende auf der Grundlage der konkreten Erfahrung Hinweise darauf, wie differenziert und angepasst sie ihre Bewegungskompetenz in Interaktionen über Berührung und Bewegung einsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Bewegungsinteraktion, den Austausch und die gemeinsame Reflexion mit anderen Teilnehmenden oder der TrainerIn wird die Selbstevaluation unterstützt. Die daraus entstehenden Unterschiede der Wahrnehmungen, Erfahrungen und ihrer Beschreibung können helfen, die eigenen Lernprozesse aus anderen Perspektiven zu reflektieren, zu evaluieren und präziser zu beschreiben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein sind der Austausch und die gemeinsame Reflexion von Lernschritten mit anderen Lernenden oder mit der TrainerIn eine Möglichkeit, dass Lernende eine Fremdeinschätzung bekommen, die für das eigene Lernen förderlich sein kann.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, durch die gemeinsame Reflexion von Lernschritten und insbesondere durch den Austausch und die gemeinsame Reflexion nach Bewegungsinteraktionen Unterschiede der Erfahrungen und ihrer Beschreibung festzustellen sowie eine Fremdeinschätzung zu erhalten. Sie selbst nutzt dazu die Interaktion über Berührung und Bewegung mit möglichst allen Lernenden, Rückmeldungen in konkreten Praxissituationen oder auch Einzel- und Gruppengespräche.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie macht den Lernenden durch ihre Fremdeinschätzung sachbezogen und wertschätzend deutlich, wie weit sie die angestrebten Ziele erreicht haben und auf welche Kriterien sie achten können, um weitere Lernfortschritte zu machen. Sie setzt sich dafür ein, dass sich auch die Lernenden gegenseitig sachbezogene und wertschätzende Rückmeldungen geben.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.5 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.1 Einen wechselseitigen respektvollen Umgang fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, ungestört und gerne lernen, kann dadurch geleistet werden, dass das gemeinsame Lernen durch einen wechselseitigen respektvollen Umgang geprägt wird. Dies gilt sowohl für den Umgang der TrainerIn mit den Lernenden als auch für den Umgang der Lernenden untereinander. Ist dies nicht der Fall, kann die Qualität der Lernprozesse stark beeinträchtigt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn respektiert die Persönlichkeit der einzelnen Lernenden und lebt einen respektvollen Umgang vor. Sie gibt in der gegebenen Situation zu erkennen, dass sie umgekehrt einen angemessenen Respekt erwartet. Sie thematisiert, wenn eine Situation dazu Anlass gibt, den Wert des wechselseitigen respektvollen Umgangs und trifft gegebenenfalls gemeinsam mit den Lernenden diesbezügliche Absprachen. Sie geht auf Störungen ein, ohne sie zuungunsten der Lernprozesse anderer Lernender überzubetonen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.2 Die Lernprozesse der Lernenden in den Mittelpunkt stellen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende intensiv lernen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung so gestaltet wird, dass die Lernprozesse der Lernenden und die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Lerninhalten im Mittelpunkt stehen. Die TrainerIn unterstützt und begleitet dies in der Kinästhetik insbesondere mit ihrer Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zentrierung auf die Lernprozesse der Lernenden und das gemeinsame Lernen kann formal dadurch erreicht werden, dass trainerzentrierte Phasen der Gestaltung der Lernumgebung so kurz wie möglich gehalten werden. Inhaltlich kann es dadurch erreicht werden, dass die Gestaltung der Lernumgebung sach- und situationsbezogen ist und nicht die eigene Person, die eigene Kompetenz und das eigene Wissen in den Vordergrund stellt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt in ihrer Gestaltung der Lernumgebung hauptsächlich den Lernenden Raum für ihre eigenen Lernprozesse und das gemeinsame Lernen zur Verfügung. Sie beschränkt Phasen, in denen sie im Mittelpunkt steht, auf das Nötige. Sie lässt die Lernenden erfahren, dass ihre Rolle hauptsächlich diejenige der kompetenten LernbegleiterIn ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu setzt sie ihr Fachwissen und in Bewegungsinteraktionen insbesondere ihre Bewegungskompetenz ein. Sie vermeidet es, gegenüber anderen Meinungen oder Verhaltensweisen das eigene (Besser-)Wissen in den Vordergrund zu stellen, sondern argumentiert möglichst sachbezogen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.3 Lernen in Partner- und Gruppenarbeit fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert und erweitert werden, dass es sich in Partner- oder Gruppenarbeit vollzieht. Dadurch entstehen Unterschiede zu den eigenen Annahmen, Erklärungen, (Bewegungs-)Erfahrungen, Wahrnehmungen und ihrer sprachlichen und fachsprachlichen Dokumentation. Diese Unterschiede können helfen, das eigene Lernen und die eigenen Erkenntnisse zu reflektieren sowie gegenüber anderen Personen genauer und verständlicher zu beschreiben. Die eigenen Lernprozesse werden durch den Austausch und Abgleich erweitert und bereichert.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht immer wieder Lernen zu zweit oder in Gruppen. Dieses betrifft insbesondere die Bewegungsinteraktion mit anschließender gemeinsamer Reflexion und fachsprachlicher Dokumentation. Die TrainerIn gibt den Lernenden ebenso die Möglichkeit zum Austausch über Annahmen, Erfahrungen und Erkenntnisse und deren Beschreibung. Sie unterstützt gegebenenfalls die Bildung von Lerngruppen, die gemeinsames Lernen in Bezug auf Praxis und Theorie pflegen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.4 Lernen durch Lehren fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende ihre Lernprozesse vertiefen, festigen und für andere strukturiert und verständlich aufbereiten, kann durch die Methode des Lernens durch Lehren geleistet werden. Seit der Antike wird der Ansatz „Durch Lehren lernen wir“ (Docendo discimus) vertreten. Die Methode trägt dazu bei, dass sich Lernende mit den Lerninhalten und -zielen persönlich identifizieren und sie selbst und nicht die TrainerIn im Mittelpunkt stehen (vgl. oben).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gruppenpuzzle ist eine hervorragende Methode dazu, dass Lernen durch Lehren allein und gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und reflektiert wird. Lernen durch Lehren kann in der Kinästhetik insbesondere für unterschiedliche Anleitungssituationen in Übereinstimmung mit den entsprechenden angestrebten Kompetenzen und Lernzielen verwendet werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, Themen vorzubereiten, die in Bezug auf die angestrebten Kompetenzen und Lernziele geeignet sind, und zu diesen Themen Lernumgebung für andere Lernende oder die ganze Gruppe zu gestalten. Sie sorgt dafür, dass den Lernenden die Lerninhalte und Materialien zur Verfügung stehen, und unterstützt gegebenenfalls die Lernenden in der Vorbereitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie ermöglicht den Lernenden, ihre Gestaltung der Lernumgebung für sich oder gemeinsam zu reflektieren, und achtet darauf, dass sie sachliche und wertschätzende Rückmeldungen erhalten. Sie verwendet das Gruppenpuzzle oder Lernen durch Lehren für unterschiedliche Anleitungssituationen, die für die Lebenswelt und für die Praxissituationen der Lernenden relevant sind.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.6 Verständliche Aufgabenstellungen sowie Einrichtung, Materialien und Medien zweckdienlich zur Verfügung stellen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.1 Anleitungen und Aufgabenstellungen klar und eindeutig gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie gezielt, konzentriert und der Absicht entsprechend sich Lernende mit den Lerninhalten auseinandersetzen können, ist davon abhängig, wie gut sie die Anleitungen und Aufgabenstellungen verstehen. Dies wird wesentlich davon beeinflusst, wie verständlich und eindeutig diese formuliert, erklärt und gestaltet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Deshalb ist es wichtig, Aufgabenstellungen wohlüberlegt und sorgfältig zu formulieren und darzustellen. Ebenso wichtig ist sicherzustellen, dass die Lernenden die Aufgabenstellung und ihre Absicht genau verstehen und wissen, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn Lernende mithilfe einer Aufgabenstellung selbstständig arbeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den Anleitungen von Einzel- oder Partnererfahrungen sind in den einzelnen Anleitungsaussagen die Klarheit und Verständlichkeit von besonderer Bedeutung. Je präziser die Lernenden verstehen, was sie tun und auf welchen Blickwinkel sie dabei achten sollen, desto konzentrierter und differenzierter können sie die entsprechenden Unterschiede in sich wahrnehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Präzision der Anleitungsaussagen erlaubt es, dass sich die Lernenden im Lauf der Anleitung auf längere Phasen der Eigenerfahrung einlassen können. Wenn immer wieder nachgefragt werden muss, wie die Anleitung gemeint ist und worauf geachtet werden soll, fällt die fragende Person und die ganze Gruppe aus ihren Erfahrungen und ihrer Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn formuliert, erklärt und gestaltet ihre Anleitungen und Aufgabenstellungen wohlüberlegt und möglichst klar und eindeutig. Sie erklärt möglichst genau, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn möglich, verdeutlicht sie die Aufgabenstellung und ihre Absicht mit unterschiedlichen Darstellungsformen (mit kleinen beispielhaften Bewegungsanleitungen, schriftlich, mündlich, symbolisch, bildlich, mit Beispielen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dies leistet einen wertvollen Beitrag dazu, das Verständnis der Aufgabenstellung bei den Lernenden sicherzustellen. Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten, sich jederzeit die Aufgabenstellung bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie ihre Anleitungsaussagen und deren Rhythmus den Lernenden helfen, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels wahrzunehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gegebenenfalls passt sie ihre Formulierungen und Aussagen an. Sie achtet insbesondere bei der Anleitung von längeren Phasen der Eigenerfahrung darauf, dass die Lernenden möglichst genau wissen, wie sie auf welche Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung achten sollen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.2 Zweckdienlich Materialien bereitstellen und den Schulungsraum einrichten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag zu einer lernfördernden Atmosphäre und zu einer leichten und flüssigen Organisation der Gestaltung der Lernumgebung kann dadurch geleistet werden, dass die Einrichtung des Schulungsraumes sowie die Lern-, Unterrichts- und Moderationsmaterialien oder Medien zweckdienlich vorbereitet sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie sollen für die Benutzung leicht zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Flipcharts o. Ä. mit wenigen Stichworten oder bildlichen Darstellungen können spontan gestaltet werden. Wenn sie einen umfänglicheren Inhalt haben (Zeitplanung, Strukturen/Abläufe, Aufgaben usw.), ist es empfehlenswert, sie vorzubereiten oder vorgedruckte Materialien zu verwenden, damit nicht Zeit unnötig verloren geht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit bestimmte Informationen oder Dokumentationen von Lernprozessen den Lernenden jederzeit zur Verfügung stehen, können sie im Schulungsraum gut sichtbar aufgehängt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu beachten ist ein gewisses Maß an Materialien und Medien: Die Gestaltung der Lernumgebung wird nicht desto besser, je mehr Materialien und Medien zum Einsatz kommen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt vor dem Bildungsangebot die benötigten Materialien und Medien zusammen. Sie richtet den Schulungsraum so ein, dass sich die Lernenden willkommen und in lernfördernder Atmosphäre fühlen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle benötigten Materialien und Medien sollen zweckdienlich bereitgestellt und für alle Beteiligten leicht zugänglich sein. Die TrainerIn kann z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Stühle, Matten, Unterrichtsmaterial pro Teilnehmende bereitstellen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• einen Tisch mit Büchern/Infomaterial vorbereiten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Pinwände aufstellen und vorgedruckte Lehrmaterialien aufhängen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Geräte zum Abspielen von Videos oder Tonaufnahmen einrichten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Moderationsmaterialien und anderes Material wie Dokumentationswerkzeuge, Schreibzeug, Blocs, Betten usw. bereitstellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie achtet dabei auf ein angemessenes Maß an Materialien und Medien.&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;3 Glossar der pädagogischen Fachbegriffe&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Pädagogik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Pädagogik ist ein Wissenschaftszweig, der die Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung zum Thema hat. Der Begriff Erziehungswissenschaft wird gleichbedeutend oder als pädagogischer Teilbereich, der sich auf die Erziehung fokussiert, verwendet. Aus herkömmlicher Perspektive betrifft die Pädagogik Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, im heutigen Verständnis schließt sie Erziehungs- und Bildungsfragen in Bezug auf Menschen jeden Alters ein. In expliziter Abgrenzung wird in diesem Zusammenhang u. a. der Begriff Erwachsenenbildung verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Didaktik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Didaktik ist die wissenschaftliche Lehre vom Lehren und Lernen. Sie gilt als ein zentraler Teilbereich der Pädagogik. Im herkömmlichen Sinn bezeichnet sie die Lehre des Unterrichtens, im heutigen Sinn umfasst sie die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens, weil diese beiden Themen als untrennbar verbunden betrachtet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es kann zwischen allgemeiner Didaktik und Fachdidaktik(en) unterschieden werden. Die allgemeine Didaktik befasst sich mit Lehren und Lernen unabhängig von Lerninhalten oder -themen bzw. von Fächern oder Fachgebieten. Aufgrund des Fehlens einer allgemein anerkannten umfassenden Lerntheorie bzw. der Abhängigkeit der allgemeinen Didaktik vom zugrunde liegenden Lernverständnis gibt es unterschiedliche allgemeindidaktische Modelle oder Konzepte. Beispiele sind die konstruktivistische, evolutionäre oder lerntheoretische Didaktik. Fachdidaktiken befassen sich mit Lehren und Lernen in Bezug auf spezifische Fächer, Fachgebiete oder Lerninhalte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Methodik&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Methodik ist die wissenschaftliche Lehre von geregelten, planmäßigen Verfahrens- oder Vorgehensweisen des Lehrens bzw. Lernens auf ein bestimmtes Ziel hin. Methodik ist ein pädagogischer Teilbereich, der je nach Auffassung von der Didaktik abgegrenzt oder ihr bei- oder untergeordnet wird. Die enge Verbindung der beiden Teilbereiche zeigt sich in den häufigen Fügungen „Methodik und Didaktik“ oder „methodisch-didaktisch“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Methodik befasst sich mit der praktischen Vorgehensweise beim Lehren bzw. Lernen und der geregelten Abfolge der einzelnen Schritte zur Zielerreichung. Ihre Themen sind weitreichend und umfassen z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Unterrichtsmethoden wie Frontal-, Werkstatt- oder Projektunterricht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Sozial- und Arbeitsformen wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit sowie konkretere methodische Großformen wie Gruppenpuzzle, Rollenspiel oder in der Kinästhetik Lernzyklus oder Lernspirale,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• den Einsatz von Arbeitsunterlagen, Unterrichtsmaterialien und Medien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es existieren unterschiedliche Systematisierungen der Methodik, da sie vom jeweiligen pädagogischen Betrachtungswinkel abhängig sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernumgebung, Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Traditionell werden unter Lernumgebung oder Unterrichtskontext vorgegebene Faktoren verstanden, die die Rahmenbedingungen der Lehr- und Lernprozesse bilden. In der Kinästhetik und vermehrt in der modernen Pädagogik (z. B. bei Diethelm Wahl) werden die Begriffe Lernumgebung und Gestaltung der Lernumgebung in dem Sinn verwendet, dass Lernen immer ein selbstgesteuerter innerer Prozess ist, auf den von außen nicht direkt ursächlich oder kausal eingewirkt werden kann. Deshalb werden in der Kinästhetik diese Begriffe zur Bezeichnung des Unterrichts bzw. des Unterrichtens oder der Lehrtätigkeit verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Kompetenz&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Kompetenz wird in der Pädagogik unterschiedlich definiert. Im Sinn von tauglichen Kurzdefinitionen kann sie als die erlernte Fähigkeit zu einem erfolgreichen Verhalten in der Praxis, zur Problemlösung oder auch als die Disposition zur Praxisbewältigung umrissen werden. Sie setzt sich in diesem Sinn aus Wissen, Können/Handeln und Wollen zusammen. Entsprechend werden Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen als Kompetenzressourcen bezeichnet. In ihrem Zusammenspiel – und nicht in ihrer Summe – bilden sie die Grundlagen von Kompetenzen. Bestimmte Definitionen des Kompetenzbegriffs weisen zusätzlich auf motivationale und soziale Aspekte des Kompetenzbegriffs hin.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine gewisse Übereinstimmung aktueller Kompetenzdefinitionen besteht darin, dass sich Kompetenz in unterschiedlichen Situationen aus einem Bereich der Lebenswelt zeigt. Das kompetente Verhalten in einer bestimmten konkreten Situation wird dabei von einigen AutorInnen als Performanz bezeichnet und vom Kompetenzbegriff abgegrenzt. Aktuelle Curricula bauen sehr oft auf dem Verständnis des Kompetenzbegriffs auf und beschreiben im Kern die angestrebten Kompetenzen und Kompetenzressourcen in bestimmten Handlungsfeldern und ihren Situationen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine aktuelle Kompetenzdefinition, an der sich die Weiterentwicklung der Curricula der Bildungsangebote der European Kinaesthetics Association orientiert, ist diejenige von Gianni Ghisla:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Als Kompetenz wird zuerst einmal die Fähigkeit von individuellen oder kollektiven Subjekten verstanden, eine Klasse von Situationen, allenfalls eine einzelne Situation, erfolgreich zu meistern und somit eine Tätigkeit zu vollziehen. Um in Situationen kompetent zu sein, bedarf es der Aktivierung von individuellen oder gruppengebundenen Ressourcen, nämlich von Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen.“ (Ghisla 2008, S. 21)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Kompetenz liegt also nicht einfach in den Ressourcen (Kenntnis, Fähigkeiten und Haltungen), aus denen sie in der jeweiligen Situation entsteht und auch nicht in der Summe, sondern im Akt der kreativen und funktionalen Kombination und Mobilisierung dieser Ressourcen in Situationen.“ (Ghisla 2008, S. 24 f.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernziel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernziele sind die angestrebten Ziele des Lernens. Da Lernen ein zielorientierter innerer Prozess ist, sind die individuellen Lernziele der einzelnen Lernenden ausschlaggebend. Im Idealfall können sich Lernende mit von außen vorgegebenen oder vorgeschlagenen Lernzielen identifizieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aufgrund ihres Abstraktionsgrades kann zwischen Leit- oder Richtzielen, Grob- und Feinzielen unterschieden werden. Ausgehend vom Kompetenzbegriff können Lernziele bestimmte Kompetenzen oder zugrunde liegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen betreffen. Gängig ist die entsprechende Unterscheidung zwischen kognitiven, psychomotorischen und affektiven Lernzielen. Im Bereich des Wissens hat sich die Taxonomie der kognitiven Lernziele nach Bloom als hilfreich und sinnvoll erwiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Klar definierte und den Lernenden bekannte Lernziele mit ihren Beurteilungskriterien sind für die faire Überprüfung ihrer Erreichung elementar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lerninhalt&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lerninhalt bezeichnet den Gegenstand des Lernens oder das Thema, mit dem sich Lernende auseinandersetzen. Dabei kann es um theoretische oder praktische Inhalte gehen. Bis weit ins 20. Jahrhundert orientierten sich Lehrpläne an den Inhalten und Stoffen. Sie schrieben vor, welche Inhalte wann zu behandeln waren. Viele Inhalte wurden als Wert an sich betrachtet (z. B. Goethe, Faust). Welche Lernziele oder Kompetenzen die Auseinandersetzung mit ihnen verfolgte, war im Gegensatz zu heute nicht oder kaum Thema.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lernprozess&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Lernprozess bezeichnet den Vorgang oder Verlauf des Lernens.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Sozialform&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Sozialform ist ein didaktischer Fachbegriff. Er beschreibt die Möglichkeiten der Beziehung oder Interaktionen, in der Lernende untereinander bzw. zu den Lehrenden in den einzelnen Phasen eines Lernprozesses stehen. Es kann zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit (immer mit oder ohne Betreuung durch Lehrende auf Anfrage) und Klassenunterricht unterschieden werden. Auch im Klassenunterricht kann die Sozialform unterschiedlich ausgestaltet werden (Lehrvortrag, Präsentation von Lernergebnissen durch Lernende, offene Diskussion usw.).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Konstruktion, Wissenskonstruktion&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Im Rahmen der Erkenntnistheorie bezeichnet Konstruktion eine grundlegende kybernetische Annahme, wie der Mensch Informationen verarbeitet. Sie geht davon aus, dass Reize jeglicher Art (physikalische, chemische usw., innere, äußere) vom Menschen bzw. von seinen körperlichen Rezeptoren nicht in einem objektiven Sinn wie von einem technischen Aufnahmegerät registriert oder abgebildet werden. Vielmehr werden sie von jedem einzelnen Individuum subjektiv und gemäß seinem eigenen Funktionieren errechnet oder konstruiert – oder auch nicht oder höchstens unterbewusst wahrgenommen. Das bedeutet, dass sie in die individuellen Strukturen der eigenen Erfahrung und des eigenen Wissens eingebettet werden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff Wissenskonstruktion verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Rhythmus, Rhythmisierung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;In der Pädagogik werden die Begriffe Rhythmus und Rhythmisierung insbesondere im Kontext von Ganztagesschulen verwendet. Dabei geht es darum, Tagesabläufe z. B. mit stehenden Elementen des Ein- und Ausstiegs oder dem Wechsel von Arbeits- und Erholungsphasen oder der Sozialformen an die Zielgruppe angepasst zu gestalten. Der Begriff Rhythmisierung kann auch für die Gestaltung einer Lernsequenz in Bezug auf die Dauer, das Tempo und die Gewichtung der einzelnen Lernschritte der gesamten Lernsequenz verwendet werden. In der Kinästhetik spielt die Rhythmisierung in diesem Sinn insbesondere in Anleitungen zu Bewegungserfahrungen eine wichtige Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;4 Anhang: Kurzfassung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kurzfassung der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik ist ein auf das Wesentliche beschränkter Kriterienkatalog zur Beurteilung und Evaluation der eigenen oder fremder Gestaltung der Lernumgebung in Kinaesthetics-Bildungsangeboten. Sie steht auch als gesonderte Publikation zur Verfügung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6110</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
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		<updated>2025-11-08T13:03:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien in Wikisyntax&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;2 Lernverständnis und Grundprinzipien&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.1 Einleitung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.1 Bezüge zum Menschenbild&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die nachfolgend dargestellten Grundprinzipien haben enge Bezüge zum zugrunde liegenden Menschenbild. So hat z. B. das erste Grundprinzip „Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen“ einen besonders engen Zusammenhang mit den Inhalten des einleitenden Kapitels „1.2.2. Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie“. Lernen als aktiver und konstruktiver Prozess schließt sich eng an die Bedeutung des Aphorismus „Jedes Erkennen ist Tun, und jedes Tun ist Erkennen“ an, Lernen als selbstgesteuerter Prozess an die kybernetische Grundidee der Selbstregulation und Autonomie usw. Explizite Hinweise auf diese Bezüge würden den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.2 Darstellung der Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Folgenden werden die einzelnen Grundprinzipien an erster Stelle mit lerntheoretischen Überlegungen und Annahmen dargestellt. Sie erläutern und begründen das zugehörige Lernverständnis. Dieses wird hier nicht mit Fachliteratur belegt. Eine mit Quellenangaben belegte Darstellung der Lerntheorie der Kinästhetik findet sich im Artikel „Lernen (Kinästhetik)“ des Kinaesthetics-Online-Fachlexikons (KOFL).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;An zweiter Stelle wird jedes Grundprinzip mit Umsetzungsmöglichkeiten konkretisiert.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.3 Ziel und Zweck der Darstellung&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Darstellung verfolgt das Ziel, pädagogisch-didaktische Aspekte der Gestaltung der Lernumgebung hochgradig zu differenzieren. Dies soll TrainerInnen helfen, ihre konkreten Gestaltungen der Lernumgebung möglichst differenziert zu reflektieren, zu begründen und anzupassen. In der Realität greifen die Grundprinzipien ineinander und sind oft eng miteinander verbunden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.4 Bezüge zu methodischen Großformen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Grundsätzlich kann jedes Grundprinzip mit unterschiedlichen Methoden in der konkreten Gestaltung der Lernumgebung umgesetzt werden. Deshalb werden hier insbesondere methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Lernpuzzle höchstens angedeutet. Sie stützen sich in ihrer Anlage auf viele Grundprinzipien der Kinästhetik und werden in anderen Publikationen dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.1.5 Kürze und Einheitlichkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Formulierungen zielen bewusst auf Kürze und Einheitlichkeit. Für die Lehrperson wird durchgängig der Begriff „TrainerIn“ verwendet, für die Teilnehmenden eines Bildungsanlasses „Lernende“, für Unterricht „Gestaltung der Lernumgebung“ usw.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.2 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.1 Eigenaktivität und eigene Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein aktiver innerer Prozess. Lernen bedeutet eigenes Tun, bedeutet die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten durch eigenes Handeln, Erleben und Erfahren. Diesbezüglich spielen in der Kinästhetik Bewegungserfahrungen grundsätzlich und insbesondere zur gezielten Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich mit den Lerninhalten durch eigenes Tun, aktives Handeln und Erfahren, das über bloßes Zuhören oder Zuschauen hinausgeht, auseinanderzusetzen. Sie ermöglicht ihnen ebenso, das eigene Tun und Erfahren selbst zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie leitet Einzel- und Partnererfahrungen mit spezifischen Blickwinkeln und passenden Unterschieden an. Diese Bewegungserfahrungen ermöglichen es den Lernenden, mit ihrer Bewegungswahrnehmung Unterschiede gezielt in sich selbst zu erfahren und ihre kinästhetische Wahrnehmung in unterschiedlichen alltäglichen Aktivitäten eigenaktiv zu sensibilisieren.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.2 Individuelles Konstruieren ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein konstruktiver innerer Prozess. Das meint, dass Lerninhalte mit den individuellen Strukturen des Wissens und der Erfahrungen verknüpft werden. Sie werden in die eigenen Fragestellungen und Annahmen eingebettet. In Lernprozessen erweitern Lernende ihre eigenen Wissens- und Erfahrungsstrukturen oder bauen sie neu auf.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre eigenen Fragen an die Lerninhalte zu stellen und ausgehend von den Lerninhalten und ihren Wissens- und Erfahrungsstrukturen ihre eigenen Lernthemen zu definieren. Sie ermöglicht ihnen, ihre persönlichen Antworten zu „konstruieren“ und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn gestaltet ihre Fragestellungen, Aufgaben und Anleitungen offen und nicht so, dass sie auf ihren „Input“ einen bestimmten, einzig richtigen „Output“ der Lernenden erwartet. Sie trivialisiert weder die Lerninhalte noch die Lernenden (vgl. Heinz von Foerster, https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/Maschinen_(triviale_und_nichttriviale)).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fakten und eindeutig beantwortbare Problemstellungen werden grundsätzlich nicht erfragt, sondern als solche dargestellt.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.3 Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen ist ein selbstgesteuerter und autonomer („eigengesetzlicher“) innerer Prozess. Was und wie die einzelnen Lernenden lernen, bestimmen letztlich nur sie selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ihr Lernen ist abhängig von den individuellen Regeln (oder „Gesetzen“), nach denen sie ihr ganzes Verhalten regulieren. Lernprozesse werden von der TrainerIn und ihrer Gestaltung der Lernumgebung beeinflusst und bestenfalls unterstützt, können aber von ihr nicht direkt gesteuert oder bestimmt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn erwartet nicht, dass alle Lernenden durch ihre Gestaltung der Lernumgebung im gleichen Moment dasselbe wahrnehmen, verstehen und daran anknüpfen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie geht nicht davon aus, dass alle Lernenden zum gleichen Zeitpunkt die gleichen Lernprozesse durchlaufen müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die einzelnen Lernschritte so, dass ein individueller Spielraum entstehen kann und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht und unterstützt wird.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.4 Die zirkuläre Verbindung von Erfahrung und Theorie ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist in Bezug auf Lernen das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ gängig. Es ist eine bewusste Umkehrung des traditionellen Unterrichtens nach dem Motto „Erst die Theorie, dann die Praxis“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Begriff Theorie meint dabei die (rein) begriffliche und abstrakte Betrachtungsweise von Phänomenen oder Tatsachen bzw. ihrer Gesetzlichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Gestaltung der Lernumgebung ist das Paradigma „Von der Erfahrung zur Theorie“ eine wertvolle Leitlinie, um Lernende z. B. das theoretische Konzeptverständnis aus Bewegungserfahrungen handelnd und selbstgesteuert erarbeiten zu lassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ihr praktisches Tun und Erfahren gezielt zu Lernen und Erkenntnissen führt, brauchen Lernende allerdings immer bestimmte Blickwinkel oder Kriterien bzw. ein Mindestmaß an vorgängiger „Theorie“. Nur so können sie zielgerichtet auf ihre konkreten Erfahrungen achten und sie hinsichtlich theoretischer Erkenntnisse und Regeln reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Motto „Von der Erfahrung zur Theorie“ kann somit dahingehend präzisiert werden, dass es darum geht, Erfahrung und Theorie in einem zeitnahen zirkulären Wechselspiel zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei verbinden die einzelnen Lernenden ihre konkreten Erfahrungen, ihr Tun und Handeln in fortgesetzter Zirkularität mit ihrer Konstruktion und Reflexion von Wissen und Annahmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch können sie ebenso lernen, die kinästhetische Fachsprache passend zu verwenden. Bei diesen Lernprozessen können der Austausch und Abgleich mit anderen Personen eine wichtige Rolle spielen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All dies unterstützt wesentlich den Aufbau oder die Erweiterung ihrer Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn schafft die Voraussetzungen, dass die Lernenden ihre Kompetenzen in einem engen und zeitnahen zirkulären Wechselspiel von eigener Erfahrung und theoretischer Wissenskonstruktion entwickeln können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei berücksichtigt sie das Vorwissen der Lernenden. Sie geht nicht davon aus, dass Lernende zuerst ausführliche theoretische Kenntnisse erwerben müssen, um sie dann praktisch umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie vermeidet lange theoretische Erklärungen, die erst nachträglich mit eigenaktiver Tätigkeit verbunden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In einem zirkulären Wechselspiel verbindet die TrainerIn Schritt für Schritt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Anleitungen zu Erfahrungen und praktischen Auseinandersetzungen, durch welche die Lerninhalte veranschaulicht werden,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Aufträge, durch welche die Lernenden diese Inhalte auf der theoretischen Ebene herleiten, reflektieren und beschreiben können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht es, dass sich die Lernenden über ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und fachsprachlichen Beschreibungen austauschen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.2.5 Das Verständnis der Bedeutung der Innenperspektive fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In diesem Kapitel werden die vorausgehenden Grundprinzipien aus der Perspektive der 1.-Person-Methodik nach F. J. Varela (vgl. https://wiki.kinaesthetics.de/wiki/1.-Person-Methode) zusammenfassend beleuchtet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die vorausgehenden Grundprinzipien erhalten in der Kinästhetik dadurch eine besondere Bedeutung, dass die fortgesetzte und vertiefte Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation ein zentraler Lerninhalt ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie jede Sinneswahrnehmung kann die Bewegungswahrnehmung nur dadurch sensibilisiert werden, dass die einzelnen Lernenden mit ihren individuellen Voraussetzungen selbst aktiv werden und die spezifische Achtsamkeit auf ihr kinästhetisches Sinnessystem immer wieder trainieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche Lernprozesse beruhen auf der Innenperspektive der einzelnen Lernenden. Es geht darum, unter spezifischen Blickwinkeln durch eigenes Tun in sich selbst danach zu suchen, wie fein welche Unterschiede durch die eigene Bewegungswahrnehmung erfahrbar werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der 1.-Person-Methodik steht das subjektive Erleben des „Ichs“ und seine selbstverantwortliche, individuelle Entwicklung im Zentrum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für viele Lernende ist dieses Lernen ungewohnt. Im traditionellen Unterricht geht es um allgemeingültiges, objektiv beschreibbares Wissen und Können. Es befindet sich gewissermaßen außerhalb von einem selbst und muss „verinnerlicht“ werden – wer das tut, bzw. das subjektive Erleben des „Ichs“ spielen dabei keine Rolle: Hauptsache, man lernt, wie man es richtig macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weil die Lernenden in ihrer bisherigen Lerngeschichte hauptsächlich dieses Lernverständnis erlebt haben, kann es für sie eine Herausforderung bedeuten, sich auf die eigene Innenperspektive und Wahrnehmung einzulassen und ihr zu vertrauen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für einen bewussten und nachhaltigen Lernprozess ist es von Bedeutung, diese inneren Erfahrungen in einem zirkulären Wechselspiel mit der Außenperspektive (z. B. durch schriftliche Texte, andere Personen usw.) zu entwickeln und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.2.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, dass der Lernprozess bei der Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung darauf abzielt, in der eigenen Bewegung individuell erfahrbare Unterschiede immer feiner wahrzunehmen und zu regulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es geht darum, die eigene Bewegung bzw. sich selbst zu begreifen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, warum und wozu es wichtig ist, dass sich die Lernenden immer wieder ausführlich und intensiv mit sich selbst bzw. der Sensibilisierung ihrer Bewegungswahrnehmung beschäftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu macht sie verständlich und erfahrbar, welche Bedeutung die damit angestrebten Kompetenzen für die Praxis haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie erklärt den Unterschied zwischen diesem Lernverständnis und der traditionellen Sicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie zeigt auf, dass es z. B. nicht darum geht, die „objektive“ Beschreibung erfahrbarer Unterschiede des Konzeptsystems möglichst genau zu verstehen und dann richtig umzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie fördert die bewusste Entwicklung der kinästhetischen Sensibilität der Lernenden durch das zirkuläre Wechselspiel von inneren Erfahrungen und äußeren Aspekten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine wichtige Rolle spielen dabei die sprachliche Reflexion der eigenen Erfahrungen, die Bewegungserfahrung mit einer PartnerIn und der Abgleich mit deren Beschreibung oder mit schriftlichen Texten.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.3 Lernen als sinnhaften und zielorientierten Prozess ermöglichen, der auf den persönlichen Voraussetzungen aufbaut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.1 Anschluss an individuelles Vorwissen und bisherige Erfahrungen ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernprozesse schließen immer an das individuelle Vorwissen und die persönlichen bisherigen Erfahrungen der einzelnen Lernenden an. Sie können nur dort einsetzen, wo sich die einzelne Lernende diesbezüglich befindet. Damit Lernende einen persönlichen Anschluss an Lerninhalte finden können, ist es unabdingbar, dass sie sich bewusst machen können, auf welchem Vorwissen und auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie müssen feststellen können, welches in Bezug darauf ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn versteht, wo die Lernenden stehen und was sie beschäftigt, erhält sie eine Grundlage für einen passenden gemeinsamen Lernprozess. Sie kann vermeiden, dass sie die Lernenden unter- oder überfordert. Es ist sinnvoll, den Lernenden immer wieder Standortbestimmungen zu ermöglichen. Durch diese können sie in „neuen“ Ausgangslagen feststellen, wo sie stehen und wohin sie in Bezug auf die erforderlichen Kompetenzen gelangen wollen und sollen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden immer wieder auf und/oder lässt sie erfahren, auf welchem Vorwissen oder auf welchen Kompetenzen bzw. Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen die Lerninhalte aufbauen. Sie ermöglicht ihnen festzustellen, wo sie in Bezug auf dieses Vorwissen oder diese Kompetenzen stehen und welche ihre Ausgangslage ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet z. B. ein Fallbeispiel aus der Lebenswelt der Lernenden und fragt sie nach persönlich erlebten Situationen mit gleichen oder ähnlichen Herausforderungen. Sie lässt die Lernenden anhand dieser Beispiele die eigenen beruflichen Fragen und erforderlichen Kompetenzen erarbeiten. Sie gleicht, wo nötig, die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen der Lerninhalte damit ab.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn versucht darauf aufbauend, durch ihre Frage-, Aufgabenstellungen und Anleitungen die Lernenden weder zu unterfordern noch zu überfordern. Sie schätzt fortlaufend ein, ob die einzelnen Lernenden und die Gruppe einen angemessenen herausfordernden Anschluss an die aktuellen Lernprozesse finden. Gegebenenfalls passt sie ihre Gestaltung der Lernumgebung individuell oder für die Gruppe entsprechend an.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.2 Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst werden lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik können Lerninhalte auf Erklärungsmodellen und Annahmen beruhen, die nicht gängig sind (z. B. „Der Mensch ist lebenslang lernfähig“). Es ist leicht möglich, dass sie damit in Widerspruch stehen, wie die Lernenden bisher zugehörige Phänomene erklärt haben (z. B. „Mit zunehmenden Alter verliert der Mensch die Lernfähigkeit“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen kann eine Widersprüchlichkeit zwischen den Annahmen der Lernenden, worum es im Bildungsangebot geht, und den tatsächlichen angestrebten Lernzielen und Kompetenzen bestehen. Lernende können z. B. davon ausgehen, dass es in der Kinästhetik um die richtigen Transfertechniken und Handgriffe geht. Demgegenüber zielt das Bildungsangebot vielmehr auf ein individuell anzupassendes gemeinsames Lernen mit unterstützungsbedürftigen Personen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn dies nicht immer wieder bewusst gemacht wird, kann eine solche Unvereinbarkeit das Lernen und den Kompetenzaufbau behindern. Denn insbesondere in Praxissituationen können die bisherigen eigenen Annahmen und Erklärungen das Handeln bestimmen. Das im Lernprozess thematisierte alternative Verhalten, das auf einer neuen Sichtweise beruht, kommt nicht zum Zug.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die jeweiligen Annahmen und Erklärungsmodelle bewusst gemacht werden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Lernende sowohl ihre Verhaltensmuster als auch ihre Erklärungsmodelle und Annahmen erweitern oder ändern. Zugleich wird es ihnen möglich, ihr Verhalten mit passenden Erklärungsmodellen zu begründen oder mit anderen abzugleichen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welche Annahmen und Erklärungsmodelle den Lerninhalten und -prozessen zugrunde liegen (z. B. „Der Mensch kann seine Bewegungskompetenz lebenslang erweitern“). Sie ermöglicht ihnen festzustellen, welche Annahmen und Erklärungsmodelle sie selbst bisher diesen Lerninhalten bzw. den zugehörigen Phänomenen zugrunde gelegt haben (z. B. „Im Alter werden Menschen natürlicherweise steif und unbeweglich und können nicht mehr lernen, ihre Bewegungsmöglichkeiten besser zu nutzen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden wiederholt, im zirkulären Wechselspiel mit Erfahrungen in Praxissituationen ihre eigenen Annahmen und Erklärungsmodelle zu reflektieren und mit anderen zu vergleichen, um Abweichungen und Übereinstimmungen zu erkennen. Dadurch verschafft die TrainerIn ihnen die Möglichkeit, ihr Verhalten und dessen Erklärungen bewusst zu erweitern oder zu verändern und es passend begründen zu lernen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.3.3 Die persönliche Bedeutung der Lerninhalte und eigenes Interesse entdecken lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, intensiv und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie die persönliche Bedeutung und Sinnhaftigkeit der Lerninhalte und -prozesse für sich selbst bzw. für ihre Lebenswelt und deren Situationen erkennen. Dazu wird den Lernenden immer wieder ermöglicht, den Nutzen zu erfahren und zu erkennen, den die Lerninhalte für sie selbst, für ihre Lebenssituationen oder daran beteiligte Personen haben. Die Lernenden können dadurch ein eigenes Interesse für die Zielsetzungen des Lernens entwickeln und sich mit diesen identifizieren. Wenn dies nicht der Fall ist, führen die Lernprozesse eher zu trägem Wissen, das keine Auswirkungen auf die Praxis hat, und kaum zur Erweiterung oder zum Aufbau von Kompetenzen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.3.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn zeigt den Lernenden auf und/oder lässt sie erfahren, welches Ziel das Bildungsangebot im Ganzen verfolgt und zu welchen Kompetenzen bzw. Fähigkeiten, Kenntnissen und Haltungen in Lebenssituationen die Lerninhalte und -prozesse führen können. Sie ermöglicht den Lernenden, die Bedeutung und den Nutzen dieser Lerninhalte und -prozesse für sie selbst und ihre eigenen Lebenssituationen zu entdecken und ein persönliches Interesse an den Zielsetzungen zu entwickeln. Dazu gehört, dass sie den Lernenden ermöglicht, ihre eigenen Anregungen einzubringen und ihre persönliche Motivation und Zielsetzung zu entwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage unter den vorausgehenden Aspekten hat eine besondere Bedeutung für die zyklische Gestaltung der Lernumgebung bzw. für die Reflexion und Einschätzung der eigenen Lernfortschritte (vgl. 2.4 und insbesondere 2.4.5).&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.4 Lernen als strukturierte, prozessorientierte und reflektierte Entwicklung ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.1 Die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein grundsätzlicher Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, gezielt und nachhaltig lernen und die Schritte ihres Lernprozesses gezielter reflektieren und beurteilen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung mit methodisch-didaktischer Transparenz und Nachvollziehbarkeit gestaltet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dadurch kann den Lernenden bewusst werden, weshalb und wozu die Schritte der Gestaltung der Lernumgebung in der konkreten inhaltlichen Ausprägung aufeinander folgen oder angepasst werden und wie diese Strukturierung zu den angestrebten Kompetenzen führen soll. Desgleichen kann ihnen klar werden, welcher persönliche Spielraum des konkreten Vorgehens für sie demzufolge besteht.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, sich die Logik des inhaltlichen und methodischen Ablaufs im Ganzen bewusst zu machen. Idealerweise ist ihnen das jederzeit möglich, indem z. B. der Ablauf auf einer Flipchart festgehalten und im Kursraum aufgehängt wird. Die TrainerIn erklärt, wie die Strukturierung der Lernschritte zu den angestrebten Lernzielen oder Kompetenzen führen soll.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den einzelnen Schritten ihrer Gestaltung der Lernumgebung zeigt sie den Lernenden ebenso auf und/oder lässt sie erfahren, wie sie mit dem vorausgehenden Schritt zusammenhängen und welches der rote Faden ist, der die Schritte verbindet. Sie gewährt den Lernenden den möglichen individuellen Spielraum, wie sie einen Schritt gemäß seinem Sinn und der Logik des Ablaufs vollziehen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.2 Die Gestaltung der Lernumgebung strukturieren&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert werden, dass es sich im Großen in strukturierten Zyklen vollzieht. Damit gemeint sind wiederholte Folgen zusammengehöriger, aufeinander aufbauender Lernschritte, die inhaltlich kreisförmig abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wichtige Elemente solcher Zyklen sind die Bestimmung der persönlichen Ausgangslage (vgl. Kapitel 2.3.) und die Reflexion des Lernprozesses, die einen Zyklus abschließt (vgl. 2.4.5). Lernmodelle und methodische Großformen wie der Lernzyklus, die Lernspirale oder das Gruppenpuzzle orientieren sich oft an dieser grundlegenden Struktur.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der Strukturierung der Gestaltung der Lernumgebung im Großen kann Lernen ebenso dadurch gefördert werden, dass längere und kürzere Lernschritte sowie Erholungsphasen in einem organischen Wechsel aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Großen und im Kleinen gliedern sich erfolgreiche Lernprozesse zudem in grundlegende Entwicklungsschritte. Sie erscheinen oft selbstverständlich wie z. B. der Entwicklungsschritt eines Lernprozesses vom Einfachen zum Schwierigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Solche grundlegenden Entwicklungsschritte werden im Folgenden stichwortartig aufgelistet, und zwar nur in einer Entwicklungsrichtung. Je nach Situation und Kontext kann die bewusste Verwendung der gegenteiligen Richtung sinnvoll sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von großen, leicht erfahr- oder wahrnehmbaren Unterschieden zu feinen Unterschieden und Differenzierungen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der Einzelerfahrung zur Partnererfahrung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von der „Laborsituation“ zur Integration und Anwendung&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Von geführten, eng angeleiteten oder begleiteten Lernprozessen zum selbstverantwortlichen Lernen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Konkreten zum Abstrakten&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Vom Einfachen zum Schwierigen&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus lerntheoretischer Perspektive ist es sinnvoll, Bildungsangebote im Großen und in den einzelnen Schritten entsprechend zu strukturieren. Es gilt darauf zu achten, dass durch diese Strukturierungen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn strukturiert ihr Bildungsangebot im Großen und dessen Teile gemäß der inneren zyklischen Logik des Lernmodells bzw. von methodischen Großformen wie des Lernzyklus oder der Lernspirale. Sie passt diese Strukturierung der Teile folgerichtig an die angestrebten Kompetenzen und Lernziele an. Sie strukturiert ihre Gestaltung der Lernumgebung im Kleinen und im Großen bewusst nach grundlegenden Entwicklungsschritten von Lernprozessen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie gestaltet die Lernumgebung in einem organischen Wechsel von längeren und kürzeren Lernschritten und längeren und kürzeren Erholungsphasen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie beobachtet, ob ihre Strukturierungen die gewünschte Wirkung zeigen und die Lernprozesse unterstützen, und passt sie gegebenenfalls an. Je nach Lernziel, Situation oder Verlauf der Lernprozesse ist es angebracht, mit den erwähnten Strukturierungen bewusst zu spielen und z. B. einen Schritt von der Komplexität zur Einfachheit und wieder zurück zur Komplexität zu bauen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.3 Unterschiedliche Sozialformen und Methoden aufeinander folgen lassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Abfolge von unterschiedlichen passenden Sozialformen und Methoden werden die Lernenden darin unterstützt, sich vielfältig und differenziert mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen. Ebenso kann dadurch lernfördernde Abwechslung erreicht und hinderliche Eintönigkeit vermieden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft ergibt sich die Abfolge von Sozialformen und methodischen Schritten aus der methodischen Großform (Lernzyklus, Lernspirale usw.), die der Gestaltung der Lernumgebung zugrunde gelegt wird (vgl. vorausgehendes Kapitel). In Bezug auf die Sozialform sind trainerzentrierte Phasen so kurz wie möglich zu halten (vgl. auch 2.5.2).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dennoch können viele Lernziele in unterschiedlichen Sozialformen und durch unterschiedliche Methoden erreicht werden. Eine Reflexion des Lernprozesses kann z. B. in selbstständiger schriftlicher Einzelarbeit, im mündlichen Austausch mit anderen Lernenden oder angeleitet in der gesamten Gruppe erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit ist nicht gemeint, dass zur Erreichung eines Lernziels immer wieder eine andere Methode eingesetzt werden sollte. Die Verwendung der gleichen Methode bzw. des gleichen Dokumentationsinstrumentes hat z. B. bei der Lernprozessreflexion bestimmte Vorteile: Wenn Lernende ihren Lernprozess mehrfach auf die gleiche Weise schriftlich und selbstständig reflektieren, reduziert sich der Anleitungsaufwand für die TrainerIn. Die Lernenden können Fortschritte im differenzierten Umgang mit der verwendeten Methode bzw. dem eingesetzten Dokumentationsinstrument machen. Zudem können die Lernenden die Resultate ihrer einzelnen Reflexionen besser vergleichen und auswerten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Andererseits kann eine alternative Methode wie der mündliche Austausch neue Perspektiven eröffnen und weitere positive Effekte haben, die sich bei der schriftlichen Einzelarbeit nicht ergeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es gilt darauf zu achten, dass durch die Strukturierung mit unterschiedlichen methodischen Formen und Sozialformen ein Grundrhythmus entsteht, der die Lernprozesse bzw. die Erreichung der Lernziele und Kompetenzen bestmöglich unterstützt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn verwendet in ihrer Gestaltung der Lernumgebung unterschiedliche passende Sozialformen und Methoden. Sie geht dabei von den jeweiligen angestrebten Kompetenzen und Lernzielen des Bildungsangebots und der einzelnen Schritte aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie wechselt in Bezug auf die Sozialformen sinnvoll zwischen eher kurzem geführtem und eher langem selbstverantwortlichem Lernen allein, zu zweit oder in Kleingruppen. Sie nutzt Phasen von selbstverantwortlichem Lernen dazu, die einzelnen Lernenden oder Kleingruppen in ihrem Lernprozess zu unterstützen, aber auch dazu, in den Hintergrund zu treten und die Lernenden allein arbeiten zu lassen. Solche Phasen kann die TrainerIn dazu nutzen, ihre bisherige Gestaltung der Lernumgebung zu reflektieren und gegebenenfalls die geplante Fortsetzung anzupassen und vorzubereiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn berücksichtigt das Alter der Lernenden und ihren Bildungsstand in Kinästhetik. Erfahrungsgemäß brauchen Jugendliche mehr und schnellere Wechsel der Sozialformen und Methoden, um nicht gelangweilt zu werden. Lernende, die schon einige Kinästhetik-Bildungsangebote besucht haben, sind z. B. eher fähig, länger in eine Bewegungserfahrung einzutauchen oder sich selbstständig mit einer längeren Aufgabe auf der Grundlage der Lernspirale zu beschäftigen. Zudem können genau solche Themen Lernziele oder angestrebte Kompetenzen für fortgeschrittene Lernende sein.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.4 Die Gestaltung der Lernumgebung an den Verlauf der Lernprozesse anpassen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus einigen vorausgehenden Grundprinzipien ergibt sich die Notwendigkeit der Prozessorientierung der Gestaltung der Lernumgebung. Anpassungen an den Verlauf der Lernprozesse können selten jeder einzelnen Lernenden gerecht werden. Für die eine Person könnte auf einen nächsten methodischen Schritt verzichtet werden, für die andere nicht, die eine Person würde lieber allein weiterarbeiten, die andere in der Gruppe, der einen Person geht es zu schnell, der anderen zu langsam, die eine bräuchte mehr Pausen, die andere weniger usw. Dennoch kann Lernen dadurch unterstützt werden, dass prozessorientierte Anpassungen mit einem intuitiven Blick auf den Lernprozess der gesamten Gruppe der Lernenden in Bezug auf ihre Erreichung der Lernziele und Kompetenzen erfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Prozessorientierte Anpassungen können im Großen auf der Ebene der Strukturierung bzw. der Wahl von Methoden und Sozialformen erfolgen. Desgleichen gilt es, in den einzelnen Schritten auf den Rhythmus der Gestaltung der Lernumgebung zu achten. Die Rhythmisierung, d. h. die Gestaltung eines Schrittes in Bezug auf Dauer, Tempo und Gewichtung der Lerninhalte, kann bewusst an die Qualität der Lernprozesse angepasst werden. In der Kinästhetik ist dies eine besondere Herausforderung bei der Anleitung von Bewegungserfahrungen. Es geht dabei um die nur intuitiv beantwortbaren Fragen, wie lange die Lernenden die Konzentration auf die eigene Bewegungswahrnehmung halten können und wann sie eine nächste Anleitung brauchen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für alle Beteiligten ist es befriedigender, wenn Lernziele mit mehr zeitlichem Aufwand als geplant erreicht werden, als wenn ein Lernprozess aus zeitlichen Gründen stark verkürzt oder weit vor seinem befriedigenden Abschluss abgebrochen wird. Oft bleibt bei den Lernenden im zweiten Fall nur Verwirrung und Frustration zurück, worum es dabei gegangen ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die TrainerIn langsamer als geplant vorankommt, muss sie sich überlegen, welche weiteren Lernschritte hinsichtlich der angestrebten Lernziele und Kompetenzen unverzichtbar sind und wie sie ihre Planung entsprechend anpassen kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch wenn solche Anpassungen im Kleinen und im Großen die Qualität der Lernprozesse fördern, ist es wichtig, dass die angesetzten Zeiten für Beginn, Pausen und Ende sowie andere Fixpunkte wie Praxissequenzen oder Morgen- und Abendrunden den Lernenden eine verlässliche und verbindliche Orientierung geben. Ebenso gilt es, den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten in geeigneter Weise in Erinnerung zu rufen, wie viel Zeit für den aktuellen Lernschritt noch zur Verfügung steht oder um wie viel Zeit er verlängert wird.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn beobachtet den Verlauf der Lernprozesse und schätzt ihre Qualität in Bezug auf die Zielerreichung ein. Sie nutzt dazu auch kleine Zwischengespräche oder kurze Bewegungserfahrungen mit den Lernenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Je nach ihrer Einschätzung nimmt sie Anpassungen oder Umstellungen auf der Ebene der Strukturierung, der Wahl von Methoden oder Sozialformen oder auch der Rhythmisierung usw. vor. Sie verkürzt oder verlängert Schritte bzw. verlangsamt oder beschleunigt den Rhythmus ihrer Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie der Rhythmus ihrer Anleitungen den Lernenden hilft, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels zu erfahren, und passt ihre Rhythmisierung gegebenenfalls an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn die zur Verfügung stehende Zeit knapp wird, überlegt sie sich in Bezug auf die angestrebten Lernziele und Kompetenzen, welche geplanten Schritte unverzichtbar sind und bei welchen Schritten es vertretbar ist, sie in einer immer noch stimmigen Minimalvariante zu gestalten oder auf sie zu verzichten. Wenn es den Lernenden hilft, sich im Ablauf zu orientieren und ihn zu verstehen, erklärt und begründet sie ihre Anpassungen. Sie erinnert die Lernenden in passenden Momenten an die vorgesehene oder angepasste Zeitplanung.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.5 Fachsprachliche Dokumentation, Reflexion und zyklische Selbstevaluation der Lernprozesse ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass die Lernenden bewusst und nachhaltig lernen, kann dadurch geleistet werden, dass sie ihre Lernprozesse unter Verwendung der Fachsprache dokumentieren. In der Kinästhetik haben insbesondere die Lernprozesse in Bewegungserfahrungen einen flüchtigen Charakter. Deshalb unterstützt es das Lernen, wenn sie zeitnah in geeigneter Form dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Den förderlichen zyklischen Charakter des Lernens macht wesentlich aus, dass die Lernenden regelmäßig ihre Lernprozesse bis zum aktuellen Zeitpunkt reflektieren, evaluieren und so die Abfolge von zusammengehörigen Lernschritten im Kreis schließen. In der Kinästhetik sind Reflexion und Selbstevaluation stehende Elemente der Gestaltung der Lernumgebung. Oft wird dazu der Vergleich mit der persönlichen Ausgangslage herangezogen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Lernenden halten dabei fest, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben. Sie ermitteln ihre Lernfortschritte im Vergleich mit ihrer Ausgangslage, aber auch Vertiefungsmöglichkeiten, den weiteren Lernbedarf und offene Fragen. Sie verknüpfen diese Reflexionen und Selbstevaluationen mit ihren Praxisthemen bzw. der Bedeutung für ihren beruflichen oder privaten Alltag. Dies trägt dazu bei, dass sie bis zur nächsten Reflexion und Selbstevaluation motiviert, gezielt und nachhaltig weiterlernen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen Dokumentationen, Reflexionen und Selbstevaluationen leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Lernenden die Fachsprache der Kinästhetik bewusst und differenziert verwenden lernen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.5.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, ihre Lernprozesse regelmäßig zu dokumentieren. Sie ermöglicht ihnen, durch regelmäßige individuelle Reflexionen und Selbstevaluationen ihren aktuellen Stand mit ihrer Ausgangslage zu vergleichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie lässt die Lernenden einschätzen, wie weit sie die angestrebten Kompetenzen und Lernziele erreicht haben und wo weiterer Lern- und Vertiefungsbedarf oder offene Fragen bestehen. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, z. B. mit dem Instrument der Bildungsfelder festzustellen, wo sie innerhalb oder außerhalb der angestrebten Ziele wichtige Lernprozesse gemacht haben. Sie lässt die Lernenden festhalten, welche Bedeutung ihre Lernprozesse für die Situationen ihrer Lebenswelt haben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie unterstützt die Lernenden, bei der Dokumentation, Reflexion und Selbstevaluation die kinästhetische Fachsprache treffend zu verwenden.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.4.6 Fremdeinschätzung durch Bewegungsinteraktion, Austausch und Reflexion ermöglichen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die regelmäßigen zyklischen Reflexionen und Selbstevaluationen können durch Fremdeinschätzungen wesentlich unterstützt werden. Sie ergänzen die Beurteilung des eigenen Lernprozesses durch die Außenperspektive anderer Personen. Oft fällt es diesen insbesondere leichter, die Lernfortschritte klar herauszustellen und zu würdigen. Ihre Perspektive kann aber auch dabei helfen, die Einschätzung des weiteren Lernbedarfs zu ergänzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik ist dabei die Bewegungsinteraktion von besonderer Bedeutung. Für die TrainerIn ist sie der geeignetste Weg, um die Bewegungskompetenz von Lernenden und ihren Entwicklungsbedarf einschätzen zu können. Auch durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Lernenden und die anschließenden gemeinsamen Reflexionen erhalten Lernende auf der Grundlage der konkreten Erfahrung Hinweise darauf, wie differenziert und angepasst sie ihre Bewegungskompetenz in Interaktionen über Berührung und Bewegung einsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Bewegungsinteraktion, den Austausch und die gemeinsame Reflexion mit anderen Teilnehmenden oder der TrainerIn wird die Selbstevaluation unterstützt. Die daraus entstehenden Unterschiede der Wahrnehmungen, Erfahrungen und ihrer Beschreibung können helfen, die eigenen Lernprozesse aus anderen Perspektiven zu reflektieren, zu evaluieren und präziser zu beschreiben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein sind der Austausch und die gemeinsame Reflexion von Lernschritten mit anderen Lernenden oder mit der TrainerIn eine Möglichkeit, dass Lernende eine Fremdeinschätzung bekommen, die für das eigene Lernen förderlich sein kann.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.4.6.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, durch die gemeinsame Reflexion von Lernschritten und insbesondere durch den Austausch und die gemeinsame Reflexion nach Bewegungsinteraktionen Unterschiede der Erfahrungen und ihrer Beschreibung festzustellen sowie eine Fremdeinschätzung zu erhalten. Sie selbst nutzt dazu die Interaktion über Berührung und Bewegung mit möglichst allen Lernenden, Rückmeldungen in konkreten Praxissituationen oder auch Einzel- und Gruppengespräche.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie macht den Lernenden durch ihre Fremdeinschätzung sachbezogen und wertschätzend deutlich, wie weit sie die angestrebten Ziele erreicht haben und auf welche Kriterien sie achten können, um weitere Lernfortschritte zu machen. Sie setzt sich dafür ein, dass sich auch die Lernenden gegenseitig sachbezogene und wertschätzende Rückmeldungen geben.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.5 Lernen als sozialen Prozess ermöglichen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.1 Einen wechselseitigen respektvollen Umgang fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende motiviert, ungestört und gerne lernen, kann dadurch geleistet werden, dass das gemeinsame Lernen durch einen wechselseitigen respektvollen Umgang geprägt wird. Dies gilt sowohl für den Umgang der TrainerIn mit den Lernenden als auch für den Umgang der Lernenden untereinander. Ist dies nicht der Fall, kann die Qualität der Lernprozesse stark beeinträchtigt werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn respektiert die Persönlichkeit der einzelnen Lernenden und lebt einen respektvollen Umgang vor. Sie gibt in der gegebenen Situation zu erkennen, dass sie umgekehrt einen angemessenen Respekt erwartet. Sie thematisiert, wenn eine Situation dazu Anlass gibt, den Wert des wechselseitigen respektvollen Umgangs und trifft gegebenenfalls gemeinsam mit den Lernenden diesbezügliche Absprachen. Sie geht auf Störungen ein, ohne sie zuungunsten der Lernprozesse anderer Lernender überzubetonen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.2 Die Lernprozesse der Lernenden in den Mittelpunkt stellen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende intensiv lernen, kann dadurch geleistet werden, dass die Lernumgebung so gestaltet wird, dass die Lernprozesse der Lernenden und die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Lerninhalten im Mittelpunkt stehen. Die TrainerIn unterstützt und begleitet dies in der Kinästhetik insbesondere mit ihrer Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zentrierung auf die Lernprozesse der Lernenden und das gemeinsame Lernen kann formal dadurch erreicht werden, dass trainerzentrierte Phasen der Gestaltung der Lernumgebung so kurz wie möglich gehalten werden. Inhaltlich kann es dadurch erreicht werden, dass die Gestaltung der Lernumgebung sach- und situationsbezogen ist und nicht die eigene Person, die eigene Kompetenz und das eigene Wissen in den Vordergrund stellt.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt in ihrer Gestaltung der Lernumgebung hauptsächlich den Lernenden Raum für ihre eigenen Lernprozesse und das gemeinsame Lernen zur Verfügung. Sie beschränkt Phasen, in denen sie im Mittelpunkt steht, auf das Nötige. Sie lässt die Lernenden erfahren, dass ihre Rolle hauptsächlich diejenige der kompetenten LernbegleiterIn ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dazu setzt sie ihr Fachwissen und in Bewegungsinteraktionen insbesondere ihre Bewegungskompetenz ein. Sie vermeidet es, gegenüber anderen Meinungen oder Verhaltensweisen das eigene (Besser-)Wissen in den Vordergrund zu stellen, sondern argumentiert möglichst sachbezogen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.3 Lernen in Partner- und Gruppenarbeit fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen kann dadurch gefördert und erweitert werden, dass es sich in Partner- oder Gruppenarbeit vollzieht. Dadurch entstehen Unterschiede zu den eigenen Annahmen, Erklärungen, (Bewegungs-)Erfahrungen, Wahrnehmungen und ihrer sprachlichen und fachsprachlichen Dokumentation. Diese Unterschiede können helfen, das eigene Lernen und die eigenen Erkenntnisse zu reflektieren sowie gegenüber anderen Personen genauer und verständlicher zu beschreiben. Die eigenen Lernprozesse werden durch den Austausch und Abgleich erweitert und bereichert.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.3.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht immer wieder Lernen zu zweit oder in Gruppen. Dieses betrifft insbesondere die Bewegungsinteraktion mit anschließender gemeinsamer Reflexion und fachsprachlicher Dokumentation. Die TrainerIn gibt den Lernenden ebenso die Möglichkeit zum Austausch über Annahmen, Erfahrungen und Erkenntnisse und deren Beschreibung. Sie unterstützt gegebenenfalls die Bildung von Lerngruppen, die gemeinsames Lernen in Bezug auf Praxis und Theorie pflegen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.5.4 Lernen durch Lehren fördern&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag dazu, dass Lernende ihre Lernprozesse vertiefen, festigen und für andere strukturiert und verständlich aufbereiten, kann durch die Methode des Lernens durch Lehren geleistet werden. Seit der Antike wird der Ansatz „Durch Lehren lernen wir“ (Docendo discimus) vertreten. Die Methode trägt dazu bei, dass sich Lernende mit den Lerninhalten und -zielen persönlich identifizieren und sie selbst und nicht die TrainerIn im Mittelpunkt stehen (vgl. oben).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gruppenpuzzle ist eine hervorragende Methode dazu, dass Lernen durch Lehren allein und gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und reflektiert wird. Lernen durch Lehren kann in der Kinästhetik insbesondere für unterschiedliche Anleitungssituationen in Übereinstimmung mit den entsprechenden angestrebten Kompetenzen und Lernzielen verwendet werden.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.5.4.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden, Themen vorzubereiten, die in Bezug auf die angestrebten Kompetenzen und Lernziele geeignet sind, und zu diesen Themen Lernumgebung für andere Lernende oder die ganze Gruppe zu gestalten. Sie sorgt dafür, dass den Lernenden die Lerninhalte und Materialien zur Verfügung stehen, und unterstützt gegebenenfalls die Lernenden in der Vorbereitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie ermöglicht den Lernenden, ihre Gestaltung der Lernumgebung für sich oder gemeinsam zu reflektieren, und achtet darauf, dass sie sachliche und wertschätzende Rückmeldungen erhalten. Sie verwendet das Gruppenpuzzle oder Lernen durch Lehren für unterschiedliche Anleitungssituationen, die für die Lebenswelt und für die Praxissituationen der Lernenden relevant sind.&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;2.6 Verständliche Aufgabenstellungen sowie Einrichtung, Materialien und Medien zweckdienlich zur Verfügung stellen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.1 Anleitungen und Aufgabenstellungen klar und eindeutig gestalten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie gezielt, konzentriert und der Absicht entsprechend sich Lernende mit den Lerninhalten auseinandersetzen können, ist davon abhängig, wie gut sie die Anleitungen und Aufgabenstellungen verstehen. Dies wird wesentlich davon beeinflusst, wie verständlich und eindeutig diese formuliert, erklärt und gestaltet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Deshalb ist es wichtig, Aufgabenstellungen wohlüberlegt und sorgfältig zu formulieren und darzustellen. Ebenso wichtig ist sicherzustellen, dass die Lernenden die Aufgabenstellung und ihre Absicht genau verstehen und wissen, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn Lernende mithilfe einer Aufgabenstellung selbstständig arbeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den Anleitungen von Einzel- oder Partnererfahrungen sind in den einzelnen Anleitungsaussagen die Klarheit und Verständlichkeit von besonderer Bedeutung. Je präziser die Lernenden verstehen, was sie tun und auf welchen Blickwinkel sie dabei achten sollen, desto konzentrierter und differenzierter können sie die entsprechenden Unterschiede in sich wahrnehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Präzision der Anleitungsaussagen erlaubt es, dass sich die Lernenden im Lauf der Anleitung auf längere Phasen der Eigenerfahrung einlassen können. Wenn immer wieder nachgefragt werden muss, wie die Anleitung gemeint ist und worauf geachtet werden soll, fällt die fragende Person und die ganze Gruppe aus ihren Erfahrungen und ihrer Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.1.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn formuliert, erklärt und gestaltet ihre Anleitungen und Aufgabenstellungen wohlüberlegt und möglichst klar und eindeutig. Sie erklärt möglichst genau, was, weshalb, wozu und wie zu tun ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wenn möglich, verdeutlicht sie die Aufgabenstellung und ihre Absicht mit unterschiedlichen Darstellungsformen (mit kleinen beispielhaften Bewegungsanleitungen, schriftlich, mündlich, symbolisch, bildlich, mit Beispielen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dies leistet einen wertvollen Beitrag dazu, das Verständnis der Aufgabenstellung bei den Lernenden sicherzustellen. Die TrainerIn ermöglicht den Lernenden insbesondere beim selbstständigen Arbeiten, sich jederzeit die Aufgabenstellung bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Anleitungen von Bewegungserfahrungen schätzt sie fortlaufend ein, wie ihre Anleitungsaussagen und deren Rhythmus den Lernenden helfen, ihre Achtsamkeit auf sich selbst zu halten und die Unterschiede des betreffenden Blickwinkels wahrzunehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gegebenenfalls passt sie ihre Formulierungen und Aussagen an. Sie achtet insbesondere bei der Anleitung von längeren Phasen der Eigenerfahrung darauf, dass die Lernenden möglichst genau wissen, wie sie auf welche Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung achten sollen.&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;2.6.2 Zweckdienlich Materialien bereitstellen und den Schulungsraum einrichten&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.1 Lerntheoretische Überlegungen und Annahmen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Beitrag zu einer lernfördernden Atmosphäre und zu einer leichten und flüssigen Organisation der Gestaltung der Lernumgebung kann dadurch geleistet werden, dass die Einrichtung des Schulungsraumes sowie die Lern-, Unterrichts- und Moderationsmaterialien oder Medien zweckdienlich vorbereitet sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie sollen für die Benutzung leicht zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Flipcharts o. Ä. mit wenigen Stichworten oder bildlichen Darstellungen können spontan gestaltet werden. Wenn sie einen umfänglicheren Inhalt haben (Zeitplanung, Strukturen/Abläufe, Aufgaben usw.), ist es empfehlenswert, sie vorzubereiten oder vorgedruckte Materialien zu verwenden, damit nicht Zeit unnötig verloren geht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damit bestimmte Informationen oder Dokumentationen von Lernprozessen den Lernenden jederzeit zur Verfügung stehen, können sie im Schulungsraum gut sichtbar aufgehängt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu beachten ist ein gewisses Maß an Materialien und Medien: Die Gestaltung der Lernumgebung wird nicht desto besser, je mehr Materialien und Medien zum Einsatz kommen.&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;2.6.2.2 Pädagogisch-didaktische Umsetzung&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die TrainerIn stellt vor dem Bildungsangebot die benötigten Materialien und Medien zusammen. Sie richtet den Schulungsraum so ein, dass sich die Lernenden willkommen und in lernfördernder Atmosphäre fühlen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle benötigten Materialien und Medien sollen zweckdienlich bereitgestellt und für alle Beteiligten leicht zugänglich sein. Die TrainerIn kann z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Stühle, Matten, Unterrichtsmaterial pro Teilnehmende bereitstellen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• einen Tisch mit Büchern/Infomaterial vorbereiten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Pinwände aufstellen und vorgedruckte Lehrmaterialien aufhängen,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Geräte zum Abspielen von Videos oder Tonaufnahmen einrichten,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;• Moderationsmaterialien und anderes Material wie Dokumentationswerkzeuge, Schreibzeug, Blocs, Betten usw. bereitstellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie achtet dabei auf ein angemessenes Maß an Materialien und Medien.&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;3 Glossar der pädagogischen Fachbegriffe&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Pädagogik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Pädagogik ist ein Wissenschaftszweig, der die Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung zum Thema hat. Der Begriff Erziehungswissenschaft wird gleichbedeutend oder als pädagogischer Teilbereich, der sich auf die Erziehung fokussiert, verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus herkömmlicher Perspektive betrifft die Pädagogik Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, im heutigen Verständnis schließt sie Erziehungs- und Bildungsfragen in Bezug auf Menschen jeden Alters ein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In expliziter Abgrenzung wird in diesem Zusammenhang u. a. der Begriff Erwachsenenbildung verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Didaktik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Didaktik ist die wissenschaftliche Lehre vom Lehren und Lernen. Sie gilt als ein zentraler Teilbereich der Pädagogik. Im herkömmlichen Sinn bezeichnet sie die Lehre des Unterrichtens, im heutigen Sinn umfasst sie die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens, weil diese beiden Themen als untrennbar verbunden betrachtet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es kann zwischen allgemeiner Didaktik und Fachdidaktik(en) unterschieden werden. Die allgemeine Didaktik befasst sich mit Lehren und Lernen unabhängig von Lerninhalten oder -themen bzw. von Fächern oder Fachgebieten. Aufgrund des Fehlens einer allgemein anerkannten umfassenden Lerntheorie bzw. der Abhängigkeit der allgemeinen Didaktik vom zugrunde liegenden Lernverständnis gibt es unterschiedliche allgemeindidaktische Modelle oder Konzepte. Beispiele sind die konstruktivistische, evolutionäre oder lerntheoretische Didaktik. Fachdidaktiken befassen sich mit Lehren und Lernen in Bezug auf spezifische Fächer, Fachgebiete oder Lerninhalte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Methodik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Methodik ist die wissenschaftliche Lehre von geregelten, planmäßigen Verfahrens- oder Vorgehensweisen des Lehrens bzw. Lernens auf ein bestimmtes Ziel hin. Methodik ist ein pädagogischer Teilbereich, der je nach Auffassung von der Didaktik abgegrenzt oder ihr bei- oder untergeordnet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die enge Verbindung der beiden Teilbereiche zeigt sich in den häufigen Fügungen „Methodik und Didaktik“ oder „methodisch-didaktisch“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Methodik befasst sich mit der praktischen Vorgehensweise beim Lehren bzw. Lernen und der geregelten Abfolge der einzelnen Schritte zur Zielerreichung. Ihre Themen sind weitreichend und umfassen z. B.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unterrichtsmethoden wie Frontal-, Werkstatt- oder Projektunterricht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sozial- und Arbeitsformen wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit sowie konkretere methodische Großformen wie Gruppenpuzzle, Rollenspiel oder in der Kinästhetik Lernzyklus oder Lernspirale,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;den Einsatz von Arbeitsunterlagen, Unterrichtsmaterialien und Medien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es existieren unterschiedliche Systematisierungen der Methodik, da sie vom jeweiligen pädagogischen Betrachtungswinkel abhängig sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernumgebung, Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Traditionell werden unter Lernumgebung oder Unterrichtskontext vorgegebene Faktoren verstanden, die die Rahmenbedingungen der Lehr- und Lernprozesse bilden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik und vermehrt in der modernen Pädagogik (z. B. bei Diethelm Wahl) werden die Begriffe Lernumgebung und Gestaltung der Lernumgebung in dem Sinn verwendet, dass Lernen immer ein selbstgesteuerter innerer Prozess ist, auf den von außen nicht direkt ursächlich oder kausal eingewirkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Deshalb werden in der Kinästhetik diese Begriffe zur Bezeichnung des Unterrichts bzw. des Unterrichtens oder der Lehrtätigkeit verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kompetenz&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kompetenz wird in der Pädagogik unterschiedlich definiert. Im Sinn von tauglichen Kurzdefinitionen kann sie als die erlernte Fähigkeit zu einem erfolgreichen Verhalten in der Praxis, zur Problemlösung oder auch als die Disposition zur Praxisbewältigung umrissen werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie setzt sich in diesem Sinn aus Wissen, Können/Handeln und Wollen zusammen. Entsprechend werden Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen als Kompetenzressourcen bezeichnet. In ihrem Zusammenspiel – und nicht in ihrer Summe – bilden sie die Grundlagen von Kompetenzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bestimmte Definitionen des Kompetenzbegriffs weisen zusätzlich auf motivationale und soziale Aspekte des Kompetenzbegriffs hin.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine gewisse Übereinstimmung aktueller Kompetenzdefinitionen besteht darin, dass sich Kompetenz in unterschiedlichen Situationen aus einem Bereich der Lebenswelt zeigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das kompetente Verhalten in einer bestimmten konkreten Situation wird dabei von einigen AutorInnen als Performanz bezeichnet und vom Kompetenzbegriff abgegrenzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aktuelle Curricula bauen sehr oft auf dem Verständnis des Kompetenzbegriffs auf und beschreiben im Kern die angestrebten Kompetenzen und Kompetenzressourcen in bestimmten Handlungsfeldern und ihren Situationen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine aktuelle Kompetenzdefinition, an der sich die Weiterentwicklung der Curricula der Bildungsangebote der European Kinaesthetics Association orientiert, ist diejenige von Gianni Ghisla:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Als Kompetenz wird zuerst einmal die Fähigkeit von individuellen oder kollektiven Subjekten verstanden, eine Klasse von Situationen, allenfalls eine einzelne Situation, erfolgreich zu meistern und somit eine Tätigkeit zu vollziehen. Um in Situationen kompetent zu sein, bedarf es der Aktivierung von individuellen oder gruppengebundenen Ressourcen, nämlich von Kenntnissen, Fähigkeiten und Haltungen.“ (Ghisla 2008, S. 21)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Kompetenz liegt also nicht einfach in den Ressourcen (Kenntnis, Fähigkeiten und Haltungen), aus denen sie in der jeweiligen Situation entsteht und auch nicht in der Summe, sondern im Akt der kreativen und funktionalen Kombination und Mobilisierung dieser Ressourcen in Situationen.“ (Ghisla 2008, S. 24 f.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernziel&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernziele sind die angestrebten Ziele des Lernens. Da Lernen ein zielorientierter innerer Prozess ist, sind die individuellen Lernziele der einzelnen Lernenden ausschlaggebend. Im Idealfall können sich Lernende mit von außen vorgegebenen oder vorgeschlagenen Lernzielen identifizieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aufgrund ihres Abstraktionsgrades kann zwischen Leit- oder Richtzielen, Grob- und Feinzielen unterschieden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ausgehend vom Kompetenzbegriff können Lernziele bestimmte Kompetenzen oder zugrunde liegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen betreffen. Gängig ist die entsprechende Unterscheidung zwischen kognitiven, psychomotorischen und affektiven Lernzielen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Bereich des Wissens hat sich die Taxonomie der kognitiven Lernziele nach Bloom als hilfreich und sinnvoll erwiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Klar definierte und den Lernenden bekannte Lernziele mit ihren Beurteilungskriterien sind für die faire Überprüfung ihrer Erreichung elementar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lerninhalt&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lerninhalt bezeichnet den Gegenstand des Lernens oder das Thema, mit dem sich Lernende auseinandersetzen. Dabei kann es um theoretische oder praktische Inhalte gehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bis weit ins 20. Jahrhundert orientierten sich Lehrpläne an den Inhalten und Stoffen. Sie schrieben vor, welche Inhalte wann zu behandeln waren. Viele Inhalte wurden als Wert an sich betrachtet (z. B. Goethe, Faust).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Welche Lernziele oder Kompetenzen die Auseinandersetzung mit ihnen verfolgte, war im Gegensatz zu heute nicht oder kaum Thema.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernprozess&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernprozess bezeichnet den Vorgang oder Verlauf des Lernens.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sozialform&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sozialform ist ein didaktischer Fachbegriff. Er beschreibt die Möglichkeiten der Beziehung oder Interaktionen, in der Lernende untereinander bzw. zu den Lehrenden in den einzelnen Phasen eines Lernprozesses stehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es kann zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit (immer mit oder ohne Betreuung durch Lehrende auf Anfrage) und Klassenunterricht unterschieden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch im Klassenunterricht kann die Sozialform unterschiedlich ausgestaltet werden (Lehrvortrag, Präsentation von Lernergebnissen durch Lernende, offene Diskussion usw.).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Konstruktion, Wissenskonstruktion&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Rahmen der Erkenntnistheorie bezeichnet Konstruktion eine grundlegende kybernetische Annahme, wie der Mensch Informationen verarbeitet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sie geht davon aus, dass Reize jeglicher Art (physikalische, chemische usw., innere, äußere) vom Menschen bzw. von seinen körperlichen Rezeptoren nicht in einem objektiven Sinn wie von einem technischen Aufnahmegerät registriert oder abgebildet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vielmehr werden sie von jedem einzelnen Individuum subjektiv und gemäß seinem eigenen Funktionieren errechnet oder konstruiert – oder auch nicht oder höchstens unterbewusst wahrgenommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das bedeutet, dass sie in die individuellen Strukturen der eigenen Erfahrung und des eigenen Wissens eingebettet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In diesem Zusammenhang wird der Begriff Wissenskonstruktion verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Rhythmus, Rhythmisierung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Pädagogik werden die Begriffe Rhythmus und Rhythmisierung insbesondere im Kontext von Ganztagesschulen verwendet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dabei geht es darum, Tagesabläufe z. B. mit stehenden Elementen des Ein- und Ausstiegs oder dem Wechsel von Arbeits- und Erholungsphasen oder der Sozialformen an die Zielgruppe angepasst zu gestalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Begriff Rhythmisierung kann auch für die Gestaltung einer Lernsequenz in Bezug auf die Dauer, das Tempo und die Gewichtung der einzelnen Lernschritte der gesamten Lernsequenz verwendet werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik spielt die Rhythmisierung in diesem Sinn insbesondere in Anleitungen zu Bewegungserfahrungen eine wichtige Rolle.&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;4 Anhang: Kurzfassung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kurzfassung der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik ist ein auf das Wesentliche beschränkter Kriterienkatalog zur Beurteilung und Evaluation der eigenen oder fremder Gestaltung der Lernumgebung in Kinaesthetics-Bildungsangeboten. Sie steht auch als gesonderte Publikation zur Verfügung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;1 Lernen als aktiven, konstruktiven und selbstgesteuerten inneren Prozess ermöglichen&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6063</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6063"/>
		<updated>2025-11-08T09:50:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: /* 1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6062</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6062"/>
		<updated>2025-11-08T09:49:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: /* 1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6061</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6061"/>
		<updated>2025-11-08T09:49:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: /* 1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6060</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
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		<updated>2025-11-08T09:48:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene :&#039;&#039;Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der :&#039;&#039;„Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche :&#039;&#039;Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6057</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6057"/>
		<updated>2025-11-08T08:54:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text beschreibt die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien der Kinästhetik als Leitlinie für Lernprozesse in Bildungsangeboten der European Kinaesthetics Association. Im Mittelpunkt steht das Lernen durch eigene Bewegungserfahrung, das als aktiver, konstruktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden wird. Lernen geschieht auf der Grundlage von Wahrnehmung, Interaktion und Reflexion und fördert die Entwicklung von Bewegungskompetenz, Selbstregulation und Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
Die Trainerin oder der Trainer gestaltet dabei eine förderliche Lernumgebung, die Eigenaktivität, individuelles Konstruieren, Selbststeuerung, soziale Interaktion und Reflexion ermöglicht. Ziel ist eine kompetenzorientierte, ressourcenstärkende Lernkultur, die auf persönlicher Erfahrung, kybernetischem Denken und respektvollem Miteinander aufbaut. Der Text ist ein Zitat aus dem Buch &#039;&#039;Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der „Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6054</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6054"/>
		<updated>2025-11-08T08:42:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Stefan Marty Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der „Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=P%C3%A4dagogisch-didaktische_Grundprinzipien_der_Kin%C3%A4sthetik&amp;diff=6051</id>
		<title>Pädagogisch-didaktische Grundprinzipien der Kinästhetik</title>
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		<updated>2025-11-08T08:32:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: Die Seite wurde neu angelegt: „=&amp;#039;&amp;#039;1	Einleitung&amp;#039;&amp;#039;=  ==&amp;#039;&amp;#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&amp;#039;&amp;#039;==  ===&amp;#039;&amp;#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&amp;#039;&amp;#039;=== Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=&#039;&#039;1	Einleitung&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.1	Was zeichnet Lernen in der Kinästhetik aus?&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.1	Kein Schulbuchwissen, sondern die eigene Bewegung wahrnehmen und verstehen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Die Teilnehmenden eines Kinaesthetics-Grundkurses sind oft erstaunt oder gar verunsichert darüber, wie und was in einem solchen Kurs gelernt wird. Aufgrund ihrer bisherigen Lernerfahrungen erwarten sie ein Schulbuchwissen, das die Regeln erklärt, wie man sich selbst oder andere Menschen richtig bewegt.&lt;br /&gt;
Im Kursgeschehen erfahren die Teilnehmenden, dass es nicht um ein äußeres Wissen, sondern um sie selbst geht. Im Zentrum steht die Frage, wie sie selbst ihre eigene Bewegung – etwas sehr Selbstverständliches – möglichst differenziert wahrnehmen und situationsgerecht einsetzen können. Ein Kernthema ist die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) und damit einhergehend die Entwicklung der persönlichen Bewegungskompetenz.&lt;br /&gt;
Die Kursteilnehmenden beginnen zu verstehen, dass sie in der Kinästhetik das kognitive Verständnis im Wechselspiel mit ihren persönlichen Erfahrungen entwickeln. Als zentrale Einsicht gehört dazu, dass man Menschen nicht wie Gegenstände bewegen, sondern nur in ihrer eigenen Bewegung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.2	Persönliches, erfahrungsbasiertes und kompetenzorientiertes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Diese Art des Lernens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen schulischen Unterricht. Bei diesem geht es darum, sich allgemeingültiges, objektives Wissen anzueignen, Regeln, Axiome und Gesetze zu verstehen, um sie dann in konkreten Beispielen richtig anzuwenden.&lt;br /&gt;
In der Kinästhetik hingegen steht die subjektive Erfahrung im Mittelpunkt. Kursteilnehmende werden aufgefordert, in alltäglichen Aktivitäten mit definierten Blickwinkeln auf die eigene Bewegung zu achten. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz. Damit gemeint ist das Potenzial, die eigene Bewegung in unterschiedlichsten Situationen bewusst anpassen zu können. Kursteilnehmende lernen durch das konkrete Tun und die persönliche und gemeinsame Reflexion des eigenen Erlebens und Erfahrens. Vor diesem Hintergrund ist der „Unterricht“ in der Kinästhetik in höchstem Maß kompetenzorientiert.&lt;br /&gt;
Er deckt sich darin mit den aktuellen Entwicklungen des europäischen Bildungswesens. In vielen Ländern hat sich in der Schul- und insbesondere in der Berufsbildung die Kompetenzorientierung des Unterrichts als grundsätzlicher Anspruch durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.3	Ein spezifisches, wohltuendes Training der Achtsamkeit&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Lernen in der Kinästhetik zeichnet sich ebenso dadurch aus, dass die Achtsamkeit auf sich selbst und die Fokussierung auf die eigene Wahrnehmung und Bewegung eine positive Wirkung auf das individuelle Befinden hat. Kursteilnehmende können sich selbst differenzierter wahrnehmen und regulieren. Die konzentrierten subjektiven Bewegungserfahrungen tragen dazu bei, dass sich das individuelle Körperbewusstsein und Wohlbefinden erhöht. Ähnliche Wirkungen sind bei Praktiken oder Programmen, die mit einem Training der Achtsamkeit zu tun haben (z. B. Yoga, Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), durch Studien nachgewiesen.&lt;br /&gt;
Oft drücken auch erfahrene Kinaesthetics-TrainerInnen in Aus-, Fort- oder Weiterbildungen von Kinaesthetics ihre Freude über die Gelegenheit aus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, die Achtsamkeit auf sich selbst zu lenken, mit anderen Menschen in Bewegungsinteraktionen zu kommen, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und sich über diese mit anderen auszutauschen. Häufig heben sie in diesem Zusammenhang die allgemeine positive Wirkung eines solchen Bildungsangebots hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.4	Lernen auf kybernetischer Grundlage: Nicht voraussagbare zirkuläre Wirkungszusammenhänge&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Die fokussierte Erfahrung der eigenen Bewegung und die Reflexion darüber führen unweigerlich zur Erkenntnis, dass diese zwar von Mustern und „Automatismen“ geprägt ist, aber in jedem Moment von Neuem erzeugt werden muss.&lt;br /&gt;
Eine weitere, oft herausfordernde Eigenart des Lernens in der Kinästhetik ist die Auseinandersetzung mit kybernetischem Denken. Es erweitert die traditionelle wissenschaftliche Weltanschauung, in der die Welt mit berechenbaren linear-kausalen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung erklärt wird. Aus kybernetischer Sicht kommen zirkuläre Wirkungszusammenhänge hinzu, die nicht voraussagbar sind. Diese Perspektive lässt einen die menschliche Bewegung, zwischenmenschliche Interaktionen und viele Aspekte des Lebens als fortlaufende zirkuläre und individuelle Entwicklungsprozesse verstehen und gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.1.5	Präventions- und ressourcenorientiertes Lernen für Gesundheits- und Sozialberufe&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Viele Kursteilnehmende sind Personen, die einen beruflichen Auftrag gegenüber Menschen haben, die auf körperliche Unterstützung angewiesen sind. Ihnen bringt das Lernen in der Kinästhetik einen doppelten Gewinn. Einerseits ermöglicht ihnen die Erweiterung ihrer Bewegungskompetenz, sich bei der Arbeit körperlich nicht zu überlasten. Andererseits helfen die hohe Bewegungskompetenz und das Verständnis der menschlichen Bewegung, die betreffenden Menschen gezielt in der Entwicklung ihrer eigenen Bewegungskompetenz, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.2	Lernverständnis und Menschenbild&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.1	Perspektiven des Menschenbildes&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Seit den Anfängen der Kinästhetik in den 1970er-Jahren hat sich ein spezifisches Verständnis des Lernens und Lehrens entwickelt und ausdifferenziert. Es beruht u. a. auf dem Menschenbild, das der Kinästhetik zugrunde gelegt wurde und wird. Dieses ergibt sich aus der persönlichen, erfahrungs- und theoriebasierten Auseinandersetzung mit der Grundfrage „Was ist der Mensch?“.&lt;br /&gt;
Entscheidend für die konkrete Gestaltung der Lernumgebung und ihre Prinzipien ist das persönliche Menschenbild jeder einzelnen TrainerIn. In der Ich-Perspektive formuliert, sind solche Grundfragen beispielsweise, wie und nach welchen Mustern ich mein Bewegungsverhalten in alltäglichen Aktivitäten reguliere und wovon meine diesbezügliche Entwicklung beeinflusst wird. Einige wichtige Aspekte dieser Auseinandersetzung mit dem zugrunde liegenden Menschenbild werden im Folgenden angedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.2	Zirkuläre Selbstregulation als eine Grundlage des Lebens: Fortlaufende individuelle Anpassung, Ganzheit und Autonomie&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Ein Aspekt des Menschenbildes ist, dass die Bewegung bzw. die Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) zentrale Grundlagen des menschlichen Lebens sind. Damit hängt eng zusammen, dass die Funktionsweise und insbesondere die Steuerung der Bewegung des Menschen wesentlich auf dem kybernetischen Prinzip der Selbstregulation bzw. der zirkulären Rückkoppelung durch Feedbackschleifen beruhen. Dieses grundlegende Prinzip wird in der Kinästhetik Feedback-Control-Theorie (FCT) genannt und hat eine weitreichende Bedeutung für das Menschenbild:&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip unterscheidet den Menschen von trivialen Maschinen: Sein Verhalten wird von seinen persönlichen Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst und ist nicht voraussagbar. Der Mensch liefert nicht wie eine triviale Maschine nach linear-kausalen Gesetzen auf einen bestimmten Input immer den gleichen, voraussagbaren Output.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip besagt, dass der Mensch sein Bewegungsverhalten in jedem Moment durch die fortlaufende Korrektur von Abweichungen, d. h., durch fortlaufende individuelle Anpassung reguliert.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip schließt den ganzen Menschen mit ein bzw. umfasst das fortlaufende zirkuläre Zusammenspiel von Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem.&lt;br /&gt;
•	Das zirkuläre Zusammenspiel der beteiligten Systeme zeichnet sich durch Plastizität (Formbarkeit) aus, und zwar in Abhängigkeit davon, wie der Mensch seine Selbstregulation bzw. seine Lebensaktivitäten gestaltet.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch grundsätzlich ein autonomes (eigengesetzliches), geschlossenes System ist. Der Mensch reguliert nach seinen individuellen Regeln oder Gesetzen sein ganzes Verhalten und kann sich letztlich nur selbst durch seine eigene Aktivität am Leben erhalten. Als geschlossenes System kann der Mensch von außen nicht direkt gesteuert, sondern nur beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip bedeutet, dass der Mensch durch das Zusammenspiel der beteiligten Systeme sein Bild der Welt „errechnet“ oder konstruiert. Er nimmt grundsätzlich die Welt auf seine individuelle Art und Weise wahr (vgl. den bekannten Aphorismus von Maturana/Varela „Jedes Erkennen bedeutet Tun, und jedes Tun bedeutet Erkennen“).&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass Leben ununterbrochenes Lernen bedeutet (vgl. folgendes Kapitel).&lt;br /&gt;
•	Das Prinzip führt zum Schluss, dass in einer Interaktion (mindestens) zwei HandlungspartnerInnen gleichzeitig und ununterbrochen aktiv an einer gemeinsamen Handlung beteiligt sind. In konstanter Rückkoppelung beeinflusst das Verhalten der eine Person fortlaufend das Verhalten der anderen Person und umgekehrt (vgl. auch übernächstes Kapitel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.3	Leben bedeutet ununterbrochenes Lernen&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Aus dem kybernetischen Verständnis der Selbstregulation ergibt sich der Grundsatz, dass der Mensch sein Leben lang auf seine individuelle Art und Weise lernt und sich entwickelt. Dadurch, dass er lebt, verfestigt, erweitert oder vermindert er stets seine Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
Zu diesem lebenslangen Lernen gehört die Entwicklung von Verhaltens- und Bewegungsmustern. Sie zeichnen sich zwar durch Ähnlichkeit und Konstanz aus, müssen aber in jedem Moment neu erzeugt werden. Grundsätzlich kann jeder einzelne Mensch diese jederzeit bewusst oder unbewusst verändern.&lt;br /&gt;
Diese Ausführungen machen deutlich, dass in der Kinästhetik die Begriffe Lernen und Entwicklung in einem sehr grundsätzlichen und umfassenden Sinn verwendet werden. Leben bedeutet ununterbrochene Entwicklung auf allen Ebenen des Lebens. Und bei vielen Entwicklungen ist es lohnend, sie als Lernprozesse zu betrachten und persönliche Verantwortung für sie zu übernehmen.&lt;br /&gt;
Lernen in der Kinästhetik betrifft im Unterschied zum gängigen Verständnis nicht nur die Kognition oder den Erwerb von neuem Wissen und Können, sondern kann auch die unbewusste Einschränkung von Bewegungsmustern einschließen. Es ist zentral, eine solche Entwicklung als einen Lernprozess zu verstehen, der lebenslang bewusst in eine andere Richtung gelenkt werden kann.&lt;br /&gt;
Desgleichen verbietet es dieses umfassende Verständnis zum Beispiel, von einem vierzigjährigen Menschen mit Behinderung zu sagen, er sei in seiner Entwicklung auf der Stufe eines Vierjährigen stehen geblieben. Aus der Perspektive der Kinästhetik hat er vierzig Jahre lang seine Lern- und Entwicklungsprozesse gemacht, die ihn genau dorthin führten, wo er jetzt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.2.4	Die Bedeutung der (Bewegungs-)Interaktion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Ein wichtiger Aspekt des Menschenbildes beruht auf der Tatsache, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Bereits vorgeburtlich finden bedeutsame Bewegungsinteraktionen zwischen dem Kind und seiner Mutter statt.&lt;br /&gt;
Nach seiner Geburt ist das Kind unabdingbar auf den Körperkontakt mit anderen Menschen angewiesen ist. Sein Lernen und seine Entwicklung werden wesentlich durch die Bewegungsinteraktionen mit anderen Menschen beeinflusst. Dabei lernt es, sich selbst bzw. seine eigene Bewegung wahrzunehmen und zu regulieren, indem es der Bewegung anderer Menschen folgt. Diese Bewegungsinteraktionen prägen sein Interaktionsverhalten und sind dessen Grundlage.&lt;br /&gt;
Die Interaktionen mit anderen Menschen beeinflussen lebenslang insbesondere die Entwicklung unseres Interaktionsverhaltens. Auch in Interaktionen ohne Körperkontakt folgen wir der Bewegung anderer Menschen – jedes Verhalten ist mit Bewegung verknüpft – und passen uns an sie an.&lt;br /&gt;
Interaktionen mit anderen Menschen spielen für unsere Lernprozesse im Verlauf des ganzen Lebens eine wichtige Rolle. Die Interaktionen über Berührung und Bewegung erhalten z. B. dann wieder eine besondere Bedeutung für unsere Lernprozesse, wenn wir auf körperliche Unterstützung angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.3	Die Herausforderung der förderlichen Gestaltung der Lernumgebung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.1	Vorbemerkung zum Begriff „Gestaltung der Lernumgebung“&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Für die Tätigkeit des Unterrichtens oder Lehrens wird in der Kinästhetik der Begriff Gestaltung der Lernumgebung verwendet. Er soll verdeutlichen, dass Lernen nie direkt gesteuert werden kann, sondern immer ein eigengesetzlicher innerer Prozess der lernenden Person ist. Als lehrende Person kann man nur eine mehr oder weniger günstige „Umgebung“ für Lernprozesse schaffen oder auch sein. Ursprünglich hatte der Begriff Lernumgebung in der Pädagogik nicht diese Bedeutung. Er wird aber immer häufiger in diesem Sinn verwendet (vgl. auch Glossar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.2	Spezifisches Know-how und moderne Grundprinzipien&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
Auf der Grundlage des Menschenbildes hat sich in der Kinästhetik eine besondere Lern- und Lehrkultur entwickelt. Die angestrebten Kompetenzen und Lernziele brauchen ein spezifisches Know-how der Gestaltung der Lernumgebung.&lt;br /&gt;
Diese Kompetenzen und Lernziele betreffen u. a.&lt;br /&gt;
•	die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und -regulation,&lt;br /&gt;
•	die Erweiterung der persönlichen Bewegungskompetenz&lt;br /&gt;
•	und insbesondere die Erweiterung der Kompetenz, Interaktionen über Berührung und Bewegung mit anderen Menschen bewusst und gezielt zu gestalten.&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund haben sich in der Kinästhetik spezifische methodisch-didaktische Vorgehensweisen im Großen und im Kleinen entwickelt. Ebenso haben sich pädagogisch-didaktische Grundprinzipien etabliert, die auch von der modernen Pädagogik und Unterrichtsforschung als wichtige Faktoren guten Unterrichtens bezeichnet werden (Schubiger 2022, S. 17 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039;1.3.3	Notwendigkeit von Intuition, Anpassungsfähigkeit und Reflexion&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.1	Der Einfluss unvorhergesehener Faktoren im Hier und Jetzt&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
Weder die Verwendung durchdachter Methoden noch die Befolgung aller im Folgenden aufgelisteten Grundprinzipien können eine gute Gestaltung der Lernumgebung und erfolgreiches Lernen garantieren. Lernen und Lehren vollziehen sich immer im Hier und Jetzt.&lt;br /&gt;
Unvorhergesehene äußere Faktoren oder die aktuelle Befindlichkeit der Beteiligten können beides in vielfältiger Weise beeinflussen. Gute Gestaltung der Lernumgebung beruht gleichermaßen auf stimmigen Grundprinzipien wie auf Intuition und Anpassungsfähigkeit im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.2	Intuition für die Qualität der Lernprozesse als Grundlage von Anpassungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
Es ist z. B. unvorhersagbar und kaum ersichtlich, wie differenziert die Lernenden ihre eigene Bewegung wahrnehmen und Unterschiede in ihrer Bewegungswahrnehmung erfahren können. Deshalb besteht hier in besonderem Maß die Herausforderung, bei der Gestaltung der Lernumgebung nicht einem fixen methodischen Schema oder Plan zu folgen. Vielmehr gilt es, auf die Qualität der Lernprozesse zu achten und die Lernumgebung vor dem Hintergrund der angestrebten Kompetenzen intuitiv anzupassen.&lt;br /&gt;
Das Gleiche gilt für das ausgewogene und passende Verhältnis von Führung oder Anleitung aller Lernenden, individueller Unterstützung und selbstverantwortlichem Lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039;1.3.3.3	Die Bedeutung der persönlichen und gemeinsamen Reflexion der Lehrerfahrungen&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
Hilfreich für die Kompetenz guter Gestaltung der Lernumgebung ist die Erfahrung oder vielmehr die kritische Reflexion der eigenen Lehr- und Wirkungserfahrungen. Dazu gehört der Mut, die eigene Gestaltung Lernumgebung infrage zu stellen sowie neue Wege auszuprobieren und zu reflektieren.&lt;br /&gt;
Lohnend sind die Reflexion und der Austausch mit anderen TrainerInnen, sei es im privaten Rahmen, in Fachnetzwerken oder Trainerbildungsangeboten. Dadurch können das eigene Verständnis und die persönliche Umsetzung der Grundprinzipien sowie die eigene Intuition und Anpassungsfähigkeit bewusst weiterentwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.4	Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Element gelingenden Lehrens und Lernens stellen die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn dar. Mit gelebter Haltung ist das konkrete Verhalten und dessen Wirkung bei der Gestaltung der Lernumgebung gemeint.&lt;br /&gt;
Die gelebte Haltung stimmt nicht unbedingt damit überein, wie man die eigene pädagogische Haltung beschreibt. Es ist z. B. möglich, dass man „Lernen auf Augenhöhe“ als wichtiges eigenes Grundprinzip beschreibt, aber in konkreten Situationen sich so verhält, dass man keine andere Meinung gelten lässt und nicht auf der Ebene der Lernenden mitdenkt, sondern sich über sie stellt und somit die eigenen Prinzipien nicht lebt.&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Persönlichkeit und gelebten Haltung können einige Punkte genannt werden, die in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Lernenden und ihre Lernprozesse haben.&lt;br /&gt;
Dazu gehört, dass die TrainerIn&lt;br /&gt;
•	ein echtes Interesse an den einzelnen Menschen und ihren Lernprozessen hat, die einzelnen Lernenden und ihre Meinungen ernst nimmt,&lt;br /&gt;
•	ein echtes Interesse an den Lerninhalten und -prozessen hat und die Bedeutung offenlegt, die diese für sie persönlich haben,&lt;br /&gt;
•	den Lernenden partnerschaftlich und nicht von oben herab begegnet, den Bildungsanlass als gemeinsamen Lernprozess versteht,&lt;br /&gt;
•	auch in schwierigen Situationen authentisch und fair bleibt, die eigenen Überzeugungen infrage stellen lässt, nicht besserwisserisch auftritt, sondern zu ihrem persönlichen Lernpotenzial im Umgang mit schwierigen Situationen steht.&lt;br /&gt;
Es ist klar, dass diese Punkte einen Bereich betreffen, der mit der Individualität und dem Charakter jeder einzelnen TrainerIn zu tun hat. Selbst wenn zwei TrainerInnen z. B. in der Haltung übereinstimmen, dass sie sich für den einzelnen Menschen interessieren, wird jede Person diese Haltung auf ihre individuelle Art und somit in unterschiedlicher Ausprägung umsetzen.&lt;br /&gt;
Wie die Persönlichkeit und gelebte Haltung der Lehrperson auf die Lernenden wirken, ist in gleicher Weise unterschiedlich und von der Persönlichkeit jeder einzelnen Lernenden abhängig.&lt;br /&gt;
Gemeinhin gilt die Authentizität im Sinn der Echtheit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als empfehlenswerter Grundsatz. Man kann ihn in Anlehnung an die bekannte Aussage von Sr. Liliane Juchli als Motto „Ich lehre als die, die ich bin“ formulieren.&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit und gelebte Haltung der TrainerIn prägen ihre Fähigkeit, eine echte und faire Beziehung zu den Lernenden auf Augenhöhe gestalten zu können. Auch wenn Persönlichkeit und gelebte Haltung sehr individuell sind, gelten sie als ein zentrales Element gelingenden Lehrens und Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;1.5	Sinn und Absicht der pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Diese Ausführungen und die anschließenden pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sollen Kinaesthetics-TrainerInnen helfen, ihre Gestaltung der Lernumgebung und ihre eigenen Grundsätze differenziert zu reflektieren, zu begründen und weiterzuentwickeln. Sie sind keinesfalls als Vorschriften gedacht.&lt;br /&gt;
Ein Bildungsanlass ist immer ein Prozess in der Gegenwart, eine Begegnung von individuellen Menschen in ihrer aktuellen Befindlichkeit. Es ist nur menschlich, dass Lernen und Lehren unterschiedlich gut gelingen. Erwartet werden darf, dass professionelle TrainerInnen ihre Tätigkeit differenziert reflektieren können und bereit sind, sie zugunsten der Lernenden weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
Die pädagogisch-didaktischen Grundprinzipien sind auf die Gestaltung der Lernumgebung von Basiskursen und von Aus-, Weiter- und Fortbildungen ausgerichtet. Sinngemäß sind viele Prinzipien auch auf andere Gefäße der Gestaltung der Lernumgebung wie Praxisanleitungen, Workshops oder Fallbearbeitungen übertragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Literatur und Medien&lt;br /&gt;
Wahl, Diethelm (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. ISBN 978-3-7815-5294-4&lt;br /&gt;
Schubiger, Andreas (2022): Lehren und Lernen. Ressourcen aktivieren, Informationen verarbeiten, Transfer anbahnen, Auswerten. RITA: ein kompetenzorientiertes Lernprozessmodell. 3., überarbeitete Auflage. Bern: hep. ISBN 978-3-0355-2151-1&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni; Boldrini, Elena; Bausch, Luca (2014): SiD – Situationsdidaktik. Ein Leitfaden für Lehrkräfte in der Berufsbildung. EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf](https://www.ehb.swiss/sites/default/files/situationsdidaktik_de.pdf) (Zugriff: 12.09.2023).&lt;br /&gt;
Ghisla, Gianni (2008): Überlegungen zu einem theoretischen Rahmen für die Entwicklung von kompetenzorientierten Curricula (Work in progress, Fassung vom 12.5.2008). EHB Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung. [https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf](https://idea-ti.ch/images/team/ghisla/05_Ghisla_Theorie_CoRe20072008.pdf) (Zugriff: 12.09.2023)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
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		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
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		<updated>2025-08-24T10:00:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 10px #FF4500;background-color:wheat;&amp;quot; colspan=&amp;quot;2&amp;quot; |&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Das [[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon|Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL)]] wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Datei:11-detail-kin-sinnessystem.jpg|300px|thumb|rechts|Diese stark vereinfachte Darstellung der Muskelspindeln gilt in der Kinästhetik gängig als Symbol für das kinästhetische Sinnessystem.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schon gewusst?&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Sinnesrezeptoren&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zum kinästhetischen Sinnessystem gehören unterschiedliche Rezeptoren mit unterschiedlichen Aufgaben. Die &#039;&#039;&#039;Muskelspindeln&#039;&#039;&#039; befinden sich in den Muskelfasern und registrieren Veränderung in der Länge, Dehnbarkeit und der Geschwindigkeit dieser Veränderung. Die &#039;&#039;&#039;Golgi-Sehnenorgane&#039;&#039;&#039; befinden sich an den Übergängen zwischen Muskeln und Sehnen und überwachen die Muskelspannung und Druck auf Gelenkbänder. In den Gelenken befinden sich Mechanorezeptoren. &#039;&#039;&#039;Ruffini-Rezeptoren&#039;&#039;&#039; reagieren auf Dehnung, &#039;&#039;&#039;Vater-Pacini-Körperchen&#039;&#039;&#039; reagieren auf schnelle Veränderung oder Vibration. Auf der Haut finden wir Rezeptoren, die zum taktilen und zum kinästhetischen Sinnessystem zählen. Diese sind die &#039;&#039;&#039;Merkel-Zellen&#039;&#039;&#039;, die Druck und Berührung erfassen, sowie die &#039;&#039;&#039;Meissner-Körperchen&#039;&#039;&#039; die auf Vibration und leichte Berührung reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bedeutende Personen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Francisco Javier Varela García &amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Francisco Javier Varela García (* 7. September 1946 in Santiago de Chile; † 28. Mai 2001 in Paris) war Biologe und Neurowissenschaftler. &lt;br /&gt;
Francisco Varela studierte Biologie in Santiago de Chile und erhielt darauf ein Stipendium an der Harvard University, wo er seine Dissertation in Biologie im Jahr 1970 abschloss. Nach dem Militärputsch in Chile von 1973 verließ er das Land. In der Folge war er Assistenzprofessor an der medizinischen Fakultät der University of Colorado Denver (1974 bis 1978) und lehrte und forschte zwei Jahre an der New York University Medical School. 1980 kehrte er als Biologieprofessor an die Universidad de Chile zurück. Ab 1984 war er in Europa tätig und wurde 1988 vom Centre national de la recherche scientifique in Paris zum Forschungsdirektor für kognitive Neurowissenschaften berufen, welche Funktion er bis zu seinem Tod ausübte. &lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1970er- und 1980er-Jahre beschrieb Varela gemeinsam mit Humberto Maturana im Buch „Der Baum der Erkenntnis“ Grundlagen der Biologie und der Erkenntnistheorie neu. Zentrale Ideen sind die [[Autopoiese (Autopoiesis)]], das Verständnis des Lebens im Sinn eines dynamischen zirkulären Prozesses oder Kognition als Handlung (Erkennen als Tun und umgekehrt). Die Forschungen und Publikationen Varelas betreffen einerseits kognitionswissenschaftliche Themen, andererseits z. B. über den Ansatz der [[1.-Person-Methode|Erste-Person-Methodologien]] den Brückenschlag zwischen menschlicher [[Bewegungserfahrung|Erfahrung]] und wissenschaftlicher Theorie oder Grenzbereiche des Bewusstseins, dargestellt anhand von Gesprächen mit dem Dalai Lama.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1987 moderierte Varela den ersten Mind-and-Life-Dialog mit dem Dalai Lama in Dharamsala, bei dem Themen der Kognitionswissenschaft vorgestellt und diskutiert wurden. An der 8. Mind-and-Life-Konferenz hielt er im März 2000 seinen letzten Vortrag „Wissenschaftliche Erforschung des Bewusstseins“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Varela starb im Jahr 2001 an Krebs. Der Dokumentarfilm „Monte Grande – What is Life?“  von Franz Reichle stellt sein Leben und Werk sowie Weggefährten wie den Dalai Lama, Heinz von Foerster oder Humberto Maturana vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit Varelas hat in vielerlei Hinsicht grundlegende Bedeutung für das Fachgebiet Kinästhetik. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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# [[Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Heinz von Foerster]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Literatur und Medien]] &lt;br /&gt;
# [[Bewegungserfahrung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Orientierung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Spastik‏‎]] &lt;br /&gt;
# [[Wahrnehmung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[‏Knochen und Muskeln]]&lt;br /&gt;
# [[Stabil und instabil]]‏‎‎‏‎&lt;br /&gt;
# [[Viabilität]]‏‎&lt;br /&gt;
[[Spezial:Beliebteste_Seiten|Mehr erfahren]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 90%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF; &amp;quot;colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;[[„Bemerkenswerte Ereignisse“|Bemerkenswerte Ereignisse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;1. Internationaler Kinästhetik-Kongress in Ulm&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;In der Erstausgabe der Zeitschrift „Kinästhetik“ (Januar 1997) finden sich der Bericht über den 1. Internationalen Kinästhetik-Kongress in Ulm vom 20. März 1996 sowie zahlreiche Artikel zu den in Vorträgen und Workshops vorgestellten Themen. Als Nachfolgepublikation des Kinästhetik-Bulletins sollte diese Zeitschrift &#039;&#039;„hinsichtlich der Vernetzung der Arbeit und Entwicklung aller Kinästhetik-TrainerInnen und Trainees, wie auch der mit den AnwenderInnen von Kinästhetik in ihrer praktischen Arbeit“&#039;&#039; einen wichtigen Beitrag leisten. &lt;br /&gt;
Der Kongress wurde von vielen Kinästhetik-TrainerInnen und interessierten Personen besucht. Themen für die ca. 300 BesucherInnen waren unter anderem Kinästhetik mit pflegenden Angehörigen, die Einführung von Kinästhetik ins Unterrichtsprogramm einer Pflegeschule, Bewegungserleichterung mit Umgebungsgestaltung oder Human Factoring. In einem persönlichen Fazit zum Kongress wird festgehalten, dass der Austausch von neuen Erfahrungen für aktuelle und zukünftige TrainerInnen unbedingt wichtig sei, und in Leserbriefen wird die Begeisterung über diesen ersten großen Kongress in der Geschichte der Kinästhetik ausgedrückt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 50%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Zuletzt erschienene Artikel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Erfahren (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-left:solid 5px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:#FFD700; colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Mach mit!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Du hast viele Möglichkeiten, die Entwicklung des KOFL zu unterstützen.&lt;br /&gt;
* Nur schon, wenn du das KOFL nutzt und Artikel liest, hilfst du dem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] zu erkennen, welche Themen auf besonderes Interesse stoßen bzw. in welchem Themenkreis weitere Artikel publizienswert sind.&lt;br /&gt;
* Diskutiere mit! Jeder Artikel im KOFL hat eine Diskussionsseite. Wenn du einen interessanten Hinweis hast, Aussagen schlecht verstehst oder mit ihnen nicht einverstanden bist, hinterlasse eine Notiz auf der Diskussionsseite – dein Beitrag muss nicht geschliffen daherkommen, sondern nur verständlich sein.&lt;br /&gt;
* Du kannst das KOFL bzw. die Publikation von Artikeln ideell oder materiell unterstützen: [[KOFL:Eine Diskussion eröffnen]], [[KOFL:Artikel(teile) veröffentlichen]], [[KOFL:Sponsoring]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=5945</id>
		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
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		<updated>2025-08-24T09:47:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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[[Datei:11-detail-kin-sinnessystem.jpg|200px|thumb|rechts|Diese stark vereinfachte Darstellung der Muskelspindeln gilt in der Kinästhetik gängig als Symbol für das kinästhetische Sinnessystem.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schon gewusst?&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Sinnesrezeptoren&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zum kinästhetischen Sinnessystem gehören unterschiedliche Rezeptoren mit unterschiedlichen Aufgaben. Die &#039;&#039;&#039;Muskelspindeln&#039;&#039;&#039; befinden sich in den Muskelfasern und registrieren Veränderung in der Länge, Dehnbarkeit und der Geschwindigkeit dieser Veränderung. Die &#039;&#039;&#039;Golgi-Sehnenorgane&#039;&#039;&#039; befinden sich an den Übergängen zwischen Muskeln und Sehnen und überwachen die Muskelspannung und Druck auf Gelenkbänder. In den Gelenken befinden sich Mechanorezeptoren. &#039;&#039;&#039;Ruffini-Rezeptoren&#039;&#039;&#039; reagieren auf Dehnung, &#039;&#039;&#039;Vater-Pacini-Körperchen&#039;&#039;&#039; reagieren auf schnelle Veränderung oder Vibration. Auf der Haut finden wir Rezeptoren, die zum taktilen und zum kinästhetischen Sinnessystem zählen. Diese sind die &#039;&#039;&#039;Merkel-Zellen&#039;&#039;&#039;, die Druck und Berührung erfassen, sowie die &#039;&#039;&#039;Meissner-Körperchen&#039;&#039;&#039; die auf Vibration und leichte Berührung reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Francisco Varela studierte Biologie in Santiago de Chile und erhielt darauf ein Stipendium an der Harvard University, wo er seine Dissertation in Biologie im Jahr 1970 abschloss. Nach dem Militärputsch in Chile von 1973 verließ er das Land. In der Folge war er Assistenzprofessor an der medizinischen Fakultät der University of Colorado Denver (1974 bis 1978) und lehrte und forschte zwei Jahre an der New York University Medical School. 1980 kehrte er als Biologieprofessor an die Universidad de Chile zurück. Ab 1984 war er in Europa tätig und wurde 1988 vom Centre national de la recherche scientifique in Paris zum Forschungsdirektor für kognitive Neurowissenschaften berufen, welche Funktion er bis zu seinem Tod ausübte. &lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1970er- und 1980er-Jahre beschrieb Varela gemeinsam mit Humberto Maturana im Buch „Der Baum der Erkenntnis“ Grundlagen der Biologie und der Erkenntnistheorie neu. Zentrale Ideen sind die [[Autopoiese (Autopoiesis)]], das Verständnis des Lebens im Sinn eines dynamischen zirkulären Prozesses oder Kognition als Handlung (Erkennen als Tun und umgekehrt). Die Forschungen und Publikationen Varelas betreffen einerseits kognitionswissenschaftliche Themen, andererseits z. B. über den Ansatz der [[1.-Person-Methode|Erste-Person-Methodologien]] den Brückenschlag zwischen menschlicher [[Bewegungserfahrung|Erfahrung]] und wissenschaftlicher Theorie oder Grenzbereiche des Bewusstseins, dargestellt anhand von Gesprächen mit dem Dalai Lama.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1987 moderierte Varela den ersten Mind-and-Life-Dialog mit dem Dalai Lama in Dharamsala, bei dem Themen der Kognitionswissenschaft vorgestellt und diskutiert wurden. An der 8. Mind-and-Life-Konferenz hielt er im März 2000 seinen letzten Vortrag „Wissenschaftliche Erforschung des Bewusstseins“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Varela starb im Jahr 2001 an Krebs. Der Dokumentarfilm „Monte Grande – What is Life?“  von Franz Reichle stellt sein Leben und Werk sowie Weggefährten wie den Dalai Lama, Heinz von Foerster oder Humberto Maturana vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit Varelas hat in vielerlei Hinsicht grundlegende Bedeutung für das Fachgebiet Kinästhetik. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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# [[Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Heinz von Foerster]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Literatur und Medien]] &lt;br /&gt;
# [[Bewegungserfahrung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Orientierung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Spastik‏‎]] &lt;br /&gt;
# [[Wahrnehmung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[‏Knochen und Muskeln]]&lt;br /&gt;
# [[Stabil und instabil]]‏‎‎‏‎&lt;br /&gt;
# [[Viabilität]]‏‎&lt;br /&gt;
[[Spezial:Beliebteste_Seiten|Mehr erfahren]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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Der Kongress wurde von vielen Kinästhetik-TrainerInnen und interessierten Personen besucht. Themen für die ca. 300 BesucherInnen waren unter anderem Kinästhetik mit pflegenden Angehörigen, die Einführung von Kinästhetik ins Unterrichtsprogramm einer Pflegeschule, Bewegungserleichterung mit Umgebungsgestaltung oder Human Factoring. In einem persönlichen Fazit zum Kongress wird festgehalten, dass der Austausch von neuen Erfahrungen für aktuelle und zukünftige TrainerInnen unbedingt wichtig sei, und in Leserbriefen wird die Begeisterung über diesen ersten großen Kongress in der Geschichte der Kinästhetik ausgedrückt.&lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Erfahren (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=5811</id>
		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
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		<updated>2025-08-13T12:23:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 10px #FF4500;background-color:wheat;&amp;quot; colspan=&amp;quot;2&amp;quot; |&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Das [[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon|Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL)]] wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Schon gewusst?&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Sinnesrezeptoren&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Zum kinästhetischen Sinnessystem gehören unterschiedliche Rezeptoren mit unterschiedlichen Aufgaben. Die &#039;&#039;&#039;Muskelspindeln&#039;&#039;&#039; befinden sich in den Muskelfasern und registrieren Veränderung in der Länge, Dehnbarkeit und der Geschwindigkeit dieser Veränderung. Die &#039;&#039;&#039;Golgi-Sehnenorgane&#039;&#039;&#039; befinden sich an den Übergängen zwischen Muskeln und Sehnen und überwachen die Muskelspannung und Druck auf Gelenkbänder. In den Gelenken befinden sich Mechanorezeptoren. &#039;&#039;&#039;Ruffini-Rezeptoren&#039;&#039;&#039; reagieren auf Dehnung, &#039;&#039;&#039;Vater-Pacini-Körperchen&#039;&#039;&#039; reagieren auf schnelle Veränderung oder Vibration. Auf der Haut finden wir Rezeptoren, die zum taktilen und zum kinästhetischen Sinnessystem zählen. Diese sind die &#039;&#039;&#039;Merkel-Zellen&#039;&#039;&#039;, die Druck und Berührung erfassen, sowie die &#039;&#039;&#039;Meissner-Körperchen&#039;&#039;&#039; die auf Vibration und leichte Berührung reagieren.&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bedeutende Personen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Francisco Javier Varela García &amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Francisco Javier Varela García (* 7. September 1946 in Santiago de Chile; † 28. Mai 2001 in Paris) war Biologe und Neurowissenschaftler. &lt;br /&gt;
Francisco Varela studierte Biologie in Santiago de Chile und erhielt darauf ein Stipendium an der Harvard University, wo er seine Dissertation in Biologie im Jahr 1970 abschloss. Nach dem Militärputsch in Chile von 1973 verließ er das Land. In der Folge war er Assistenzprofessor an der medizinischen Fakultät der University of Colorado Denver (1974 bis 1978) und lehrte und forschte zwei Jahre an der New York University Medical School. 1980 kehrte er als Biologieprofessor an die Universidad de Chile zurück. Ab 1984 war er in Europa tätig und wurde 1988 vom Centre national de la recherche scientifique in Paris zum Forschungsdirektor für kognitive Neurowissenschaften berufen, welche Funktion er bis zu seinem Tod ausübte. &lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1970er- und 1980er-Jahre beschrieb Varela gemeinsam mit Humberto Maturana im Buch „Der Baum der Erkenntnis“ Grundlagen der Biologie und der Erkenntnistheorie neu. Zentrale Ideen sind die [[Autopoiese (Autopoiesis)]], das Verständnis des Lebens im Sinn eines dynamischen zirkulären Prozesses oder Kognition als Handlung (Erkennen als Tun und umgekehrt). Die Forschungen und Publikationen Varelas betreffen einerseits kognitionswissenschaftliche Themen, andererseits z. B. über den Ansatz der [[1.-Person-Methode|Erste-Person-Methodologien]] den Brückenschlag zwischen menschlicher [[Bewegungserfahrung|Erfahrung]] und wissenschaftlicher Theorie oder Grenzbereiche des Bewusstseins, dargestellt anhand von Gesprächen mit dem Dalai Lama.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1987 moderierte Varela den ersten Mind-and-Life-Dialog mit dem Dalai Lama in Dharamsala, bei dem Themen der Kognitionswissenschaft vorgestellt und diskutiert wurden. An der 8. Mind-and-Life-Konferenz hielt er im März 2000 seinen letzten Vortrag „Wissenschaftliche Erforschung des Bewusstseins“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Varela starb im Jahr 2001 an Krebs. Der Dokumentarfilm „Monte Grande – What is Life?“  von Franz Reichle stellt sein Leben und Werk sowie Weggefährten wie den Dalai Lama, Heinz von Foerster oder Humberto Maturana vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit Varelas hat in vielerlei Hinsicht grundlegende Bedeutung für das Fachgebiet Kinästhetik. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:orange; colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Meistgelesene Artikel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Hier findest du eine Rangliste der Artikel, die am meisten aufgerufen worden sind (Stand Oktober 2024)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
# [[Heinz von Foerster]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Wahrnehmung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Literatur und Medien]] &lt;br /&gt;
# [[Orientierung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Bewegungserfahrung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Spastik‏‎]] &lt;br /&gt;
# [[Knochen und Muskeln]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[‏Viabilität]]&lt;br /&gt;
# [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]‏‎‎‏‎&lt;br /&gt;
#[[Stabil und instabil]]‏‎&lt;br /&gt;
[[Spezial:Beliebteste_Seiten|Mehr erfahren]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 90%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF; &amp;quot;colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;[[„Bemerkenswerte Ereignisse“|Bemerkenswerte Ereignisse]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;1. Internationaler Kinästhetik-Kongress in Ulm&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;In der Erstausgabe der Zeitschrift „Kinästhetik“ (Januar 1997) finden sich der Bericht über den 1. Internationalen Kinästhetik-Kongress in Ulm vom 20. März 1996 sowie zahlreiche Artikel zu den in Vorträgen und Workshops vorgestellten Themen. Als Nachfolgepublikation des Kinästhetik-Bulletins sollte diese Zeitschrift &#039;&#039;„hinsichtlich der Vernetzung der Arbeit und Entwicklung aller Kinästhetik-TrainerInnen und Trainees, wie auch der mit den AnwenderInnen von Kinästhetik in ihrer praktischen Arbeit“&#039;&#039; einen wichtigen Beitrag leisten. &lt;br /&gt;
Der Kongress wurde von vielen Kinästhetik-TrainerInnen und interessierten Personen besucht. Themen für die ca. 300 BesucherInnen waren unter anderem Kinästhetik mit pflegenden Angehörigen, die Einführung von Kinästhetik ins Unterrichtsprogramm einer Pflegeschule, Bewegungserleichterung mit Umgebungsgestaltung oder Human Factoring. In einem persönlichen Fazit zum Kongress wird festgehalten, dass der Austausch von neuen Erfahrungen für aktuelle und zukünftige TrainerInnen unbedingt wichtig sei, und in Leserbriefen wird die Begeisterung über diesen ersten großen Kongress in der Geschichte der Kinästhetik ausgedrückt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 50%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Zuletzt erschienene Artikel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Erfahren (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-left:solid 5px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:#FFD700; colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Mach mit!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Du hast viele Möglichkeiten, die Entwicklung des KOFL zu unterstützen.&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Diskussion:Humanistische Psychologie</title>
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		<updated>2025-08-13T07:57:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: Die Seite wurde neu angelegt: „{{Diskussionsseiten|Humanistische Psychologie}} {{Infobox|Diskussion eröffnet|Andreas Borrmann/Stefan Marty-Teuber}}“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Diskussionsseiten|Humanistische Psychologie}}&lt;br /&gt;
{{Infobox|Diskussion eröffnet|Andreas Borrmann/Stefan Marty-Teuber}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Humanistische_Psychologie&amp;diff=5809</id>
		<title>Humanistische Psychologie</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Humanistische_Psychologie&amp;diff=5809"/>
		<updated>2025-08-13T07:53:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Humanistische Psychologie und Kinästhetik (Belegstellen) ==&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
=== Humanistische Psychologie im 16. Bulletin von 1990===&lt;br /&gt;
In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 finden sich im ersten Kapitel „Hintergrund der Kinästhetik (Entstehung, Begründer, Weitere Einflüsse)“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Nachdruck 2009. S. 5 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach dem ersten Unterkapitel „Entstehung“ im zweiten Unterkapitel „Begründer“ Hinweise darauf, in welcher Weise die humanistische Psychologie einen Hintergrund der Kinästhetik bildet:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; „Begründer&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;[…]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Lenny Maietta kommt von der &#039;&#039;&#039;humanistischen Psychologie&#039;&#039;&#039; her und hat sich als körperorientierte Psychotherapeutin ausbilden lassen. Sie arbeitete mit Einzelpersonen und Familien mit körperlich behinderten, autistischen, psychotischen oder sonst behinderten Kindern und Jugendlichen. Sie spezialisierte sich darauf, anhand von Berührungs- und Bewegungsmethoden die Beziehungen innerhalb der Familien zu unterstützen und die physischen Fähigkeiten der Kinder sowie ihre Lernkapazität und ihr soziales Verhalten zu fördern.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;[…]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Frank und Lenny lernten sich 1975 bei der Arbeit in einer Klinik für Drogenentzug im Allgäu, BRD, kennen. Sie hatten damals schon beide ihre eigene Arbeit mit der menschlichen Bewegung entwickelt, bei der Berührung das wichtigste Kommunikationsmittel ist, und wandten sie bei sehr verschiedenen Klienten an. Sie entdeckten, dass ihre Ausbildung und ihr beruflicher Werdegang als Lehrer und Therapeuten ähnlichen Ursprungs waren und sich ergänzten. Ihre Bewegungslehrer kamen aus der Richtung des Modern Dance von Amerika und Europa aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. In jenem neuen Umgang mit der menschlichen Bewegung liegen die Wurzeln der erfahrungsbezogenen Ausrichtung in der modernen Erziehung und Psychologie. Die Ideen der &#039;&#039;&#039;humanistischen Psychologie&#039;&#039;&#039; mit der Betonung der Ganzheit des Menschen waren die Grundlage von Franks und Lennys beruflicher Tätigkeit. Dabei setzten sie Berührung und Bewegung als wichtigste Mittel ein, um eine Verbesserung der Handlungsweisen, des Lernens und der Kommunikation von Menschen zu erreichen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 5 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Nachdruck 2009. S. 5 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Humanistische Psychologie in „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Pflege“===&lt;br /&gt;
Im Jahr 1992 erschien das erste öffentliche Fachbuch „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“ im Verlag Krankenpflege, Eschborn. In diesem ca. 190-seitigen Werk mit einem Vorwort von Sr. Liliane Juchli beschränken sich die AutorInnen Frank Hatch, Lenny Maietta und Suzanne Schmidt auf den Anwendungsbereich der Pflege. In der vierten Auflage von 1996&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny; Schmidt, Suzanne (1996):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Pflege. Übersetzung: Ina Citron. 4. Auflage. Eschborn: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe. ISBN 3-927944-02-5.&amp;lt;br&amp;gt;1. Auflage: 1992 „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde der Untertitel von „in der Krankenpflege“ zu „in der Pflege“ geändert. In diesem Buch erscheinen die „Prinzipien“, d. h., die heutigen Konzepte, bereits in der aktuellen Reihenfolge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Unterkapitel „Was ist Kinästhetik?“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 19 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; des ersten Kapitels. Einleitend wird der Begriff Kinästhetik erläutert und auf die Gebiete verwiesen, die die Entwicklung der Kinästhetik beeinflusst haben. In kurzen Ausführungen werden die Verhaltenskybernetik, die humanistische Psychologie und der moderne Tanz erläutert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; „Humanistische Psychologie &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die humanistische Psychologie hat die Kinästhetik ebenfalls stark beeinflußt. Die Betrachtung des Menschen in seiner Ganzheit [im Original kursiv] und die Beachtung seiner Fähigkeit zur Selbstbestimmung [im Original kursiv] sind die Ausgangspunkte jeder Handlung. Für die pflegerische Praxis bedeutet dies, daß jede beteiligte Person, die Pflegende ebenso wie die Patientin, die Beachtung dieser Selbstkontrolle erfährt. Das schließt aus, daß andere Menschen nur als Objekte, ohne Einbeziehung ihrer Fähigkeiten und ohne wechselseitige Zustimmung, manipuliert oder behandelt werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny; Schmidt, Suzanne (1996):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Pflege. Übersetzung: Ina Citron. 4. Auflage. Eschborn: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe. ISBN 3-927944-02-5. S. 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Humanistische Psychologie ==&lt;br /&gt;
{{Infobox|vorläufig abgeschlossen|Andreas Borrmann/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
=== Entstehung und Bezüge ===&lt;br /&gt;
Die humanistische Psychologie formierte sich in Amerika gegen Ende der 1950er-Jahre und Anfang der 1960er-Jahre. Dies vollzog sich hauptsächlich im Zusammenhang mit der Gründung der Association for Humanistic Psychology (AHP) durch Carl Rogers, Virginia Satir und Abraham Maslow. Die humanistische Psychologie sah sich einerseits als Gegenpol zum damals in den USA dominanten Behaviorismus, aber auch zu etablierten Grundannahmen der Psychoanalyse. Dies hat ihr die Bezeichnung „Dritte Kraft“ neben Behaviorismus und Psychoanalyse eingetragen. Nach Matson bezieht sich die humanistische Psychologie auf drei verschiedene Denkrichtungen, die er als konzeptionelle Revolutionen bezeichnet, nämlich auf den Behaviorismus, die Psychoanalyse und den Humanismus.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Matson, Floyd W. (1971):&#039;&#039;&#039; Humanistic theory: the third revolution in psychology. In: Greening, T. C. (Hg.): Existential humanistic psychology. Belmont (Calif.): Brooks/Cole. S. 41. Nach &#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-82944-8. S. 24&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem namensgebenden Bezug zum Humanismus hat die humanistische Psychologie nach übereinstimmender Meinung viele weitere Bezüge, so insbesondere zum Existentialismus, zur Phänomenologie Edmund Husserls (1859–1938) oder zum Ansatz der funktionellen Autonomie des amerikanischen Psychologen Gordon Allport (1897–1967). Im Ganzen werden unterschiedliche ältere und jüngere Ansätze zur humanistischen Psychologie gerechnet, wobei hier keine Einigkeit herrscht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kern stellt sie einen Bezug zwischen dem gesellschaftlichen Zustand und der Möglichkeit her, sich selbst zu verwirklichen, indem die Selbsterkenntnis mithilfe der Unterstützung von PsychologInnen mit Methoden und Theorien ermöglicht wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Aphilia, PSYCHOLOGIE (2025):&#039;&#039;&#039; Humanistische Psychologie: Die „Dritte Kraft“. Kapitel „Der Mensch und seine Bedürfnisse. &lt;br /&gt;
https://www.aphilia.de/psychologie-humanistische-01-drittekraft.html (Zugriff: 2025-06-02)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Problematik der Zuordnung unterschiedlicher Schulen ===&lt;br /&gt;
Nach Hutterer wurde die humanistische Psychologie als offenes und doch deutlich charakterisierbares System beschrieben. Obwohl er es für charakterisierbar und die programmatische Orientierung für beschreibbar hält, gibt es dennoch Unschärfen, Mehrdeutigkeiten und Verwirrungen. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„So verbergen sich hinter dem Etikett ,Humanistische Psychologie‘ manchmal auch jene Vorstellungen, die sich nicht eindeutig bereits bekannten und identifizierbaren psychologischen Schulen zuordnen lassen. So wurden etwa im Zuge des Psychobooms und der ,Human potential‘-Bewegung manche meditativen und körperorientierten Techniken unreflektiert adaptiert und als fixer Teil humanistischer Verfahren präsentiert. Die Verfasser von Übersichtswerken zur Psychotherapie tun sich nach wie vor schwer bei der Frage, welche psychotherapeutischen Richtungen zum humanistischen Ansatz zu zählen sind.“&amp;lt;ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-82944-8. S. 26 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus seiner Sicht herrscht Übereinstimmung bei der Personenzentrierte Psychotherapie nach Rogers und der Gestalttherapie nach Perls. Diese Übereinstimmung fehle jedoch in Bezug auf das Psychodrama von Moreno und die Logotherapie nach Fankl. Gelegentlich zu den humanistischen Verfahren würden die Transaktionsanalyse nach Berne und die Bioenergetik nach Lowen gezählt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Einflussreiche VertreterInnen und deren Theorien ===&lt;br /&gt;
==== Einleitung====&lt;br /&gt;
Wie erwähnt herrscht keine Einigkeit darüber, welche Personen und welche psychologischen Theorien bzw. psychotherapeutischen Ansätze zur humanistischen Psychologie gezählt werden können. Dennoch folgt hier eine Auswahl von VertreterInnen, die in diesem Zusammenhang gängig erwähnt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Carl Rogers (1902–1987) =====&lt;br /&gt;
Carl Ransom Rogers wurde am 8. Januar 1902 in Oak Park (Illinois) geboren und verstarb 1987 in Kalifornien. Er war ein US-amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut. Rogers gilt als Mitbegründer der Humanistischen Psychologie und als Begründer des personenzentrierten Ansatzes.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Galliker, Mark (2019):&#039;&#039;&#039; [https://www.socialnet.de/lexikon/Rogers-Carl Rogers, Carl]. In: socialnet. Lexikon. (Zugriff: 12.08.2025&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Studien in Agrarwissenschaften und Theologie wandte er sich der Psychologie zu und promovierte 1931 an der Columbia University. Ab 1940 lehrte er u. a. an der Ohio State University, der University of Chicago und der University of Wisconsin.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Spektrum-Onlinelexikon der Psychologie (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/rogers-carl-ransom/13121 Rogers, Carl Ransom] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rogers entwickelte die klientenzentrierte (personenzentrierte) Gesprächspsychotherapie&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er nahm an, dass Menschen von Natur aus nach persönlichem Wachstum streben (Aktualisierungstendenz). Dementsprechend stehen Empathie, Kongruenz (Echtheit) und bedingungslose positive Wertschätzung als therapeutische Grundhaltungen im Zentrum seines Modells. Die KlientIn sollte seine eigenen Gefühle in einem unterstützenden Rahmen erforschen, während die TherapeutIn empathisch begleitet, ohne zu leiten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Galliker, Mark (2019):&#039;&#039;&#039; [https://www.socialnet.de/lexikon/Rogers-Carl Rogers, Carl]. In: socialnet. Lexikon. (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rogers’ Ansatz ist primär emotional und sprachlich ausgerichtet. Konkrete körperorientierte Techniken spielen dabei keine zentrale Rolle. Er betrachtete den Menschen jedoch als ganzheitlichen Organismus, in dem auch körperliche Empfindungen zum Erleben gehören. In der Therapie achtet die TherapeutIn deshalb auch auf nonverbale Signale (Körperhaltung, Tonfall usw.) als Ausdruck innerer Befindlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Abraham Maslow (1908–1970) =====&lt;br /&gt;
Abraham Harold Maslow wurde am 1. April 1908 in Brooklyn, New York, geboren und verstarb am 8. Juni 1970 in Menlo Park, Kalifornien, an einem Herzinfarkt. Er war ein US-amerikanischer Psychologe und gilt als einer der Begründer der Humanistischen Psychologie – auch bekannt als die „dritte Kraft“ neben Behaviorismus und Psychoanalyse. (vgl. [[#Entstehung und Bezüge|oben]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow entwickelte die bekannte Maslowsche Bedürfnishierarchie oder Bedürfnispyramide, ein Modell, das menschliche Bedürfnisse in aufsteigender Reihenfolge kategorisiert, von grundlegenden physiologischen Bedürfnissen bis hin zur höchsten Stufe, der Selbstverwirklichung.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie Maslowsche Bedürfnishierarchie], &#039;&#039;&#039;Spektrum-Onlinelexikon der Psychologie (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/maslow-abraham-harold/9262 Maslow, Abraham Harold] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt; Die erste Darstellung erschien 1943 in seinem Artikel „A Theory of Human Motivation“, später weiter ausgearbeitet in Werken wie „Motivation and Personality“ (1954) und Toward a Psychology of Being (1962).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie Maslowsche Bedürfnishierarchie]. &#039;&#039;&#039;StudySmarter 2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.studysmarter.de/schule/psychologie/beruehmte-psychologen/abraham-maslow/ Abraham Maslow] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Schlüsselkonzept sind die sogenannten Peak Experiences – intensive, ekstatische Momente, in denen Menschen ein tiefes Gefühl von Erfüllung, Einheit und gesteigertem Bewusstsein erleben.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (en) (2025):&#039;&#039;&#039; [https://en.wikipedia.org/wiki/Peak_experience Peak experience] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich spielte Maslow eine zentrale Rolle in der humanistischen Psychologie im Sinn einer Bewegung, die das Potenzial für persönliches Wachstum betont und sich vom pathologischen Fokus traditioneller Psychologie abwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Humanistische_Psychologie Humanistische Psychologie] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Virginia Satir (1916–1988) =====&lt;br /&gt;
Virginia (Mildred) Satir wurde am 26. Juni 1916 in Neillsville, Wisconsin (USA) geboren und verstarb am 10. September 1988 in Menlo Park, Kalifornien, an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Sie war eine amerikanische Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin, Autorin und Dozentin. Sie gilt als „Mutter der Familientherapie“ und war führend bei der Entwicklung systemischer Therapieansätze.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (en) (2025):&#039;&#039;&#039; [https://en.wikipedia.org/wiki/Virginia_Satir Virginia Satir] (Zugriff: 12.08.2025).&#039;&#039;&#039;Coaching Akademie Berlin, Lexikon-Glossar (2025):&#039;&#039;&#039; [https://coachingakademie-berlin.de/service/lexikon-glossar/virginia-satir/ Virginia Satir] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Satir begann nach dem College ihre Arbeit als Lehrerin, parallel dazu absolvierte sie eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin sowie eine psychoanalytische Weiterbildung. Zwischen 1955 und 1958 lehrte sie Familiendynamik am Illinois State Psychiatric Institute und eröffnete zwei Therapiepraxen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Landsiedel-Seminare, NLP-Wissen, Wichtige Personen (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.landsiedel-seminare.de/nlp/wichtige-personen/virginia-satir.html Virginia Satir] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt; 1959 war sie Mitbegründerin des Mental Research Institute (MRI) in Palo Alto und leitete dort das erste familientherapeutische Ausbildungsprogramm der USA.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. &#039;&#039;&#039;Wikipedia (en) (2025):&#039;&#039;&#039; [https://en.wikipedia.org/wiki/Virginia_Satir Virginia Satir] (Zugriff: 12.08.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Satirs Therapieansatz fokussiert auf den Selbstwert als Dreh- und Angelpunkt psychischer Gesundheit. Sie gilt als Wegbereiterin humanistisch-systemischer Ansätze, die den Menschen als wachstumsorientiertes Wesen betrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. &#039;&#039;&#039;Coaching Akademie Berlin, Lexikon-Glossar (2025):&#039;&#039;&#039; [https://coachingakademie-berlin.de/service/lexikon-glossar/virginia-satir/ Virginia Satir] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine zentrale Methode ist die Familienskulptur, bei der Familienmitglieder körperlich zueinander in Beziehung gebracht werden, um verborgene Dynamiken sichtbar zu machen. Weitere von ihr entwickelte Methoden sind die Familienrekonstruktion und die Parts Party, die helfen, innere und generationsübergreifende Prozesse bewusst zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Skulptur_%28Familientherapie%29 Skulptur (Familientherapie)] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Systemische_Therapie Systemische Therapie] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Fritz Perls (1893–1970) =====&lt;br /&gt;
Fritz Perls, eigentlich Friedrich Salomon Perls, wurde am 8. Juli 1893 in Berlin geboren und verstarb am 14. März 1970 in Chicago an Herzversagen. Er war Psychiater, Psychoanalytiker und Psychotherapeut, der maßgeblich die Gestalttherapie begründete.&lt;br /&gt;
Perls entwickelte die Gestalttherapie, eine humanistisch-existenzielle Form der Psychotherapie, zusammen mit seiner Frau Laura Perls in den 1940er- und 1950er-Jahren. Diese Therapieform stellt das Gewahrsein im Hier und Jetzt sowie Selbstverantwortung in den Mittelpunkt.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Britannica, biography (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.britannica.com/biography/Frederick-S-Perls Frederick s. Perls]. &#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Gestalttherapie Gestalttherapie] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Wurzeln liegen in der Gestaltpsychologie – insbesondere der Idee, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile –, die er in die therapeutische Praxis übertrug, um ein ganzheitliches Erleben zu fördern.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (en) (2025):&#039;&#039;&#039; [https://en.wikipedia.org/wiki/Organismic_theory Organismic theory]. &#039;&#039;&#039;GoodTherapy®, Learn About Therapy, Psychpedia A-Z (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.goodtherapy.org/famous-psychologists/fritz-perls.html Fritz Perls] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eines seiner bekanntesten Konzepte ist die Förderung von Gewahrsein („awareness“) durch Aufmerksamkeit auf körperliche Empfindungen, Emotionen und Verhalten im gegenwärtigen Moment. Damit sollen Kontaktstörungen erkannt und verändert werden&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Gestalttherapie Gestalttherapie] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Ruth Cohn (1912–2010) =====&lt;br /&gt;
Ruth Charlotte Cohn, geborene Hirschfeld, wurde am 27. August 1912 in Berlin geboren und verstarb am 30. Januar 2010 in Düsseldorf. Sie war eine deutsche Psychotherapeutin, Pädagogin und Poetin und ist vor allem bekannt als Begründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1931 studierte sie Nationalökonomie und Psychologie in Heidelberg und Berlin. Nach der Machtergreifung 1933 emigrierte sie nach Zürich, wo sie Psychologie, Medizin, Pädagogik, Theologie, Literatur und Philosophie studierte und eine psychoanalytische Ausbildung begann. 1941 wanderte sie in die USA aus, erlangte einen Abschluss als Diplom-Psychologin an der Columbia University und praktizierte in New York anschließend in privater psychotherapeutischer Praxis.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;stiftung ruth cohn zur förderung junger erwachsener (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.stiftung-ruth-cohn.de/ihr-leben.html Ruth Cohn: Ihr Leben] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1950er-Jahren entwickelte Cohn die Themenzentrierte Interaktion (TZI), ein humanistisch-pädagogisches Gruppen- und Lernkonzept. Sie wollte dabei „dem ursprünglich gesunden Menschen ein Leben ermöglichen, in dem er gesund bleiben kann“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; https://de.wikipedia.org/wiki/Themenzentrierte_Interaktion Themenzentrierte Interaktion: Ursprung und Ziel (ohne Quellenangabe)] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt; – mit dem Ziel sozialen Lernens, individueller Entwicklung und politischer Verantwortung. TZI basiert auf Prinzipien aus Psychoanalyse, Gruppendynamik, Gestalttherapie und humanistischer Psychologie&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Anliegen war es, lernende und arbeitende Gruppen so zu gestalten, dass sie sich selbst steuern können (Chairman-Postulat), und sie entwickelte dafür ein Modell (Ich–Wir–Es–Globe) zur Balance zwischen Individuum, Gruppe, Inhalt und Umfeld.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Eitle, Werner (2015):&#039;&#039;&#039; [https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/geschichte-der-kinderbetreuung/weitere-historische-beitraege/ruth-cohn-und-die-von-ihr-begruendete-themenzentrierte-interaktion-tzi/ Ruth Cohn und die von ihr begründete Themenzentrierte Interaktion (TZI)]. In: Kindergartenpädagogik, Fachartikel, Geschichte der Kinderbetreuung, Weitere historische Beiträge, August 2015 (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Viktor Frankl (1905–1997) =====&lt;br /&gt;
Viktor Emil Frankl wurde am 26. März 1905 in Wien geboren und verstarb am 2. September 1997 ebenda. Er war österreichischer Neurologe, Psychiater, promovierte auch in Philosophie und begründete die Logotherapie und Existenzanalyse, die als die „dritte Wiener Schule der Psychotherapie“ gelten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Frankl Viktor Frankl] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Frankl entwickelte die Logotherapie basierend auf der Prämisse, dass der Mensch primär nach Sinn strebt – nicht nach Lust oder Macht – und nannte dies den „Willen zum Sinn“.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Logotherapie Logotherapie und Existenzanalyse, Entstehung]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Logotherapie setzt sich aktiv mit dem geistigen Aspekt des Menschen auseinander und ergänzt traditionelle Therapien um die Dimension des Sinns.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er unterschied drei zentrale Wege zur Sinnfindung: schöpferisches Handeln, sinnhaftes Erleben (z. B. in Liebe oder Kunst) und eine innere Einstellung zum unvermeidbaren Leiden.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Sicherheitsingenieur.nrw (2025):&#039;&#039;&#039; [https://sicherheitsingenieur.nrw/innere-starke-finden-viktor-frankls-weg-zu-tiefer-resilienz/ Innere Stärke finden: Viktor Frankls Weg zu tiefer Resilienz, Die Logotherapie: Heilung durch Sinn] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Schlüsselkonzept in seiner Theorie ist die „tragische Triade“ – Leiden, Schuld und Tod –, durch die Menschen existenzielle Krisen erfahren; die Logotherapie hilft, gerade in solchem Leid eine persönliche Sinnhaltung zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Logotherapie Logotherapie und Existenzanalyse, Methoden und Anwendungsgebiete, Originäre Logotherapie und Existenzanalyse] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grundlegende Konzepte ===&lt;br /&gt;
==== Das Programm der American Association for Humanistic Psychology ====&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1960er-Jahre gründeten Carl Rogers, Virginia Satir und Abraham Maslow die „American Association for Humanistic Psychology“. Dabei wurden die folgenden programmatischen Aussagen veröffentlicht: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die erlebende Person selbst. Damit rückt das Erleben als primäres Phänomen beim Studium des Menschen in den Mittelpunkt. Sowohl theoretische Erklärungen wie auch sichtbares Verhalten werden im Hinblick auf das Erleben selbst und auf seine Bedeutung für den Menschen als zweitrangig betrachtet. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Der Akzent liegt auf spezifisch menschlichen Eigenschaften, wie der Fähigkeit zu wählen, der Kreativität, Wertsetzung und Selbstverwirklichung, im Gegensatz zu einer mechanistischen und reduktionistischen Auffassung des Menschen. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die Auswahl der Fragestellungen und Forschungsmethoden erfolgt nach Maßgabe der Sinnhaftigkeit, im Gegensatz zur Betonung der Objektivität auf Kosten des Sinns. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Ein zentrales Anliegen ist die Aufrechterhaltung von Wert und Würde des Menschen. Das Interesse gilt der Entwicklung der jedem Menschen innerwohnenden Kräfte und Fähigkeiten. In dieser Sicht nimmt der Mensch in der Entdeckung seines Selbst, in seiner Beziehung zu anderen Menschen und zu sozialen Gruppen eine zentrale Stellung ein.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-82944-8. S. 18. Zitiert nach: Bühler, Charlotte; Allen, Melanie (1973): Einführung in die Humanistische Psychologie. Stuttgart: Klett. ISBN 978-3-129-01490-5. S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass diese Aussagen allgemein und offen gehalten sind. Somit ist es nicht verwunderlich, dass aus der psychologiegeschichtlichen Perspektive unterschiedliche psychologische Schulen und Therapien unter die humanistische Psychologie subsumiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Das Menschenbild der humanistischen Psychologie====&lt;br /&gt;
Nach Hutterer kommen wesentliche Aspekte des Menschenbildes in den vier Grundtendenzen des Lebens zum Ausdruck, die Bühler und Allen in ihrer „Einführung in die Humanistische Psychologie“ aus dem Jahr 1973 (vgl. Fußnote 15) formuliert haben:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „1. die Tendenz, persönliche Befriedigung in Sexualität, Liebe und Anerkennung des Ichs zu suchen;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;2. die Tendenz zur selbstbeschränkenden Anpassung um der Zugehörigkeit und Sicherheit willen;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;3. die Tendenz zur schöpferischen Expansion;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;4. die Tendenz zur Integration und Aufrechterhaltung der inneren Ordnung.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die Dynamik der Motivation, das Streben nach Selbstverwirklichung und Erfüllung bzw. auch der Ablauf von Entscheidungen, ergibt sich aus den Wechselwirkungen dieser vier Grundtendenzen.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 129.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gemäß Hutterer ist aus inhaltlicher Perspektive bemerkenswert, dass hier einerseits motivationale Vorgänge und Kräfte, andererseits spezifische Bedingungen des menschlichen Lebens hervorgehoben werden, um ein neues Menschenbild vorzustellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Kinästhetik sind die Annahmen interessant, die Hutterer im Sinn von anthropologischen Voraussetzungen des Ansatzes von Carl Rogers bzw. der Personenzentrierten Psychotherapie formuliert:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Der Mensch steht in einem andauernden Prozeß der Veränderung und besitzt die Fähigkeit, sich in Richtung größerer Reife und psychischer Funktionsfähigkeit zu entwickeln (Selbstverwirklichungstendenz). Er ist fähig, selbst die Verantwortung für seine Ideen, Gefühle und Handlungen zu übernehmen (Selbstverantwortung), sich von ,innen‘, von seiner ,organismischen‘ Basis her zu steuern und seine im Leben auftretenden Probleme unter günstigen Bedingungen selbst zu lösen (Selbstregulierung).“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Rogers selbst beschreibt als ein wesentliches Kennzeichen der klientenzentrierten Psychotherapie das Folgende: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Dem Menschen sei – wie im Grunde jedem Organismus – eine Tendenz zu eigen, die ihm innewohnenden Möglichkeiten zu entfalten, und zwar geschehe dies unter günstigen Umständen auf eine konstruktive, sozial verbindende Weise. Die Annahme einer solchen ,aktualisierenden Tendenz‘ des Organismus, die auf fortschreitende Differenzierung und Integration körperlicher und psychischer Funktionen gerichtet ist, steht im Widerspruch zu der bei Freud und bei Lerntheoretikern vertretenen Auffassung, daß Leben letztlich durch Mangel motiviert und vom Streben nach Spannungsausgleich (Homöostase, Entropie) bestimmt sei.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Rogers, Carl R. (1994):&#039;&#039;&#039; Therapeut und Klient. Grundlagen der Gesprächspsychotherapie. Fischer: Frankfurt am Main. ISBN 3-596-42250-7. S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ganzheitlichkeit ====&lt;br /&gt;
James Bugental (1915–2008) formulierte als erster Präsident der Association for Humanistic Psychology eine Reihe von Merkmalen, die die grundsätzliche ideelle Orientierung der humanistischen Psychologie charakterisieren. Hutterer umschreibt das erste Merkmal folgendermaßen:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Das menschliche Wesen ist mehr als die Summe seiner Teile. Diese Formulierung stammt aus der Gestaltpsychologie. Es bedeutet, daß trotz der Wichtigkeit der Kenntnisse seiner Einzelfunktionen die Einzigartigkeit des Menschen als Ganzheit und Organismus Vorrang hat.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-82944-8. S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen seiner Erläuterungen zum europäischen Kontext der humanistischen Psychologie führt er dazu aus:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Gestaltpsychologie vertritt den Ganzheits- und Strukturgedanken. Der Strukturbegriff war ursprünglich stark von der Biologie beeinflusst. Man verstand darunter ein aus Teilen zusammengesetztes Ganzes, wobei jeder Teil erfüllt eine spezifische Funktion erfüllt, die jedoch nur vom Ganzen her verständlich ist. Eine Untersuchung von Teilen und Einzelfunktionen muß daher immer vor dem Hintergrund des Ganzen und unter Berücksichtigung des Gesamtrahmens erfolgen. Der Ganzheitsgedanke ist eine Perspektive, die versucht, die besondere Struktur komplexer Einheiten oder System adäquat zu erfassen. Ganzheiten wirken als Einheit, als Zusammenhalt, wobei im Unterschied zu additiven Aggregaten die Beiträge der Einzelelemente und Einzelfunktionen nicht bloß summiert werden können, sondern wegen der vorhandenen Wechselwirkungen der Elemente und Funktionen eine qualitativ andere Wirkung oder Dynamik zeigen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 75.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen seiner Ausführungen zum philosophisch-anthropologischen Kontext verdeutlicht Hutterer das Merkmal der Ganzheit in Anlehnung an Ulrich Völker:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit diesem Merkmal wird ein Gegenpol zur analytisch-zergliederten bzw. atomistischen Betrachtung aufgestellt. Den Menschen als Ganzheit im Blick zu behalten, bedeutet dabei, seine verschiedenen Seiten, Aspekte, Ebenen und Prozesse gleichzeitig als Bestandteile einer Einheit und in ihrer Wechselwirkung zu untersuchen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 131.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Weitere grundlegende Konzepte====&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden weitere Konzepte der humanistischen Psychologie stichwortartig aufgelistet, und zwar in Anlehnung an die Darstellung der erwähnten Formulierungen von James Bugental durch Hutterer&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 19 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* Der Mensch ist ein soziales Wesen (Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehungen, von Empathie und Mitgefühl).&lt;br /&gt;
* Der Mensch kann bewusst erleben (Erlebniszentrierung, Selbstbesinnung als Voraussetzung des Verständnisses von Erfahrungen).&lt;br /&gt;
* Der Mensch besitzt die Freiheit der Wahl und der Entscheidung (Selbstbestimmung/Autonomie, Selbstverantwortung, Selbstverwirklichung, Kreativität).&lt;br /&gt;
* Der Mensch richtet sein Leben auf Ziele und Werte aus (Intentionalität, Wertsetzung, Würde).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Ausgangspunkt und Grundlage jeglichen Wissens sind die unmittelbare Erfahrung und das unmittelbare Erleben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 20.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Einzigartigkeit jedes Menschen, Relativität der Erkenntnis, Skepsis gegenüber einem Objektivitätsideal)&lt;br /&gt;
Angesichts der Heterogenität der humanistischen Psychologie ist es nicht verwunderlich, dass diese Konzepte in den unterschiedlichen Schulen und therapeutischen Ansätzen unterschiedlich gewichtet, vertreten oder auch durch weitere Konzepte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bezüge zur Kinästhetik ===&lt;br /&gt;
====Einleitung====&lt;br /&gt;
Dass die humanistische Psychologie eine wesentliche Grundlage der Kinästhetik ist, ergibt sich nur schon aus der Tatsache, dass Lenny Maietta, eine der BegründerInnen der Kinästhetik, in ihrer Ausbildung von der humanistischen Psychologie geprägt wurde und sie in die Kinästhetik einbrachte. Entsprechend wird sie insbesondere in den Anfängen des Fachgebiets als wichtige Grundlage bezeichnet (vgl. oben).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der grundsätzlichen, konzeptuellen Ebene lassen sich leicht Bezüge und Gemeinsamkeiten der beiden Fachgebiete feststellen. Die Heterogenität der humanistischen Psychologie bedingt aber, dass sich bei näherer Betrachtung wohl zeigen würde, dass auch hier Unterschiede des genauen Verständnisses bestehen. In diesem Sinn sind die folgenden Ausführungen zu verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ausgewählte Bezüge====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ganzheit&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieses Stichwort wird bereits im 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 erwähnt (vgl. [[#Die humanistische Psychologie im 16. Bulletin von 1990|oben]]). Es ergibt sich u. a. aus dem kybernetischen Verständnis des Menschen als eines Wesens, das sich durch das [[Feedback-Control-Theorie|zirkuläre Zusammenspiel]] seines motorischen und sensorischen Systems und seines Nervensystems selbst reguliert. Nach diesem Verständnis lebt und „funktioniert“ der Mensch immer als Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Subjektives, bewusstes Erleben und Erfahren&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Kinästhetik spielen die bewussten [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]] mit Blickwinkeln eine zentrale Rolle. Sie werden in aller Regel mit Reflexionen bzw. [[Selbstevaluation|Selbstevaluationen]] verbunden. In diesem Zusammenhang kann das Wortspiel angeführt werden, dass Kinästhetik eine Erfahrungswissenschaft sei, die Wissen durch Erfahrung schafft. Ebenso kann auf erkenntnistheoretische Grundlagen der Kinästhetik verwiesen werden, die mit argumentierter Skepsis gegenüber einem Objektivitätsideal von Gregory Bateson über [[Heinz von Foerster]] bis hin zu [[Wahrnehmung|Maturana und Varela]] reichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mensch als soziales Wesen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seit jeher wird in der Kinästhetik z. B. mit dem Stichwort „[[Social Tracking]]“ die Bedeutung der zwischenmenschlichen Interaktionen für sein Leben und seine Entwicklung betont. Entsprechend spielen in Bildungsangeboten der Kinästhetik die gemeinsame Bewegungserfahrung, das gemeinsame Lernen und Reflektieren eine wichtige Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Freiheit der Wahl und Entscheidung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus kybernetisch-kinästhetischer Sicht wird der Mensch als ein komplexes zirkuläres System betrachtet, das in jedem Moment die Möglichkeit hat, sein Leben und Verhalten selbstbestimmt und [[Autopoiese_(Autopoiesis)#Autopoiese_in_%E2%80%9EKinaesthetics_%E2%80%93_Lernen_und_Bewegungskompetenz%E2%80%9C|autonom]] so oder anders fortzusetzen. Nach [[Heinz_von_Foerster#Ethischer_Imperativ|Heinz von Foerster]] gilt es, hierfür die persönliche Verantwortung zu übernehmen und diese Möglichkeit so zu nutzen, dass mehr Möglichkeiten entstehen. Diese Wahlfreiheit ist in der Kinästhetik zugleich eine Grundlage für das Verständnis der lebenslangen Entwicklung der [[Bewegungskompetenz]] – um es mit den Worten von Carl Rogers auszudrücken (vgl. oben) – im Sinn einer fortlaufenden Differenzierung und Integration der eigenen Bewegungsmöglichkeiten oder eines kreativen Umgangs mit ihnen, wie auch immer sich die Bedingungen des eigenen Lebens ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ausrichtung auf Ziele und Werte&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seit langer Zeit findet sich in den Arbeitsunterlagen der Kurse und Ausbildungen der Kinästhetik auf den ersten Seiten ein Motto. Es heißt in seiner aktuellen Form:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Kinaesthetics beabsichtigt einen respektvollen Umgang des Menschen mit sich selbst und mit anderen Menschen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise respektiert die Einzigartigkeit und Würde des Einzelnen. In Unterstützungssituationen des Gesundheits- und Sozialbereichs respektiert die Kinästhetikfachperson die Individualität der KlientIn und versucht, die Bewegungsunterstützung optimal an deren subjektives Erleben anzupassen. In diesem Sinn wird in der Kinästhetik die Eigenbewegung der KlientIn oder – mit der Fachsprache der humanistischen Psychologie ausgedrückt – ihre Selbstaktualisierung oder -verwirklichung gefördert. Die Kinästhetik kann als personenzentrierter Ansatz verstanden werden, bei dem Gesundheitsförderung nicht nur von den Fähigkeiten und Kenntnissen, sondern auch von der Absicht und Haltung der Fachperson abhängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-82944-8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissenschaftliche Grundlagen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Humanistische Psychologie in der Zeitschrift „lebensqualität/LQ“==&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Axel Enke/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate bestehen aus zwei Artikeln von Axel Enke aus der Zeitschrift „lebensqualität/LQ“. Der erste Artikel aus der Rubrik „forschung“ der Zeitschrift „lebensqualität“ 04/2010 stellt die humanistische Psychologie und inhaltliche Zusammenhänge mit der Kinästhetik dar. Der zweite Artikel aus der Rubrik „forschung“ der Zeitschrift „lebensqualität“ 01/2017 widmet sich dem Kinaesthetics-Rahmenelement „Absicht“ und stellt im Rahmen des wissenschaftlichen Fundaments der Kinästhetik die humanistische Psychologie und ihre Zusammenhänge zum Rahmenelement dar.&lt;br /&gt;
=== LQ 04/2010: „Kinaesthetics und Humanistische Psychologie: Der Mensch will sich selbst verwirklichen“ ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2010-4-Abraham-Maslow.png|500px|zentriert]]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt; „Kinaesthetics und Humanistische Psychologie&#039;&#039;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; &amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Der Mensch will sich selbst verwirklichen&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Immer wieder hört und liest man, dass die Humanistische Psychologie eine Grundlage von Kinaesthetics ist. Was das genau heißt und welche Annahmen sich hinter diesem Begriff verstecken, erklärt &amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt;Axel Enke&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; Psychologie als Wissenschaft wurde im 19. Jahrhundert begründet. In der Folge entwickelten sich verschiedene Richtungen. Neben dem Behaviorismus (Studium des menschlichen Verhaltens unter Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse) und der Tiefenpsychologie (Erforschung des Unbewussten) ist die Humanistische Psychologie eine dritte Strömung. Nach den Erfahrungen und Eindrücken des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges setzte auch unter PsychologInnen eine Suche nach humanistischen Konzepten ein. Dies führte 1962 zur Gründung der American Association for Humanistic Psychology (AHP), deren bekanntester Vertreter Abraham Maslow (1908–1970) war. Seine weltanschaulichen Wurzeln lagen im Humanismus (siehe Kasten, Seite 39).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt;Abraham Maslow&amp;lt;/span&amp;gt;&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Die Maslow-Pyramide. &amp;lt;/big&amp;gt; Als Ältestes von sieben Kindern russisch-jüdischer Immigranten hatte Abraham Maslow eine isolierte und unglückliche Kindheit. Sehr früh begann er, viel Zeit mit Literatur zu verbringen, und promovierte 1934 in Psychologie. Bekannt wurde er vor allem durch die Entwicklung seiner Bedürfnispyramide. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Maslow entwickelte ein Menschenbild, welches von einer eher positiven inneren „Natur“ des Menschen ausgeht. Diese innere Natur, die er biologisch begründet mit der Geburt als Grundausstattung erhält, gilt es zu fördern und nicht zu unterdrücken. In Gesellschaften wird diese „innere Natur“ hingegen häufig unterdrückt und an der kreativen Entfaltung gehindert, was dann zu Störungen und Erkrankungen führen kann. Die Entfaltung des Menschen orientiert sich an unterschiedlichen Bedürfnissen, die aufeinander aufbauen. Maslow differenziert diese Bedürfnisse auch in Bezug auf ihre Auswirkungen. So hat zum Beispiel die Nichtbefriedigung tiefer liegender Bedürfnisse (wie Essen, Schlafen, Sicherheit) häufig negative Auswirkungen, wohingegen die Beschäftigung mit den höheren (Selbstverwirklichung) eher Glück, Zufriedenheit und Erfüllung bringen. Die tieferen hingegen entwickeln verständlicherweise eine starke Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Keine einfachen Theorien. &amp;lt;/big&amp;gt; Da die Lebensumstände eines Menschen sehr vielseitig sind, wendet Maslow sich gegen zu vereinfachende Theorien. Er sprach sich daher für vielschichtigere Modelle aus: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; ‚Selbstverwirklichende Menschen, Menschen also, die einen hohen Grad der Reife, Gesundheit und Selbsterfüllung erreicht haben, können uns so viel lehren, dass sie manchmal fast wie eine andere Rasse menschlicher Wesen erscheinen. Doch weil sie so neu ist, ist die Erforschung der höchsten Bereiche der menschlichen Natur und ihrer äußersten Möglichkeiten und Hoffnungen eine schwierige und gewundene Aufgabe. Sie hat für mich eine ständige Zerstörung liebgewordener Axiome mit sich gebracht, die unentwegte Auseinandersetzung mit scheinbaren Paradoxa, Widersprüchen und Zweideutigkeiten, manchmal auch den Zusammenbruch lang etablierter, fest geglaubter und scheinbar unangreifbarer Gesetze der Psychologie. Oft stellte sich heraus, daß es keine Gesetze waren, sondern nur Regeln für das Leben in einem Zustand milder und chronischer Psychopathologie und Ängstlichkeit, im Zustand der Behinderung und Verkrüppelung und Unreife, den wir nicht bemerken, weil die meisten anderen dieselbe Krankheit haben wie wir‘ (Maslow 1973, S. 83 f.). &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Eine zentrale Bedeutung haben dabei die äußeren Lebensumstände (Umgebung), die es einem Menschen mehr oder weniger ermöglichen, sich mit Grenzsituationen konstruktiv zu beschäftigen. Die Auseinandersetzung aber mit eben diesen Grenzerfahrungen ermöglicht persönliche Reifung, Wachstum und Entwicklung des Menschen. Eigentlich wollte Maslow eine umfassende psychologische Theorie verfassen. Sein plötzlicher Tod 1970 durch einen Herzinfarkt vereitelte dieses Vorhaben.&lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2010-4-Carl-Rogers.png|500px|zentriert]]&lt;br /&gt;
====&#039;&#039; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt;Carl Rogers&amp;lt;/span&amp;gt;&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Flucht in die Welt der Bücher. &amp;lt;/big&amp;gt; Eine weitere bedeutsame Persönlichkeit für die Entwicklung der Humanistischen Psychologie war der Psychologe und Psychotherapeut Carl Ransom Rogers (1902–1987). Rogers wurde ebenfalls in einer kinderreichen Familie als viertes von sechs Kindern geboren. So wie Maslow wuchs auch er unter wenig glücklichen Umständen auf. Der Grund lag in der fundamentalistisch-religiösen Einstellung der Eltern. Einerseits kümmerten sie sich sehr um die Kinder, kontrollierten aber auch deren Entwicklung sehr stark. Eine strenge und kompromisslose religiös-ethische Grundhaltung prägte seine Kindheit. Auch er „flüchtete“ sich daraufhin in die Welt der Bücher und las frühzeitig sehr viel. Nach einem abgebrochenen Agrarstudium begann er ein Theologiestudium, das er 1922 nach einer sechsmonatigen Chinareise abbrach. Auf dieser Reise, wo er auch an einer internationalen christlichen Studentenkonferenz teilnahm, emanzipierte er sich von seinem Elternhaus. Diese Lebensphase beeinflusste ihn sehr und war nicht leicht für ihn, da es in der Folge schwere Auseinandersetzungen mit seiner Familie gab, der er sich nach wie vor verbunden fühlte.&lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2010-4-Infoboxen-Humanismus.png|450px|thumb|rechts|Infoboxen aus dem Artikel der Zeitschrift „lebensqualität“ 04/2010]]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Arbeit mit Problemkindern. &amp;lt;/big&amp;gt; 1924 wechselte er in die Erziehungsberatung und studierte nebenher Psychologie in New York. In der Beratungsstelle arbeitete er mit unterprivilegierten ‚Problemkindern‘. In den folgenden 12 Jahren seiner Beratungstätigkeit entwickelte er einen eigenen Beratungsstil, der durch seine erste als Buch veröffentlichte Fallbeschreibung in der Fachwelt wahrgenommen wurde. Er selbst erkannte erst am 11. Dezember 1940 während eines eigenen Vortrages an der Universität Minnesota über seinen eigenen Ansatz, wie weit er sich mit seiner Theorie und Praxis schon von den vorherrschenden psychiatrischen und psychotherapeutischen Auffassungen entfernt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Klientenzentrierter Ansatz. &amp;lt;/big&amp;gt; Einer seiner zentralen Ansätze war, ‚dass die KlientIn derjenige ist, der weiß, wo der Schuh drückt, welche Richtung einzuschlagen [ist], welche Probleme entscheidend, welche Erfahrungen tief begraben gewesen sind‘ (Rogers 1973, S. 23). In den folgenden 39 Jahren entwickelte er seinen klientenzentrierten Ansatz immer weiter und beschrieb ihn in seinem wichtigsten Werk ‚Die Entwicklung der Persönlichkeit‘. In seinen Büchern und Aufsätzen übertrug er die personenzentrierten Prinzipien auf andere Gebiete wie Bildung, Partnerschaft, Familie, Großgruppen und interkulturelle Workshops. In Kalifornien gründete er das ‚Center for the Study of the Person’. In den weiteren Jahren engagierte er sich zunehmend in Friedensinitiativen und wurde Anfang 1987 für den Friedensnobelpreis nominiert. Kurz nach seinem 85. Geburtstag stürzte er jedoch so schwer, dass er sich von der anschließenden Operation nicht mehr erholte.&lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2010-4-Maslow&#039;sche-Bedürfnispyramide.png|450px|thumb|links|&#039;&#039;„Die Maslow’sche Bedürfnispyramide. Darstellung angelehnt an: Mayer, Horst O.: Einführung in die Psychologie., 2. Auflage, Oldenburg, Wissenschaftsverlag, 2005, S. 80.“]]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Große Wirkung. &amp;lt;/big&amp;gt; Sein Werk und Wirken hatte viele Auswirkungen. So zählten zum Beispiel zu seinen Schülern Reinhard Tausch (Hamburg), Dr. Marshall B. Rosenberg, der später die gewaltfreie Kommunikation entwickelte, und Thomas Gordon (‚Familienkonferenz‘). Rogers Grundannahme seiner Persönlichkeitstheorie war, dass der Mensch nach Selbstverwirklichung und Selbstaktualisierung strebt und von Grund auf zunächst ‚gut‘ ist. Im Kindes- und Jugendalter kommt es zu prägenden Interaktionen mit der Umwelt, die beim Heranwachsenden zur Entwicklung eines Selbstkonzeptes führen. Dieses kann sowohl positiv als auch negativ geprägt sein. Ist das Idealbild vom Realbild zu weit entfernt (siehe Kasten, Seite 41), kann dies zu psychischen Störungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Ein positives Weltbild. &amp;lt;/big&amp;gt; Der humanistische Ansatz Rogers wird eindrucksvoll deutlich in seiner Beschreibung, wie der Mensch ein positives Selbstbild entwickelt. Demnach gibt es sieben wesentliche Botschaften, welche die InteraktionspartnerInnen (Eltern) im Laufe der Erziehung vermitteln müssen, um die Entwicklung eines positiven (gesunden) Selbstkonzeptes zu begünstigen. Diese sind:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;1. Ungeschuldete Liebe (bedingungslos, so wie das Kind ist)&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;2. Wertschätzung (partnerschaftlicher Umgang, Berücksichtigung der Bedürfnisbefriedigung, altersangemessene Beteiligung bei der Aufstellung von Regeln)&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;3. Echtheit und Interesse&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;4. Erfahrung von Autonomie durch Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;5. Anregung und Unterstützung&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;6. Sicherheit, Geborgenheit und Zuverlässigkeit&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;7. Zulassen von positiven und negativen Gefühlen&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Diese Grundannahmen übertrug Rogers auf verschiedene Settings. 1957 leitete er in Wisconsin ein Forschungsprojekt mit schizophrenen PatientInnen, das seinen Ansatz wissenschaftlich bestätigte. Zusätzlich transportierte er diesen Ansatz in die Beratung und Pädagogik. Eine seiner Grundüberzeugungen bestand darin, dass Lernen in einer angstfreien Umgebung geschehen muss. Die Aufgabe der LehrerIn/DozentIn (etc.) ist es, als Mensch echt und glaubhaft (kongruent) andere Menschen zu unterstützen und ihnen so Lernen zu ermöglichen. Dabei glaubte er an die Selbststeuerung des Menschen. Rogers war auch ein Anhänger des ‚radikalen Konstruktivismus‘, der davon ausgeht, dass der Mensch erst in Kontakt mit anderen Menschen treten muss, um sich in einer sozialen Situation ein Abbild von dieser machen zu können. So entsteht das Selbstbild eines Menschen durch die Summe seiner subjektiven Wahrnehmungen der Umwelt und seiner damit verbundenen Erfahrungen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, in jeglichen Lernsituationen (Therapie, Beratung, Bildung) gewisse Grundhaltungen als TrainerIn, […] LehrerIn und Eltern zu erlernen. Der Einfachheit halber verwende ich im Folgenden nur den Begriff ‚TrainerIn‘:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt; Kongruenz/Echtheit:&amp;lt;/span&amp;gt; Dies bedeutet, dass der/ die TrainerIn selber kongruent und echt sich selber und der KlientIn gegenüber ist. Sie sollen ihre Gefühle diesem Gegenüber zeigen, ohne Wertungen abzugeben oder zu beurteilen. Sie soll sich nicht hinter der TrainerInnenrolle verstecken und die KlientInnen von oben herab betrachten. Nicht die TrainerIn zeigt der KlientIn den richtigen Weg, sondern beide sind gleichberechtigt und suchen zusammen nach Lösungen. Rogers spricht von Transparenz, wenn er sagt, dass das Erleben der TrainerIn mit ihrer Kommunikation mit der KlientIn übereinstimmen soll. Durch dieses Verhalten der TrainerIn erfährt die KlientIn Vertrauen und ist eher bereit, ihre Gefühle zu äußern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt; Bedingungsfreie Wertschätzung:&amp;lt;/span&amp;gt; Dies bedeutet, dass die TrainerIn keinerlei Wertungen und Urteile über die KlientIn und deren Verhalten abgeben soll. Sie soll die KlientIn mit all ihren Fehlern und ohne Bedingungen wertschätzen. Rogers spricht auch von bedingungsfreier positiver Zuwendung. Dies meint aber nicht, dass die TrainerIn alles gutheißen soll, was die KlientIn tut oder sagt. Diese Einstellung lässt sich mit jener von Eltern gegenüber ihrem Kind vergleichen. Eltern lieben ihr Kind, auch wenn sie nicht mit jedem Verhalten einverstanden sind. Gerade in der Erziehung wird auch deutlich, welchen Schaden eine an Bedingungen gebundene Wertschätzung anrichten kann, wenn Eltern die Wertschätzung ihres Kindes von dessen Leistungen oder Wohlverhalten abhängig machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt; Empathie:&amp;lt;/span&amp;gt; Bei der Empathie geht es um die Einfühlung in die Erlebniswelt der KlientIn. Die TrainerIn versucht, sich voll und ganz auf die Gefühle der KlientIn einzulassen und diesen zu verstehen. Rogers spricht von „innerem Bezugssystem“ der KlientIn und meint damit dessen Gefühle, Gedanken und Erleben. Empathie ist wohl das schwerste der drei Merkmale, weil man weder oberflächlich Verstehen andeuten noch interpretieren und urteilen soll. Es geht einfach nur um den Versuch, die Gefühle der KlientIn nachzuvollziehen. Eine Voraussetzung für Empathie ist das aktive Zuhören, d. h. eine konzentrierte Aufmerksamkeit auf das wirklich Gemeinte und nicht nur das Gesagte. Die TrainerIn soll verstehen, was die KlientIn meint, soll aber nicht urteilen, interpretieren oder Rückschlüsse auf ein Verhalten ziehen. Merkt die KlientIn, dass sie verstanden wird, so wird sie sich mehr und mehr öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;In Kontakt mit sich sein. &amp;lt;/big&amp;gt; Ein wesentlicher Aspekt der Grundhaltung in der Humanistischen Psychologie ist das ‚In-Kontakt-mit-sich-Sein‘. Marshall B. Rosenberg schreibt in seinem Buch ‚Gewaltfreie Kommunikation‘: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;‚Wir werden eher dazu trainiert, „außenorientiert“ zu leben, als mit uns selbst in Kontakt zu sein‘ (Rosenberg, S. 57). &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Diese Außenorientierung behindert, so Rosenberg, die Menschen an einer achtsamen Kommunikation mit anderen Menschen. Aus diesem Grunde entwickelte er Prinzipien einer gewaltfreien Kommunikation. Wo finden sich nun Gemeinsamkeiten oder ‚geistige Bezüge‘ zwischen diesem humanistischen Ansatz und Kinaesthetics? Folgende Aufzählung mag einige ausgesuchte Aspekte benennen:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Beide Konzepte wollen auf ihre Weise konkret dazu beitragen, dass Menschen einen respektvollen Umgang miteinander gestalten.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Beide Konzepte glauben an die Fähigkeiten und Ressourcen einer Person, die es zu fördern gilt.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Bildung wird als ein zentrales Grundbedürfnis definiert, dessen konkrete Ausgestaltung (‚Lernumgebung gestalten‘) persönlichkeitsbildend wirkt.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Die Lernenden definieren selbst, was sie lernen und lernen am besten in einer angstfreien Umgebung.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Die Umgebung wird als wichtiger Aspekt gesehen, der sich auf Lernen und Entwicklung interaktiv auswirkt.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Beide Konzepte zeigen eine ‚Nähe‘ zum Konstruktivismus.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Beide Konzepte betonen die Bedeutung der Innenorientierung für persönliches Wachstum und Entwicklung.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Diese Übereinstimmungen in der Grundhaltung ermutigten mich dazu, in einem ersten Versuch den Gesprächsansatz der Humanistischen Psychologie mit dem Kommunikationsverständnis der Kybernetik und Systemtheorie in der Stufe 1 der Beratungsausbildung ‚Beratungskompetenz (EKA)‘ miteinander zu kombinieren. Die Ergebnisse waren sehr ermutigend, und die TeilnehmerInnen beschrieben große Lernfortschritte. Ich bin davon überzeugt, dass an der Art und Weise, wie wir heute in Kinaesthetics-Basiskursen und -Ausbildungen die Lernumgebung gestalten, Maslow und Rogers ihre Freude hätten. Dazu schreibt Rogers: ‚Ein Kurs ist also nicht dann erfolgreich zu Ende gegangen, wenn der Schüler ‚alles gelernt hat, was er wissen muss‘, sondern wenn er eindeutige Fortschritte dabei erzielt hat, zu lernen, wie er lernt, was er wissen möchte‘ (Rogers 1974, S. 143). Genau das ist auch eines der großen Ziele von Kinaesthetics!&lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2010-4-Infobox-Selbstkonzept.png|400px|thumb|rechts|&#039;&#039;„Das Selbstkonzept ist der Sitz der individuellen Realität, die unser Erleben, die Wahrnehmung und die Verarbeitung der Sinne bestimmt.“]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Literatur:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Maslow, Abraham H.: Psychologie des Seins. Ein Entwurf. Kindler Verlag, München 1973.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Rogers, Carl: Entwicklung der Persönlichkeit. Stuttgart 1973.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Rogers, Carl: In Freiheit und Engagement. Kösel-Verlag, München 1974.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Rosenberg, Marshall B.: Gewaltfreie Kommunikation – eine Sprache des Lebens. Junfermann Verlag, 2005. S. 57.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Enke, Axel (2010):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics und Humanistische Psychologie: Der Mensch will sich selbst verwirklichen. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2010, Nr. 4. S. 37–41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== LQ 01/2017: „Gedanken zum Kinaesthetics-Rahmenelement „Absicht“: Mehr als die Summe der Teile“ ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; &amp;lt;big&amp;gt; „Gedanken zum Kinaesthetics-Rahmenelement ‚Absicht‘&#039;&#039;&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; &amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt; Mehr als die Summe der Teile &amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt; Autor: Axel Enke&#039;&#039;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;[…]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Die humanistische Psychologie.&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Die humanistische Psychologie ist eine Anschauung, die von vielen als Utopie bezeichnet wird. Was aber spricht dagegen, sein Handeln an einer Utopie auszurichten? Die Begründer der humanistischen Psychologie sehen sich selbst nicht als eine feste Gruppe. Erst 2010 bildeten sich erste Dachgesellschaften. Daher wurde dieser Bildungs- und Therapieansatz von einer Reihe unterschiedlicher Personen in verschiedenen Ländern begründet und geprägt. Hier sollen nur einige wichtige und bekannte Personen genannt werden: Otto Rank, Fritz Perls, Ruth Cohn, Carl Rogers, Charlotte Bühler, Abraham Maslow und das Ehepaar Tausch. Sie alle vereinen gemeinsame ‚Glaubenssätze‘, die ich im Folgenden kurz nennen und erläutern werde.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;1. Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile; der Mensch ist keine Maschine, deren Teile einfach nur miteinander funktionieren. Vielmehr ist er auch ein denkendes, fühlendes und emotionales Wesen, das in sich durchaus widersprüchliche Motivationen beherbergt. Grundsätzlich geht die humanistische Psychologie aber davon aus, dass der Mensch von Geburt an zum Guten strebt und kein ‚böses Gen‘ in sich trägt.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;2. Menschliches Leben geschieht immer in einem Kontext. Da die humanistische Psychologie davon ausgeht, dass der Mensch immer lernt und sich entwickelt, bekommt eben dieser Kontext als Lern- und Gestaltungsraum eine wichtige Rolle. So werden Menschen nicht böse geboren, sondern Erfahrungen führen dazu, dass sie lernen, sich ‚böse‘ zu verhalten.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;3. Menschen sind sich ihrer selbst bewusst. Dadurch dass sie sich ihrer selbst bewusst werden, entsteht die Grundlage zur Reflexion. Reflexion wiederum ist eine Grundlage für Lernen und persönliche Reifung.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;4. Menschen haben eine Wahl. Diese Prämisse macht deutlich, dass sich Menschen stets entscheiden und dies auch bewusst lenken können. Damit ist auch gesagt, dass verschiedene Wahlmöglichkeiten durchdacht werden können. Im Menschenbild der humanistischen Psychologie ist das Kreieren von mehr Wahlmöglichkeiten ein wichtiger Aspekt.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;5. Menschen leben intentional. Das meint, dass sie sich auf Ziele und Werte ausrichten. Diese sind Grundlage ihrer Identität, was sie von anderen Lebewesen unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Detailprinzipien der humanistischen Psychologie.&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Darüber hinaus formulierten die oben genannten Personen weitere Detailprinzipien, von denen ich hier nur einige ausführen möchte. Fritz Perls stellte das ‚Im-Hier-und-Jetzt-Sein‘ in den Vordergrund. Dabei bekommt die unmittelbare Begegnung in diesem Moment eine zentrale Bedeutung. Um sich wirklich auf das Gegenüber in einer Begegnung konzentrieren zu können, muss man sich genau auf diesen Moment der Begegnung einlassen. Ebenso wichtig war ihm die ‚Bewusstheit‘. Damit meint Perls einen Zustand schwebender, latenter Aufmerksamkeit, die auch einen Kontakt mit sich selbst während einer Interaktion ermöglicht. In Anlehnung an Martin Buber hält er auch die Begegnung mit einem anderen Menschen für eine wichtige Lern- und Entwicklungschance. Diesen Aspekt hat auch Carl Rogers besonders betont. Rogers entwickelte diesen Ansatz in der Zusammenarbeit mit sogenannten schwer erziehbaren Jugendlichen, also im Kontakt mit einer nicht ganz umgänglichen KlientInnen-Gruppe. Rogers ging es aber vor allem um ‚hilfreiche Begegnungen zwischen Menschen schlechthin‘ und er stellte dabei fest, dass es sehr hilfreich und vertrauensfördernd war, wenn er seinem Gegenüber im Sinne von ‚was fühle und empfinde ich‘ transparent entgegentrat. Das formulierte Ziel der dauerhaften Selbstverwirklichung ‚erfordert ein lebenslanges Kämpfen und Bewältigen von Schwierigkeiten und eine Integration der verschiedenen Ziele und Strebungen‘ (Quitmann 1991, S. 207). Dieses Streben führt zu Spannungen, die auch durchaus als lustvoll erlebt werden können. So gehören Bedürfnisbefriedigungen auf verschiedenen Ebenen ebenso dazu wie lustvolle Lernprozesse oder Auseinandersetzungen. Desgleichen wird die Tendenz zur Integration und Aufrechterhaltung der inneren Ordnung postuliert. So lernt jeder nur das, was er gerade in diesem Moment lernen kann, gleichwohl abhängig vom Kontext und den eigenen Intentionen.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; […]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Literatur:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;gt; Quitmann, H. (1991): &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Humanistische Psychologie. Zentrale Konzepte und philosophischer Hintergrund. 2. Auflage. Hogrefe, Göttingen. ISBN: 3-8017-0234-0“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Enke, Axel (2017):&#039;&#039;&#039; Gedanken zum Kinaesthetics-Rahmenelement „Absicht“: Mehr als die Summe der Teile. In: LQ. kinaesthetics – zirkuläres denken – lebensqualität. 2017, Nr. 1. S. 44–47.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Humanistische_Psychologie&amp;diff=5808</id>
		<title>Humanistische Psychologie</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Humanistische_Psychologie&amp;diff=5808"/>
		<updated>2025-08-13T07:51:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: Die Seite wurde neu angelegt: „== Humanistische Psychologie und Kinästhetik (Belegstellen) == {{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./Stefan Marty-Teuber}} === Humanistische Psychologie im 16. Bulletin von 1990=== In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 finden sich im ersten Kapitel „Hintergrund der Kinästhetik (Entstehung, Begründer, Weitere Einflüsse)“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; Kinästhetik. 16. Bullet…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Humanistische Psychologie und Kinästhetik (Belegstellen) ==&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
=== Humanistische Psychologie im 16. Bulletin von 1990===&lt;br /&gt;
In dieser ersten zusammenhängenden Veröffentlichung zur Kinästhetik aus dem Jahr 1990 finden sich im ersten Kapitel „Hintergrund der Kinästhetik (Entstehung, Begründer, Weitere Einflüsse)“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Nachdruck 2009. S. 5 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach dem ersten Unterkapitel „Entstehung“ im zweiten Unterkapitel „Begründer“ Hinweise darauf, in welcher Weise die humanistische Psychologie einen Hintergrund der Kinästhetik bildet:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; „Begründer&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;[…]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Lenny Maietta kommt von der &#039;&#039;&#039;humanistischen Psychologie&#039;&#039;&#039; her und hat sich als körperorientierte Psychotherapeutin ausbilden lassen. Sie arbeitete mit Einzelpersonen und Familien mit körperlich behinderten, autistischen, psychotischen oder sonst behinderten Kindern und Jugendlichen. Sie spezialisierte sich darauf, anhand von Berührungs- und Bewegungsmethoden die Beziehungen innerhalb der Familien zu unterstützen und die physischen Fähigkeiten der Kinder sowie ihre Lernkapazität und ihr soziales Verhalten zu fördern.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;[…]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Frank und Lenny lernten sich 1975 bei der Arbeit in einer Klinik für Drogenentzug im Allgäu, BRD, kennen. Sie hatten damals schon beide ihre eigene Arbeit mit der menschlichen Bewegung entwickelt, bei der Berührung das wichtigste Kommunikationsmittel ist, und wandten sie bei sehr verschiedenen Klienten an. Sie entdeckten, dass ihre Ausbildung und ihr beruflicher Werdegang als Lehrer und Therapeuten ähnlichen Ursprungs waren und sich ergänzten. Ihre Bewegungslehrer kamen aus der Richtung des Modern Dance von Amerika und Europa aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. In jenem neuen Umgang mit der menschlichen Bewegung liegen die Wurzeln der erfahrungsbezogenen Ausrichtung in der modernen Erziehung und Psychologie. Die Ideen der &#039;&#039;&#039;humanistischen Psychologie&#039;&#039;&#039; mit der Betonung der Ganzheit des Menschen waren die Grundlage von Franks und Lennys beruflicher Tätigkeit. Dabei setzten sie Berührung und Bewegung als wichtigste Mittel ein, um eine Verbesserung der Handlungsweisen, des Lernens und der Kommunikation von Menschen zu erreichen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 5 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Nachdruck 2009. S. 5 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Humanistische Psychologie in „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Pflege“===&lt;br /&gt;
Im Jahr 1992 erschien das erste öffentliche Fachbuch „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“ im Verlag Krankenpflege, Eschborn. In diesem ca. 190-seitigen Werk mit einem Vorwort von Sr. Liliane Juchli beschränken sich die AutorInnen Frank Hatch, Lenny Maietta und Suzanne Schmidt auf den Anwendungsbereich der Pflege. In der vierten Auflage von 1996&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny; Schmidt, Suzanne (1996):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Pflege. Übersetzung: Ina Citron. 4. Auflage. Eschborn: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe. ISBN 3-927944-02-5.&amp;lt;br&amp;gt;1. Auflage: 1992 „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde der Untertitel von „in der Krankenpflege“ zu „in der Pflege“ geändert. In diesem Buch erscheinen die „Prinzipien“, d. h., die heutigen Konzepte, bereits in der aktuellen Reihenfolge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Unterkapitel „Was ist Kinästhetik?“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 19 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; des ersten Kapitels. Einleitend wird der Begriff Kinästhetik erläutert und auf die Gebiete verwiesen, die die Entwicklung der Kinästhetik beeinflusst haben. In kurzen Ausführungen werden die Verhaltenskybernetik, die humanistische Psychologie und der moderne Tanz erläutert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; „Humanistische Psychologie &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die humanistische Psychologie hat die Kinästhetik ebenfalls stark beeinflußt. Die Betrachtung des Menschen in seiner Ganzheit [im Original kursiv] und die Beachtung seiner Fähigkeit zur Selbstbestimmung [im Original kursiv] sind die Ausgangspunkte jeder Handlung. Für die pflegerische Praxis bedeutet dies, daß jede beteiligte Person, die Pflegende ebenso wie die Patientin, die Beachtung dieser Selbstkontrolle erfährt. Das schließt aus, daß andere Menschen nur als Objekte, ohne Einbeziehung ihrer Fähigkeiten und ohne wechselseitige Zustimmung, manipuliert oder behandelt werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny; Schmidt, Suzanne (1996):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Pflege. Übersetzung: Ina Citron. 4. Auflage. Eschborn: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe. ISBN 3-927944-02-5. S. 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Humanistische Psychologie ==&lt;br /&gt;
{{Infobox|vorläufig abgeschlossen|Andreas Borrmann/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
=== Entstehung und Bezüge ===&lt;br /&gt;
Die humanistische Psychologie formierte sich in Amerika gegen Ende der 1950er-Jahre und Anfang der 1960er-Jahre. Dies vollzog sich hauptsächlich im Zusammenhang mit der Gründung der Association for Humanistic Psychology (AHP) durch Carl Rogers, Virginia Satir und Abraham Maslow. Die humanistische Psychologie sah sich einerseits als Gegenpol zum damals in den USA dominanten Behaviorismus, aber auch zu etablierten Grundannahmen der Psychoanalyse. Dies hat ihr die Bezeichnung „Dritte Kraft“ neben Behaviorismus und Psychoanalyse eingetragen. Nach Matson bezieht sich die humanistische Psychologie auf drei verschiedene Denkrichtungen, die er als konzeptionelle Revolutionen bezeichnet, nämlich auf den Behaviorismus, die Psychoanalyse und den Humanismus.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Matson, Floyd W. (1971):&#039;&#039;&#039; Humanistic theory: the third revolution in psychology. In: Greening, T. C. (Hg.): Existential humanistic psychology. Belmont (Calif.): Brooks/Cole. S. 41. Nach &#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-82944-8. S. 24&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem namensgebenden Bezug zum Humanismus hat die humanistische Psychologie nach übereinstimmender Meinung viele weitere Bezüge, so insbesondere zum Existentialismus, zur Phänomenologie Edmund Husserls (1859–1938) oder zum Ansatz der funktionellen Autonomie des amerikanischen Psychologen Gordon Allport (1897–1967). Im Ganzen werden unterschiedliche ältere und jüngere Ansätze zur humanistischen Psychologie gerechnet, wobei hier keine Einigkeit herrscht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kern stellt sie einen Bezug zwischen dem gesellschaftlichen Zustand und der Möglichkeit her, sich selbst zu verwirklichen, indem die Selbsterkenntnis mithilfe der Unterstützung von PsychologInnen mit Methoden und Theorien ermöglicht wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Aphilia, PSYCHOLOGIE (2025):&#039;&#039;&#039; Humanistische Psychologie: Die „Dritte Kraft“. Kapitel „Der Mensch und seine Bedürfnisse. &lt;br /&gt;
https://www.aphilia.de/psychologie-humanistische-01-drittekraft.html (Zugriff: 2025-06-02)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Problematik der Zuordnung unterschiedlicher Schulen ===&lt;br /&gt;
Nach Hutterer wurde die humanistische Psychologie als offenes und doch deutlich charakterisierbares System beschrieben. Obwohl er es für charakterisierbar und die programmatische Orientierung für beschreibbar hält, gibt es dennoch Unschärfen, Mehrdeutigkeiten und Verwirrungen. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„So verbergen sich hinter dem Etikett ,Humanistische Psychologie‘ manchmal auch jene Vorstellungen, die sich nicht eindeutig bereits bekannten und identifizierbaren psychologischen Schulen zuordnen lassen. So wurden etwa im Zuge des Psychobooms und der ,Human potential‘-Bewegung manche meditativen und körperorientierten Techniken unreflektiert adaptiert und als fixer Teil humanistischer Verfahren präsentiert. Die Verfasser von Übersichtswerken zur Psychotherapie tun sich nach wie vor schwer bei der Frage, welche psychotherapeutischen Richtungen zum humanistischen Ansatz zu zählen sind.“&amp;lt;ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-82944-8. S. 26 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus seiner Sicht herrscht Übereinstimmung bei der Personenzentrierte Psychotherapie nach Rogers und der Gestalttherapie nach Perls. Diese Übereinstimmung fehle jedoch in Bezug auf das Psychodrama von Moreno und die Logotherapie nach Fankl. Gelegentlich zu den humanistischen Verfahren würden die Transaktionsanalyse nach Berne und die Bioenergetik nach Lowen gezählt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Einflussreiche VertreterInnen und deren Theorien ===&lt;br /&gt;
==== Einleitung====&lt;br /&gt;
Wie erwähnt herrscht keine Einigkeit darüber, welche Personen und welche psychologischen Theorien bzw. psychotherapeutischen Ansätze zur humanistischen Psychologie gezählt werden können. Dennoch folgt hier eine Auswahl von VertreterInnen, die in diesem Zusammenhang gängig erwähnt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Carl Rogers (1902–1987) =====&lt;br /&gt;
Carl Ransom Rogers wurde am 8. Januar 1902 in Oak Park (Illinois) geboren und verstarb 1987 in Kalifornien. Er war ein US-amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut. Rogers gilt als Mitbegründer der Humanistischen Psychologie und als Begründer des personenzentrierten Ansatzes.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Galliker, Mark (2019):&#039;&#039;&#039; [https://www.socialnet.de/lexikon/Rogers-Carl Rogers, Carl]. In: socialnet. Lexikon. (Zugriff: 12.08.2025&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Studien in Agrarwissenschaften und Theologie wandte er sich der Psychologie zu und promovierte 1931 an der Columbia University. Ab 1940 lehrte er u. a. an der Ohio State University, der University of Chicago und der University of Wisconsin.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Spektrum-Onlinelexikon der Psychologie (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/rogers-carl-ransom/13121 Rogers, Carl Ransom] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rogers entwickelte die klientenzentrierte (personenzentrierte) Gesprächspsychotherapie&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er nahm an, dass Menschen von Natur aus nach persönlichem Wachstum streben (Aktualisierungstendenz). Dementsprechend stehen Empathie, Kongruenz (Echtheit) und bedingungslose positive Wertschätzung als therapeutische Grundhaltungen im Zentrum seines Modells. Die KlientIn sollte seine eigenen Gefühle in einem unterstützenden Rahmen erforschen, während die TherapeutIn empathisch begleitet, ohne zu leiten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Galliker, Mark (2019):&#039;&#039;&#039; [https://www.socialnet.de/lexikon/Rogers-Carl Rogers, Carl]. In: socialnet. Lexikon. (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rogers’ Ansatz ist primär emotional und sprachlich ausgerichtet. Konkrete körperorientierte Techniken spielen dabei keine zentrale Rolle. Er betrachtete den Menschen jedoch als ganzheitlichen Organismus, in dem auch körperliche Empfindungen zum Erleben gehören. In der Therapie achtet die TherapeutIn deshalb auch auf nonverbale Signale (Körperhaltung, Tonfall usw.) als Ausdruck innerer Befindlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Abraham Maslow (1908–1970) =====&lt;br /&gt;
Abraham Harold Maslow wurde am 1. April 1908 in Brooklyn, New York, geboren und verstarb am 8. Juni 1970 in Menlo Park, Kalifornien, an einem Herzinfarkt. Er war ein US-amerikanischer Psychologe und gilt als einer der Begründer der Humanistischen Psychologie – auch bekannt als die „dritte Kraft“ neben Behaviorismus und Psychoanalyse. (vgl. [[#Entstehung und Bezüge|oben]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow entwickelte die bekannte Maslowsche Bedürfnishierarchie oder Bedürfnispyramide, ein Modell, das menschliche Bedürfnisse in aufsteigender Reihenfolge kategorisiert, von grundlegenden physiologischen Bedürfnissen bis hin zur höchsten Stufe, der Selbstverwirklichung.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie Maslowsche Bedürfnishierarchie], &#039;&#039;&#039;Spektrum-Onlinelexikon der Psychologie (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/maslow-abraham-harold/9262 Maslow, Abraham Harold] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt; Die erste Darstellung erschien 1943 in seinem Artikel „A Theory of Human Motivation“, später weiter ausgearbeitet in Werken wie „Motivation and Personality“ (1954) und Toward a Psychology of Being (1962).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie Maslowsche Bedürfnishierarchie]. &#039;&#039;&#039;StudySmarter 2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.studysmarter.de/schule/psychologie/beruehmte-psychologen/abraham-maslow/ Abraham Maslow] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Schlüsselkonzept sind die sogenannten Peak Experiences – intensive, ekstatische Momente, in denen Menschen ein tiefes Gefühl von Erfüllung, Einheit und gesteigertem Bewusstsein erleben.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (en) (2025):&#039;&#039;&#039; [https://en.wikipedia.org/wiki/Peak_experience Peak experience] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich spielte Maslow eine zentrale Rolle in der humanistischen Psychologie im Sinn einer Bewegung, die das Potenzial für persönliches Wachstum betont und sich vom pathologischen Fokus traditioneller Psychologie abwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Humanistische_Psychologie Humanistische Psychologie] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Virginia Satir (1916–1988) =====&lt;br /&gt;
Virginia (Mildred) Satir wurde am 26. Juni 1916 in Neillsville, Wisconsin (USA) geboren und verstarb am 10. September 1988 in Menlo Park, Kalifornien, an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Sie war eine amerikanische Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin, Autorin und Dozentin. Sie gilt als „Mutter der Familientherapie“ und war führend bei der Entwicklung systemischer Therapieansätze.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (en) (2025):&#039;&#039;&#039; [https://en.wikipedia.org/wiki/Virginia_Satir Virginia Satir] (Zugriff: 12.08.2025).&#039;&#039;&#039;Coaching Akademie Berlin, Lexikon-Glossar (2025):&#039;&#039;&#039; [https://coachingakademie-berlin.de/service/lexikon-glossar/virginia-satir/ Virginia Satir] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Satir begann nach dem College ihre Arbeit als Lehrerin, parallel dazu absolvierte sie eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin sowie eine psychoanalytische Weiterbildung. Zwischen 1955 und 1958 lehrte sie Familiendynamik am Illinois State Psychiatric Institute und eröffnete zwei Therapiepraxen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Landsiedel-Seminare, NLP-Wissen, Wichtige Personen (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.landsiedel-seminare.de/nlp/wichtige-personen/virginia-satir.html Virginia Satir] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt; 1959 war sie Mitbegründerin des Mental Research Institute (MRI) in Palo Alto und leitete dort das erste familientherapeutische Ausbildungsprogramm der USA.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. &#039;&#039;&#039;Wikipedia (en) (2025):&#039;&#039;&#039; [https://en.wikipedia.org/wiki/Virginia_Satir Virginia Satir] (Zugriff: 12.08.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Satirs Therapieansatz fokussiert auf den Selbstwert als Dreh- und Angelpunkt psychischer Gesundheit. Sie gilt als Wegbereiterin humanistisch-systemischer Ansätze, die den Menschen als wachstumsorientiertes Wesen betrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. &#039;&#039;&#039;Coaching Akademie Berlin, Lexikon-Glossar (2025):&#039;&#039;&#039; [https://coachingakademie-berlin.de/service/lexikon-glossar/virginia-satir/ Virginia Satir] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine zentrale Methode ist die Familienskulptur, bei der Familienmitglieder körperlich zueinander in Beziehung gebracht werden, um verborgene Dynamiken sichtbar zu machen. Weitere von ihr entwickelte Methoden sind die Familienrekonstruktion und die Parts Party, die helfen, innere und generationsübergreifende Prozesse bewusst zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Skulptur_%28Familientherapie%29 Skulptur (Familientherapie)] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Systemische_Therapie Systemische Therapie] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Fritz Perls (1893–1970) =====&lt;br /&gt;
Fritz Perls, eigentlich Friedrich Salomon Perls, wurde am 8. Juli 1893 in Berlin geboren und verstarb am 14. März 1970 in Chicago an Herzversagen. Er war Psychiater, Psychoanalytiker und Psychotherapeut, der maßgeblich die Gestalttherapie begründete.&lt;br /&gt;
Perls entwickelte die Gestalttherapie, eine humanistisch-existenzielle Form der Psychotherapie, zusammen mit seiner Frau Laura Perls in den 1940er- und 1950er-Jahren. Diese Therapieform stellt das Gewahrsein im Hier und Jetzt sowie Selbstverantwortung in den Mittelpunkt.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Britannica, biography (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.britannica.com/biography/Frederick-S-Perls Frederick s. Perls]. &#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Gestalttherapie Gestalttherapie] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Wurzeln liegen in der Gestaltpsychologie – insbesondere der Idee, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile –, die er in die therapeutische Praxis übertrug, um ein ganzheitliches Erleben zu fördern.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (en) (2025):&#039;&#039;&#039; [https://en.wikipedia.org/wiki/Organismic_theory Organismic theory]. &#039;&#039;&#039;GoodTherapy®, Learn About Therapy, Psychpedia A-Z (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.goodtherapy.org/famous-psychologists/fritz-perls.html Fritz Perls] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eines seiner bekanntesten Konzepte ist die Förderung von Gewahrsein („awareness“) durch Aufmerksamkeit auf körperliche Empfindungen, Emotionen und Verhalten im gegenwärtigen Moment. Damit sollen Kontaktstörungen erkannt und verändert werden&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Gestalttherapie Gestalttherapie] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Ruth Cohn (1912–2010) =====&lt;br /&gt;
Ruth Charlotte Cohn, geborene Hirschfeld, wurde am 27. August 1912 in Berlin geboren und verstarb am 30. Januar 2010 in Düsseldorf. Sie war eine deutsche Psychotherapeutin, Pädagogin und Poetin und ist vor allem bekannt als Begründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1931 studierte sie Nationalökonomie und Psychologie in Heidelberg und Berlin. Nach der Machtergreifung 1933 emigrierte sie nach Zürich, wo sie Psychologie, Medizin, Pädagogik, Theologie, Literatur und Philosophie studierte und eine psychoanalytische Ausbildung begann. 1941 wanderte sie in die USA aus, erlangte einen Abschluss als Diplom-Psychologin an der Columbia University und praktizierte in New York anschließend in privater psychotherapeutischer Praxis.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;stiftung ruth cohn zur förderung junger erwachsener (2025):&#039;&#039;&#039; [https://www.stiftung-ruth-cohn.de/ihr-leben.html Ruth Cohn: Ihr Leben] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1950er-Jahren entwickelte Cohn die Themenzentrierte Interaktion (TZI), ein humanistisch-pädagogisches Gruppen- und Lernkonzept. Sie wollte dabei „dem ursprünglich gesunden Menschen ein Leben ermöglichen, in dem er gesund bleiben kann“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; https://de.wikipedia.org/wiki/Themenzentrierte_Interaktion Themenzentrierte Interaktion: Ursprung und Ziel (ohne Quellenangabe)] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt; – mit dem Ziel sozialen Lernens, individueller Entwicklung und politischer Verantwortung. TZI basiert auf Prinzipien aus Psychoanalyse, Gruppendynamik, Gestalttherapie und humanistischer Psychologie&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Anliegen war es, lernende und arbeitende Gruppen so zu gestalten, dass sie sich selbst steuern können (Chairman-Postulat), und sie entwickelte dafür ein Modell (Ich–Wir–Es–Globe) zur Balance zwischen Individuum, Gruppe, Inhalt und Umfeld.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Eitle, Werner (2015):&#039;&#039;&#039; [https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/geschichte-der-kinderbetreuung/weitere-historische-beitraege/ruth-cohn-und-die-von-ihr-begruendete-themenzentrierte-interaktion-tzi/ Ruth Cohn und die von ihr begründete Themenzentrierte Interaktion (TZI)]. In: Kindergartenpädagogik, Fachartikel, Geschichte der Kinderbetreuung, Weitere historische Beiträge, August 2015 (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Viktor Frankl (1905–1997) =====&lt;br /&gt;
Viktor Emil Frankl wurde am 26. März 1905 in Wien geboren und verstarb am 2. September 1997 ebenda. Er war österreichischer Neurologe, Psychiater, promovierte auch in Philosophie und begründete die Logotherapie und Existenzanalyse, die als die „dritte Wiener Schule der Psychotherapie“ gelten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Frankl Viktor Frankl] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Frankl entwickelte die Logotherapie basierend auf der Prämisse, dass der Mensch primär nach Sinn strebt – nicht nach Lust oder Macht – und nannte dies den „Willen zum Sinn“.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Logotherapie Logotherapie und Existenzanalyse, Entstehung]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Logotherapie setzt sich aktiv mit dem geistigen Aspekt des Menschen auseinander und ergänzt traditionelle Therapien um die Dimension des Sinns.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er unterschied drei zentrale Wege zur Sinnfindung: schöpferisches Handeln, sinnhaftes Erleben (z. B. in Liebe oder Kunst) und eine innere Einstellung zum unvermeidbaren Leiden.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Sicherheitsingenieur.nrw (2025):&#039;&#039;&#039; [https://sicherheitsingenieur.nrw/innere-starke-finden-viktor-frankls-weg-zu-tiefer-resilienz/ Innere Stärke finden: Viktor Frankls Weg zu tiefer Resilienz, Die Logotherapie: Heilung durch Sinn] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Schlüsselkonzept in seiner Theorie ist die „tragische Triade“ – Leiden, Schuld und Tod –, durch die Menschen existenzielle Krisen erfahren; die Logotherapie hilft, gerade in solchem Leid eine persönliche Sinnhaltung zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Wikipedia (2025):&#039;&#039;&#039; [https://de.wikipedia.org/wiki/Logotherapie Logotherapie und Existenzanalyse, Methoden und Anwendungsgebiete, Originäre Logotherapie und Existenzanalyse] (Zugriff: 12.08.2025)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grundlegende Konzepte ===&lt;br /&gt;
==== Das Programm der American Association for Humanistic Psychology ====&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1960er-Jahre gründeten Carl Rogers, Virginia Satir und Abraham Maslow die „American Association for Humanistic Psychology“. Dabei wurden die folgenden programmatischen Aussagen veröffentlicht: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die erlebende Person selbst. Damit rückt das Erleben als primäres Phänomen beim Studium des Menschen in den Mittelpunkt. Sowohl theoretische Erklärungen wie auch sichtbares Verhalten werden im Hinblick auf das Erleben selbst und auf seine Bedeutung für den Menschen als zweitrangig betrachtet. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Der Akzent liegt auf spezifisch menschlichen Eigenschaften, wie der Fähigkeit zu wählen, der Kreativität, Wertsetzung und Selbstverwirklichung, im Gegensatz zu einer mechanistischen und reduktionistischen Auffassung des Menschen. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die Auswahl der Fragestellungen und Forschungsmethoden erfolgt nach Maßgabe der Sinnhaftigkeit, im Gegensatz zur Betonung der Objektivität auf Kosten des Sinns. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Ein zentrales Anliegen ist die Aufrechterhaltung von Wert und Würde des Menschen. Das Interesse gilt der Entwicklung der jedem Menschen innerwohnenden Kräfte und Fähigkeiten. In dieser Sicht nimmt der Mensch in der Entdeckung seines Selbst, in seiner Beziehung zu anderen Menschen und zu sozialen Gruppen eine zentrale Stellung ein.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-82944-8. S. 18. Zitiert nach: Bühler, Charlotte; Allen, Melanie (1973): Einführung in die Humanistische Psychologie. Stuttgart: Klett. ISBN 978-3-129-01490-5. S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass diese Aussagen allgemein und offen gehalten sind. Somit ist es nicht verwunderlich, dass aus der psychologiegeschichtlichen Perspektive unterschiedliche psychologische Schulen und Therapien unter die humanistische Psychologie subsumiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Das Menschenbild der humanistischen Psychologie====&lt;br /&gt;
Nach Hutterer kommen wesentliche Aspekte des Menschenbildes in den vier Grundtendenzen des Lebens zum Ausdruck, die Bühler und Allen in ihrer „Einführung in die Humanistische Psychologie“ aus dem Jahr 1973 (vgl. Fußnote 15) formuliert haben:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „1. die Tendenz, persönliche Befriedigung in Sexualität, Liebe und Anerkennung des Ichs zu suchen;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;2. die Tendenz zur selbstbeschränkenden Anpassung um der Zugehörigkeit und Sicherheit willen;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;3. die Tendenz zur schöpferischen Expansion;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;4. die Tendenz zur Integration und Aufrechterhaltung der inneren Ordnung.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die Dynamik der Motivation, das Streben nach Selbstverwirklichung und Erfüllung bzw. auch der Ablauf von Entscheidungen, ergibt sich aus den Wechselwirkungen dieser vier Grundtendenzen.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 129.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gemäß Hutterer ist aus inhaltlicher Perspektive bemerkenswert, dass hier einerseits motivationale Vorgänge und Kräfte, andererseits spezifische Bedingungen des menschlichen Lebens hervorgehoben werden, um ein neues Menschenbild vorzustellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Kinästhetik sind die Annahmen interessant, die Hutterer im Sinn von anthropologischen Voraussetzungen des Ansatzes von Carl Rogers bzw. der Personenzentrierten Psychotherapie formuliert:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Der Mensch steht in einem andauernden Prozeß der Veränderung und besitzt die Fähigkeit, sich in Richtung größerer Reife und psychischer Funktionsfähigkeit zu entwickeln (Selbstverwirklichungstendenz). Er ist fähig, selbst die Verantwortung für seine Ideen, Gefühle und Handlungen zu übernehmen (Selbstverantwortung), sich von ,innen‘, von seiner ,organismischen‘ Basis her zu steuern und seine im Leben auftretenden Probleme unter günstigen Bedingungen selbst zu lösen (Selbstregulierung).“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Rogers selbst beschreibt als ein wesentliches Kennzeichen der klientenzentrierten Psychotherapie das Folgende: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Dem Menschen sei – wie im Grunde jedem Organismus – eine Tendenz zu eigen, die ihm innewohnenden Möglichkeiten zu entfalten, und zwar geschehe dies unter günstigen Umständen auf eine konstruktive, sozial verbindende Weise. Die Annahme einer solchen ,aktualisierenden Tendenz‘ des Organismus, die auf fortschreitende Differenzierung und Integration körperlicher und psychischer Funktionen gerichtet ist, steht im Widerspruch zu der bei Freud und bei Lerntheoretikern vertretenen Auffassung, daß Leben letztlich durch Mangel motiviert und vom Streben nach Spannungsausgleich (Homöostase, Entropie) bestimmt sei.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Rogers, Carl R. (1994):&#039;&#039;&#039; Therapeut und Klient. Grundlagen der Gesprächspsychotherapie. Fischer: Frankfurt am Main. ISBN 3-596-42250-7. S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ganzheitlichkeit ====&lt;br /&gt;
James Bugental (1915–2008) formulierte als erster Präsident der Association for Humanistic Psychology eine Reihe von Merkmalen, die die grundsätzliche ideelle Orientierung der humanistischen Psychologie charakterisieren. Hutterer umschreibt das erste Merkmal folgendermaßen:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Das menschliche Wesen ist mehr als die Summe seiner Teile. Diese Formulierung stammt aus der Gestaltpsychologie. Es bedeutet, daß trotz der Wichtigkeit der Kenntnisse seiner Einzelfunktionen die Einzigartigkeit des Menschen als Ganzheit und Organismus Vorrang hat.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-82944-8. S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen seiner Erläuterungen zum europäischen Kontext der humanistischen Psychologie führt er dazu aus:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die Gestaltpsychologie vertritt den Ganzheits- und Strukturgedanken. Der Strukturbegriff war ursprünglich stark von der Biologie beeinflusst. Man verstand darunter ein aus Teilen zusammengesetztes Ganzes, wobei jeder Teil erfüllt eine spezifische Funktion erfüllt, die jedoch nur vom Ganzen her verständlich ist. Eine Untersuchung von Teilen und Einzelfunktionen muß daher immer vor dem Hintergrund des Ganzen und unter Berücksichtigung des Gesamtrahmens erfolgen. Der Ganzheitsgedanke ist eine Perspektive, die versucht, die besondere Struktur komplexer Einheiten oder System adäquat zu erfassen. Ganzheiten wirken als Einheit, als Zusammenhalt, wobei im Unterschied zu additiven Aggregaten die Beiträge der Einzelelemente und Einzelfunktionen nicht bloß summiert werden können, sondern wegen der vorhandenen Wechselwirkungen der Elemente und Funktionen eine qualitativ andere Wirkung oder Dynamik zeigen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 75.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen seiner Ausführungen zum philosophisch-anthropologischen Kontext verdeutlicht Hutterer das Merkmal der Ganzheit in Anlehnung an Ulrich Völker:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Mit diesem Merkmal wird ein Gegenpol zur analytisch-zergliederten bzw. atomistischen Betrachtung aufgestellt. Den Menschen als Ganzheit im Blick zu behalten, bedeutet dabei, seine verschiedenen Seiten, Aspekte, Ebenen und Prozesse gleichzeitig als Bestandteile einer Einheit und in ihrer Wechselwirkung zu untersuchen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 131.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Weitere grundlegende Konzepte====&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden weitere Konzepte der humanistischen Psychologie stichwortartig aufgelistet, und zwar in Anlehnung an die Darstellung der erwähnten Formulierungen von James Bugental durch Hutterer&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 19 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* Der Mensch ist ein soziales Wesen (Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehungen, von Empathie und Mitgefühl).&lt;br /&gt;
* Der Mensch kann bewusst erleben (Erlebniszentrierung, Selbstbesinnung als Voraussetzung des Verständnisses von Erfahrungen).&lt;br /&gt;
* Der Mensch besitzt die Freiheit der Wahl und der Entscheidung (Selbstbestimmung/Autonomie, Selbstverantwortung, Selbstverwirklichung, Kreativität).&lt;br /&gt;
* Der Mensch richtet sein Leben auf Ziele und Werte aus (Intentionalität, Wertsetzung, Würde).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Ausgangspunkt und Grundlage jeglichen Wissens sind die unmittelbare Erfahrung und das unmittelbare Erleben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 20.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Einzigartigkeit jedes Menschen, Relativität der Erkenntnis, Skepsis gegenüber einem Objektivitätsideal)&lt;br /&gt;
Angesichts der Heterogenität der humanistischen Psychologie ist es nicht verwunderlich, dass diese Konzepte in den unterschiedlichen Schulen und therapeutischen Ansätzen unterschiedlich gewichtet, vertreten oder auch durch weitere Konzepte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bezüge zur Kinästhetik ===&lt;br /&gt;
====Einleitung====&lt;br /&gt;
Dass die humanistische Psychologie eine wesentliche Grundlage der Kinästhetik ist, ergibt sich nur schon aus der Tatsache, dass Lenny Maietta, eine der BegründerInnen der Kinästhetik, in ihrer Ausbildung von der humanistischen Psychologie geprägt wurde und sie in die Kinästhetik einbrachte. Entsprechend wird sie insbesondere in den Anfängen des Fachgebiets als wichtige Grundlage bezeichnet (vgl. oben).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der grundsätzlichen, konzeptuellen Ebene lassen sich leicht Bezüge und Gemeinsamkeiten der beiden Fachgebiete feststellen. Die Heterogenität der humanistischen Psychologie bedingt aber, dass sich bei näherer Betrachtung wohl zeigen würde, dass auch hier Unterschiede des genauen Verständnisses bestehen. In diesem Sinn sind die folgenden Ausführungen zu verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ausgewählte Bezüge====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ganzheit&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieses Stichwort wird bereits im 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 erwähnt (vgl. [[#Die humanistische Psychologie im 16. Bulletin von 1990|oben]]). Es ergibt sich u. a. aus dem kybernetischen Verständnis des Menschen als eines Wesens, das sich durch das [[Feedback-Control-Theorie|zirkuläre Zusammenspiel]] seines motorischen und sensorischen Systems und seines Nervensystems selbst reguliert. Nach diesem Verständnis lebt und „funktioniert“ der Mensch immer als Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Subjektives, bewusstes Erleben und Erfahren&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Kinästhetik spielen die bewussten [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]] mit Blickwinkeln eine zentrale Rolle. Sie werden in aller Regel mit Reflexionen bzw. [[Selbstevaluation|Selbstevaluationen]] verbunden. In diesem Zusammenhang kann das Wortspiel angeführt werden, dass Kinästhetik eine Erfahrungswissenschaft sei, die Wissen durch Erfahrung schafft. Ebenso kann auf erkenntnistheoretische Grundlagen der Kinästhetik verwiesen werden, die mit argumentierter Skepsis gegenüber einem Objektivitätsideal von Gregory Bateson über [[Heinz von Foerster]] bis hin zu [[Wahrnehmung|Maturana und Varela]] reichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mensch als soziales Wesen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seit jeher wird in der Kinästhetik z. B. mit dem Stichwort „[[Social Tracking]]“ die Bedeutung der zwischenmenschlichen Interaktionen für sein Leben und seine Entwicklung betont. Entsprechend spielen in Bildungsangeboten der Kinästhetik die gemeinsame Bewegungserfahrung, das gemeinsame Lernen und Reflektieren eine wichtige Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Freiheit der Wahl und Entscheidung&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus kybernetisch-kinästhetischer Sicht wird der Mensch als ein komplexes zirkuläres System betrachtet, das in jedem Moment die Möglichkeit hat, sein Leben und Verhalten selbstbestimmt und [[Autopoiese_(Autopoiesis)#Autopoiese_in_%E2%80%9EKinaesthetics_%E2%80%93_Lernen_und_Bewegungskompetenz%E2%80%9C|autonom]] so oder anders fortzusetzen. Nach [[Heinz_von_Foerster#Ethischer_Imperativ|Heinz von Foerster]] gilt es, hierfür die persönliche Verantwortung zu übernehmen und diese Möglichkeit so zu nutzen, dass mehr Möglichkeiten entstehen. Diese Wahlfreiheit ist in der Kinästhetik zugleich eine Grundlage für das Verständnis der lebenslangen Entwicklung der [[Bewegungskompetenz]] – um es mit den Worten von Carl Rogers auszudrücken (vgl. oben) – im Sinn einer fortlaufenden Differenzierung und Integration der eigenen Bewegungsmöglichkeiten oder eines kreativen Umgangs mit ihnen, wie auch immer sich die Bedingungen des eigenen Lebens ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ausrichtung auf Ziele und Werte&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seit langer Zeit findet sich in den Arbeitsunterlagen der Kurse und Ausbildungen der Kinästhetik auf den ersten Seiten ein Motto. Es heißt in seiner aktuellen Form:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Kinaesthetics beabsichtigt einen respektvollen Umgang des Menschen mit sich selbst und mit anderen Menschen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise respektiert die Einzigartigkeit und Würde des Einzelnen. In Unterstützungssituationen des Gesundheits- und Sozialbereichs respektiert die Kinästhetikfachperson die Individualität der KlientIn und versucht, die Bewegungsunterstützung optimal an deren subjektives Erleben anzupassen. In diesem Sinn wird in der Kinästhetik die Eigenbewegung der KlientIn oder – mit der Fachsprache der humanistischen Psychologie ausgedrückt – ihre Selbstaktualisierung oder -verwirklichung gefördert. Die Kinästhetik kann als personenzentrierter Ansatz verstanden werden, bei dem Gesundheitsförderung nicht nur von den Fähigkeiten und Kenntnissen, sondern auch von der Absicht und Haltung der Fachperson abhängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-82944-8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissenschaftliche Grundlagen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Humanistische Psychologie in der Zeitschrift „lebensqualität/LQ“==&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Axel Enke/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die folgenden Zitate bestehen aus zwei Artikeln von Axel Enke aus der Zeitschrift „lebensqualität/LQ“. Der erste Artikel aus der Rubrik „forschung“ der Zeitschrift „lebensqualität“ 04/2010 stellt die humanistische Psychologie und inhaltliche Zusammenhänge mit der Kinästhetik dar. Der zweite Artikel aus der Rubrik „forschung“ der Zeitschrift „lebensqualität“ 01/2017 widmet sich dem Kinaesthetics-Rahmenelement „Absicht“ und stellt im Rahmen des wissenschaftlichen Fundaments der Kinästhetik die humanistische Psychologie und ihre Zusammenhänge zum Rahmenelement dar.&lt;br /&gt;
=== LQ 04/2010: „Kinaesthetics und Humanistische Psychologie: Der Mensch will sich selbst verwirklichen“ ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2010-4-Abraham-Maslow.png|500px|zentriert]]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt; „Kinaesthetics und Humanistische Psychologie&#039;&#039;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; &amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Der Mensch will sich selbst verwirklichen&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Immer wieder hört und liest man, dass die Humanistische Psychologie eine Grundlage von Kinaesthetics ist. Was das genau heißt und welche Annahmen sich hinter diesem Begriff verstecken, erklärt &amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt;Axel Enke&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; Psychologie als Wissenschaft wurde im 19. Jahrhundert begründet. In der Folge entwickelten sich verschiedene Richtungen. Neben dem Behaviorismus (Studium des menschlichen Verhaltens unter Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse) und der Tiefenpsychologie (Erforschung des Unbewussten) ist die Humanistische Psychologie eine dritte Strömung. Nach den Erfahrungen und Eindrücken des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges setzte auch unter PsychologInnen eine Suche nach humanistischen Konzepten ein. Dies führte 1962 zur Gründung der American Association for Humanistic Psychology (AHP), deren bekanntester Vertreter Abraham Maslow (1908–1970) war. Seine weltanschaulichen Wurzeln lagen im Humanismus (siehe Kasten, Seite 39).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&#039;&#039; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt;Abraham Maslow&amp;lt;/span&amp;gt;&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Die Maslow-Pyramide. &amp;lt;/big&amp;gt; Als Ältestes von sieben Kindern russisch-jüdischer Immigranten hatte Abraham Maslow eine isolierte und unglückliche Kindheit. Sehr früh begann er, viel Zeit mit Literatur zu verbringen, und promovierte 1934 in Psychologie. Bekannt wurde er vor allem durch die Entwicklung seiner Bedürfnispyramide. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Maslow entwickelte ein Menschenbild, welches von einer eher positiven inneren „Natur“ des Menschen ausgeht. Diese innere Natur, die er biologisch begründet mit der Geburt als Grundausstattung erhält, gilt es zu fördern und nicht zu unterdrücken. In Gesellschaften wird diese „innere Natur“ hingegen häufig unterdrückt und an der kreativen Entfaltung gehindert, was dann zu Störungen und Erkrankungen führen kann. Die Entfaltung des Menschen orientiert sich an unterschiedlichen Bedürfnissen, die aufeinander aufbauen. Maslow differenziert diese Bedürfnisse auch in Bezug auf ihre Auswirkungen. So hat zum Beispiel die Nichtbefriedigung tiefer liegender Bedürfnisse (wie Essen, Schlafen, Sicherheit) häufig negative Auswirkungen, wohingegen die Beschäftigung mit den höheren (Selbstverwirklichung) eher Glück, Zufriedenheit und Erfüllung bringen. Die tieferen hingegen entwickeln verständlicherweise eine starke Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Keine einfachen Theorien. &amp;lt;/big&amp;gt; Da die Lebensumstände eines Menschen sehr vielseitig sind, wendet Maslow sich gegen zu vereinfachende Theorien. Er sprach sich daher für vielschichtigere Modelle aus: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; ‚Selbstverwirklichende Menschen, Menschen also, die einen hohen Grad der Reife, Gesundheit und Selbsterfüllung erreicht haben, können uns so viel lehren, dass sie manchmal fast wie eine andere Rasse menschlicher Wesen erscheinen. Doch weil sie so neu ist, ist die Erforschung der höchsten Bereiche der menschlichen Natur und ihrer äußersten Möglichkeiten und Hoffnungen eine schwierige und gewundene Aufgabe. Sie hat für mich eine ständige Zerstörung liebgewordener Axiome mit sich gebracht, die unentwegte Auseinandersetzung mit scheinbaren Paradoxa, Widersprüchen und Zweideutigkeiten, manchmal auch den Zusammenbruch lang etablierter, fest geglaubter und scheinbar unangreifbarer Gesetze der Psychologie. Oft stellte sich heraus, daß es keine Gesetze waren, sondern nur Regeln für das Leben in einem Zustand milder und chronischer Psychopathologie und Ängstlichkeit, im Zustand der Behinderung und Verkrüppelung und Unreife, den wir nicht bemerken, weil die meisten anderen dieselbe Krankheit haben wie wir‘ (Maslow 1973, S. 83 f.). &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Eine zentrale Bedeutung haben dabei die äußeren Lebensumstände (Umgebung), die es einem Menschen mehr oder weniger ermöglichen, sich mit Grenzsituationen konstruktiv zu beschäftigen. Die Auseinandersetzung aber mit eben diesen Grenzerfahrungen ermöglicht persönliche Reifung, Wachstum und Entwicklung des Menschen. Eigentlich wollte Maslow eine umfassende psychologische Theorie verfassen. Sein plötzlicher Tod 1970 durch einen Herzinfarkt vereitelte dieses Vorhaben.&lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2010-4-Carl-Rogers.png|500px|zentriert]]&lt;br /&gt;
====&#039;&#039; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt;Carl Rogers&amp;lt;/span&amp;gt;&#039;&#039;====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Flucht in die Welt der Bücher. &amp;lt;/big&amp;gt; Eine weitere bedeutsame Persönlichkeit für die Entwicklung der Humanistischen Psychologie war der Psychologe und Psychotherapeut Carl Ransom Rogers (1902–1987). Rogers wurde ebenfalls in einer kinderreichen Familie als viertes von sechs Kindern geboren. So wie Maslow wuchs auch er unter wenig glücklichen Umständen auf. Der Grund lag in der fundamentalistisch-religiösen Einstellung der Eltern. Einerseits kümmerten sie sich sehr um die Kinder, kontrollierten aber auch deren Entwicklung sehr stark. Eine strenge und kompromisslose religiös-ethische Grundhaltung prägte seine Kindheit. Auch er „flüchtete“ sich daraufhin in die Welt der Bücher und las frühzeitig sehr viel. Nach einem abgebrochenen Agrarstudium begann er ein Theologiestudium, das er 1922 nach einer sechsmonatigen Chinareise abbrach. Auf dieser Reise, wo er auch an einer internationalen christlichen Studentenkonferenz teilnahm, emanzipierte er sich von seinem Elternhaus. Diese Lebensphase beeinflusste ihn sehr und war nicht leicht für ihn, da es in der Folge schwere Auseinandersetzungen mit seiner Familie gab, der er sich nach wie vor verbunden fühlte.&lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2010-4-Infoboxen-Humanismus.png|450px|thumb|rechts|Infoboxen aus dem Artikel der Zeitschrift „lebensqualität“ 04/2010]]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Arbeit mit Problemkindern. &amp;lt;/big&amp;gt; 1924 wechselte er in die Erziehungsberatung und studierte nebenher Psychologie in New York. In der Beratungsstelle arbeitete er mit unterprivilegierten ‚Problemkindern‘. In den folgenden 12 Jahren seiner Beratungstätigkeit entwickelte er einen eigenen Beratungsstil, der durch seine erste als Buch veröffentlichte Fallbeschreibung in der Fachwelt wahrgenommen wurde. Er selbst erkannte erst am 11. Dezember 1940 während eines eigenen Vortrages an der Universität Minnesota über seinen eigenen Ansatz, wie weit er sich mit seiner Theorie und Praxis schon von den vorherrschenden psychiatrischen und psychotherapeutischen Auffassungen entfernt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Klientenzentrierter Ansatz. &amp;lt;/big&amp;gt; Einer seiner zentralen Ansätze war, ‚dass die KlientIn derjenige ist, der weiß, wo der Schuh drückt, welche Richtung einzuschlagen [ist], welche Probleme entscheidend, welche Erfahrungen tief begraben gewesen sind‘ (Rogers 1973, S. 23). In den folgenden 39 Jahren entwickelte er seinen klientenzentrierten Ansatz immer weiter und beschrieb ihn in seinem wichtigsten Werk ‚Die Entwicklung der Persönlichkeit‘. In seinen Büchern und Aufsätzen übertrug er die personenzentrierten Prinzipien auf andere Gebiete wie Bildung, Partnerschaft, Familie, Großgruppen und interkulturelle Workshops. In Kalifornien gründete er das ‚Center for the Study of the Person’. In den weiteren Jahren engagierte er sich zunehmend in Friedensinitiativen und wurde Anfang 1987 für den Friedensnobelpreis nominiert. Kurz nach seinem 85. Geburtstag stürzte er jedoch so schwer, dass er sich von der anschließenden Operation nicht mehr erholte.&lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2010-4-Maslow&#039;sche-Bedürfnispyramide.png|450px|thumb|links|&#039;&#039;„Die Maslow’sche Bedürfnispyramide. Darstellung angelehnt an: Mayer, Horst O.: Einführung in die Psychologie., 2. Auflage, Oldenburg, Wissenschaftsverlag, 2005, S. 80.“]]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Große Wirkung. &amp;lt;/big&amp;gt; Sein Werk und Wirken hatte viele Auswirkungen. So zählten zum Beispiel zu seinen Schülern Reinhard Tausch (Hamburg), Dr. Marshall B. Rosenberg, der später die gewaltfreie Kommunikation entwickelte, und Thomas Gordon (‚Familienkonferenz‘). Rogers Grundannahme seiner Persönlichkeitstheorie war, dass der Mensch nach Selbstverwirklichung und Selbstaktualisierung strebt und von Grund auf zunächst ‚gut‘ ist. Im Kindes- und Jugendalter kommt es zu prägenden Interaktionen mit der Umwelt, die beim Heranwachsenden zur Entwicklung eines Selbstkonzeptes führen. Dieses kann sowohl positiv als auch negativ geprägt sein. Ist das Idealbild vom Realbild zu weit entfernt (siehe Kasten, Seite 41), kann dies zu psychischen Störungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Ein positives Weltbild. &amp;lt;/big&amp;gt; Der humanistische Ansatz Rogers wird eindrucksvoll deutlich in seiner Beschreibung, wie der Mensch ein positives Selbstbild entwickelt. Demnach gibt es sieben wesentliche Botschaften, welche die InteraktionspartnerInnen (Eltern) im Laufe der Erziehung vermitteln müssen, um die Entwicklung eines positiven (gesunden) Selbstkonzeptes zu begünstigen. Diese sind:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;1. Ungeschuldete Liebe (bedingungslos, so wie das Kind ist)&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;2. Wertschätzung (partnerschaftlicher Umgang, Berücksichtigung der Bedürfnisbefriedigung, altersangemessene Beteiligung bei der Aufstellung von Regeln)&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;3. Echtheit und Interesse&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;4. Erfahrung von Autonomie durch Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;5. Anregung und Unterstützung&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;6. Sicherheit, Geborgenheit und Zuverlässigkeit&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;7. Zulassen von positiven und negativen Gefühlen&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Diese Grundannahmen übertrug Rogers auf verschiedene Settings. 1957 leitete er in Wisconsin ein Forschungsprojekt mit schizophrenen PatientInnen, das seinen Ansatz wissenschaftlich bestätigte. Zusätzlich transportierte er diesen Ansatz in die Beratung und Pädagogik. Eine seiner Grundüberzeugungen bestand darin, dass Lernen in einer angstfreien Umgebung geschehen muss. Die Aufgabe der LehrerIn/DozentIn (etc.) ist es, als Mensch echt und glaubhaft (kongruent) andere Menschen zu unterstützen und ihnen so Lernen zu ermöglichen. Dabei glaubte er an die Selbststeuerung des Menschen. Rogers war auch ein Anhänger des ‚radikalen Konstruktivismus‘, der davon ausgeht, dass der Mensch erst in Kontakt mit anderen Menschen treten muss, um sich in einer sozialen Situation ein Abbild von dieser machen zu können. So entsteht das Selbstbild eines Menschen durch die Summe seiner subjektiven Wahrnehmungen der Umwelt und seiner damit verbundenen Erfahrungen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, in jeglichen Lernsituationen (Therapie, Beratung, Bildung) gewisse Grundhaltungen als TrainerIn, […] LehrerIn und Eltern zu erlernen. Der Einfachheit halber verwende ich im Folgenden nur den Begriff ‚TrainerIn‘:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt; Kongruenz/Echtheit:&amp;lt;/span&amp;gt; Dies bedeutet, dass der/ die TrainerIn selber kongruent und echt sich selber und der KlientIn gegenüber ist. Sie sollen ihre Gefühle diesem Gegenüber zeigen, ohne Wertungen abzugeben oder zu beurteilen. Sie soll sich nicht hinter der TrainerInnenrolle verstecken und die KlientInnen von oben herab betrachten. Nicht die TrainerIn zeigt der KlientIn den richtigen Weg, sondern beide sind gleichberechtigt und suchen zusammen nach Lösungen. Rogers spricht von Transparenz, wenn er sagt, dass das Erleben der TrainerIn mit ihrer Kommunikation mit der KlientIn übereinstimmen soll. Durch dieses Verhalten der TrainerIn erfährt die KlientIn Vertrauen und ist eher bereit, ihre Gefühle zu äußern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt; Bedingungsfreie Wertschätzung:&amp;lt;/span&amp;gt; Dies bedeutet, dass die TrainerIn keinerlei Wertungen und Urteile über die KlientIn und deren Verhalten abgeben soll. Sie soll die KlientIn mit all ihren Fehlern und ohne Bedingungen wertschätzen. Rogers spricht auch von bedingungsfreier positiver Zuwendung. Dies meint aber nicht, dass die TrainerIn alles gutheißen soll, was die KlientIn tut oder sagt. Diese Einstellung lässt sich mit jener von Eltern gegenüber ihrem Kind vergleichen. Eltern lieben ihr Kind, auch wenn sie nicht mit jedem Verhalten einverstanden sind. Gerade in der Erziehung wird auch deutlich, welchen Schaden eine an Bedingungen gebundene Wertschätzung anrichten kann, wenn Eltern die Wertschätzung ihres Kindes von dessen Leistungen oder Wohlverhalten abhängig machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt; Empathie:&amp;lt;/span&amp;gt; Bei der Empathie geht es um die Einfühlung in die Erlebniswelt der KlientIn. Die TrainerIn versucht, sich voll und ganz auf die Gefühle der KlientIn einzulassen und diesen zu verstehen. Rogers spricht von „innerem Bezugssystem“ der KlientIn und meint damit dessen Gefühle, Gedanken und Erleben. Empathie ist wohl das schwerste der drei Merkmale, weil man weder oberflächlich Verstehen andeuten noch interpretieren und urteilen soll. Es geht einfach nur um den Versuch, die Gefühle der KlientIn nachzuvollziehen. Eine Voraussetzung für Empathie ist das aktive Zuhören, d. h. eine konzentrierte Aufmerksamkeit auf das wirklich Gemeinte und nicht nur das Gesagte. Die TrainerIn soll verstehen, was die KlientIn meint, soll aber nicht urteilen, interpretieren oder Rückschlüsse auf ein Verhalten ziehen. Merkt die KlientIn, dass sie verstanden wird, so wird sie sich mehr und mehr öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;In Kontakt mit sich sein. &amp;lt;/big&amp;gt; Ein wesentlicher Aspekt der Grundhaltung in der Humanistischen Psychologie ist das ‚In-Kontakt-mit-sich-Sein‘. Marshall B. Rosenberg schreibt in seinem Buch ‚Gewaltfreie Kommunikation‘: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;‚Wir werden eher dazu trainiert, „außenorientiert“ zu leben, als mit uns selbst in Kontakt zu sein‘ (Rosenberg, S. 57). &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Diese Außenorientierung behindert, so Rosenberg, die Menschen an einer achtsamen Kommunikation mit anderen Menschen. Aus diesem Grunde entwickelte er Prinzipien einer gewaltfreien Kommunikation. Wo finden sich nun Gemeinsamkeiten oder ‚geistige Bezüge‘ zwischen diesem humanistischen Ansatz und Kinaesthetics? Folgende Aufzählung mag einige ausgesuchte Aspekte benennen:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Beide Konzepte wollen auf ihre Weise konkret dazu beitragen, dass Menschen einen respektvollen Umgang miteinander gestalten.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Beide Konzepte glauben an die Fähigkeiten und Ressourcen einer Person, die es zu fördern gilt.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Bildung wird als ein zentrales Grundbedürfnis definiert, dessen konkrete Ausgestaltung (‚Lernumgebung gestalten‘) persönlichkeitsbildend wirkt.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Die Lernenden definieren selbst, was sie lernen und lernen am besten in einer angstfreien Umgebung.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Die Umgebung wird als wichtiger Aspekt gesehen, der sich auf Lernen und Entwicklung interaktiv auswirkt.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Beide Konzepte zeigen eine ‚Nähe‘ zum Konstruktivismus.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Beide Konzepte betonen die Bedeutung der Innenorientierung für persönliches Wachstum und Entwicklung.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Diese Übereinstimmungen in der Grundhaltung ermutigten mich dazu, in einem ersten Versuch den Gesprächsansatz der Humanistischen Psychologie mit dem Kommunikationsverständnis der Kybernetik und Systemtheorie in der Stufe 1 der Beratungsausbildung ‚Beratungskompetenz (EKA)‘ miteinander zu kombinieren. Die Ergebnisse waren sehr ermutigend, und die TeilnehmerInnen beschrieben große Lernfortschritte. Ich bin davon überzeugt, dass an der Art und Weise, wie wir heute in Kinaesthetics-Basiskursen und -Ausbildungen die Lernumgebung gestalten, Maslow und Rogers ihre Freude hätten. Dazu schreibt Rogers: ‚Ein Kurs ist also nicht dann erfolgreich zu Ende gegangen, wenn der Schüler ‚alles gelernt hat, was er wissen muss‘, sondern wenn er eindeutige Fortschritte dabei erzielt hat, zu lernen, wie er lernt, was er wissen möchte‘ (Rogers 1974, S. 143). Genau das ist auch eines der großen Ziele von Kinaesthetics!&lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2010-4-Infobox-Selbstkonzept.png|400px|thumb|rechts|&#039;&#039;„Das Selbstkonzept ist der Sitz der individuellen Realität, die unser Erleben, die Wahrnehmung und die Verarbeitung der Sinne bestimmt.“]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Literatur:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Maslow, Abraham H.: Psychologie des Seins. Ein Entwurf. Kindler Verlag, München 1973.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Rogers, Carl: Entwicklung der Persönlichkeit. Stuttgart 1973.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Rogers, Carl: In Freiheit und Engagement. Kösel-Verlag, München 1974.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;gt; Rosenberg, Marshall B.: Gewaltfreie Kommunikation – eine Sprache des Lebens. Junfermann Verlag, 2005. S. 57.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Enke, Axel (2010):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics und Humanistische Psychologie: Der Mensch will sich selbst verwirklichen. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2010, Nr. 4. S. 37–41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== LQ 01/2017: „Gedanken zum Kinaesthetics-Rahmenelement „Absicht“: Mehr als die Summe der Teile“ ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; &amp;lt;big&amp;gt; „Gedanken zum Kinaesthetics-Rahmenelement ‚Absicht‘&#039;&#039;&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; &amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt; Mehr als die Summe der Teile &amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;/big&amp;gt; &#039;&#039;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:gray;&amp;quot;&amp;gt; Autor: Axel Enke&#039;&#039;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;[…]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Die humanistische Psychologie.&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Die humanistische Psychologie ist eine Anschauung, die von vielen als Utopie bezeichnet wird. Was aber spricht dagegen, sein Handeln an einer Utopie auszurichten? Die Begründer der humanistischen Psychologie sehen sich selbst nicht als eine feste Gruppe. Erst 2010 bildeten sich erste Dachgesellschaften. Daher wurde dieser Bildungs- und Therapieansatz von einer Reihe unterschiedlicher Personen in verschiedenen Ländern begründet und geprägt. Hier sollen nur einige wichtige und bekannte Personen genannt werden: Otto Rank, Fritz Perls, Ruth Cohn, Carl Rogers, Charlotte Bühler, Abraham Maslow und das Ehepaar Tausch. Sie alle vereinen gemeinsame ‚Glaubenssätze‘, die ich im Folgenden kurz nennen und erläutern werde.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;1. Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile; der Mensch ist keine Maschine, deren Teile einfach nur miteinander funktionieren. Vielmehr ist er auch ein denkendes, fühlendes und emotionales Wesen, das in sich durchaus widersprüchliche Motivationen beherbergt. Grundsätzlich geht die humanistische Psychologie aber davon aus, dass der Mensch von Geburt an zum Guten strebt und kein ‚böses Gen‘ in sich trägt.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;2. Menschliches Leben geschieht immer in einem Kontext. Da die humanistische Psychologie davon ausgeht, dass der Mensch immer lernt und sich entwickelt, bekommt eben dieser Kontext als Lern- und Gestaltungsraum eine wichtige Rolle. So werden Menschen nicht böse geboren, sondern Erfahrungen führen dazu, dass sie lernen, sich ‚böse‘ zu verhalten.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;3. Menschen sind sich ihrer selbst bewusst. Dadurch dass sie sich ihrer selbst bewusst werden, entsteht die Grundlage zur Reflexion. Reflexion wiederum ist eine Grundlage für Lernen und persönliche Reifung.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;4. Menschen haben eine Wahl. Diese Prämisse macht deutlich, dass sich Menschen stets entscheiden und dies auch bewusst lenken können. Damit ist auch gesagt, dass verschiedene Wahlmöglichkeiten durchdacht werden können. Im Menschenbild der humanistischen Psychologie ist das Kreieren von mehr Wahlmöglichkeiten ein wichtiger Aspekt.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;5. Menschen leben intentional. Das meint, dass sie sich auf Ziele und Werte ausrichten. Diese sind Grundlage ihrer Identität, was sie von anderen Lebewesen unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Detailprinzipien der humanistischen Psychologie.&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Darüber hinaus formulierten die oben genannten Personen weitere Detailprinzipien, von denen ich hier nur einige ausführen möchte. Fritz Perls stellte das ‚Im-Hier-und-Jetzt-Sein‘ in den Vordergrund. Dabei bekommt die unmittelbare Begegnung in diesem Moment eine zentrale Bedeutung. Um sich wirklich auf das Gegenüber in einer Begegnung konzentrieren zu können, muss man sich genau auf diesen Moment der Begegnung einlassen. Ebenso wichtig war ihm die ‚Bewusstheit‘. Damit meint Perls einen Zustand schwebender, latenter Aufmerksamkeit, die auch einen Kontakt mit sich selbst während einer Interaktion ermöglicht. In Anlehnung an Martin Buber hält er auch die Begegnung mit einem anderen Menschen für eine wichtige Lern- und Entwicklungschance. Diesen Aspekt hat auch Carl Rogers besonders betont. Rogers entwickelte diesen Ansatz in der Zusammenarbeit mit sogenannten schwer erziehbaren Jugendlichen, also im Kontakt mit einer nicht ganz umgänglichen KlientInnen-Gruppe. Rogers ging es aber vor allem um ‚hilfreiche Begegnungen zwischen Menschen schlechthin‘ und er stellte dabei fest, dass es sehr hilfreich und vertrauensfördernd war, wenn er seinem Gegenüber im Sinne von ‚was fühle und empfinde ich‘ transparent entgegentrat. Das formulierte Ziel der dauerhaften Selbstverwirklichung ‚erfordert ein lebenslanges Kämpfen und Bewältigen von Schwierigkeiten und eine Integration der verschiedenen Ziele und Strebungen‘ (Quitmann 1991, S. 207). Dieses Streben führt zu Spannungen, die auch durchaus als lustvoll erlebt werden können. So gehören Bedürfnisbefriedigungen auf verschiedenen Ebenen ebenso dazu wie lustvolle Lernprozesse oder Auseinandersetzungen. Desgleichen wird die Tendenz zur Integration und Aufrechterhaltung der inneren Ordnung postuliert. So lernt jeder nur das, was er gerade in diesem Moment lernen kann, gleichwohl abhängig vom Kontext und den eigenen Intentionen.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; […]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Literatur:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;gt; Quitmann, H. (1991): &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Humanistische Psychologie. Zentrale Konzepte und philosophischer Hintergrund. 2. Auflage. Hogrefe, Göttingen. ISBN: 3-8017-0234-0“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;Enke, Axel (2017):&#039;&#039;&#039; Gedanken zum Kinaesthetics-Rahmenelement „Absicht“: Mehr als die Summe der Teile. In: LQ. kinaesthetics – zirkuläres denken – lebensqualität. 2017, Nr. 1. S. 44–47.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Literatur_und_Medien&amp;diff=5724</id>
		<title>Literatur und Medien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Literatur_und_Medien&amp;diff=5724"/>
		<updated>2025-05-28T16:12:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: /* H */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|in Bearbeitung|Stefan Marty-Teuber/Susanne Hoser}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Seite listet in alphabetischer Reihenfolge nach den [[KOFL:Richtlinien: Bibliografische Erfassung|KOFL-Richtlinien der bibliografischen Erfassung]] alle Literatur und Medien auf, die im KOFL vorkommen. Ebenso werden weitere Literatur und Medien erfasst, die für die Kinästhetik, die Kybernetik und andere Bezugswissenschaften von Bedeutung sind. Zusätzlich wird bei jeder Publikation unter dem Stichwort „Standorte“ mit den Kürzeln der EKA-Länderorganisationen und der RedakteurInnen angegeben, wo sie vorhanden und gegebenenfalls auszuleihen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine bibliografische Liste von Fachartikeln aus verschiedenen Fachzeitschriften, von Studien der Wirkungsforschung und von Hochschularbeiten zur Kinästhetik findet sich im Artikel [[Fachartikel, Studien und Hochschularbeiten]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ashby, W. Ross  (1985):&#039;&#039;&#039; Einführung in die Kybernetik. Übersetzt von Jörg Adrian Huber. 2. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. ISBN 978-3-518-27634-1.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1974.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Originalausgabe (1956): An Introduction to Cybernetics. London: Chapman &amp;amp; Hall.&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Asmussen-Clausen, Maren (2009):&#039;&#039;&#039; Praxisbuch Kinaesthetics. Erfahrungen zur individuellen Bewegungsunterstützung auf Basis der Kinästhetik. 2. Auflage. München, Jena: Elsevier, Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-27570-8.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2006.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;American Society for Cybernetics (2021)&#039;&#039;&#039;, Washington USA. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://asc-cybernetics.org/foundations/history/MacySummary.htm&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Zugriff 3.12.2021)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Baecker, Dirk (Hg.) (2016): &#039;&#039;&#039; Schlüsselwerke der Systemtheorie. 2., erweiterte und neu gestaltete Auflage. Wiesbaden: Springer VS. ISBN 978-3-531-20003-3. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2005.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bateson, Gregory (1979):&#039;&#039;&#039; Mind And Nature. A Necessary Unity. New York: E. P. Dutton. ISBN 0-525-15590-2. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bateson, Gregory (2014): &#039;&#039;&#039; Geist und Natur. Eine notwendige Einheit. Übersetzt von Hans Günter Holl. 10. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 691). ISBN 978-3-518-28291-3. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1987. Erstausgabe: 1982. Frankfurt a. M.: Suhrkamp (ISBN 978-3-518-57603-8).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Originalausgabe: vgl. Bateson, Gregory (1979)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bateson, Gregory (2017): &#039;&#039;&#039; Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische, biologische und epistemologische Perspektiven. Übersetzt von Hans Günter Holl. 12. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. ISBN 978-3-518-28171-0. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1985. Erstausgabe: 1981. Frankfurt a. M.: Suhrkamp (ISBN 978-3-518-07539-5).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Originalausgabe (1972): Steps to an Ecology of Mind, Collected Essays in Anthropology, Psychiatry, Evolution and Epistemology. Copyright © 1972 by Chandler Publishing Company.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bateson, Gregory; Bateson, Mary C. (2005): &#039;&#039;&#039; Wo Engel zögern. Unterwegs zu einer Epistemologie des Heiligen. Übersetzt von Hans-Ulrich Möhring. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1769). ISBN 978-3-518-29369-0. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1993. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Originalausgabe (1987): Angels Fear. Towards an Epistomology oft he Sacred. New York: Macmillan Publishing Company. © by the Estate of Gregory Bateson and Mary Catherine Bateson.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bateson, Nora (2010):&#039;&#039;&#039; An Ecology of Mind. A Daughter’s Portrait of Gregory Bateson. DVD (Englisch, Dolby Digital 2.0, 1.77:1 (16:9), 60 Minuten). Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch. Köln: Mindjazz pictures. EAN 4042564055467.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Berghaus, Margot (2011):&#039;&#039;&#039; Luhmann leicht gemacht. Eine Einführung in die Systemtheorie. 3., überarbeitete und ergänzte Auflage. Köln: Böhlau. ISBN 978-3-8252-2360-1. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2001 &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2007&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2012&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Ed.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Apprendimento e competenza di movimento. Responsabile delle traduzioni: Beate Scheidegger, Sara Pascal. Linz, Winterthur: Editore European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-17-8.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Prima edizione: 2012&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kybernetik und Kinästhetik. Unter Mitarbeit von Stefan Marty-Teuber und Stefan Knobel. Linz, Winterthur, Siebnen: Verlag European Kinaesthetics Association, verlag lebensqualität. ISBN 978-3-903180-22-2 (Verlag European Kinaesthetics Association), ISBN 978-3-906888-02-6 (verlag lebensqualität).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik und Frühmobilisation. Themenbroschüre. Für Fachpersonen aus dem ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Bereich. Unter Mitarbeit von Caroline Rüttimann Remund, Andrea Wildi Wyss, Hubert Zimmermann, Stefan Marty-Teuber und des Fachnetzwerks Akutpflege/Intensivpflege (Kinaesthetics Schweiz). Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903350-02-1.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; European Kinaesthetics Association (Hg.) (2022) &#039;&#039;&#039;: Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen. Arbeitsunterlagen. Unter Mitarbeit von Franziska Gysin, Christine Grasberger, Brigitte Marty-Teuber, Stefan Marty-Teuber, Sabine Siemann, Erich Weidmann. Linz (AT), Winterthur (CH): Verlag European Kinaesthetics Association. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; European Kinaesthetics Association (Hg.) (2022) &#039;&#039;&#039;: Aufbaumodul Demenz 3: Die eigene Orientierung suchen. Arbeitsunterlagen. Unter Mitarbeit von Franziska Gysin, Christine Grasberger, Brigitte Marty-Teuber, Stefan Marty-Teuber, Sabine Siemann, Erich Weidmann. Linz (AT), Winterthur (CH): Verlag European Kinaesthetics Association. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Flechtner, Hans-Joachim (1984): &#039;&#039;&#039; Grundbegriffe der Kybernetik. Eine Einführung. München: dtv Deutscher Taschenbuch-Verlag (dtv Wissenschaft 4422). ISBN 978-3-423-04422-6. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Erstausgabe: 1966. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Foerster, Heinz von (1985): &#039;&#039;&#039; Sicht und Einsicht. Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie. Autorisierte deutsche Fassung von Wolfram K. Köck. Braunschweig, Wiesbaden: Vieweg (Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie 21). ISBN 978-3-528-08468-4. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Foerster, Heinz von (1999): &#039;&#039;&#039; Sicht und Einsicht. Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie. Autorisierte deutsche Fassung von Wolfram K. Köck. Heidelberg: Carl-Auer Systeme Verlag (Reihe Konstruktivismus und systemische Denken). ISBN 978-3-528-08468-4. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Foerster, Heinz von (1999 [1993]): &#039;&#039;&#039; 2 x 2 = grün. 2 Audio-CDs (104 Minuten) + 1 Begleitbooklet. Herausgegeben von Klaus Sander. Köln: Supposé. ISBN 978-3-932513-08-4. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Foerster, Heinz von (2000): &#039;&#039;&#039; Wissen und Gewissen. Versuch einer Brücke. Herausgegeben von Siegfried J. Schmidt. Übersetzt von Wolfram Karl Köck. 5. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Verlag (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 876). ISBN 978-3-518-28476-6. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1993.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Foerster, Heinz von; Bröcker, Monika (2019): &#039;&#039;&#039; Teil der Welt. Fraktale einer Ethik – oder: Heinz von Foersters Tanz mit der Welt. Unter Mitarbeit von Georg Ivanovas. 4. Auflage. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag (Philosophie, Systemtheorie, Gesellschaft). ISBN 978-3-89670-557-0. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2002.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Foerster, Heinz von; Glasersfeld, Ernst von (2010): &#039;&#039;&#039; Wie wir uns erfinden. Eine Autobiographie des rationalen Konstruktivismus. 4. Auflage. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag (Philosophie, Systemtheorie, Gesellschaft). ISBN 978-3-89670-580-8. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1999.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Foerster, Heinz von; Pörksen, Bernhard (2019):&#039;&#039;&#039; Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker. 12. Auflage. Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg (Systemische Horizonte). ISBN 978-3-89670-646-1.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1998&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Foerster, Heinz von, u. a. (1992):&#039;&#039;&#039; Einführung in den Konstruktivismus. Beiträge von Heinz von Foerster, Ernst von Glasersfeld, Peter M. Hejl, Siegfried J. Schmidt, Paul Watzlawick. München, Zürich: Piper (Veröffentlichungen der Carl Friedrich von Siemens Stiftung. Herausgegeben von Heinz Gumin und Heinrich Meier. Band 5. Serie Piper 1165). ISBN 978-3-492-11165-2.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
© 1985 München: R. Oldenbourg Verlag.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fringer, André (Hg.) (2016):&#039;&#039;&#039; Palliative Versorgung in der Langzeitpflege. Entwicklungen, Möglichkeiten und Aspekte der Qualität. Bern: Hogrefe. ISBN 978-3-456-85619-3.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95619-0.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fromm, Erich (2015): &#039;&#039;&#039; Vom Haben zum Sein. Wege und Irrwege der Selbsterfahrung. Herausgegeben von Rainer Funk. 8. Auflage. [Berlin]: Ullstein. ISBN 978-3-548-36775-0. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2005. Erstausgabe: 1989. Weinheim, Basel: Beltz (ISBN 978-3-407-85601-2).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fürniß, Silke (2017):&#039;&#039;&#039; Die Reise in meinen Körper. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2017, Nr. 3 S. 28–33.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: zilu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gattinger, Heidrun (2017):&#039;&#039;&#039; Development and Evaluation of Two Instruments to Assess Nursing Staff’s Competence in Mobility Care Based on Kinaesthetics (Annales Universitatis Turkuensis, ser. D 1310). PhD Thesis. University of Turku, Turku. ISBN 978-951-29-6978-4 (Print), ISBN 978-951-29-6979-1 (PDF).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glasersfeld, Ernst von (1987):&#039;&#039;&#039; Wissen, Sprache und Wirklichkeit. Arbeiten zum radikalen Konstruktivismus. Autorisierte deutsche Fassung von Wolfram K. Köck. Wiesbaden: Teubner (Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie. Band 24). ISBN 978-3-528-08598-8.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glasersfeld, Ernst von (2013):&#039;&#039;&#039; Wege des Wissens. Konstruktivistische Erkundungen durch unser Denken. Herausgegeben von Hans Rudi Fischer. 2., korrigierte Auflage. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag (Systemische Horizonte). ISBN 978-3-89670-888-5.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1996.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glasersfeld, Ernst von (2011): &#039;&#039;&#039; Radikaler Konstruktivismus. Ideen, Ergebnisse, Probleme. Übersetzt von Wolfram Karl Köck. 7. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1326). ISBN 978-3-518-28926-6. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1997.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Originalausgabe (1995): Radical constructivism. A Way of Knowing and Learning. London: The Falmer Press.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glasersfeld, Ernst von (2005):&#039;&#039;&#039; Zwischen den Sprachen. Eine persönliche Geschichte des Radikalen Konstruktivismus. Audio-CD (Deutsch, 67 Minuten). Konzeption und Regie: Klaus Sander. Köln: Supposé. ISBN 978-3-932513-63-3.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny (2003):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten. Übersetzung: Ute Villwock, Elisabeth Brock. 2., komplett überarbeitete Auflage. München, Jena: Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-31467-4.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1999 (Wiesbaden: Ullstein Medical)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny (1999):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Gesundheitsentwicklung und Menschliche Funktionen. Übersetzung: Ute Villwock. Wiesbaden: Ullstein Medical. ISBN 3-86126-637-7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hatch, Frank; Maietta, Lenny; Schmidt, Suzanne (1996):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Pflege. Übersetzung: Ina Citron. 4. Auflage. Eschborn: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe. ISBN 3-927944-02-5.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 1992&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hejl, Peter u. a. (2015):&#039;&#039;&#039; Einführung in den Konstruktivismus. Beiträge von Heinz von Foerster, Ernst von Glasersfeld, Peter M. Hejl, Siegfried J. Schmidt, Paul Watzlawick. 15. Auflage. München, Berlin, Zürich: Piper (Piper 1165. Veröffentlichungen der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Band 5). ISBN 978-3-492-21165-9.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: © 1985 R. Oldenbourg Verlag, München.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Höppner, Gundula; Lilienkamp, Michael (2007):&#039;&#039;&#039; Vom Für zum Mit. In: lebensqualität. Das Journal für Kinaesthetics. 2007, Nr. 4. Siebnen: verlag lebensqualität. S. 10–15.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: zilu,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Huth, Martina; Smith, Thomas (2007): &#039;&#039;&#039; Ich bewege, also bin ich. Verhaltenskybernetik als Vorreiter für Kinaesthetics. In: Lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2017, Nr. 2. Siebnen: verlag lebensqualität.S. 4–8.  &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hutterer, Robert (1998):&#039;&#039;&#039; Das Paradigma der Humanistischen Psychologie. Entwicklung, Ideengeschichte und Produktivität. Wien. Springer Psychotherapie. ISBN 3-211-82944-X &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: BOAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== I ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;I Ging. Das Buch der Wandlungen.&#039;&#039;&#039; In der Originalübersetzung von Richard Wilhelm. 8., ergänzte Auflage 2017. Wiesbaden: Marix. ISBN 978-3-937715-08-7.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: rejo, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== J ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== K ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karwowski, Waldemar (Hg.) (2006): &#039;&#039;&#039; International Encyclopedia of Ergonomics and Human Factors. Second Edition, 3 Volume Set. Boca Raton: CRC Press.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kinaesthetics Schweiz (Hg.) (2022):&#039;&#039;&#039; SpezialistIn für angewandte Kinästhetik. Berufsprüfung. Unter Mitarbeit von Brigitte Marty-Teuber und Stefan Marty-Teuber. Winterthur: Kinaesthetics Schweiz. Ohne ISBN.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KinCH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Knobel, Stefan (2012): Stabilität – Instabilität. Spielt die Welt verrückt?&#039;&#039;&#039; In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2012, Nr. 2. S. 4–8.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: rejo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== L ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lau, Felix (2008):&#039;&#039;&#039; Die Form der Paradoxie. Eine Einführung in die Mathematik und Philosophie der „Laws of Forms“ von G. Spencer Brown. 3. Auflage. Verlag für Systemische Forschung im Carl-Auer Verlag. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme. ISBN 978-3-89670-352-1. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2005 &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Luhmann, Niklas (2017):&#039;&#039;&#039; Einführung in die Systemtheorie. Herausgegeben von Dirk Baecker. 7. Auflage. Systemische Horizonte. Heidelberg: Carl-Auer Verlag. ISBN 978-3-89670-839-7. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2002 &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lutterer, Wolfram (2000): &#039;&#039;&#039; Auf den Spuren ökologischen Bewußtseins. Eine Analyse des Gesamtwerks von Gregory Bateson. Freiburg i. Br.: W. Lutterer. zugl.: Freiburg (Breisgau), Univ.-Diss. 1999. Herstellung und Vertrieb: Libri Books on Demand, Norderstedt. ISBN 978-3-89811-699-2. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2002.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lutterer, Wolfram (2009): &#039;&#039;&#039; Gregory Bateson – Eine Einführung in sein Denken. 2., erweiterte Auflage. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag. ISBN 978-3-89670-717-8. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2002.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lutterer, Wolfram (2011):&#039;&#039;&#039; Der Prozess des Lernens. Eine Synthese der Lerntheorien von Jean Piaget und Gregory Bateson. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft. ISBN 978-3-938808-86-3.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== M ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2004&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (1991):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik in der Krankenpflege. Arbeitsbuch Grundkurs. Übersetzt von Ina Citron.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
© 1991 Copyright Maietta-Hatch-Inc.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: rejo, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mathis, Thomas; Marty, Brigitte (2000): &#039;&#039;&#039; Ermöglichen statt Behindern. Ein Lern- und Interaktionsmodell.  DVD (ca. 30 Minuten). Siebnen: LaRete GmbH. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Marty-Teuber, Stefan (2011): &#039;&#039;&#039; Kybernetik: Von der Steuermannskunst zum Cybernet. In: Lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. Nr. 2 (2011), S. 42. Siebnen: verlag lebensqualität. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Marty-Teuber, Stefan (2011): &#039;&#039;&#039; Kinaesthetics: Vom sechsten Sinn zum Kino. In: Lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. Nr. 3 (2011), S. 38–40. Siebnen: verlag lebensqualität. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; Maturana, Humberto R. (1970): &#039;&#039;&#039; Neurophysiology of Cognition. In: P. L. Garvin (ed.): Cognition: A Multiple View. New York: Spartan Books. ISBN ‎978-0-876-71703-5. S. 3–23.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R. (2008): &#039;&#039;&#039; Biologie der Realität. Übersetzung: Wolfram Köck. 3. Auflage. Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 1502. Frankfurt am Main: Suhrkamp. ISBN 978-3-518-29102-3.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2000 &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1998 &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Pörksen, Bernhard (2018):&#039;&#039;&#039; Vom Sein zum Tun. Die Ursprünge der Biologie des Erkennens. 4. Auflage. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag (Systemische Horizonte). ISBN 978-3-8497-0249-6.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2002&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (2015):&#039;&#039;&#039; Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Aus dem Spanischen von Kurt Ludewig in Zusammenarbeit mit dem Institut für systemische Studien e. V. in Hamburg. 6. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag (Fischer Taschenbücher 17855). ISBN 978-3-596-17855-1.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
© 1987 Bern, München, Wien: Scherz Verlag.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Originalausgabe (1984): El árbol del conocimiento. Las bases biológicas del entendimiento humano. Santiago: Editorial Universitaria.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Müller, Albert (2000):&#039;&#039;&#039; Eine kurze Geschichte des BCL. Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 11 (1): 9-30. &amp;lt;https://www.univie.ac.at/constructivism/papers/mueller/mueller00-bcl.html&amp;gt; (Zugriff 16.1.2022)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== N ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== O ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== P ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Pias, Claus (Hg.) (2003): &#039;&#039;&#039; Cybernetics/Kybernetik. The Macy-Conferences 1946–1953. Volume I. Transactions. Band I. Protokolle. Zürich, Berlin: Diaphanes. ISBN 3-935-30035-2. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Pias, Claus (Hg.) (2004): &#039;&#039;&#039; Cybernetics/Kybernetik. The Macy-Conferences 1946–1953. Volume II. Essays and Documents. Band II. Essays und Dokumente. Zürich, Berlin: Diaphanes. ISBN 3-935-30036-0. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Popper, Karl R. (2016):&#039;&#039;&#039; Die Welt des Parmenides. Der Ursprung des europäischen Denkens. Herausgegeben von Arne Petersen … [et. al.]. München: Piper. ISBN 978-3-492-24071.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: rejo, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Pörksen, Bernhard (2019): &#039;&#039;&#039; Die Gewissheit der Ungewissheit. Gespräche zum Konstruktivismus. Mit Heinz von Foerster [u. a.]. 4. Auflage. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag (Systemische Horizonte). ISBN 978-3-8497-0285-4. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2002.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Pörksen, Bernhard (Hg.) (2015):&#039;&#039;&#039; Schlüsselwerke des Konstruktivismus. Mit einem Nachwort von Siegfried J. Schmidt. 2., erweiterte Auflage. Wiesbaden: Springer VS. ISBN 978-3-531-19974-0.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DOI: 10.1007/978-3-531-19975-7. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2011.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Q ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== R ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Reichle, Franz (2005): &#039;&#039;&#039; Monte Grande. Francisco Varela. DVD (Englisch und Deutsch, DVD-9, NTSC, 16:9, 80 Minuten). Untertitel: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Griechisch. 2 Stunden zusätzliche Interviews mit englischen und deutschen Untertiteln. Zürich: Franz Reichle und T&amp;amp;C Film. ISAN: 0000-0000-CDF1-0000-0-0000-0000-3. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== S ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Scharper, Michael (2008): &#039;&#039;&#039; GEO Epoche. Industrielle Revolution. Das Magazin für Geschichte Nr. 30, 04/08. Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Scheffer, Marten; Westley, Francis R. (2007):&#039;&#039;&#039; The Evolutionary Basis of Rigidity: Locks in Cells, Minds and Society. In: Ecology and Society 12(2): 36. http://www.ecologyandsociety.org/vol12/iss2/art36/ (Zugriff: 22.08.2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Smith, Karl U. (1965): &#039;&#039;&#039; Behavior Organization and Work. Madison: College Printing. Ohne ISBN. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Smith, Karl U. (1974): &#039;&#039;&#039; Industrial Social Cybernetics. Madison: Behavioral Cybernetics Laboratory, University of Wisconsin. Ohne ISBN. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Smith, Karl U. (1979): &#039;&#039;&#039; Human Factors and Systems Principles for Occupational Safety and Health. Cincinnati: National Institute of Occupational Safety and Health. Ohne ISBN.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Smith, Karl U.; Foltz Smith, Margaret (1966): &#039;&#039;&#039; Cybernetic Principles of Learning and Educational Design. New York: Holt, Rinehart and Winston Inc. ISBN 978-0-03-051270-4. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Smith, Karl U.; Schiamberg, Larry (1973): &#039;&#039;&#039; The Human social Yoke: A Parents Guide to Early Childhood Eduction. The Infraschool. Madison: University of Wisconsin. Ohne ISBN. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Smith, Karl U.; Smith, Margaret F. (1973):&#039;&#039;&#039; Psychology. An Introduction to Behavior Science. Boston: Little, Brown and Company. Ohne ISBN.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: mast, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Smith, Karl U.; Smith, William M. (1958): &#039;&#039;&#039; The Behavior of Man. Introduction to Psychology. New York: Holt, Rinehart and Winston Inc. Ohne ISBN. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Smith, Karl U.; Smith, William M. (1962): &#039;&#039;&#039; Perception and Motion. An Analysis of Space-Structured Behavior. Philadelphia: W. B. Saunders Company. Ohne ISBN. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Smith, Karl U.; Smith, William M. (1962): &#039;&#039;&#039; Delayed Sensory Feedback and Behavior. Philadelphia: W. B. Saunder Company. Ohne ISBN. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schönwälder-Kuntze, Tatjana; Wille, Katrin; Hölscher, Thomas (2009):&#039;&#039;&#039; George Spencer Brown. Eine Einführung in die „Laws of Form“. 2., überarbeitete Auflage. Wiesbaden: VS, Verlag für Sozialwissenschaften. ISBN 978-3-531-16105-1.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2004.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== T ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== U ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== V ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Varela, Francisco J.; Rosch, Eleanor; Thompson, Evan (1992):&#039;&#039;&#039; Der Mittlere Weg der Erkenntnis. Die Beziehung von Ich und Welt in der Kognitionswissenschaft. Der Brückenschlag zwischen wissenschaftlicher Theorie und menschlicher Erfahrung. Übersetzt von Hans Günter Holl. Bern, München, Wien: Scherz Verlag. ISBN 3-502-13750-1.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Originalausgabe (1991): The Embodied Mind. Cambridge: Massachusetts Institute of Technology.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KinCH, mast&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Varela, Francisco J.; Shear, Jonathan (1999): &#039;&#039;&#039; First-Person Methodologies: What, Why, How? In: Journal of Consciousness Studies 6, No 2–3, S. 1–14. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Ohne ISBN.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachdruck 2009.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (2011): &#039;&#039;&#039; Kinästhetik Bulletin Nr. 1–24, 1980–1996. Nachdruck. Siebnen: verlag lebensqualität. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH, mast,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== W ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Watzlawick, Paul (2016): &#039;&#039;&#039; Man kann nicht nicht kommunizieren. Das Lesebuch. Zusammengestellt von Trude Trunk und mit einem Nachwort von Friedemann Schulz von Thun. 2., unveränderte Auflage. Bern: Hogrefe, vorm. Hans Huber. ISBN 978-3-456-85600-1. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Auflage: 2011.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wiener, Norbert (1992): &#039;&#039;&#039; Kybernetik – Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine. Übersetzt von E. H. Serr unter Mitarbeit von E. Henze. Düsseldorf, Wien, New York, Moskau: ECON-Verlag. ISBN 978-3-430-19652-9.&amp;lt;br&amp;gt; &#039;&#039;Übersetzung der englischen zweiten Auflage von 1961; enthält die Übersetzung der ersten Auflage von 1948. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;Originalausgabe (1948): Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine. MIT Press.&amp;lt;br&amp;gt;Standorte: mast&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wiener, Norbert (Verfasser); Trawny, Peter (Herausgeber) (2022): &#039;&#039;&#039; Mensch und Menschmaschine. Autorisierte Übersetzung aus dem Amerikanischen von Gertrud Walther. E-Book, 1. Auflage. Frankfurt a. M.: Vittorio Klostermannn GmbH. ISBN 978-3-465-14599-8.&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;Erscheint auch als Druckausgabe: Frankfurt a. M., Bonn: Athenäum. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;Originalausgabe (1950): The Human Use of Human Beings – Cybernetics and Society. Riverside Press.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wiener, Norbert (1962): &#039;&#039;&#039; Mathematik – mein Leben. Aus dem Amerikanischen übertragen von Wather Schwerdtfeger. Düsseldorf, Wien: ECON-Verlag. Ohne ISBN. Standorte: mast &amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039; Ebenso Fischer Taschenbuch 668 (1965), „Ich und die Kybernetik“, Goldmann Taschenbuch 2830, ISBN 3-442-02830-2 (1971); Standorte: mast.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Originalausgabe (1956): I am a Mathematician. London: Gollancz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wiener, Norbert (2001): &#039;&#039;&#039; Futurum exactum. Ausgewählte Schriften zur Kybernetik und Kommunikationstheorie. Übersetzt von C. Kassung. Herausgegeben von Bernhard Dotzler. Wien, New York: Springer. ISBN 978-3-211-83467-1. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Originalausgabe der Beiträge von Norbert Wiener: Norbert Wiener. Collected Works with Commentaries. © MIT Press 1976 and 1985. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Standorte: KINCH,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== X ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Y ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Z ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=5723</id>
		<title>Kinaesthetics-Online-Fachlexikon</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Kinaesthetics-Online-Fachlexikon&amp;diff=5723"/>
		<updated>2025-05-28T15:49:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 10px #FF4500;background-color:wheat;&amp;quot; colspan=&amp;quot;2&amp;quot; |&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Das [[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon|Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL)]] wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Schon gewusst?&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &amp;lt;big&amp;gt;Zellteilung/Neuroplastizität&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;[[Gesundheitsentwicklung]] hängt eng mit der Fähigkeit der Zellteilung zusammen. Ein durchschnittlicher Mann hat rund 36 Billionen Zellen, eine Frau etwa 28 Billionen. Die meisten dieser Zellen sind Blutzellen. Doch nicht nur die Zahl, sondern auch die Zellgröße spielt eine wichtige Rolle. Muskel- und Fettzellen haben den größten Anteil an der Körpermasse. Die Erneuerung des Körpers bzw. die Gesundheit entwickeln sich durch fortlaufende Zellteilung. Haut- und Darmzellen erneuern sich alle paar Tage bzw. Wochen. Eine Rundumerneuerung haben wir alle sieben bis zehn Jahre. Nervenzellen hingegen haben nur eine begrenzte Regenerationsfähigkeit, jedoch sind sie in der Lage, sich neu zu strukturieren, und können sich an Gegebenheiten anzupassen. Diesen Vorgang nennt man &#039;&#039;&#039;Neuroplastizität&#039;&#039;&#039;. Man kann zwischen intrinsischer Plastizität (Abstimmung der Sensibilitätsreaktion in Bezug auf Signale benachbarter Neuronen) und synaptischer Plastizität unterscheiden. Letztere betrifft funktionell die Verbindung der Nervenzellen durch Freisetzungsänderung und Modulation der Transmittersubstanz so wie Organisation und Anzahl der Synapsen im strukturellen Sinne.&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bedeutende Personen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Humberto Augusto Gastón Maturana Romesín&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Humberto Maturana (Romesín), (* 14. September 1928, † 6. Mai 2021 in Santiago de Chile) war Biologe und Philosoph. Sein Schwerpunkt lag in der Neurobiologie. Er studierte Medizin, Biologie/Anatomie in Chile, London und in den USA. Mit einem Postdoc-Stipendium forschte er am Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) über das Auge und insbesondere den blinden Fleck, was ihn zu erkenntnistheoretischen Fragen brachte. An der Universidad de Chile lehrte er Biologie an der medizinischen Fakultät und spezialisierte sich dort u. a. auf die Frage, auf welchen Grundlagen lebende und nicht-lebende Systeme unterschieden werden können.&lt;br /&gt;
In enger Zusammenarbeit schufen Maturana und Francisco J. Varela die wissenschaftliche Theorie der [[Autopoiese (Autopoiesis)]]. In ihrem Buch „Der Baum der Erkenntnis”  beschreiben die beiden dieses Konzept und z. B. die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“|Geschlossenheit]] von Lebewesen in Bezug auf Operation und Information. Autopoiese als die zentrale Eigenschaft von Lebewesen bedeutet, dass jedes Lebewesen sich fortlaufend einzig und allein aus sich selbst heraus erschafft, von der molekularen und zellulären Ebene bis hin zu derjenigen des ganzen Organismus. Maturana und Varela weiten diesen Theoriekern zu einer systemisch-biologischen Erkenntnistheorie aus. Sie lässt sich in der Aussage &#039;&#039;„Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun“&#039;&#039; zusammenfassen. Maturanas Interesse an interdisziplinärem Denken zeigt sich auch darin, dass er in Santiago de Chile das Instituto Matríztica („Matrix-Institut“) gründete. In einer engen Verflechtung kultureller und biologischer Perspektiven kann man sich dort bis heute mit der Biologie der Erkenntnis, der Liebe oder dem Weg zu einer Gesellschaft mit Gleichberechtigung und Inklusion auseinandersetzen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:orange; colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Meistgelesene Artikel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Hier findest du eine Rangliste der Artikel, die am meisten aufgerufen worden sind (Stand Oktober 2024)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
# [[Heinz von Foerster]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Wahrnehmung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Literatur und Medien]] &lt;br /&gt;
# [[Orientierung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Bewegungserfahrung]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[Spastik‏‎]] &lt;br /&gt;
# [[Knochen und Muskeln]]‏‎ &lt;br /&gt;
# [[‏Viabilität]]&lt;br /&gt;
# [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]‏‎‎‏‎&lt;br /&gt;
#[[Stabil und instabil]]‏‎&lt;br /&gt;
[[Spezial:Beliebteste_Seiten|Mehr erfahren]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 90%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF; &amp;quot;colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|[[Datei:1992-Hatch-Maietta-Schmidt-Titelseite.jpg|200px|rechts]]&#039;&#039;&#039;Bemerkenswerte Ereignisse&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;1992 – die öffentliche Geburtsstunde der Kinästhetik in der Pflege&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Das 16. Kinästhetik-Bulletin von Januar 1990 ist eine Sonderausgabe der damaligen Fachzeitschrift. Sie stellt die erste umfassende Beschreibung des Fachgebiets Kinästhetik dar. In dieser wird nach einem theoretischen Teil ein breites Spektrum von Anwendungsbereichen erläutert. Im Jahr 1992 erschien das erste öffentliche Fachbuch „Kinästhetik – Interaktion durch Berührung und Bewegung in der Krankenpflege“ im Verlag Krankenpflege, Eschborn. In diesem ca. 190-seitigen Werk mit einem Vorwort von SR. Liliane Juchli beschränken sich die AutorInnen Frank Hatch, Lenny Maietta und Suzanne Schmidt auf den Anwendungsbereich der Pflege. Es stellt die Geburtsstunde der heutigen Etablierung und breiten Verankerung der Kinästhetik in der Pflege dar. Der Ansatz des Buches ist präventions- und ressourcenorientiert und auf Anwendung und Transfers ausgerichtet. In der vierten Auflage von 1996 erscheinen die „Prinzipien“, d. h., die heutigen Konzepte, bereits in der aktuellen Reihenfolge – ohne Zweifel ist das Buch ein Meilenstein der Geschichte der Kinästhetik.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 50%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Zuletzt erschienene Artikel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Erfahren (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-left:solid 5px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:#FFD700; colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Mach mit!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Du hast viele Möglichkeiten, die Entwicklung des KOFL zu unterstützen.&lt;br /&gt;
* Nur schon, wenn du das KOFL nutzt und Artikel liest, hilfst du dem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] zu erkennen, welche Themen auf besonderes Interesse stoßen bzw. in welchem Themenkreis weitere Artikel publizienswert sind.&lt;br /&gt;
* Diskutiere mit! Jeder Artikel im KOFL hat eine Diskussionsseite. Wenn du einen interessanten Hinweis hast, Aussagen schlecht verstehst oder mit ihnen nicht einverstanden bist, hinterlasse eine Notiz auf der Diskussionsseite – dein Beitrag muss nicht geschliffen daherkommen, sondern nur verständlich sein.&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Autopoiese_(Autopoiesis)&amp;diff=5562</id>
		<title>Autopoiese (Autopoiesis)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Autopoiese_(Autopoiesis)&amp;diff=5562"/>
		<updated>2025-01-30T11:47:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: /* Autopoiese (Autopoiesis) bei Maturana/Varela */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das erste Kapitel dieses Artikels ist mit Fachliteratur angelegt. Sie thematisiert auf der Grundlage der Autopoiese die Autonomie der Verhaltensregulation und die operative und informationelle Geschlossenheit von Lebewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach wird die Bedeutung des Begriffs Autopoiese (Autopoiesis) bei Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela sowie bei Niklas Luhmann behandelt. Die Darstellung beruht zuerst auf dem von Maturana/Varela gemeinsam verfassten Buch „Der Baum der Erkenntnis“. Sie zeigt die grundsätzliche Bedeutung der Autopoiese, der Selbsterzeugung, als Merkmal des Lebendigen und ihre enge Verbundenheit mit dem Begriff Autonomie auf. Dann werden autopoietische Einheiten erster und zweiter Ordnung thematisiert und schließlich strukturelle Koppelungen dritter Ordnung bzw. soziale Phänomene. Danach wird die Autopoiesis bei Luhmann und die Kritik Maturanas an seiner Übertragung des Begriffs auf gesellschaftliche und ökonomische Phänomene dargestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend wird das Thema kommentiert und ausgewertet sowie insbesondere auf die Verwendung des Begriffs [[Interaktion]] bei Maturana/Varela eingegangen. Diese unterscheidet sich von der in der Kinästhetik aktuellen Betrachtungsweise. Nach Hinweisen auf weiterführende Literatur und KOFL-Artikel folgen zum Schluss Angaben zur Herkunft und Bedeutung des Begriffs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Autopoiese in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ ==&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Andreas Borrmann/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Das Zitat ist in das vierte Kapitel „Theoretische Grundlagen des Fachgebiets Kinästhetik“ eingebettet. Die vorausgehenden Unterkapitel sind „4.3. Zirkuläre Selbstregulationsprozesse als Grundlage des menschlichen Verhaltens“ und „4.4. Geschlossenheit und Individualität der Wahrnehmung“. Das Zitat ist der Text des fünften Unterkapitels „Autonomie der Verhaltenssteuerung“.&lt;br /&gt;
: [[Datei:Stemm person.jpg|mini|links]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Stemm schrank.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;br clear=all&amp;gt;„&amp;lt;big&amp;gt;4.5. Autonomie der Verhaltenssteuerung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Das in Kapitel 4.3. dargestellte Erklärungsmodell der Selbstregulation bedeutet gleichermaßen, dass Lebewesen ihr Verhalten immer selbst und von innen heraus steuern. Wie sich ein anderer Mensch als Individuum an unser Verhalten anpasst und auf es reagiert, können wir grundsätzlich von außen nicht steuern oder bestimmen. Unser Verhalten kann die Körperspannung eines anderen Menschen zwar beeinflussen, aber in jedem Moment reguliert nur er selbst diese von innen heraus. Lebewesen sind in diesem Sinne als autonom (griechisch, ‚eigengesetzlich‘) zu betrachten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; Was damit gemeint ist, lässt sich an einem wesentlichen Unterschied zwischen der belebten und der unbelebten Natur zeigen: Wenn Sie mit Ihrem Fuß einen Stein treten, bestimmt – unter anderen bekannten und berechenbaren Faktoren – die Energie dieses Trittes seine Reaktion und er wird mehr oder weniger weit davonkullern. Wenn Sie einen Menschen oder einen Hund treten, beruht seine Reaktion auf diese ‚Störung‘ wesentlich auf ihm selbst und ist nicht vorhersagbar. Der Hund wird vielleicht davonrennen, möglicherweise schnappt er aber auch nach Ihrem Fuß. Oder mit einem anderen Beispiel ausgedrückt: Sie können einen Menschen nicht wie einen Kleiderschrank von A nach B bewegen (vgl. Karikatur oben).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; In wissenschaftlicher Sprache kann man hier von einer &#039;&#039;&#039;Autopoiese&#039;&#039;&#039; (griechisch, ‚Selbsterschaffung‘, vgl. Infobox) oder operationalen Geschlossenheit im übertragenen Sinn sprechen. Diese Ausdrücke bezeichnen grundsätzlich die Tatsache, dass Lebewesen die Bestandteile, aus denen sie bestehen, fortlaufend nur aus sich selbst heraus produzieren. Bezüglich dieser Operationen ist das System ‚Lebewesen‘ geschlossen. Im obigen Beispiel gilt das Gleiche im übertragenen Sinn für die Operationen bzw. das Verhalten des Menschen, der einen Fußtritt bekommt: Seine Reaktion wird wesentlich von ihm selbst bestimmt.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Text der zugehörigen Infobox &#039;&#039;&#039;„Autopoiese: Die Geschlossenheit von Lebewesen in Bezug auf Operation und Information“&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Die beiden Neurobiologen H. Maturana (*1928) und F. J. Varela (1946–2001) beschreiben aufgrund ihrer Forschungen die Autopoiese als die zentrale Eigenschaft von Lebewesen (Maturana; Varela 2015). Sie meinen damit, dass jedes Lebewesen sich fortlaufend einzig und allein aus sich selbst heraus erschafft, von der molekularen und zellulären Ebene bis hin zu derjenigen des ganzen Organismus. Lebewesen sind in diesem Sinne operativ geschlossen und autonom. Entsprechend kann die Art und Weise, wie sich Lebewesen Informationen über ihre Umgebung verschaffen, nicht so beschrieben werden, dass sich bestimmte Reize der Umgebung direkt im Gehirn abbilden. Auch hier sind Lebewesen autonom, produzieren und ‚errechnen/konstruieren‘ fortlaufend ihre individuelle Welt. Im Wissenschaftsbetrieb entwickelte sich aufbauend auf diesen Beschreibungen z. B. der Konstruktivismus.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 47.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Autopoiese (Autopoiesis) bei Maturana/Varela ==&lt;br /&gt;
{{Infobox|vorläufig abgeschlossen|Stefan Marty-Teuber/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
=== Autopoiese (Selbsterzeugung) als Kriterium des Lebendigen ===&lt;br /&gt;
In ihrem gemeinsam verfassten Buch „Der Baum der Erkenntnis“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (2009):&#039;&#039;&#039; Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Aus dem Spanischen von Kurt Ludewig in Zusammenarbeit mit dem Institut für systemische Studien e. V. in Hamburg. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag (Fischer Taschenbücher 17855). ISBN 978-3-596-17855-1.&amp;lt;/ref&amp;gt; führen die beiden chilenischen Neurobiologen Humberto R. Maturana (*1928) und Francisco J. Varela (1946–2001) im zweiten Kapitel mit der Überschrift „Die Organisation des Lebendigen“ den Begriff Autopoiese ein. Autopoiese ist für sie eine neue &#039;&#039;„Antwort auf die Frage nach dem Kriterium des Lebendigen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 49.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Lebewesen sind in ihren Strukturen unterschiedlich, gleichen sich aber in ihrer Organisation , d. h., in charakteristischen Relationen oder Beziehungen ihrer „Teile“, die sie als zur Klasse des Lebendigen zugehörig definieren&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gemäß den beiden Autoren ist das Eigentümliche dieser Organisation die Autopoiese, nämlich dass ein abgegrenztes System sich selbst und insbesondere seine Abgrenzung gegenüber seinem Milieu durch seine geschlossene rekursive Dynamik erzeugt und erhält. In streng wissenschaftlichem Sinn wird die autopoietische Organisation als charakteristisches Merkmal alles Lebendigen auf der Ebene der Zelle aufgezeigt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Unser Vorschlag ist, dass Lebewesen sich dadurch charakterisieren, dass sie sich – buchstäblich – andauernd selbst erzeugen. Darauf beziehen wir uns, wenn wir die sie definierende Organisation autopoietische Organisation nennen (griech. autos = selbst; poiein = machen). Im wesentlichen ist diese Organisation durch gewisse Relationen gegeben, die wir aufzählen werden und die auf der zellulären Ebene noch leicht zu verstehen sein werden.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 50 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausgezeichnete Zusammenfassung dafür, was mit Autopoiese im ursprünglichen Sinn gemeint ist, liefert Maturana an anderer Stelle (vgl. unten [[#Maturanas Kritik am Autopoiesis-Begriff von Luhmann|„Maturanas Kritik am Autopoiesis-Begriff von Luhmann“]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Autopoiese und Autonomie ===&lt;br /&gt;
Die beiden Forscher verbinden den Ansatz der Autopoiese eng mit der traditionellen &#039;&#039;„Frage nach der Autonomie des Lebendigen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 55.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Autonomie meint dabei die Fähigkeit eines Systems, &#039;&#039;„seine eigene Gesetzlichkeit beziehungsweise das ihm Eigene zu spezifizieren“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 55.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Verständlich wird diese Autonomie durch das Verständnis der Organisation, die Lebewesen als Einheiten definiert. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Dies ist deshalb notwendig, weil gerade die Berücksichtigung der Lebewesen als autonome Einheiten uns aufzuzeigen erlaubt, wie ihre üblicherweise als geheimnisvoll und unfaßbar angesehene Autonomie verständlich wird, wenn und indem auf ihre sie als Einheit definierende autopoietische Organisation verwiesen wird.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 56.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass Autonomie in diesem Sinn eine grundsätzliche Eigenart des Lebendigen ist, von der ein Lebewesen nicht mehr oder weniger haben kann: Jedes Lebewesen wird grundsätzlich als autonom (eigengesetzlich) betrachtet. Diese Definition der Autonomie gerät in einen Widerspruch mit der Verwendung des Begriffs im Sinn der Selbstbestimmung, die in der Soziologie oder in Lebensqualitätsmodellen gängig ist. Letztere Verwendung hat Fremdbestimmung als Gegenbegriff und erlaubt im Gegensatz zur Begriffsbestimmung bei Maturana/Varela ein Mehr oder Weniger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Autopoietische Einheiten erster und zweiter Ordnung ===&lt;br /&gt;
Mit einer naturwissenschaftlichen Argumentation erläutern Maturana und Varela die Autopoiese von Zellen als Hauptmerkmal des Lebens und bezeichnen diese als autopoietische Einheiten oder Systeme erster Ordnung (vgl. [[Autopoietische Einheiten erster Ordnung]]). Diese Grundidee übertragen sie im vierten Kapitel mit der Überschrift „Das Leben der ‚Metazeller‘“ auf vielzellige Lebensformen, sogenannte Metazeller. Sie werden als Einheiten beschrieben, die aus Zellen, also aus autopoietischen Einheiten erster Ordnung, bestehen und &#039;&#039;„in deren Struktur eng verknüpfte Zellanhäufungen zu erkennen sind“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 98.&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Bezug auf ihre Struktur wandeln sich vielzellige Lebewesen in ihrer Lebensgeschichte. Die Geschichte dieses ständigen Wandels, die sogenannte Ontogenese&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 84.&amp;lt;/ref&amp;gt;, schließt dabei in einem Zyklus immer eine Stufe ein, in der sie aus einer Zelle bestehen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Es ist offenbar, daß die Ontogenese eines Metazellers durch den Bereich der Interaktionen, der diesen als ganze Einheit kennzeichnet, bestimmt wird und nicht durch die individuellen Interaktionen der den Metazeller bildenden Zellen. In anderen Worten: Das Leben eines vielzelligen Individuums als Einheit vollzieht sich zwar im Operieren seiner Bestandteile, es ist aber nicht durch die Eigenschaften der Bestandteile bestimmt. Alle multizellulären Individuen sind jedoch Ergebnis der Teilung und Aufspaltung einer Gattung von Zellen, welche zum Zeitpunkt der Befruchtung einer einzigen Zelle oder Zygote [kursiv] entstehen, wobei diese wiederum Produkt einiger Organe oder Teile eines multizellulären Organismus ist. Würden keine neuen Individuen erzeugt, so gäbe es kein Fortbestehen der Stämme. Und dafür, daß es neue Individuen gibt, muß ihr Entstehungsbeginn auf eine [kursiv] Zelle zurückgehen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Metazeller, zu denen u. a. alle Pilze, Pflanzen, Tiere und somit der Mensch zählen, bezeichnen sie als &#039;&#039;„autopoetische Systeme zweiter Ordnung [kursiv im Originaltext]“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 98.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bewusst offen gelassen wird aufgrund der unsicheren Kenntnislage die Frage, ob Metazeller bzw. Organismen in streng wissenschaftlichem Sinn als autopoietische Einheiten verstanden werden können, die mit denjenigen erster Ordnung vergleichbar sind. &amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Aber wie können wir die Bestandteile und Relationen in einem Organismus beschreiben, so daß seine Organisation im Sinne einer molekularen Autopoiese sichtbar wird? Im Falle der Metazeller haben wir bis heute eine viel ungenauere Kenntnis der molekularen Prozesse, welche sie als den Zellen vergleichbare autopoietische Einheiten definieren könnten.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 99.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Verwiesen wird auf den engen Zusammenhang zwischen der operationalen Geschlossenheit ihrer Organisation und der Autopoiese. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Wir können aber sagen, daß sie [die Metazeller] eine operationale Geschlossenheit [kursiv] ihrer Organisation aufweisen: Ihre Identität ist durch ein Netz von dynamischen Prozessen gekennzeichnet, deren Wirkungen das Netz nicht überschreiten.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 100.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Soziale Phänomene: Koppelungen dritter Ordnung ===&lt;br /&gt;
Die Voraussetzung für vielzellige Lebensformen bzw. autopoietische Einheiten zweiter Ordnung ist, dass sich einzelne Zellen enger verbinden und Anhäufungen bilden (vgl. oben). Um solche engen Verbindungen von Zellen – sei es mit anderen Zellen oder mit dem umgebenden Milieu – zu bezeichnen, verwenden Maturana und Varela den Begriff der strukturellen Koppelung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Daß sich zwei (oder mehr) autopoietische Einheiten in ihrer Ontogenese gekoppelt haben, sagen wir, wenn ihre Interaktionen einen rekursiven [kursiv] oder sehr stabilen Charakter erlangt haben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im achten und neunten Kapitel mit den Überschriften „Die sozialen Phänomene“ und „Sprachliche Bereiche und menschliches Bewusstsein“ übertragen Maturana und Varela ihre Grundideen mit Bezugnahme auf die auf Gruppen von Organismen mit einem Nervensystem. Dabei nehmen sie explizit Bezug auf die Mechanismen autopoietischer Systeme zweiter Ordnung&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 197.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Solche Gruppen beschreiben sie als strukturelle Koppelungen dritter Ordnung durch Ko-Ontogenese. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Es ist jedoch möglich [kursiv], daß die Interaktionen zwischen Organismen im Verlauf ihrer Ontogenese einen rekursiven Charakter annehmen. Das führt notwendig zum gemeinsamen strukturellen Driften dieser Organismen: eine Ko-Ontogenese, an der die Organismen durch ihre gegenseitige strukturelle Koppelung beide beteiligt sind, wobei jeder seine Anpassung und Organisation bewahrt. Wenn dies geschieht, dann bringen die gemeinsam driftenden Organismen einen neuen phänomenologischen Bereich hervor, der besonders komplex werden kann, wenn ein Nervensystem vorhanden ist. Um die Phänomene, die aus dieser strukturellen Koppelung dritter Ordnung [kursiv] entstehen, geht es in diesem und im folgenden Kapitel.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Phänomene dieses neuen Bereichs beschreiben Maturana und Varela u. a. die Rollenverteilung von Tieren bei der Zeugung und Aufzucht von Nachkommen&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 197 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das Sozialverhalten von Insekten als &#039;&#039;„klassischen und bemerkenswertesten Fall einer so engen Koppelung dritter Ordnung“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 200.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das Fluchtverhalten, die Jagd oder die Gruppenorganisation durch vielfältige Interaktionen bei sozialen Wirbeltieren wie Antilopen, Wölfen oder Primaten&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 205 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Erwähnt werden aber auch soziale Phänomene wie Kommunikation, Kulturelles, Altruismus und Egoismus oder die Nachahmung und die Erhaltung gelernten Verhaltens&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 209 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ganze neunte Kapitel des Buches widmet sich dem sprachlichen Bereich, der bewusst von vorausgehend beschriebenen sozialen Phänomenen getrennt wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Angeborenes Verhalten ist abhängig von den Strukturen, die im Verlauf der Entwicklung des Organismus unabhängig von seiner individuellen Ontogenese entstehen. Erworbenes kommunikatives Verhalten ist abhängig von der individuellen Ontogenese des Organismus und von seiner besonderen Geschichte von sozialen Interaktionen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 223.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass für die detaillierte Beschreibung von Koppelungen dritter Ordnung bzw. von sozialen Phänomenen die Begriffe „Autopoiese/autopoietisch“ in den entsprechenden Kapiteln nicht verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Autopoiesis bei Luhmann ==&lt;br /&gt;
Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann (1927–1998) übernahm den Begriff Autopoiesis und verwendet ihn als Leitidee seiner Systemtheorie, die er als &#039;&#039;„Theorie autopoietischer, selbstreferentieller, operativ geschlossener Systeme“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Luhmann, Niklas (1997):&#039;&#039;&#039; Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft1360). ISBN 3-518-28960-8. S. 79.&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Systemtheorie gilt allgemein als epochale Wende in der Geschichte der Gesellschaftstheorie oder Soziologie. Luhmann unterscheidet hauptsächlich zwischen biologischen, psychischen und sozialen Systemen, wobei in seinem Verständnis ein einzelner Mensch oder auch eine Gruppe von Menschen kein System bildet, sondern ein Konglomerat, ein Gemisch von unterschiedlichen Typen von Systemen ist&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Berghaus, Margot (2011):&#039;&#039;&#039; Luhmann leicht gemacht. Eine Einführung in die Systemtheorie. 3., überarbeitete und ergänzte Auflage. Köln: Böhlau. ISBN 978-3-8252-2360-1. S. 32 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Systeme werden dabei nicht durch ihre Dinglichkeit, sondern durch ihre dynamischen Operationen definiert. Diese Operationen betreffen einerseits die Differenzierung der systemeigenen Umwelt und die Autopoiesis. In enger Anlehnung an die Beschreibungen von Maturana/Varela ist damit gemeint, dass ein autopoietisches System sich selbst, also das, woraus es besteht, in operativer Geschlossenheit aus dem, woraus es besteht, erzeugt und fortlaufend reproduziert.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 50–52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Luhmann ist die operative Geschlossenheit zusammen mit gleichzeitiger Offenheit gegenüber der Umwelt, die eine Grundvoraussetzung ist, ein wichtiger Aspekt autopoietischer Systeme&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 56–60.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luhmann war es bewusst, dass Maturana mit dieser Verwendung des Begriffs Autopoiese in der Soziologie nicht einverstanden war; eine Einigung konnten die beiden diesbezüglich nicht erreichen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Ich habe mit Maturana relativ lange Diskussionen darüber geführt und er hat immer gesagt, wenn man von der Autopoiesis der Kommunikation spreche, müsse man das zeigen können. […] Ich glaube, dass das keine großen Schwierigkeiten macht. […] Opposition findet man nur dort, wo Maturana es ablehnt, Kommunikationssysteme als soziale Systeme zu bezeichnen. Es gibt ein starkes emotionales Moment auf seiner Seite. Er möchte die Menschen nicht ausser Acht lassen und hat auch nicht die Beweglichkeit in soziologischen oder linguistischen Fragen, die es ihm ermöglichen würde zu sehen, wie man den Menschen wieder hineinbekommt. Er will nicht darauf verzichten, mit dem Ausdruck ‚soziale Systeme‘ konkrete Menschen zu meinen, die Gruppen bilden und dergleichen. Nur da liegt die Differenz.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Luhmann, Niklas (2017):&#039;&#039;&#039; Einführung in die Systemtheorie. Herausgegeben von Dirk Baecker. 7. Auflage. Systemische Horizonte. Heidelberg: Carl-Auer Verlag. ISBN 978-3-89670-839-7. S. 109.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Maturanas Kritik am Autopoiesis-Begriff von Luhmann ==&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Die Gewissheit der Ungewissheit“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Pörksen, Bernhard (2002):&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit der Ungewissheit. Gespräche zum Konstruktivismus. Mit Heinz von Foerster … [u. a.]. Reihe Konstruktivismus und systemisches Denken. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag. ISBN 978-3-89670-227-0.&amp;lt;/ref&amp;gt; veröffentlicht Bernhard Pörksen (*1969) verschiedene Gespräche mit namhaften Forschern zum Konstruktivismus; eines davon hat er mit Maturana geführt. In diesem wundert sich Pörksen, dass Maturana bis zum dritten Tag des Gesprächs nicht auf den Begriff Autopoiese zu sprechen gekommen ist. Darauf liefert Maturana eine Begründung in Form einer sehr schönen Zusammenfassung seines Verständnisses der Bedeutung des Begriffs.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Der Grund besteht schlicht darin, dass ich den Begriff nur dann gebrauche, wenn er nötig und angebracht ist. Autopoiesis [kursiv] bedeutet ‚Selbsterschaffung‘ und setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern autós [kursiv] (‚selbst‘) und poieín [kursiv] (‚produzieren‘ bzw. ‚erschaffen‘) zusammen. Das Konzept der Autopoiesis liefert die Antwort auf die Frage, was ein lebendes System ausmacht: Man hat in der Geschichte der Biologie behauptet, dass das Lebendige durch die Fähigkeit zur Fortpflanzung oder Fortbewegung, dass es durch eine bestimmte chemische Zusammensetzung, einen spezifischen Aspekt des Stoffwechsels oder irgendeine Kombination dieser verschiedenen Kriterien charakterisiert sei. Ich schlage dagegen ein anderes Kriterium vor. Wenn man ein lebendes System betrachtet, findet man stets ein Netzwerk von Prozessen oder Molekülen, die auf eine Weise miteinander interagieren, die ihrerseits zur Produktion von Molekülen führt, die durch ihre Interaktion ebendieses Netzwerk der Produktion von Molekülen erzeugen und in seinem Umfang begrenzen. Ein solches Netzwerk nenne ich autopoietisch. Wenn man also auf ein Netzwerk stößt, dessen Operationen es im Ergebnis selbst hervorbringen, hat man es mit einem autopoietischen System zu tun. Es produziert sich selbst. Dieses System ist für die Zufuhr von Materie offen, jedoch – wenn man die Dynamik der Beziehungen, die es hervorbringen, betrachtet – geschlossen. Kurzum, das Konzept der Autopoiesis verwende ich, um das Schlüsselmerkmal des Lebendigen zu beschreiben, das ist alles. Wenn es nicht um dieses Problem, sondern um andere Themen geht, dann gibt es aus meiner Sicht auch keinen Anlass, das Wort zu verwenden und über Autopoiese zu sprechen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 103.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach weiteren Ausführungen und Präzisierungen auf Fragen von Pörksen geht Maturana auf die Verwendung des Begriffs bei Luhmann ein und erläutert die oben erwähnte Kritik genauer. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Niklas Luhmann geht jedoch nicht von Molekülen aus, die Moleküle erzeugen, sondern alles dreht sich um Kommunikationen, die Kommunikationen produzieren. Er glaubt, es handele sich um eine vergleichbare Situation. Das ist nicht korrekt, denn Moleküle erzeugen Moleküle ohne fremde Hilfe, ohne Unterstützung. Aber Kommunikationen setzen Menschen voraus, die kommunizieren. Kommunikationen produzieren nur mithilfe von lebenden Systemen Kommunikationen. Durch die Entscheidung, Moleküle durch Kommunikationen zu ersetzen, werden die Menschen als Kommunizierende ausgeklammert. Sie bleiben außen vor und gelten als unwichtig, sie bilden lediglich den Hintergrund und die Basis, in die das soziale System – verstanden als ein autopoietisches Netzwerk aus Kommunikationen – eingebettet ist.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 106.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ==&lt;br /&gt;
=== Autopoiese (Autopoiesis) bei Maturana/Varela und Luhmann ===&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass Maturana/Varela die Autopoiese anhand der lebenden Zelle in wissenschaftlicher Schlüssigkeit aufzeigen. Sie selbst sagen aus, dass diese Schlüssigkeit bei autopoietischen Einheiten oder Systemen zweiter Ordnung aufgrund der mangelnden wissenschaftlichen Kenntnislage (noch) nicht möglich sei. Bei strukturellen Koppelungen dritter Ordnung verwenden sie den Begriff Autopoiese/autopoietisch nicht mehr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sie diese drei Ebenen hingegen als durch ähnliche oder vergleichbare Phänomene verbunden betrachten, zeigt sich z. B. darin, dass im Inhaltsüberblick, der jedem Kapitel vorangestellt wird, vom Begriff Einheit über Organisation und Struktur zur Autopoiese (2. Kapitel), dann zu Einheiten 2. Ordnung (4. Kapitel) und schließlich zu Einheiten 3. Ordnung (8. Kapitel) geschritten wird. Zugleich zeigt der Inhaltsüberblick in hervorragender Weise, wie engmaschig die ganze Systematik und die Beziehungen der Begrifflichkeiten des Buches gedacht sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund ist für jeden Laien nachvollziehbar, dass die Übernahme des Begriffs durch Luhmann nicht im Sinn von Maturana/Varela sein kann: Luhmann ist als Soziologe ja insbesondere an sozialen Systemen interessiert, die bei Maturana/Varela zwar als Einheiten, aber nirgendwo als autopoietische Einheiten oder Systeme bezeichnet werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits muss man nicht SoziologIn sein, um zu begreifen, welche neuen Perspektiven es ermöglicht, soziale Gruppen als autopoietische System zu verstehen, die sich durch ihre je eigenen Rituale bzw. Operationen definieren, erhalten und sich gegenüber anderen Gruppen abgrenzen usw. Auf jeden Fall ist klar, dass dank Luhmann sehr viel kybernetisches Gedankengut – er greift mit seiner Systemtheorie z. B. auch auf Gregory Bateson oder Heinz von Foerster zurück, um nur zwei Beispiele zu nennen – eine weitere Verbreitung gefunden hat und ins allgemeine Bewusstsein von SoziologInnen, WirtschaftlerInnen, JuristInnen usw. gelangt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade die Kybernetik hat aufgezeigt, welche letztinstanzliche Bedeutung das einzelne, verkörperte Individuum mit all seinen Erfahrungen und Entwicklungen in Bezug auf das Weltverständnis und das Verhalten hat, konkreter ausgedrückt, dass es grundsätzlich nicht von außen direkt gesteuert oder determiniert werden kann, sondern immer nur sich selbst reguliert. Vor diesem Hintergrund mag einem mit Maturana der „Ausschluss“ der Bedeutung des einzelnen Menschen in der Systemtheorie von Luhmann als berechtigte Kritik erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Verwendung des Begriffs Interaktion in der Autopoiese-Beschreibung von Maturana/Varela ===&lt;br /&gt;
Aus der Sicht der Kinästhetik ist die Verwendung des Begriffs [[Interaktion]] in den Erläuterungen der Autopoiese bei Maturana/Varela auffällig. Grundsätzlich passt in der Kinästhetik die gängige Definition, dass Interaktion eine Wechselbeziehung zwischen HandlungspartnerInnen bezeichnet. Maturana/Varela halten fest, dass sie Interaktionen zwischen autopoietischen Einheiten nicht von Interaktionen einer autopoietischen Einheit mit seinem – aus der Sicht der BeobachterIn – leblosen Milieu unterscheiden; für eine Zelle stellt beides eine &#039;&#039;„Quelle von Interaktionen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (2009):&#039;&#039;&#039; Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Aus dem Spanischen von Kurt Ludewig in Zusammenarbeit mit dem Institut für systemische Studien e. V. in Hamburg. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag (Fischer Taschenbücher 17855). ISBN 978-3-596-17855-1. S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt; dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Kinästhetik besteht allerdings ein wesentlicher [[Unterschied]] zwischen Interaktionen zwischen Menschen und Aktionen von Menschen mit toter Materie. [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]] sind eine wichtige Grundlage der Kinästhetik. In einer persönlichen Bewegungserfahrung kann man diesen fundamentalen Unterschied leicht erfahren. Er zeigt sich deutlich, wenn man die eigenen Möglichkeiten und Erfahrungen, wenn man mit lebloser Materie agiert, z. B. einen Sessel irgendwo anders hinstellt, mit denjenigen vergleicht, wenn man mit einem anderen Menschen interagiert – den man z. B. nicht in gleicher Weise irgendwo anders hinstellen kann. In der Kinästhetik ist diese Unterscheidung für die förderliche Unterstützung von anderen Menschen über Berührung und Bewegung entscheidend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Varela, Francisco J.; Maturana, Humberto R.; Uribe, R. (1974): &#039;&#039;&#039; Autopoiesis: The organization of living systems, its characterization and a model. In: Biosystems. Volume 5, Issue 4. S. 187–196. doi:[https://doi.org/10.1016/0303-2647%2874%2990031-8 10.1016/0303-2647(74)90031-8].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Pörksen, Bernhard (2008): &#039;&#039;&#039; Vom Sein zum Tun. Die Ursprünge der Biologie des Erkennens. 2. Auflage. Systemische Horizonte. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag. ISBN 978-3-89670-669-0. S. 97–108: „Die Autopoiesis des Lebendigen“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R. (2000): &#039;&#039;&#039; Biologie der Realität. Übersetzung: Wolfram Köck. Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 1502. Frankfurt am Main: Suhrkamp. ISBN 3-518-29102-5. S. 106–112: „Lebende Systeme: Autopoiese“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
* [[Autopoietische Einheiten erster Ordnung]]&lt;br /&gt;
* [[Wahrnehmung]]&lt;br /&gt;
* [[1.-Person-Methode]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zum Begriff ==&lt;br /&gt;
=== Bedeutungsüberblick ===&lt;br /&gt;
==== Herkunft und Bedeutung ====&lt;br /&gt;
Autopoiese ist die deutsche Entsprechung des spanischen Begriffs „autopoiesis“. Es handelt sich um einen Neologismus, d.&amp;amp;nbsp;h., um eine wissenschaftliche Neubildung eines Wortes. Es setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern &#039;&#039;autós&#039;&#039; „selbst“ und &#039;&#039;poíesis&#039;&#039; „das Machen, Tun, Schaffen, Hervorbringen; die Dichtung, Poesie“. Letzteres ist eine Substantivbildung zum griechischen Verb &#039;&#039;poieín&#039;&#039; „machen; dichten“. Autopoiese heißt also sozusagen „die Selbstmachung“ oder besser „Selbsthervorbringung, Selbsterschaffung, Selbsterzeugung“. In diesem Sinn führten die beiden Biologen Humberto R. Maturana (*1928) und Francisco J. Varela (1946–2001) in ihrem Buch „Der Baum der Erkenntnis“ aus dem Jahr 1984 den Begriff in die breite wissenschaftliche Diskussion ein. Mit ihm bezeichneten sie das Hauptcharakteristikum des Lebens auf der Ebene einer Zelle oder eines Organismus. Der Soziologe Niklas Luhmann (1927–1998) übertrug den Begriff in die Gesellschaftstheorie und bezeichnete gesellschaftliche Bereiche wie die Politik oder die Wissenschaft als autopoietische Systeme, die eigengesetzlich ihre jeweilige Wirklichkeit erschaffen, erhalten und sich gegenüber anderen Systemen abgrenzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung des Fachbegriffs in der Kinästhetik orientiert sich sowohl an der ursprünglichen, von Maturana/Varela geprägten Bedeutung als auch an der Übertragung durch Luhmann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Bedeutungen von Autopoiese nach dem „Duden Online-Wörterbuch“ ====&lt;br /&gt;
Nach dem „Duden Online-Wörterbuch“ hat &#039;&#039;&#039;Autopoiese&#039;&#039;&#039; folgende Bedeutung: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Fähigkeit, sich selbst erhalten, wandeln, erneuern zu können“. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bedeutungsangabe orientiert sich mehr an der Verwendung des Begriffs bei Luhmann als bei Maturana/Varela: Es fehlt ihr die ursprüngliche Idee der Selbsterzeugung oder -erschaffung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kybernetische Grundlagen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Autopoiese_(Autopoiesis)&amp;diff=5561</id>
		<title>Autopoiese (Autopoiesis)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Autopoiese_(Autopoiesis)&amp;diff=5561"/>
		<updated>2025-01-30T11:46:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: /* Autopoiese in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das erste Kapitel dieses Artikels ist mit Fachliteratur angelegt. Sie thematisiert auf der Grundlage der Autopoiese die Autonomie der Verhaltensregulation und die operative und informationelle Geschlossenheit von Lebewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach wird die Bedeutung des Begriffs Autopoiese (Autopoiesis) bei Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela sowie bei Niklas Luhmann behandelt. Die Darstellung beruht zuerst auf dem von Maturana/Varela gemeinsam verfassten Buch „Der Baum der Erkenntnis“. Sie zeigt die grundsätzliche Bedeutung der Autopoiese, der Selbsterzeugung, als Merkmal des Lebendigen und ihre enge Verbundenheit mit dem Begriff Autonomie auf. Dann werden autopoietische Einheiten erster und zweiter Ordnung thematisiert und schließlich strukturelle Koppelungen dritter Ordnung bzw. soziale Phänomene. Danach wird die Autopoiesis bei Luhmann und die Kritik Maturanas an seiner Übertragung des Begriffs auf gesellschaftliche und ökonomische Phänomene dargestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend wird das Thema kommentiert und ausgewertet sowie insbesondere auf die Verwendung des Begriffs [[Interaktion]] bei Maturana/Varela eingegangen. Diese unterscheidet sich von der in der Kinästhetik aktuellen Betrachtungsweise. Nach Hinweisen auf weiterführende Literatur und KOFL-Artikel folgen zum Schluss Angaben zur Herkunft und Bedeutung des Begriffs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Autopoiese in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ ==&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Andreas Borrmann/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Das Zitat ist in das vierte Kapitel „Theoretische Grundlagen des Fachgebiets Kinästhetik“ eingebettet. Die vorausgehenden Unterkapitel sind „4.3. Zirkuläre Selbstregulationsprozesse als Grundlage des menschlichen Verhaltens“ und „4.4. Geschlossenheit und Individualität der Wahrnehmung“. Das Zitat ist der Text des fünften Unterkapitels „Autonomie der Verhaltenssteuerung“.&lt;br /&gt;
: [[Datei:Stemm person.jpg|mini|links]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Stemm schrank.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;br clear=all&amp;gt;„&amp;lt;big&amp;gt;4.5. Autonomie der Verhaltenssteuerung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Das in Kapitel 4.3. dargestellte Erklärungsmodell der Selbstregulation bedeutet gleichermaßen, dass Lebewesen ihr Verhalten immer selbst und von innen heraus steuern. Wie sich ein anderer Mensch als Individuum an unser Verhalten anpasst und auf es reagiert, können wir grundsätzlich von außen nicht steuern oder bestimmen. Unser Verhalten kann die Körperspannung eines anderen Menschen zwar beeinflussen, aber in jedem Moment reguliert nur er selbst diese von innen heraus. Lebewesen sind in diesem Sinne als autonom (griechisch, ‚eigengesetzlich‘) zu betrachten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; Was damit gemeint ist, lässt sich an einem wesentlichen Unterschied zwischen der belebten und der unbelebten Natur zeigen: Wenn Sie mit Ihrem Fuß einen Stein treten, bestimmt – unter anderen bekannten und berechenbaren Faktoren – die Energie dieses Trittes seine Reaktion und er wird mehr oder weniger weit davonkullern. Wenn Sie einen Menschen oder einen Hund treten, beruht seine Reaktion auf diese ‚Störung‘ wesentlich auf ihm selbst und ist nicht vorhersagbar. Der Hund wird vielleicht davonrennen, möglicherweise schnappt er aber auch nach Ihrem Fuß. Oder mit einem anderen Beispiel ausgedrückt: Sie können einen Menschen nicht wie einen Kleiderschrank von A nach B bewegen (vgl. Karikatur oben).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; In wissenschaftlicher Sprache kann man hier von einer &#039;&#039;&#039;Autopoiese&#039;&#039;&#039; (griechisch, ‚Selbsterschaffung‘, vgl. Infobox) oder operationalen Geschlossenheit im übertragenen Sinn sprechen. Diese Ausdrücke bezeichnen grundsätzlich die Tatsache, dass Lebewesen die Bestandteile, aus denen sie bestehen, fortlaufend nur aus sich selbst heraus produzieren. Bezüglich dieser Operationen ist das System ‚Lebewesen‘ geschlossen. Im obigen Beispiel gilt das Gleiche im übertragenen Sinn für die Operationen bzw. das Verhalten des Menschen, der einen Fußtritt bekommt: Seine Reaktion wird wesentlich von ihm selbst bestimmt.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Text der zugehörigen Infobox &#039;&#039;&#039;„Autopoiese: Die Geschlossenheit von Lebewesen in Bezug auf Operation und Information“&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Die beiden Neurobiologen H. Maturana (*1928) und F. J. Varela (1946–2001) beschreiben aufgrund ihrer Forschungen die Autopoiese als die zentrale Eigenschaft von Lebewesen (Maturana; Varela 2015). Sie meinen damit, dass jedes Lebewesen sich fortlaufend einzig und allein aus sich selbst heraus erschafft, von der molekularen und zellulären Ebene bis hin zu derjenigen des ganzen Organismus. Lebewesen sind in diesem Sinne operativ geschlossen und autonom. Entsprechend kann die Art und Weise, wie sich Lebewesen Informationen über ihre Umgebung verschaffen, nicht so beschrieben werden, dass sich bestimmte Reize der Umgebung direkt im Gehirn abbilden. Auch hier sind Lebewesen autonom, produzieren und ‚errechnen/konstruieren‘ fortlaufend ihre individuelle Welt. Im Wissenschaftsbetrieb entwickelte sich aufbauend auf diesen Beschreibungen z. B. der Konstruktivismus.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 47.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Autopoiese (Autopoiesis) bei Maturana/Varela ==&lt;br /&gt;
{{Infobox|vorläufig abgeschlossen|Stefan Marty-Teuber/Joachim Reif}}&lt;br /&gt;
=== Autopoiese (Selbsterzeugung) als Kriterium des Lebendigen ===&lt;br /&gt;
In ihrem gemeinsam verfassten Buch „Der Baum der Erkenntnis“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (2009):&#039;&#039;&#039; Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Aus dem Spanischen von Kurt Ludewig in Zusammenarbeit mit dem Institut für systemische Studien e. V. in Hamburg. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag (Fischer Taschenbücher 17855). ISBN 978-3-596-17855-1.&amp;lt;/ref&amp;gt; führen die beiden chilenischen Neurobiologen Humberto R. Maturana (*1928) und Francisco J. Varela (1946–2001) im zweiten Kapitel mit der Überschrift „Die Organisation des Lebendigen“ den Begriff Autopoiese ein. Autopoiese ist für sie eine neue &#039;&#039;„Antwort auf die Frage nach dem Kriterium des Lebendigen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 49.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Lebewesen sind in ihren Strukturen unterschiedlich, gleichen sich aber in ihrer Organisation , d. h., in charakteristischen Relationen oder Beziehungen ihrer „Teile“, die sie als zur Klasse des Lebendigen zugehörig definieren&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gemäß den beiden Autoren ist das Eigentümliche dieser Organisation die Autopoiese, nämlich dass ein abgegrenztes System sich selbst und insbesondere seine Abgrenzung gegenüber seinem Milieu durch seine geschlossene rekursive Dynamik erzeugt und erhält. In streng wissenschaftlichem Sinn wird die autopoietische Organisation als charakteristisches Merkmal alles Lebendigen auf der Ebene der Zelle aufgezeigt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Unser Vorschlag ist, dass Lebewesen sich dadurch charakterisieren, dass sie sich – buchstäblich – andauernd selbst erzeugen. Darauf beziehen wir uns, wenn wir die sie definierende Organisation autopoietische Organisation nennen (griech. autos = selbst; poiein = machen). Im wesentlichen ist diese Organisation durch gewisse Relationen gegeben, die wir aufzählen werden und die auf der zellulären Ebene noch leicht zu verstehen sein werden.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 50 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausgezeichnete Zusammenfassung dafür, was mit Autopoiese im ursprünglichen Sinn gemeint ist, liefert Maturana an anderer Stelle (vgl. unten [[#Maturanas Kritik am Autopoiesis-Begriff von Luhmann|„Maturanas Kritik am Autopoiesis-Begriff von Luhmann“]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Autopoiese und Autonomie ===&lt;br /&gt;
Die beiden Forscher verbinden den Ansatz der Autopoiese eng mit der traditionellen &#039;&#039;„Frage nach der Autonomie des Lebendigen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 55.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Autonomie meint dabei die Fähigkeit eines Systems, &#039;&#039;„seine eigene Gesetzlichkeit beziehungsweise das ihm Eigene zu spezifizieren“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 55.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Verständlich wird diese Autonomie durch das Verständnis der Organisation, die Lebewesen als Einheiten definiert. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Dies ist deshalb notwendig, weil gerade die Berücksichtigung der Lebewesen als autonome Einheiten uns aufzuzeigen erlaubt, wie ihre üblicherweise als geheimnisvoll und unfaßbar angesehene Autonomie verständlich wird, wenn und indem auf ihre sie als Einheit definierende autopoietische Organisation verwiesen wird.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 56.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass Autonomie in diesem Sinn eine grundsätzliche Eigenart des Lebendigen ist, von der ein Lebewesen nicht mehr oder weniger haben kann: Jedes Lebewesen wird grundsätzlich als autonom (eigengesetzlich) betrachtet. Diese Definition der Autonomie gerät in einen Widerspruch mit der Verwendung des Begriffs im Sinn der Selbstbestimmung, die in der Soziologie oder in Lebensqualitätsmodellen gängig ist. Letztere Verwendung hat Fremdbestimmung als Gegenbegriff und erlaubt im Gegensatz zur Begriffsbestimmung bei Maturana/Varela ein Mehr oder Weniger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Autopoietische Einheiten erster und zweiter Ordnung ===&lt;br /&gt;
Mit einer naturwissenschaftlichen Argumentation erläutern Maturana und Varela die Autopoiese von Zellen als Hauptmerkmal des Lebens und bezeichnen diese als autopoietische Einheiten oder Systeme erster Ordnung (vgl. [[Autopoietische Einheiten erster Ordnung]]). Diese Grundidee übertragen sie im vierten Kapitel mit der Überschrift „Das Leben der ‚Metazeller‘“ auf vielzellige Lebensformen, sogenannte Metazeller. Sie werden als Einheiten beschrieben, die aus Zellen, also aus autopoietischen Einheiten erster Ordnung, bestehen und &#039;&#039;„in deren Struktur eng verknüpfte Zellanhäufungen zu erkennen sind“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 98.&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Bezug auf ihre Struktur wandeln sich vielzellige Lebewesen in ihrer Lebensgeschichte. Die Geschichte dieses ständigen Wandels, die sogenannte Ontogenese&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 84.&amp;lt;/ref&amp;gt;, schließt dabei in einem Zyklus immer eine Stufe ein, in der sie aus einer Zelle bestehen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Es ist offenbar, daß die Ontogenese eines Metazellers durch den Bereich der Interaktionen, der diesen als ganze Einheit kennzeichnet, bestimmt wird und nicht durch die individuellen Interaktionen der den Metazeller bildenden Zellen. In anderen Worten: Das Leben eines vielzelligen Individuums als Einheit vollzieht sich zwar im Operieren seiner Bestandteile, es ist aber nicht durch die Eigenschaften der Bestandteile bestimmt. Alle multizellulären Individuen sind jedoch Ergebnis der Teilung und Aufspaltung einer Gattung von Zellen, welche zum Zeitpunkt der Befruchtung einer einzigen Zelle oder Zygote [kursiv] entstehen, wobei diese wiederum Produkt einiger Organe oder Teile eines multizellulären Organismus ist. Würden keine neuen Individuen erzeugt, so gäbe es kein Fortbestehen der Stämme. Und dafür, daß es neue Individuen gibt, muß ihr Entstehungsbeginn auf eine [kursiv] Zelle zurückgehen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Metazeller, zu denen u. a. alle Pilze, Pflanzen, Tiere und somit der Mensch zählen, bezeichnen sie als &#039;&#039;„autopoetische Systeme zweiter Ordnung [kursiv im Originaltext]“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 98.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bewusst offen gelassen wird aufgrund der unsicheren Kenntnislage die Frage, ob Metazeller bzw. Organismen in streng wissenschaftlichem Sinn als autopoietische Einheiten verstanden werden können, die mit denjenigen erster Ordnung vergleichbar sind. &amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Aber wie können wir die Bestandteile und Relationen in einem Organismus beschreiben, so daß seine Organisation im Sinne einer molekularen Autopoiese sichtbar wird? Im Falle der Metazeller haben wir bis heute eine viel ungenauere Kenntnis der molekularen Prozesse, welche sie als den Zellen vergleichbare autopoietische Einheiten definieren könnten.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 99.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Verwiesen wird auf den engen Zusammenhang zwischen der operationalen Geschlossenheit ihrer Organisation und der Autopoiese. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Wir können aber sagen, daß sie [die Metazeller] eine operationale Geschlossenheit [kursiv] ihrer Organisation aufweisen: Ihre Identität ist durch ein Netz von dynamischen Prozessen gekennzeichnet, deren Wirkungen das Netz nicht überschreiten.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 100.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Soziale Phänomene: Koppelungen dritter Ordnung ===&lt;br /&gt;
Die Voraussetzung für vielzellige Lebensformen bzw. autopoietische Einheiten zweiter Ordnung ist, dass sich einzelne Zellen enger verbinden und Anhäufungen bilden (vgl. oben). Um solche engen Verbindungen von Zellen – sei es mit anderen Zellen oder mit dem umgebenden Milieu – zu bezeichnen, verwenden Maturana und Varela den Begriff der strukturellen Koppelung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Daß sich zwei (oder mehr) autopoietische Einheiten in ihrer Ontogenese gekoppelt haben, sagen wir, wenn ihre Interaktionen einen rekursiven [kursiv] oder sehr stabilen Charakter erlangt haben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im achten und neunten Kapitel mit den Überschriften „Die sozialen Phänomene“ und „Sprachliche Bereiche und menschliches Bewusstsein“ übertragen Maturana und Varela ihre Grundideen mit Bezugnahme auf die auf Gruppen von Organismen mit einem Nervensystem. Dabei nehmen sie explizit Bezug auf die Mechanismen autopoietischer Systeme zweiter Ordnung&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 197.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Solche Gruppen beschreiben sie als strukturelle Koppelungen dritter Ordnung durch Ko-Ontogenese. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Es ist jedoch möglich [kursiv], daß die Interaktionen zwischen Organismen im Verlauf ihrer Ontogenese einen rekursiven Charakter annehmen. Das führt notwendig zum gemeinsamen strukturellen Driften dieser Organismen: eine Ko-Ontogenese, an der die Organismen durch ihre gegenseitige strukturelle Koppelung beide beteiligt sind, wobei jeder seine Anpassung und Organisation bewahrt. Wenn dies geschieht, dann bringen die gemeinsam driftenden Organismen einen neuen phänomenologischen Bereich hervor, der besonders komplex werden kann, wenn ein Nervensystem vorhanden ist. Um die Phänomene, die aus dieser strukturellen Koppelung dritter Ordnung [kursiv] entstehen, geht es in diesem und im folgenden Kapitel.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Phänomene dieses neuen Bereichs beschreiben Maturana und Varela u. a. die Rollenverteilung von Tieren bei der Zeugung und Aufzucht von Nachkommen&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 197 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das Sozialverhalten von Insekten als &#039;&#039;„klassischen und bemerkenswertesten Fall einer so engen Koppelung dritter Ordnung“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 200.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das Fluchtverhalten, die Jagd oder die Gruppenorganisation durch vielfältige Interaktionen bei sozialen Wirbeltieren wie Antilopen, Wölfen oder Primaten&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 205 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Erwähnt werden aber auch soziale Phänomene wie Kommunikation, Kulturelles, Altruismus und Egoismus oder die Nachahmung und die Erhaltung gelernten Verhaltens&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 209 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ganze neunte Kapitel des Buches widmet sich dem sprachlichen Bereich, der bewusst von vorausgehend beschriebenen sozialen Phänomenen getrennt wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Angeborenes Verhalten ist abhängig von den Strukturen, die im Verlauf der Entwicklung des Organismus unabhängig von seiner individuellen Ontogenese entstehen. Erworbenes kommunikatives Verhalten ist abhängig von der individuellen Ontogenese des Organismus und von seiner besonderen Geschichte von sozialen Interaktionen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 223.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass für die detaillierte Beschreibung von Koppelungen dritter Ordnung bzw. von sozialen Phänomenen die Begriffe „Autopoiese/autopoietisch“ in den entsprechenden Kapiteln nicht verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Autopoiesis bei Luhmann ==&lt;br /&gt;
Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann (1927–1998) übernahm den Begriff Autopoiesis und verwendet ihn als Leitidee seiner Systemtheorie, die er als &#039;&#039;„Theorie autopoietischer, selbstreferentieller, operativ geschlossener Systeme“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Luhmann, Niklas (1997):&#039;&#039;&#039; Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft1360). ISBN 3-518-28960-8. S. 79.&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Systemtheorie gilt allgemein als epochale Wende in der Geschichte der Gesellschaftstheorie oder Soziologie. Luhmann unterscheidet hauptsächlich zwischen biologischen, psychischen und sozialen Systemen, wobei in seinem Verständnis ein einzelner Mensch oder auch eine Gruppe von Menschen kein System bildet, sondern ein Konglomerat, ein Gemisch von unterschiedlichen Typen von Systemen ist&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Berghaus, Margot (2011):&#039;&#039;&#039; Luhmann leicht gemacht. Eine Einführung in die Systemtheorie. 3., überarbeitete und ergänzte Auflage. Köln: Böhlau. ISBN 978-3-8252-2360-1. S. 32 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Systeme werden dabei nicht durch ihre Dinglichkeit, sondern durch ihre dynamischen Operationen definiert. Diese Operationen betreffen einerseits die Differenzierung der systemeigenen Umwelt und die Autopoiesis. In enger Anlehnung an die Beschreibungen von Maturana/Varela ist damit gemeint, dass ein autopoietisches System sich selbst, also das, woraus es besteht, in operativer Geschlossenheit aus dem, woraus es besteht, erzeugt und fortlaufend reproduziert.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 50–52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Luhmann ist die operative Geschlossenheit zusammen mit gleichzeitiger Offenheit gegenüber der Umwelt, die eine Grundvoraussetzung ist, ein wichtiger Aspekt autopoietischer Systeme&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 56–60.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luhmann war es bewusst, dass Maturana mit dieser Verwendung des Begriffs Autopoiese in der Soziologie nicht einverstanden war; eine Einigung konnten die beiden diesbezüglich nicht erreichen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Ich habe mit Maturana relativ lange Diskussionen darüber geführt und er hat immer gesagt, wenn man von der Autopoiesis der Kommunikation spreche, müsse man das zeigen können. […] Ich glaube, dass das keine großen Schwierigkeiten macht. […] Opposition findet man nur dort, wo Maturana es ablehnt, Kommunikationssysteme als soziale Systeme zu bezeichnen. Es gibt ein starkes emotionales Moment auf seiner Seite. Er möchte die Menschen nicht ausser Acht lassen und hat auch nicht die Beweglichkeit in soziologischen oder linguistischen Fragen, die es ihm ermöglichen würde zu sehen, wie man den Menschen wieder hineinbekommt. Er will nicht darauf verzichten, mit dem Ausdruck ‚soziale Systeme‘ konkrete Menschen zu meinen, die Gruppen bilden und dergleichen. Nur da liegt die Differenz.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Luhmann, Niklas (2017):&#039;&#039;&#039; Einführung in die Systemtheorie. Herausgegeben von Dirk Baecker. 7. Auflage. Systemische Horizonte. Heidelberg: Carl-Auer Verlag. ISBN 978-3-89670-839-7. S. 109.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Maturanas Kritik am Autopoiesis-Begriff von Luhmann ==&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Die Gewissheit der Ungewissheit“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Pörksen, Bernhard (2002):&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit der Ungewissheit. Gespräche zum Konstruktivismus. Mit Heinz von Foerster … [u. a.]. Reihe Konstruktivismus und systemisches Denken. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag. ISBN 978-3-89670-227-0.&amp;lt;/ref&amp;gt; veröffentlicht Bernhard Pörksen (*1969) verschiedene Gespräche mit namhaften Forschern zum Konstruktivismus; eines davon hat er mit Maturana geführt. In diesem wundert sich Pörksen, dass Maturana bis zum dritten Tag des Gesprächs nicht auf den Begriff Autopoiese zu sprechen gekommen ist. Darauf liefert Maturana eine Begründung in Form einer sehr schönen Zusammenfassung seines Verständnisses der Bedeutung des Begriffs.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Der Grund besteht schlicht darin, dass ich den Begriff nur dann gebrauche, wenn er nötig und angebracht ist. Autopoiesis [kursiv] bedeutet ‚Selbsterschaffung‘ und setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern autós [kursiv] (‚selbst‘) und poieín [kursiv] (‚produzieren‘ bzw. ‚erschaffen‘) zusammen. Das Konzept der Autopoiesis liefert die Antwort auf die Frage, was ein lebendes System ausmacht: Man hat in der Geschichte der Biologie behauptet, dass das Lebendige durch die Fähigkeit zur Fortpflanzung oder Fortbewegung, dass es durch eine bestimmte chemische Zusammensetzung, einen spezifischen Aspekt des Stoffwechsels oder irgendeine Kombination dieser verschiedenen Kriterien charakterisiert sei. Ich schlage dagegen ein anderes Kriterium vor. Wenn man ein lebendes System betrachtet, findet man stets ein Netzwerk von Prozessen oder Molekülen, die auf eine Weise miteinander interagieren, die ihrerseits zur Produktion von Molekülen führt, die durch ihre Interaktion ebendieses Netzwerk der Produktion von Molekülen erzeugen und in seinem Umfang begrenzen. Ein solches Netzwerk nenne ich autopoietisch. Wenn man also auf ein Netzwerk stößt, dessen Operationen es im Ergebnis selbst hervorbringen, hat man es mit einem autopoietischen System zu tun. Es produziert sich selbst. Dieses System ist für die Zufuhr von Materie offen, jedoch – wenn man die Dynamik der Beziehungen, die es hervorbringen, betrachtet – geschlossen. Kurzum, das Konzept der Autopoiesis verwende ich, um das Schlüsselmerkmal des Lebendigen zu beschreiben, das ist alles. Wenn es nicht um dieses Problem, sondern um andere Themen geht, dann gibt es aus meiner Sicht auch keinen Anlass, das Wort zu verwenden und über Autopoiese zu sprechen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 103.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach weiteren Ausführungen und Präzisierungen auf Fragen von Pörksen geht Maturana auf die Verwendung des Begriffs bei Luhmann ein und erläutert die oben erwähnte Kritik genauer. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Niklas Luhmann geht jedoch nicht von Molekülen aus, die Moleküle erzeugen, sondern alles dreht sich um Kommunikationen, die Kommunikationen produzieren. Er glaubt, es handele sich um eine vergleichbare Situation. Das ist nicht korrekt, denn Moleküle erzeugen Moleküle ohne fremde Hilfe, ohne Unterstützung. Aber Kommunikationen setzen Menschen voraus, die kommunizieren. Kommunikationen produzieren nur mithilfe von lebenden Systemen Kommunikationen. Durch die Entscheidung, Moleküle durch Kommunikationen zu ersetzen, werden die Menschen als Kommunizierende ausgeklammert. Sie bleiben außen vor und gelten als unwichtig, sie bilden lediglich den Hintergrund und die Basis, in die das soziale System – verstanden als ein autopoietisches Netzwerk aus Kommunikationen – eingebettet ist.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 106.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ==&lt;br /&gt;
=== Autopoiese (Autopoiesis) bei Maturana/Varela und Luhmann ===&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass Maturana/Varela die Autopoiese anhand der lebenden Zelle in wissenschaftlicher Schlüssigkeit aufzeigen. Sie selbst sagen aus, dass diese Schlüssigkeit bei autopoietischen Einheiten oder Systemen zweiter Ordnung aufgrund der mangelnden wissenschaftlichen Kenntnislage (noch) nicht möglich sei. Bei strukturellen Koppelungen dritter Ordnung verwenden sie den Begriff Autopoiese/autopoietisch nicht mehr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sie diese drei Ebenen hingegen als durch ähnliche oder vergleichbare Phänomene verbunden betrachten, zeigt sich z. B. darin, dass im Inhaltsüberblick, der jedem Kapitel vorangestellt wird, vom Begriff Einheit über Organisation und Struktur zur Autopoiese (2. Kapitel), dann zu Einheiten 2. Ordnung (4. Kapitel) und schließlich zu Einheiten 3. Ordnung (8. Kapitel) geschritten wird. Zugleich zeigt der Inhaltsüberblick in hervorragender Weise, wie engmaschig die ganze Systematik und die Beziehungen der Begrifflichkeiten des Buches gedacht sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund ist für jeden Laien nachvollziehbar, dass die Übernahme des Begriffs durch Luhmann nicht im Sinn von Maturana/Varela sein kann: Luhmann ist als Soziologe ja insbesondere an sozialen Systemen interessiert, die bei Maturana/Varela zwar als Einheiten, aber nirgendwo als autopoietische Einheiten oder Systeme bezeichnet werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits muss man nicht SoziologIn sein, um zu begreifen, welche neuen Perspektiven es ermöglicht, soziale Gruppen als autopoietische System zu verstehen, die sich durch ihre je eigenen Rituale bzw. Operationen definieren, erhalten und sich gegenüber anderen Gruppen abgrenzen usw. Auf jeden Fall ist klar, dass dank Luhmann sehr viel kybernetisches Gedankengut – er greift mit seiner Systemtheorie z. B. auch auf Gregory Bateson oder Heinz von Foerster zurück, um nur zwei Beispiele zu nennen – eine weitere Verbreitung gefunden hat und ins allgemeine Bewusstsein von SoziologInnen, WirtschaftlerInnen, JuristInnen usw. gelangt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade die Kybernetik hat aufgezeigt, welche letztinstanzliche Bedeutung das einzelne, verkörperte Individuum mit all seinen Erfahrungen und Entwicklungen in Bezug auf das Weltverständnis und das Verhalten hat, konkreter ausgedrückt, dass es grundsätzlich nicht von außen direkt gesteuert oder determiniert werden kann, sondern immer nur sich selbst reguliert. Vor diesem Hintergrund mag einem mit Maturana der „Ausschluss“ der Bedeutung des einzelnen Menschen in der Systemtheorie von Luhmann als berechtigte Kritik erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Verwendung des Begriffs Interaktion in der Autopoiese-Beschreibung von Maturana/Varela ===&lt;br /&gt;
Aus der Sicht der Kinästhetik ist die Verwendung des Begriffs [[Interaktion]] in den Erläuterungen der Autopoiese bei Maturana/Varela auffällig. Grundsätzlich passt in der Kinästhetik die gängige Definition, dass Interaktion eine Wechselbeziehung zwischen HandlungspartnerInnen bezeichnet. Maturana/Varela halten fest, dass sie Interaktionen zwischen autopoietischen Einheiten nicht von Interaktionen einer autopoietischen Einheit mit seinem – aus der Sicht der BeobachterIn – leblosen Milieu unterscheiden; für eine Zelle stellt beides eine &#039;&#039;„Quelle von Interaktionen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (2009):&#039;&#039;&#039; Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Aus dem Spanischen von Kurt Ludewig in Zusammenarbeit mit dem Institut für systemische Studien e. V. in Hamburg. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag (Fischer Taschenbücher 17855). ISBN 978-3-596-17855-1. S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt; dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Kinästhetik besteht allerdings ein wesentlicher [[Unterschied]] zwischen Interaktionen zwischen Menschen und Aktionen von Menschen mit toter Materie. [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]] sind eine wichtige Grundlage der Kinästhetik. In einer persönlichen Bewegungserfahrung kann man diesen fundamentalen Unterschied leicht erfahren. Er zeigt sich deutlich, wenn man die eigenen Möglichkeiten und Erfahrungen, wenn man mit lebloser Materie agiert, z. B. einen Sessel irgendwo anders hinstellt, mit denjenigen vergleicht, wenn man mit einem anderen Menschen interagiert – den man z. B. nicht in gleicher Weise irgendwo anders hinstellen kann. In der Kinästhetik ist diese Unterscheidung für die förderliche Unterstützung von anderen Menschen über Berührung und Bewegung entscheidend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Varela, Francisco J.; Maturana, Humberto R.; Uribe, R. (1974): &#039;&#039;&#039; Autopoiesis: The organization of living systems, its characterization and a model. In: Biosystems. Volume 5, Issue 4. S. 187–196. doi:[https://doi.org/10.1016/0303-2647%2874%2990031-8 10.1016/0303-2647(74)90031-8].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Pörksen, Bernhard (2008): &#039;&#039;&#039; Vom Sein zum Tun. Die Ursprünge der Biologie des Erkennens. 2. Auflage. Systemische Horizonte. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag. ISBN 978-3-89670-669-0. S. 97–108: „Die Autopoiesis des Lebendigen“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R. (2000): &#039;&#039;&#039; Biologie der Realität. Übersetzung: Wolfram Köck. Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 1502. Frankfurt am Main: Suhrkamp. ISBN 3-518-29102-5. S. 106–112: „Lebende Systeme: Autopoiese“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
* [[Autopoietische Einheiten erster Ordnung]]&lt;br /&gt;
* [[Wahrnehmung]]&lt;br /&gt;
* [[1.-Person-Methode]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zum Begriff ==&lt;br /&gt;
=== Bedeutungsüberblick ===&lt;br /&gt;
==== Herkunft und Bedeutung ====&lt;br /&gt;
Autopoiese ist die deutsche Entsprechung des spanischen Begriffs „autopoiesis“. Es handelt sich um einen Neologismus, d.&amp;amp;nbsp;h., um eine wissenschaftliche Neubildung eines Wortes. Es setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern &#039;&#039;autós&#039;&#039; „selbst“ und &#039;&#039;poíesis&#039;&#039; „das Machen, Tun, Schaffen, Hervorbringen; die Dichtung, Poesie“. Letzteres ist eine Substantivbildung zum griechischen Verb &#039;&#039;poieín&#039;&#039; „machen; dichten“. Autopoiese heißt also sozusagen „die Selbstmachung“ oder besser „Selbsthervorbringung, Selbsterschaffung, Selbsterzeugung“. In diesem Sinn führten die beiden Biologen Humberto R. Maturana (*1928) und Francisco J. Varela (1946–2001) in ihrem Buch „Der Baum der Erkenntnis“ aus dem Jahr 1984 den Begriff in die breite wissenschaftliche Diskussion ein. Mit ihm bezeichneten sie das Hauptcharakteristikum des Lebens auf der Ebene einer Zelle oder eines Organismus. Der Soziologe Niklas Luhmann (1927–1998) übertrug den Begriff in die Gesellschaftstheorie und bezeichnete gesellschaftliche Bereiche wie die Politik oder die Wissenschaft als autopoietische Systeme, die eigengesetzlich ihre jeweilige Wirklichkeit erschaffen, erhalten und sich gegenüber anderen Systemen abgrenzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung des Fachbegriffs in der Kinästhetik orientiert sich sowohl an der ursprünglichen, von Maturana/Varela geprägten Bedeutung als auch an der Übertragung durch Luhmann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Bedeutungen von Autopoiese nach dem „Duden Online-Wörterbuch“ ====&lt;br /&gt;
Nach dem „Duden Online-Wörterbuch“ hat &#039;&#039;&#039;Autopoiese&#039;&#039;&#039; folgende Bedeutung: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Fähigkeit, sich selbst erhalten, wandeln, erneuern zu können“. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bedeutungsangabe orientiert sich mehr an der Verwendung des Begriffs bei Luhmann als bei Maturana/Varela: Es fehlt ihr die ursprüngliche Idee der Selbsterzeugung oder -erschaffung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kybernetische Grundlagen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Autopoiese_(Autopoiesis)&amp;diff=5560</id>
		<title>Autopoiese (Autopoiesis)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Autopoiese_(Autopoiesis)&amp;diff=5560"/>
		<updated>2025-01-30T11:43:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das erste Kapitel dieses Artikels ist mit Fachliteratur angelegt. Sie thematisiert auf der Grundlage der Autopoiese die Autonomie der Verhaltensregulation und die operative und informationelle Geschlossenheit von Lebewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach wird die Bedeutung des Begriffs Autopoiese (Autopoiesis) bei Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela sowie bei Niklas Luhmann behandelt. Die Darstellung beruht zuerst auf dem von Maturana/Varela gemeinsam verfassten Buch „Der Baum der Erkenntnis“. Sie zeigt die grundsätzliche Bedeutung der Autopoiese, der Selbsterzeugung, als Merkmal des Lebendigen und ihre enge Verbundenheit mit dem Begriff Autonomie auf. Dann werden autopoietische Einheiten erster und zweiter Ordnung thematisiert und schließlich strukturelle Koppelungen dritter Ordnung bzw. soziale Phänomene. Danach wird die Autopoiesis bei Luhmann und die Kritik Maturanas an seiner Übertragung des Begriffs auf gesellschaftliche und ökonomische Phänomene dargestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend wird das Thema kommentiert und ausgewertet sowie insbesondere auf die Verwendung des Begriffs [[Interaktion]] bei Maturana/Varela eingegangen. Diese unterscheidet sich von der in der Kinästhetik aktuellen Betrachtungsweise. Nach Hinweisen auf weiterführende Literatur und KOFL-Artikel folgen zum Schluss Angaben zur Herkunft und Bedeutung des Begriffs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Autopoiese in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ ==&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Andreas Borrmann/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Das Zitat ist in das vierte Kapitel „Theoretische Grundlagen des Fachgebiets Kinästhetik“ eingebettet. Die vorausgehenden Unterkapitel sind „4.3. Zirkuläre Selbstregulationsprozesse als Grundlage des menschlichen Verhaltens“ und „4.4. Geschlossenheit und Individualität der Wahrnehmung“. Das Zitat ist der Text des fünften Unterkapitels „Autonomie der Verhaltenssteuerung“.&lt;br /&gt;
: [[Datei:Stemm person.jpg|mini|links]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Stemm schrank.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;lt;br clear=all&amp;gt;„&amp;lt;big&amp;gt;4.5. Autonomie der Verhaltenssteuerung&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Das in Kapitel 4.3. dargestellte Erklärungsmodell der Selbstregulation bedeutet gleichermaßen, dass Lebewesen ihr Verhalten immer selbst und von innen heraus steuern. Wie sich ein anderer Mensch als Individuum an unser Verhalten anpasst und auf es reagiert, können wir grundsätzlich von außen nicht steuern oder bestimmen. Unser Verhalten kann die Körperspannung eines anderen Menschen zwar beeinflussen, aber in jedem Moment reguliert nur er selbst diese von innen heraus. Lebewesen sind in diesem Sinne als autonom (griechisch, ‚eigengesetzlich‘) zu betrachten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; Was damit gemeint ist, lässt sich an einem wesentlichen Unterschied zwischen der belebten und der unbelebten Natur zeigen: Wenn Sie mit Ihrem Fuß einen Stein treten, bestimmt – unter anderen bekannten und berechenbaren Faktoren – die Energie dieses Trittes seine Reaktion und er wird mehr oder weniger weit davonkullern. Wenn Sie einen Menschen oder einen Hund treten, beruht seine Reaktion auf diese ‚Störung‘ wesentlich auf ihm selbst und ist nicht vorhersagbar. Der Hund wird vielleicht davonrennen, möglicherweise schnappt er aber auch nach Ihrem Fuß. Oder mit einem anderen Beispiel ausgedrückt: Sie können einen Menschen nicht wie einen Kleiderschrank von A nach B bewegen (vgl. Karikatur oben).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; In wissenschaftlicher Sprache kann man hier von einer &#039;&#039;&#039;Autopoiese&#039;&#039;&#039; (griechisch, ‚Selbsterschaffung‘, vgl. Infobox) oder operationalen Geschlossenheit im übertragenen Sinn sprechen. Diese Ausdrücke bezeichnen grundsätzlich die Tatsache, dass Lebewesen die Bestandteile, aus denen sie bestehen, fortlaufend nur aus sich selbst heraus produzieren. Bezüglich dieser Operationen ist das System ‚Lebewesen‘ geschlossen. Im obigen Beispiel gilt das Gleiche im übertragenen Sinn für die Operationen bzw. das Verhalten des Menschen, der einen Fußtritt bekommt: Seine Reaktion wird wesentlich von ihm selbst bestimmt.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Text der zugehörigen Infobox &#039;&#039;&#039;„Autopoiese: Die Geschlossenheit von Lebewesen in Bezug auf Operation und Information“&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Die beiden Neurobiologen H. Maturana (*1928) und F. J. Varela (1946–2001) beschreiben aufgrund ihrer Forschungen die Autopoiese als die zentrale Eigenschaft von Lebewesen (Maturana; Varela 2015). Sie meinen damit, dass jedes Lebewesen sich fortlaufend einzig und allein aus sich selbst heraus erschafft, von der molekularen und zellulären Ebene bis hin zu derjenigen des ganzen Organismus. Lebewesen sind in diesem Sinne operativ geschlossen und autonom. Entsprechend kann die Art und Weise, wie sich Lebewesen Informationen über ihre Umgebung verschaffen, nicht so beschrieben werden, dass sich bestimmte Reize der Umgebung direkt im Gehirn abbilden. Auch hier sind Lebewesen autonom, produzieren und ‚errechnen/konstruieren‘ fortlaufend ihre individuelle Welt. Im Wissenschaftsbetrieb entwickelte sich aufbauend auf diesen Beschreibungen z. B. der Konstruktivismus.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2023):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 47.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Autopoiese (Autopoiesis) bei Maturana/Varela ==&lt;br /&gt;
{{Infobox|vorläufig abgeschlossen|Stefan Marty-Teuber/Joachim Reif}}&lt;br /&gt;
=== Autopoiese (Selbsterzeugung) als Kriterium des Lebendigen ===&lt;br /&gt;
In ihrem gemeinsam verfassten Buch „Der Baum der Erkenntnis“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (2009):&#039;&#039;&#039; Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Aus dem Spanischen von Kurt Ludewig in Zusammenarbeit mit dem Institut für systemische Studien e. V. in Hamburg. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag (Fischer Taschenbücher 17855). ISBN 978-3-596-17855-1.&amp;lt;/ref&amp;gt; führen die beiden chilenischen Neurobiologen Humberto R. Maturana (*1928) und Francisco J. Varela (1946–2001) im zweiten Kapitel mit der Überschrift „Die Organisation des Lebendigen“ den Begriff Autopoiese ein. Autopoiese ist für sie eine neue &#039;&#039;„Antwort auf die Frage nach dem Kriterium des Lebendigen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 49.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Lebewesen sind in ihren Strukturen unterschiedlich, gleichen sich aber in ihrer Organisation , d. h., in charakteristischen Relationen oder Beziehungen ihrer „Teile“, die sie als zur Klasse des Lebendigen zugehörig definieren&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gemäß den beiden Autoren ist das Eigentümliche dieser Organisation die Autopoiese, nämlich dass ein abgegrenztes System sich selbst und insbesondere seine Abgrenzung gegenüber seinem Milieu durch seine geschlossene rekursive Dynamik erzeugt und erhält. In streng wissenschaftlichem Sinn wird die autopoietische Organisation als charakteristisches Merkmal alles Lebendigen auf der Ebene der Zelle aufgezeigt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Unser Vorschlag ist, dass Lebewesen sich dadurch charakterisieren, dass sie sich – buchstäblich – andauernd selbst erzeugen. Darauf beziehen wir uns, wenn wir die sie definierende Organisation autopoietische Organisation nennen (griech. autos = selbst; poiein = machen). Im wesentlichen ist diese Organisation durch gewisse Relationen gegeben, die wir aufzählen werden und die auf der zellulären Ebene noch leicht zu verstehen sein werden.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 50 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausgezeichnete Zusammenfassung dafür, was mit Autopoiese im ursprünglichen Sinn gemeint ist, liefert Maturana an anderer Stelle (vgl. unten [[#Maturanas Kritik am Autopoiesis-Begriff von Luhmann|„Maturanas Kritik am Autopoiesis-Begriff von Luhmann“]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Autopoiese und Autonomie ===&lt;br /&gt;
Die beiden Forscher verbinden den Ansatz der Autopoiese eng mit der traditionellen &#039;&#039;„Frage nach der Autonomie des Lebendigen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 55.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Autonomie meint dabei die Fähigkeit eines Systems, &#039;&#039;„seine eigene Gesetzlichkeit beziehungsweise das ihm Eigene zu spezifizieren“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 55.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Verständlich wird diese Autonomie durch das Verständnis der Organisation, die Lebewesen als Einheiten definiert. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Dies ist deshalb notwendig, weil gerade die Berücksichtigung der Lebewesen als autonome Einheiten uns aufzuzeigen erlaubt, wie ihre üblicherweise als geheimnisvoll und unfaßbar angesehene Autonomie verständlich wird, wenn und indem auf ihre sie als Einheit definierende autopoietische Organisation verwiesen wird.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 56.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass Autonomie in diesem Sinn eine grundsätzliche Eigenart des Lebendigen ist, von der ein Lebewesen nicht mehr oder weniger haben kann: Jedes Lebewesen wird grundsätzlich als autonom (eigengesetzlich) betrachtet. Diese Definition der Autonomie gerät in einen Widerspruch mit der Verwendung des Begriffs im Sinn der Selbstbestimmung, die in der Soziologie oder in Lebensqualitätsmodellen gängig ist. Letztere Verwendung hat Fremdbestimmung als Gegenbegriff und erlaubt im Gegensatz zur Begriffsbestimmung bei Maturana/Varela ein Mehr oder Weniger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Autopoietische Einheiten erster und zweiter Ordnung ===&lt;br /&gt;
Mit einer naturwissenschaftlichen Argumentation erläutern Maturana und Varela die Autopoiese von Zellen als Hauptmerkmal des Lebens und bezeichnen diese als autopoietische Einheiten oder Systeme erster Ordnung (vgl. [[Autopoietische Einheiten erster Ordnung]]). Diese Grundidee übertragen sie im vierten Kapitel mit der Überschrift „Das Leben der ‚Metazeller‘“ auf vielzellige Lebensformen, sogenannte Metazeller. Sie werden als Einheiten beschrieben, die aus Zellen, also aus autopoietischen Einheiten erster Ordnung, bestehen und &#039;&#039;„in deren Struktur eng verknüpfte Zellanhäufungen zu erkennen sind“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 98.&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Bezug auf ihre Struktur wandeln sich vielzellige Lebewesen in ihrer Lebensgeschichte. Die Geschichte dieses ständigen Wandels, die sogenannte Ontogenese&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 84.&amp;lt;/ref&amp;gt;, schließt dabei in einem Zyklus immer eine Stufe ein, in der sie aus einer Zelle bestehen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Es ist offenbar, daß die Ontogenese eines Metazellers durch den Bereich der Interaktionen, der diesen als ganze Einheit kennzeichnet, bestimmt wird und nicht durch die individuellen Interaktionen der den Metazeller bildenden Zellen. In anderen Worten: Das Leben eines vielzelligen Individuums als Einheit vollzieht sich zwar im Operieren seiner Bestandteile, es ist aber nicht durch die Eigenschaften der Bestandteile bestimmt. Alle multizellulären Individuen sind jedoch Ergebnis der Teilung und Aufspaltung einer Gattung von Zellen, welche zum Zeitpunkt der Befruchtung einer einzigen Zelle oder Zygote [kursiv] entstehen, wobei diese wiederum Produkt einiger Organe oder Teile eines multizellulären Organismus ist. Würden keine neuen Individuen erzeugt, so gäbe es kein Fortbestehen der Stämme. Und dafür, daß es neue Individuen gibt, muß ihr Entstehungsbeginn auf eine [kursiv] Zelle zurückgehen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 91.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Metazeller, zu denen u. a. alle Pilze, Pflanzen, Tiere und somit der Mensch zählen, bezeichnen sie als &#039;&#039;„autopoetische Systeme zweiter Ordnung [kursiv im Originaltext]“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 98.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bewusst offen gelassen wird aufgrund der unsicheren Kenntnislage die Frage, ob Metazeller bzw. Organismen in streng wissenschaftlichem Sinn als autopoietische Einheiten verstanden werden können, die mit denjenigen erster Ordnung vergleichbar sind. &amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Aber wie können wir die Bestandteile und Relationen in einem Organismus beschreiben, so daß seine Organisation im Sinne einer molekularen Autopoiese sichtbar wird? Im Falle der Metazeller haben wir bis heute eine viel ungenauere Kenntnis der molekularen Prozesse, welche sie als den Zellen vergleichbare autopoietische Einheiten definieren könnten.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 99.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Verwiesen wird auf den engen Zusammenhang zwischen der operationalen Geschlossenheit ihrer Organisation und der Autopoiese. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Wir können aber sagen, daß sie [die Metazeller] eine operationale Geschlossenheit [kursiv] ihrer Organisation aufweisen: Ihre Identität ist durch ein Netz von dynamischen Prozessen gekennzeichnet, deren Wirkungen das Netz nicht überschreiten.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 100.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Soziale Phänomene: Koppelungen dritter Ordnung ===&lt;br /&gt;
Die Voraussetzung für vielzellige Lebensformen bzw. autopoietische Einheiten zweiter Ordnung ist, dass sich einzelne Zellen enger verbinden und Anhäufungen bilden (vgl. oben). Um solche engen Verbindungen von Zellen – sei es mit anderen Zellen oder mit dem umgebenden Milieu – zu bezeichnen, verwenden Maturana und Varela den Begriff der strukturellen Koppelung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Daß sich zwei (oder mehr) autopoietische Einheiten in ihrer Ontogenese gekoppelt haben, sagen wir, wenn ihre Interaktionen einen rekursiven [kursiv] oder sehr stabilen Charakter erlangt haben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im achten und neunten Kapitel mit den Überschriften „Die sozialen Phänomene“ und „Sprachliche Bereiche und menschliches Bewusstsein“ übertragen Maturana und Varela ihre Grundideen mit Bezugnahme auf die auf Gruppen von Organismen mit einem Nervensystem. Dabei nehmen sie explizit Bezug auf die Mechanismen autopoietischer Systeme zweiter Ordnung&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 197.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Solche Gruppen beschreiben sie als strukturelle Koppelungen dritter Ordnung durch Ko-Ontogenese. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Es ist jedoch möglich [kursiv], daß die Interaktionen zwischen Organismen im Verlauf ihrer Ontogenese einen rekursiven Charakter annehmen. Das führt notwendig zum gemeinsamen strukturellen Driften dieser Organismen: eine Ko-Ontogenese, an der die Organismen durch ihre gegenseitige strukturelle Koppelung beide beteiligt sind, wobei jeder seine Anpassung und Organisation bewahrt. Wenn dies geschieht, dann bringen die gemeinsam driftenden Organismen einen neuen phänomenologischen Bereich hervor, der besonders komplex werden kann, wenn ein Nervensystem vorhanden ist. Um die Phänomene, die aus dieser strukturellen Koppelung dritter Ordnung [kursiv] entstehen, geht es in diesem und im folgenden Kapitel.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Phänomene dieses neuen Bereichs beschreiben Maturana und Varela u. a. die Rollenverteilung von Tieren bei der Zeugung und Aufzucht von Nachkommen&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 197 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das Sozialverhalten von Insekten als &#039;&#039;„klassischen und bemerkenswertesten Fall einer so engen Koppelung dritter Ordnung“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 200.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das Fluchtverhalten, die Jagd oder die Gruppenorganisation durch vielfältige Interaktionen bei sozialen Wirbeltieren wie Antilopen, Wölfen oder Primaten&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 205 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Erwähnt werden aber auch soziale Phänomene wie Kommunikation, Kulturelles, Altruismus und Egoismus oder die Nachahmung und die Erhaltung gelernten Verhaltens&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 209 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ganze neunte Kapitel des Buches widmet sich dem sprachlichen Bereich, der bewusst von vorausgehend beschriebenen sozialen Phänomenen getrennt wird. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Angeborenes Verhalten ist abhängig von den Strukturen, die im Verlauf der Entwicklung des Organismus unabhängig von seiner individuellen Ontogenese entstehen. Erworbenes kommunikatives Verhalten ist abhängig von der individuellen Ontogenese des Organismus und von seiner besonderen Geschichte von sozialen Interaktionen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 223.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass für die detaillierte Beschreibung von Koppelungen dritter Ordnung bzw. von sozialen Phänomenen die Begriffe „Autopoiese/autopoietisch“ in den entsprechenden Kapiteln nicht verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Autopoiesis bei Luhmann ==&lt;br /&gt;
Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann (1927–1998) übernahm den Begriff Autopoiesis und verwendet ihn als Leitidee seiner Systemtheorie, die er als &#039;&#039;„Theorie autopoietischer, selbstreferentieller, operativ geschlossener Systeme“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Luhmann, Niklas (1997):&#039;&#039;&#039; Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft1360). ISBN 3-518-28960-8. S. 79.&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Systemtheorie gilt allgemein als epochale Wende in der Geschichte der Gesellschaftstheorie oder Soziologie. Luhmann unterscheidet hauptsächlich zwischen biologischen, psychischen und sozialen Systemen, wobei in seinem Verständnis ein einzelner Mensch oder auch eine Gruppe von Menschen kein System bildet, sondern ein Konglomerat, ein Gemisch von unterschiedlichen Typen von Systemen ist&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Berghaus, Margot (2011):&#039;&#039;&#039; Luhmann leicht gemacht. Eine Einführung in die Systemtheorie. 3., überarbeitete und ergänzte Auflage. Köln: Böhlau. ISBN 978-3-8252-2360-1. S. 32 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Systeme werden dabei nicht durch ihre Dinglichkeit, sondern durch ihre dynamischen Operationen definiert. Diese Operationen betreffen einerseits die Differenzierung der systemeigenen Umwelt und die Autopoiesis. In enger Anlehnung an die Beschreibungen von Maturana/Varela ist damit gemeint, dass ein autopoietisches System sich selbst, also das, woraus es besteht, in operativer Geschlossenheit aus dem, woraus es besteht, erzeugt und fortlaufend reproduziert.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 50–52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Luhmann ist die operative Geschlossenheit zusammen mit gleichzeitiger Offenheit gegenüber der Umwelt, die eine Grundvoraussetzung ist, ein wichtiger Aspekt autopoietischer Systeme&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 56–60.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luhmann war es bewusst, dass Maturana mit dieser Verwendung des Begriffs Autopoiese in der Soziologie nicht einverstanden war; eine Einigung konnten die beiden diesbezüglich nicht erreichen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Ich habe mit Maturana relativ lange Diskussionen darüber geführt und er hat immer gesagt, wenn man von der Autopoiesis der Kommunikation spreche, müsse man das zeigen können. […] Ich glaube, dass das keine großen Schwierigkeiten macht. […] Opposition findet man nur dort, wo Maturana es ablehnt, Kommunikationssysteme als soziale Systeme zu bezeichnen. Es gibt ein starkes emotionales Moment auf seiner Seite. Er möchte die Menschen nicht ausser Acht lassen und hat auch nicht die Beweglichkeit in soziologischen oder linguistischen Fragen, die es ihm ermöglichen würde zu sehen, wie man den Menschen wieder hineinbekommt. Er will nicht darauf verzichten, mit dem Ausdruck ‚soziale Systeme‘ konkrete Menschen zu meinen, die Gruppen bilden und dergleichen. Nur da liegt die Differenz.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Luhmann, Niklas (2017):&#039;&#039;&#039; Einführung in die Systemtheorie. Herausgegeben von Dirk Baecker. 7. Auflage. Systemische Horizonte. Heidelberg: Carl-Auer Verlag. ISBN 978-3-89670-839-7. S. 109.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Maturanas Kritik am Autopoiesis-Begriff von Luhmann ==&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Die Gewissheit der Ungewissheit“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Pörksen, Bernhard (2002):&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit der Ungewissheit. Gespräche zum Konstruktivismus. Mit Heinz von Foerster … [u. a.]. Reihe Konstruktivismus und systemisches Denken. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag. ISBN 978-3-89670-227-0.&amp;lt;/ref&amp;gt; veröffentlicht Bernhard Pörksen (*1969) verschiedene Gespräche mit namhaften Forschern zum Konstruktivismus; eines davon hat er mit Maturana geführt. In diesem wundert sich Pörksen, dass Maturana bis zum dritten Tag des Gesprächs nicht auf den Begriff Autopoiese zu sprechen gekommen ist. Darauf liefert Maturana eine Begründung in Form einer sehr schönen Zusammenfassung seines Verständnisses der Bedeutung des Begriffs.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Der Grund besteht schlicht darin, dass ich den Begriff nur dann gebrauche, wenn er nötig und angebracht ist. Autopoiesis [kursiv] bedeutet ‚Selbsterschaffung‘ und setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern autós [kursiv] (‚selbst‘) und poieín [kursiv] (‚produzieren‘ bzw. ‚erschaffen‘) zusammen. Das Konzept der Autopoiesis liefert die Antwort auf die Frage, was ein lebendes System ausmacht: Man hat in der Geschichte der Biologie behauptet, dass das Lebendige durch die Fähigkeit zur Fortpflanzung oder Fortbewegung, dass es durch eine bestimmte chemische Zusammensetzung, einen spezifischen Aspekt des Stoffwechsels oder irgendeine Kombination dieser verschiedenen Kriterien charakterisiert sei. Ich schlage dagegen ein anderes Kriterium vor. Wenn man ein lebendes System betrachtet, findet man stets ein Netzwerk von Prozessen oder Molekülen, die auf eine Weise miteinander interagieren, die ihrerseits zur Produktion von Molekülen führt, die durch ihre Interaktion ebendieses Netzwerk der Produktion von Molekülen erzeugen und in seinem Umfang begrenzen. Ein solches Netzwerk nenne ich autopoietisch. Wenn man also auf ein Netzwerk stößt, dessen Operationen es im Ergebnis selbst hervorbringen, hat man es mit einem autopoietischen System zu tun. Es produziert sich selbst. Dieses System ist für die Zufuhr von Materie offen, jedoch – wenn man die Dynamik der Beziehungen, die es hervorbringen, betrachtet – geschlossen. Kurzum, das Konzept der Autopoiesis verwende ich, um das Schlüsselmerkmal des Lebendigen zu beschreiben, das ist alles. Wenn es nicht um dieses Problem, sondern um andere Themen geht, dann gibt es aus meiner Sicht auch keinen Anlass, das Wort zu verwenden und über Autopoiese zu sprechen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 103.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach weiteren Ausführungen und Präzisierungen auf Fragen von Pörksen geht Maturana auf die Verwendung des Begriffs bei Luhmann ein und erläutert die oben erwähnte Kritik genauer. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Niklas Luhmann geht jedoch nicht von Molekülen aus, die Moleküle erzeugen, sondern alles dreht sich um Kommunikationen, die Kommunikationen produzieren. Er glaubt, es handele sich um eine vergleichbare Situation. Das ist nicht korrekt, denn Moleküle erzeugen Moleküle ohne fremde Hilfe, ohne Unterstützung. Aber Kommunikationen setzen Menschen voraus, die kommunizieren. Kommunikationen produzieren nur mithilfe von lebenden Systemen Kommunikationen. Durch die Entscheidung, Moleküle durch Kommunikationen zu ersetzen, werden die Menschen als Kommunizierende ausgeklammert. Sie bleiben außen vor und gelten als unwichtig, sie bilden lediglich den Hintergrund und die Basis, in die das soziale System – verstanden als ein autopoietisches Netzwerk aus Kommunikationen – eingebettet ist.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 106.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ==&lt;br /&gt;
=== Autopoiese (Autopoiesis) bei Maturana/Varela und Luhmann ===&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass Maturana/Varela die Autopoiese anhand der lebenden Zelle in wissenschaftlicher Schlüssigkeit aufzeigen. Sie selbst sagen aus, dass diese Schlüssigkeit bei autopoietischen Einheiten oder Systemen zweiter Ordnung aufgrund der mangelnden wissenschaftlichen Kenntnislage (noch) nicht möglich sei. Bei strukturellen Koppelungen dritter Ordnung verwenden sie den Begriff Autopoiese/autopoietisch nicht mehr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sie diese drei Ebenen hingegen als durch ähnliche oder vergleichbare Phänomene verbunden betrachten, zeigt sich z. B. darin, dass im Inhaltsüberblick, der jedem Kapitel vorangestellt wird, vom Begriff Einheit über Organisation und Struktur zur Autopoiese (2. Kapitel), dann zu Einheiten 2. Ordnung (4. Kapitel) und schließlich zu Einheiten 3. Ordnung (8. Kapitel) geschritten wird. Zugleich zeigt der Inhaltsüberblick in hervorragender Weise, wie engmaschig die ganze Systematik und die Beziehungen der Begrifflichkeiten des Buches gedacht sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund ist für jeden Laien nachvollziehbar, dass die Übernahme des Begriffs durch Luhmann nicht im Sinn von Maturana/Varela sein kann: Luhmann ist als Soziologe ja insbesondere an sozialen Systemen interessiert, die bei Maturana/Varela zwar als Einheiten, aber nirgendwo als autopoietische Einheiten oder Systeme bezeichnet werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits muss man nicht SoziologIn sein, um zu begreifen, welche neuen Perspektiven es ermöglicht, soziale Gruppen als autopoietische System zu verstehen, die sich durch ihre je eigenen Rituale bzw. Operationen definieren, erhalten und sich gegenüber anderen Gruppen abgrenzen usw. Auf jeden Fall ist klar, dass dank Luhmann sehr viel kybernetisches Gedankengut – er greift mit seiner Systemtheorie z. B. auch auf Gregory Bateson oder Heinz von Foerster zurück, um nur zwei Beispiele zu nennen – eine weitere Verbreitung gefunden hat und ins allgemeine Bewusstsein von SoziologInnen, WirtschaftlerInnen, JuristInnen usw. gelangt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade die Kybernetik hat aufgezeigt, welche letztinstanzliche Bedeutung das einzelne, verkörperte Individuum mit all seinen Erfahrungen und Entwicklungen in Bezug auf das Weltverständnis und das Verhalten hat, konkreter ausgedrückt, dass es grundsätzlich nicht von außen direkt gesteuert oder determiniert werden kann, sondern immer nur sich selbst reguliert. Vor diesem Hintergrund mag einem mit Maturana der „Ausschluss“ der Bedeutung des einzelnen Menschen in der Systemtheorie von Luhmann als berechtigte Kritik erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Verwendung des Begriffs Interaktion in der Autopoiese-Beschreibung von Maturana/Varela ===&lt;br /&gt;
Aus der Sicht der Kinästhetik ist die Verwendung des Begriffs [[Interaktion]] in den Erläuterungen der Autopoiese bei Maturana/Varela auffällig. Grundsätzlich passt in der Kinästhetik die gängige Definition, dass Interaktion eine Wechselbeziehung zwischen HandlungspartnerInnen bezeichnet. Maturana/Varela halten fest, dass sie Interaktionen zwischen autopoietischen Einheiten nicht von Interaktionen einer autopoietischen Einheit mit seinem – aus der Sicht der BeobachterIn – leblosen Milieu unterscheiden; für eine Zelle stellt beides eine &#039;&#039;„Quelle von Interaktionen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (2009):&#039;&#039;&#039; Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Aus dem Spanischen von Kurt Ludewig in Zusammenarbeit mit dem Institut für systemische Studien e. V. in Hamburg. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag (Fischer Taschenbücher 17855). ISBN 978-3-596-17855-1. S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt; dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Kinästhetik besteht allerdings ein wesentlicher [[Unterschied]] zwischen Interaktionen zwischen Menschen und Aktionen von Menschen mit toter Materie. [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]] sind eine wichtige Grundlage der Kinästhetik. In einer persönlichen Bewegungserfahrung kann man diesen fundamentalen Unterschied leicht erfahren. Er zeigt sich deutlich, wenn man die eigenen Möglichkeiten und Erfahrungen, wenn man mit lebloser Materie agiert, z. B. einen Sessel irgendwo anders hinstellt, mit denjenigen vergleicht, wenn man mit einem anderen Menschen interagiert – den man z. B. nicht in gleicher Weise irgendwo anders hinstellen kann. In der Kinästhetik ist diese Unterscheidung für die förderliche Unterstützung von anderen Menschen über Berührung und Bewegung entscheidend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Varela, Francisco J.; Maturana, Humberto R.; Uribe, R. (1974): &#039;&#039;&#039; Autopoiesis: The organization of living systems, its characterization and a model. In: Biosystems. Volume 5, Issue 4. S. 187–196. doi:[https://doi.org/10.1016/0303-2647%2874%2990031-8 10.1016/0303-2647(74)90031-8].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Pörksen, Bernhard (2008): &#039;&#039;&#039; Vom Sein zum Tun. Die Ursprünge der Biologie des Erkennens. 2. Auflage. Systemische Horizonte. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag. ISBN 978-3-89670-669-0. S. 97–108: „Die Autopoiesis des Lebendigen“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R. (2000): &#039;&#039;&#039; Biologie der Realität. Übersetzung: Wolfram Köck. Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 1502. Frankfurt am Main: Suhrkamp. ISBN 3-518-29102-5. S. 106–112: „Lebende Systeme: Autopoiese“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
* [[Autopoietische Einheiten erster Ordnung]]&lt;br /&gt;
* [[Wahrnehmung]]&lt;br /&gt;
* [[1.-Person-Methode]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zum Begriff ==&lt;br /&gt;
=== Bedeutungsüberblick ===&lt;br /&gt;
==== Herkunft und Bedeutung ====&lt;br /&gt;
Autopoiese ist die deutsche Entsprechung des spanischen Begriffs „autopoiesis“. Es handelt sich um einen Neologismus, d.&amp;amp;nbsp;h., um eine wissenschaftliche Neubildung eines Wortes. Es setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern &#039;&#039;autós&#039;&#039; „selbst“ und &#039;&#039;poíesis&#039;&#039; „das Machen, Tun, Schaffen, Hervorbringen; die Dichtung, Poesie“. Letzteres ist eine Substantivbildung zum griechischen Verb &#039;&#039;poieín&#039;&#039; „machen; dichten“. Autopoiese heißt also sozusagen „die Selbstmachung“ oder besser „Selbsthervorbringung, Selbsterschaffung, Selbsterzeugung“. In diesem Sinn führten die beiden Biologen Humberto R. Maturana (*1928) und Francisco J. Varela (1946–2001) in ihrem Buch „Der Baum der Erkenntnis“ aus dem Jahr 1984 den Begriff in die breite wissenschaftliche Diskussion ein. Mit ihm bezeichneten sie das Hauptcharakteristikum des Lebens auf der Ebene einer Zelle oder eines Organismus. Der Soziologe Niklas Luhmann (1927–1998) übertrug den Begriff in die Gesellschaftstheorie und bezeichnete gesellschaftliche Bereiche wie die Politik oder die Wissenschaft als autopoietische Systeme, die eigengesetzlich ihre jeweilige Wirklichkeit erschaffen, erhalten und sich gegenüber anderen Systemen abgrenzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung des Fachbegriffs in der Kinästhetik orientiert sich sowohl an der ursprünglichen, von Maturana/Varela geprägten Bedeutung als auch an der Übertragung durch Luhmann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Bedeutungen von Autopoiese nach dem „Duden Online-Wörterbuch“ ====&lt;br /&gt;
Nach dem „Duden Online-Wörterbuch“ hat &#039;&#039;&#039;Autopoiese&#039;&#039;&#039; folgende Bedeutung: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Fähigkeit, sich selbst erhalten, wandeln, erneuern zu können“. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bedeutungsangabe orientiert sich mehr an der Verwendung des Begriffs bei Luhmann als bei Maturana/Varela: Es fehlt ihr die ursprüngliche Idee der Selbsterzeugung oder -erschaffung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kybernetische Grundlagen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lineare_Kausalit%C3%A4t&amp;diff=5559</id>
		<title>Lineare Kausalität</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lineare_Kausalit%C3%A4t&amp;diff=5559"/>
		<updated>2025-01-30T11:39:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus einschlägigen Zitaten zum Thema „lineare Kausalität“ aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ und „Kybernetik und Kinästhetik“. Der Artikel beschreibt die kausale Logik und stellt eine Verbindung zu gewohnten Denkmustern her.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Infobox zur linearen Kausalität in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ ==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Das Zitat ist in das vierte Kapitel „Theoretische Grundlagen des Fachgebiets Kinästhetik“ eingebettet. Die vorausgehenden Unterkapitel „Leben bedeutet Bewegung“ und „Schwerkraft und Bewegung“ beleuchten die grundlegende Bedeutung der Bewegung und der Schwerkraft für das Leben. Das Zitat ist der Text einer Infobox „&#039;&#039;&#039;Lineare Kausalität&#039;&#039;&#039; (lateinisch, ‚Ursächlichkeit‘)“ des dritten Unterkapitels „Zirkuläre Selbstregulationsprozesse als Grundlage des menschlichen Verhaltens“. Er führt einen Staudammbruch als Beispiel für den direkten Zusammenhang zwischen einer Wirkung (lateinisch effectus, reactio) und einer zeitlich vorausgehenden Ursache (lateinisch causa, actio).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Lineare Kausalität.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Der Bruch eines Staudammes (A) bewirkt eine Überflutung des Flusstales (B). Diese führt zu einem Großeinsatz der Rettungskräfte (C). Das physikalische und allgemein gebräuchliche Erklärungsmuster der Welt geht von einem direkten Zusammenhang zwischen Ursache (A) und Wirkung (B) aus. Die Wirkung (B) kann Ursache für eine weitere Wirkung (C) sein usw.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lineare Kausalität in „Kybernetik und Kinästhetik“ ==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kybernetik und Kinästhetik“. Es ist eingebettet in das dritte Kapitel „Der Kern: Feedback und [[Zirkularität]]“. Ihm voraus gehen die Unterkapitel „Selbstregulation durch Feedback“, „Wie funktioniert ein Heizsystem“ und „Ist-Wert, Soll-Wert und Rückkoppelung“. Das Zitat ist ein Ausschnitt aus dem vierten Unterkapitel „Zirkularität und Linearität“. In diesem Kontext wird auch die oben abgebildete Grafik ähnlich erläutert.&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Dies [die kreisförmige oder zirkuläre Abhängigkeit und Rückkoppelung der Elemente] widerspricht unserer alltäglichen Logik und entspricht in aller Regel weder unserem Denken noch unserer Sprache. Wie die klassische Mechanik der Physik denken wir meistens auf der Grundlage einer geradlinigen Abhängigkeit von Ursache und Wirkung, einer &#039;&#039;&#039;linearen Kausalität&#039;&#039;&#039;: Eine bestimmte Ursache A hat eine bestimmte Wirkung B und kann ihr zeitlich beliebig weit vorausgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die umgekehrte Betrachtungsweise ist in unserem logischen Denken verboten: Ein späteres Ereignis kann nicht die Ursache für ein früheres Ereignis sein. Nach einer Katastrophe wollen wir wissen, was die Ursache war, was die Gründe oder die Kausalketten waren, die zu ihr geführt haben, damit wir sie in Zukunft vermeiden oder gegen die Schuldigen vorgehen können. Wenn wir auf den Lichtschalter drücken, brennt die Lampe, wenn wir den Zündschlüssel umdrehen, startet der Motor. Wir leben in einer technischen Welt, die sehr oft in &#039;&#039;&#039;linearer Kausalität&#039;&#039;&#039; funktioniert – außer es liegt ein Defekt vor.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kybernetik und Kinästhetik. Unter Mitarbeit von Stefan Marty-Teuber und Stefan Knobel. Linz, Winterthur, Siebnen: Verlag European Kinaesthetics Association, verlag lebensqualität. ISBN: 978-3-903180-22-2 (Verlag European Kinaesthetics Association) ISBN: 978-3-906888-02-6 (verlag lebensqualität). S. 22–23.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
[[Zirkularität]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Feedback-Control-Theorie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kybernetische Grundlagen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernmodell&amp;diff=5541</id>
		<title>Lernmodell</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernmodell&amp;diff=5541"/>
		<updated>2025-01-30T10:16:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus dem einschlägigen Zitat zum Thema „Lernmodell“ aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“. Der Artikel beschreibt den Aufbau und die einzelnen Schritte des Lernmodells als methodische Grundlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Lernmodell in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ ==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Im zweiten Kapitel „Methoden und Instrumente“ bildet der Text das zweite Unterkapitel mit dem Titel „Das Lernmodell“. Im vorausgehenden ersten Unterkapitel wird die Kinaesthetics-[[Lernphase]] beschrieben, nachfolgend der [[Lernzyklus]] und die [[Lernspirale]] als zwei konkrete Ausprägungen des Lernmodells.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„&amp;lt;big&amp;gt;2.2. Das Lernmodell&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Das Lernmodell baut auf den Annahmen des Fachgebiets Kinästhetik in Bezug auf das Thema Lernen auf. Es gibt unterschiedlichen Lernprozessen eine Struktur, die sie besonders effektiv und nachhaltig macht. Es bildet die Grundlage für die meisten Methoden und Instrumente der Kinästhetik. Eine zentrale Rolle spielt dabei, dass [[Lernen (Begriff)|Lernen]] als ein zirkulärer oder spiralförmiger, aktiver und letztlich interaktiver Prozess verstanden wird. Deshalb finden sich in den Methoden und Instrumenten im Großen und im Kleinen immer wieder [[Zirkularität|zirkuläre]] Strukturen und Möglichkeiten zur [[Interaktion]] und zum gemeinsamen Lernen mit anderen Menschen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Lernmodell umfasst die folgenden, aufeinander aufbauenden Schritte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 1:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wo stehe ich in Bezug auf das Thema?&amp;lt;br&amp;gt;Der erste Schritt dient einerseits der Bestimmung der persönlichen Ausgangslage bezüglich des Lernthemas durch die eigene, aktive Erfahrung. Dies kann die Ebene der Bewegungswahrnehmung, des kognitiven Verständnisses oder der eigenen Annahmen betreffen. Die Standortbestimmung gewährleistet den Anschluss des Lernthemas an die eigenen Voraussetzungen. Andererseits geht es darum, das Thema einzugrenzen und seine Bedeutung und Relevanz in einen definierten Kontext oder Rahmen zu stellen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 2:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Was kann ich in Bezug auf das Thema wahrnehmen?&amp;lt;br&amp;gt;Im zweiten Schritt verschafft man sich ein möglichst differenziertes Bild des Lernthemas. Es wird aus der individuellen Innenperspektive mit genau definierten Betrachtungswinkeln (z. B. mit den Blickwinkeln des Konzeptsystems) analysiert, erforscht und beschrieben. Diese Analyse erfolgt dadurch, dass man sich allein und zusammen mit PartnerInnen aktiv mit dem Thema auseinandersetzt (z. B. mittels [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]]) und es sowohl für sich allein als auch gemeinsam reflektiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 3:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie kann ich meine [[Wahrnehmung]] zugunsten der Entwicklung von mehr Möglichkeiten nutzen?&amp;lt;br&amp;gt;Im dritten Schritt geht es um das Nutzen und Anwenden, Verknüpfen und Integrieren der Schwerpunkte des zweiten Schrittes mit dem Ziel, den persönlichen Handlungsspielraum zu erweitern. Es wird erforscht, wie auf der Grundlage des zweiten Schrittes mehr Gestaltungsmöglichkeiten bezüglich des Themas entstehen können. Dies erfolgt dadurch, dass man unter bestimmten Blickwinkeln die entdeckten Problemstellungen variiert und besonders auf die zugrunde liegenden Muster und Kompetenzen achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 4:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wo stehe ich jetzt, was nehme ich mit?&amp;lt;br&amp;gt;Im letzten Schritt wird die persönliche Standortbestimmung des ersten Schrittes wieder aufgenommen, um einen Vergleich anzustellen und aus den [[Unterschied|Unterschieden]] die eigenen Lernfortschritte oder offenen Fragen abzuleiten. Im Zentrum steht die systematische Evaluation und Einordnung der eigenen Lernprozesse. Dazu gehört auch die Bestimmung derjenigen Aspekte des Themas, die eine besondere Bedeutung für das eigene Leben haben und auf die man künftig besonders achten möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2025):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 16–17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahrungsberichte ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Siemann, Sabine (2014):&#039;&#039;&#039; Mit einem Juchzen belohnt. Entdeckendes Lernen mit einem Jungen im Wachkoma In: lebensqualität. Das Journal für Kinaesthetics. 2007, Nr. 1. S. 12–13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
[[Lernspirale]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Lernzyklus]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernen/Methodische Großformen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernmodell&amp;diff=5538</id>
		<title>Lernmodell</title>
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		<updated>2025-01-30T10:14:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus dem einschlägigen Zitat zum Thema „Lernmodell“ aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“. Der Artikel beschreibt den Aufbau und die einzelnen Schritte des Lernmodells als methodische Grundlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Lernmodell in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ ==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Im zweiten Kapitel „Methoden und Instrumente“ bildet der Text das zweite Unterkapitel mit dem Titel „Das Lernmodell“. Im vorausgehenden ersten Unterkapitel wird die Kinaesthetics-[[Lernphase]] beschrieben, nachfolgend der [[Lernzyklus]] und die [[Lernspirale]] als zwei konkrete Ausprägungen des Lernmodells.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„&amp;lt;big&amp;gt;2.2. Das Lernmodell&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Das Lernmodell baut auf den Annahmen des Fachgebiets Kinästhetik in Bezug auf das Thema Lernen auf. Es gibt unterschiedlichen Lernprozessen eine Struktur, die sie besonders effektiv und nachhaltig macht. Es bildet die Grundlage für die meisten Methoden und Instrumente der Kinästhetik. Eine zentrale Rolle spielt dabei, dass [[Lernen (Begriff)|Lernen]] als ein zirkulärer oder spiralförmiger, aktiver und letztlich interaktiver Prozess verstanden wird. Deshalb finden sich in den Methoden und Instrumenten im Großen und im Kleinen immer wieder [[Zirkularität|zirkuläre]] Strukturen und Möglichkeiten zur [[Interaktion]] und zum gemeinsamen Lernen mit anderen Menschen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Lernmodell umfasst die folgenden, aufeinander aufbauenden Schritte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 1:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wo stehe ich in Bezug auf das Thema?&amp;lt;br&amp;gt;Der erste Schritt dient einerseits der Bestimmung der persönlichen Ausgangslage bezüglich des Lernthemas durch die eigene, aktive Erfahrung. Dies kann die Ebene der Bewegungswahrnehmung, des kognitiven Verständnisses oder der eigenen Annahmen betreffen. Die Standortbestimmung gewährleistet den Anschluss des Lernthemas an die eigenen Voraussetzungen. Andererseits geht es darum, das Thema einzugrenzen und seine Bedeutung und Relevanz in einen definierten Kontext oder Rahmen zu stellen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 2:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Was kann ich in Bezug auf das Thema wahrnehmen?&amp;lt;br&amp;gt;Im zweiten Schritt verschafft man sich ein möglichst differenziertes Bild des Lernthemas. Es wird aus der individuellen Innenperspektive mit genau definierten Betrachtungswinkeln (z. B. mit den Blickwinkeln des Konzeptsystems) analysiert, erforscht und beschrieben. Diese Analyse erfolgt dadurch, dass man sich allein und zusammen mit PartnerInnen aktiv mit dem Thema auseinandersetzt (z. B. mittels [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]]) und es sowohl für sich allein als auch gemeinsam reflektiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 3:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie kann ich meine [[Wahrnehmung]] zugunsten der Entwicklung von mehr Möglichkeiten nutzen?&amp;lt;br&amp;gt;Im dritten Schritt geht es um das Nutzen und Anwenden, Verknüpfen und Integrieren der Schwerpunkte des zweiten Schrittes mit dem Ziel, den persönlichen Handlungsspielraum zu erweitern. Es wird erforscht, wie auf der Grundlage des zweiten Schrittes mehr Gestaltungsmöglichkeiten bezüglich des Themas entstehen können. Dies erfolgt dadurch, dass man unter bestimmten Blickwinkeln die entdeckten Problemstellungen variiert und besonders auf die zugrunde liegenden Muster und Kompetenzen achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 4:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wo stehe ich jetzt, was nehme ich mit?&amp;lt;br&amp;gt;Im letzten Schritt wird die persönliche Standortbestimmung des ersten Schrittes wieder aufgenommen, um einen Vergleich anzustellen und aus den [[Unterschied|Unterschieden]] die eigenen Lernfortschritte oder offenen Fragen abzuleiten. Im Zentrum steht die systematische Evaluation und Einordnung der eigenen Lernprozesse. Dazu gehört auch die Bestimmung derjenigen Aspekte des Themas, die eine besondere Bedeutung für das eigene Leben haben und auf die man künftig besonders achten möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 16–17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahrungsberichte ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Siemann, Sabine (2014):&#039;&#039;&#039; Mit einem Juchzen belohnt. Entdeckendes Lernen mit einem Jungen im Wachkoma In: lebensqualität. Das Journal für Kinaesthetics. 2007, Nr. 1. S. 12–13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
[[Lernspirale]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Lernzyklus]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernen/Methodische Großformen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernmodell&amp;diff=5537</id>
		<title>Lernmodell</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lernmodell&amp;diff=5537"/>
		<updated>2025-01-30T10:14:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|N. N./Joachim Reif}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist mit Fachliteratur angelegt. Er besteht aus dem einschlägigen Zitat zum Thema „Lernmodell“ aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“. Der Artikel beschreibt den Aufbau und die einzelnen Schritte des Lernmodells als methodische Grundlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Lernmodell in „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“ ==&lt;br /&gt;
Das folgende Zitat stammt aus dem Buch „Kinaesthetics – Lernen und Bewegungskompetenz“, das als Arbeitsunterlage in Kinaesthetics-Aufbaukursen verwendet wird. Im zweiten Kapitel „Methoden und Instrumente“ bildet der Text das zweite Unterkapitel mit dem Titel „Das Lernmodell“. Im vorausgehenden ersten Unterkapitel wird die Kinaesthetics-[[Lernphase]] beschrieben, nachfolgend der [[Lernzyklus]] und die [[Lernspirale]] als zwei konkrete Ausprägungen des Lernmodells.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„&amp;lt;big&amp;gt;2.2. Das Lernmodell&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Das Lernmodell baut auf den Annahmen des Fachgebiets Kinästhetik in Bezug auf das Thema Lernen auf. Es gibt unterschiedlichen Lernprozessen eine Struktur, die sie besonders effektiv und nachhaltig macht. Es bildet die Grundlage für die meisten Methoden und Instrumente der Kinästhetik. Eine zentrale Rolle spielt dabei, dass [[Lernen (Begriff)|Lernen]] als ein zirkulärer oder spiralförmiger, aktiver und letztlich interaktiver Prozess verstanden wird. Deshalb finden sich in den Methoden und Instrumenten im Großen und im Kleinen immer wieder [[Zirkularität|zirkuläre]] Strukturen und Möglichkeiten zur [[Interaktion]] und zum gemeinsamen Lernen mit anderen Menschen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Lernmodell umfasst die folgenden, aufeinander aufbauenden Schritte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 1:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wo stehe ich in Bezug auf das Thema?&amp;lt;br&amp;gt;Der erste Schritt dient einerseits der Bestimmung der persönlichen Ausgangslage bezüglich des Lernthemas durch die eigene, aktive Erfahrung. Dies kann die Ebene der Bewegungswahrnehmung, des kognitiven Verständnisses oder der eigenen Annahmen betreffen. Die Standortbestimmung gewährleistet den Anschluss des Lernthemas an die eigenen Voraussetzungen. Andererseits geht es darum, das Thema einzugrenzen und seine Bedeutung und Relevanz in einen definierten Kontext oder Rahmen zu stellen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 2:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Was kann ich in Bezug auf das Thema wahrnehmen?&amp;lt;br&amp;gt;Im zweiten Schritt verschafft man sich ein möglichst differenziertes Bild des Lernthemas. Es wird aus der individuellen Innenperspektive mit genau definierten Betrachtungswinkeln (z. B. mit den Blickwinkeln des Konzeptsystems) analysiert, erforscht und beschrieben. Diese Analyse erfolgt dadurch, dass man sich allein und zusammen mit PartnerInnen aktiv mit dem Thema auseinandersetzt (z. B. mittels [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]]) und es sowohl für sich allein als auch gemeinsam reflektiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 3:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie kann ich meine [[Wahrnehmung]] zugunsten der Entwicklung von mehr Möglichkeiten nutzen?&amp;lt;br&amp;gt;Im dritten Schritt geht es um das Nutzen und Anwenden, Verknüpfen und Integrieren der Schwerpunkte des zweiten Schrittes mit dem Ziel, den persönlichen Handlungsspielraum zu erweitern. Es wird erforscht, wie auf der Grundlage des zweiten Schrittes mehr Gestaltungsmöglichkeiten bezüglich des Themas entstehen können. Dies erfolgt dadurch, dass man unter bestimmten Blickwinkeln die entdeckten Problemstellungen variiert und besonders auf die zugrunde liegenden Muster und Kompetenzen achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schritt 4:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wo stehe ich jetzt, was nehme ich mit?&amp;lt;br&amp;gt;Im letzten Schritt wird die persönliche Standortbestimmung des ersten Schrittes wieder aufgenommen, um einen Vergleich anzustellen und aus den [[Unterschied|Unterschieden]] die eigenen Lernfortschritte oder offenen Fragen abzuleiten. Im Zentrum steht die systematische Evaluation und Einordnung der eigenen Lernprozesse. Dazu gehört auch die Bestimmung derjenigen Aspekte des Themas, die eine besondere Bedeutung für das eigene Leben haben und auf die man künftig besonders achten möchte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: &#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 16–17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahrungsberichte ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Siemann, Sabine (2014):&#039;&#039;&#039; Mit einem Juchzen belohnt. Entdeckendes Lernen mit einem Jungen im Wachkoma In: lebensqualität. Das Journal für Kinaesthetics. 2007, Nr. 1. S. 12–13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleiche auch ==&lt;br /&gt;
[[Lernspirale]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Lernzyklus]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernen/Methodische Großformen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=KOFL:Testseite_f%C3%BCr_Redaktionsteam&amp;diff=5407</id>
		<title>KOFL:Testseite für Redaktionsteam</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=KOFL:Testseite_f%C3%BCr_Redaktionsteam&amp;diff=5407"/>
		<updated>2024-10-20T08:15:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==&#039;&#039;&#039;Bitte diese Testdesigns für die Hauptseite stehen lassen!!! (rejo, mast)&#039;&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 10px #FF4500;background-color:wheat;&amp;quot; colspan=&amp;quot;2&amp;quot; |&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Das [[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon|Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL)]] wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Schon gewusst?&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; LINK-Sinnesrezeptoren-LINK&amp;lt;br&amp;gt;Zum Kinästhetischen Sinnessystem gehören unterschiedliche Rezeptoren mit unterschiedlichen Aufgaben. Die &#039;&#039;&#039;Muskelspindeln&#039;&#039;&#039; befinden sich in den Muskelfasern und registrieren Veränderung in der Länge, Dehnbarkeit und der Geschwindigkeit dieser Veränderung. Die &#039;&#039;&#039;Golgi-Sehnenorgane&#039;&#039;&#039; befinden sich an den Übergängen zwischen Muskeln und Sehnen und überwachen die Muskelspannung und Druck auf Gelenkbänder. In den Gelenken befinden sich Mechanorezeptoren. &#039;&#039;&#039;Ruffini-Rezeptoren&#039;&#039;&#039; reagieren auf Dehnung, &#039;&#039;&#039;Vater-Pacini-Körperchen&#039;&#039;&#039; reagieren auf schnelle Veränderung oder Vibration. Auf der Haut finden wir Rezeptoren, die zum taktilen- und zum kinästhetischen Sinnessystem zählen. Diese sind die &#039;&#039;&#039;Merkel-Zellen&#039;&#039;&#039;, die Druck und Berührung erfassen, sowie die &#039;&#039;&#039;Meissner-Körperchen&#039;&#039;&#039; die auf Vibration und leichte Berührung reagieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bedeutende Personen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Gregory Bateson&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;(* 9. Mai 1904 in Grantchester, Cambridgeshire; † 4. Juli 1980 in San Francisco) war ein englischer Anthropologe, Biologe, Sozialwissenschaftler, [[Kybernetik (Begriff)|Kybernetiker]] und Philosoph. Seine Arbeitsgebiete umfassten anthropologische Studien, das Feld der Kommunikationstheorie und [[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)|Lerntheorie]], genauso wie Fragen der Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Ökologie oder der Linguistik. Bateson behandelte diese wissenschaftlichen Gebiete allerdings nicht als getrennte Disziplinen, sondern als verschiedene Aspekte und Facetten, in denen seine systemisch-kybernetische Denkweise zum Tragen kommt. &amp;lt;br&amp;gt;(Quelle: Wikipedia, Gregory Bateson)&lt;br /&gt;
Gregory Bateson stand Kinästhetik persönlich nicht so nahe wie Moshe Feldenkrais und K.U. Smith, hatte aber doch einen bedeutenden Einfluss auf deren Entwicklung. Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit waren Franks und Lennys Erklärungen, wie und warum ihre Arbeit mit Kommunikation durch Berührung und Bewegung taugte, manchmal unklar, bisweilen etwas metaphysisch oder gar konfus. Als sie Bateson&#039;s „Oekologie des Geistes“ gelesen hatten, begann Frank mit ihm einen Briefkontakt, der bis zu Bateson&#039;s Tode, kurz nach der Vollendung seines letzten Buches „Geist und Natur“, andauerte. Diese Korrespondenz und Bateson&#039;s beiden Bücher sind der Ursprung vieler philosophischer Ansätze der Kinästhetik.&amp;lt;br&amp;gt; (Quelle: 16. Kinästhetik-Bulletin, 1990, S. 7. Anm.: Frank Hatch, Lenny Maietta: Begründer der Kinästhetik)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:orange; colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Meistgelesene Artikel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Hier findest du eine Rangliste der Artikel, die am meisten aufgerufen worden sind (Stand 27. August 2024)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
# [[Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]‏‎ (10.662 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Heinz von Foerster]]‏‎ (9.394 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Wahrnehmung]]‏‎ (6.647 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Literatur und Medien]] (6.246 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Orientierung]]‏‎ (6.016 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Bewegungserfahrung]]‏‎ (4.749 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Spastik‏‎]] (4.248 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Knochen und Muskeln]]‏‎ (4.156 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]‏‎ (3.884 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[‏Viabilität]]‏‎‏‎ (3.641 Aufrufe)‎&lt;br /&gt;
[[Spezial:Beliebteste_Seiten|Mehr erfahren]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 90%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF; &amp;quot;colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bemerkenswerte Ereignisse&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Erste Beschreibung des [[Lernmodell|Lehrmodells]] der Kinästhetik&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 17. Juni 1989 beschrieben Frank Hatch und Lenny Maietta für das 16. Kinästhetik Bulletin das Lehrmodell der [[Kinästhetik (Begriff)|Kinästhetik]]. Sie äußern dabei ihre „Grundüberzeugung, das [[Bewegungserfahrung|Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrung]] die Grundlage allen Lernens ist“. Sie hätten daraus weitere Grundsätze und aus diesen wiederum Übungen entwickelt, um Kursteilnehmenden zu „helfen, Beziehungen und Muster in der eigenen Bewegung zu erkennen. Durch strukturierte Bewegungserfahrungen entwickelt ein Teilnehmer im Kinästhetik-Unterricht differenziertere sensomotorische Fähigkeiten, die Grundlage aller menschlichen Fähigkeiten überhaupt. Er lernt dabei, seine Erfahrungen einzuordnen, indem er ihre Muster und Beziehungen analysiert.“&amp;lt;br&amp;gt;In diesem frühen Text wird ein Kern der Kinästhetik beschrieben, der bis heute seine Gültigkeit behält.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 50%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Zuletzt erschienene Artikel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
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* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
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|style=&amp;quot;border-left:solid 5px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:#FFD700; colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Mach mit!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Du hast viele Möglichkeiten, die Entwicklung des KOFL zu unterstützen.&lt;br /&gt;
* Nur schon, wenn du das KOFL nutzt und Artikel liest, hilfst du dem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] zu erkennen, welche Themen auf besonderes Interesse stoßen bzw. in welchem Themenkreis weitere Artikel publizienswert sind.&lt;br /&gt;
* Diskutiere mit! Jeder Artikel im KOFL hat eine Diskussionsseite. Wenn du einen interessanten Hinweis hast, Aussagen schlecht verstehst oder mit ihnen nicht einverstanden bist, hinterlasse eine Notiz auf der Diskussionsseite – dein Beitrag muss nicht geschliffen daherkommen, sondern nur verständlich sein.&lt;br /&gt;
* Du kannst das KOFL bzw. die Publikation von Artikeln ideell oder materiell unterstützen: [[KOFL:Eine Diskussion eröffnen]], [[KOFL:Artikel(teile) veröffentlichen]], [[KOFL:Sponsoring]].&lt;br /&gt;
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=== Vorschlag für Redaktionstreffen vom 25. Juni 2024 ===&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 10px #FF4500;background-color:wheat;&amp;quot; colspan=&amp;quot;2&amp;quot; |&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Das [[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon|Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL)]] wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“).&lt;br /&gt;
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| style=&amp;quot;width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Schon gewusst?&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;[[Der gekochte Frosch]]&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Durch diese Fabel wird verständlich, warum wir langsame Entwicklungen und Lernprozesse von uns selbst sehr viel schwerer feststellen als schnelle und unterscheidbare Veränderungen und Lernerfolge.&amp;lt;br&amp;gt;Gregory Bateson verwendet die folgende, als quasi-wissenschaftlich bezeichnete Fabel, um deutlich zu machen, dass „wir [uns] fast immer unbewusst sind über die Trends in den Veränderungen unseres Zustandes. ... Wenn man einen Frosch dazu bringen kann, ruhig in einem Topf mit kaltem Wasser sitzen zu bleiben, und wenn man dann die Wassertemperatur sehr langsam und sanft erhöht, so dass es keinen Augenblick gibt, der sich als der Augenblick ‚abhebt‘, in dem der Frosch springen sollte, dann wird er niemals springen. Er wird gekocht werden.“&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bedeutende Personen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Gregory Bateson&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;(* 9. Mai 1904 in Grantchester, Cambridgeshire; † 4. Juli 1980 in San Francisco) war ein englischer Anthropologe, Biologe, Sozialwissenschaftler, Kybernetiker und Philosoph. Seine Arbeitsgebiete umfassten anthropologische Studien, das Feld der Kommunikationstheorie und Lerntheorie, genauso wie Fragen der Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Ökologie oder der Linguistik. Bateson behandelte diese wissenschaftlichen Gebiete allerdings nicht als getrennte Disziplinen, sondern als verschiedene Aspekte und Facetten, in denen seine systemisch-kybernetische Denkweise zum Tragen kommt. &lt;br /&gt;
Batesons Gedanken und Arbeiten waren vor allem geprägt von philosophischen Überlegungen Platons, psychologischen Überlegungen Sigmund Freuds und Carl Gustav Jungs, der Typentheorie Bertrand Russells sowie von Kybernetikern wie Norbert Wiener, Warren McCulloch, John von Neumann und Claude Shannon mit seiner Informationstheorie. Bateson seinerseits hatte großen Einfluss auf die Systemische Therapie sowie die Familientherapie. Er beeinflusste verschiedene theoretische Strömungen in der Soziologie und Anthropologie. (Quelle: Wikipedia, Gregory Bateson)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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# [[Heinz von Foerster]]‏‎ (576 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Wahrnehmung]]‏‎ (483 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]‏‎ (477 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Orientierung‏‎]] (269 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]‏‎ (246 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Viabilität]]‏‎ (154 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Literatur und Medien‏‎]] (110 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Bewegungserfahrung]]‏‎ (103 Aufrufe)&lt;br /&gt;
style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; [[Spezial:Beliebteste_Seiten|Mehr erfahren]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;width: 90%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF; &amp;quot;colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bemerkenswerte Ereignise&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 17. Juni 1989 beschrieben Frank Hatch und Lenny Maietta für das 16. Kinästhetik Bulletin das Lehrmodell der Kinästhetik. Sie äußern dabei ihre „Grundüberzeugung, das Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrung die Grundlage allen Lernens ist“. Sie hätten daraus weitere Grundsätze und aus diesen wiederum Übungen entwickelt, um Kursteilnehmenden zu „helfen, Beziehungen und Muster in der eigenen Bewegung zu erkennen. Durch strukturierte Bewegungserfahrungen entwickelt ein Teilnehmer im Kinästhetik-Unterricht differenziertere sensomotorische Fähigkeiten, die Grundlage aller menschlichen Fähigkeiten überhaupt. Er lernt dabei, seine Erfahrungen einzuordnen, indem er ihre Muster und Beziehungen analysiert.“&amp;lt;br&amp;gt;In diesem frühen Text wird ein Kern der Kinästhetik beschrieben, der bis heute seine Gültigkeit behält.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel „[[Erfahren (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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* Nur schon, wenn du das KOFL nutzt und Artikel liest, hilfst du dem [[Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] zu erkennen, welche Themen auf besonderes Interesse stoßen bzw. in welchem Themenkreis weitere Artikel publizienswert sind.&lt;br /&gt;
* Diskutiere mit! Jeder Artikel im KOFL hat eine Diskussionsseite. Wenn du einen interessanten Hinweis hast, Aussagen schlecht verstehst oder mit ihnen nicht einverstanden bist, hinterlasse eine Notiz auf der Diskussionsseite – dein Beitrag muss nicht geschliffen daherkommen, nur verständlich sein.&lt;br /&gt;
* Du kannst das KOFL bzw. die Publikation von Artikeln ideell oder materiell unterstützen (vgl. [[KOFL:Eine Diskussion eröffnen]], [[KOFL:Artikel(teile) veröffentlichen]], [[KOFL:Sponsoring]].&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;BITTE DEN FOLGENDEN ARTIKEL NICHT LÖSCHEN!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem (gyfr, mast)==&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Fachbegriffs ==&lt;br /&gt;
=== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem in „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
==== Die Einbettung des Themas im Konzept „Interaktion“====&lt;br /&gt;
Das erste Konzept des Konzeptsystems ist mit „[[Interaktion]]“ überschrieben und ist grundlegend für die folgenden fünf Konzepte. Das hauptsächliche Thema besteht darin, die persönliche Wahrnehmung und insbesondere Bewegungswahrnehmung zu sensibilisieren sowie körperliche und zwischenmenschliche Unterschiede und Interaktionen zu erfahren&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2023):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Einleitung des Konzepts wird nach der gängigen Definition der Interaktion als &#039;&#039;„Wechselbeziehung zwischen zwei oder mehreren HandlungspartnerInnen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 13.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit dem Beispiel der verbalen und nonverbalen Kommunikation darauf hingewiesen, dass Interaktionen grundsätzlich auf allen Sinnessystemen beruhen. Demgemäß ist das erste Unterthema mit „Sinne“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; überschrieben und enthält die untergeordnete Überschrift „Das kinästhetische Sinnessystem“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Das Unterthema Sinne ====&lt;br /&gt;
===== Zusammenhang von Interaktions- und Wahrnehmungsfähigkeit, die klassischen 5 Sinne =====&lt;br /&gt;
[[Datei:Konzepticons-mit-kreis 111.png|250px|thumb|rechts|Das zugehörige Konzepticon&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2023):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 34 und 36.&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigt in einem äußeren Kreis die 5 klassischen, nach außen gerichteten Sinne. In der Mitte findet sich die Darstellung eines Muskels mit der Muskelspindel. Dieser Rezeptor steht stellvertretend für das gesamte, nach innen gerichtete kinästhetische Sinnessystem mit seinem Netzwerk von unterschiedlichen Rezeptoren. Die zentrale Stellung illustriert seine grundlegende Bedeutung für die klassischen 5 Sinne bzw. die gesamte Wahrnehmung.]]&lt;br /&gt;
Einleitend wird nochmals betont, dass die Interaktionsfähigkeit eines Menschen auf seinen Sinnen bzw. seiner Wahrnehmungsfähigkeit basiert. Dann folgt eine tabellarische Auflistung der klassischen fünf Sinne mit der Abbildung ihrer Organe und den zugehörigen Reizen. Bei diesen wird außer beim Geruchssinn durch die Angabe von gegensätzlichen Adjektiven (z. B. hell und dunkel) die Bedeutung von Unterschieden für die Wahrnehmung aufgezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Keine Abbildung durch die nach außen gerichteten 5 Sinne, sondern ein inneres Hervorbringen der Außenwelt =====&lt;br /&gt;
Mit Berufung auf moderne Forschungen der Neurobiologie wird dann die frühere Annahme kritisiert, dass diese nach außen gerichteten Sinne die Außenwelt genau und „wahr“ abbilden. Diese Forschungen zeigen auf, dass keine Informationen aus der Außenwelt direkt in die Innenwelt eines jeden Menschen gelangen. Vielmehr produziert jeder einzelne Mensch diese in sich selbst, weil er in Bezug auf Information ein geschlossenes System ist. Mit diesen Formulierungen wird offensichtlich auf die beiden Wissenschaftler Humberto Maturana (1928–2021) und Francisco Varela (1946–2001), die Begründer der [[Autopoiese (Autopoiesis)]]-Theorie, angespielt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Keine qualitative Kodierung von Wahrnehmungsursachen, sondern individuelle Konstruktion =====&lt;br /&gt;
Die Aussagen werden gemäß den Formulierungen von [[Heinz von Foerster]] (1911–2002) mit seinem folgenden Forschungsergebnis erläutert:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die ganze Wahrnehmung besteht aus individuell konstruierten Beziehungen, die in unserem Inneren entstehen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Es gebe keine qualitative oder spezifische Kodierung der Ursache einer Wahrnehmung. Die sensorischen Zellen würden nur die Mitteilung über eine vorliegende Störung oder einen vorliegenden Reiz liefern. Dies wird ergänzt durch den Hinweis, der ebenso auf Heinz von Foerster zurückgeht, dass der Wahrnehmungsprozess nur auf quantitativen Unterschieden beruht&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. zu diesen Aussagen von Heinz von Foerster z. B. [[Sensitivität_(innere_und_äußere,_von_Foerster)#„Interpretation“|das Kapitel „Interpretation“]] aus seinem Vortrag „Über das Konstruieren von Wirklichkeiten“ von 1973.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
===== Unterschiede, die einen Unterschied (aus)machen =====&lt;br /&gt;
Die vorangehenden Aussagen werden mit der bekannten Definition des Informationsbegriffs von [[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)|Gregory Bateson]] (1904–1980) verbunden:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Informationen bestehen aus Unterschieden, die einen Unterschied machen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2023):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Nur wenn wir (oder Lebewesen überhaupt) einen Unterschied in uns selbst wahrnehmen können, kann daraus eine Information entstehen – ob aus einer Außenperspektive ein Unterschied vorliegt oder nicht, spielt folglich keine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „Das kinästhetische Sinnessystem“===&lt;br /&gt;
Im Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ enthält das erste Unterthema „Sinne“ des ersten Kapitels „Konzept Interaktion“ das Unterkapitel mit der Überschrift „Das kinästhetische Sinnessystem“.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Nach innen gerichtete Rezeptoren und wahrnehmbare Reize =====&lt;br /&gt;
Zu diesem Thema wird an erster Stelle erwähnt, dass die Entdeckung der Rezeptoren, &#039;&#039;„die auf spezifische Reize aus dem Körperinnern spezialisiert sind“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, erst neuzeitlich ist. Als Beispiele dafür, was mit ihnen wahrgenommen werden kann, werden aufgeführt:&lt;br /&gt;
* Schmerz&lt;br /&gt;
* Muskelspannung&lt;br /&gt;
* Vibration&lt;br /&gt;
* Stellung der Körperteile zueinander&lt;br /&gt;
* Stellung des Kopfes bezüglich der Schwerkraft&lt;br /&gt;
Mit Bezug auf die vorangehend dargestellten klassischen fünf Sinne wird betont, dass die menschliche Sinneswahrnehmung somit &#039;&#039;„nicht nur Reize von außen, sondern auch von innen verarbeitet“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Grundlegende Bedeutung für alle Lebensaktivitäten und wahrnehmbare Aspekte der Bewegung=====&lt;br /&gt;
Darauf wird auf die grundlegende Bedeutung des kinästhetischen Sinnessystems hingewiesen, um alle Lebensaktivitäten ausführen zu können. Als Beispiele, welche Bewegungsaspekte mit ihm wahrgenommen können, werden aufgeführt:&lt;br /&gt;
* Unterschiede der Muskelspannung&lt;br /&gt;
* Druck- und Zugverhältnisse&lt;br /&gt;
* Raumlagebeziehungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Untrennbarkeit von Bewegung und Bewegungswahrnehmung bzw. Koppelung ihrer Feedbackschleifen =====&lt;br /&gt;
Dabei würden Bewegung und Bewegungswahrnehmung sich gegenseitig bedingen und seien „durch kontinuierliche [[Feedback-Control-Theorie|Feedbackschleifen]] gekoppelt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Man muss sich bewegen, um Bewegung wahrnehmen zu können, und man muss Bewegung wahrnehmen können, um sich gezielt zu bewegen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Demgemäß sind Bewegung und Bewegungswahrnehmung untrennbar in einem zirkulären Zusammenspiel von Feedbackschleifen verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Grundlegende Bedeutung des kinästhetischen Sinnessystems bzw. seiner Sensibilisierung für die gesamte Wahrnehmung und die Interaktionsqualität =====&lt;br /&gt;
In Bezug auf die gesamte Wahrnehmung bzw. auf alle Sinnessysteme wird anschließend dem kinästhetischen Sinnessystem eine grundlegende Bedeutung zugeschrieben. Wahrnehmung sei immer mit Bewegung verbunden und beruhe auf der &#039;&#039;„Fähigkeit, mit der Bewegung einem Reiz folgen zu können“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Deshalb sei in der Kinästhetik ein wichtiges Ziel, das kinästhetische Sinnessystem zu sensibilisieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend wird der Zusammenhang zum übergeordneten Thema der Interaktion durch die Aussage hergestellt, dass die Qualität der Interaktionen von HandlungspartnerInnen direkt von der Sensibilität ihrer Bewegungswahrnehmung beeinflusst werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne weitere Erläuterungen (vgl. dazu „Kommentare, Auswertung, offene Fragen“: LINK) wird der bekannte folgende Aphorismus aus dem Buch „Der Baum der Erkenntnis“ von Humberto Maturana und Francisco Varela an den Schluss gestellt::&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; „Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ===&lt;br /&gt;
Nur angedeutet:&lt;br /&gt;
==== Geschlossenheit====&lt;br /&gt;
Geschlossenheit steht in bester kybernetischer Tradition. Zum Beispiel auch bei K. U. Smith (closed-loop feedback; K. U. hatte bedeutenden Einfluss auf die Begründergeneration der Kinästhetik)&lt;br /&gt;
==== „Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun.“====&lt;br /&gt;
Der Anschluss kann einerseits in der Aussage vermutet werden, dass sich Bewegung und Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) wechselseitig bedingen. Andererseits ist Erkennen ein Synonym von Wahrnehmen und Bewegung mit jedem Tun verbunden. Somit kann eine zweite Brücke zur Aussage geschlagen werden, dass jede Wahrnehmung mit Bewegung verbunden sei.&lt;br /&gt;
Der Kontext des Aphorismus im Buch von Maturana und Varela wird nachfolgend zitiert und zeigt weitere Verbindungen zu den Ausführungen des Konzeptsystems zum Thema Sinne auf:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; „In diesem Sinne werden wir ständig festzustellen haben, daß man das Phänomen des Erkennens nicht so auffassen kann, als gäbe es ‚Tatsachen‘ und Objekte da draußen [im Original kursiv], die man nur aufzugreifen und in den Kopf hineinzutun habe. Diese Feststellung bildet das Fundament von alldem, was wir zu sagen haben werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Erfahrung von jedem Ding ‚da draußen‘ wird auf eine spezifische Weise durch die menschliche Struktur konfiguriert, welche ‚das Ding‘, das in der Beschreibung entsteht, erst möglich macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zirkularität, diese Verkettung von Handlung und Erfahrung, diese Untrennbarkeit einer bestimmten Art zu sein von der Art, wie die Welt uns erscheint, sagt uns, daß jeder Akt des Erkennens eine Welt hervorbringt [im Original kursiv]. Diese Eigenschaft des Erkennens wird unausweichlich zugleich unser Problem, unser Ausgangspunkt und der Leitfaden für unsere Erörterungen auf den folgenden Seiten sein. Dies alles kann in dem Aphorismus zusammengefaßt werden: Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun. [im Original kursiv]“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (1987):&#039;&#039;&#039; Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Aus dem Spanischen von Kurt Ludewig in Zusammenarbeit mit dem Institut für systemische Studien e. V. in Hamburg. 1. Auflage. Bern, München, Wien: Scherz Verlag. ISBN 3-502-13440-5. S. 31.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „MEIN THEMA“ in „AMD, LuB, KuK“ ===&lt;br /&gt;
gyfr (anschließend) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „xy“ in „Kinästhetik – Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten“ === ??&lt;br /&gt;
MEIN TEXT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem in „Kinaesthetics Infant Handling“ ===&lt;br /&gt;
==== Kinästhetisches Sinnessystem als Grundlage der Entwicklung von Bewegungsfähigkeiten ====&lt;br /&gt;
Im Buch „Kinaesthetics Infant Handling“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Lenny Maietta und Frank Hatch thematisiert das erste Kapitel die grundlegende Frage, wie Bewegungsfähigkeiten entstehen. In dessen Einleitung wird darauf hingewiesen, dass der Mensch gemäß kybernetischen Erkenntnissen sein Verhalten durch Feedback-Kontrolle steuert. Dabei hänge die Entwicklung einer effektiven Verhaltenskontrolle des Kindes in der Schwerkraft &#039;&#039;„von der Handlingsfähigkeit der Erwachsenen ab“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das zweite Unterkapitel erläutert, dass das Verhalten durch die eigenen Annahmen gelenkt wird. Das dritte Unterkapitel bezeichnet Berührung und Körperkontakt als wesentliche Form der Interaktion zwischen Kindern und Erwachsenen. Insbesondere wird beschrieben, dass der Bewegungsaustausch über Körperkontakt für die Entwicklung von Bewegungsgrundlagen für das lebenslange Lernen von zentraler Bedeutung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Unterkapitel „1.4 Selbsterfahrung durch Bewegung“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 23 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; geht darauf ein, wie der Mensch seine Bewegung &#039;&#039;„innerlich über das kinästhetisch-sensorische System, das aus mehreren Komponenten besteht“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; erlebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwähnt werden die basalen Rezeptoren der Haut bzw. der Körperoberfläche, die auf Druckänderungen reagieren und einem erlauben, den Kontakt mit belebter oder unbelebter Umgebung zu registrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Hautrezeptoren sind mit weiteren Bewegungsrezeptoren verbunden, die sich&lt;br /&gt;
* im Muskelgewebe,&lt;br /&gt;
* in Gelenken, &lt;br /&gt;
* im Innenohr&lt;br /&gt;
befinden. In einem Netzwerk ermöglichen sie, die Körperbewegung zu kontrollieren:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Die Druckänderungen einer beliebigen Komponente des kinästhetischen Systems signalisiert eine Veränderung der Position in der Schwerkraft und löst im gesamten Körper Anpassungen der muskulären Spannung aus.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Aussagen werden dadurch erläutert, dass der Mensch sein Körpergewicht in der Schwerkraft durch Verlagerungen und Veränderungen der Kontaktstellen mit seiner Umgebung bewegt. Mit einer Abbildung, die einen Mensch zeigt, der auf einem Stuhl sitzt und seine Hand auf einen Tisch hält, wird die Aussage des vorangehenden Zitats illustriert: Durch den Druck der Füße auf den Boden entsteht in ihm ein Spannungsmuster, das sich verändert, wenn er mit seinen Fingern auf den Tisch drückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend wird erwähnt, dass es in der Kinästhetik um die effektive Kontrolle der Bewegung und die besondere Aufmerksamkeit auf die kinästhetischen Empfindungen gehe, das kinästhetische Sinnessystem aber außerhalb der Kinästhetik häufig keine Beachtung fände. &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Unterkapitel „Selbsterfahrung durch Bewegung“ folgen vier weitere mit den Überschriften „Kinder brauchen Bewegungsunterstützung“, „Bewegungsgrundlage als gemeinsamer Nenner“, „Ziele“ und „Inhaltliche Schwerpunkte“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 25 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem im Rahmen der Darstellung der Konzepte ====&lt;br /&gt;
===== Kontext =====&lt;br /&gt;
Das kurze zweite Kapitel des Buches trägt den Titel „Ihre Vorstellungen über kindliche Entwicklung“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 31 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das dritte Kapitel „Gesundheit, Entwicklung und Lernen“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 39 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; stellt ausführlicher unterschiedliche Aspekte dieses Themenbereichs dar.&lt;br /&gt;
Im vierten Kapitel „Das MH Kinaesthetics-Infant-Handling-Programm“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; des Buches werden aus der Perspektive des Handlings mit Kindern die Konzepte der Kinästhetik behandelt, was u. a. einleitend thematisiert wird. Das Konzept Interaktion steht zu Beginn der Darstellung der sechs Konzepte und wird kurz mit seinen Unterthemen eingeleitet. Das Thema der Sinne und des kinästhetischen Sinnessystems bildet das erste Unterkapitel.&lt;br /&gt;
===== „Sinnessysteme und Wahrnehmung“=====&lt;br /&gt;
Die Frage, &#039;&#039;„welche sensorischen Reize Neugeborene wahrnehmen können“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 64.&amp;lt;/ref&amp;gt; eröffnet das Unterkapitel „4.3.1 Sinnessysteme und Wahrnehmung“. Zur Beantwortung wird die Abhängigkeit dieser Frage von der Definition der sensorischen Fähigkeiten aufgezeigt: Die Antwort fällt unterschiedlich aus, je nachdem ob man darunter versteht, dass das Kind einfach sensorische Reize aufnimmt, sensorische Ereignisse versteht (also wahrnimmt) oder mit spezifischen sensorischen Systemen Phänomene als Ursachen der entsprechenden Empfindungen wahrnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Anschluss legt die Beschreibung einer persönlichen Erfahrung von Frank Hatch nahe, im Umgang mit Kindern von Geburt an auf die visuellen und anderen sensorischen Fähigkeiten zu achten. Was die eingangs gestellte Frage betrifft, wird auf die Tatsache verwiesen, &#039;&#039;„Kinder aller Altersstufen über die gleichen sensorischen Systeme wie Erwachsenen verfügen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt; und der hauptsächliche Unterschied darin bestehe, &#039;&#039;„was jeder gelernt hat, mit den sensorischen Informationen anzufangen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gerade deswegen würden Kinder die Hilfe von Erwachsenen benötigen, um ihre Empfindungen einordnen, interpretieren und motorisch effizient reagieren zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden Ausführungen des Buches unterscheiden zwischen dem inneren sensorischen System und sensorischen Distanzsystemen. Mit Ersterem ist das kinästhetische Sinnessystem gemeint, &#039;&#039;„das den inneren Bewegungsreizen folgt“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zu den sensorischen Distanzsystemen werden das visuelle, auditive, olfaktorische und gustatorische System gezählt, die den &#039;&#039;„Bewegungen in der Umgebung außerhalb des Körpers“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== „Das innere sensorische System“=====&lt;br /&gt;
Unter dieser Überschrift&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird als Erstes wird darauf verwiesen, dass wir kein Bewusstsein für das innere sensorische System bzw. das kinästhetische Sinnessystem aufgrund seiner engen Verbindung mit der Selbstwahrnehmung haben und es primär für die Selbstkontrolle in der Schwerkraft nutzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wird der Zusammenhang mit Bewegung aufgezeigt:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Jede Struktur dieses Systems registriert Bewegungsänderungen: Der Vestibularapparat im Innenohr, die Rezeptoren in allen Muskeln und Gelenken und die basalen Rezeptoren in unserer Haut.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei würden die verschiedenen Rezeptoren Spannungs- und Druckveränderungen registrieren, die uns durch die Integration im Nervensystem erlauben, im Gleichgewicht zu bleiben und unser Gewicht über die Knochen auf das Stützgewebe zu übertragen. Ausbalanciert zu sein, wird als Voraussetzung für eine niedrige innere Spannung bezeichnet, die es uns wiederum erleichtert, äußere Bewegungen wahrzunehmen:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Eine niedrige Spannung ist die Voraussetzung für eine hohe Sensibilität für sensorische Reize.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Folge wird auf verschiedene Funktionen anderer Bestandteile des inneren sensorischen Systems hingewiesen:&lt;br /&gt;
* Koordination und Regulation lebenswichtiger innerer Prozesse (Atmung, Kreislauf, Verdauung)&lt;br /&gt;
* Registrierung von Temperaturveränderungen (innerliche und auf der Körperoberfläche) durch Hautrezeptoren: führt zur Kontraktion oder Entspannung kleiner Muskeln, zum Öffnen oder Schließen der Hautporen bzw. zur Wärmeleitung nach innen oder außen (Funktion der Körpertemperaturregulation).&lt;br /&gt;
* Registrierung von Druckveränderungen (innerliche und auf der Körperoberfläche) durch Hautrezeptoren oder tieferliegende Rezeptoren: Schmerzwahrnehmung als Warnung vor Verletzungen&lt;br /&gt;
Hervorgehoben wird, dass eine niedrige innere Spannung uns ebenso eine effektivere Steuerung unserer inneren Prozesse ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf wird ausgeführt, dass Druckrezeptoren der Haut die Regulation des Kontaktes zur Umgebung ermöglichen, die Muskelspindeln mit der Haut verbunden sind und das gesamte kinästhetische Sinnessystem als Netzwerk funktioniert:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Somit lösen Druckveränderungen auf der Körperoberfläche gleichzeitig Änderungen der Spannungsmuster im gesamten Körper aus.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dies erlaube uns, die Bewegungen unseres Körpergewichts in Beziehung auf unsere Umgebung zu steuern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Überschrift „Entwickeln der inneren kinästhetischen Körper-Tracking-Fähigkeiten bei Kindern“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das kinästhetische Sinnessystem als grundlegendes sensorisches System des Menschen bezeichnet. Mit diesem System nimmt der Mensch bereits als Fetus sich selbst wahr und erlernt die Koordination und Regulation seiner Körperbewegungen sowie die Kommunikation mit seiner Mutter &#039;&#039;„durch berührungsgelenkte Bewegungsprozesse“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Hauptsächlich durch diese finde die Kommunikation auch im Kleinkindalter &#039;&#039; „während der meisten gemeinsamen Aktivitäten“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; statt, allerdings fehle den Erwachsenen das Bewusstsein hierfür:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Die Fähigkeit, aktiv an einem Berührungsgelenkten Bewegungsaustausch mit Erwachsenen oder anderen Kindern teilzunehmen, ist die wichtigste Grundlage für das Kind, um seine sensorische und motorische Kontrolle zu erlernen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während Kleinkinder sehr lange den Bewegungen anderer folgen könnten, müssten Erwachsene lernen und intensiv üben, den Bewegungen von Babys oder Kleinkindern zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== „Sensorische Distanzsysteme“=====&lt;br /&gt;
Unter dieser Überschrift&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden in Unterkapiteln die folgenden Sinnessysteme behandelt:&lt;br /&gt;
* „Das visuelle sensorische System“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* „Das auditive sensorische System“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* „Die gustatorischen und olfaktorischen Systeme“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei wird jeweils angegeben, wofür die einzelnen Systeme sensibel sind:&lt;br /&gt;
* Lichtwellen bzw. Wellenlängen der Farben&lt;br /&gt;
* Schall- oder Druckwellen bzw. Vibrationen in der Luft&lt;br /&gt;
* Chemische Substanzen in Wassermolekülen (gustatorisches System) und Gerüche in Luftmolekülen (olfaktorisches System)&lt;br /&gt;
Beim visuellen und auditiven System wird der Zusammenhang mit der Bewegung aufgezeigt: Sehen ist mit Augen- oder Körperbewegungen verbunden, Hören mit der Vibration des Trommelfells. Beim Sehen gehe es um die Fähigkeit, Farben unterscheiden zu lernen, was bei Primärfarben am leichtesten sei. Beim Hören gehe es darum, dass Kleinkinder lernen, Geräuschquellen und ihre Bedeutung zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== „Schlussfolgerungen“ =====&lt;br /&gt;
In diesem abschließenden Unterkapitel&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; weisen die AutorInnen darauf hin, dass Kinder durch die „Fähigkeit, sich selbst und die Umwelt durch unterschiedliche sensorische Reize erkennen zu können, […] Sicherheit und Selbstständigkeit“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie am Schluss der Ausführungen zum [[#„Das innere sensorische System“|inneren sensorischen System]] wird das Folgen von Bewegungen anderer Menschen als Voraussetzung dafür bezeichnet, dass Kinder lernen können, durch eigene Bewegungen mit sensorischen Reizen kontrolliert umzugehen. Dabei sei die eigene Bewegungskontrolle, zu deren Unterstützung die Konzepte der Kinästhetik neue Ideen bieten, die Grundlage für die Kontrolle aller sensorischen Systeme und die „Voraussetzung für eine effektive Kommunikation“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ===&lt;br /&gt;
Nur angedeutet:&lt;br /&gt;
Auffällig ist, dass nur 4 klassische Sinne und das taktile Sinnessystem nicht eigens erwähnt werden. Ergibt sich aus dem Ansatz eines inneren sensorischen Systems und von sensorischen Distanzsystemen, aber geht letztlich nicht ganz auf: taktil wird unter dem inneren sensorischen System behandelt, aber geht es hier um „innere Bewegungsreize“ bzw. ist nach Varela, Bateson nicht alles innen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch mehr oder weniger korrekt bzw. textlich schlecht verständlich sind die Ausführungen im letzten Absatz der Seite 67: Die Muskelspindeln sind die Rezeptoren (nicht „in den Muskelspindeln“), die Gleichsetzung mit „Druckrezeptoren in unserer Haut“ ist fragwürdig.&lt;br /&gt;
„Menschen lernen, indem sie der Bewegung anderer folgen“ als nicht mehr so aktuelles Dogma ist hier schön sichtbar: Einfluss der Bezugspersonen wird als sehr hoch eingeschätzt. Ebenso kommt „niedrige Körperspannung =&amp;gt; hohe allgemeine Sensibilität (und umgekehrt)“, was oft mit Weber begründet wird, aber aus meiner Perspektive nicht schlüssig ist.&lt;br /&gt;
Positiv hervorzuheben ist (was sonst in den meisten einschlägigen Texten selten vorhanden ist): Kinästhetisches Sinnessystem als Netzwerk, als Zusammenspiel aller Rezeptoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=KOFL:Testseite_f%C3%BCr_Redaktionsteam&amp;diff=5406</id>
		<title>KOFL:Testseite für Redaktionsteam</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=KOFL:Testseite_f%C3%BCr_Redaktionsteam&amp;diff=5406"/>
		<updated>2024-10-20T08:14:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==&#039;&#039;&#039;Bitte diese Testdesigns für die Hauptseite stehen lassen!!! (rejo, mast)&#039;&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 10px #FF4500;background-color:wheat;&amp;quot; colspan=&amp;quot;2&amp;quot; |&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Das [[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon|Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL)]] wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Schon gewusst?&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; LINK-Zellteilung/Neuroplastizität-LINK&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Gesundheitsentwicklung&#039;&#039;&#039; hängt eng mit der Fähigkeit der Zellteilung zusammen. Ein durchschnittlicher Mann hat rund 36 Billionen Zellen, eine Frau etwa 28 Billionen. Die meisten dieser Zellen sind Blutzellen. Doch nicht nur die Zahl, sondern auch die Zellgröße spielt eine wichtige Rolle. Muskel- und Fettzellen haben den größten Anteil an der Körpermasse. Die Erneuerung des Körpers, bzw. die Gesundheit entwickelt sich durch fortlaufende Zellteilung. Haut- und Darmzellen erneuern sich alle paar Tage bzw. Wochen. Eine rundum Erneuerung haben wir alle sieben bis zehn Jahre. Nervenzellen hingegen haben nur eine begrenzte Regenerationsfähigkeit, jedoch sind sie in der Lage sich neu zu strukturieren und können sich an Gegebenheiten anzupassen. Diesen Vorgang nennt man &#039;&#039;&#039;Neuroplastizität&#039;&#039;&#039;. Man kann zwischen intrinsischer Plastizität (die Möglichkeit von Nervenzellen, die Sensibilitätsreaktion auf Signale benachbarter Neuronen abzustimmen) und synaptischer Plastizität (betrifft funktionell die Verbindung der Nervenzellen durch Modulation der Transmittersubstanz so wie die Anzahl der Synapsen im Strukturellen Sinne) unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bedeutende Personen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Gregory Bateson&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;(* 9. Mai 1904 in Grantchester, Cambridgeshire; † 4. Juli 1980 in San Francisco) war ein englischer Anthropologe, Biologe, Sozialwissenschaftler, [[Kybernetik (Begriff)|Kybernetiker]] und Philosoph. Seine Arbeitsgebiete umfassten anthropologische Studien, das Feld der Kommunikationstheorie und [[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)|Lerntheorie]], genauso wie Fragen der Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Ökologie oder der Linguistik. Bateson behandelte diese wissenschaftlichen Gebiete allerdings nicht als getrennte Disziplinen, sondern als verschiedene Aspekte und Facetten, in denen seine systemisch-kybernetische Denkweise zum Tragen kommt. &amp;lt;br&amp;gt;(Quelle: Wikipedia, Gregory Bateson)&lt;br /&gt;
Gregory Bateson stand Kinästhetik persönlich nicht so nahe wie Moshe Feldenkrais und K.U. Smith, hatte aber doch einen bedeutenden Einfluss auf deren Entwicklung. Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit waren Franks und Lennys Erklärungen, wie und warum ihre Arbeit mit Kommunikation durch Berührung und Bewegung taugte, manchmal unklar, bisweilen etwas metaphysisch oder gar konfus. Als sie Bateson&#039;s „Oekologie des Geistes“ gelesen hatten, begann Frank mit ihm einen Briefkontakt, der bis zu Bateson&#039;s Tode, kurz nach der Vollendung seines letzten Buches „Geist und Natur“, andauerte. Diese Korrespondenz und Bateson&#039;s beiden Bücher sind der Ursprung vieler philosophischer Ansätze der Kinästhetik.&amp;lt;br&amp;gt; (Quelle: 16. Kinästhetik-Bulletin, 1990, S. 7. Anm.: Frank Hatch, Lenny Maietta: Begründer der Kinästhetik)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500; border-top:solid 5px #FF4500;background-color:orange; colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Meistgelesene Artikel&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Hier findest du eine Rangliste der Artikel, die am meisten aufgerufen worden sind (Stand 27. August 2024)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
# [[Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]‏‎ (10.662 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Heinz von Foerster]]‏‎ (9.394 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Wahrnehmung]]‏‎ (6.647 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Literatur und Medien]] (6.246 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Orientierung]]‏‎ (6.016 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Bewegungserfahrung]]‏‎ (4.749 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Spastik‏‎]] (4.248 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Knochen und Muskeln]]‏‎ (4.156 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]‏‎ (3.884 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[‏Viabilität]]‏‎‏‎ (3.641 Aufrufe)‎&lt;br /&gt;
[[Spezial:Beliebteste_Seiten|Mehr erfahren]]&lt;br /&gt;
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Am 17. Juni 1989 beschrieben Frank Hatch und Lenny Maietta für das 16. Kinästhetik Bulletin das Lehrmodell der [[Kinästhetik (Begriff)|Kinästhetik]]. Sie äußern dabei ihre „Grundüberzeugung, das [[Bewegungserfahrung|Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrung]] die Grundlage allen Lernens ist“. Sie hätten daraus weitere Grundsätze und aus diesen wiederum Übungen entwickelt, um Kursteilnehmenden zu „helfen, Beziehungen und Muster in der eigenen Bewegung zu erkennen. Durch strukturierte Bewegungserfahrungen entwickelt ein Teilnehmer im Kinästhetik-Unterricht differenziertere sensomotorische Fähigkeiten, die Grundlage aller menschlichen Fähigkeiten überhaupt. Er lernt dabei, seine Erfahrungen einzuordnen, indem er ihre Muster und Beziehungen analysiert.“&amp;lt;br&amp;gt;In diesem frühen Text wird ein Kern der Kinästhetik beschrieben, der bis heute seine Gültigkeit behält.&lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
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* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
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* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
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* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Kybernetik (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
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* Nur schon, wenn du das KOFL nutzt und Artikel liest, hilfst du dem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] zu erkennen, welche Themen auf besonderes Interesse stoßen bzw. in welchem Themenkreis weitere Artikel publizienswert sind.&lt;br /&gt;
* Diskutiere mit! Jeder Artikel im KOFL hat eine Diskussionsseite. Wenn du einen interessanten Hinweis hast, Aussagen schlecht verstehst oder mit ihnen nicht einverstanden bist, hinterlasse eine Notiz auf der Diskussionsseite – dein Beitrag muss nicht geschliffen daherkommen, sondern nur verständlich sein.&lt;br /&gt;
* Du kannst das KOFL bzw. die Publikation von Artikeln ideell oder materiell unterstützen: [[KOFL:Eine Diskussion eröffnen]], [[KOFL:Artikel(teile) veröffentlichen]], [[KOFL:Sponsoring]].&lt;br /&gt;
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=== Vorschlag für Redaktionstreffen vom 25. Juni 2024 ===&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;&amp;quot;&lt;br /&gt;
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| style=&amp;quot;width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Schon gewusst?&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;[[Der gekochte Frosch]]&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Durch diese Fabel wird verständlich, warum wir langsame Entwicklungen und Lernprozesse von uns selbst sehr viel schwerer feststellen als schnelle und unterscheidbare Veränderungen und Lernerfolge.&amp;lt;br&amp;gt;Gregory Bateson verwendet die folgende, als quasi-wissenschaftlich bezeichnete Fabel, um deutlich zu machen, dass „wir [uns] fast immer unbewusst sind über die Trends in den Veränderungen unseres Zustandes. ... Wenn man einen Frosch dazu bringen kann, ruhig in einem Topf mit kaltem Wasser sitzen zu bleiben, und wenn man dann die Wassertemperatur sehr langsam und sanft erhöht, so dass es keinen Augenblick gibt, der sich als der Augenblick ‚abhebt‘, in dem der Frosch springen sollte, dann wird er niemals springen. Er wird gekocht werden.“&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bedeutende Personen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Gregory Bateson&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;(* 9. Mai 1904 in Grantchester, Cambridgeshire; † 4. Juli 1980 in San Francisco) war ein englischer Anthropologe, Biologe, Sozialwissenschaftler, Kybernetiker und Philosoph. Seine Arbeitsgebiete umfassten anthropologische Studien, das Feld der Kommunikationstheorie und Lerntheorie, genauso wie Fragen der Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Ökologie oder der Linguistik. Bateson behandelte diese wissenschaftlichen Gebiete allerdings nicht als getrennte Disziplinen, sondern als verschiedene Aspekte und Facetten, in denen seine systemisch-kybernetische Denkweise zum Tragen kommt. &lt;br /&gt;
Batesons Gedanken und Arbeiten waren vor allem geprägt von philosophischen Überlegungen Platons, psychologischen Überlegungen Sigmund Freuds und Carl Gustav Jungs, der Typentheorie Bertrand Russells sowie von Kybernetikern wie Norbert Wiener, Warren McCulloch, John von Neumann und Claude Shannon mit seiner Informationstheorie. Bateson seinerseits hatte großen Einfluss auf die Systemische Therapie sowie die Familientherapie. Er beeinflusste verschiedene theoretische Strömungen in der Soziologie und Anthropologie. (Quelle: Wikipedia, Gregory Bateson)&lt;br /&gt;
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# [[Heinz von Foerster]]‏‎ (576 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Wahrnehmung]]‏‎ (483 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]‏‎ (477 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Orientierung‏‎]] (269 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]‏‎ (246 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Viabilität]]‏‎ (154 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Literatur und Medien‏‎]] (110 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Bewegungserfahrung]]‏‎ (103 Aufrufe)&lt;br /&gt;
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Am 17. Juni 1989 beschrieben Frank Hatch und Lenny Maietta für das 16. Kinästhetik Bulletin das Lehrmodell der Kinästhetik. Sie äußern dabei ihre „Grundüberzeugung, das Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrung die Grundlage allen Lernens ist“. Sie hätten daraus weitere Grundsätze und aus diesen wiederum Übungen entwickelt, um Kursteilnehmenden zu „helfen, Beziehungen und Muster in der eigenen Bewegung zu erkennen. Durch strukturierte Bewegungserfahrungen entwickelt ein Teilnehmer im Kinästhetik-Unterricht differenziertere sensomotorische Fähigkeiten, die Grundlage aller menschlichen Fähigkeiten überhaupt. Er lernt dabei, seine Erfahrungen einzuordnen, indem er ihre Muster und Beziehungen analysiert.“&amp;lt;br&amp;gt;In diesem frühen Text wird ein Kern der Kinästhetik beschrieben, der bis heute seine Gültigkeit behält.&lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
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* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Lernen (Begriff)]]“&lt;br /&gt;
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* Erweiterungen der Artikel „[[Hierarchie der Kompetenzen]]“, „[[Bewegungskompetenz]]“ und „[[Interaktion]]“ inkl. „[[Herausforderndes Verhalten]]“ &lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)]]“&lt;br /&gt;
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* Nur schon, wenn du das KOFL nutzt und Artikel liest, hilfst du dem [[Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] zu erkennen, welche Themen auf besonderes Interesse stoßen bzw. in welchem Themenkreis weitere Artikel publizienswert sind.&lt;br /&gt;
* Diskutiere mit! Jeder Artikel im KOFL hat eine Diskussionsseite. Wenn du einen interessanten Hinweis hast, Aussagen schlecht verstehst oder mit ihnen nicht einverstanden bist, hinterlasse eine Notiz auf der Diskussionsseite – dein Beitrag muss nicht geschliffen daherkommen, nur verständlich sein.&lt;br /&gt;
* Du kannst das KOFL bzw. die Publikation von Artikeln ideell oder materiell unterstützen (vgl. [[KOFL:Eine Diskussion eröffnen]], [[KOFL:Artikel(teile) veröffentlichen]], [[KOFL:Sponsoring]].&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem (gyfr, mast)==&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Fachbegriffs ==&lt;br /&gt;
=== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem in „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
==== Die Einbettung des Themas im Konzept „Interaktion“====&lt;br /&gt;
Das erste Konzept des Konzeptsystems ist mit „[[Interaktion]]“ überschrieben und ist grundlegend für die folgenden fünf Konzepte. Das hauptsächliche Thema besteht darin, die persönliche Wahrnehmung und insbesondere Bewegungswahrnehmung zu sensibilisieren sowie körperliche und zwischenmenschliche Unterschiede und Interaktionen zu erfahren&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2023):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Einleitung des Konzepts wird nach der gängigen Definition der Interaktion als &#039;&#039;„Wechselbeziehung zwischen zwei oder mehreren HandlungspartnerInnen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 13.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit dem Beispiel der verbalen und nonverbalen Kommunikation darauf hingewiesen, dass Interaktionen grundsätzlich auf allen Sinnessystemen beruhen. Demgemäß ist das erste Unterthema mit „Sinne“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; überschrieben und enthält die untergeordnete Überschrift „Das kinästhetische Sinnessystem“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Das Unterthema Sinne ====&lt;br /&gt;
===== Zusammenhang von Interaktions- und Wahrnehmungsfähigkeit, die klassischen 5 Sinne =====&lt;br /&gt;
[[Datei:Konzepticons-mit-kreis 111.png|250px|thumb|rechts|Das zugehörige Konzepticon&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2023):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 34 und 36.&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigt in einem äußeren Kreis die 5 klassischen, nach außen gerichteten Sinne. In der Mitte findet sich die Darstellung eines Muskels mit der Muskelspindel. Dieser Rezeptor steht stellvertretend für das gesamte, nach innen gerichtete kinästhetische Sinnessystem mit seinem Netzwerk von unterschiedlichen Rezeptoren. Die zentrale Stellung illustriert seine grundlegende Bedeutung für die klassischen 5 Sinne bzw. die gesamte Wahrnehmung.]]&lt;br /&gt;
Einleitend wird nochmals betont, dass die Interaktionsfähigkeit eines Menschen auf seinen Sinnen bzw. seiner Wahrnehmungsfähigkeit basiert. Dann folgt eine tabellarische Auflistung der klassischen fünf Sinne mit der Abbildung ihrer Organe und den zugehörigen Reizen. Bei diesen wird außer beim Geruchssinn durch die Angabe von gegensätzlichen Adjektiven (z. B. hell und dunkel) die Bedeutung von Unterschieden für die Wahrnehmung aufgezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Keine Abbildung durch die nach außen gerichteten 5 Sinne, sondern ein inneres Hervorbringen der Außenwelt =====&lt;br /&gt;
Mit Berufung auf moderne Forschungen der Neurobiologie wird dann die frühere Annahme kritisiert, dass diese nach außen gerichteten Sinne die Außenwelt genau und „wahr“ abbilden. Diese Forschungen zeigen auf, dass keine Informationen aus der Außenwelt direkt in die Innenwelt eines jeden Menschen gelangen. Vielmehr produziert jeder einzelne Mensch diese in sich selbst, weil er in Bezug auf Information ein geschlossenes System ist. Mit diesen Formulierungen wird offensichtlich auf die beiden Wissenschaftler Humberto Maturana (1928–2021) und Francisco Varela (1946–2001), die Begründer der [[Autopoiese (Autopoiesis)]]-Theorie, angespielt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Keine qualitative Kodierung von Wahrnehmungsursachen, sondern individuelle Konstruktion =====&lt;br /&gt;
Die Aussagen werden gemäß den Formulierungen von [[Heinz von Foerster]] (1911–2002) mit seinem folgenden Forschungsergebnis erläutert:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die ganze Wahrnehmung besteht aus individuell konstruierten Beziehungen, die in unserem Inneren entstehen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Es gebe keine qualitative oder spezifische Kodierung der Ursache einer Wahrnehmung. Die sensorischen Zellen würden nur die Mitteilung über eine vorliegende Störung oder einen vorliegenden Reiz liefern. Dies wird ergänzt durch den Hinweis, der ebenso auf Heinz von Foerster zurückgeht, dass der Wahrnehmungsprozess nur auf quantitativen Unterschieden beruht&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. zu diesen Aussagen von Heinz von Foerster z. B. [[Sensitivität_(innere_und_äußere,_von_Foerster)#„Interpretation“|das Kapitel „Interpretation“]] aus seinem Vortrag „Über das Konstruieren von Wirklichkeiten“ von 1973.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
===== Unterschiede, die einen Unterschied (aus)machen =====&lt;br /&gt;
Die vorangehenden Aussagen werden mit der bekannten Definition des Informationsbegriffs von [[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)|Gregory Bateson]] (1904–1980) verbunden:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Informationen bestehen aus Unterschieden, die einen Unterschied machen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2023):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Nur wenn wir (oder Lebewesen überhaupt) einen Unterschied in uns selbst wahrnehmen können, kann daraus eine Information entstehen – ob aus einer Außenperspektive ein Unterschied vorliegt oder nicht, spielt folglich keine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „Das kinästhetische Sinnessystem“===&lt;br /&gt;
Im Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ enthält das erste Unterthema „Sinne“ des ersten Kapitels „Konzept Interaktion“ das Unterkapitel mit der Überschrift „Das kinästhetische Sinnessystem“.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Nach innen gerichtete Rezeptoren und wahrnehmbare Reize =====&lt;br /&gt;
Zu diesem Thema wird an erster Stelle erwähnt, dass die Entdeckung der Rezeptoren, &#039;&#039;„die auf spezifische Reize aus dem Körperinnern spezialisiert sind“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, erst neuzeitlich ist. Als Beispiele dafür, was mit ihnen wahrgenommen werden kann, werden aufgeführt:&lt;br /&gt;
* Schmerz&lt;br /&gt;
* Muskelspannung&lt;br /&gt;
* Vibration&lt;br /&gt;
* Stellung der Körperteile zueinander&lt;br /&gt;
* Stellung des Kopfes bezüglich der Schwerkraft&lt;br /&gt;
Mit Bezug auf die vorangehend dargestellten klassischen fünf Sinne wird betont, dass die menschliche Sinneswahrnehmung somit &#039;&#039;„nicht nur Reize von außen, sondern auch von innen verarbeitet“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Grundlegende Bedeutung für alle Lebensaktivitäten und wahrnehmbare Aspekte der Bewegung=====&lt;br /&gt;
Darauf wird auf die grundlegende Bedeutung des kinästhetischen Sinnessystems hingewiesen, um alle Lebensaktivitäten ausführen zu können. Als Beispiele, welche Bewegungsaspekte mit ihm wahrgenommen können, werden aufgeführt:&lt;br /&gt;
* Unterschiede der Muskelspannung&lt;br /&gt;
* Druck- und Zugverhältnisse&lt;br /&gt;
* Raumlagebeziehungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Untrennbarkeit von Bewegung und Bewegungswahrnehmung bzw. Koppelung ihrer Feedbackschleifen =====&lt;br /&gt;
Dabei würden Bewegung und Bewegungswahrnehmung sich gegenseitig bedingen und seien „durch kontinuierliche [[Feedback-Control-Theorie|Feedbackschleifen]] gekoppelt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Man muss sich bewegen, um Bewegung wahrnehmen zu können, und man muss Bewegung wahrnehmen können, um sich gezielt zu bewegen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Demgemäß sind Bewegung und Bewegungswahrnehmung untrennbar in einem zirkulären Zusammenspiel von Feedbackschleifen verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Grundlegende Bedeutung des kinästhetischen Sinnessystems bzw. seiner Sensibilisierung für die gesamte Wahrnehmung und die Interaktionsqualität =====&lt;br /&gt;
In Bezug auf die gesamte Wahrnehmung bzw. auf alle Sinnessysteme wird anschließend dem kinästhetischen Sinnessystem eine grundlegende Bedeutung zugeschrieben. Wahrnehmung sei immer mit Bewegung verbunden und beruhe auf der &#039;&#039;„Fähigkeit, mit der Bewegung einem Reiz folgen zu können“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Deshalb sei in der Kinästhetik ein wichtiges Ziel, das kinästhetische Sinnessystem zu sensibilisieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend wird der Zusammenhang zum übergeordneten Thema der Interaktion durch die Aussage hergestellt, dass die Qualität der Interaktionen von HandlungspartnerInnen direkt von der Sensibilität ihrer Bewegungswahrnehmung beeinflusst werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne weitere Erläuterungen (vgl. dazu „Kommentare, Auswertung, offene Fragen“: LINK) wird der bekannte folgende Aphorismus aus dem Buch „Der Baum der Erkenntnis“ von Humberto Maturana und Francisco Varela an den Schluss gestellt::&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; „Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ===&lt;br /&gt;
Nur angedeutet:&lt;br /&gt;
==== Geschlossenheit====&lt;br /&gt;
Geschlossenheit steht in bester kybernetischer Tradition. Zum Beispiel auch bei K. U. Smith (closed-loop feedback; K. U. hatte bedeutenden Einfluss auf die Begründergeneration der Kinästhetik)&lt;br /&gt;
==== „Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun.“====&lt;br /&gt;
Der Anschluss kann einerseits in der Aussage vermutet werden, dass sich Bewegung und Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) wechselseitig bedingen. Andererseits ist Erkennen ein Synonym von Wahrnehmen und Bewegung mit jedem Tun verbunden. Somit kann eine zweite Brücke zur Aussage geschlagen werden, dass jede Wahrnehmung mit Bewegung verbunden sei.&lt;br /&gt;
Der Kontext des Aphorismus im Buch von Maturana und Varela wird nachfolgend zitiert und zeigt weitere Verbindungen zu den Ausführungen des Konzeptsystems zum Thema Sinne auf:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; „In diesem Sinne werden wir ständig festzustellen haben, daß man das Phänomen des Erkennens nicht so auffassen kann, als gäbe es ‚Tatsachen‘ und Objekte da draußen [im Original kursiv], die man nur aufzugreifen und in den Kopf hineinzutun habe. Diese Feststellung bildet das Fundament von alldem, was wir zu sagen haben werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Erfahrung von jedem Ding ‚da draußen‘ wird auf eine spezifische Weise durch die menschliche Struktur konfiguriert, welche ‚das Ding‘, das in der Beschreibung entsteht, erst möglich macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zirkularität, diese Verkettung von Handlung und Erfahrung, diese Untrennbarkeit einer bestimmten Art zu sein von der Art, wie die Welt uns erscheint, sagt uns, daß jeder Akt des Erkennens eine Welt hervorbringt [im Original kursiv]. Diese Eigenschaft des Erkennens wird unausweichlich zugleich unser Problem, unser Ausgangspunkt und der Leitfaden für unsere Erörterungen auf den folgenden Seiten sein. Dies alles kann in dem Aphorismus zusammengefaßt werden: Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun. [im Original kursiv]“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (1987):&#039;&#039;&#039; Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Aus dem Spanischen von Kurt Ludewig in Zusammenarbeit mit dem Institut für systemische Studien e. V. in Hamburg. 1. Auflage. Bern, München, Wien: Scherz Verlag. ISBN 3-502-13440-5. S. 31.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „MEIN THEMA“ in „AMD, LuB, KuK“ ===&lt;br /&gt;
gyfr (anschließend) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „xy“ in „Kinästhetik – Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten“ === ??&lt;br /&gt;
MEIN TEXT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem in „Kinaesthetics Infant Handling“ ===&lt;br /&gt;
==== Kinästhetisches Sinnessystem als Grundlage der Entwicklung von Bewegungsfähigkeiten ====&lt;br /&gt;
Im Buch „Kinaesthetics Infant Handling“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Lenny Maietta und Frank Hatch thematisiert das erste Kapitel die grundlegende Frage, wie Bewegungsfähigkeiten entstehen. In dessen Einleitung wird darauf hingewiesen, dass der Mensch gemäß kybernetischen Erkenntnissen sein Verhalten durch Feedback-Kontrolle steuert. Dabei hänge die Entwicklung einer effektiven Verhaltenskontrolle des Kindes in der Schwerkraft &#039;&#039;„von der Handlingsfähigkeit der Erwachsenen ab“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das zweite Unterkapitel erläutert, dass das Verhalten durch die eigenen Annahmen gelenkt wird. Das dritte Unterkapitel bezeichnet Berührung und Körperkontakt als wesentliche Form der Interaktion zwischen Kindern und Erwachsenen. Insbesondere wird beschrieben, dass der Bewegungsaustausch über Körperkontakt für die Entwicklung von Bewegungsgrundlagen für das lebenslange Lernen von zentraler Bedeutung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Unterkapitel „1.4 Selbsterfahrung durch Bewegung“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 23 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; geht darauf ein, wie der Mensch seine Bewegung &#039;&#039;„innerlich über das kinästhetisch-sensorische System, das aus mehreren Komponenten besteht“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; erlebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwähnt werden die basalen Rezeptoren der Haut bzw. der Körperoberfläche, die auf Druckänderungen reagieren und einem erlauben, den Kontakt mit belebter oder unbelebter Umgebung zu registrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Hautrezeptoren sind mit weiteren Bewegungsrezeptoren verbunden, die sich&lt;br /&gt;
* im Muskelgewebe,&lt;br /&gt;
* in Gelenken, &lt;br /&gt;
* im Innenohr&lt;br /&gt;
befinden. In einem Netzwerk ermöglichen sie, die Körperbewegung zu kontrollieren:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Die Druckänderungen einer beliebigen Komponente des kinästhetischen Systems signalisiert eine Veränderung der Position in der Schwerkraft und löst im gesamten Körper Anpassungen der muskulären Spannung aus.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Aussagen werden dadurch erläutert, dass der Mensch sein Körpergewicht in der Schwerkraft durch Verlagerungen und Veränderungen der Kontaktstellen mit seiner Umgebung bewegt. Mit einer Abbildung, die einen Mensch zeigt, der auf einem Stuhl sitzt und seine Hand auf einen Tisch hält, wird die Aussage des vorangehenden Zitats illustriert: Durch den Druck der Füße auf den Boden entsteht in ihm ein Spannungsmuster, das sich verändert, wenn er mit seinen Fingern auf den Tisch drückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend wird erwähnt, dass es in der Kinästhetik um die effektive Kontrolle der Bewegung und die besondere Aufmerksamkeit auf die kinästhetischen Empfindungen gehe, das kinästhetische Sinnessystem aber außerhalb der Kinästhetik häufig keine Beachtung fände. &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Unterkapitel „Selbsterfahrung durch Bewegung“ folgen vier weitere mit den Überschriften „Kinder brauchen Bewegungsunterstützung“, „Bewegungsgrundlage als gemeinsamer Nenner“, „Ziele“ und „Inhaltliche Schwerpunkte“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 25 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem im Rahmen der Darstellung der Konzepte ====&lt;br /&gt;
===== Kontext =====&lt;br /&gt;
Das kurze zweite Kapitel des Buches trägt den Titel „Ihre Vorstellungen über kindliche Entwicklung“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 31 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das dritte Kapitel „Gesundheit, Entwicklung und Lernen“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 39 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; stellt ausführlicher unterschiedliche Aspekte dieses Themenbereichs dar.&lt;br /&gt;
Im vierten Kapitel „Das MH Kinaesthetics-Infant-Handling-Programm“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; des Buches werden aus der Perspektive des Handlings mit Kindern die Konzepte der Kinästhetik behandelt, was u. a. einleitend thematisiert wird. Das Konzept Interaktion steht zu Beginn der Darstellung der sechs Konzepte und wird kurz mit seinen Unterthemen eingeleitet. Das Thema der Sinne und des kinästhetischen Sinnessystems bildet das erste Unterkapitel.&lt;br /&gt;
===== „Sinnessysteme und Wahrnehmung“=====&lt;br /&gt;
Die Frage, &#039;&#039;„welche sensorischen Reize Neugeborene wahrnehmen können“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 64.&amp;lt;/ref&amp;gt; eröffnet das Unterkapitel „4.3.1 Sinnessysteme und Wahrnehmung“. Zur Beantwortung wird die Abhängigkeit dieser Frage von der Definition der sensorischen Fähigkeiten aufgezeigt: Die Antwort fällt unterschiedlich aus, je nachdem ob man darunter versteht, dass das Kind einfach sensorische Reize aufnimmt, sensorische Ereignisse versteht (also wahrnimmt) oder mit spezifischen sensorischen Systemen Phänomene als Ursachen der entsprechenden Empfindungen wahrnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Anschluss legt die Beschreibung einer persönlichen Erfahrung von Frank Hatch nahe, im Umgang mit Kindern von Geburt an auf die visuellen und anderen sensorischen Fähigkeiten zu achten. Was die eingangs gestellte Frage betrifft, wird auf die Tatsache verwiesen, &#039;&#039;„Kinder aller Altersstufen über die gleichen sensorischen Systeme wie Erwachsenen verfügen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt; und der hauptsächliche Unterschied darin bestehe, &#039;&#039;„was jeder gelernt hat, mit den sensorischen Informationen anzufangen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gerade deswegen würden Kinder die Hilfe von Erwachsenen benötigen, um ihre Empfindungen einordnen, interpretieren und motorisch effizient reagieren zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden Ausführungen des Buches unterscheiden zwischen dem inneren sensorischen System und sensorischen Distanzsystemen. Mit Ersterem ist das kinästhetische Sinnessystem gemeint, &#039;&#039;„das den inneren Bewegungsreizen folgt“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zu den sensorischen Distanzsystemen werden das visuelle, auditive, olfaktorische und gustatorische System gezählt, die den &#039;&#039;„Bewegungen in der Umgebung außerhalb des Körpers“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== „Das innere sensorische System“=====&lt;br /&gt;
Unter dieser Überschrift&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird als Erstes wird darauf verwiesen, dass wir kein Bewusstsein für das innere sensorische System bzw. das kinästhetische Sinnessystem aufgrund seiner engen Verbindung mit der Selbstwahrnehmung haben und es primär für die Selbstkontrolle in der Schwerkraft nutzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wird der Zusammenhang mit Bewegung aufgezeigt:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Jede Struktur dieses Systems registriert Bewegungsänderungen: Der Vestibularapparat im Innenohr, die Rezeptoren in allen Muskeln und Gelenken und die basalen Rezeptoren in unserer Haut.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei würden die verschiedenen Rezeptoren Spannungs- und Druckveränderungen registrieren, die uns durch die Integration im Nervensystem erlauben, im Gleichgewicht zu bleiben und unser Gewicht über die Knochen auf das Stützgewebe zu übertragen. Ausbalanciert zu sein, wird als Voraussetzung für eine niedrige innere Spannung bezeichnet, die es uns wiederum erleichtert, äußere Bewegungen wahrzunehmen:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Eine niedrige Spannung ist die Voraussetzung für eine hohe Sensibilität für sensorische Reize.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Folge wird auf verschiedene Funktionen anderer Bestandteile des inneren sensorischen Systems hingewiesen:&lt;br /&gt;
* Koordination und Regulation lebenswichtiger innerer Prozesse (Atmung, Kreislauf, Verdauung)&lt;br /&gt;
* Registrierung von Temperaturveränderungen (innerliche und auf der Körperoberfläche) durch Hautrezeptoren: führt zur Kontraktion oder Entspannung kleiner Muskeln, zum Öffnen oder Schließen der Hautporen bzw. zur Wärmeleitung nach innen oder außen (Funktion der Körpertemperaturregulation).&lt;br /&gt;
* Registrierung von Druckveränderungen (innerliche und auf der Körperoberfläche) durch Hautrezeptoren oder tieferliegende Rezeptoren: Schmerzwahrnehmung als Warnung vor Verletzungen&lt;br /&gt;
Hervorgehoben wird, dass eine niedrige innere Spannung uns ebenso eine effektivere Steuerung unserer inneren Prozesse ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf wird ausgeführt, dass Druckrezeptoren der Haut die Regulation des Kontaktes zur Umgebung ermöglichen, die Muskelspindeln mit der Haut verbunden sind und das gesamte kinästhetische Sinnessystem als Netzwerk funktioniert:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Somit lösen Druckveränderungen auf der Körperoberfläche gleichzeitig Änderungen der Spannungsmuster im gesamten Körper aus.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dies erlaube uns, die Bewegungen unseres Körpergewichts in Beziehung auf unsere Umgebung zu steuern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Überschrift „Entwickeln der inneren kinästhetischen Körper-Tracking-Fähigkeiten bei Kindern“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das kinästhetische Sinnessystem als grundlegendes sensorisches System des Menschen bezeichnet. Mit diesem System nimmt der Mensch bereits als Fetus sich selbst wahr und erlernt die Koordination und Regulation seiner Körperbewegungen sowie die Kommunikation mit seiner Mutter &#039;&#039;„durch berührungsgelenkte Bewegungsprozesse“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Hauptsächlich durch diese finde die Kommunikation auch im Kleinkindalter &#039;&#039; „während der meisten gemeinsamen Aktivitäten“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; statt, allerdings fehle den Erwachsenen das Bewusstsein hierfür:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Die Fähigkeit, aktiv an einem Berührungsgelenkten Bewegungsaustausch mit Erwachsenen oder anderen Kindern teilzunehmen, ist die wichtigste Grundlage für das Kind, um seine sensorische und motorische Kontrolle zu erlernen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während Kleinkinder sehr lange den Bewegungen anderer folgen könnten, müssten Erwachsene lernen und intensiv üben, den Bewegungen von Babys oder Kleinkindern zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== „Sensorische Distanzsysteme“=====&lt;br /&gt;
Unter dieser Überschrift&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden in Unterkapiteln die folgenden Sinnessysteme behandelt:&lt;br /&gt;
* „Das visuelle sensorische System“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* „Das auditive sensorische System“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* „Die gustatorischen und olfaktorischen Systeme“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei wird jeweils angegeben, wofür die einzelnen Systeme sensibel sind:&lt;br /&gt;
* Lichtwellen bzw. Wellenlängen der Farben&lt;br /&gt;
* Schall- oder Druckwellen bzw. Vibrationen in der Luft&lt;br /&gt;
* Chemische Substanzen in Wassermolekülen (gustatorisches System) und Gerüche in Luftmolekülen (olfaktorisches System)&lt;br /&gt;
Beim visuellen und auditiven System wird der Zusammenhang mit der Bewegung aufgezeigt: Sehen ist mit Augen- oder Körperbewegungen verbunden, Hören mit der Vibration des Trommelfells. Beim Sehen gehe es um die Fähigkeit, Farben unterscheiden zu lernen, was bei Primärfarben am leichtesten sei. Beim Hören gehe es darum, dass Kleinkinder lernen, Geräuschquellen und ihre Bedeutung zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== „Schlussfolgerungen“ =====&lt;br /&gt;
In diesem abschließenden Unterkapitel&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; weisen die AutorInnen darauf hin, dass Kinder durch die „Fähigkeit, sich selbst und die Umwelt durch unterschiedliche sensorische Reize erkennen zu können, […] Sicherheit und Selbstständigkeit“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie am Schluss der Ausführungen zum [[#„Das innere sensorische System“|inneren sensorischen System]] wird das Folgen von Bewegungen anderer Menschen als Voraussetzung dafür bezeichnet, dass Kinder lernen können, durch eigene Bewegungen mit sensorischen Reizen kontrolliert umzugehen. Dabei sei die eigene Bewegungskontrolle, zu deren Unterstützung die Konzepte der Kinästhetik neue Ideen bieten, die Grundlage für die Kontrolle aller sensorischen Systeme und die „Voraussetzung für eine effektive Kommunikation“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ===&lt;br /&gt;
Nur angedeutet:&lt;br /&gt;
Auffällig ist, dass nur 4 klassische Sinne und das taktile Sinnessystem nicht eigens erwähnt werden. Ergibt sich aus dem Ansatz eines inneren sensorischen Systems und von sensorischen Distanzsystemen, aber geht letztlich nicht ganz auf: taktil wird unter dem inneren sensorischen System behandelt, aber geht es hier um „innere Bewegungsreize“ bzw. ist nach Varela, Bateson nicht alles innen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch mehr oder weniger korrekt bzw. textlich schlecht verständlich sind die Ausführungen im letzten Absatz der Seite 67: Die Muskelspindeln sind die Rezeptoren (nicht „in den Muskelspindeln“), die Gleichsetzung mit „Druckrezeptoren in unserer Haut“ ist fragwürdig.&lt;br /&gt;
„Menschen lernen, indem sie der Bewegung anderer folgen“ als nicht mehr so aktuelles Dogma ist hier schön sichtbar: Einfluss der Bezugspersonen wird als sehr hoch eingeschätzt. Ebenso kommt „niedrige Körperspannung =&amp;gt; hohe allgemeine Sensibilität (und umgekehrt)“, was oft mit Weber begründet wird, aber aus meiner Perspektive nicht schlüssig ist.&lt;br /&gt;
Positiv hervorzuheben ist (was sonst in den meisten einschlägigen Texten selten vorhanden ist): Kinästhetisches Sinnessystem als Netzwerk, als Zusammenspiel aller Rezeptoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=KOFL:Testseite_f%C3%BCr_Redaktionsteam&amp;diff=5405</id>
		<title>KOFL:Testseite für Redaktionsteam</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=KOFL:Testseite_f%C3%BCr_Redaktionsteam&amp;diff=5405"/>
		<updated>2024-10-20T08:13:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==&#039;&#039;&#039;Bitte diese Testdesigns für die Hauptseite stehen lassen!!! (rejo, mast)&#039;&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 100%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 10px #FF4500; border-top:solid 10px #FF4500;background-color:wheat;&amp;quot; colspan=&amp;quot;2&amp;quot; |&#039;&#039;&#039;Willkommen in diesem Online-Lexikon zu den Fachgebieten der Kinästhetik, Kybernetik und anderer Bezugswissenschaften!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Das [[KOFL:Über Kinaesthetics-Online-Fachlexikon|Kinaesthetics-Online-Fachlexikon (KOFL)]] wird von der European Kinaesthetics Association (EKA) herausgegeben, von einem [[KOFL:Das Redaktionsteam|Redaktionsteam]] betreut und von einem fachlichen Beirat unterstützt (vgl. „[[KOFL:Impressum und Haftungsausschluss]]“).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Schon gewusst?&#039;&#039;&#039;| style=&amp;quot;width: 60%; border-left:solid 10px #FF4500; border-right:solid 5px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Schon gewusst?&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; LINK-Zellteilung/Neuroplastizität-LINK&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Gesundheitsentwicklung&#039;&#039;&#039; hängt eng mit der Fähigkeit der Zellteilung zusammen. Ein durchschnittlicher Mann hat rund 36 Billionen Zellen, eine Frau etwa 28 Billionen. Die meisten dieser Zellen sind Blutzellen. Doch nicht nur die Zahl, sondern auch die Zellgröße spielt eine wichtige Rolle. Muskel- und Fettzellen haben den größten Anteil an der Körpermasse. Die Erneuerung des Körpers, bzw. die Gesundheit entwickelt sich durch fortlaufende Zellteilung. Haut- und Darmzellen erneuern sich alle paar Tage bzw. Wochen. Eine rundum Erneuerung haben wir alle sieben bis zehn Jahre. Nervenzellen hingegen haben nur eine begrenzte Regenerationsfähigkeit, jedoch sind sie in der Lage sich neu zu strukturieren und können sich an Gegebenheiten anzupassen. Diesen Vorgang nennt man &#039;&#039;&#039;Neuroplastizität&#039;&#039;&#039;. Man kann zwischen intrinsischer Plastizität (die Möglichkeit von Nervenzellen, die Sensibilitätsreaktion auf Signale benachbarter Neuronen abzustimmen) und synaptischer Plastizität (betrifft funktionell die Verbindung der Nervenzellen durch Modulation der Transmittersubstanz so wie die Anzahl der Synapsen im Strukturellen Sinne) unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bedeutende Personen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Gregory Bateson&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;(* 9. Mai 1904 in Grantchester, Cambridgeshire; † 4. Juli 1980 in San Francisco) war ein englischer Anthropologe, Biologe, Sozialwissenschaftler, [[Kybernetik (Begriff)|Kybernetiker]] und Philosoph. Seine Arbeitsgebiete umfassten anthropologische Studien, das Feld der Kommunikationstheorie und [[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)|Lerntheorie]], genauso wie Fragen der Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Ökologie oder der Linguistik. Bateson behandelte diese wissenschaftlichen Gebiete allerdings nicht als getrennte Disziplinen, sondern als verschiedene Aspekte und Facetten, in denen seine systemisch-kybernetische Denkweise zum Tragen kommt. &amp;lt;br&amp;gt;(Quelle: Wikipedia, Gregory Bateson)&lt;br /&gt;
Gregory Bateson stand Kinästhetik persönlich nicht so nahe wie Moshe Feldenkrais und K.U. Smith, hatte aber doch einen bedeutenden Einfluss auf deren Entwicklung. Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit waren Franks und Lennys Erklärungen, wie und warum ihre Arbeit mit Kommunikation durch Berührung und Bewegung taugte, manchmal unklar, bisweilen etwas metaphysisch oder gar konfus. Als sie Bateson&#039;s „Oekologie des Geistes“ gelesen hatten, begann Frank mit ihm einen Briefkontakt, der bis zu Bateson&#039;s Tode, kurz nach der Vollendung seines letzten Buches „Geist und Natur“, andauerte. Diese Korrespondenz und Bateson&#039;s beiden Bücher sind der Ursprung vieler philosophischer Ansätze der Kinästhetik.&amp;lt;br&amp;gt; (Quelle: 16. Kinästhetik-Bulletin, 1990, S. 7. Anm.: Frank Hatch, Lenny Maietta: Begründer der Kinästhetik)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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# [[Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]‏‎ (10.662 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Heinz von Foerster]]‏‎ (9.394 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Wahrnehmung]]‏‎ (6.647 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Literatur und Medien]] (6.246 Aufrufe)&lt;br /&gt;
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# [[Bewegungserfahrung]]‏‎ (4.749 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Spastik‏‎]] (4.248 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Knochen und Muskeln]]‏‎ (4.156 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]‏‎ (3.884 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[‏Viabilität]]‏‎‏‎ (3.641 Aufrufe)‎&lt;br /&gt;
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Am 17. Juni 1989 beschrieben Frank Hatch und Lenny Maietta für das 16. Kinästhetik Bulletin das Lehrmodell der [[Kinästhetik (Begriff)|Kinästhetik]]. Sie äußern dabei ihre „Grundüberzeugung, das [[Bewegungserfahrung|Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrung]] die Grundlage allen Lernens ist“. Sie hätten daraus weitere Grundsätze und aus diesen wiederum Übungen entwickelt, um Kursteilnehmenden zu „helfen, Beziehungen und Muster in der eigenen Bewegung zu erkennen. Durch strukturierte Bewegungserfahrungen entwickelt ein Teilnehmer im Kinästhetik-Unterricht differenziertere sensomotorische Fähigkeiten, die Grundlage aller menschlichen Fähigkeiten überhaupt. Er lernt dabei, seine Erfahrungen einzuordnen, indem er ihre Muster und Beziehungen analysiert.“&amp;lt;br&amp;gt;In diesem frühen Text wird ein Kern der Kinästhetik beschrieben, der bis heute seine Gültigkeit behält.&lt;br /&gt;
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* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
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* Erweiterung des Artikels „[[Wahrnehmung]]“ durch die [[Wahrnehmung#Wahrnehmung in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittexte aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
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| style=&amp;quot;width: 40%; border-right:solid 10px #FF4500; border-bottom:solid 5px #FF4500;background-color:#FFFFFF;&amp;quot;rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;Bedeutende Personen&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;big&amp;gt;Gregory Bateson&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;(* 9. Mai 1904 in Grantchester, Cambridgeshire; † 4. Juli 1980 in San Francisco) war ein englischer Anthropologe, Biologe, Sozialwissenschaftler, Kybernetiker und Philosoph. Seine Arbeitsgebiete umfassten anthropologische Studien, das Feld der Kommunikationstheorie und Lerntheorie, genauso wie Fragen der Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Ökologie oder der Linguistik. Bateson behandelte diese wissenschaftlichen Gebiete allerdings nicht als getrennte Disziplinen, sondern als verschiedene Aspekte und Facetten, in denen seine systemisch-kybernetische Denkweise zum Tragen kommt. &lt;br /&gt;
Batesons Gedanken und Arbeiten waren vor allem geprägt von philosophischen Überlegungen Platons, psychologischen Überlegungen Sigmund Freuds und Carl Gustav Jungs, der Typentheorie Bertrand Russells sowie von Kybernetikern wie Norbert Wiener, Warren McCulloch, John von Neumann und Claude Shannon mit seiner Informationstheorie. Bateson seinerseits hatte großen Einfluss auf die Systemische Therapie sowie die Familientherapie. Er beeinflusste verschiedene theoretische Strömungen in der Soziologie und Anthropologie. (Quelle: Wikipedia, Gregory Bateson)&lt;br /&gt;
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# [[Heinz von Foerster]]‏‎ (576 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Wahrnehmung]]‏‎ (483 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Kinaesthetics-Online-Fachlexikon]]‏‎ (477 Aufrufe)&lt;br /&gt;
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# [[Literatur und Medien‏‎]] (110 Aufrufe)&lt;br /&gt;
# [[Bewegungserfahrung]]‏‎ (103 Aufrufe)&lt;br /&gt;
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Am 17. Juni 1989 beschrieben Frank Hatch und Lenny Maietta für das 16. Kinästhetik Bulletin das Lehrmodell der Kinästhetik. Sie äußern dabei ihre „Grundüberzeugung, das Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrung die Grundlage allen Lernens ist“. Sie hätten daraus weitere Grundsätze und aus diesen wiederum Übungen entwickelt, um Kursteilnehmenden zu „helfen, Beziehungen und Muster in der eigenen Bewegung zu erkennen. Durch strukturierte Bewegungserfahrungen entwickelt ein Teilnehmer im Kinästhetik-Unterricht differenziertere sensomotorische Fähigkeiten, die Grundlage aller menschlichen Fähigkeiten überhaupt. Er lernt dabei, seine Erfahrungen einzuordnen, indem er ihre Muster und Beziehungen analysiert.“&amp;lt;br&amp;gt;In diesem frühen Text wird ein Kern der Kinästhetik beschrieben, der bis heute seine Gültigkeit behält.&lt;br /&gt;
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* Artikel „[[Parallele und spiralige Bewegungsmuster]]“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erweiterung des Artikels „[[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)]]“ bzw. „[[1 : 100&#039;000 (von Foerster)]]“ durch einen [[Sensitivität (innere und äußere, von Foerster)#Innere und äußere Sensitivität in „Aufbaumodul Demenz 1: Sich und die Welt wahrnehmen – Arbeitsunterlagen“|Begleittext aus dem Aufbaumodul Demenz 1]]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem (gyfr, mast)==&lt;br /&gt;
== Aktuelle Verwendung des Fachbegriffs ==&lt;br /&gt;
=== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem in „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ ===&lt;br /&gt;
==== Die Einbettung des Themas im Konzept „Interaktion“====&lt;br /&gt;
Das erste Konzept des Konzeptsystems ist mit „[[Interaktion]]“ überschrieben und ist grundlegend für die folgenden fünf Konzepte. Das hauptsächliche Thema besteht darin, die persönliche Wahrnehmung und insbesondere Bewegungswahrnehmung zu sensibilisieren sowie körperliche und zwischenmenschliche Unterschiede und Interaktionen zu erfahren&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2023):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 11.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Einleitung des Konzepts wird nach der gängigen Definition der Interaktion als &#039;&#039;„Wechselbeziehung zwischen zwei oder mehreren HandlungspartnerInnen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 13.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit dem Beispiel der verbalen und nonverbalen Kommunikation darauf hingewiesen, dass Interaktionen grundsätzlich auf allen Sinnessystemen beruhen. Demgemäß ist das erste Unterthema mit „Sinne“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt; überschrieben und enthält die untergeordnete Überschrift „Das kinästhetische Sinnessystem“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Das Unterthema Sinne ====&lt;br /&gt;
===== Zusammenhang von Interaktions- und Wahrnehmungsfähigkeit, die klassischen 5 Sinne =====&lt;br /&gt;
[[Datei:Konzepticons-mit-kreis 111.png|250px|thumb|rechts|Das zugehörige Konzepticon&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2023):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 34 und 36.&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigt in einem äußeren Kreis die 5 klassischen, nach außen gerichteten Sinne. In der Mitte findet sich die Darstellung eines Muskels mit der Muskelspindel. Dieser Rezeptor steht stellvertretend für das gesamte, nach innen gerichtete kinästhetische Sinnessystem mit seinem Netzwerk von unterschiedlichen Rezeptoren. Die zentrale Stellung illustriert seine grundlegende Bedeutung für die klassischen 5 Sinne bzw. die gesamte Wahrnehmung.]]&lt;br /&gt;
Einleitend wird nochmals betont, dass die Interaktionsfähigkeit eines Menschen auf seinen Sinnen bzw. seiner Wahrnehmungsfähigkeit basiert. Dann folgt eine tabellarische Auflistung der klassischen fünf Sinne mit der Abbildung ihrer Organe und den zugehörigen Reizen. Bei diesen wird außer beim Geruchssinn durch die Angabe von gegensätzlichen Adjektiven (z. B. hell und dunkel) die Bedeutung von Unterschieden für die Wahrnehmung aufgezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Keine Abbildung durch die nach außen gerichteten 5 Sinne, sondern ein inneres Hervorbringen der Außenwelt =====&lt;br /&gt;
Mit Berufung auf moderne Forschungen der Neurobiologie wird dann die frühere Annahme kritisiert, dass diese nach außen gerichteten Sinne die Außenwelt genau und „wahr“ abbilden. Diese Forschungen zeigen auf, dass keine Informationen aus der Außenwelt direkt in die Innenwelt eines jeden Menschen gelangen. Vielmehr produziert jeder einzelne Mensch diese in sich selbst, weil er in Bezug auf Information ein geschlossenes System ist. Mit diesen Formulierungen wird offensichtlich auf die beiden Wissenschaftler Humberto Maturana (1928–2021) und Francisco Varela (1946–2001), die Begründer der [[Autopoiese (Autopoiesis)]]-Theorie, angespielt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Keine qualitative Kodierung von Wahrnehmungsursachen, sondern individuelle Konstruktion =====&lt;br /&gt;
Die Aussagen werden gemäß den Formulierungen von [[Heinz von Foerster]] (1911–2002) mit seinem folgenden Forschungsergebnis erläutert:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Die ganze Wahrnehmung besteht aus individuell konstruierten Beziehungen, die in unserem Inneren entstehen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Es gebe keine qualitative oder spezifische Kodierung der Ursache einer Wahrnehmung. Die sensorischen Zellen würden nur die Mitteilung über eine vorliegende Störung oder einen vorliegenden Reiz liefern. Dies wird ergänzt durch den Hinweis, der ebenso auf Heinz von Foerster zurückgeht, dass der Wahrnehmungsprozess nur auf quantitativen Unterschieden beruht&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. zu diesen Aussagen von Heinz von Foerster z. B. [[Sensitivität_(innere_und_äußere,_von_Foerster)#„Interpretation“|das Kapitel „Interpretation“]] aus seinem Vortrag „Über das Konstruieren von Wirklichkeiten“ von 1973.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
===== Unterschiede, die einen Unterschied (aus)machen =====&lt;br /&gt;
Die vorangehenden Aussagen werden mit der bekannten Definition des Informationsbegriffs von [[Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)|Gregory Bateson]] (1904–1980) verbunden:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;„Informationen bestehen aus Unterschieden, die einen Unterschied machen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2023):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Konzeptsystem. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-00-0. S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Nur wenn wir (oder Lebewesen überhaupt) einen Unterschied in uns selbst wahrnehmen können, kann daraus eine Information entstehen – ob aus einer Außenperspektive ein Unterschied vorliegt oder nicht, spielt folglich keine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „Das kinästhetische Sinnessystem“===&lt;br /&gt;
Im Buch „Kinaesthetics – Konzeptsystem“ enthält das erste Unterthema „Sinne“ des ersten Kapitels „Konzept Interaktion“ das Unterkapitel mit der Überschrift „Das kinästhetische Sinnessystem“.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Nach innen gerichtete Rezeptoren und wahrnehmbare Reize =====&lt;br /&gt;
Zu diesem Thema wird an erster Stelle erwähnt, dass die Entdeckung der Rezeptoren, &#039;&#039;„die auf spezifische Reize aus dem Körperinnern spezialisiert sind“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, erst neuzeitlich ist. Als Beispiele dafür, was mit ihnen wahrgenommen werden kann, werden aufgeführt:&lt;br /&gt;
* Schmerz&lt;br /&gt;
* Muskelspannung&lt;br /&gt;
* Vibration&lt;br /&gt;
* Stellung der Körperteile zueinander&lt;br /&gt;
* Stellung des Kopfes bezüglich der Schwerkraft&lt;br /&gt;
Mit Bezug auf die vorangehend dargestellten klassischen fünf Sinne wird betont, dass die menschliche Sinneswahrnehmung somit &#039;&#039;„nicht nur Reize von außen, sondern auch von innen verarbeitet“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Grundlegende Bedeutung für alle Lebensaktivitäten und wahrnehmbare Aspekte der Bewegung=====&lt;br /&gt;
Darauf wird auf die grundlegende Bedeutung des kinästhetischen Sinnessystems hingewiesen, um alle Lebensaktivitäten ausführen zu können. Als Beispiele, welche Bewegungsaspekte mit ihm wahrgenommen können, werden aufgeführt:&lt;br /&gt;
* Unterschiede der Muskelspannung&lt;br /&gt;
* Druck- und Zugverhältnisse&lt;br /&gt;
* Raumlagebeziehungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Untrennbarkeit von Bewegung und Bewegungswahrnehmung bzw. Koppelung ihrer Feedbackschleifen =====&lt;br /&gt;
Dabei würden Bewegung und Bewegungswahrnehmung sich gegenseitig bedingen und seien „durch kontinuierliche [[Feedback-Control-Theorie|Feedbackschleifen]] gekoppelt:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Man muss sich bewegen, um Bewegung wahrnehmen zu können, und man muss Bewegung wahrnehmen können, um sich gezielt zu bewegen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Demgemäß sind Bewegung und Bewegungswahrnehmung untrennbar in einem zirkulären Zusammenspiel von Feedbackschleifen verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Grundlegende Bedeutung des kinästhetischen Sinnessystems bzw. seiner Sensibilisierung für die gesamte Wahrnehmung und die Interaktionsqualität =====&lt;br /&gt;
In Bezug auf die gesamte Wahrnehmung bzw. auf alle Sinnessysteme wird anschließend dem kinästhetischen Sinnessystem eine grundlegende Bedeutung zugeschrieben. Wahrnehmung sei immer mit Bewegung verbunden und beruhe auf der &#039;&#039;„Fähigkeit, mit der Bewegung einem Reiz folgen zu können“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Deshalb sei in der Kinästhetik ein wichtiges Ziel, das kinästhetische Sinnessystem zu sensibilisieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend wird der Zusammenhang zum übergeordneten Thema der Interaktion durch die Aussage hergestellt, dass die Qualität der Interaktionen von HandlungspartnerInnen direkt von der Sensibilität ihrer Bewegungswahrnehmung beeinflusst werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne weitere Erläuterungen (vgl. dazu „Kommentare, Auswertung, offene Fragen“: LINK) wird der bekannte folgende Aphorismus aus dem Buch „Der Baum der Erkenntnis“ von Humberto Maturana und Francisco Varela an den Schluss gestellt::&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; „Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ===&lt;br /&gt;
Nur angedeutet:&lt;br /&gt;
==== Geschlossenheit====&lt;br /&gt;
Geschlossenheit steht in bester kybernetischer Tradition. Zum Beispiel auch bei K. U. Smith (closed-loop feedback; K. U. hatte bedeutenden Einfluss auf die Begründergeneration der Kinästhetik)&lt;br /&gt;
==== „Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun.“====&lt;br /&gt;
Der Anschluss kann einerseits in der Aussage vermutet werden, dass sich Bewegung und Bewegungswahrnehmung (Kinästhesie) wechselseitig bedingen. Andererseits ist Erkennen ein Synonym von Wahrnehmen und Bewegung mit jedem Tun verbunden. Somit kann eine zweite Brücke zur Aussage geschlagen werden, dass jede Wahrnehmung mit Bewegung verbunden sei.&lt;br /&gt;
Der Kontext des Aphorismus im Buch von Maturana und Varela wird nachfolgend zitiert und zeigt weitere Verbindungen zu den Ausführungen des Konzeptsystems zum Thema Sinne auf:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; „In diesem Sinne werden wir ständig festzustellen haben, daß man das Phänomen des Erkennens nicht so auffassen kann, als gäbe es ‚Tatsachen‘ und Objekte da draußen [im Original kursiv], die man nur aufzugreifen und in den Kopf hineinzutun habe. Diese Feststellung bildet das Fundament von alldem, was wir zu sagen haben werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Erfahrung von jedem Ding ‚da draußen‘ wird auf eine spezifische Weise durch die menschliche Struktur konfiguriert, welche ‚das Ding‘, das in der Beschreibung entsteht, erst möglich macht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zirkularität, diese Verkettung von Handlung und Erfahrung, diese Untrennbarkeit einer bestimmten Art zu sein von der Art, wie die Welt uns erscheint, sagt uns, daß jeder Akt des Erkennens eine Welt hervorbringt [im Original kursiv]. Diese Eigenschaft des Erkennens wird unausweichlich zugleich unser Problem, unser Ausgangspunkt und der Leitfaden für unsere Erörterungen auf den folgenden Seiten sein. Dies alles kann in dem Aphorismus zusammengefaßt werden: Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun. [im Original kursiv]“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (1987):&#039;&#039;&#039; Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Aus dem Spanischen von Kurt Ludewig in Zusammenarbeit mit dem Institut für systemische Studien e. V. in Hamburg. 1. Auflage. Bern, München, Wien: Scherz Verlag. ISBN 3-502-13440-5. S. 31.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „MEIN THEMA“ in „AMD, LuB, KuK“ ===&lt;br /&gt;
gyfr (anschließend) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== „xy“ in „Kinästhetik – Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten“ === ??&lt;br /&gt;
MEIN TEXT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem in „Kinaesthetics Infant Handling“ ===&lt;br /&gt;
==== Kinästhetisches Sinnessystem als Grundlage der Entwicklung von Bewegungsfähigkeiten ====&lt;br /&gt;
Im Buch „Kinaesthetics Infant Handling“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Maietta, Lenny; Hatch, Frank (2011):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics Infant Handling. Originalmanuskript aus dem Amerikanischen von Ute Villwock. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Bern [u. a.]: Hans Huber. ISBN 978-3-456-84987-4.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Lenny Maietta und Frank Hatch thematisiert das erste Kapitel die grundlegende Frage, wie Bewegungsfähigkeiten entstehen. In dessen Einleitung wird darauf hingewiesen, dass der Mensch gemäß kybernetischen Erkenntnissen sein Verhalten durch Feedback-Kontrolle steuert. Dabei hänge die Entwicklung einer effektiven Verhaltenskontrolle des Kindes in der Schwerkraft &#039;&#039;„von der Handlingsfähigkeit der Erwachsenen ab“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das zweite Unterkapitel erläutert, dass das Verhalten durch die eigenen Annahmen gelenkt wird. Das dritte Unterkapitel bezeichnet Berührung und Körperkontakt als wesentliche Form der Interaktion zwischen Kindern und Erwachsenen. Insbesondere wird beschrieben, dass der Bewegungsaustausch über Körperkontakt für die Entwicklung von Bewegungsgrundlagen für das lebenslange Lernen von zentraler Bedeutung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Unterkapitel „1.4 Selbsterfahrung durch Bewegung“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 23 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; geht darauf ein, wie der Mensch seine Bewegung &#039;&#039;„innerlich über das kinästhetisch-sensorische System, das aus mehreren Komponenten besteht“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; erlebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwähnt werden die basalen Rezeptoren der Haut bzw. der Körperoberfläche, die auf Druckänderungen reagieren und einem erlauben, den Kontakt mit belebter oder unbelebter Umgebung zu registrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Hautrezeptoren sind mit weiteren Bewegungsrezeptoren verbunden, die sich&lt;br /&gt;
* im Muskelgewebe,&lt;br /&gt;
* in Gelenken, &lt;br /&gt;
* im Innenohr&lt;br /&gt;
befinden. In einem Netzwerk ermöglichen sie, die Körperbewegung zu kontrollieren:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Die Druckänderungen einer beliebigen Komponente des kinästhetischen Systems signalisiert eine Veränderung der Position in der Schwerkraft und löst im gesamten Körper Anpassungen der muskulären Spannung aus.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Aussagen werden dadurch erläutert, dass der Mensch sein Körpergewicht in der Schwerkraft durch Verlagerungen und Veränderungen der Kontaktstellen mit seiner Umgebung bewegt. Mit einer Abbildung, die einen Mensch zeigt, der auf einem Stuhl sitzt und seine Hand auf einen Tisch hält, wird die Aussage des vorangehenden Zitats illustriert: Durch den Druck der Füße auf den Boden entsteht in ihm ein Spannungsmuster, das sich verändert, wenn er mit seinen Fingern auf den Tisch drückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend wird erwähnt, dass es in der Kinästhetik um die effektive Kontrolle der Bewegung und die besondere Aufmerksamkeit auf die kinästhetischen Empfindungen gehe, das kinästhetische Sinnessystem aber außerhalb der Kinästhetik häufig keine Beachtung fände. &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Unterkapitel „Selbsterfahrung durch Bewegung“ folgen vier weitere mit den Überschriften „Kinder brauchen Bewegungsunterstützung“, „Bewegungsgrundlage als gemeinsamer Nenner“, „Ziele“ und „Inhaltliche Schwerpunkte“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 25 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Sinne und kinästhetisches Sinnessystem im Rahmen der Darstellung der Konzepte ====&lt;br /&gt;
===== Kontext =====&lt;br /&gt;
Das kurze zweite Kapitel des Buches trägt den Titel „Ihre Vorstellungen über kindliche Entwicklung“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 31 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das dritte Kapitel „Gesundheit, Entwicklung und Lernen“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 39 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; stellt ausführlicher unterschiedliche Aspekte dieses Themenbereichs dar.&lt;br /&gt;
Im vierten Kapitel „Das MH Kinaesthetics-Infant-Handling-Programm“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; des Buches werden aus der Perspektive des Handlings mit Kindern die Konzepte der Kinästhetik behandelt, was u. a. einleitend thematisiert wird. Das Konzept Interaktion steht zu Beginn der Darstellung der sechs Konzepte und wird kurz mit seinen Unterthemen eingeleitet. Das Thema der Sinne und des kinästhetischen Sinnessystems bildet das erste Unterkapitel.&lt;br /&gt;
===== „Sinnessysteme und Wahrnehmung“=====&lt;br /&gt;
Die Frage, &#039;&#039;„welche sensorischen Reize Neugeborene wahrnehmen können“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 64.&amp;lt;/ref&amp;gt; eröffnet das Unterkapitel „4.3.1 Sinnessysteme und Wahrnehmung“. Zur Beantwortung wird die Abhängigkeit dieser Frage von der Definition der sensorischen Fähigkeiten aufgezeigt: Die Antwort fällt unterschiedlich aus, je nachdem ob man darunter versteht, dass das Kind einfach sensorische Reize aufnimmt, sensorische Ereignisse versteht (also wahrnimmt) oder mit spezifischen sensorischen Systemen Phänomene als Ursachen der entsprechenden Empfindungen wahrnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Anschluss legt die Beschreibung einer persönlichen Erfahrung von Frank Hatch nahe, im Umgang mit Kindern von Geburt an auf die visuellen und anderen sensorischen Fähigkeiten zu achten. Was die eingangs gestellte Frage betrifft, wird auf die Tatsache verwiesen, &#039;&#039;„Kinder aller Altersstufen über die gleichen sensorischen Systeme wie Erwachsenen verfügen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt; und der hauptsächliche Unterschied darin bestehe, &#039;&#039;„was jeder gelernt hat, mit den sensorischen Informationen anzufangen“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gerade deswegen würden Kinder die Hilfe von Erwachsenen benötigen, um ihre Empfindungen einordnen, interpretieren und motorisch effizient reagieren zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden Ausführungen des Buches unterscheiden zwischen dem inneren sensorischen System und sensorischen Distanzsystemen. Mit Ersterem ist das kinästhetische Sinnessystem gemeint, &#039;&#039;„das den inneren Bewegungsreizen folgt“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zu den sensorischen Distanzsystemen werden das visuelle, auditive, olfaktorische und gustatorische System gezählt, die den &#039;&#039;„Bewegungen in der Umgebung außerhalb des Körpers“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== „Das innere sensorische System“=====&lt;br /&gt;
Unter dieser Überschrift&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird als Erstes wird darauf verwiesen, dass wir kein Bewusstsein für das innere sensorische System bzw. das kinästhetische Sinnessystem aufgrund seiner engen Verbindung mit der Selbstwahrnehmung haben und es primär für die Selbstkontrolle in der Schwerkraft nutzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wird der Zusammenhang mit Bewegung aufgezeigt:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Jede Struktur dieses Systems registriert Bewegungsänderungen: Der Vestibularapparat im Innenohr, die Rezeptoren in allen Muskeln und Gelenken und die basalen Rezeptoren in unserer Haut.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei würden die verschiedenen Rezeptoren Spannungs- und Druckveränderungen registrieren, die uns durch die Integration im Nervensystem erlauben, im Gleichgewicht zu bleiben und unser Gewicht über die Knochen auf das Stützgewebe zu übertragen. Ausbalanciert zu sein, wird als Voraussetzung für eine niedrige innere Spannung bezeichnet, die es uns wiederum erleichtert, äußere Bewegungen wahrzunehmen:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Eine niedrige Spannung ist die Voraussetzung für eine hohe Sensibilität für sensorische Reize.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Folge wird auf verschiedene Funktionen anderer Bestandteile des inneren sensorischen Systems hingewiesen:&lt;br /&gt;
* Koordination und Regulation lebenswichtiger innerer Prozesse (Atmung, Kreislauf, Verdauung)&lt;br /&gt;
* Registrierung von Temperaturveränderungen (innerliche und auf der Körperoberfläche) durch Hautrezeptoren: führt zur Kontraktion oder Entspannung kleiner Muskeln, zum Öffnen oder Schließen der Hautporen bzw. zur Wärmeleitung nach innen oder außen (Funktion der Körpertemperaturregulation).&lt;br /&gt;
* Registrierung von Druckveränderungen (innerliche und auf der Körperoberfläche) durch Hautrezeptoren oder tieferliegende Rezeptoren: Schmerzwahrnehmung als Warnung vor Verletzungen&lt;br /&gt;
Hervorgehoben wird, dass eine niedrige innere Spannung uns ebenso eine effektivere Steuerung unserer inneren Prozesse ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf wird ausgeführt, dass Druckrezeptoren der Haut die Regulation des Kontaktes zur Umgebung ermöglichen, die Muskelspindeln mit der Haut verbunden sind und das gesamte kinästhetische Sinnessystem als Netzwerk funktioniert:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Somit lösen Druckveränderungen auf der Körperoberfläche gleichzeitig Änderungen der Spannungsmuster im gesamten Körper aus.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dies erlaube uns, die Bewegungen unseres Körpergewichts in Beziehung auf unsere Umgebung zu steuern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Überschrift „Entwickeln der inneren kinästhetischen Körper-Tracking-Fähigkeiten bei Kindern“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird das kinästhetische Sinnessystem als grundlegendes sensorisches System des Menschen bezeichnet. Mit diesem System nimmt der Mensch bereits als Fetus sich selbst wahr und erlernt die Koordination und Regulation seiner Körperbewegungen sowie die Kommunikation mit seiner Mutter &#039;&#039;„durch berührungsgelenkte Bewegungsprozesse“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Hauptsächlich durch diese finde die Kommunikation auch im Kleinkindalter &#039;&#039; „während der meisten gemeinsamen Aktivitäten“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; statt, allerdings fehle den Erwachsenen das Bewusstsein hierfür:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Die Fähigkeit, aktiv an einem Berührungsgelenkten Bewegungsaustausch mit Erwachsenen oder anderen Kindern teilzunehmen, ist die wichtigste Grundlage für das Kind, um seine sensorische und motorische Kontrolle zu erlernen.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während Kleinkinder sehr lange den Bewegungen anderer folgen könnten, müssten Erwachsene lernen und intensiv üben, den Bewegungen von Babys oder Kleinkindern zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== „Sensorische Distanzsysteme“=====&lt;br /&gt;
Unter dieser Überschrift&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; werden in Unterkapiteln die folgenden Sinnessysteme behandelt:&lt;br /&gt;
* „Das visuelle sensorische System“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* „Das auditive sensorische System“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* „Die gustatorischen und olfaktorischen Systeme“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei wird jeweils angegeben, wofür die einzelnen Systeme sensibel sind:&lt;br /&gt;
* Lichtwellen bzw. Wellenlängen der Farben&lt;br /&gt;
* Schall- oder Druckwellen bzw. Vibrationen in der Luft&lt;br /&gt;
* Chemische Substanzen in Wassermolekülen (gustatorisches System) und Gerüche in Luftmolekülen (olfaktorisches System)&lt;br /&gt;
Beim visuellen und auditiven System wird der Zusammenhang mit der Bewegung aufgezeigt: Sehen ist mit Augen- oder Körperbewegungen verbunden, Hören mit der Vibration des Trommelfells. Beim Sehen gehe es um die Fähigkeit, Farben unterscheiden zu lernen, was bei Primärfarben am leichtesten sei. Beim Hören gehe es darum, dass Kleinkinder lernen, Geräuschquellen und ihre Bedeutung zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== „Schlussfolgerungen“ =====&lt;br /&gt;
In diesem abschließenden Unterkapitel&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; weisen die AutorInnen darauf hin, dass Kinder durch die „Fähigkeit, sich selbst und die Umwelt durch unterschiedliche sensorische Reize erkennen zu können, […] Sicherheit und Selbstständigkeit“ &amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie am Schluss der Ausführungen zum [[#„Das innere sensorische System“|inneren sensorischen System]] wird das Folgen von Bewegungen anderer Menschen als Voraussetzung dafür bezeichnet, dass Kinder lernen können, durch eigene Bewegungen mit sensorischen Reizen kontrolliert umzugehen. Dabei sei die eigene Bewegungskontrolle, zu deren Unterstützung die Konzepte der Kinästhetik neue Ideen bieten, die Grundlage für die Kontrolle aller sensorischen Systeme und die „Voraussetzung für eine effektive Kommunikation“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kommentare, Auswertung und offene Fragen ===&lt;br /&gt;
Nur angedeutet:&lt;br /&gt;
Auffällig ist, dass nur 4 klassische Sinne und das taktile Sinnessystem nicht eigens erwähnt werden. Ergibt sich aus dem Ansatz eines inneren sensorischen Systems und von sensorischen Distanzsystemen, aber geht letztlich nicht ganz auf: taktil wird unter dem inneren sensorischen System behandelt, aber geht es hier um „innere Bewegungsreize“ bzw. ist nach Varela, Bateson nicht alles innen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch mehr oder weniger korrekt bzw. textlich schlecht verständlich sind die Ausführungen im letzten Absatz der Seite 67: Die Muskelspindeln sind die Rezeptoren (nicht „in den Muskelspindeln“), die Gleichsetzung mit „Druckrezeptoren in unserer Haut“ ist fragwürdig.&lt;br /&gt;
„Menschen lernen, indem sie der Bewegung anderer folgen“ als nicht mehr so aktuelles Dogma ist hier schön sichtbar: Einfluss der Bezugspersonen wird als sehr hoch eingeschätzt. Ebenso kommt „niedrige Körperspannung =&amp;gt; hohe allgemeine Sensibilität (und umgekehrt)“, was oft mit Weber begründet wird, aber aus meiner Perspektive nicht schlüssig ist.&lt;br /&gt;
Positiv hervorzuheben ist (was sonst in den meisten einschlägigen Texten selten vorhanden ist): Kinästhetisches Sinnessystem als Netzwerk, als Zusammenspiel aller Rezeptoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Weber_und_Fechner&amp;diff=4981</id>
		<title>Weber und Fechner</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Weber_und_Fechner&amp;diff=4981"/>
		<updated>2024-03-10T19:01:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt| Martina Huth, Stefan Knobel/Andreas Borrmann}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel von Martina Huth und Stefan Knobel wird in der Trainerbildung Stufe 1 der EKA verwendet.&lt;br /&gt;
Das Weber-Fechner-Gesetz wurde vor etwa 150 Jahren von Gustav Theodor Fechner formuliert und ist für das Bewegungslernen in Kinaesthetics wichtig. Es besagt, dass je höher die Spannung ist, desto unsensibler die Wahrnehmung wird. Fechner und sein Kollege Weber waren Pioniere der experimentellen Psychologie und entwickelten Methoden, um die menschliche Wahrnehmung zu untersuchen. Ihr Gesetz besagt, dass die Empfindungsstärke mit dem Logarithmus der physikalischen Reizstärke wächst. Diese Erkenntnisse beeinflussen das Bewegungslernen und die Bewegungskompetenz, indem sie zeigen, wie Menschen feine Unterschiede wahrnehmen und ihre Anstrengung anpassen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;„Das Weber-Fechner-Gesetz &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Vor gut 150 Jahren formulierte Gustav Theodor Fechner (1801–1887) im Rahmen der Psychophysik das Weber-Fechner-Gesetz. Dieses Gesetz ist für das Bewegungslernen in [[Kinaesthetics (Begriff)|Kinaesthetics]] von großer Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039; Je höher die Spannung, desto unsensibler &#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Jede TeilnehmerIn eines Kinaesthetics-Grundkurses macht in Bezug auf die [[Wahrnehmung]] mit dem kinästhetischen Sinnessystem eine interessante Entdeckung. Je höher die Spannung ist, umso undifferenzierter ist die Erfahrung, die man von einer bestimmten Aktivität machen kann. Wenn man sich zum Beispiel mit wenig Körperspannung von Rückenlage in Seitenlage dreht, kann man diese Fortbewegung sehr differenziert wahrnehmen und feine Unterschiede ausmachen. Bei gleicher Aktivität und hoher Körperspannung ändert sich das: Es wird viel schwieriger, detaillierte Unterschiede zu beschreiben. Warum es sich so verhält, ist seit über 150 Jahren bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039; Psychophysik &#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mitten in der kontroversen Diskussion um Darwins Evolutionstheorie begründete G. T. Fechner 1860 die neue Disziplin der Psychophysik mit dem Ziel, die seit Jahrhunderten geltende Trennung der Erklärung von Körper und Geist aufzuheben. Zuvor hatte man versucht, Fragen rund um den menschlichen Körper mit physikalischen Gesetzen, Fragen nach dem Geist oder der Seele mit göttlichen Prinzipien zu beantworten.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wegen der sehr kontroversen wissenschaftlichen Diskussionen (Glaubens- oder Wissenschaftsparadigma), die in der damaligen Zeit geführt wurden, hatten es viele Wissenschaftler nicht leicht. So auch die beiden Namensgeber des Weber-Fechner-Gesetzes, Gustav Theodor Fechner (1801–1887) und Ernst Heinrich Weber (1795–1878). Die beiden Männer sind wichtige Pioniere der experimentellen Psychologie, und ihre Erkenntnisse werden noch heute in Bewegungskonzepten wie der Feldenkrais-Pädagogik oder Kinaesthetics berücksichtigt. &lt;br /&gt;
===&#039;&#039; Worum geht es? &#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als Naturforscher versuchten Weber und Fechner die Sinnesleistung des Menschen zu messen. Sie waren von der Idee überzeugt, dass es möglich sein müsse, durch Experimente die Grundprinzipien der menschlichen Wahrnehmung quantitativ, also mit mathematischen Methoden bzw. Formeln ausdrücken zu können. Nach und nach entwickelten sie experimentelle Methoden, um Sinnesempfindungen durch die Sinne einschließlich des kinästhetischen Sinns (Bewegungssinns) zu untersuchen. Da sie sich damals noch nicht auf bildgebende Verfahren oder elektronische Messungen stützen konnten, mussten sie in ihren Versuchsreihen mit dem Zusammenhang zwischen physikalischen Reizen (Töne, Licht, Gewicht usw.) und dem subjektiven Erleben der ProbandInnen (z. B. lauter – leiser – nicht hörbar) arbeiten. Die von Fechner entwickelten Methoden sind zum Teil noch heute gebräuchlich. Beim sogenannten ‚Grenzverfahren‘ variiert die VersuchsleiterIn die Intensität eines Reizes und die ProbandIn gibt an, ob sie diesen wahrnimmt bzw. von einer anderen Reizintensität unterscheiden kann. Wird ein Reiz wahrgenommen, verringert die VersuchsleiterIn die Reizstärke, wenn nicht, erhöht sie diese. Der Mittelwert aller Wendepunkte markiert die sogenannte absolute Wahrnehmungsschwelle, d. h. die kleinste Reizintensität, die nötig ist, damit ein Reiz überhaupt wahrgenommen werden kann.&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Eine Variante stellt die ‚Herstellungsmethode‘ dar. Dabei wird die Intensität des Reizes nach der Anweisung der ProbandIn oder durch sie selbst verändert, bis sie glaubt, die absolute Schwelle angeben zu können. Der Versuch wird mehrmals wiederholt, und der Mittelwert aller Angaben ergibt die absolute Wahrnehmungsschwelle.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Schon 1834 entdeckte E. H. Weber, dass es bei der Wahrnehmung von unterschiedlichen Reizintensitäten Schwellen des gerade noch wahrnehmbaren Unterschieds (just noticeable difference) gibt. Solche ‚Unterschiedsschwellen‘ bezeichnen den kleinsten Unterschied zwischen zwei Reizintensitäten, der gerade noch wahrgenommen werden kann. Webers große Entdeckung war, dass die Unterschiedsschwellen stets von der Intensität des vorangehenden Reizes abhängen und diese Unterschiede in einem nahezu konstanten mathematischen Verhältnis zu den Ausgangsreizen stehen. Das bedeutet: Je stärker der Ausgangsreiz ist, desto größer muss der Unterschied ausfallen, damit er überhaupt wahrgenommen werden kann. In der Fachliteratur wird dieses Verhältnis heute mit dem Begriff ‚Webersche Konstante‘ bezeichnet. Mit einem Beispiel ausgedrückt: Wenn ein Gegenstand 100 Gramm schwer ist, muss ein zweiter mehr als 2,5 Gramm schwerer sein, damit ein Unterschied im Gewicht der beiden Gegenstände wahrgenommen werden kann. Ist nun ein Gegenstand 1 Kilogramm schwer, muss nach dem Weberschen Gesetz ein zweiter Gegenstand 25 Gramm schwerer sein, damit er als schwerer empfunden werden kann. Mit anderen Worten: Der Mensch kann Veränderungen der Reizintensität nicht wie ein technischer Sensor linear unterscheiden, sondern nur im Verhältnis zum vorausgehenden Reiz.&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Konkret beträgt beim Tastsinn der erforderliche relative Zuwachs etwa 3 % des Hautdrucks, beim Helligkeitssehen braucht es etwa 1 bis 2 % der Lichtstärke. Beim Geschmack muss die Konzentration um 10 bis 20 % steigen, um als stärker empfunden zu werden. Mit dem kinästhetischen Sinnessystem kann ein Gewichtsunterschied erst ab einer Abweichung von ungefähr 2,5 % wahrgenommen werden, was sich auch im persönlichen Experiment nachvollziehen lässt. Die Unterschiedsschwelle liegt für die Muskeln bei mindestens einem Vierzigstel der aktuellen Anstrengung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Fechner knüpfte in seiner Arbeit an diese Erkenntnisse von Weber an. Er interessierte sich für den Zusammenhang zwischen der physikalischen Reiz- und der subjektiven Empfindungsintensität. Seine heute als ‚Weber-Fechner-Gesetz‘ bekannte Formel besagt, dass die Empfindungsstärke mit dem Logarithmus der physikalischen Reizstärke wächst. Das bedeutet (in einem bestimmten Spektrum): Wenn man die physikalische Intensität eines Reizes verdoppelt, wird das nicht als Verdoppelung empfunden. Verändert sich die physikalische Reizintensität im niedrigen Bereich, fällt ein geringer Zuwachs viel stärker ins Gewicht, als wenn sie im höheren Bereich zunimmt: Hier flacht die Empfindungsstärke ab. In späterer Zeit entdeckte S. T. Stevens (1906–1973), dass sich dieser Zusammenhang manchmal auch ganz anders darstellt und verallgemeinerte mit seinem Potenzgesetz die Formel von Fechner. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
===&#039;&#039; Bedeutung für das Bewegungslernen &#039;&#039;===&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Erkenntnisse aus diesen Forschungsprozessen der Psychophysik finden Anwendung in verschiedenen Schulen des Bewegungslernens. Ein Beispiel dafür ist der Physiker und Begründer der gleichnamigen Bewegungslehre Moshé Feldenkrais (1904–1984). Er beschäftigte sich mit Neurophysiologie sowie Neuropsychologie und veröffentlichte seine Erkenntnisse in vielen Schriften, unter anderem in seinem grundlegenden Buch mit dem Titel ‚Body and Mature Behaviour&amp;quot;. Er erkannte schon um 1940 die Bedeutung der physikalischen Gesetzmäßigkeiten für die Bewegungsökonomie und das [[Lernparadigma|Lernen]] von Menschen. Er übertrug die Erkenntnisse von Weber und Fechner auf seine Arbeit und stellte fest, dass sich durch die Sensibilisierung der kinästhetischen Selbstwahrnehmung grundlegende Funktionen verbessern und Verhaltensänderungen leichter erreichen lassen. Eine wichtige Rolle spielt dabei, sich für ein möglichst großes Spektrum von Unterschieden zu sensibilisieren, indem man die eigene Anstrengung bewusst und angepasst regulieren lernt. Für die meisten Menschen besteht die Herausforderung darin, ihre Anstrengung verringern zu lernen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Auch im Entwicklungs- und Lernverständnis von Kinaesthetics spielen die Erkenntnisse von Weber und Fechner eine wichtige Rolle. Eine zentrale Annahme in Kinaesthetics ist, dass Menschen durch die Auseinandersetzung mit Unterschieden lernen. In diesem Zusammenhang helfen uns die Grundlagen der Psychophysik besser zu verstehen, wie ein Mensch sein Verhalten steuern bzw. seine Aktivitäten anpassen kann. Dies hängt maßgeblich von der Höhe seiner Grundspannung ab. Grundsätzlich gilt: Je höher seine Grundspannung ist, umso größer ist der relative Unterschied, der für ihn überhaupt wahrnehmbar ist, desto ‚grober‘ fallen seine Anpassungen aus. Das bedeutet, dass ein Mensch über mehr Möglichkeiten in seinem Verhalten verfügt, je besser er in der Lage ist, seine Spannung gezielt an eine Situation anzupassen.&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Bezug auf das Bewegungslernen und die Entwicklung der Bewegungskompetenz lässt sich feststellen: Wenn Menschen ihre Sensibilität vergrößern, entwickeln sie die notwendige Fähigkeit zum Bemerken von angepassten und feinen Unterschieden, was leichter zu Verhaltensänderungen führt. Sie können mit dieser Sensibilität aktiv und selbstgesteuert aus einer Vielzahl von Möglichkeiten eine Entscheidung treffen, wie sie eine bestimmte Tätigkeit ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kinaesthetics geht davon aus, dass diese Erkenntnisse auch in der Bewegung mit einer anderen Person genutzt werden können.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kurzbiografien ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&#039;&#039; „Ernst Heinrich Weber &#039;&#039;===&lt;br /&gt;
[[Datei:Ernst HeinrichWeber.jpg|right|200px|]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ernst Heinrich Weber wurde am 24. Juni 1795 in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) geboren. Er studierte in Wittenberg und Leipzig und wurde 1818 zum außerordentlichen Professor für vergleichende Anatomie ernannt. Er beschäftigte sich in seinem Forscherleben mit der mikroskopischen Anatomie, der Entwicklungsgeschichte von Tieren und machte eine sehr bedeutende Untersuchung zur Mechanik des menschlichen Gehens. Als Lehrer, Kollege und Freund arbeitete er zusammen mit Gustav Theodor Fechner im Rahmen der Psychophysik und legte damit einen Grundstein für die heutige Psychologie. Die sogenannte Webersche Konstante ist ein bleibendes Resultat seiner Arbeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Er starb am 26. Januar 1878 als Mitglied des Ordens ‚Pour le mérite für Wissenschaft und Künste‘ und Ehrenbürger der Stadt Leipzig.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br clear=all&amp;gt;&lt;br /&gt;
===&#039;&#039; Gustav Theodor Fechner &#039;&#039;===&lt;br /&gt;
[[Datei:Gustav Fechner.jpg|right|200px]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Gustav Theodor Fechner wurde am 19. April 1801 in Großsärchen (Sachsen) geboren. Er studierte in Leipzig Physiologie und Algebra und eignete sich sein umfassendes Wissen in verschiedenen Wissenschaftsgebieten weitgehend als Autodidakt an. 1835 wurde er Direktor des ersten physikalischen Institutes von Deutschland in Leipzig. In den 1860er-Jahren gründete er die Forschungsrichtung der Psychophysik, welche die Basis für die heutige Verhaltensforschung und Psychologie legte. In seinem 1876 veröffentlichten Buch ‚Vorschule der Ästhetik‘ vertrat er als erster auf diesem Gebiet den induktiven Forschungsansatz (vom Phänomen zur allgemeinen Theorie).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es gelang ihm, Prinzipien des menschlichen Verhaltens zu beschreiben, die noch heute ihre Gültigkeit haben – unter anderem das Weber-Fechner-Gesetz. Er starb am 18. November 1887 als Ehrendoktor der Medizin und Ehrenbürger der Stadt Leipzig.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ahlers, M.-T. (2005): Psychophysik – Einführung in einige Grundgedanken Webers, Fechners und Stevens. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ayan, S.: Stimulus inspirans (2007). In: Gehirn &amp;amp; Geist 5, 2007, S. 22–27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Feldenkrais, Moshe (2006).: Die Feldenkraismethode in Aktion. 7. Auflage. Paderborn: Media-Print. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Holm, M.(1999): Do you feel the difference? Der Beitrag der Feldenkrais-Methode zur Gesundheitsförderung. Diplomarbeit im Studiengang Psychologie, Universität Bremen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Huth, M. (2007): Kinaesthetics. Ein Schulungskonzept zur Anbahnung von Diplomarbeit im Studiengang Pflegepädagogik, Fachhochschule Bielefeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Institute for Human Development (IHD) (n.d.): Rahmen-Curriculum Kinaesthetics Dornbirn: IHD &#039;&#039;Human Development Research GmbH. Karl, C. (1993): Vorstellungen vom Lernen bei Feldenkrais. In: Kinästhetik-Bulletin 20/1993, S. 8–10. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Maietta, L.: Kinästhetik (1986). In: Kinästhetik–Bulletin 10/1986, S. 16–19. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Smith, K. U. &amp;amp; Smith, T. J. (1999): Wissenschaftliche Beiträge der Verhaltenskybernetik: Eine Perspektive. Kinästhetik Zeitschrift 5/1999, S. 45–76. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zimbardo, P. G. (1995): Psychologie. 6. Auflage. Berlin: Springer Verlag.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kybernetische Grundlagen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien ==&lt;br /&gt;
https://de.wikipedia.org/wiki/Weber-Fechner-Gesetz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://ia800708.us.archive.org/view_archive.php?archive=/28/items/crossref-pre-1923-scholarly-works/10.1007%252Fbf01681708.zip&amp;amp;file=10.1007%252Fbf01687823.pdf Studien über das Weber-Fechner&#039;sche Gesetz.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://www.ewald-gerth.de/Weber-Fechner.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/fechnersches-gesetz/4830&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
https://lexikon.stangl.eu/2818/weber-fechnersche-gesetz&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lerntheorie_nach_Gregory_Bateson_(1904-1980)&amp;diff=4740</id>
		<title>Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)</title>
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		<updated>2023-10-30T14:58:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|in Bearbeitung|Andreas Borrmann/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird der Begriff Lernen von Gregory Bateson dargestellt und mit der Kinästhetik übergeordnet in Bezug gebracht. Erläutert werden Bateson&#039;s logische Kategorien von Lernen und Kommunikation, auf die sich die Kinästhetik explizit beruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die logischen Kategorien von Lernen und Kommunikation ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung ===&lt;br /&gt;
Die folgenden Kapitel berufen sich auf verschiedene Aufsätze aus dem Buch „Ökologie des Geistes“ (englische Erstausgabe 1972)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Bateson, Gregory (1972):&#039;&#039;&#039; Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische, biologische und epistemologische Perspektiven. Übersetzt von Hans Günter Holl. 12. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. ISBN 978-3-518-28171-0.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Gregory Bateson.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bateson beschreibt, dass Lernen Veränderung in irgendeiner Art bezeichnet. „Veränderung bedeutet Prozeß. Aber Prozesse selbst sind wiederum der ‚Veränderung‘ unterworfen. Der Prozeß kann sich beschleunigen, er kann sich verlangsamen, oder er kann andere Typen der Veränderung durchlaufen, so daß wir sagen werden, daß es sich nunmehr um einen ‚anderen‘ Prozeß handelt.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S.367.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um diese Ideen des Lernens zu ordnen, werden die logischen Typen von Lernen und Kommunikation benötigt, die im Folgenden vorgestellt werden.&lt;br /&gt;
=== Lernen Null ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Lernen null ist durch die spezifische Wirksamkeit der Reaktion charakterisiert, die – zu Recht oder zu Unrecht – keiner Korrektur unterliegt.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S.379.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb dieses ersten Typs von Lernen findet eine einfache Informationsaufnahme eines äußeren Ereignisses statt, und zwar &#039;&#039;dergestalt, daß ein ähnliches Ereignis zu einem späteren Zeitpunkt dieselbe Information übermitteln wird: Ich ‚lerne‘ von der Werkssirene, daß es zwölf Uhr ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es kommt somit ein ziemlich starres Reiz-Reaktions-Muster zum Vorschein und eine Verhaltensveränderung findet nicht statt. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Lernen Null hat die Form eines Reizes, der eine bestimmte Reaktion bewirkt, die dann nicht mehr korrigiert wird.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 379.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen für ein solches Lernen sind weniger ein Lernen durch Erfahrung und vielmehr genetische Faktoren, wie zum Beispiel das Zukneifen der Augen bei hellem Licht oder das Zusammenzucken, wenn ein Düsenjet unvermutet über uns hinwegdonnert. Das Reiz-Reaktions-Muster ist wie bei einer einfachen elektronischen Schaltung eingelötet.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 367.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu dieser primitivsten Form des Lernens handelt es sich bei allen höheren Ebenen um ein Lernen durch Versuch und Irrtum. Eine bestimmte Reaktion wird als falsch oder als Fehlentscheidung wahrgenommen und durch eine andere Reaktion ersetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 371&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Mensch reagiert auf denselben Reiz, je nach Kontext und je nach Menge der vorhandenen Alternativen, verschieden. Erst wenn eine Verhaltensänderung bei sonst gleichem Kontext eintritt, kann dies als ein eigentliches Lernen bezeichnet werden und beschreibt den Unterschied zwischen Lernen null und Lernen I. Ein Beispiel dafür ist eine Gewöhnung an einen Reiz, die auch Lebewesen ohne Nervensystem erreichen können.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. S. 372.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lernen I ===&lt;br /&gt;
Die zweite Ebene des Lernens beschreibt Bateson wie folgt: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Lernen I [kursiv] ist Veränderung in der spezifischen Wirksamkeit der Reaktion [kursiv] durch Korrektur von Irrtümern der Auswahl innerhalb einer Menge von Alternativen.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. S. 379.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter schreibt er: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Mit einem Wort, die Liste des Lernens I enthält jene Einheiten, die in psychologischen Laboratorien ganz allgemein als ‚Lernen‘ bezeichnet werden.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 372&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird der Prozess von Lernen Null verändert, so dass zu einem späteren Zeitpunkt auf den Reiz eine andere Reaktion zu beobachten ist. Es ist das Gewöhnen an einen Reiz, auf den bald nicht mehr reagiert wird oder eine automatische Reaktion hervorgerufen wird. Eine Gewöhnung an einen Reiz, welcher vorher als störend wahrgenommen wurde, wie stereotype Reaktionsmuster oder instrumentelle Belohnungen fallen auch unter Lernen I.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 372.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel kann der Pawlowsche Hund angeführt werden: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Zu einem Zeitpunkt 2 sondert der Pawlowsche Hund Speichel auf den Glockenton ab, was er vorher nicht gemacht hat. Und zum Zeitpunkt 2 pickt die Skinnersche Taube gezielt auf die Taste, die ihr Futter präsentiert.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Mohl, Alexa (2006):&#039;&#039;&#039;Der große Zauberlehrling. Teilbd. 2. Paderborn: Junfermann. EAN 9783873876156.&lt;br /&gt;
 S. 772.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bateson beschreibt diesen Vorgang als „Phänomen der Gewöhnung“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Bateson, Gregory (1972):&#039;&#039;&#039; Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische, biologische und epistemologische Perspektiven. Übersetzt von Hans Günter Holl. 12. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. ISBN 978-3-518-28171-0. S. 372.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Entweder bleibt im Sinn der Gewöhnung eine offene Reaktion aus oder die Reaktion auf einen Reiz bleibt im Sinn eines Verlustes der Gewöhnung aus. Auch die positive oder negative Verstärkung kann unter die Form von Lernen I fallen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzumerken ist nach Bateson jedoch, dass es sich bei den erwähnten Fällen von Lernen I jedes Mal um denselben Kontext handeln muss. Dies ist allerdings nur schwer umsetzbar, da jede Situation, an einem Kalender oder einer Uhr gemessen, nur einmal existiert. Bateson paraphrasiert hier Heraklit und beschreibt das Dilemma so: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Kein Mann kann zweimal mit demselben Mädchen zum ersten Mal ins Bett gehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 373&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Kontexte müssen demnach ähnlicher Natur oder gleich markiert sein. &lt;br /&gt;
=== Lernen II ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Lernen II [kursiv] ist Veränderung im Prozeß des Lernens I [kursiv], z.B. eine korrigierende Veränderung in der Menge von Alternativen, unter denen die Auswahl getroffen wird, oder es ist eine Veränderung in der Art und Weise, wie die Abfolge der Erfahrung interpunktiert wird.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 379.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Phänomene von Lernen II werden auch die Begriffe „Deutero-Lernen“, „Set-Lernen“, „Lernen lernen“ und „Lerntransfer verwendet.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 378&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist ein „Lernen, das dazu dient, den umfassenderen Kontext zu erkennen, in dem der Reiz auftritt, so daß die Bedeutung dieses Reizes korrekt erkannt werden kann“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Dilts, Robert (2005): &#039;&#039;&#039;Professionelles Coaching mit NLP. Mit dem NLP-Werkzeugkasten geniale Lösungen ansteuern. Paderborn: Junfermann. ISBN 978-3-87387-558-6. S. 256.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Lernform verändert den Prozess von Lernen I. Werden viele Erfahrungen in Prozessen von Lernen I gemacht, können sich diese auf andere Bereiche auswirken. Erwartete Muster können gezielt in anderen Bereichen eingesetzt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Mohl, Alexa (2006):&#039;&#039;&#039;Der große Zauberlehrling. Teilbd. 2. Paderborn: Junfermann. EAN 9783873876156. S. 772. &amp;lt;/ref&amp;gt; In Lernen I besteht eine gewisse Menge an Alternativen. In Lernen II hingegen wird die Menge von den Alternativen korrigierend verändert.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Bateson, Gregory (1972):&#039;&#039;&#039; Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische, biologische und epistemologische Perspektiven. Übersetzt von Hans Günter Holl. 12. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. ISBN 978-3-518-28171-0. S. 379.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unterschiedliche Mengen von Alternativen kommen zum Vorschein, die kategorisiert werden können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möchte ein Lehrer im Kontext einer neuen Klasse eine bestimmte Lerneinheit unterrichten, so kann er zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen: Frontalunterricht, Gruppenarbeit, Lernauftrag etc. Hat der Lehrer die Erfahrung gemacht, dass in ähnlichen Lerneinheiten eine bestimmte Unterrichtsmethode sehr wirkungsvoll war, so wird er die anderen Möglichkeiten nicht mehr nutzen und im neuen Kontext sofort auf die bisher gut funktionierende Möglichkeit zurückgreifen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Bateson findet hier die Gewohnheits- als auch die Charakterbildung statt &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 385.&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Lernen I wurde die Gewöhnung an einen Reiz beschrieben. Hier in Lernen II geht es um die Gewohnheitsbildung in der Auswahl von Alternativen.&lt;br /&gt;
=== Lernen III ===&lt;br /&gt;
Die unterschiedlichen Kategorien von Mengen von Verhaltensalternativen können systematisiert werden. Innerhalb dieses Systems sind Veränderungen möglich, was unweigerlich Auswirkungen auf die niederen Lernstufen hat. Es könnte als System der Systeme beschrieben werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Lernen II wird geschildert, dass durch die immer wiederkehrende Auswahl einer sich ständig verbessernden Handlungsmöglichkeit Gewohnheiten entstehen, die auch zur Charakterbildung führen. Es entsteht eine Definition des „Selbst“: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Die Prämissen dessen, was gemeinhin ‚Charakter‘ genannt wird – die Definition des ‚Selbst‘ – bewahren das Individuum davor, die abstrakten, philosophischen, ästhetischen und ethischen Aspekte vieler Lebensabschnitte überprüfen zu müssen. ‚Ich weiß nicht, ob das gute Musik ist; ich weiß nur, daß sie mir gefällt.‘ &amp;lt;br&amp;gt;Das Lernen III wird aber diese ungeprüften Prämissen offen in Frage stellen und der Veränderung aussetzen.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 392.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das „Selbst“ wird irrelevant und identitätsstiftende Charakterzüge sind bloße Interpunktionen von Kontexten. Wenn Lernen II über Lernen I steht, so beeinflusst Lernen III das Lernen II. Durch Lernen III kann das Individuum bereitwilliger lernen, Gewohnheiten zu bilden und bestehende zu ändern. Das Individuum hat die Möglichkeit zu &#039;&#039;„lernen, dass es ein Geschöpf ist, das Lernen II unbewußt erreichen kann und dies auch tut“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 392&amp;lt;/ref&amp;gt;. Des Weiteren könnte die Person durch Lernen III ihr Lernen II steuern. Es kommt dadurch also zu einer Verstärkung oder zu einer Einschränkung von Lernen II. Zu diesem Vorgang zitiert Bateson einen Zen-Meister:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Sich an irgend etwas zu gewöhnen ist schrecklich.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 393.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lernen III birgt allerdings auch Gefahren, da solch eine Verhaltensänderung in der Psychiatrie oft als psychotisch bezeichnet wird&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 395&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ebene von Lernen III zu erreichen ist selten und schwierig. Zu Beginn dieses Kapitels schreibt Bateson:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;“Es steht zu erwarten, daß es auch für Wissenschaftler, die auch nur Menschen sind, schwierig sein wird, diesen Prozeß vorzustellen oder zu beschreiben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 390.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Lernen IV ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; Lernen IV ist noch abstrakter und stellt den Kontext für eine Veränderung von Lernen III dar. Da Lernen III für Menschen schwer erreichbar ist, schreibt Bateson zu Lernen IV lediglich: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Lernen IV [kursiv] wäre Veränderung im Lernen III [kursiv], kommt aber vermutlich bei keinem ausgewachsenen lebenden Organismus auf dieser Erde vor. Der Evolutionsprozeß hat jedoch Organismen hervorgebracht, deren Ontogenese sie zum Lernen III bringt. Die Verbindung von Ontogenese und Phylogenese erreicht in der Tat Ebene IV.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 379.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gregory Bateson und Kinästhetik ==&lt;br /&gt;
Das 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 ist die erste zusammenhängende Veröffentlichung zur Kinästhetik. Im ersten Kapitel „Hintergrund der Kinästhetik (Entstehung, Begründer, Weitere Einflüsse)“ wird auf die Bedeutung von Gregory Bateson eingegangen:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Nebst ihrem gemeinsamen Hintergrund haben drei Personen auf indirekte Weise Franks und Lennys gemeinsame Arbeit und die Entwicklung von Kinästhetik stark beeinflusst: K.U. Smith, Moshé Feldenkrais und Gregory Bateson. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Gregory Bateson stand Kinästhetik persönlich nicht so nahe wie Moshé Feldenkrais und K.U. Smith, hatte aber doch einen bedeutenden Einfluss auf deren Entwicklung. Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit waren Franks und Lennys Erklärungen, wie und warum ihre Arbeit mit Kommunikation durch Berührung und Bewegung taugte, manchmal unklar, bisweilen etwas metaphysisch oder gar konfus. Als sie Bateson&#039;s ‚Oekologie des Geistes‘ gelesen hatten, begann Frank mit ihm einen Briefkontakt, der bis zu Bateson&#039;s Tode, kurz nach der Vollendung seines letzten Buches ‚Geist und Natur‘, andauerte. Diese Korrespondenz und Bateson&#039;s beiden Bücher sind der Ursprung vieler philosophischer Ansätze der Kinästhetik. Die wichtigste These ist, dass lebende Systeme einem anderen logischen Typ angehören als das Material, aus dem sie bestehen. Das bedeutet, dass der Lernprozess darin besteht, Unterschiede zu erkennen und darauf zu reagieren. Lernen ist nicht die Anhäufung von Sachverhalten in einem leeren Gefäss; eine Annahme, von der zu viele Lehrmethoden ausgehen. “&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Nachdruck 2009. S. 6 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Lerntheorie_nach_Gregory_Bateson_(1904-1980)&amp;diff=4739</id>
		<title>Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980)</title>
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		<updated>2023-10-30T14:45:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: Die Seite wurde neu angelegt: „Lernen (Bateson)  {{Infobox|in Bearbeitung|Andreas Borrmann/Stefan Marty-Teuber}}  &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; Zusammenfassung: &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; &amp;lt;br&amp;gt; In diesem Artikel wird der Begriff Lernen…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Lernen (Bateson)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Infobox|in Bearbeitung|Andreas Borrmann/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Zusammenfassung: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird der Begriff Lernen von Gregory Bateson dargestellt und mit der Kinästhetik übergeordnet in Bezug gebracht. Erläutert werden Bateson&#039;s logische Kategorien von Lernen und Kommunikation, auf die sich die Kinästhetik explizit beruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lerntheorie nach Gregory Bateson (1904-1980) ==&lt;br /&gt;
=== Die logischen Kategorien von Lernen und Kommunikation ===&lt;br /&gt;
Die folgenden Kapitel berufen sich auf verschiedene Aufsätze aus dem Buch „Ökologie des Geistes“ (englische Erstausgabe 1972)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Bateson, Gregory (1972):&#039;&#039;&#039; Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische, biologische und epistemologische Perspektiven. Übersetzt von Hans Günter Holl. 12. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. ISBN 978-3-518-28171-0.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Gregory Bateson.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bateson beschreibt, dass Lernen Veränderung in irgendeiner Art bezeichnet. „Veränderung bedeutet Prozeß. Aber Prozesse selbst sind wiederum der ‚Veränderung‘ unterworfen. Der Prozeß kann sich beschleunigen, er kann sich verlangsamen, oder er kann andere Typen der Veränderung durchlaufen, so daß wir sagen werden, daß es sich nunmehr um einen ‚anderen‘ Prozeß handelt.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S.367.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um diese Ideen des Lernens zu ordnen, werden die logischen Typen von Lernen und Kommunikation benötigt, die im Folgenden vorgestellt werden.&lt;br /&gt;
=== Lernen Null ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Lernen null ist durch die spezifische Wirksamkeit der Reaktion charakterisiert, die – zu Recht oder zu Unrecht – keiner Korrektur unterliegt.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S.379.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb dieses ersten Typs von Lernen findet eine einfache Informationsaufnahme eines äußeren Ereignisses statt, und zwar &#039;&#039;dergestalt, daß ein ähnliches Ereignis zu einem späteren Zeitpunkt dieselbe Information übermitteln wird: Ich ‚lerne‘ von der Werkssirene, daß es zwölf Uhr ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es kommt somit ein ziemlich starres Reiz-Reaktions-Muster zum Vorschein und eine Verhaltensveränderung findet nicht statt. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Lernen Null hat die Form eines Reizes, der eine bestimmte Reaktion bewirkt, die dann nicht mehr korrigiert wird.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 379.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursachen für ein solches Lernen sind weniger ein Lernen durch Erfahrung und vielmehr genetische Faktoren, wie zum Beispiel das Zukneifen der Augen bei hellem Licht oder das Zusammenzucken, wenn ein Düsenjet unvermutet über uns hinwegdonnert. Das Reiz-Reaktions-Muster ist wie bei einer einfachen elektronischen Schaltung eingelötet.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 367.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu dieser primitivsten Form des Lernens handelt es sich bei allen höheren Ebenen um ein Lernen durch Versuch und Irrtum. Eine bestimmte Reaktion wird als falsch oder als Fehlentscheidung wahrgenommen und durch eine andere Reaktion ersetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 371&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Mensch reagiert auf denselben Reiz, je nach Kontext und je nach Menge der vorhandenen Alternativen, verschieden. Erst wenn eine Verhaltensänderung bei sonst gleichem Kontext eintritt, kann dies als ein eigentliches Lernen bezeichnet werden und beschreibt den Unterschied zwischen Lernen null und Lernen I. Ein Beispiel dafür ist eine Gewöhnung an einen Reiz, die auch Lebewesen ohne Nervensystem erreichen können.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. S. 372.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lernen I ===&lt;br /&gt;
Die zweite Ebene des Lernens beschreibt Bateson wie folgt: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Lernen I [kursiv] ist Veränderung in der spezifischen Wirksamkeit der Reaktion [kursiv] durch Korrektur von Irrtümern der Auswahl innerhalb einer Menge von Alternativen.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. S. 379.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter schreibt er: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Mit einem Wort, die Liste des Lernens I enthält jene Einheiten, die in psychologischen Laboratorien ganz allgemein als ‚Lernen‘ bezeichnet werden.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 372&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird der Prozess von Lernen Null verändert, so dass zu einem späteren Zeitpunkt auf den Reiz eine andere Reaktion zu beobachten ist. Es ist das Gewöhnen an einen Reiz, auf den bald nicht mehr reagiert wird oder eine automatische Reaktion hervorgerufen wird. Eine Gewöhnung an einen Reiz, welcher vorher als störend wahrgenommen wurde, wie stereotype Reaktionsmuster oder instrumentelle Belohnungen fallen auch unter Lernen I.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 372.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel kann der Pawlowsche Hund angeführt werden: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Zu einem Zeitpunkt 2 sondert der Pawlowsche Hund Speichel auf den Glockenton ab, was er vorher nicht gemacht hat. Und zum Zeitpunkt 2 pickt die Skinnersche Taube gezielt auf die Taste, die ihr Futter präsentiert.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Mohl, Alexa (2006):&#039;&#039;&#039;Der große Zauberlehrling. Teilbd. 2. Paderborn: Junfermann. EAN 9783873876156.&lt;br /&gt;
 S. 772.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bateson beschreibt diesen Vorgang als „Phänomen der Gewöhnung“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Bateson, Gregory (1972):&#039;&#039;&#039; Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische, biologische und epistemologische Perspektiven. Übersetzt von Hans Günter Holl. 12. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. ISBN 978-3-518-28171-0. S. 372.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Entweder bleibt im Sinn der Gewöhnung eine offene Reaktion aus oder die Reaktion auf einen Reiz bleibt im Sinn eines Verlustes der Gewöhnung aus. Auch die positive oder negative Verstärkung kann unter die Form von Lernen I fallen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anzumerken ist nach Bateson jedoch, dass es sich bei den erwähnten Fällen von Lernen I jedes Mal um denselben Kontext handeln muss. Dies ist allerdings nur schwer umsetzbar, da jede Situation, an einem Kalender oder einer Uhr gemessen, nur einmal existiert. Bateson paraphrasiert hier Heraklit und beschreibt das Dilemma so: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Kein Mann kann zweimal mit demselben Mädchen zum ersten Mal ins Bett gehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 373&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Kontexte müssen demnach ähnlicher Natur oder gleich markiert sein. &lt;br /&gt;
=== Lernen II ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Lernen II [kursiv] ist Veränderung im Prozeß des Lernens I [kursiv], z.B. eine korrigierende Veränderung in der Menge von Alternativen, unter denen die Auswahl getroffen wird, oder es ist eine Veränderung in der Art und Weise, wie die Abfolge der Erfahrung interpunktiert wird.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 379.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Phänomene von Lernen II werden auch die Begriffe „Deutero-Lernen“, „Set-Lernen“, „Lernen lernen“ und „Lerntransfer verwendet.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 378&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist ein „Lernen, das dazu dient, den umfassenderen Kontext zu erkennen, in dem der Reiz auftritt, so daß die Bedeutung dieses Reizes korrekt erkannt werden kann“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Dilts, Robert (2005): &#039;&#039;&#039;Professionelles Coaching mit NLP. Mit dem NLP-Werkzeugkasten geniale Lösungen ansteuern. Paderborn: Junfermann. ISBN 978-3-87387-558-6. S. 256.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Lernform verändert den Prozess von Lernen I. Werden viele Erfahrungen in Prozessen von Lernen I gemacht, können sich diese auf andere Bereiche auswirken. Erwartete Muster können gezielt in anderen Bereichen eingesetzt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Mohl, Alexa (2006):&#039;&#039;&#039;Der große Zauberlehrling. Teilbd. 2. Paderborn: Junfermann. EAN 9783873876156. S. 772. &amp;lt;/ref&amp;gt; In Lernen I besteht eine gewisse Menge an Alternativen. In Lernen II hingegen wird die Menge von den Alternativen korrigierend verändert.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Bateson, Gregory (1972):&#039;&#039;&#039; Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische, biologische und epistemologische Perspektiven. Übersetzt von Hans Günter Holl. 12. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. ISBN 978-3-518-28171-0. S. 379.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unterschiedliche Mengen von Alternativen kommen zum Vorschein, die kategorisiert werden können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möchte ein Lehrer im Kontext einer neuen Klasse eine bestimmte Lerneinheit unterrichten, so kann er zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen: Frontalunterricht, Gruppenarbeit, Lernauftrag etc. Hat der Lehrer die Erfahrung gemacht, dass in ähnlichen Lerneinheiten eine bestimmte Unterrichtsmethode sehr wirkungsvoll war, so wird er die anderen Möglichkeiten nicht mehr nutzen und im neuen Kontext sofort auf die bisher gut funktionierende Möglichkeit zurückgreifen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Bateson findet hier die Gewohnheits- als auch die Charakterbildung statt &amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 385.&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Lernen I wurde die Gewöhnung an einen Reiz beschrieben. Hier in Lernen II geht es um die Gewohnheitsbildung in der Auswahl von Alternativen.&lt;br /&gt;
=== Lernen III ===&lt;br /&gt;
Die unterschiedlichen Kategorien von Mengen von Verhaltensalternativen können systematisiert werden. Innerhalb dieses Systems sind Veränderungen möglich, was unweigerlich Auswirkungen auf die niederen Lernstufen hat. Es könnte als System der Systeme beschrieben werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Lernen II wird geschildert, dass durch die immer wiederkehrende Auswahl einer sich ständig verbessernden Handlungsmöglichkeit Gewohnheiten entstehen, die auch zur Charakterbildung führen. Es entsteht eine Definition des „Selbst“: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Die Prämissen dessen, was gemeinhin ‚Charakter‘ genannt wird – die Definition des ‚Selbst‘ – bewahren das Individuum davor, die abstrakten, philosophischen, ästhetischen und ethischen Aspekte vieler Lebensabschnitte überprüfen zu müssen. ‚Ich weiß nicht, ob das gute Musik ist; ich weiß nur, daß sie mir gefällt.‘ &amp;lt;br&amp;gt;Das Lernen III wird aber diese ungeprüften Prämissen offen in Frage stellen und der Veränderung aussetzen.“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 392.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das „Selbst“ wird irrelevant und identitätsstiftende Charakterzüge sind bloße Interpunktionen von Kontexten. Wenn Lernen II über Lernen I steht, so beeinflusst Lernen III das Lernen II. Durch Lernen III kann das Individuum bereitwilliger lernen, Gewohnheiten zu bilden und bestehende zu ändern. Das Individuum hat die Möglichkeit zu &#039;&#039;„lernen, dass es ein Geschöpf ist, das Lernen II unbewußt erreichen kann und dies auch tut“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 392&amp;lt;/ref&amp;gt;. Des Weiteren könnte die Person durch Lernen III ihr Lernen II steuern. Es kommt dadurch also zu einer Verstärkung oder zu einer Einschränkung von Lernen II. Zu diesem Vorgang zitiert Bateson einen Zen-Meister:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Sich an irgend etwas zu gewöhnen ist schrecklich.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 393.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lernen III birgt allerdings auch Gefahren, da solch eine Verhaltensänderung in der Psychiatrie oft als psychotisch bezeichnet wird&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 395&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ebene von Lernen III zu erreichen ist selten und schwierig. Zu Beginn dieses Kapitels schreibt Bateson:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;“Es steht zu erwarten, daß es auch für Wissenschaftler, die auch nur Menschen sind, schwierig sein wird, diesen Prozeß vorzustellen oder zu beschreiben.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 390.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Lernen IV ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039; Lernen IV ist noch abstrakter und stellt den Kontext für eine Veränderung von Lernen III dar. Da Lernen III für Menschen schwer erreichbar ist, schreibt Bateson zu Lernen IV lediglich: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039; „Lernen IV [kursiv] wäre Veränderung im Lernen III [kursiv], kommt aber vermutlich bei keinem ausgewachsenen lebenden Organismus auf dieser Erde vor. Der Evolutionsprozeß hat jedoch Organismen hervorgebracht, deren Ontogenese sie zum Lernen III bringt. Die Verbindung von Ontogenese und Phylogenese erreicht in der Tat Ebene IV.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 379.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gregory Bateson und Kinästhetik ==&lt;br /&gt;
Das 16. Kinästhetik-Bulletin von 1990 ist die erste zusammenhängende Veröffentlichung zur Kinästhetik. Im ersten Kapitel „Hintergrund der Kinästhetik (Entstehung, Begründer, Weitere Einflüsse)“ wird auf die Bedeutung von Gregory Bateson eingegangen:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;„Nebst ihrem gemeinsamen Hintergrund haben drei Personen auf indirekte Weise Franks und Lennys gemeinsame Arbeit und die Entwicklung von Kinästhetik stark beeinflusst: K.U. Smith, Moshé Feldenkrais und Gregory Bateson. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Gregory Bateson stand Kinästhetik persönlich nicht so nahe wie Moshé Feldenkrais und K.U. Smith, hatte aber doch einen bedeutenden Einfluss auf deren Entwicklung. Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit waren Franks und Lennys Erklärungen, wie und warum ihre Arbeit mit Kommunikation durch Berührung und Bewegung taugte, manchmal unklar, bisweilen etwas metaphysisch oder gar konfus. Als sie Bateson&#039;s ‚Oekologie des Geistes‘ gelesen hatten, begann Frank mit ihm einen Briefkontakt, der bis zu Bateson&#039;s Tode, kurz nach der Vollendung seines letzten Buches ‚Geist und Natur‘, andauerte. Diese Korrespondenz und Bateson&#039;s beiden Bücher sind der Ursprung vieler philosophischer Ansätze der Kinästhetik. Die wichtigste These ist, dass lebende Systeme einem anderen logischen Typ angehören als das Material, aus dem sie bestehen. Das bedeutet, dass der Lernprozess darin besteht, Unterschiede zu erkennen und darauf zu reagieren. Lernen ist nicht die Anhäufung von Sachverhalten in einem leeren Gefäss; eine Annahme, von der zu viele Lehrmethoden ausgehen. “&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Verein für Kinästhetik (Hg.) (1990):&#039;&#039;&#039; Kinästhetik. 16. Bulletin. Januar 1990. Sonderausgabe. Dritte Auflage. Zürich: Verein für Kinästhetik. Nachdruck 2009. S. 6 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
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		<title>Benutzer:Andreas Borrmann</title>
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		<updated>2022-10-30T18:16:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: /* Aus- und Weiterbildung: */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Andreas Borrmann==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kinaestheticstrainer&lt;br /&gt;
*Lehrer für Pflege und Gesundheit M.A.&lt;br /&gt;
*Pflegewissenschaflter B.Sc.&lt;br /&gt;
*Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie&lt;br /&gt;
*Resilienztrainer (ZPP Zulassung)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Tel:+49 1633221110|+49 1633221110]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andreas.Borrmann@kinaesthetics-net.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mail@aborrmann.com&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Motivation und Absicht===&lt;br /&gt;
Lesen ist eines meiner größten Hobbys. Am liebsten Formulierungen von komplexen Inhalten die in einfache Worte gekleidet sind. Hier möchte ich einen Beitrag leisten, nämlich verständliche Brücken zu schlagen zwischen Kinaesthetics, Kybernetik, Systemik, sowie Bewegung und Menschliche Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Redaktionelle Schwerpunkte===&lt;br /&gt;
.&lt;br /&gt;
===Aus- und Weiterbildung:===&lt;br /&gt;
*Fachgeshundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie&lt;br /&gt;
*Pflegewissenschaftler B.Sc.&lt;br /&gt;
*Lehrer für Pflege und Gesundheit M.A.&lt;br /&gt;
*Resilienztrainer (ZPP Zulassung)&lt;br /&gt;
*Systemischer Berater (DGSF)&lt;br /&gt;
*Notfallseelsorger&lt;br /&gt;
*Coach&lt;br /&gt;
*Tanzlehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beruflicher Werdegang:===&lt;br /&gt;
*2005-2007 neurologische Intensivstation&lt;br /&gt;
*2007 - 2011 chirurgische Intensivstation&lt;br /&gt;
*2010 - heute Notfallseelsorger &lt;br /&gt;
*2011 - heute div. Intensivstationen, Schwerpunkt Herzchirurgie&lt;br /&gt;
*2013 - heute freiberuflicher Dozent und Coach&lt;br /&gt;
*2017 - heute Advanced Life Support Full Instruktor (ERC)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Arbeitsfelder:===&lt;br /&gt;
*Freiberuflicher Kinaestheticstrainer für Grund- und Aufbaukurse&lt;br /&gt;
*Intensivpflege Herzchirurgie&lt;br /&gt;
*Freiberuflicher Dozent div. Themen in Krankheitslehre und Pflege&lt;br /&gt;
*Freiberuflicher Coach &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kinaesthetics-Bildung===&lt;br /&gt;
*AHS Kinaesthetics in der Pflege Stufe2 Assistenzen &lt;br /&gt;
*Mitgliederversammlung Bonn 19&lt;br /&gt;
*Fachtagung Essen 18&lt;br /&gt;
*Mitgliederversammlung Bonn 18&lt;br /&gt;
*Trainerinnen-Symposium Nürnberg 18&lt;br /&gt;
*Fachtagung Lübeck 18&lt;br /&gt;
*Bildungsforum Gelnhausen 17&lt;br /&gt;
*Ausbildung Kinaesthetics in der Pflege Stufe3 in Ausbildung Stuttgart 18&lt;br /&gt;
*Fortbildung alle Programme Kybernetik Zyklus Stuttgart 16&lt;br /&gt;
*Fachtagung Nürnberg 16&lt;br /&gt;
*Fachtagung Leipzig 15&lt;br /&gt;
*Mitgliederversammlung Bonn 15&lt;br /&gt;
*Fortbildung Kinaesthetics in der Pflege Stufe2 Flensburg 14&lt;br /&gt;
*Mitgliederversammlung Bonn 11&lt;br /&gt;
*Ausbildung Kinaesthetics in der Pflege Stufe2 Hamburg 09&lt;br /&gt;
*Ausbildung Kinaesthetics in der Pflege Stufe1 Linz 07&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Spastik&amp;diff=4406</id>
		<title>Spastik</title>
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		<updated>2022-07-16T14:57:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: /* Erfahrungsberichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Lutz Zierbeck, Rosmarie Suter/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird der in Medizin und Pflege üblichen pathophysiologische Sichtweise auf das spezifische Verhaltensphänomen  „Spastik“ bzw.  „Hohe Körperspannung“ eine kybernetische Sichtweise gegenübergestellt. Diese verschiedenen Betrachtungsweisen bieten unterschiedliche Denk- und Handlungsansätze im Umgang mit diesen Phänomenen.&lt;br /&gt;
Dieser Artikel wird in den Trainerbildungen der EKA verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;„Einleitung &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Im Bereich von Pflege, Betreuung und Therapie ist das Phänomen Spastik immer wieder zu beobachten. Bezüglich des Verhaltens der betroffenen Menschen fällt auf, dass sie insgesamt bei der Durchführung von alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigt sind. Sie benötigen z. B. mehr Zeit dafür, bewegen sich insgesamt mit sehr hoher Körperspannung und haben Mühe mit gezielten, koordinierten und differenzierten Aktivitäten. Desgleichen sind auch plötzliche, unwillkürliche zuckende Bewegungen beobachtbar. Nicht selten berichten betroffene Menschen besonders bei akuten Krämpfen von Schmerzen. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Allerdings können auch  ‚gesunde‘ Menschen in eine unkontrollierbar hohe Spannung geraten, die sie im Moment kaum regulieren können. Ihre Bewegungen sehen dann vielleicht ebenso abrupt, verlangsamt oder undifferenziert aus. Hohe Körperspannung ist kein rein pathologisches Phänomen; vielmehr ist es eine grundlegende Kompetenz, die eigene Körperspannung in unterschiedlichen Situationen des Alltags regulieren und gegebenenfalls auch stark erhöhen zu können. So stellt sich die Frage, was dies für den Umgang mit Spastik in Pflege und Betreuung bedeuten kann. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;In diesem Bereich sind die Annahmen zum Phänomen Spastik und zum Umgang mit ihm in der Regel durch eine pathophysiologische Sichtweise bzw. durch ein Behandlungsparadigma&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 51 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; geprägt. Im Folgenden sollen dieses Verständnis und die kybernetische Sichtweise, die Kinaesthetics zugrunde liegt, einander gegenübergestellt und die Bedeutung für den Umgang mit betroffenen Menschen beleuchtet werden. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Pathophysiologische Sichtweise &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Pathophysiologie wird im Duden als die ‚Lehre von den Krankheitsvorgängen und Funktionsstörungen (in einem Organ)‘ definiert. Aus dieser Sicht wird Spastik bzw. Spastizität als Folge einer Erkrankung oder Verletzung verstanden. Das gängige pathophysiologische Verständnis wird in der folgenden einschlägigen Definition deutlich:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Symptomat.de (Medizin-Lexikon)&amp;lt;br&amp;gt;  ‚Unter einer Spastik bzw. Spastizität versteht man keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom  einer Erkrankung beziehungsweise Verletzung des Zentralen Nervensystems. Dabei spielt immer eine  Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks eine Rolle.‘&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;MedLexi (2019):&#039;&#039;&#039; Spastik. Was ist Spastik? https://medlexi.de/Spastik (Zugriff: 11.10.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;    &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Das Interesse dieser Sichtweise liegt bei kausalen Zusammenhängen, d. h. bei den Ursachen des  Phänomens (Erkrankung oder Verletzung des Zentralnervensystems usw.) und den Folgen, die sich  zwangsläufig aus ihnen ergeben (Muskelkontraktion, Symptome einer Spastik). Hinter diesem Verständnis  steht ein lineares, mechanisches Denken. Es gilt, mit einer klinischen Diagnose die aktuelle ursächliche  neurologische Erkrankung – und durchaus auch frühere mögliche Ursachen – genau zu analysieren. Da sie  im Fall der Spastik als nicht ‚reparabel‘ bzw. heilbar gilt, wird man versuchen, die verschiedenen Symptome  von außen zu behandeln, um den Zustand des betroffenen Menschen der ‚Normalität‘ anzunähern.  Aufgrund der Diagnose werden die möglichen Veränderungschancen bestimmt und das dafür geeignete  Behandlungsschema festgelegt und definiert, damit sich bestimmte Wirkungen einstellen können. Dies  kann medikamentöse und motorische Therapien, operative Eingriffe, aber auch Maßnahmen der Pflege und  Betreuung wie z. B. Lagerungs-Richtlinien umfassen. Die diagnostisch bestimmten Ursachen und mögliche  Folgeerscheinungen gelten als zentrale Begründung für den Umgang mit diesem Menschen. &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Grundsätzlich wird hier die lineare Idee verfolgt, mit all diesen Maßnahmen von außen bestimmte  Wirkungen beim betroffenen Menschen zu erreichen. Wenig bis keine Bedeutung hat der Grundgedanke,  ihn individuell zu befähigen, mit seiner aktuellen Kompetenz selbst entscheidenden Einfluss auf seine  Gesundheitsentwicklung zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Kybernetische Sichtweise &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die kybernetische Beschreibung der Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;Menschliches Verhalten&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Eine kybernetische Sichtweise des Phänomens der Spastik lässt andere Schlüsse zu. Die Kybernetik betrachtet den Menschen als ein komplexes System, das beständig sein Verhalten in zirkulären Rückkopplungsschleifen neu erzeugt. Dabei ist das Gehirn nicht ein übergeordnetes Steuerungs-Organ, das unterstützt durch die Wahrnehmung der Motorik Befehle zur Ausführung erteilt und so die Bewegung und das Verhalten steuert. Vielmehr bestimmt der Mensch auf der Grundlage der steten Rückkopplung von Nerven-, Bewegungs- und Wahrnehmungssystem in jedem Augenblick neu, wie er sein Verhalten im jeweiligen Moment gestaltet&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 43 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dieses Verhalten ist also immer seine aktuelle bestmögliche Anpassung an innere und äußere Gegebenheiten.   &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Mit den ständigen Anpassungen entwickelt der Mensch einerseits eine Vielfalt von nutzbaren Anpassungsmöglichkeiten, die ihm für die alltäglichen Herausforderungen zur Verfügung stehen. Diese sich stets entwickelnde Anpassungskompetenz ist absolut lebensnotwendig und spielt für seine [[Gesundheitsentwicklung]] eine zentrale Rolle. Andererseits bilden sich individuelle Verhaltensmuster heraus, und der Mensch lernt, gewisse Handlungen immer wieder ähnlich zu gestalten und die große Vielfalt an möglichen Anpassungen in ähnlichen Situationen zu begrenzen. Auch diese Begrenzung ist eine Lebensnotwendigkeit und unterstützt die Handlungsfähigkeit eines Menschen. Beides zusammen, die Vielfalt und die Begrenzung, bildet die Grundlage für [[Viabilität|viables]] Handeln, d. h. dafür, im jeweiligen Moment ein passendes Verhalten zu finden&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 33.&amp;lt;/ref&amp;gt;.   &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Das Verständnis der folgenden Theorien kann helfen, neue Perspektiven einzunehmen im Umgang mit Menschen, die ein spezifisches Verhaltensphänomen zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;[[Feedback-Control-Theorie|Feedback-Kontroll-Theorie]]: Fortlaufende Fehlerkorrektur&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Alle Bewegungs- und Verhaltensmuster des Menschen sind erlernt und entwickeln sich ein Leben lang bei der Durchführung der alltäglichen Aktivitäten. Wie erwähnt ist das menschliche Verhalten das Resultat eines inneren Steuerungsprozesses, der als ein permanent laufender zirkulärer Rückkopplungsprozess zwischen dem Wahrnehmungs-, Nerven- und Bewegungssystem beschrieben werden kann. Dabei werden beständig ‚Fehler‘ korrigiert, wobei jede Korrektur zur nächsten Korrektur führt&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kybernetik und Kinästhetik. Unter Mitarbeit von Stefan Marty-Teuber und Stefan Knobel. Linz, Winterthur, Siebnen: Verlag European Kinaesthetics Association, verlag lebensqualität. ISBN: 978-3-903180-22-2 (Verlag European Kinaesthetics Association) ISBN: 978-3-906888-02-6 (verlag lebensqualität). S. 20 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;.    &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Hierzu ein konkretes Beispiel: Ein Mensch hat die Absicht, eine Mütze aufzusetzen. Allein schon beim Ausstrecken des Armes, dessen Gewichtsabgabe in der Schwerkraft organisiert werden muss, finden Anpassungen im ganzen Körper statt. Dabei wird eine Flut von Reizen über die verschiedenen Sinnessysteme (und insbesondere über das kinästhetische Sinnessystem) wahrgenommen und im Zentralnervensystem verarbeitet. Dieses vergleicht fortlaufend den aktuellen Moment des Handelns mit der Absicht: Ist die Hand auf dem richtigen Weg zur Mütze, wie weit ist sie im Moment davon entfernt? Jede Abweichung von der Absicht wird fortlaufend korrigiert, indem z. B. die Richtung der Hand, das Tempo der Armbewegung oder die Ausgleichsbewegung im Becken angepasst wird. Diese vielfältigen Anpassungen der Bewegung werden fortlaufend wahrgenommen und ihre Abweichung berechnet.    &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die Steuerung der Bewegung bzw. des Verhaltens ist ein größtenteils unbewusstes, hochkomplexes Geschehen in unendlich vielen Rückkopplungsschleifen, bei dem jede Anpassung wieder Anlass für die nächste Anpassung ist. Man könnte auch sagen: Die Steuerung liegt im Steuerungsprozess selbst. Es ist dieses Grundprinzip der Selbstregulation, das es unmöglich macht, die Bewegung eines anderen Menschen von außen direkt zu steuern. Im Bereich der Pflege und Betreuung wird allerdings oft von der gegenteiligen Annahme ausgegangen, und man versucht z. B., Menschen zu bewegen, statt sie in ihrer eigenen Bewegung zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;Die Rolle von Feedback-Prozessen bei der Entwicklung einer Spastik&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Liegt beispielsweise nach einem Schlaganfall eine organische Beeinträchtigung des Zentralnervensystems eines Menschen vor, bewirkt dies eine massive Störung im Selbstregulations-Prozess, weil er nicht mehr in gewohnter Weise abläuft. Betroffen ist insbesondere die fortlaufende differenzierte Berechnung der Abweichung bzw. der Fehlerkorrektur. Dies bedeutet für das Nervensystem, dass die fortlaufenden differenzierten Signale der Bewegungswahrnehmung sozusagen wegfallen, die für den Abgleich mit der Absicht der Bewegung von entscheidender Bedeutung sind. Das Bewegungssystem passt sich mit einer größeren Korrektur an, um diese mangelnden Signale zu kompensieren, was vom Nervensystem als eine größere Abweichung von der Absicht berechnet wird, was wiederum mit einer noch größeren Korrektur ausgeglichen werden muss usw.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;So entsteht ein Teufelskreis (‚positive Rückkoppelung‘): Je weniger differenziert z. B. ein Arm bewegt wird, desto weniger differenziert ist die Bewegungswahrnehmung durch die entsprechenden Rezeptoren des Armes. Um diesen ‚Fehler‘ zu korrigieren, wird unter Umständen die Spannung im Arm erhöht und die Bewegung verlangsamt. Dies erweist sich vielleicht erst einmal als hilfreich, um überhaupt noch alltägliche Aktivitäten bewältigen zu können, kann sich aber zu einem Verhaltensmuster entwickeln. Ein Beispiel: Um sich von der Rückenlage in die Seitenlage oder ins Sitzen bewegen zu können, muss der Arm zwingend mitgenommen werden. Das funktioniert vielleicht bei einem betroffenen Menschen nur, wenn er die Spannung im Arm übermäßig erhöht. Erlebt er dies als hilfreich und sinnvoll zur Erreichung der Absicht, kann er daraus das Muster einer undifferenzierten, ständig hoch bleibenden Spannung lernen.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Eine Spastik im Arm wird bei dieser Sichtweise als erlernte Regulationsmöglichkeit, als eine erworbene Kompetenz betrachtet, bei der aber ein gewisses Spektrum an Möglichkeiten von Verhalten vorerst nicht mehr nutzbar ist.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Es ist wichtig zu verstehen, dass der veränderte stetige Rückkopplungsprozess zwischen Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem eine zentralere Rolle spielt als die ‚Ursache‘ des Schlaganfalls. Eine Störung oder Veränderung in einem dieser beteiligten Systeme hat immer eine Auswirkung auf die anderen Systeme und den ganzen Prozess. Desgleichen ist der gesamte Organismus davon betroffen und mitbeteiligt, auch wenn von außen vielleicht nur der ‚spastische‘ Arm auffällt. Wie ein Mensch unter solchen veränderten Bedingungen seine Bewegung konkret steuert, ist ganz individuell und nicht vorhersehbar. Menschen sind keine ‚trivialen Maschinen‘, wie [[Heinz von Foerster]] sagt, die auf einen bestimmten Input immer denselben Output liefern&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 51 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Eine Schädigung im Zentralnervensystem hat immer spezifische individuelle Auswirkungen, die in der Steuerung des (Bewegungs-)Verhaltens zum Ausdruck kommen und in hohem Maß von der individuellen Lerngeschichte des betroffenen Menschen abhängig sind.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Zusammenfassend sind aus kybernetischer Sicht spastische Bewegungsmuster die bestmögliche Antwort auf ein Ereignis und der derzeitige Stand eines permanenten Steuerungs- und Lernprozesses. Das Hauptinteresse liegt beim individuellen Lernprozess des einzelnen Betroffenen und bei seinem Lernpotenzial, seinen Möglichkeiten, selbst Einfluss auf die veränderten Bedingungen zu nehmen. Die Herausforderung für Pflege, Betreuung und Therapie besteht darin, Menschen mit einer Spastik in der weiteren Entwicklung ihrer Selbststeuerungs-Kompetenz gezielt zu unterstützen. Kinaesthetics spricht in diesem Zusammenhang von einem [[Lernparadigma|Lern]]- oder [[Entwicklungsparadigma]]&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 59 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spastik und die Forschungen von Weber und Fechner&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;In den Forschungen von [[Weber und Fechner]] finden wir eine weitere Erklärung für das Phänomen Spastik. Ernst Heinrich Weber und Gustav Theodor Fechner waren um 1850 die Begründer der Psychophysik. Sie untersuchten die menschliche [[Wahrnehmung]] und befassten sich u. a. mit der Wahrnehmungsschwelle. Eine zentrale Forschungsfrage war, ab wann und wie differenziert ein Sinnesreiz überhaupt wahrgenommen wird. Sinneszellen können einen Reiz dann erkennen, wenn ein [[Unterschied]] wahrnehmbar ist. Wird in einem dunklen Raum ein Streichholz angezündet, erscheint die Flamme sehr hell, weil der Unterschied zur Dunkelheit gross ist. Weber und Fechner entdeckten einen interessanten Zusammenhang, der bei allen Sinnessystemen zu finden ist: Je intensiver der Reiz ist, umso höher ist die Schwelle, um einen Unterschied wahrnehmen zu können. So ist das Bemerken eines Unterschiedes über das kinästhetische Sinnessystem abhängig von der Muskelspannung. Ein Beispiel: trägt jemand einen Sack mit 5 kg Gewicht auf den Schultern, wird er merken, wenn ein zusätzliches Gewicht von 500 Gramm dazu kommt. Ist der Sack aber 25 kg schwer, werden 500 Gramm nicht auffallen. Je höher also die Spannung im Körper, desto weniger differenziert werden Veränderungen der Muskelspannung in der Bewegung wahrgenommen, was wiederum einen direkten Einfluss auf die Steuerung der Bewegung hat.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Für das Thema Hohe Körperspannung/Spastik ist dieses Verständnis bedeutsam. Die anhaltende hohe Spannung führt zu einer wenig differenzierten Eigenwahrnehmung. Dies wirkt sich somit auf den zirkulären Steuerungsprozess aus. Die Anpassungsbewegungen werden ungenauer, dadurch steigt die Spannung weiter und die Wahrnehmungsfähigkeit nimmt noch mehr ab. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen mit hoher Körperspannung unterstützt werden, diese Spannung bei der Durchführung aller alltäglichen Aktivitäten bestmöglich zu regulieren. Sie können dadurch feiner unterscheiden und sich feiner anpassen lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Bedeutung des Lernparadigmas für das Phänomen Spastik &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gestaltung der Lernumgebung statt Behandlung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Gemäß dem Lern- oder Entwicklungsparadigma betrachtet Kinästhetik Spastik als momentanen Stand eines fortlaufenden Anpassungs- und Lernprozesses. Die individuelle Wahrnehmung und die persönliche Selbststeuerungs-Kompetenz hat eine zentrale Bedeutung für die Lernprozesse, mit denen das alltägliche Leben gemeistert wird. Deshalb fokussiert Kinästhetik nicht das Erscheinungsbild an und für sich (z. B. den ‚spastischen Arm‘), sondern unterstützt Betroffene, aus einer Innenperspektive die Dynamik des gesamten Phänomens zu untersuchen und zu entwickeln. Die Lernprozesse bestehen weniger aus kognitivem Verstehen, sondern entstehen bei einem achtsamen und gezielten Unterstützen bei allen Alltagsaktivitäten. Sie bestehen vor allem aus differenzierten [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]] und der Erfahrung der daraus resultierenden Anpassungen oder [[Fehler|Fehlerkorrekturen]]. Typisch für diese Sichtweise ist die Frage nach den spezifischen Kompetenzen, die jemand in seinem Verhalten zeigt. Nicht das, was ‚fehlt‘ oder nicht geht, steht im Zentrum, sondern das, was jemand kann, bzw. das gemeinsame Entdecken des Entwicklungspotenzials. Die äußere Hilfestellung besteht in der bewussten Gestaltung einer individuellen [[Lernumgebung]], nicht in der Behandlung oder Therapie des Betroffenen bzw. seiner Spastik.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Mögliche Fragen, die sich daraus ergeben: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie differenziert kann der betroffene Mensch seine eigene Bewegung wahrnehmen und was unterstützt ihn, mehr und feinere Unterschiede wahrzunehmen? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Auf welchem Stand befinden sich die [[grundlegenden Kompetenzen]] in seiner Bewegung und wie kann er in der Weiterentwicklung dieser Kompetenzen unterstützt werden? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie kann er lernen, z. B. seine Spannung differenzierter an die Herausforderungen der alltäglichen Aktivitäten anzupassen? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie kann er lernen, z. B. eine größere Vielfalt in seinen Bewegungsmustern zu entwickeln und sein Anpassungspotenzial zu erweitern? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie können Absprachen zwischen Pflege- und Betreuungspersonen, TherapeutInnen und Angehörigen getroffen werden, um gemeinsam mit dem betroffenen Menschen eine Lernumgebung für alle Beteiligten zu gestalten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Kinästhetik-Instrumente &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Kinästhetik bietet konkrete Werkzeuge und Instrumente für die Bearbeitung solcher Fragen. Zentral sind die Kinästhetik-Konzepte, die als Blickwinkel dienen, um die Aufmerksamkeit auf unterschiedliche, erfahrbare Aspekte der eigenen Bewegung zu lenken. Gemeinsam mit dem betroffenen Menschen können die individuellen Verhaltensmuster dementsprechend erkundet und erweitert werden.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Das Phänomen der Spastik als solches kann aus einer Erfahrungsperspektive untersucht werden. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Der betroffenen Person können spezifische Fragen gestellt werden, damit sie ihre Aufmerksamkeit auf einzelne erfahrbare Aspekte ihrer Bewegung lenken kann.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Die unterstützende Person kann sich aus der Perspektive der einzelnen Konzepte fragen, was sie während der Interaktion mit einer betroffenen Person in sich merken und anpassen kann. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;*Lernrelevante Blickwinkel können definiert werden.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Als Instrument für diesen Prozess bietet sich die [[Lernspirale]] an. Dabei können alle Beteiligten in einem gemeinsamen Forschungs- und Lernprozess ihre Bewegungskompetenz weiter entwickeln.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Je häufiger eine betroffene Person erfährt, dass sie erfolgreiche Anpassungen in ihrer Bewegung finden kann, desto mehr kann sie aktiv daran arbeiten, das Spektrum ihrer Möglichkeiten zu erweitern. Durch ein dem einzelnen Menschen individuell angepasstes differenziertes Unterstützungsangebot bekommt dieser die Chance, alle seine Alltagsaktivitäten zum Entwickeln seiner Kompetenzen nutzen. Die Qualität der Unterstützung hat einen entscheidenden Einfluss, ob und wie ein Mensch mit hoher Spannung lernt, sein Potential in der Bewegung zu erweitern. Dazu helfen die Sichtweise des Lernparadigmas und eine geschulte [[Bewegungskompetenz]].“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahrungsberichte ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schünemann, Robert:&#039;&#039;&#039; Muster können verändert werden. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2014, Nr. 2. S.16–21.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine junge Frau mit langjähriger hoher Körperspannung auf einer Körperseite lernt durch die Schulung der Bewegungswahrnehmung mehr  Möglichkeiten in sich selber zu finden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zum Artikel: &lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2014-2-Schünemann.pdf|mini]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hoser, Susanne:&#039;&#039;&#039; Alltagsbewältigung im Rollstuhl. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2015, Nr. 3. S. 28–32.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Autorin interviewt zwei &amp;quot;erfahrene Tetraplegiker&amp;quot;, die in Kursen Techniken, Tipps und Tricks für das alltägliche Leben mit Rollstuhl und Spastik weitergeben. Grenzen sind da, um infrage gestellt zu werden; so kann ein hohes Maß an Autonomie erreicht werden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zum Artikel: &lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2015-3-Hoser.pdf|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wikipedia:&#039;&#039;&#039; Spastik. https://de.wikipedia.org/wiki/Spastik (Zugriff: 31.3.2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Absicht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kybernetische Grundlagen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Spastik&amp;diff=4405</id>
		<title>Spastik</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Spastik&amp;diff=4405"/>
		<updated>2022-07-16T14:56:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: /* Erfahrungsberichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Lutz Zierbeck, Rosmarie Suter/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird der in Medizin und Pflege üblichen pathophysiologische Sichtweise auf das spezifische Verhaltensphänomen  „Spastik“ bzw.  „Hohe Körperspannung“ eine kybernetische Sichtweise gegenübergestellt. Diese verschiedenen Betrachtungsweisen bieten unterschiedliche Denk- und Handlungsansätze im Umgang mit diesen Phänomenen.&lt;br /&gt;
Dieser Artikel wird in den Trainerbildungen der EKA verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;„Einleitung &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Im Bereich von Pflege, Betreuung und Therapie ist das Phänomen Spastik immer wieder zu beobachten. Bezüglich des Verhaltens der betroffenen Menschen fällt auf, dass sie insgesamt bei der Durchführung von alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigt sind. Sie benötigen z. B. mehr Zeit dafür, bewegen sich insgesamt mit sehr hoher Körperspannung und haben Mühe mit gezielten, koordinierten und differenzierten Aktivitäten. Desgleichen sind auch plötzliche, unwillkürliche zuckende Bewegungen beobachtbar. Nicht selten berichten betroffene Menschen besonders bei akuten Krämpfen von Schmerzen. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Allerdings können auch  ‚gesunde‘ Menschen in eine unkontrollierbar hohe Spannung geraten, die sie im Moment kaum regulieren können. Ihre Bewegungen sehen dann vielleicht ebenso abrupt, verlangsamt oder undifferenziert aus. Hohe Körperspannung ist kein rein pathologisches Phänomen; vielmehr ist es eine grundlegende Kompetenz, die eigene Körperspannung in unterschiedlichen Situationen des Alltags regulieren und gegebenenfalls auch stark erhöhen zu können. So stellt sich die Frage, was dies für den Umgang mit Spastik in Pflege und Betreuung bedeuten kann. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;In diesem Bereich sind die Annahmen zum Phänomen Spastik und zum Umgang mit ihm in der Regel durch eine pathophysiologische Sichtweise bzw. durch ein Behandlungsparadigma&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 51 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; geprägt. Im Folgenden sollen dieses Verständnis und die kybernetische Sichtweise, die Kinaesthetics zugrunde liegt, einander gegenübergestellt und die Bedeutung für den Umgang mit betroffenen Menschen beleuchtet werden. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Pathophysiologische Sichtweise &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Pathophysiologie wird im Duden als die ‚Lehre von den Krankheitsvorgängen und Funktionsstörungen (in einem Organ)‘ definiert. Aus dieser Sicht wird Spastik bzw. Spastizität als Folge einer Erkrankung oder Verletzung verstanden. Das gängige pathophysiologische Verständnis wird in der folgenden einschlägigen Definition deutlich:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Symptomat.de (Medizin-Lexikon)&amp;lt;br&amp;gt;  ‚Unter einer Spastik bzw. Spastizität versteht man keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom  einer Erkrankung beziehungsweise Verletzung des Zentralen Nervensystems. Dabei spielt immer eine  Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks eine Rolle.‘&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;MedLexi (2019):&#039;&#039;&#039; Spastik. Was ist Spastik? https://medlexi.de/Spastik (Zugriff: 11.10.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;    &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Das Interesse dieser Sichtweise liegt bei kausalen Zusammenhängen, d. h. bei den Ursachen des  Phänomens (Erkrankung oder Verletzung des Zentralnervensystems usw.) und den Folgen, die sich  zwangsläufig aus ihnen ergeben (Muskelkontraktion, Symptome einer Spastik). Hinter diesem Verständnis  steht ein lineares, mechanisches Denken. Es gilt, mit einer klinischen Diagnose die aktuelle ursächliche  neurologische Erkrankung – und durchaus auch frühere mögliche Ursachen – genau zu analysieren. Da sie  im Fall der Spastik als nicht ‚reparabel‘ bzw. heilbar gilt, wird man versuchen, die verschiedenen Symptome  von außen zu behandeln, um den Zustand des betroffenen Menschen der ‚Normalität‘ anzunähern.  Aufgrund der Diagnose werden die möglichen Veränderungschancen bestimmt und das dafür geeignete  Behandlungsschema festgelegt und definiert, damit sich bestimmte Wirkungen einstellen können. Dies  kann medikamentöse und motorische Therapien, operative Eingriffe, aber auch Maßnahmen der Pflege und  Betreuung wie z. B. Lagerungs-Richtlinien umfassen. Die diagnostisch bestimmten Ursachen und mögliche  Folgeerscheinungen gelten als zentrale Begründung für den Umgang mit diesem Menschen. &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Grundsätzlich wird hier die lineare Idee verfolgt, mit all diesen Maßnahmen von außen bestimmte  Wirkungen beim betroffenen Menschen zu erreichen. Wenig bis keine Bedeutung hat der Grundgedanke,  ihn individuell zu befähigen, mit seiner aktuellen Kompetenz selbst entscheidenden Einfluss auf seine  Gesundheitsentwicklung zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Kybernetische Sichtweise &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die kybernetische Beschreibung der Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;Menschliches Verhalten&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Eine kybernetische Sichtweise des Phänomens der Spastik lässt andere Schlüsse zu. Die Kybernetik betrachtet den Menschen als ein komplexes System, das beständig sein Verhalten in zirkulären Rückkopplungsschleifen neu erzeugt. Dabei ist das Gehirn nicht ein übergeordnetes Steuerungs-Organ, das unterstützt durch die Wahrnehmung der Motorik Befehle zur Ausführung erteilt und so die Bewegung und das Verhalten steuert. Vielmehr bestimmt der Mensch auf der Grundlage der steten Rückkopplung von Nerven-, Bewegungs- und Wahrnehmungssystem in jedem Augenblick neu, wie er sein Verhalten im jeweiligen Moment gestaltet&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 43 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dieses Verhalten ist also immer seine aktuelle bestmögliche Anpassung an innere und äußere Gegebenheiten.   &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Mit den ständigen Anpassungen entwickelt der Mensch einerseits eine Vielfalt von nutzbaren Anpassungsmöglichkeiten, die ihm für die alltäglichen Herausforderungen zur Verfügung stehen. Diese sich stets entwickelnde Anpassungskompetenz ist absolut lebensnotwendig und spielt für seine [[Gesundheitsentwicklung]] eine zentrale Rolle. Andererseits bilden sich individuelle Verhaltensmuster heraus, und der Mensch lernt, gewisse Handlungen immer wieder ähnlich zu gestalten und die große Vielfalt an möglichen Anpassungen in ähnlichen Situationen zu begrenzen. Auch diese Begrenzung ist eine Lebensnotwendigkeit und unterstützt die Handlungsfähigkeit eines Menschen. Beides zusammen, die Vielfalt und die Begrenzung, bildet die Grundlage für [[Viabilität|viables]] Handeln, d. h. dafür, im jeweiligen Moment ein passendes Verhalten zu finden&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 33.&amp;lt;/ref&amp;gt;.   &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Das Verständnis der folgenden Theorien kann helfen, neue Perspektiven einzunehmen im Umgang mit Menschen, die ein spezifisches Verhaltensphänomen zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;[[Feedback-Control-Theorie|Feedback-Kontroll-Theorie]]: Fortlaufende Fehlerkorrektur&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Alle Bewegungs- und Verhaltensmuster des Menschen sind erlernt und entwickeln sich ein Leben lang bei der Durchführung der alltäglichen Aktivitäten. Wie erwähnt ist das menschliche Verhalten das Resultat eines inneren Steuerungsprozesses, der als ein permanent laufender zirkulärer Rückkopplungsprozess zwischen dem Wahrnehmungs-, Nerven- und Bewegungssystem beschrieben werden kann. Dabei werden beständig ‚Fehler‘ korrigiert, wobei jede Korrektur zur nächsten Korrektur führt&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kybernetik und Kinästhetik. Unter Mitarbeit von Stefan Marty-Teuber und Stefan Knobel. Linz, Winterthur, Siebnen: Verlag European Kinaesthetics Association, verlag lebensqualität. ISBN: 978-3-903180-22-2 (Verlag European Kinaesthetics Association) ISBN: 978-3-906888-02-6 (verlag lebensqualität). S. 20 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;.    &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Hierzu ein konkretes Beispiel: Ein Mensch hat die Absicht, eine Mütze aufzusetzen. Allein schon beim Ausstrecken des Armes, dessen Gewichtsabgabe in der Schwerkraft organisiert werden muss, finden Anpassungen im ganzen Körper statt. Dabei wird eine Flut von Reizen über die verschiedenen Sinnessysteme (und insbesondere über das kinästhetische Sinnessystem) wahrgenommen und im Zentralnervensystem verarbeitet. Dieses vergleicht fortlaufend den aktuellen Moment des Handelns mit der Absicht: Ist die Hand auf dem richtigen Weg zur Mütze, wie weit ist sie im Moment davon entfernt? Jede Abweichung von der Absicht wird fortlaufend korrigiert, indem z. B. die Richtung der Hand, das Tempo der Armbewegung oder die Ausgleichsbewegung im Becken angepasst wird. Diese vielfältigen Anpassungen der Bewegung werden fortlaufend wahrgenommen und ihre Abweichung berechnet.    &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die Steuerung der Bewegung bzw. des Verhaltens ist ein größtenteils unbewusstes, hochkomplexes Geschehen in unendlich vielen Rückkopplungsschleifen, bei dem jede Anpassung wieder Anlass für die nächste Anpassung ist. Man könnte auch sagen: Die Steuerung liegt im Steuerungsprozess selbst. Es ist dieses Grundprinzip der Selbstregulation, das es unmöglich macht, die Bewegung eines anderen Menschen von außen direkt zu steuern. Im Bereich der Pflege und Betreuung wird allerdings oft von der gegenteiligen Annahme ausgegangen, und man versucht z. B., Menschen zu bewegen, statt sie in ihrer eigenen Bewegung zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;Die Rolle von Feedback-Prozessen bei der Entwicklung einer Spastik&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Liegt beispielsweise nach einem Schlaganfall eine organische Beeinträchtigung des Zentralnervensystems eines Menschen vor, bewirkt dies eine massive Störung im Selbstregulations-Prozess, weil er nicht mehr in gewohnter Weise abläuft. Betroffen ist insbesondere die fortlaufende differenzierte Berechnung der Abweichung bzw. der Fehlerkorrektur. Dies bedeutet für das Nervensystem, dass die fortlaufenden differenzierten Signale der Bewegungswahrnehmung sozusagen wegfallen, die für den Abgleich mit der Absicht der Bewegung von entscheidender Bedeutung sind. Das Bewegungssystem passt sich mit einer größeren Korrektur an, um diese mangelnden Signale zu kompensieren, was vom Nervensystem als eine größere Abweichung von der Absicht berechnet wird, was wiederum mit einer noch größeren Korrektur ausgeglichen werden muss usw.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;So entsteht ein Teufelskreis (‚positive Rückkoppelung‘): Je weniger differenziert z. B. ein Arm bewegt wird, desto weniger differenziert ist die Bewegungswahrnehmung durch die entsprechenden Rezeptoren des Armes. Um diesen ‚Fehler‘ zu korrigieren, wird unter Umständen die Spannung im Arm erhöht und die Bewegung verlangsamt. Dies erweist sich vielleicht erst einmal als hilfreich, um überhaupt noch alltägliche Aktivitäten bewältigen zu können, kann sich aber zu einem Verhaltensmuster entwickeln. Ein Beispiel: Um sich von der Rückenlage in die Seitenlage oder ins Sitzen bewegen zu können, muss der Arm zwingend mitgenommen werden. Das funktioniert vielleicht bei einem betroffenen Menschen nur, wenn er die Spannung im Arm übermäßig erhöht. Erlebt er dies als hilfreich und sinnvoll zur Erreichung der Absicht, kann er daraus das Muster einer undifferenzierten, ständig hoch bleibenden Spannung lernen.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Eine Spastik im Arm wird bei dieser Sichtweise als erlernte Regulationsmöglichkeit, als eine erworbene Kompetenz betrachtet, bei der aber ein gewisses Spektrum an Möglichkeiten von Verhalten vorerst nicht mehr nutzbar ist.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Es ist wichtig zu verstehen, dass der veränderte stetige Rückkopplungsprozess zwischen Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem eine zentralere Rolle spielt als die ‚Ursache‘ des Schlaganfalls. Eine Störung oder Veränderung in einem dieser beteiligten Systeme hat immer eine Auswirkung auf die anderen Systeme und den ganzen Prozess. Desgleichen ist der gesamte Organismus davon betroffen und mitbeteiligt, auch wenn von außen vielleicht nur der ‚spastische‘ Arm auffällt. Wie ein Mensch unter solchen veränderten Bedingungen seine Bewegung konkret steuert, ist ganz individuell und nicht vorhersehbar. Menschen sind keine ‚trivialen Maschinen‘, wie [[Heinz von Foerster]] sagt, die auf einen bestimmten Input immer denselben Output liefern&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 51 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Eine Schädigung im Zentralnervensystem hat immer spezifische individuelle Auswirkungen, die in der Steuerung des (Bewegungs-)Verhaltens zum Ausdruck kommen und in hohem Maß von der individuellen Lerngeschichte des betroffenen Menschen abhängig sind.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Zusammenfassend sind aus kybernetischer Sicht spastische Bewegungsmuster die bestmögliche Antwort auf ein Ereignis und der derzeitige Stand eines permanenten Steuerungs- und Lernprozesses. Das Hauptinteresse liegt beim individuellen Lernprozess des einzelnen Betroffenen und bei seinem Lernpotenzial, seinen Möglichkeiten, selbst Einfluss auf die veränderten Bedingungen zu nehmen. Die Herausforderung für Pflege, Betreuung und Therapie besteht darin, Menschen mit einer Spastik in der weiteren Entwicklung ihrer Selbststeuerungs-Kompetenz gezielt zu unterstützen. Kinaesthetics spricht in diesem Zusammenhang von einem [[Lernparadigma|Lern]]- oder [[Entwicklungsparadigma]]&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 59 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spastik und die Forschungen von Weber und Fechner&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;In den Forschungen von [[Weber und Fechner]] finden wir eine weitere Erklärung für das Phänomen Spastik. Ernst Heinrich Weber und Gustav Theodor Fechner waren um 1850 die Begründer der Psychophysik. Sie untersuchten die menschliche [[Wahrnehmung]] und befassten sich u. a. mit der Wahrnehmungsschwelle. Eine zentrale Forschungsfrage war, ab wann und wie differenziert ein Sinnesreiz überhaupt wahrgenommen wird. Sinneszellen können einen Reiz dann erkennen, wenn ein [[Unterschied]] wahrnehmbar ist. Wird in einem dunklen Raum ein Streichholz angezündet, erscheint die Flamme sehr hell, weil der Unterschied zur Dunkelheit gross ist. Weber und Fechner entdeckten einen interessanten Zusammenhang, der bei allen Sinnessystemen zu finden ist: Je intensiver der Reiz ist, umso höher ist die Schwelle, um einen Unterschied wahrnehmen zu können. So ist das Bemerken eines Unterschiedes über das kinästhetische Sinnessystem abhängig von der Muskelspannung. Ein Beispiel: trägt jemand einen Sack mit 5 kg Gewicht auf den Schultern, wird er merken, wenn ein zusätzliches Gewicht von 500 Gramm dazu kommt. Ist der Sack aber 25 kg schwer, werden 500 Gramm nicht auffallen. Je höher also die Spannung im Körper, desto weniger differenziert werden Veränderungen der Muskelspannung in der Bewegung wahrgenommen, was wiederum einen direkten Einfluss auf die Steuerung der Bewegung hat.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Für das Thema Hohe Körperspannung/Spastik ist dieses Verständnis bedeutsam. Die anhaltende hohe Spannung führt zu einer wenig differenzierten Eigenwahrnehmung. Dies wirkt sich somit auf den zirkulären Steuerungsprozess aus. Die Anpassungsbewegungen werden ungenauer, dadurch steigt die Spannung weiter und die Wahrnehmungsfähigkeit nimmt noch mehr ab. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen mit hoher Körperspannung unterstützt werden, diese Spannung bei der Durchführung aller alltäglichen Aktivitäten bestmöglich zu regulieren. Sie können dadurch feiner unterscheiden und sich feiner anpassen lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Bedeutung des Lernparadigmas für das Phänomen Spastik &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gestaltung der Lernumgebung statt Behandlung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Gemäß dem Lern- oder Entwicklungsparadigma betrachtet Kinästhetik Spastik als momentanen Stand eines fortlaufenden Anpassungs- und Lernprozesses. Die individuelle Wahrnehmung und die persönliche Selbststeuerungs-Kompetenz hat eine zentrale Bedeutung für die Lernprozesse, mit denen das alltägliche Leben gemeistert wird. Deshalb fokussiert Kinästhetik nicht das Erscheinungsbild an und für sich (z. B. den ‚spastischen Arm‘), sondern unterstützt Betroffene, aus einer Innenperspektive die Dynamik des gesamten Phänomens zu untersuchen und zu entwickeln. Die Lernprozesse bestehen weniger aus kognitivem Verstehen, sondern entstehen bei einem achtsamen und gezielten Unterstützen bei allen Alltagsaktivitäten. Sie bestehen vor allem aus differenzierten [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]] und der Erfahrung der daraus resultierenden Anpassungen oder [[Fehler|Fehlerkorrekturen]]. Typisch für diese Sichtweise ist die Frage nach den spezifischen Kompetenzen, die jemand in seinem Verhalten zeigt. Nicht das, was ‚fehlt‘ oder nicht geht, steht im Zentrum, sondern das, was jemand kann, bzw. das gemeinsame Entdecken des Entwicklungspotenzials. Die äußere Hilfestellung besteht in der bewussten Gestaltung einer individuellen [[Lernumgebung]], nicht in der Behandlung oder Therapie des Betroffenen bzw. seiner Spastik.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Mögliche Fragen, die sich daraus ergeben: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie differenziert kann der betroffene Mensch seine eigene Bewegung wahrnehmen und was unterstützt ihn, mehr und feinere Unterschiede wahrzunehmen? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Auf welchem Stand befinden sich die [[grundlegenden Kompetenzen]] in seiner Bewegung und wie kann er in der Weiterentwicklung dieser Kompetenzen unterstützt werden? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie kann er lernen, z. B. seine Spannung differenzierter an die Herausforderungen der alltäglichen Aktivitäten anzupassen? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie kann er lernen, z. B. eine größere Vielfalt in seinen Bewegungsmustern zu entwickeln und sein Anpassungspotenzial zu erweitern? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie können Absprachen zwischen Pflege- und Betreuungspersonen, TherapeutInnen und Angehörigen getroffen werden, um gemeinsam mit dem betroffenen Menschen eine Lernumgebung für alle Beteiligten zu gestalten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Kinästhetik-Instrumente &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Kinästhetik bietet konkrete Werkzeuge und Instrumente für die Bearbeitung solcher Fragen. Zentral sind die Kinästhetik-Konzepte, die als Blickwinkel dienen, um die Aufmerksamkeit auf unterschiedliche, erfahrbare Aspekte der eigenen Bewegung zu lenken. Gemeinsam mit dem betroffenen Menschen können die individuellen Verhaltensmuster dementsprechend erkundet und erweitert werden.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Das Phänomen der Spastik als solches kann aus einer Erfahrungsperspektive untersucht werden. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Der betroffenen Person können spezifische Fragen gestellt werden, damit sie ihre Aufmerksamkeit auf einzelne erfahrbare Aspekte ihrer Bewegung lenken kann.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Die unterstützende Person kann sich aus der Perspektive der einzelnen Konzepte fragen, was sie während der Interaktion mit einer betroffenen Person in sich merken und anpassen kann. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;*Lernrelevante Blickwinkel können definiert werden.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Als Instrument für diesen Prozess bietet sich die [[Lernspirale]] an. Dabei können alle Beteiligten in einem gemeinsamen Forschungs- und Lernprozess ihre Bewegungskompetenz weiter entwickeln.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Je häufiger eine betroffene Person erfährt, dass sie erfolgreiche Anpassungen in ihrer Bewegung finden kann, desto mehr kann sie aktiv daran arbeiten, das Spektrum ihrer Möglichkeiten zu erweitern. Durch ein dem einzelnen Menschen individuell angepasstes differenziertes Unterstützungsangebot bekommt dieser die Chance, alle seine Alltagsaktivitäten zum Entwickeln seiner Kompetenzen nutzen. Die Qualität der Unterstützung hat einen entscheidenden Einfluss, ob und wie ein Mensch mit hoher Spannung lernt, sein Potential in der Bewegung zu erweitern. Dazu helfen die Sichtweise des Lernparadigmas und eine geschulte [[Bewegungskompetenz]].“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahrungsberichte ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schünemann, Robert:&#039;&#039;&#039; Muster können verändert werden. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2014, Nr. 2. S.16–21.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine junge Frau mit langjähriger hoher Körperspannung auf einer Körperseite lernt durch die Schulung der Bewegungswahrnehmung mehr  Möglichkeiten in sich selber zu finden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zum Artikel: &lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2014-2-Schünemann.pdf|mini]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hoser, Susanne:&#039;&#039;&#039; Alltagsbewältigung im Rollstuhl. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2015, Nr. 3. S. 28–32.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Autorin interviewt zwei &amp;quot;erfahrene Tetraplegiker&amp;quot;, die in Kursen Techniken, Tipps und Tricks für das alltägliche Leben mit Rollstuhl und Spastik weitergeben. Grenzen sind da, um infrage gestellt zu werden; so kann ein hohes Maß an Autonomie erreicht werden.&lt;br /&gt;
Zum Artikel: &lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2015-3-Hoser.pdf|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wikipedia:&#039;&#039;&#039; Spastik. https://de.wikipedia.org/wiki/Spastik (Zugriff: 31.3.2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Absicht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kybernetische Grundlagen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.kinaesthetics.de/index.php?title=Datei:Lq-2015-3-Hoser.pdf&amp;diff=4404</id>
		<title>Datei:Lq-2015-3-Hoser.pdf</title>
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		<updated>2022-07-16T14:53:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Spastik</title>
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		<updated>2022-07-16T14:42:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox|mit Fachliteratur angelegt|Lutz Zierbeck, Rosmarie Suter/Stefan Marty-Teuber}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zusammenfassung:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird der in Medizin und Pflege üblichen pathophysiologische Sichtweise auf das spezifische Verhaltensphänomen  „Spastik“ bzw.  „Hohe Körperspannung“ eine kybernetische Sichtweise gegenübergestellt. Diese verschiedenen Betrachtungsweisen bieten unterschiedliche Denk- und Handlungsansätze im Umgang mit diesen Phänomenen.&lt;br /&gt;
Dieser Artikel wird in den Trainerbildungen der EKA verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;„Einleitung &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Im Bereich von Pflege, Betreuung und Therapie ist das Phänomen Spastik immer wieder zu beobachten. Bezüglich des Verhaltens der betroffenen Menschen fällt auf, dass sie insgesamt bei der Durchführung von alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigt sind. Sie benötigen z. B. mehr Zeit dafür, bewegen sich insgesamt mit sehr hoher Körperspannung und haben Mühe mit gezielten, koordinierten und differenzierten Aktivitäten. Desgleichen sind auch plötzliche, unwillkürliche zuckende Bewegungen beobachtbar. Nicht selten berichten betroffene Menschen besonders bei akuten Krämpfen von Schmerzen. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Allerdings können auch  ‚gesunde‘ Menschen in eine unkontrollierbar hohe Spannung geraten, die sie im Moment kaum regulieren können. Ihre Bewegungen sehen dann vielleicht ebenso abrupt, verlangsamt oder undifferenziert aus. Hohe Körperspannung ist kein rein pathologisches Phänomen; vielmehr ist es eine grundlegende Kompetenz, die eigene Körperspannung in unterschiedlichen Situationen des Alltags regulieren und gegebenenfalls auch stark erhöhen zu können. So stellt sich die Frage, was dies für den Umgang mit Spastik in Pflege und Betreuung bedeuten kann. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;In diesem Bereich sind die Annahmen zum Phänomen Spastik und zum Umgang mit ihm in der Regel durch eine pathophysiologische Sichtweise bzw. durch ein Behandlungsparadigma&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kinaesthetics. Lernen und Bewegungskompetenz. Linz, Winterthur: Verlag European Kinaesthetics Association. ISBN 978-3-903180-01-7. S. 51 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; geprägt. Im Folgenden sollen dieses Verständnis und die kybernetische Sichtweise, die Kinaesthetics zugrunde liegt, einander gegenübergestellt und die Bedeutung für den Umgang mit betroffenen Menschen beleuchtet werden. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Pathophysiologische Sichtweise &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Pathophysiologie wird im Duden als die ‚Lehre von den Krankheitsvorgängen und Funktionsstörungen (in einem Organ)‘ definiert. Aus dieser Sicht wird Spastik bzw. Spastizität als Folge einer Erkrankung oder Verletzung verstanden. Das gängige pathophysiologische Verständnis wird in der folgenden einschlägigen Definition deutlich:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Symptomat.de (Medizin-Lexikon)&amp;lt;br&amp;gt;  ‚Unter einer Spastik bzw. Spastizität versteht man keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom  einer Erkrankung beziehungsweise Verletzung des Zentralen Nervensystems. Dabei spielt immer eine  Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks eine Rolle.‘&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;MedLexi (2019):&#039;&#039;&#039; Spastik. Was ist Spastik? https://medlexi.de/Spastik (Zugriff: 11.10.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;    &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Das Interesse dieser Sichtweise liegt bei kausalen Zusammenhängen, d. h. bei den Ursachen des  Phänomens (Erkrankung oder Verletzung des Zentralnervensystems usw.) und den Folgen, die sich  zwangsläufig aus ihnen ergeben (Muskelkontraktion, Symptome einer Spastik). Hinter diesem Verständnis  steht ein lineares, mechanisches Denken. Es gilt, mit einer klinischen Diagnose die aktuelle ursächliche  neurologische Erkrankung – und durchaus auch frühere mögliche Ursachen – genau zu analysieren. Da sie  im Fall der Spastik als nicht ‚reparabel‘ bzw. heilbar gilt, wird man versuchen, die verschiedenen Symptome  von außen zu behandeln, um den Zustand des betroffenen Menschen der ‚Normalität‘ anzunähern.  Aufgrund der Diagnose werden die möglichen Veränderungschancen bestimmt und das dafür geeignete  Behandlungsschema festgelegt und definiert, damit sich bestimmte Wirkungen einstellen können. Dies  kann medikamentöse und motorische Therapien, operative Eingriffe, aber auch Maßnahmen der Pflege und  Betreuung wie z. B. Lagerungs-Richtlinien umfassen. Die diagnostisch bestimmten Ursachen und mögliche  Folgeerscheinungen gelten als zentrale Begründung für den Umgang mit diesem Menschen. &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:&#039;&#039; Grundsätzlich wird hier die lineare Idee verfolgt, mit all diesen Maßnahmen von außen bestimmte  Wirkungen beim betroffenen Menschen zu erreichen. Wenig bis keine Bedeutung hat der Grundgedanke,  ihn individuell zu befähigen, mit seiner aktuellen Kompetenz selbst entscheidenden Einfluss auf seine  Gesundheitsentwicklung zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Kybernetische Sichtweise &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die kybernetische Beschreibung der Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;Menschliches Verhalten&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Eine kybernetische Sichtweise des Phänomens der Spastik lässt andere Schlüsse zu. Die Kybernetik betrachtet den Menschen als ein komplexes System, das beständig sein Verhalten in zirkulären Rückkopplungsschleifen neu erzeugt. Dabei ist das Gehirn nicht ein übergeordnetes Steuerungs-Organ, das unterstützt durch die Wahrnehmung der Motorik Befehle zur Ausführung erteilt und so die Bewegung und das Verhalten steuert. Vielmehr bestimmt der Mensch auf der Grundlage der steten Rückkopplung von Nerven-, Bewegungs- und Wahrnehmungssystem in jedem Augenblick neu, wie er sein Verhalten im jeweiligen Moment gestaltet&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 43 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dieses Verhalten ist also immer seine aktuelle bestmögliche Anpassung an innere und äußere Gegebenheiten.   &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Mit den ständigen Anpassungen entwickelt der Mensch einerseits eine Vielfalt von nutzbaren Anpassungsmöglichkeiten, die ihm für die alltäglichen Herausforderungen zur Verfügung stehen. Diese sich stets entwickelnde Anpassungskompetenz ist absolut lebensnotwendig und spielt für seine [[Gesundheitsentwicklung]] eine zentrale Rolle. Andererseits bilden sich individuelle Verhaltensmuster heraus, und der Mensch lernt, gewisse Handlungen immer wieder ähnlich zu gestalten und die große Vielfalt an möglichen Anpassungen in ähnlichen Situationen zu begrenzen. Auch diese Begrenzung ist eine Lebensnotwendigkeit und unterstützt die Handlungsfähigkeit eines Menschen. Beides zusammen, die Vielfalt und die Begrenzung, bildet die Grundlage für [[Viabilität|viables]] Handeln, d. h. dafür, im jeweiligen Moment ein passendes Verhalten zu finden&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 33.&amp;lt;/ref&amp;gt;.   &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Das Verständnis der folgenden Theorien kann helfen, neue Perspektiven einzunehmen im Umgang mit Menschen, die ein spezifisches Verhaltensphänomen zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;[[Feedback-Control-Theorie|Feedback-Kontroll-Theorie]]: Fortlaufende Fehlerkorrektur&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Alle Bewegungs- und Verhaltensmuster des Menschen sind erlernt und entwickeln sich ein Leben lang bei der Durchführung der alltäglichen Aktivitäten. Wie erwähnt ist das menschliche Verhalten das Resultat eines inneren Steuerungsprozesses, der als ein permanent laufender zirkulärer Rückkopplungsprozess zwischen dem Wahrnehmungs-, Nerven- und Bewegungssystem beschrieben werden kann. Dabei werden beständig ‚Fehler‘ korrigiert, wobei jede Korrektur zur nächsten Korrektur führt&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;&#039;European Kinaesthetics Association (Hg.) (2020):&#039;&#039;&#039; Kybernetik und Kinästhetik. Unter Mitarbeit von Stefan Marty-Teuber und Stefan Knobel. Linz, Winterthur, Siebnen: Verlag European Kinaesthetics Association, verlag lebensqualität. ISBN: 978-3-903180-22-2 (Verlag European Kinaesthetics Association) ISBN: 978-3-906888-02-6 (verlag lebensqualität). S. 20 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;.    &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Hierzu ein konkretes Beispiel: Ein Mensch hat die Absicht, eine Mütze aufzusetzen. Allein schon beim Ausstrecken des Armes, dessen Gewichtsabgabe in der Schwerkraft organisiert werden muss, finden Anpassungen im ganzen Körper statt. Dabei wird eine Flut von Reizen über die verschiedenen Sinnessysteme (und insbesondere über das kinästhetische Sinnessystem) wahrgenommen und im Zentralnervensystem verarbeitet. Dieses vergleicht fortlaufend den aktuellen Moment des Handelns mit der Absicht: Ist die Hand auf dem richtigen Weg zur Mütze, wie weit ist sie im Moment davon entfernt? Jede Abweichung von der Absicht wird fortlaufend korrigiert, indem z. B. die Richtung der Hand, das Tempo der Armbewegung oder die Ausgleichsbewegung im Becken angepasst wird. Diese vielfältigen Anpassungen der Bewegung werden fortlaufend wahrgenommen und ihre Abweichung berechnet.    &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Die Steuerung der Bewegung bzw. des Verhaltens ist ein größtenteils unbewusstes, hochkomplexes Geschehen in unendlich vielen Rückkopplungsschleifen, bei dem jede Anpassung wieder Anlass für die nächste Anpassung ist. Man könnte auch sagen: Die Steuerung liegt im Steuerungsprozess selbst. Es ist dieses Grundprinzip der Selbstregulation, das es unmöglich macht, die Bewegung eines anderen Menschen von außen direkt zu steuern. Im Bereich der Pflege und Betreuung wird allerdings oft von der gegenteiligen Annahme ausgegangen, und man versucht z. B., Menschen zu bewegen, statt sie in ihrer eigenen Bewegung zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;Die Rolle von Feedback-Prozessen bei der Entwicklung einer Spastik&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Liegt beispielsweise nach einem Schlaganfall eine organische Beeinträchtigung des Zentralnervensystems eines Menschen vor, bewirkt dies eine massive Störung im Selbstregulations-Prozess, weil er nicht mehr in gewohnter Weise abläuft. Betroffen ist insbesondere die fortlaufende differenzierte Berechnung der Abweichung bzw. der Fehlerkorrektur. Dies bedeutet für das Nervensystem, dass die fortlaufenden differenzierten Signale der Bewegungswahrnehmung sozusagen wegfallen, die für den Abgleich mit der Absicht der Bewegung von entscheidender Bedeutung sind. Das Bewegungssystem passt sich mit einer größeren Korrektur an, um diese mangelnden Signale zu kompensieren, was vom Nervensystem als eine größere Abweichung von der Absicht berechnet wird, was wiederum mit einer noch größeren Korrektur ausgeglichen werden muss usw.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;So entsteht ein Teufelskreis (‚positive Rückkoppelung‘): Je weniger differenziert z. B. ein Arm bewegt wird, desto weniger differenziert ist die Bewegungswahrnehmung durch die entsprechenden Rezeptoren des Armes. Um diesen ‚Fehler‘ zu korrigieren, wird unter Umständen die Spannung im Arm erhöht und die Bewegung verlangsamt. Dies erweist sich vielleicht erst einmal als hilfreich, um überhaupt noch alltägliche Aktivitäten bewältigen zu können, kann sich aber zu einem Verhaltensmuster entwickeln. Ein Beispiel: Um sich von der Rückenlage in die Seitenlage oder ins Sitzen bewegen zu können, muss der Arm zwingend mitgenommen werden. Das funktioniert vielleicht bei einem betroffenen Menschen nur, wenn er die Spannung im Arm übermäßig erhöht. Erlebt er dies als hilfreich und sinnvoll zur Erreichung der Absicht, kann er daraus das Muster einer undifferenzierten, ständig hoch bleibenden Spannung lernen.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Eine Spastik im Arm wird bei dieser Sichtweise als erlernte Regulationsmöglichkeit, als eine erworbene Kompetenz betrachtet, bei der aber ein gewisses Spektrum an Möglichkeiten von Verhalten vorerst nicht mehr nutzbar ist.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Es ist wichtig zu verstehen, dass der veränderte stetige Rückkopplungsprozess zwischen Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem eine zentralere Rolle spielt als die ‚Ursache‘ des Schlaganfalls. Eine Störung oder Veränderung in einem dieser beteiligten Systeme hat immer eine Auswirkung auf die anderen Systeme und den ganzen Prozess. Desgleichen ist der gesamte Organismus davon betroffen und mitbeteiligt, auch wenn von außen vielleicht nur der ‚spastische‘ Arm auffällt. Wie ein Mensch unter solchen veränderten Bedingungen seine Bewegung konkret steuert, ist ganz individuell und nicht vorhersehbar. Menschen sind keine ‚trivialen Maschinen‘, wie [[Heinz von Foerster]] sagt, die auf einen bestimmten Input immer denselben Output liefern&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 51 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Eine Schädigung im Zentralnervensystem hat immer spezifische individuelle Auswirkungen, die in der Steuerung des (Bewegungs-)Verhaltens zum Ausdruck kommen und in hohem Maß von der individuellen Lerngeschichte des betroffenen Menschen abhängig sind.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Zusammenfassend sind aus kybernetischer Sicht spastische Bewegungsmuster die bestmögliche Antwort auf ein Ereignis und der derzeitige Stand eines permanenten Steuerungs- und Lernprozesses. Das Hauptinteresse liegt beim individuellen Lernprozess des einzelnen Betroffenen und bei seinem Lernpotenzial, seinen Möglichkeiten, selbst Einfluss auf die veränderten Bedingungen zu nehmen. Die Herausforderung für Pflege, Betreuung und Therapie besteht darin, Menschen mit einer Spastik in der weiteren Entwicklung ihrer Selbststeuerungs-Kompetenz gezielt zu unterstützen. Kinaesthetics spricht in diesem Zusammenhang von einem [[Lernparadigma|Lern]]- oder [[Entwicklungsparadigma]]&amp;lt;ref&amp;gt;ebd., S. 59 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spastik und die Forschungen von Weber und Fechner&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;In den Forschungen von [[Weber und Fechner]] finden wir eine weitere Erklärung für das Phänomen Spastik. Ernst Heinrich Weber und Gustav Theodor Fechner waren um 1850 die Begründer der Psychophysik. Sie untersuchten die menschliche [[Wahrnehmung]] und befassten sich u. a. mit der Wahrnehmungsschwelle. Eine zentrale Forschungsfrage war, ab wann und wie differenziert ein Sinnesreiz überhaupt wahrgenommen wird. Sinneszellen können einen Reiz dann erkennen, wenn ein [[Unterschied]] wahrnehmbar ist. Wird in einem dunklen Raum ein Streichholz angezündet, erscheint die Flamme sehr hell, weil der Unterschied zur Dunkelheit gross ist. Weber und Fechner entdeckten einen interessanten Zusammenhang, der bei allen Sinnessystemen zu finden ist: Je intensiver der Reiz ist, umso höher ist die Schwelle, um einen Unterschied wahrnehmen zu können. So ist das Bemerken eines Unterschiedes über das kinästhetische Sinnessystem abhängig von der Muskelspannung. Ein Beispiel: trägt jemand einen Sack mit 5 kg Gewicht auf den Schultern, wird er merken, wenn ein zusätzliches Gewicht von 500 Gramm dazu kommt. Ist der Sack aber 25 kg schwer, werden 500 Gramm nicht auffallen. Je höher also die Spannung im Körper, desto weniger differenziert werden Veränderungen der Muskelspannung in der Bewegung wahrgenommen, was wiederum einen direkten Einfluss auf die Steuerung der Bewegung hat.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Für das Thema Hohe Körperspannung/Spastik ist dieses Verständnis bedeutsam. Die anhaltende hohe Spannung führt zu einer wenig differenzierten Eigenwahrnehmung. Dies wirkt sich somit auf den zirkulären Steuerungsprozess aus. Die Anpassungsbewegungen werden ungenauer, dadurch steigt die Spannung weiter und die Wahrnehmungsfähigkeit nimmt noch mehr ab. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen mit hoher Körperspannung unterstützt werden, diese Spannung bei der Durchführung aller alltäglichen Aktivitäten bestmöglich zu regulieren. Sie können dadurch feiner unterscheiden und sich feiner anpassen lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Bedeutung des Lernparadigmas für das Phänomen Spastik &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gestaltung der Lernumgebung statt Behandlung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Gemäß dem Lern- oder Entwicklungsparadigma betrachtet Kinästhetik Spastik als momentanen Stand eines fortlaufenden Anpassungs- und Lernprozesses. Die individuelle Wahrnehmung und die persönliche Selbststeuerungs-Kompetenz hat eine zentrale Bedeutung für die Lernprozesse, mit denen das alltägliche Leben gemeistert wird. Deshalb fokussiert Kinästhetik nicht das Erscheinungsbild an und für sich (z. B. den ‚spastischen Arm‘), sondern unterstützt Betroffene, aus einer Innenperspektive die Dynamik des gesamten Phänomens zu untersuchen und zu entwickeln. Die Lernprozesse bestehen weniger aus kognitivem Verstehen, sondern entstehen bei einem achtsamen und gezielten Unterstützen bei allen Alltagsaktivitäten. Sie bestehen vor allem aus differenzierten [[Bewegungserfahrung|Bewegungserfahrungen]] und der Erfahrung der daraus resultierenden Anpassungen oder [[Fehler|Fehlerkorrekturen]]. Typisch für diese Sichtweise ist die Frage nach den spezifischen Kompetenzen, die jemand in seinem Verhalten zeigt. Nicht das, was ‚fehlt‘ oder nicht geht, steht im Zentrum, sondern das, was jemand kann, bzw. das gemeinsame Entdecken des Entwicklungspotenzials. Die äußere Hilfestellung besteht in der bewussten Gestaltung einer individuellen [[Lernumgebung]], nicht in der Behandlung oder Therapie des Betroffenen bzw. seiner Spastik.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Mögliche Fragen, die sich daraus ergeben: &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie differenziert kann der betroffene Mensch seine eigene Bewegung wahrnehmen und was unterstützt ihn, mehr und feinere Unterschiede wahrzunehmen? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Auf welchem Stand befinden sich die [[grundlegenden Kompetenzen]] in seiner Bewegung und wie kann er in der Weiterentwicklung dieser Kompetenzen unterstützt werden? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie kann er lernen, z. B. seine Spannung differenzierter an die Herausforderungen der alltäglichen Aktivitäten anzupassen? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie kann er lernen, z. B. eine größere Vielfalt in seinen Bewegungsmustern zu entwickeln und sein Anpassungspotenzial zu erweitern? &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Wie können Absprachen zwischen Pflege- und Betreuungspersonen, TherapeutInnen und Angehörigen getroffen werden, um gemeinsam mit dem betroffenen Menschen eine Lernumgebung für alle Beteiligten zu gestalten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Kinästhetik-Instrumente &#039;&#039;==&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Kinästhetik bietet konkrete Werkzeuge und Instrumente für die Bearbeitung solcher Fragen. Zentral sind die Kinästhetik-Konzepte, die als Blickwinkel dienen, um die Aufmerksamkeit auf unterschiedliche, erfahrbare Aspekte der eigenen Bewegung zu lenken. Gemeinsam mit dem betroffenen Menschen können die individuellen Verhaltensmuster dementsprechend erkundet und erweitert werden.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Das Phänomen der Spastik als solches kann aus einer Erfahrungsperspektive untersucht werden. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Der betroffenen Person können spezifische Fragen gestellt werden, damit sie ihre Aufmerksamkeit auf einzelne erfahrbare Aspekte ihrer Bewegung lenken kann.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;* Die unterstützende Person kann sich aus der Perspektive der einzelnen Konzepte fragen, was sie während der Interaktion mit einer betroffenen Person in sich merken und anpassen kann. &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;*Lernrelevante Blickwinkel können definiert werden.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Als Instrument für diesen Prozess bietet sich die [[Lernspirale]] an. Dabei können alle Beteiligten in einem gemeinsamen Forschungs- und Lernprozess ihre Bewegungskompetenz weiter entwickeln.  &lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Je häufiger eine betroffene Person erfährt, dass sie erfolgreiche Anpassungen in ihrer Bewegung finden kann, desto mehr kann sie aktiv daran arbeiten, das Spektrum ihrer Möglichkeiten zu erweitern. Durch ein dem einzelnen Menschen individuell angepasstes differenziertes Unterstützungsangebot bekommt dieser die Chance, alle seine Alltagsaktivitäten zum Entwickeln seiner Kompetenzen nutzen. Die Qualität der Unterstützung hat einen entscheidenden Einfluss, ob und wie ein Mensch mit hoher Spannung lernt, sein Potential in der Bewegung zu erweitern. Dazu helfen die Sichtweise des Lernparadigmas und eine geschulte [[Bewegungskompetenz]].“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahrungsberichte ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schünemann, Robert:&#039;&#039;&#039; Muster können verändert werden. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2014, Nr. 2. S.16–21.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine junge Frau mit langjähriger hoher Körperspannung auf einer Körperseite lernt durch die Schulung der Bewegungswahrnehmung mehr  Möglichkeiten in sich selber zu finden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zum Artikel: &lt;br /&gt;
[[Datei:Lq-2014-2-Schünemann.pdf|mini]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hoser, Susanne:&#039;&#039;&#039; Alltagsbewältigung im Rollstuhl. In: lebensqualität. Die Zeitschrift für Kinaesthetics. 2015, Nr. 3. S. 28–32.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Autorin interviewt zwei &amp;quot;erfahrene Tetraplegiker&amp;quot;, die in Kursen Techniken, Tipps und Tricks für das alltägliche Leben mit Rollstuhl und Spastik weitergeben. Grenzen sind da, um infrage gestellt zu werden; so kann ein hohes Maß an Autonomie erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur und Medien ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wikipedia:&#039;&#039;&#039; Spastik. https://de.wikipedia.org/wiki/Spastik (Zugriff: 31.3.2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Absicht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kybernetische Grundlagen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
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		<title>Datei:Lq-2014-2-Schünemann 2.pdf</title>
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		<updated>2022-07-16T14:25:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Andreas Borrmann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Andreas Borrmann</name></author>
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